Lehrmodul
Jüdischer Sport unter nationalsozialistischer Herrschaft
Chronologie
1933
30. Januar: Ernennung Adolf Hitler zum Reichskanzler
24. März: „Ermächtigungsgesetz“; Selbstentmachtung des Parlaments
Ende März: Ausreise des Sportjournalisten und Fußballpioniers Walther Bensemann in die Schweiz
7. April: Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (kurz: Berufsbeamtengesetz)
8./9. April: Ausschluss von Jüdinnen und Juden aus den Vereinen der Deutschen Turnerschaft
9. April: Stuttgarter Erklärung: 14 bekannte Fußballvereine des süddeutschen Verbands bekennen sich zum Nationalsozialismus und verkünden in vorauseilendem Gehorsam den Ausschluss ihrer jüdischen Mitglieder
30. Mai: Gründung Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (RjF)
30. Mai: Mitteilung im „Kicker“ über Ausscheiden Bensemanns aus der Redaktion
30. Mai: Mitteilung im „Kicker“ über Ausscheiden Bensemanns aus der Redaktion
28. September: Reichsausschuss jüdischer Sportverbände wird gegründet
November: Verbot und Auflösung VINTUS
Deutscher Makkabikreis und Sportbund Schild (RjF) bleiben bestehen
VINTUS-Vereine treten mehrheitlich Makkabi bei
1935
2.–7. April, Tel Aviv: 2. Makkabiah im Mandatsgebiet Palästina
1936
16. Juli: Die erfolgreichste deutsche Hochspringerin Gretel Bergmann (RjF) erfährt vom Reichssportführer, dass sie nicht für die Olympischen Spiele aufgestellt wird
1.–16. August, Berlin: Olympische Spiele
Oktober: Umbenennung Sportbund des RjF in Sportbund „Schild“
1938
Tel Aviv: 3. Makkabiah abgesagt (Arabischer Aufstand 1936–1939)
Februar: Reichsmeisterschaft der Makkabi-Fußball-Vereine der Saison 1936/37 findet aufgrund zahlreicher Verbote und Platzsperren erst im Februar 1938 statt
11.–13. März: „Anschluss“ Österreichs
30. September: Münchner Abkommen
28.–29. Oktober: Verhaftung und Deportation von aus Polen stammenden Jüdinnen und Juden im Zuge der sogenannten „Polenaktion“
9./10. November: Der Novemberpogrom vom 9. November 1938 gilt als Wendepunkt, an dem antisemitische Diskriminierung und Ausgrenzung zu systematischer und gewaltsamer Verfolgung wurde. Der organisierte jüdische Sport kommt weitgehend zum Erliegen.
November, London: Die Exilzeitschrift „News of the Swimming Club Hakoah in Emigration“ erscheint zum ersten Mal.
Zwangsweise Auflösung des RjF
1939
15. März: Einmarsch deutscher Truppen in Prag und Zerschlagung der Tschechoslowakei
4. Juli: Reichsvereinigung der Juden in Deutschland wird von den nationalsozialistischen Machthabern angeordnet
1. September: Deutscher Überfall auf Polen
3. September: Kriegserklärung GB und FR an Deutschland
17. September: Sowjetischer Einmarsch in Polen
1940
22. Juni: Überfall auf die Sowjetunion
November: Das sog. „Ghetto Theresienstadt“ wird errichtet
1942
Häftlinge in Konzentrationslagern werden verstärkt als (Zwangs-)Arbeitskräfte in der Waffenindustrie eingesetzt
1943
Mai: Dienstvorschrift für die Gewährung von Vergünstigungen an Häftlinge in Konzentrationslagern, unter den Prämien: Sport
Auflösung der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland
1944/45
Befreiung der Konzentrationslager und Todesmärsche
Übergang von Konzentrationslagern in DP-Camps
8. Mai: Kriegsende in Europa
Informations-Bereich
Fußnoten
2.
Vgl. grundlegend zum jüdischen Sport im NS die frühe Arbeit von Hajo Bernett: Der jüdische Sport im nationalsozialistischen Deutschland, Schorndorf 1978. Eine konzise Literaturübersicht bietet zudem: Lorenz Peiffer, Henry Wahlig: Jüdischer Sport und Sport der Juden in Deutschland. Eine kommentierte Bibliographie, Göttingen 2009, sowie Lorenz Peiffer/Henry Wahlig: Jüdischer Sport und Sport der Juden in Deutschland. Eine kommentierte Bibliographie. Eine Weiterführung und Ergänzung, in: SportZeiten. Sport in Geschichte, Kultur und Gesellschaft 13 (2013/2), S. 55–86.
3.
Der Beauftragte des Reichssportkommissars bei der bayer. Staatsregierung an den Vorsitzenden der jüdischen Sportvereine Bayerns (15. Januar 1934), Dok 33, in: Peiffer, Lorenz/Wahlig, Henry (Hrsg.): „Unser Verein ist judenfrei!“ Ausgrenzung im deutschen Sport. Eine Quellensammlung. Berlin/Boston 2017. S. 24–25.
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