Polnische Militärparade in L’viv, zwischen 1920 und 1930. Архів Центру досліджень визвольного руху, Львів / wikimedia Commons,
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Einführung
Das Modul bietet Quellen zur Geschichte der Ukrainer:innen im Polen der Zwischenkriegszeit an. Es beleuchtet ihr komplexes Verhältnis zum polnischen Staat zwischen Arrangement und Gewaltgeschichte, zwischen Kooperation und Aneignungsversuchen. Die Quellenauswahl umfasst die Zeit des polnisch-ukrainischen Krieges 1918-1921 über Episoden der Normalisierung bis hin zu den vielfältigen Gewalterfahrungen durch staatliche Repression gegen die Ukrainer, aber auch durch rechte ukrainische Organisationen, die Terror gegen Polen und kooperationswillige Ukrainer ausübten.
Der Erste Weltkrieg und die folgende Neuordnung Ostmitteleuropas stieß Staatsgründungsprojekte sowohl in der West- als auch der Zentralukraine an, daneben zahlreiche kurzlebige Mikrostaaten. In der Periode der „Ukrainischen Revolution“ von 1917 bis 1921 waren die Ukrainer nahe daran ihre staatliche Unabhängigkeit zu verwirklichen. Doch scheiterte die Staatsbildung am Mangel internationaler diplomatischer Verbündeter und an der Übermacht umliegender Staaten und militärischer Akteure. Dazu zählten insbesondere
eng. Second Polish Republic, deu. Zweite Polnische Republik, pol. II. Rzeczpospolita, pol. II Rzeczpospolita
Zweite Polnische Republik (Polnisch: II. Rzeczpospolita) ist die gängige Bezeichnung für den wiedererrichteten polnischen Staat (Republik Polen), der am 11.11.1918, nach Ende des Ersten Weltkriegs und 123jähriger Teilungszeit, seine Unabhängigkeit wiedererlangte. Seine Ausdehnung vor allem nach Osten war wesentlich kleiner als zur Zeit der sogenannten 1. Republik (Adelsrepublik), die 1795 mit der dritten Teilung Polens zwischen der Habsburgermonarchie, Preußen und Russland zu existieren aufgehört hatte.
Die Grenzen der Zweiten Polnischen Republik zu den Nachbarstaaten wurden erst 1921/22 und infolge bewaffneter Konflikte festgelegt, wobei sie auch im Nachgang (und teils während der gesamten Existenz der Zweiten Polnischen Republik) umstritten bleiben konnten. Dem deutschen Angriff auf Polen am 1.9.1939 und dem sowjetischen Einmarsch in Polen am 17.9.1939 folgte am 28.9.1939 die Kapitulation in Warschau, was dem funktionalen Ende der Zweiten Republik gleichkam. Als ihr formelles Ende wird oft die Rücknahme der Anerkennung der polnischen Exilregierung durch die britischen und US-amerikanischen Regierungen am 5.7.1945 angesehen, allerdings wurden die Organe der späteren Volksrepublik Polen von der Sowjetunion bereits am 24.6.1944 als offizielle Vertretung Polens anerkannt. Der Präsident der polnischen Exilregierung in London, Ryszard Kaczorowski, übergab am 22.12.1990 als letztem, symbolischem Akt der Zweiten Polnischen Republik deren Insignien an den damaligen polnischen Präsidenten in Warschau, Lech Wałęsa.
Westukrainische Volksrepublik war ein kurzlebiger Staat etwa im Südwesten der heutigen Ukraine. Er beanspruchte Gebiete die Gebiete der im Zerfall begriffenen Habsburgermonarchie mit einem hohen Anteil an ukrainischen bzw. russinischen Bevölkerung wie Galizien, Bukowina und Transkarpatien. Die Westukrainische Volksrepublik wurde am 1. November 1918 in Lemberg gegründet, doch schon am 22. November musste die Regierung wegen der einrückenden polnischen Truppen die Hauptstadt verlassen. Am längsten diente Stanislau als Regierungssitz. Bukowina wurde bald von den rumänischen und Transkarpatien, von den tschechoslowakischen Truppen besetzt. Am 22. Januar 1922 schloss sich die Westukrainische Volksrepublik der Ukrainischen Volksrepublik an.
) und die Rote Armee der russischen und ukrainischen Bolschewiki (hinsichtlich der
rus. Украинская Народная Республика, ukr. Українська Народна Республіка, eng. Ukrainian People's Republic, deu. Volksrepublik Ukraine, rus. Ukrainskaâ Narodnaâ Respublika, ukr. Ukraїnsʹka Narodna Respublіka
Die Ukrainische Volksrepublik wurde 1918 gegründet und stand in Opposition zur bolschewistischen UdSSR. Nach der Eroberung durch die UdSSR 1920 wurde die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik gegründet.
), die gegen die ukrainischen Staatsbildungsprojekte vorgingen.
Sowohl die Westukrainische Volksrepublik als auch die Ukrainische Volksrepublik scheiterten an den Auseinandersetzungen mit umliegenden Mächten in einer äußerst komplexen geopolitischen Konstellation. Die ruthenischen Nationalräte in den ehemals nordostungarischen Komitaten warben auf der Pariser Friedenskonferenz nicht um die Aufnahme in die Westukrainische Volksrepublik, sondern in die
Die Tschechoslowakei war ein zwischen 1918 und 1992 in wechselnden Grenzen und unter wechselnden Namen und politischen Systemen bestehender Staat, dessen Landesteile in den heutigen Staaten Tschechien, Slowakei und der Ukraine (Karpatenukraine, bereits 1939 ungarisch besetzt, ab 1945 an die Sowjetunion) aufgegangen sind. Nach 1945 stand die Tschechoslowakei zunehmend unter politischem Einfluss der Sowjetunion. Nach der Machtübernahme der Kommunistischen Partei 1948 wurde sie endgültig als Teil des sog. Ostblocks zum Satellitenstaat der Sowjetunion und ab 1955 Mitglied des Warschauer Paktes. Zwischen 1960 und 1990 trug das kommunistische Land offiziell den Namen Tschechoslowakische Sozialistische Republik (abgekürzt ČSSR). Die demokratische politische Wende wurde 1989 mit der Samtenen Revolution eingeleitet und mündete 1992 in die Gründung der unabhängigen Tschechischen bzw. Slowakischen Republiken.
