Der Makkabi

Der Artikel „Der Makkabi“ offenbart nicht nur die zionistische Neuorientierung des Vereins in den 1930er-Jahren, sondern zeichnet zugleich ein vielschichtiges Bild jüdischer Selbstbehauptung unter den Bedingungen nationalsozialistischer Repression. Am Beispiel des neu eingeführten Leistungsabzeichens werden sportliche und geistige Anforderungen sichtbar, die auf die Formung eines „neuen jüdischen Menschen“ zielten und damit die Ideale des Muskeljudentums mit Bildung und Gemeinschaftsbildung verbanden.

Transkriptionen

Transkription (Deutsch)

Der Makkabi
schuf ein  L e i s t u n g s a b z e i c h e n  Geist – Körper und die Aufhebung des Gegensatzes. Ebenso alt, wie die Verhöhnung des reinen, unbeholfenen Geistmenschen durch den körperfrohen, naturnahen Jüngling, ebenso alt ist die Verachtung des nur körperbewußten, muskelstrotzenden Athleten durch den Geistigen. Aber ebenso gleichmäßig ist die Bewunderung  a l l e r  für  d e n Menschen, der in edelgebautem Körper die Kraft zu schönen Leibesübungen vereint mit einem hochstrebenden feingebildeten Geist. Nicht zwei Schichten von Menschen darf es geben unter uns: „Gladiatoren“ und „Stubenhocker“, sondern allgemein muß das Besrteben [sic!] sein, einen jüdischen Sportler heranzubilden, der Körperfreude mit Geisteshunger verbindet, der sich von der Müdigkeit des Muskels durch Anregung des Geistes und von der Ermüdung des Geistes durch Betätigung des Muskels erholt. Und der dies tut im Rahmen und in der Idee seiner  j ü d i s c h e n  G e m e i n s c h a f t !  Der all seine Körperkräfte einsetzt, um im sportlichen Kampf Lorbeeren für seine Gemeinschaft zu gewinnen und der die stillen Stunden dazu benutzt, sich mit dem Wissens- und Gedankengut seiner Gemeinschaft zu erfüllen.
Hat er das getan, dann winkt ihm als schönste Auszeichnung das Leistungsabzeichen. – Was muß der jüdische Sportler tun, um sich dieses Abzeichen zu erringen?
Fünf sportliche Uebungen der verschiedensten Art müssen |7| die umfassende Körperschulung erweisen, die von einem Allroundsportler verlangt wird.
Die Kenntnis der jüdischen Geschichte muß den Bewerber als gründend in der jüdischen Gemeinschaft erweisen. Die Kenntnis der jüdischen Renaissancebewegung erweist ihn als bewußt des Sinnes und der Zukunft der Gemeinschaft.
Hebräische Sprachkenntnisse müssen für ihn die Brücke schlagen zu jenem neu erblühenden Leben im alten Judenland, dessen Lage und Gestaltung er in all dem raschen Werden erfassen muß.
Und schließlich muß er geschult sein in der Kenntnis der  M a k k a b i b e w e g u n g, dieser Großen Sportbewegung einer sich regenerierenden jüdischen Gemeinschaft.
V i e l ! Wird so mancher bänglich sagen, der bislang ein anerkannter Sportsmann war, weil er den Fußball etwas treten konnte.
V i e l ? das stimmt: Aber am Ziel steht kein Sportfest, am Ziel steht der n e u e j u n g e j ü d i s c h e M e n s c h ! Das Makkabiabzeichen wartet. M a k k a b i m r ü s t e t K ö r p e r u n d G e i s t !
A.S. A.S. Dr. Adolf Sindler (1899–1965) war ein deutsch-jüdischer Arzt. Sindler wurde in Stanislau (heute Iwano-Frankiwsk, Ukraine) geboren und lebte seit 1903 mit seinen Eltern in Düsseldorf. Er studierte Medizin in Bonn, Münster und Köln und wurde 1922 zum Dr. med. und 1924 zum Dr. phil. promoviert. Sindler war maßgeblich an der Gründung des Makkabi Düsseldorfs beteiligt. Er engagierte sich im lokalen Ableger der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 1927 eröffnete er eine Privatpraxis und ließ sich als Kinderarzt nieder. Nach der Machtübernahme widersetzte er sich erfolgreich dem Entzug seiner Zulassung, verlor jedoch letztlich die deutsche Staatsangehörigkeit sowie in diesem Zusammenhang auch seine Zulassung als Arzt. 1937 emigrierte Sindler nach Palästina. Im Alter von 66 Jahren verstarb er in Haifa.
Die Editionsrichtlinien finden Sie hier.

