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Das Schauturnen der Frauenabteilungen des Bar Kochba am IV. Jüdischen Turntag
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Quellenangabe:
Thomaschewsky, Johanna: Das Schauturnen der Frauenabteilungen des Bar Kochba am IV. Jüdischen Turntag. (August 1909). In: Jüdische Turnzeitung. Monatsschrift für die körperliche Hebung der Juden 10, 8. S. 130 und 132. Zitiert nach: Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa. URL: https://www.copernico.eu/de/link/655771f4047a04.10095308 (08-12-2025)
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Die jüdischen Turn- und Sportvereine öffneten sich bereits zu einem frühen Zeitpunkt für Mädchen und Frauen. Bar Kochba Berlin etwa zählte bereits im Jahr 1903 um die 400 Mitglieder, von denen ein Drittel weiblich war. Während die nicht-jüdischen Turner:innen häufig in weißen Kleidern bei öffentlichen Aufzügen als Ehrenjungfrauen Spalier standen, finden sich in den Publikationen der jüdischen Turnerschaft zahlreiche Belege über körperliche Aktivitäten der weiblichen Mitglieder etwa an den Turngeräten Pferd, Barren und Schwebebalken.
Transkriptionen
Transkription (Deutsch)
Das Schauturnen der Frauenabteilungen des Bar Kochba am IV. Jüdischen Turntag
Sollen die turnerischen Vorführungen, die bei Festlichkeiten geboten werden und die nur kurze Zeit in Anspruch nehmen dürfen,
Gipfelübungen
Gipfelübungen
Mit Gipfelübungen sind sehr anspruchsvolle Übungen, mit Gipfelturnen ist Leistungsturnen gemeint.
sein, oder welchen Charakter sonst sollen sie tragen? Die Frage wird verschieden beantwortet werden müssen, je nachdem, ob es sich um Männer- oder Frauenabteilungen handelt.
Männerabteilungen werden bei solchen Gelegenheiten, und mit Recht, an irgend einem Lieblingsgerät Lieblingsgerät Zu den Geräten gehörten u.a. Barren, Pauschenpferd, und Reck. Im Turnen ist es üblich von „Lieblingsgeräten“ zu reden, mit denen jene bezeichnet werden, an denen die Turner:innen besonders gut (und gerne) trainieren. eine Musterriege Musterriege In einer solchen werden die besten Turner aufgenommen, um bei besonderen Anlässen ein Schauturnen aufzuführen. Diese Praxis sollte auch dazu dienen, das Turnen attraktiv zu machen. stellen; sie werden damit am sichersten den Beifall des Publikums erringen und am besten der Propaganda Propaganda Mit Propaganda ist die Verbreitung des Turnens unter den bisher noch nicht für die Turnbewegung Begeisterten gemeint. dienen.
Es fragt sich aber, ob das gleiche auch für Frauenabteilungen ratsam ist. Ich würde die Frage verneinen. Warum? Nun, gestehen wir es uns nur ganz offen zu, wir haben unter den Frauen noch garnicht das nötige Material Material Mit „Material“ sind hier die Turnerinnen gemeint. zu solchen Musterriegen. Entweder würden die Leistungen der sogenannten Musterriege auch bei dem nachsichtigsten Urteil keine Musterleistungen sein, oder aber die Zahl der Gipfelturnerinnen wäre eine so geringe, daß diese Schaustellung für den Verein eher ein Armutszeugnis als ein Anziehungsmittel bedeutete.
Kann man aber. nicht durch die Qualität wirken, so muß man es mit der Quantität versuchen. In diesem „muß“ liegt nicht etwa Resignation; Im Gegenteil, die Erfüllung dieser Pflicht bringt gleichzeitig leicht zu erkennende Vorteile. Schon das bloße Auftreten einer größeren Schar gleichgekleideter Turnerinnen bietet ein freundliches Bild und erregt die Freude des Publikums.·Dazu kommt noch, daß damit auch ein Wunsch der Turnerinnen selbst befriedigt wird. Bei den meisten Frauen macht sich das Verlangen geltend, sich öffentlich zu zeigen, und diesem Verlangen muß man, so weit es irgend angeht, bei Turnerinnen nachkommen, um nicht Mißstimmung zu erregen. Je größer die Zahl der Beschäftigten bei öffentlichen Vorführungen ist, um so größer ist auch der Eifer in der Abteilung, um so mehr Interesse werden die einzelnen gewinnen, nicht nur für ihre eigene Abteilung, sondern auch für den gesamten Verein, der sie ja zu dieser Sonderleistung auffordert, und das gerade ist ein Umstand, der in Frauenabteilungen, denen man ja immer Interesselosigkeit für die gemeinsame Sache vorwirft, besonders berücksichtigt werden muß.