Das Königreich Rumänien war ein historischer Staat im südöstlichen Europa, der von 1881 bis 1947 bestand. Direkter Vorgänger war das Fürstentum Rumänien, das 1861/62 aus den Teilfürstentümern Moldau und Walachei gebildet worden war, allerdings zunächst noch unter Oberhoheit des Osmanischen Reiches gestanden hatte. Erst infolge des Russisch-Türkischen Krieges von 1877/78 wurde die politische Unabhängigkeit des Fürstentums erreicht, das sich 1881 selbst zum Königreich proklamierte. Erster König war Karl I. (1839–1914), der wie alle seine Nachfolger aus dem Haus Hohenzollern-Sigmaringen stammte.
Vor dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) umfasste das Territorium lediglich die historischen Landschaften der Walachei sowie Teile der Moldau und der Dobrudscha. Als Mitglied der Siegermächte des Ersten Weltkriegs konnte das Staatsgebiet nach Kriegsende jedoch massiv ausgebaut und mehr als verdoppelt werden. Unter anderem fielen jetzt auch Bessarabien, die Bukowina, Siebenbürgen oder Teile des Banats an das Königreich. Daher wird das Rumänien der Zwischenkriegszeit auch als „Großrumänien“ bezeichnet; der Zustand vor 1918 als „Altreich“.
Mit dem Aufstieg nationalistischer und faschistischer Gruppierungen in den 1930er Jahren wurde das Land innenpolitisch zunehmend instabil. Bis Mitte 1940 musste Rumänien trotz seines Versuches, sich im Zweiten Weltkrieg neutral zu verhalten, größere Teile der 1918 gewonnenen Gebiete wieder abgeben. Noch im selben Jahr wurde eine Militärdiktatur etabliert, die nun faktisch die Regierungsgewalt ausübte. Wenig später folgte der Kriegseintritt auf Seiten der Achsenmächte und in enger Zusammenarbeit mit dem nationalsozialistischen Deutschland. 1944 kam es zum Staatsstreich König Michaels I. (1921–2017) gegen die eigene Regierung, in dessen Folge sich das Land den Alliierten anschloss und dem Deutschen Reich den Krieg erklärte. Nur rund drei Jahre später, Ende 1947, zwang die mittlerweile regierende kommunistische Partei Rumäniens Michael zur Abdankung und rief die Rumänische Volksrepublik aus.
Die Bukowina ist eine historische Landschaft im heutigen Rumänien und der heutigen Ukraine. Der nördliche Teil liegt in der ukrainischen Oblast Tscherniwzi, der südliche hingegen gehört zum rumänischen Kreis Suceava. Die Region gehörte einst zum Fürstentum Moldau und zur Habsburgermonarchie.
und verwirklicht damit seinen Anspruch, seinem Staatsgebiet das gesamte ehemalige Kronland einzuverleiben und dessen Einwohner einer rigorosen Rumänisierungspolitik auszusetzen.2 Polen annektierte Ostgalizien 1919 und errang im polnisch-sowjetischen Krieg weitere ukrainische Gebiete aus der Erbmasse des
Малоформатный атлас Российской империи (1796). Карта Российской империи (карта 1).
Russländisches Kaiserreich
rus. Российская империя, rus. Rossijskaja imperija, eng. Russian Empire, deu. Russisches Zarenreich, rus. Всероссийская империя, rus. Wserossijskaja imperija, deu. Kaiserreich Russland, deu. Russisches Kaiserreich, deu. Russisches Reich, deu. Russländisches Reich
Das Russländische Kaiserreich (auch Russisches Reich, Russisches Kaiserreich oder Kaiserreich Russland) war ein von 1721 bis 1917 existierender Staat in Osteuropa, Zentralasien und Nordamerika. Das Land war Mitte des 19. Jahrhunderts das größte zusammenhängende Reich der Neuzeit. Es wurde nach der Februarrevolution im Jahr 1917 aufgelöst. Der Staat galt als autokratisch regiert und wurde von ungefähr 181 Millionen Menschen bewohnt.
Charkiw (Bevölkerungszahl 2024: ca. 1.300.000) ist die zweitgrößte Stadt der Ukraine. Sie liegt im Osten des Landes. Die Stadt wurde 1630 oder 1653 im „Wilden Feld“ gegründet, wie die Steppenlandschaft in der heutigen Süd- und Ostukraine damals genannt wurde. Mit der Verschiebung der russischen Grenze nach Süden verlor es seine Bedeutung als Festung, wurde daraufhin aber zum Handels- und Handwerkszentrum. 1918 bis 1934 war Charkiw die Hauptstadt der ukrainischen Sowjetrepublik. Seit Februar 2022 erlitt Charkiw starken Beschuss im russisch-ukrainischen Krieg.
Die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik wurde 1919 in Charkiw als Marionettenstaat von Sowjetrussland gegründet. Sie existierte zunächst auf einem kleinen Gebiet in Konkurrenz zu anderen ukrainischen Staatlichkeiten. 1922 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Sowjetunion. 1934 wurde die Hauptstadt der Ukrainischen SSR nach Kiew verlegt. Kurz nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 besetzten sowjetische Truppen polnische Gebiete östlich des Flusses Bug und schlossen die Gebiete mit einem hohen Anteil ukrainischer Bevölkerung der Ukrainischen SSR an.
