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Tatsiana Astrouskaya ist seit 2018 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung mit dem PostDoc-Projekt „A Long Road Home? Jewish Refuseniks on Their Way to Emigration from Soviet Belarus“. Seit 2020 ist sie zudem Koordinatorin der Herder Institute Research Academy. Ihre Dissertation "Cultural Dissent in Soviet Belarus (1968–1988). Intelligentsia, Samizdat and Non­conformist Discourses" verteidigte sie 2018 an der Universität Greifswald. Zwischen 2000 und 2009 studierte sie Philosophie, Sozialen Theorie und Politischen Philosophie in Minsk und Vilnius und war daraufhin Lehrbeauftragte und Forschungsstipendiatin unter anderem der Robert  Bosch Stiftung, des George Bell Instituts, der Open Society Foundation und des DAAD.
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Hintergrundartikel

Jüdische Nachkriegsmigration aus der UdSSR und die Refusenik-Bewegung

Die jüdische Migration aus der Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg (und auch nach deren Auflösung) ist eine der größten in der modernen Geschichte. Insgesamt 2,75 Millionen sowjetische Juden verließen die UdSSR in Richtung Israel, Vereinigte Staaten, Deutschland und anderswo. Die Haltung des sowjetischen Staates gegenüber der Auswanderung war bemerkenswert ambivalent: In einigen Fällen wurde sie erlaubt und sogar gefördert, in anderen wiederum wurde sie kontrolliert und stark eingeschränkt. Die jüdische Auswanderungsbewegung, die in den späten 1960er Jahren entstand und in den 1970er bis 1980er Jahren anhielt, wurde zu einem Beispiel für Widerstand und Aktivismus innerhalb des autoritären Systems, das zunehmend internationale Aufmerksamkeit erregte. Auf die eine oder andere Weise beeinflusste sie das Leben von Hunderttausenden von Menschen und veränderte das Erscheinungsbild vieler Städte und Gemeinden innerhalb und außerhalb der Sowjetunion.