Allerdings ist eins zu bedenken, wenn man eine größere Zahl von Teilnehmerinnen zu den Schaustellungen heranzieht. Die Uebungen müssen zusammengestellt sein, daß sie auch mittelmäßigen Turnerinnen nur geringe Schwierigkeiten bieten, sie müssen weniger Kraft- als Anmutsübungen sein.
Die Richtigkeit dieser Forderung hat man auch schon immer erkannt; man ließ die Frauenabteilungen bei Festlichkeiten nicht an Geräten turnen; sie traten gewöhnlich zu einem Reigen zusammen. Nach dem Takte der Musik wurden tanzartige Bewegungen ausgeführt, die weniger den Kraftsinn als den ästhetischen Sinn des Zuschauers befriedigten. Und darin liegt durchaus kein Nachteil, beansprucht man doch von den Bewegungen einer Frau zuerst, daß sie anmutig seien.
Dieser Gesichtspunkt leitete mich auch, als ich die Uebungen zum Verbandsschauturnen zusammenstellte. Ich wich nur insofern von der üblichen Form ab, als ich zum erstenmale versuchte, eine Art Reigen an mehreren Ge- |132| räten zu gleicher Zeit darstellen zu lassen. Es konnte sich aus dem vorher erwähnten Grunde auch da natürlich nur um die einfachsten Uebungen handeln; sie sollten wirken durch Straffheit der Ausführung, durch die Gleichmäßigkeit der Bewegung; sie zeigten ihren Charakter als Reigen dadurch an, daß sie ebenfalls nach Musikbegleitung Musikbegleitung „Beim Verbandsschauturnen wurden die Uebungen nach dem Liede „Von frohem Jugendmute“ (O Deutschland, hoch in Ehren) ausgeführt, jedem Teil der Uebung entsprach eine Reihe des Liedes;“ S. 135 ausgeführt wurden.
Bevor ich die Uebungen selbst der Oeffentlichkeit übergebe, möchte ich, um keinesfalls mißverstanden zu werden, noch einmal ganz energisch darauf aufmerksam machen, daß die Uebungen durchaus nicht als Höchstleistungen betrachtet werden dürfen. An eine erste und auch an eine zweite Riege von Turnerinnen können an allen drei Geräten viel höhere Ansprüche gestellt werden; es handelt sich hier nur um Uebungen zu Schaustellungen, an denen auch schwächere Turnerinnen sich beteiligen sollen! […]
Männerabteilungen werden bei solchen Gelegenheiten, und mit Recht, an irgend einem Lieblingsgerät Lieblingsgerät Zu den Geräten gehörten u.a. Barren, Pauschenpferd, und Reck. Im Turnen ist es üblich von „Lieblingsgeräten“ zu reden, mit denen jene bezeichnet werden, an denen die Turner:innen besonders gut (und gerne) trainieren. eine Musterriege Musterriege In einer solchen werden die besten Turner aufgenommen, um bei besonderen Anlässen ein Schauturnen aufzuführen. Diese Praxis sollte auch dazu dienen, das Turnen attraktiv zu machen. stellen; sie werden damit am sichersten den Beifall des Publikums erringen und am besten der Propaganda Propaganda Mit Propaganda ist die Verbreitung des Turnens unter den bisher noch nicht für die Turnbewegung Begeisterten gemeint. dienen.
Es fragt sich aber, ob das gleiche auch für Frauenabteilungen ratsam ist. Ich würde die Frage verneinen. Warum? Nun, gestehen wir es uns nur ganz offen zu, wir haben unter den Frauen noch garnicht das nötige Material Material Mit „Material“ sind hier die Turnerinnen gemeint. zu solchen Musterriegen. Entweder würden die Leistungen der sogenannten Musterriege auch bei dem nachsichtigsten Urteil keine Musterleistungen sein, oder aber die Zahl der Gipfelturnerinnen wäre eine so geringe, daß diese Schaustellung für den Verein eher ein Armutszeugnis als ein Anziehungsmittel bedeutete.