, deren Territorium die Rote Armee von der Ukrainischen Volksrepublik und der Weißen Armee erkämpfte; die UkrSSR wurde Ende 1922 der
eng. Soviet Union, deu. Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, rus. Sovetskiy Soyuz, rus. Советский Союз, . Совет Ушем, . Советонь Соткс, rus. Sovetskij Soûz, . Советий Союз, yid. ראַטן־פֿאַרבאַנד, yid. סאוועטן פארבאנד, yid. sovətn farband, yid. sovʿtn-farband, yid. sovətn-farband, . Советтер Союзу, . Совет Союзы, . Советон Цæдис, . Совет Эвилели
Die Sowjetunion (SU oder UdSSR) war ein von 1922 bis 1991 bestehender Staat in Osteuropa, Zentral- und Nordasien. Sie ist aus dem sog. Sowjetrussland hervorgegangen, dem Nachfolgestaat des Russländischen Kaiserreichs. Den Kern der Union und zugleich ihren größten Teil bildete die Russische Sowjetrepublik, hinzu kamen weitere Teilrepubliken. Ihre Zahl variiert über die Zeit hinweg und steht im Zusammenhang mit der Besatzung anderer Länder (Estland, Lettland, Litauen), nur kurzzeitig bestehenden Sowjetrepubliken (Karelo-Finnland) oder mit der Teilung bzw. Zusammenlegung von Sowjetrepubliken. Zusätzlich gab es zahlreiche autonome Republiken oder sonstige Gebietseinheiten mit einem Autonomiestatus, der sich im Wesentlichen auf eine sprachliche Autonomie der Minderheiten beschränkte.
Die UdSSR bestand vor ihrer formellen Auflösung aus 15 Sowjetrepubliken mit einer Bevölkerung von ungefähr 290 Millionen Menschen. Mit ca. 22,4 Millionen km² bildete sie den damals größten Flächenstaat der Welt. Die Sowjetunion war eine sozialistische Räterepublik mit einem Einparteiensystem und einer fehlenden Gewaltenteilung.
Wie auch im Falle des Moduls zum Ersten Weltkrieg stellt sich bei der Definition der Zwischenkriegszeit die Frage, wann sie im vorliegenden Fall beginnen soll. Als direkte Folge aus dem Zerfall der Habsburgermonarchie versuchten ukrainische Akteure in
Lwiw (deutsch Lemberg, ukrainisch Львів, polnisch Lwów) ist eine Stadt in der Westukraine in der gleichnamigen Oblast. Mit knapp 730.000 Einwohner:innen (2015) ist Lwiw eine der größten Städte der Ukraine. Die Stadt gehörte lange zu Polen und Österreich-Ungarn.
Aufgrund des Krieges in der Ukraine ist es möglich, dass diese Informationen nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen.
in der Nacht vom 31. Oktober 1918 auf den 1. November 1918, eine „Westukrainische Volksrepublik“ in den mehrheitlich von Ukrainern besiedelten Gebieten des österreichischen Kronlands
yid. גאַליציע, yid. Galitsiye, ron. Halici, ron. Galiția, hun. Halics, hun. Gácsország, hun. Kaliz, hun. Galícia, ces. Halič, slk. Halič, eng. Galicia, rus. Галиция, rus. Galizija, ukr. Галичина, ukr. Halytschyna, pol. Galicja
Galizien ist eine historische Landschaft, die sich heute nahezu vollständig auf dem Gebiet Polens und der Ukraine befindet. Der heute südostpolnische Teil wird dabei üblicherweise als Westgalizien, der westukrainische als Ostgalizien bezeichnet. Vor 1772 gehörte Galizien über Jahrhunderte zur polnisch-litauischen Adelsrepublik, im Anschluss und bis 1918 - als Teil des Kronlandes "Königreich Galizien und Lodomerien" - zum Habsburgerreich.
zu errichten. Die Schlacht um Lemberg Lemberg gegen die polnischen Verbände, die das Land in die neue Republik Polen eingliedern wollten, war bereits nach drei Wochen verloren. Der nachfolgende polnisch-ukrainische Krieg dauerte jedoch noch ein weiteres Jahr an. Im darauf anschließenden polnisch-sowjetischen Krieg 1919–1921 konnte Polen weitere ukrainische Länder (Teile von
Die historische Landschaft Wolhynien liegt in der nordwestlichen Ukraine an der Grenze zu Polen und Belarus. Bereits im Spätmittelalter fiel die Region an das Großfürstentum Litauen und gehörte ab 1569 für mehr als zwei Jahrhunderte zur vereinigten polnisch-litauischen Adelsrepublik. Nach den Teilungen Polen-Litauens Ende des 18. Jahrhunderts kam die Region zum Russischen Reich und wurde namensgebend für das Gouvernement Wolhynien, das bis ins frühe 20. Jahrhundert Bestand hatte. In die russische Zeit fällt auch die Einwanderung deutschsprachiger Bevölkerungsteile (der sog. Wolhyniendeutschen), die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt fand. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Wolhynien zwischen Polen und der ukrainischen Sowjetrepublik aufgeteilt, ab 1939, infolge des Hitler-Stalin-Paktes, vollständig sowjetisch und bereits 1941 von der Wehrmacht besetzt. Unter deutscher Besatzung kommt es zur systematischen Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung sowie weiterer Bevölkerungsgruppen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Wolhynien erneut zur Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik und seit 1992 zur Ukraine. Die Landschaft ist namensgebend für die - räumlich nicht exakt deckungsgleiche - heutige ukrainische Oblast mit der Hauptstadt Luzk (ukr. Луцьк).
Polesien ist eine historische Region im Tiefland der Flussgebiete von Bug und Prypjat. Sie erstreckt sich vom Osten Polens über Weißrussland und die Ukraine bis nach Westrussland. Das zur Kiewer Rus gehörende Gebiet war auch von Polen und Litauen beansprucht. 1385 wurde es von Litauen erobert. Nach der 3. Teilung Polen-Litauens (1795) wurden sie in Russland einverleibt. Die ursprüngliche Sumpflandschaft wurde ab dem 19. Jahrhundert v.a. für landwirtschaftliche Zwecke umgestaltet, nur im Süden ist sie großflächig intakt geblieben. Allerdings wurden die Prypjat-Sümpfe infolge des Atomunfalls von Tschernobyl stark radioaktiv kontaminiert.