Kommentar

Adolf Sindler wurde am 04.03.1899 in 
Іvano-Frankіvs'k
deu. Stanislau, pol. Stanisławów, ukr. Івано-Франківськ, rus. Ivano-Frankovsk, rus. Ивано-Франковск, rus. Stanislav, rus. Станислав, ukr. Stanyslaviv, ukr. Станиславів

Im Jahr 1662 als Festung mit drei Dörfern gegründet, hieß die Siedlung damals noch Stanisławów. Bereits im darauffolgenden Jahr erhielt der Ort das Magdeburger Stadtrecht. Die Stadt gehörte zeitweise zu Polen-Litauen, später als „Stanislau“ zur Habsburgermonarchie. Von 1917 bis 1920 war sie Teil der Westukrainischen Volksrepublik, deren Hauptstadt Stanislau 1919 für wenige Monate wurde, bevor es kurzzeitig zu Polen, dann zur Ukrainischen SSR und damit zur Sowjetunion kam – seit deren Zerfall 1991 gehört es zur Ukraine.
Die Geschichte von Stanislau/Iwano-Frankiwsk ist multiethnisch und geprägt von polnischen, ruthenischen/ukrainischen, armenischen, jüdischen und deutschen Bevölkerungsgruppen. 1962 wurde die Stadt nach dem Schriftsteller und Historiker Ivan Franko benannt. Die Universitätsstadt gilt als ein Zentrum der ukrainischen Literatur.
Im Jahr 2015 hatte Iwano-Frankiwsk knapp 230.000 Einwohner:innen.

Aufgrund des Krieges in der Ukraine ist es möglich, dass diese Informationen nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen.