Kann man aber. nicht durch die Qualität wirken, so muß man es mit der Quantität versuchen. In diesem „muß“ liegt nicht etwa Resignation; Im Gegenteil, die Erfüllung dieser Pflicht bringt gleichzeitig leicht zu erkennende Vorteile. Schon das bloße Auftreten einer größeren Schar gleichgekleideter Turnerinnen bietet ein freundliches Bild und erregt die Freude des Publikums.·Dazu kommt noch, daß damit auch ein Wunsch der Turnerinnen selbst befriedigt wird. Bei den meisten Frauen macht sich das Verlangen geltend, sich öffentlich zu zeigen, und diesem Verlangen muß man, so weit es irgend angeht, bei Turnerinnen nachkommen, um nicht Mißstimmung zu erregen. Je größer die Zahl der Beschäftigten bei öffentlichen Vorführungen ist, um so größer ist auch der Eifer in der Abteilung, um so mehr Interesse werden die einzelnen gewinnen, nicht nur für ihre eigene Abteilung, sondern auch für den gesamten Verein, der sie ja zu dieser Sonderleistung auffordert, und das gerade ist ein Umstand, der in Frauenabteilungen, denen man ja immer Interesselosigkeit für die gemeinsame Sache vorwirft, besonders berücksichtigt werden muß.
Allerdings ist eins zu bedenken, wenn man eine größere Zahl von Teilnehmerinnen zu den Schaustellungen heranzieht. Die Uebungen müssen zusammengestellt sein, daß sie auch mittelmäßigen Turnerinnen nur geringe Schwierigkeiten bieten, sie müssen weniger Kraft- als Anmutsübungen sein.
Die Richtigkeit dieser Forderung hat man auch schon immer erkannt; man ließ die Frauenabteilungen bei Festlichkeiten nicht an Geräten turnen; sie traten gewöhnlich zu einem Reigen zusammen. Nach dem Takte der Musik wurden tanzartige Bewegungen ausgeführt, die weniger den Kraftsinn als den ästhetischen Sinn des Zuschauers befriedigten. Und darin liegt durchaus kein Nachteil, beansprucht man doch von den Bewegungen einer Frau zuerst, daß sie anmutig seien.
Dieser Gesichtspunkt leitete mich auch, als ich die Uebungen zum Verbandsschauturnen zusammenstellte. Ich wich nur insofern von der üblichen Form ab, als ich zum erstenmale versuchte, eine Art Reigen an mehreren Ge- |132| räten zu gleicher Zeit darstellen zu lassen. Es konnte sich aus dem vorher erwähnten Grunde auch da natürlich nur um die einfachsten Uebungen handeln; sie sollten wirken durch Straffheit der Ausführung, durch die Gleichmäßigkeit der Bewegung; sie zeigten ihren Charakter als Reigen dadurch an, daß sie ebenfalls nach Musikbegleitung Musikbegleitung „Beim Verbandsschauturnen wurden die Uebungen nach dem Liede „Von frohem Jugendmute“ (O Deutschland, hoch in Ehren) ausgeführt, jedem Teil der Uebung entsprach eine Reihe des Liedes;“ S. 135 ausgeführt wurden.
Bevor ich die Uebungen selbst der Oeffentlichkeit übergebe, möchte ich, um keinesfalls mißverstanden zu werden, noch einmal ganz energisch darauf aufmerksam machen, daß die Uebungen durchaus nicht als Höchstleistungen betrachtet werden dürfen. An eine erste und auch an eine zweite Riege von Turnerinnen können an allen drei Geräten viel höhere Ansprüche gestellt werden; es handelt sich hier nur um Uebungen zu Schaustellungen, an denen auch schwächere Turnerinnen sich beteiligen sollen! […]
Kommentar
Kommentar zum Bericht "Das Schauturnen der Frauenabteilungen des Bar Kochba am IV. Jüdischen Turntag" am 31. Mai 1909
Von Anke Hilbrenner
Ein Beispiel für die turnerischen Aktivitäten jüdischer Frauen und ihrer Wahrnehmung ist der vorliegende Bericht von Johanna Tomaschewsky über das Schauturnen der Frauenabteilungen am IV. Jüdischen Turntag1, das auch als Anleitung für ähnliche Veranstaltungen gelesen werden kann.