) erringen. Der formale Status Ostgaliziens ist jedoch erst bei der Botschafterkonferenz im März 1923 bestätigt worden.5 Dieses Modul repräsentiert die Periode ab dem 1. November 1918 bis 1939. Einen Schwerpunkt bildet der sich allmählich radikalisierende gewaltbereite Nationalismus, der für den akademischen Unterricht quellennah greifbar gemacht wird.
Der Austausch mit der ukrainischen nationalistischen Emigration führte insbesondere nach den polnischen „Pazifikationen“ 1921 und 1930 zur fortschreitenden Radikalisierung ukrainischer Nationalisten.6 Gleichzeitig versucht das Modul regionalen Unterschieden Rechnung zu tragen. So war in Wolhynien der so genannte
Prometheismus
Prometheismus
auch:
Prometheus-Bewegung
Durch den polnischen Politiker Józef Piłsudski (1867–1935) initiierte anti-sowjetische Bewegung der 1920er und 1930er Jahre, die nationale Unabhängigkeitsbewegungen in Ost- und Ostmitteleuropa bzw. separatistische Strömungen in der Sowjetunion förderte. Die Prometheisten zielten nicht nur auf das Ende der sowjetischen Expansionspolitik, sondern auch auf die Schaffung unabhängiger slawischer Nationalstaaten. Mit dem Konzept des Prometheismus verbunden war das Projekt eines ost- und ostmitteleuropäischen Staatenbundes zwischen Ostsee, Adria und Schwarzem Meer unter polnischer Führung (genannt ‚Międzymorze‘ oder ‚Intermarium‘).
, d.h. der Aufbau einer pro-polnischen Strömung unter den Ukrainern der Zweiten Republik mit dem Ziel der Entfachung einer antisowjetischen ukrainischen Bewegung in der Sowjetukraine, deutlich erfolgreicher und sollte vom kurzzeitigen Innenminister Józewski auf staatlicher Ebene ausgeweitet werden.7 Die ukrainische Nationalbewegung in L’viv versuchte wiederum genau deshalb, mit ihren zentralen Kooperativen stärker nach Wolhynien (aber auch ins Chełmer Land oder das Lemkenland) auszugreifen.8 Einen besonderen Schwerpunkt legt das Modul auf Quellen zur Ukrainischen Militärischen Organisation und zur Organisation Ukrainischer Nationalisten, die bislang kaum in deutscher Übersetzung vorlagen. Es bezieht überdies Quellen ein, die die ideologische Diversität der ukrainischen Nationalbewegung ebenso deutlich machen machen wie die vielen Versuche eines polnisch-ukrainischen Ausgleichs.
Von der Pariser Friedenskonferenz bis zur Botschafterkonferenz 1923 war die „ukrainische Frage“ in Ostgalizien ein zentraler Gegenstand der europäischen Diplomatie.9 Dabei wurden Regularien für den Minderheitenschutz sowie Autonomieversprechen für die Ukrainer des ehemaligen Ostgaliziens geschaffen, deren Umsetzung allerdings weit hinter den Erwartungen zurückblieb, bis Polen den Minderheitenschutzvertrag im September 1934 einseitig aufkündigte. Die einschlägigen Quellen dienen dazu, die internationalen Rahmenbedingungen und Versprechungen im Kontrast zur (ausbleibenden) Realisierung des Minderheitenschutzes kritisch zu beleuchten. Die ukrainische Suche nach Alternativen für nicht gewährte Versprechungen wird am Beispiel des Wunsches nach einer ukrainischen Universität und der daraus folgenden Gründung der Ukrainischen [„Geheimen“] Universität in L’viv deutlich. Diese Untergrund-Hochschule operierte 1921-1925 und ermöglichte vor allem den Soldaten der Ukrainischen Galizischen Armee das Studium, denen eine Immatrikulation an der Jan-Kazimierz-Universität in Lviv (damals Lwów) versagt wurde. Die Quellen des Moduls werfen die Frage auf, ob die unerfüllten Versprechungen nicht wesentlich dazu beitrugen, dass das legal arbeitende Lager der ukrainischen Politik insbesondere seit den späten 1920er Jahren gegenüber der radikalen Rechten an Boden verlor. Dieser Wandel war durch anhaltende Gewaltanwendung auf ukrainischer und polnischer Seite gekennzeichnet, die durch Medialisierung und andere Erinnerungsformen ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben wurde.