 in der heutigen Ukraine geboren. Seine Eltern wanderten mit ihm und seinen älteren Geschwistern jedoch bald nach Düsseldorf aus, wo sie seit 1903 wohnhaft waren. Nachdem er in Düsseldorf sein Abitur abgeschlossen hatte, meldete sich Adolf Sindler 1917 zum Kriegsdienst, aus dem er mit dem Rang des Fähnrichs und mit Auszeichnung zurückkehrte. In den folgenden Jahren studierte er in Köln, Bonn und Münster, wo er zwei Doktortitel, einen davon in Medizin, erwarb. Als Arzt arbeitete er zuerst in der Fachklinik für Kinderheilkunde an der Benrather Straße, bevor er später seine eigene Praxis gründete.1
Schon früh zeichnete sich Adolf Sindlers sportliches Interesse ab. Vielleicht inspiriert durch seinen älteren Bruder Marcus (genannt Max) Sindler, der Anfang 1920 den Jüdischen Turn-Verein Düsseldorf gründete, unternahm Adolf Sindler mit einer Gruppe Gleichgesinnter im Mai 1924 die Gründung der Arbeitsgemeinschaft jüdischer Jugend, die ab Juli desselben Jahres den Namen Turn- und Sportverein Makkabi Düsseldorf Turn- und Sportverein Makkabi Düsseldorf Der Turn- und Sportverein Makkabi Düsseldorf wurde 1924 gegründet und zählte schon bald 200 aktive Mitglieder. Der Verein beteiligte sich an der Gründung des VINTUS. Der Vorsitzende Adolf Sindler hatte es abgelehnt, den Verein in seinem Sinne (national-jüdisch) auszurichten. Die höchste Mitgliederanzahl erreichte der Verein 1931 mit 650 Mitgliedern. Diesen wurde eine Vielfalt von Sportarten angeboten. Es gab Fußball, Turnen, Leichtathletik, Gymnastik, Rhythmik, Handball, Faustball, Boxen, Tischtennis, Tennis und Schwimmen. Anfang 1933 wurde dem Verein der Zugang zu bisher genutzten Sportanlagen verwehrt. Daraufhin berief Makkabi Düsseldorf eine Mitgliederversammlung ein. In seiner Ansprache plädierte der Vorsitzende Sindler für eine Abkehr von der bislang verfolgten politischen Neutralität des Vereins sowie für dessen zionistische Neuausrichtung. Im November 1933 trat der Verein dem Deutscher Makkabikreis bei. Es wurden alle Sportarten bis auf Rhythmik weiterhin angeboten und Schach kam hinzu. Der Verein wurde 1938 nach den Novemberpogromen aufgelöst. 1961 wurde der Verein unter dem Namen TuS Maccabi Düsseldorf als erster jüdischer Sportverein in der BRD wiedergegründet. Der Verein besteht bis heute. annahm. Neben Turnen, Leichtathletik, Fußball, Faustball, Boxen, Handball, Tennis, Tischtennis und Schwimmen versuchte der Verein auch eine Wassersport-Abteilung und einen Jiu-Jitsu-Kurs zu etablieren. Anders als die zuvor genannten Sportarten wurden diese Vorhaben jedoch aufgrund fehlender Mittel und Teilnahme nicht realisiert. Das Sportangebot des Vereins richtete sich ausdrücklich auch an Frauen. So gab es zusätzlich zu Damenmannschaften, z.B. in Faustball, Rhythmik- und Gymnastikkurse für Frauen und Mädchen.2 
Neben seiner Begeisterung für Sport zeigte Sindler ein ausgeprägt zionistisches Engagement, indem er z.B. im lokalen Ableger der Zionistischen Vereinigung für Deutschland aktiv war.  Die Ausstellung „Hygiene der Juden“ im Rahmen der GeSoLei (Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen) in Düsseldorf von 1926 thematisierte zentrale demografische, soziale und gesundheitspolitische Herausforderungen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Besonderes Augenmerk galt den Ergebnissen der Bevölkerungsstatistik, die trotz einer vergleichsweise niedrigen Säuglingssterblichkeit und einer hohen Lebenserwartung auf einen deutlichen Rückgang der Mitgliederzahlen der Synagogengemeinden hinwiesen. Als wesentliche Ursachen wurden die sinkende Geburtenrate sowie die zunehmende Zahl sogenannter Mischehen genannt. Diese Entwicklung knüpfte an die bereits 1911 von dem Soziologen und Zionisten Felix Theilhaber formulierten Thesen über eine mögliche „Gefährdung“ des Fortbestands des deutschen Judentums an, die innerhalb der jüdischen Öffentlichkeit kontrovers diskutiert wurden. Zugleich spiegelte die Präsentation den Versuch wider, die Zugehörigkeit der jüdischen Bevölkerung zur deutschen Nation hervorzuheben und ihren gesellschaftlich anerkannten Platz innerhalb dieser zu betonen. Parallel dazu wurde jedoch auch die Vorstellung spezifisch „jüdischer Eigenarten“ hervorgehoben, wodurch ein stärkeres Bewusstsein für eine eigenständige jüdische Identität sichtbar wurde. Diese Entwicklung war nicht ausschließlich vom Zionismus geprägt, sondern stand ebenso im Zusammenhang mit der Wahrnehmung wachsender äußerer und innerer Bedrohungen, die eine stärkere Geschlossenheit der jüdischen Gemeinschaft erforderlich erscheinen ließen. Ein weiterer Bestandteil des jüdischen Pavillons war die Palästina-Ausstellung, die von Adolf Sindler in Zusammenarbeit mit der Zionistischen Exekutive in Jerusalem konzipiert wurde. Im Mittelpunkt standen die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas, Fortschritte im Gesundheitswesen sowie sozialpolitische Maßnahmen. Die Darstellung betonte insbesondere die Erfolge bei der Bekämpfung von Krankheiten und beim infrastrukturellen Aufbau des Landes.3 Sindlers Weltsicht wirkte sich aber in den Anfangsjahren des Makkabi noch nicht auf die Ausrichtung des Vereins aus, der zunächst Teil des Verbandes jüdisch neutraler Turn- und Sportvereine (VINTUS) Verbandes jüdisch neutraler Turn- und Sportvereine (VINTUS) Der VINTUS war der Verband jüdisch-neutraler Turn- und Sportvereine Westdeutschlands. Er wurde am 26.04.1925 von insgesamt neun jüdischen Sportvereinen gegründet. Über ihn wurden zahlreiche sportliche Veranstaltungen organisiert. Im November 1933 löste der Verband sich auf. war.4  Die Gemeindezeitung für den Synagogenbezirk Düsseldorf, in der der Artikel „Der Makkabi“ veröffentlicht wurde, erschien seit 1930 zweiwöchentlich unter der Redaktion des Rabbiners Dr. Siegfried Klein bei der Druckerei Perlstein in Düsseldorf. Von 1937 bis 1939 musste die Zeitung auf ein Gemeindeblatt reduziert werden und die Pogrome im November 1938, bei denen die Druckerei Perlstein zerstört und Siegfried Klein überfallen, misshandelt und verletzt wurde, führten letztlich dazu, dass das Gemeindeblatt gänzlich eingestellt wurde. Siegfried Klein blieb trotz mehrfacher Möglichkeit zur Ausreise in Düsseldorf. 1938 wurde ihm mit dem Entzug des Reisepasses die Ausreise weiter erschwert. Mit der Flucht des Rabbiners Dr. Max Eschelbacher, der 1939 nach England einreiste, war Siegfried Klein der einzige Rabbiner in Düsseldorf, bis er 1941 ins Ghetto Litzmannstadt/
Łódź
deu. Lodz, deu. Litzmannstadt, deu. Lodsch, yid. Lodž, yid. לאָדזש, pol. Łodzia, deu. Lodsch