Johanna Thomaschewsky Johanna Thomaschewsky (ca. 1882–1968) wurde Anfang der 1880er Jahre in Königsberg geboren. Sie war die jüngste der drei Tomaschewsky-Schwestern, die eine wichtige Rolle in der zionistischen Bewegung und unter den frühen Siedlerinnen in Palästina spielten. Ab 1920 lebte sie in Palästina und nahm dort ab ihrer Heirat 1924 den Namen Hanna Biram an. arbeitete als Lehrerin an der jüdischen Mädchenschule in Berlin, wo sie zu den führenden Aktivistinnen der jüdischen Turnerschaft gehörte und häufig als Autorin in der Jüdischen Turnzeitung bzw. in den Jüdischen Monatsheften für Turnen und Sport auftauchte. Dabei vertrat sie eine zunehmend zionistische Haltung. In der Sprachenfrage etwa positionierte sie sich für das Hebräische als Kommandosprache und publizierte 1919, kurz vor Ihrer Ausreise nach Palästina, ein Glossar hebräischer Turnkommandos mit deutscher Übersetzung.2 Im September 1910 gehörte sie, gemeinsam mit Helene Fuchs, geb. Paradies, Helene Cohn, Rosa Lewin und Gertrud Levy zu den Gründerinnen des IFFTUS, des Jüdischen Frauenbundes für Turnen und Sport.3 Im Jahr 1920 wanderte sie nach Palästina aus, wo sie am Realgymnasium in Haifa arbeitete. 1924 heiratete sie den Direktor der Schule Arthur Biram und nahm seinen Namen an. Seit dieser Zeit hieß sie Hanna Biram und wurde Mutter von zwei Söhnen.4
Ihr Bericht über das Schauturnen der Frauen auf dem IV. Turntag am 31. Mai 1909 ist von einer zeittypischen Ambivalenz.5 Zunächst ist auffällig, dass die Autorin, die als Turnlehrerin für Mädchen und Frauen arbeitet und im Jahr 1910 federführend an der Gründung des IFFTUS beteiligt war, die Leistungen der Turnerinnen als minderwertig beschreibt. Die Turnerinnen, so Tomaschewsky, würden noch gar nicht das „Material“ (S. 130) für eine Musterriege, mit der man für das Turnen werben könne, hergeben. „Qualität“ spricht Tomaschewsky dem Frauenturnen ab, aber „Quantität“ sei etwas, mit dem es versuchen müsse. Doch trotz der abwerteten Rhetorik, schlägt sie vor, über die bislang übliche Praxis, eine Gruppe gleichgekleideter Frauen anmutige Reigen tanzen zu lassen, hinauszugehen. Sie schlägt eine Art Kombination aus Tanz und Geräteturnen vor. Durch Musik und Gleichklang der Turnübungen sollte nach Tomaschewskys Vorschlag „der ästhetische Sinn“ (S. 131) der Zuschauer befriedigt werden, dennoch sollten die Übungen so angelegt sein, dass alle mitmachen konnten. Die Argumentation Tomaschewskys dokumentiert mehrfach die Existenz bürgerlicher Rollenklischees, nachdem Frauen körperlich unzulänglich sind, aber „anmutig“ und daran interessiert „sich öffentlich zu zeigen“. Es scheint aber denkbar, dass sie entlang dieser Linien argumentiert, um die von ihr vorgeschlagene Neuerung durchzusetzen. Um den beim Turntag bisher üblichen Reigen gegen eine Musterriege am Gerät auszutauschen, schien es ihr möglicherweise geboten, von Männern vorgebrachte Kritik und mithin den männlichen Blick auf das Turnen der Frauen zu antizipieren.