Zahlreiche Archive der Kriegszeit sind verloren gegangen. Dazu zählt das Archiv der Ukrainischen Galizischen Armee, das die Rote Armee an sich nahm, als sich die Ukrainische Galizische Armee ihr ergab. Nachforschungen haben ergeben, dass dieses Archiv im Verlauf der 1920er Jahre als Heizmaterial der beherbergenden Institution verwendet worden ist.10 Diese epistemische Gewalt gegen ukrainisches historisches Wissen hatte schwerwiegende Folgen. In zahlreichen Familien konnte die Erinnerung an Verstorbene nicht gepflegt werden und aufgund mangelnder Überlieferung über Vermisste oder Gefallene konnten z.B. Erbschaften nicht rechtssicher abgewickelt werden. Auf gesamtgesellschaftlicher Ebene verschärfte dieser Verlust einen ohnehin schon problematischen Trend: Memoiren und andere Ego-Dokumente von Militärs und Politikern der Revolutionszeit gelten mangels anderer Quellen als die authentischsten Zeugnisse dieser Zeit, obwohl die in ihnen geschilderten Sachverhalte häufig nicht nachgeprüft werden können. Oft werden solche Ego-Dokumente unkritisch genutzt, ja überhöht. Dabei gilt jedoch zu bedenken, dass Memoiren anfällig für die „biografische Illusion“11 (Bourdieu) sind, ihre Urheber also erst im Nachhinein schlüssige Lebenswege konstruieren, Erinnerungen anordnen oder auch auslassen. Darüber hinaus wurden Militär- und Politikermemoiren häufig als Auftragsarbeiten mit spezifischen Missionen angefertigt. Die Historiker Ivan Krevec’kyj und Osyp Nazaruk, die beide als Presseoffiziere der Ukrainischen Galizischen Armee tätig waren, publizierten u.a. die in hoher Auflage produzierte Broschüre Wie man Memoirenschreibt. Darin gaben sie ausführliche Anweisungen für Soldaten, Politiker und andere Memoirenschreiber der Revolutionszeit. Das Ziel dieses Vorhabens kommunizierten sie ganz offen: „was wir jetzt nicht mit dem Schwert gewinnen können, werden wir mit der Erinnerung an den Kampf sichern, der für die ganze ukrainische Nation auf ewig ein Testament sein wird.“12 Ein Teil des Moduls enthält Auszüge aus diesen Anweisungen sowie Memoiren von Akteuren, die den Autoren der Schreibanweisung nahestanden. So erhalten die Nutzer:innen des Moduls Gelegenheit, die bewusste top-down Prägung dieser Memoiren selbst zu untersuchen. Die Memoiren waren eine Kommunikationsoberfläche dafür, die ukrainische Staatsbildung als legitimes Unterfangen zu präsentieren, den Polen jedwede Kompetenz für die Regierung einer multinationalen Provinz abzusprechen und damit die ukrainische Gesellschaft des ehemaligen Ostgaliziens hinter der Nationalbewegung zu vereinigen.
Die Kehrseite der Memoiren, in denen die jeweils eigenen Soldaten und Politiker als Helden und Vorkämpfer einer gerechten Sache präsentiert werden, war die Propaganda beider Seiten über feindliche Gewalt. Während sie sich auch in Memoiren findet, war sie insbesondere Teil von Presseberichterstattung, Schwarzbüchern (im ukrainischen Fall: dem „Blutbuch“, krivava knyha) und anderen international ausgerichteten Klageschriften. Diese Form der Propaganda ist ein bedeutsames Phänomen der Kriegszeit 1914–1945 und radikalisierte sich zunehmend seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Sie zielt darauf ab, feindliche Gewalt zu problematisieren, gleichzeitig aber auch, sie zu überhöhen und den Feind als ‚Barbaren‘ aus dem Kreis der ‚zivilisierten Welt‘ zu verbannen, ja nicht selten zu entmenschlichen. Die ‚Barbarei‘ und Neigung zur Gewalt sind dabei nicht selten in den konstruierten ‚Nationalcharakter‘ des Feindes eingeschrieben worden. Polnische und ukrainische Autoren überboten sich in der jeweiligen Darstellung von Gewalttaten, um ihre Wir-Gruppe miteinander zu solidarisieren. Gleichzeitig diente die Gewaltdarstellung dem Appell an die transnationale (mediale) Öffentlichkeit13 – etwa bei den Friedenskonferenzen von 1918–1919 oder vor den Gremien des Völkerbundes. Solche Gewaltpropaganda sollte aber nicht als Tatsachenbericht, sondern als Propaganda analysiert werden und kritisch in die jeweiligen nationalen Diskurse und ihre funktionalen Kontexte eingeordnet werden.14
Memorialisierung, politische Schriften und andere Formate, um die Geschehnisse der turbulenten Jahre 1914–1921 zu verarbeiten, zu überdenken und daraus emotionales, kulturelles und politisches Kapital zu schöpfen, waren Zeugnisse ukrainischer Kulturen der Niederlage.15 Schivelbuschs für die ostmitteleuropäische Zwischenkriegszeit so bedeutsamen Begriff schlage ich deshalb vor, im Plural zu verwenden, weil diese Kulturen – trotz ihrer gemeinsamen Nenner – je nach politischem Lager und geographischer Herkunft, d.h. insbesondere aus der ehemaligen Westukrainischen Volksrepublik oder der ehemaligen Ukrainischen Volksrepublik, stark voneinander abweichen konnten.
Eine wesentliche Triebkraft des westukrainischen turn to the right, d.h. der Abwendung der ukrainischen Nationalbewegung von den sozialistischen und demokratischen Idealen ihrer Gründergeneration, waren ehemalige Militärs der Ukrainischen Galizischen Armee, die sich nicht selten in Kriegsgefangenenlagern radikalisierten, sowie Intellektuelle und Mitarbeiter der jeweiligen Exilregierungen.16 Mittels ihrer Memoiren und nationalistischen Schriften sollte die ‚patriotische Erziehung‘ der nächsten Generation ukrainischer Nationalisten sichergestellt werden. Man hoffte, die künftigen Freiheitskämpfer seien so besser auf ihren Einsatz für eine ukrainische Staatlichkeit vorbereitet. Dieser Gedanke wurde nicht nur in den prominenten Untergrundorganisationen – der Ukrainischen Militärischen Organisation (Ukrajins’ka Vijskova Orhanizacija, im Folgenden UVO) und der Organisation Ukrainischer Nationalisten (Orhanizacija Ukrajins’kych Nacionalistiv, im Folgenden OUN) – vertreten, sondern er kennzeichnete auch das Selbstverständnis der ukrainischen Pfadfinder-, Turn-, Schützen- und Fußballvereine der Zwischenkriegszeit. Das ist kein Zufall, denn wie die Autoren der Erinnerungstexte rekrutierten sich auch die Organisatoren und Leiter dieser Vereine aus der ehemaligen Ukrainischen Galizischen Armee. Die UVO finanzierte in den 1920er Jahren auch das L’viver Verlagshaus Červona Kalyna, das federführend bei der Publikation von Militärmemoiren war.