Die kreisfreie Stadt Łódź (Bevölkerung 2024: 645.693) liegt in der gleichnamigen Woiwodschaft im Zentrum Polens. Die bis in die 1820er Jahre unbedeutende Kleinstadt erfuhr einen enormen Aufschwung nach dem Ausbau zum führenden Industriezentrum im autonomen Königreich Polen und wurde zu einem der wichtigsten Industriezentren im gesamten Zarenreich. Wegen der dominierenden Textilindustrie, erhielt die Stadt den Beinamen "Manchester Polens". Allerdings hielt der Wohnungsbau und der Ausbau der Infrastruktur dem Ausbau der Industrie nicht Schritt, sodass in der Stadt neben prunkvollen Palästen breite Teile der Stadtbevölkerung in prekären Verhältnissen, oft ohne Kanalisation und ohne Zugang zu Bildung, lebten.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs gehörte Łódź zum wiederhergestellten polnischen Staat. Neben dem Wiederaufbau der kriegszerstörten Industrie wurde auch verstärkt in die Verbesserung der Lebensbedingungen der Stadtbevölkerung investiert. Nach dem Deutschen Überfall auf Polen im September 1939 wurde die Stadt ins Deutsche Reich eingegliedert und ihr offizieller Name zunächst in Lodsch, dann in Litzmannstadt geändert. 1940-1944 existierte in der Stadt eins der größten Ghettos im Reichsgebiet, in dem neben der beinahe gesamten örtlichen jüdischen Bevölkerung (mit ca. 220.000 etwa ein Drittel der Stadteinwohnerschaft) auch jüdische Bevölkerungsteile aus anderen Gebieten Polens und des Auslands sowie Sinti und Roma auf kleinstem Raum interniert waren. Nur wenige Menschen haben das Ghetto bzw. den Ort der anschließenden Verschleppung überlebt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 stellte Łódź eine intakte Stadt dar. Als die zu diesem Zeitpunkt größte Stadt Polens und wegen ihrer Nähe zur formellen, aber fast komplett zerstörten Hauptstadt Warschau, fungierte sie für drei Jahre als Regierungssitz.
Die Krise der Textilindustrie begann in den 1980er Jahren, um kurz nach Beginn der politischen Transformation Anfang der 1990er Jahre zusammenzubrechen. Die Stadt stürzte in eine tiefe Krise, in deren Folge ihre Bevölkerung zwischen 1989 und 2022 um 200.000 Einwohner sank. Vom zweiten Platz im Ranking der größten Städte des Landes ist Łódź an die vierte Stelle nach Krakau und Breslau zurückgefallen. Die Investitionen in die Sanierung, den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und den Kultursektor trugen im 21. Jahrhundert zu einem deutlich besseren Image der Stadt bei, die heute als einer der wichtigsten Standorte für Bildung, Kultur, die Designbranche und Filmindustrie in Polen gilt.

 deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Seine Frau wurde 1942 in Lodz ermordet. Die Kinder des Ehepaars Klein konnten 1938 nach England gerettet werden und überlebten.5
Mit den ab 1933 steigenden Repressalien gegen Jüdinnen und Juden, bei denen dem Makkabi auch der Zugang zu den bisher verfügbaren Sportstätten verwehrt wurde6 und jüdische Sportvereine von allgemeinen Wettbewerben ausgeschlossen wurden, änderte sich die Ausrichtung des Makkabi zu einer zionistischen Organisation. Dies geschah nicht zuletzt durch den Einsatz von Adolf Sindler, der in Mitgliederversammlungen die in seinen Augen gescheiterte Assimilation kritisierte und als Vorsitzender den Austritt aus dem VINTUS erwirkte. Diese Entwicklung des Makkabi zeigte sich auch in vielen anderen jüdischen Sportvereinen im Rheinland.7 
Der Artikel „Der Makkabi“ richtete sich an die Mitglieder des Vereins, sowie potentiell Interessierte und bewarb ein neu eingeführtes Leistungsabzeichen (S. 6–7). In den Anforderungen des Leistungsabzeichens lässt sich deutlich die nun zionistische Ausrichtung des Vereins erkennen. Kenntnis der jüdischen Geschichte, der jüdischen Renaissancebewegung und der hebräischen Sprache waren den Kritikern der Assimilation nicht nur zur Stärkung der jüdischen Zugehörigkeit wichtig, sondern dienten darüber hinaus der Vorbereitung auf die Auswanderung ins damalige 
Mandatsgebiet Palästina
eng. Mandatory Palestine, heb. המנדט הבריטי מטעם חבר הלאומים על פלשתינה, fra. Palestine mandataire

