Fotografien einer geteilten Landschaft. Die polnisch-russische Grenze in Ostpreußen

Eine Ausstellung von Dawid Smolorz mit Fotografien von Thomas Voßbeck
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das bis dahin deutsche Ostpreußen nicht nur einen beinahe vollständigen Bevölkerungsaustausch, sondern wurde auch zwischen Polen und der Sowjetunion aufgeteilt. So entstand eine der seltsamsten Grenzen in Europa: künstlich, weitgehend mit dem Lineal gezogen, streng bewacht und fast unüberwindbar. Nach der Liberalisierung des Grenzverkehrs im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts erlebt der Landstrich in der letzten Zeit weltpolitisch bedingt erneut eine negative Wende.
Auf die veränderte Situation nach dem russischen Angriff auf die Ukraine reagierte Polen in den Jahren 2022-2023 mit dem Bau einer etwa 200 Kilometer langen elektronischen Grenzsperre. Neben dem seit der Sowjetzeit existierenden Grenzzaun bildet sie nun ein weiteres künstliches Element in der ostpreußischen Landschaft und verstärkt so zusätzlich die periphere Lage des südlichen Teiles Ostpreußens innerhalb Polens und der Europäischen Union.
Die Ausstellung ist Ergebnis einer Reise, die der Journalist und Regionalforscher Dawid Smolorz und der Fotograf Thomas Voßbeck im Oktober 2023 unternahmen. Ihr Weg führte von der Frischen Nehrung bis zu dem östlich von der Rominter Heide gelegenen polnisch-litauisch-russischen Dreiländereck. Mit Text und Bild präsentiert die Ausstellung Momentaufnahmen von der polnischen Seite dieses europäischen Grenzlandes, gewährt aber auch einen Blick in seine Vergangenheit.
Dawid Smolorz (Gleiwitz), geb. 1971 in Hindenburg/Zabrze (Oberschlesien) ist als Regionalforscher, freier Journalist, Übersetzer, Autor bzw. Co-Autor populärwissenschaftlicher Publikationen zu oberschlesischen und mitteleuropäischen Themen tätig. Seine Beiträge sind u.a. in der Warschauer „Gazeta Wyborcza“, dem Kattowitzer „Dziennik Zachodni“, dem Portal des Mitteldeutschen Rundfunks und dem „Wochenblatt“, der Zeitung der Deutschen in Polen, erschienen. In Kooperation mit dem Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz/Oppeln initiiert er Projekte zur regionalen Thematik. Aufgrund persönlicher Erfahrungen hält Smolorz die Grenzen für ein äußerst spannendes Thema, sowohl die aktuellen als auch die nicht mehr existierenden, die durchlässigen als auch die streng bewachten. Das Besondere an ihnen sei, dass sie alle zugleich Orte der Trennung und Begegnung sind.
Thomas Voßbeck, geboren in Leipzig, Jahrgang 1969, arbeitet seit mehr als 25 Jahren als freiberuflicher Fotograf. Innerhalb verschiedener fotografischer Projekte, die er meist in Zusammenarbeit mit Dawid Smolorz realisiert, beschäftigt er sich vor allem mit deutsch-polnischen Themen. So entstand in den Jahren 2009/10 ein Buch- und Ausstellungsprojekt zur historischen Industriearchitektur des oberschlesischen Industriegebiets „Struktur und Architektur. Das postindustrielle Kulturerbe Oberschlesiens“. Gemeinsam mit dem Herder Institut und dem Schlesischen Museum Kattowitz wurde in den Jahren 2016/17 das dreisprachige Buch- und Ausstellungsprojekt „Oberschlesien aus der Luft“ realisiert, verbunden mit der Erstellung zahlreicher aktueller Luftfotografien dieser Kulturregion.

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