Die ehemaligen Militärs suchten ihre kriegsbedingte Nationalisierung so weit wie möglich in die ukrainische Gesellschaft hineinzutragen. Der polnische Staat reagierte darauf mit einer unsteten Mischung aus Zensur, Repression und stillschweigender Duldung. Das Modul versammelt einige ideologische Kerntexte, so etwa vom Geographen Stepan Rudnyc’kyj17 und OUN-Chefideologen Dmytro Doncov18, erstmals in deutscher Übersetzung. Daneben finden sich auch bislang oftmals übersehene Texte aus den nationalistischen Untergrundpublikationen der tschechoslowakischen Emigration, so wie Oles‘ Babijs Traktat zum Kult des ersten Novembers. Babij imaginiert die ukrainischen Aktivisten darin als eine Gruppe verschworener Revolutionäre, denen der Kult rund um den Jahrestag des Staatsbildungsversuchs „in Blut und Knochen übergehen“ soll, um das „galizische Land“ an sich zu reißen.19
Daran anknüpfend betrachtet eine weitere Gruppe von Quellen die ukrainischen radikalen Untergrundorganisationen, die Ukrainischen Militärischen Organisation (Ukrajins’ka Vijskova Orhanizacija, im Folgenden UVO) und die Organisation Ukrainischer Nationalisten (Orhanizacija Ukrajins’kych Nacionalistiv, im Folgenden OUN). Die UVO wurde 1920 in
Prag (Bevölkerungszahl 2024: 1.397.880) ist die Hauptstadt und die größte Stadt der Tschechischen Republik. Sie liegt im Zentrum des Staatsgebiets am Fluss Moldau. Die erste Prager Burg entstand wohl im 9. Jahrhundert. Im 10./11. Jahrhundert lebten in anfangs noch zwei benachbarten Burgsiedlungen neben der einheimischen Bevölkerung auch zugewanderte Juden. Zu Beginn der 1230er Jahre erhielt zunächst Prag Stadtrechte, 1257 folgten die Kleinseite (Malá Strana), 1320 Hradschin (Hradčany) als Burgstadt und 1348 die Prager Neustadt (Nové Město). Prag war von Anfang an Residenzstadt der böhmischen Herrscher und gehörte spätestens ab dem 12. Jahrhundert zum Heiligen Römischen Reich. Als Kaisersitz entwickelte sich Prag im 14. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Zentren des gesamten Reichs. Hier entstand 1348 die erste Universität Mitteleuropas. 1784 wurden die vier Städte auch formal vereinigt. Nach und nach, insbesondere 1920 bzw. nach der 1918 erfolgten Gründung der Tschechoslowakei, wurden weitere Orte eingemeindet. 1938-1945 wurde Prag die Hauptstadt des vom Deutschen Reich abhängigen Protektorats Böhmen und Mähren, nach der Zerschlagung des Reichs 1945 durch die Alliierten war Prag bis 1992 wieder die Hauptstadt der – nun sozialistischen – Tschechoslowakei. Nach dem Zerfall der Tschechoslowakei blieb Prag als Hauptstadt der Tschechischen Republik eine der kulturell, wirtschaftlich und politisch wichtigsten Städten Mitteleuropas.
gegründet und rekrutierte sich im Wesentlichen aus ehemaligen Angehörigen der Ukrainischen Sič-Schützen (Ukrajins’ki sičovi stril’ci, auch „Ukrainische Legion“ im habsburgischen Duktus), d.h. den ukrainischen freiwilligen Militäreinheiten im Ersten Weltkrieg, und die aus ihnen hervorgegangene Ukrainische Galizische Armee. Die von Jevhen Konovalec‘ mitbegründete Geheimorganisation war vor allem für Terrorakte gegen polnische Politiker, aber auch gegen kooperationswillige Ukrainer berüchtigt. Gleichzeitig war sie in internationalen rechten Netzwerken aktiv und führte Spionageaktionen durch, die insbesondere für die Abwehr, den deutschen Militärnachrichtendienst, von großem Interesse waren. Als sich 1929, unter anderem mit Beteiligung der UVO, die OUN in Wien gründete, verlor die UVO zunehmend an Bedeutung als eigenständige Organisation und fungierte vielmehr als ‚militärischer Arm‘ der OUN. Konovalec‘ war erster providnyk bzw. vožd‘ (Führer) der Organisation, die ideologisch stark vom integralen Nationalismus Dmytro Doncovs beeinflusst war.20 Quellen des Moduls enthalten neben zentralen Texten zum imaginierten Ideal des ukrainischen Nationalisten auch mediale Reaktionen auf Attentate und Stellungnahmen zu interethnischen Beziehungen. Diese Quellensammlung kann wegen ihrer Beschränkung auf die Zwischenkriegszeit nur einen kleinen Abschnitt in der Geschichte der extremen Rechten abbilden; zur Geschichte der antijüdischen und antipolnischen Gewalt sollten an anderer Stelle unbedingt Quellen zur OUN und UPA im Zweiten Weltkrieg konsultiert werden.
Das Modul soll trotz seines Fokus auf Nationalisierung, Radikalisierung und Gewalt nicht den Eindruck erwecken, dass diese Entwicklung unausweichlich gewesen wäre. So versuchte das Institut für die Erforschung der Nationalitätenfragen (Instytut Badań Spraw Narodowościowych) eine Plattform für einen konstruktiven Dialog mit den Nationalitäten der Zweiten Republik zu bieten.21 Andernorts – insbesondere weit abseits L’vivs, etwa in Wolhynien und in den Ostkarpaten – schlugen politische Experimente des polnischen Prometheismus22 und des Regionalismus durchaus Wurzeln. Während der Prometheismus darauf abzielte, die Sowjetunion mittels der Stärkung sowjetischer Nationalitäten einzudämmen, sollte der Regionalismus der 1930er Jahre die ukrainische Bewegung durch die regionale Fragmentierung ethnographischer Subgruppen zersetzen. Ausgewählte Quellen werden diese Experimente und die Suche nach Alternativen thematisieren, insbesondere anhand des Beispiels von Wolhynien unter dem Wojewoden Henryk Józewski.