Das Mandatsgebiet Palästina wurde infolge des Ersten Weltkriegs und der in den Nachkriegsjahren vorgenommenen territorialen Neuordnung der östlichen Mittelmeergebiete (Levante) geschaffen, die zuvor zum unterlegenen Osmanischen Reich gehört hatten. Im Kriegsverlauf waren die Gebiete westlich und östlich des Jordan, die historisch auch als Cis- bzw. Transjordanien bezeichnet wurden und den heutigen Staaten Israel, Jordanien sowie dem Westjordanland und dem Gazastreifen entsprechen, unter britische Herrschaft gekommen. Großbritannien hatte ab 1916 die regionale arabische Unabhängigkeitsbewegung in der Arabischen Revolte (1916–1918) entscheidend unterstützt, die militärisch eroberten Gebiete jedoch im Anschluss zwischen sich und Frankreich aufgeteilt. Noch vor Kriegsende hatte Großbritannien zudem nicht nur der arabischen, sondern auch der jüdischen Bevölkerung der Region Unterstützung in der Erlangung politischer Unabhängigkeit bzw. der Schaffung eigener Staaten zugesichert (Balfour-Erklärung, 1917). Die Konferenz von San Remo, die im April 1920 über die Aufteilung des Osmanischen Reiches entschied, bestätigte die britischen Gebietsansprüche. 1922 erteilte auch der Völkerbund Großbritannien offiziell das Mandat über das Gebiet.
Bereits 1923 teilte Großbritannien dieses erste „Mandatsgebiet Palästina“ in zwei Gebiete auf: „Transjordanien“, das 1946 unabhängig wurde und seit 1950 offiziell den Namen Jordanien trägt; sowie das erneut als Mandatsgebiet „Palästina“ bezeichnete Gebiet, das nun das historische Cisjordanien bzw. den westlich des Jordans gelegenen Teil der historischen Region Palästina und die südlich gelegene Negev-Wüste umfasste und nach wie vor einen Zugang zum Golf von Akaba und damit zum Roten Meer besaß.
Die Zeit des Mandats war von anhaltenden Unruhen zwischen den arabischen und jüdischen Bevölkerungsteilen des Mandatsgebietes geprägt, nach Ende des Zweiten Weltkriegs gab Großbritannien das Mandat auf und an die Vereinten Nationen (als Nachfolgeeinrichtung des Völkerbundes) zurück, die daraufhin einen Teilungsplan für die Region entwickelten. Zu dessen Implementierung kam es jedoch nie, da die Spannungen im Mandatsgebiet zum Palästinakrieg (1947–1949) eskalierten, in dessen Verlauf Israel seine Unabhängigkeit ausrufen und erfolgreich durchsetzen konnte.

Das Bild zeigt eine Karte des britischen Mandatsgebiets in Palästina zwischen 1945 und 1947. (Public Domain, via Wikimedia Commons)