Johanna Thomaschewsky Johanna Thomaschewsky (ca. 1882–1968) wurde Anfang der 1880er Jahre in Königsberg geboren. Sie war die jüngste der drei Tomaschewsky-Schwestern, die eine wichtige Rolle in der zionistischen Bewegung und unter den frühen Siedlerinnen in Palästina spielten. Ab 1920 lebte sie in Palästina und nahm dort ab ihrer Heirat 1924 den Namen Hanna Biram an. arbeitete als Lehrerin an der jüdischen Mädchenschule in Berlin, wo sie zu den führenden Aktivistinnen der jüdischen Turnerschaft gehörte und häufig als Autorin in der Jüdischen Turnzeitung bzw. in den Jüdischen Monatsheften für Turnen und Sport auftauchte. Dabei vertrat sie eine zunehmend zionistische Haltung. In der Sprachenfrage etwa positionierte sie sich für das Hebräische als Kommandosprache und publizierte 1919, kurz vor Ihrer Ausreise nach Palästina, ein Glossar hebräischer Turnkommandos mit deutscher Übersetzung.2 Im September 1910 gehörte sie, gemeinsam mit Helene Fuchs, geb. Paradies, Helene Cohn, Rosa Lewin und Gertrud Levy zu den Gründerinnen des IFFTUS, des Jüdischen Frauenbundes für Turnen und Sport.3 Im Jahr 1920 wanderte sie nach Palästina aus, wo sie am Realgymnasium in Haifa arbeitete. 1924 heiratete sie den Direktor der Schule Arthur Biram und nahm seinen Namen an. Seit dieser Zeit hieß sie Hanna Biram und wurde Mutter von zwei Söhnen.4
Ihr Bericht über das Schauturnen der Frauen auf dem IV. Turntag am 31. Mai 1909 ist von einer zeittypischen Ambivalenz.5 Zunächst ist auffällig, dass die Autorin, die als Turnlehrerin für Mädchen und Frauen arbeitet und im Jahr 1910 federführend an der Gründung des IFFTUS beteiligt war, die Leistungen der Turnerinnen als minderwertig beschreibt. Die Turnerinnen, so Tomaschewsky, würden noch gar nicht das „Material“ (S. 130) für eine Musterriege, mit der man für das Turnen werben könne, hergeben. „Qualität“ spricht Tomaschewsky dem Frauenturnen ab, aber „Quantität“ sei etwas, mit dem es versuchen müsse. Doch trotz der abwerteten Rhetorik, schlägt sie vor, über die bislang übliche Praxis, eine Gruppe gleichgekleideter Frauen anmutige Reigen tanzen zu lassen, hinauszugehen. Sie schlägt eine Art Kombination aus Tanz und Geräteturnen vor. Durch Musik und Gleichklang der Turnübungen sollte nach Tomaschewskys Vorschlag „der ästhetische Sinn“ (S. 131) der Zuschauer befriedigt werden, dennoch sollten die Übungen so angelegt sein, dass alle mitmachen konnten. Die Argumentation Tomaschewskys dokumentiert mehrfach die Existenz bürgerlicher Rollenklischees, nachdem Frauen körperlich unzulänglich sind, aber „anmutig“ und daran interessiert „sich öffentlich zu zeigen“. Es scheint aber denkbar, dass sie entlang dieser Linien argumentiert, um die von ihr vorgeschlagene Neuerung durchzusetzen. Um den beim Turntag bisher üblichen Reigen gegen eine Musterriege am Gerät auszutauschen, schien es ihr möglicherweise geboten, von Männern vorgebrachte Kritik und mithin den männlichen Blick auf das Turnen der Frauen zu antizipieren.
Metadaten
- Haupttitel
- Das Schauturnen der Frauenabteilungen des Bar Kochba am IV. Jüdischen Turntag
- Datierung
- August 1909
- Sprachen
- Deutsch
- Quelle
- Thomaschewsky, Johanna: Das Schauturnen der Frauenabteilungen des Bar Kochba am IV. Jüdischen Turntag. In: Jüdische Turnzeitung. Monatsschrift für die körperliche Hebung der Juden 10, 8. S. 130 und 132.
- Quellentyp
- Bericht
- Bestandshaltende Einrichtung
- Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
- Rechteinformation (Kommentar)
- CC BY-NC-SA 4.0
Informations-Bereich
Fußnoten
1.
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