Das komplexe ukrainische Verhältnis zur jüdischen Bevölkerung der Zweiten Republik kann anhand der knappen Quellenauswahl allenfalls angedeutet werden. Im Zuge der Rechtswende der Nationalbewegung verschärften sich antisemitische Stereotype und Haltungen. Gerade das Beispiel Volodymyr Vjatrovyčs, 2014-2019 Leiter des ukrainischen Instituts für Nationale Erinnerung und Autor einer knappen Monografie zur Haltung der OUN zu den Juden (1920–1950), zeigt, wie grob verfälschend ein selektives Vorgehen bei diesem hochkomplexen Thema sein kann.23 Neben dem bekannten zentraleuropäischen Stereotyp des „Judäo-Bolschewismus“ bzw. der „Judäo-Kommune“,24 der unter den radikal gegen Moskau bzw. die Sowjetunion ausgerichteten ukrainischen Nationalisten besonders starken Anklang fand, verschärfte sich im Verlauf der 1930er Jahre auch der Antisemitismus moderater und radikaler Nationalisten sowohl in ihrer Ideologie als auch in Taten. Diese Tendenzen bereiteten einen fruchtbaren Boden für die nationalistische Radikalisierung im Zweiten Weltkrieg, das Verüben antijüdischer Gewalt und die Beteiligung am Holocaust. Für diese Themenkomplexe sei jedoch eine kritische Auseinandersetzung auf Grundlage der Sekundärliteratur empfohlen.25 Im Allgemeinen sei auch darauf verwiesen, dass alle Übersetzung aus den Quellen, gerade hochproblematischen nationalistisch-ideologischen Texten, die zumeist ideologischen Traktaten auf Buchlänge entnommen sind,26 notwendigerweise verkürzte Ausschnitte sind, die im engen Dialog mit der entsprechenden Literatur gelesen werden sollten.
Sebastian Ramisch-Paul, Fremde Peripherie – Peripherie der Unsicherheit? Sicherheitsdiskurse über die tschechoslowakische Provinz Podkarpatská Rus (1918–1938), Marburg 2021.
2.
Kurt Scharr, Die Landschaft Bukowina. Das Werden einer Region an der Peripherie 1774–1918, Wien – Köln – Weimar 2010, 219–223; zur ideologischen Begründung vgl. Nicolae Iorga, Românismul in trecutul Bucovinei. Publicațiile Mitropoliei Buvovinei. București 1938.
3.
Benjamin Conrad, Umkämpfte Grenzen, umkämpfte Bevölkerung. Die Entstehung der Staatsgrenzen der Zweiten Polnischen Republik. 1918–1923. Stuttgart 2014; Stephan Lehnstaedt, Der vergessene Sieg. Der Polnisch-Sowjetische Krieg 1919-1921 und die Entstehung des modernen Osteuropa, München 2019.
4.
Hannes Leidinger, Zeit der Wirren. Revolutionäre Umwälzungen und bewaffnete Auseinandersetzungen im ehemaligen Zarenreich 1917–22, in: Wolfram Dornik et al. (Hg.), Die Ukraine zwischen Selbstbestimmung und Fremdherrschaft 1917–1922. Graz 2011, S. 29–60; Georgiy Kasianov, Die Ukraine zwischen Revolution, Selbstständigkeit und Fremdherrschaft, in: Wolfram Dornik et al. (Hg.), Die Ukraine zwischen Selbstbestimmung und Fremdherrschaft 1917–1922. Graz 2011, S. 131-179; Wolfram Dornik, Der Krieg in Osteuropa 1914–19, in: ebd., 61–90; Bogdan Musial, Die Ukrainepolitik des bolschewikischen Russlands, 1917–22, in: ebd., 367–390.
5.
Decision taken by the Conference of Ambassadors regarding the eastern frontiers of Poland. Paris, March 15, 1923, League of Nations, Treaty Series 1923, no. 15, S. 261-265, http://www.forost.ungarisches-institut.de/pdf/19230315-1.pdf
6.
Alexander J. Motyl, The Turn to the Right: The Ideological Origins and Development of Ukrainian Nationalism, 1919–1929. New York 1980.
7.
Cornelia Schenke, Nationalstaat und nationale Frage. Polen und die Ukrainer in Wolhynien 1921–1939, Hamburg, München 2004; Anstelle von Erinnerungen, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Zweite Polnische Republik", bearb. von Heidi Hein-Kircher. URL: https://www.herder-institut.de//digitale-angebote/dokumente-und-materialien/themenmodule/quelle/1144/details.html.
8.
Prohrama pošyrennja dijal’nosti tovarystva na Volyn‘, Lemkivščynu, Nadsjannja, Pidlaššja, Polissja i Cholmščynu, CDIAL, fond 348, op. 1, spr. 10.
9.
Caroline Milow, Die ukrainische Frage 1917-1923 im Spannungsfeld der europäischen Diplomatie, Wiesbaden, 2002.
10.
Ljubomyra Fedunyšyn, Učast‘ Ivana Krevec’koho u nacional’no-vyzvol’nomu rusi v Halyčyni 1918–1923 rr., in: Ukrajina: kul’turna spadščyna, nacional’na svidomist‘, deržavnist‘ 18 (2009), 551–555, hier 552–553.
11.
Pierre Bourdieu, Die biographische Illusion. In: BIOS. Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History 1 (1990), 75-81.
12.
Ivan Krevec’kyj, Osyp Nazaruk: Jak pysaty memuary. Pojasnennja i praktyčni vkazivky. Viden’ 1921 [zuerst: Kam’janec’-Podil’s’kyj 1919], 19.
13.
Vgl. weiterführend dazu: Martin Schulze Wessel / Jörg Requate (Hrsg.): Europäische Öffentlichkeit. Transnationale Kommunikation seit dem 18. Jahrhundert, Frankfurt/Main:Campus 2002 (insbesondere die Beiträge von Frank Hadler und Eberhard Demm) über den tschechischen und litauischen Fall.