, welches der Autor im Artikel als „alte[s] Judenland“ (S. 7) bezeichnet. Obwohl der Autor nicht direkt auf den von Max Nordau geprägten Begriff des „Muskeljudentums“ Bezug nimmt, ist der Einfluss dieser Bewegung in den breitgefächerten sportlichen Voraussetzungen des Leistungsabzeichen und in dem Wunsch nach einer durch Sport etablierten jüdischen Gemeinschaft und einem „neue[n], junge[n], jüdische[n] Mensch“ (S. 7)  erkennbar. Adolf Sindler betont in seinem Artikel darüber hinaus mehrmals auch die Bedeutung der geistigen Bildung. Der anrufende Ton des Artikels legt nahe, dass bei den Lesenden ein gewisser Enthusiasmus für die sportliche Betätigung, insbesondere im Kontext der Entwicklung eines „neuen jüdischen Menschen“, erweckt werden sollte. Das auf einem Schaubild am Ende des Artikels aufgeführte Sportangebot lässt vermuten, dass die Aktivität des Vereins zu diesem Zeitpunkt schon durch Repressalien eingeschränkt war, da die Sportarten Faustball und Schwimmen hier nicht mehr aufgeführt sind. Der Artikel ebenso wie das Fortbestehen der Gemeindezeitung sind Zeugnisse der Widerstandsfähigkeit der jüdischen Bevölkerung selbst in Zeiten zunehmender Unterdrückung. Zugleich verdeutlichen sie die Schwierigkeit der nahezu unmöglichen Entscheidung, zu der Jüdinnen und Juden gezwungen wurden: zwischen der Flucht aus ihrer Heimat und dem Risiko, im nationalsozialistisch regierten Deutschland zu verbleiben.
Trotz seines zionistischen Engagements und der Repressalien des NS-Regimes blieb Adolf Sindler recht lange in Düsseldorf, 1937 flüchtete er nach Palästina, wo er sich 1938 in Haifa niederließ. Anders als viele jüdische Ärzte, denen schon 1933 die kassenärztliche Zulassung entzogen wurde, konnte er zunächst aufgrund einer Ausnahmeregelung für Soldaten des Ersten Weltkrieges weiter praktizieren. Darüber hinaus erhielt er in Form von Stellungnahmen der Düsseldorfer Bevölkerung Unterstützung, die seine Beliebtheit, Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit hervorhoben und ihn als „im deutschen Kulturkreis fest verwurzelt”8 beschrieben. Sogar als ihm 1935 die Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, war er aufgrund seiner Beliebtheit bei der Bevölkerung noch in der Lage zu praktizieren, doch aufgrund einer Krankheit, wegen der er auch seinen Posten als Vorsitzender des Makkabi abgab, musste er seine Praxis 1936 schließlich auflösen.9  
Auch nach seiner Vertreibung blieb Adolf Sindler seiner Wahlheimat Düsseldorf eng verbunden, was sich im weiteren Verlauf seines Lebens immer wieder zeigte. Zwar konnte er in Haifa ab 1939 recht schnell wieder als Arzt praktizieren, doch erreichte sein berufliches und gesellschaftliches Engagement dort nicht mehr den Umfang früherer Jahre. In seinem, in Haifa verfassten Roman „Blätter einer Liebe“, den er in Haifa schrieb, der in Düsseldorf spielt, finden sich nostalgische Äußerungen zum Heimatverständnis und direkte Verweise auf Orte in Düsseldorf, wie den Golzheimer Friedhof. Im Frühjahr 1946 wurde er als "Training Adviser" – nach seiner seit 1942 bestehenden Tätigkeit als Mediziner für die britische Armee – in ein Kriegsgefangenenlager in Ägypten entsandt. Dort initiierte er mit erheblichem Engagement zahlreiche Kultur- und Sportprogramme, die für die damalige Zeit als vorbildhaft galten. Darüber hinaus förderte er durch verschiedene Kurs- und Weiterbildungsangebote die politische und gesellschaftliche Neuorientierung der internierten ehemaligen Wehrmachtsangehörigen. Seine Maßnahmen und deren Wirksamkeit waren und sind kritisch zu bewerten.10 Seine Bemühungen zeigten, dass er sich von seiner Heimat Deutschland nicht vollständig gelöst hatte, sein Engagement könnte demnach auf ein fortbestehendes Interesse an der deutschen Gesellschaft hindeuten. Adolf Sindler verbrachte den Rest seines Lebens in Haifa, wo er 1965 im Alter von 66 Jahren starb.11
Die „Gemeindezeitung für den Synagogenbezirk Düsseldorf“ verzeichnete nach dem Krieg keine offizielle Nachfolge. In Düsseldorf etablierten sich jedoch andere jüdische Zeitungen, darunter das „Jüdische Gemeindeblatt für die Nordrhein-Provinz und Westfalen“, die erste lizenzierte jüdische Zeitung der Nachkriegszeit in Deutschland. Aus ihr ging schließlich 2002 die Jüdische Allgemeine hervor. Der Makkabi Düsseldorf nahm 1961 seine Vereinstätigkeit wieder auf, nun in der Schreibweise „Maccabi“, und besteht bis heute. Aktuell umfasst das Sportangebot Basketball, Fußball, Tischtennis, Volleyball, Turnen, Gymnastik, Schach, sowie Krav Maga.12

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