14.
Maciej Górny, Science Embattled. Eastern European Intellectuals and the Great War, Paderborn 2019; Jagoda Wierzejska, Polish and Ukrainian Propaganda of Violence During and Shortly After the War for Eastern Galicia (1918–1919), in: Tomasz Pudłocki, Kamil Ruszała (Hg.): Postwar Continuity and New Challenges in Central Europe, 1918-1923: The War That Never Ended, Routledge 2022, 175-198. https://doi.org/10.4324/9781003185017-12 Zu Propaganda in der ukrainischen Revolution im Allgemeinen vgl. Stephen Velychenko, Propaganda in Revolutionary Ukraine: Leaflets, Pamphlets, and Cartoons, 1917-1922, University of Toronto Press 2020.
15.
Wolfgang Schivelbusch, Die Kultur der Niederlage. Der amerikanische Süden 1865; Frankreich 1871; Deutschland 1918, Frankfurt a.M. 2003; Hausmann, Guido: Die Kultur der Niederlage. Der Erste Weltkrieg in der ukrainischen Erinnerung, in: Osteuropa 64 (2014), Heft 2–4, 127–140.
16.
Klassisch und noch immer relevant: Alexander J. Motyl: The Turn to the Right: The Ideological Origins and Development of Ukrainian Nationalism, 1919–1929. New York 1980. Zur Reorientierung des vormals sowjetophilen Lagers vgl. Christopher Gilley: The ‚Change of Signposts‘ in the Ukrainian Emigration. A Contribution to the History of Sovietophilism in the 1920s. With a Foreword by Frank Golczewski. Stuttgart: ibidem-Verlag, 2009.Die Kriegsgefangenschaft und das Lagerleben, das sowohl die Ukrainische Galizische Armee (in der Tschechoslowakei und in Polen) sowie auch die Truppen der UNR (vor allem in Polen) betraf, stellt einen wichtigen Hintergrund für die Formierung national orientierter Gruppen dar. Er kann hier nur am Rande mitbehandelt werden. Zu den ostgalizischen Kriegsgefangenen in Polen sei die Dissertation von Wiktor Węglewicz (Jeńcy i internowani ukraińscy z Galicji Wschodniej w polskich obozach w latach 1918–1921, PhD. Diss. Kraków 2020) wärmstens empfohlen.
17.
Martin Rohde, _Nationale Wissenschaft_ zwischen zwei Imperien. Die Ševčenko-Gesellschaft der Wissenschaften, 1892–1918. Göttingen 2022, 357-387.
18.
Trevor Erlacher, Ukrainian Nationalism in the Age of Extremes. An Intellectual Biography of Dmytro Dontsov, Cambridge, MA 2021.
19.
Oles‘ Babij, Kul’t peršoho lystopada, in: Nacional’na dumka II (1925), no. 5, S. 1–9, hier S. 9.
20.
Erlacher 2021; Motyl, The Turn to the right. Zu den internationalen Verbindungen der OUN vgl. Magdalena Gibiec, Organisation of Ukrainian Nationalists on Emigration Its Formation and Transnational Connections in 1929–1934, Routledge 2024; Frank Golczewski: Deutsche und Ukrainer 1914-1939. Paderborn u.a. 2010.
21.
Stephan, Stach, Nationalitätenpolitik aus der zweiten Reihe. Konzepte und Praktiken zur Einbindung nationaler Minderheiten in Piłsudskis Polen (1926–1939), Göttingen 2024; Olgierd Grott, Instytut Badań Spraw Narodowościowych i Komisja Naukowych Badań Ziem Wschodnich w planowaniu polityki II Rzeczypospolitej Polskiej na Kresach Wschodnich, Kraków 2013.
22.
Zaur Gasimov, Warschau gegen Moskau. Prometheistische Aktivitäten zwischen Polen, Frankreich und der Türkei 1918-1939, Stuttgart 2022.
23.
Viatrovych 2006, dazu Radchenko.
24.
Franziska Bruder, „Den ukrainischen Staat erkämpfen oder sterben!“ Die Organisation ukrainischer Nationalisten (OUN) 1929–1948, Berlin 2007, 47.Agnieszka Pufelska, Die "Judäo-Kommune" - Ein Feindbild in Polen. Das polnische Selbstverständnis im Schatten des Antisemitismus 1939-1948, Paderborn 2007; Johannes Rogalla von Bieberstein: „Jüdischer Bolschewismus“. Mythos
25.
Bruder 2007; Grzegorz Rossoliński-Liebe, Stepan Bandera. Leben und Kult, Göttingen 2025; Marko Carynnyk, Foes of our rebirth. Ukrainian nationalist discussions about Jews, 1929-1947, in: Nationalities Papers 39 (2011), H. 3, 315-352. doi:10.1080/00905992.2011.570327; Myroslav Shkandrij, Ukrainian Nationalism. Politics, Ideology, and Literature, 1929-1956. New Haven, Conn. 2015; Kai Struve, Deutsche Herrschaft, ukrainischer Nationalismus, antijüdische Gewalt. Der Sommer 1941 in der Westukraine, Berlin 2015.
26.
Gerade zu den Texten Doncovs vgl. Erlacher 2021; zu den Texten von Rudnyc’kyj vgl. Rohde, Nationale Wissenschaft, 2022; Martin Rohde, Ukrainian “National Science” in a Spatial Perspective, or How the Hutsul Lands Were Mapped, in: Kritika: Explorations in Russian and Eurasian History 23 (2022), H. 4, S. 771–798.
Martin Rohde: Ukrainer im Polen der Zwischenkriegszeit. Unterdrückung, Experimente in der Nationalitätenpolitik und die gewaltsame Suche nach Selbstbestimmung. In: Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa. URL: https://www.copernico.eu/de/link/68a2c4376b1fd1.53526341 (12-02-2026)
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