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Der Verband ist da
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Heimann, Kurt: Der Verband ist da. In: Organ des Turn- u. Sport Klub „Hakoah“ Essen, 2. Jahrgang, Monatsausgabe Nr. 31, Mai 1925. S. 6. Zitiert nach: Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa. URL: https://www.copernico.eu/de/link/678e0dc8cfd730.09812028 (14-01-2026)
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Der vorliegende Text aus dem „Organ des Turn– und Sport Klub Hakoah Essen“ gab im Mai 1925 die Gründung des VINTUS bekannt. Interessant für die Geschichte des jüdischen Sports ist diese Quelle aus verschiedenen Gründen. Zum einen war der VINTUS eine wichtige Dachorganisation für jüdische Sportvereine in den 1920er Jahren. Zum anderen belegt der Text, wie stark die jüdische Sportbewegung in Deutschland durch antisemitische Ausgrenzung geprägt war.
Transkriptionen
Transkription (Deutsch)
Der Verband ist da
Durch das Frühjahr ist im Hakoah der Wunsch, sich sportlich auf dem Rasen zu betätigen natürlich ebenso wie an anderen Stellen lebhafter geworden. Unsere Leichtathleten trainieren fleißig und sehen mit banger Sorge den bisher immer nur spärlichen Kampfmöglichkeiten entgegen. Die Krone jeder sportlichen Betätigung ist der Kampf. Wer trainiert, will sich mit Gegnern messen.
Unser Verhältnis zum Westdeutschen Spielverband ist hinlänglich bekannt. Der Hakoah hat sein Augenmerk in die Zukunft gerichtet und treibt Politik auf weite Sicht. Zu Sonntag, den 26. Hat er die Vertreter sämtlicher neutral-jüdischer Turn- und Sportvereine Westdeutschlands von Aachen bis Hannover zu einer Tagung nach Essen eingeladen. Ziel und Zweck dieser Tagung war die Schaffung eines westdeutschen Verbandes, jüdisch-neutraler Turn- und Sportvereine, um unsern jugendlichen Sportlern die Möglichkeit zur Kampfaustragung zu geben. Wir wollen hier nicht alle Einzelheiten dieser fast siebenstündigen Sitzung wiedergeben; das eine wollen wir nur festhalten:
Der Verband jüdisch-neutraler Turn- und Sportvereine Westdeutschlands
„Vintus“
„Vintus“
Der VINTUS war der Verband jüdisch-neutraler Turn- und Sportvereine Westdeutschlands. Er wurde am 26.04.1925 von insgesamt neun jüdischen Sportvereinen gegründet. Durch ihn wurden zahlreiche sportliche Veranstaltungen organisiert. Im November 1933 löste der Verband sich auf.
ist zustande gekommen.
Durch diese Gründung sind wir in der jungen jüdischen Sportbewegung einen nicht zu unterschätzenden Schritt vorwärts gekommen. Sind wir doch fest überzeugt, daß diese jüngste Tat des Hakoah in allen sportlichen interessierten Kreisen Deutschlands starken Widerhall finden und andere Gaue zur Nachahmung aufrufen wird. Schon jetzt können wir unsere Freunde wissen lassen, daß die zur Tagung anwesenden Vertreter von Hannover und Osnabrück in aller Kürze einen Verband „Norddeutschland“ aus der Taufe heben wird. Mit Stolz und Freude erfüllt und sie letzte Tat Westdeutschlands jüdischer Turn- und Sportler. Was noch keine jüdische Bewegung in Deutschland zu Wege gebracht hat, ist dem neutral-jüdischen Sportvereine gelungen. Sie vereinigen Juden aller Schattierungen auf ihren Turnböden und Sportplätzen: und sie alle wollen sich die Achtung und die Gleichstellung ihrer antisemitischen Volksgenossen erringen – durch die Tat. Wenn letzthin noch der Westdeutsche Spielverband es abgelehnt hat, unsern Hakoah aufzunehmen, so kann uns das im Augenblick erstens vollkommen gleichgültig sein, da wir nun die Möglichkeit zu Wettkämpfen unter uns haben, und zweitens wird er sich auf die Dauer einer Sportbewegung, die mit entsprechenden Leistungen aufzuwarten vermag, nicht verschließen. Der erste Schritt für eine bessere Zukunft ist getan. Möge sich die bisher leider noch zu große Anzahl der Außenstehenden Indifferenten verspflichtet fühlen, einer solchen Bewegung ihre Kräfte in ideeller und materieller Hinsicht zur Verfügung stellen. Vom „Vintus“ erwarten wir als dem Pionier einer großen von der jüdischen Volksmenge getragenen Bewegung ernste und ersprießliche Arbeit.
Dr. Heimann
Dr. Heimann
Kurt Heimann (??–1929) war der erste Vorsitzende des VINTUS. Er war Mitglied im Turn- und Sportclub Hakoah Essen. In diesem hatte er die Ämter Beisitzer, zweiter Vorsitzender, Technischer Leiter und Ansprechpartner für Tennis inne. Sportlich aktiv war Heimann als Fußballer und Leichtathlet. 1929 verstarb Heimann. Nach seinem Tod wurde der Pokalwettbewerb des Fußballs im VINTUS in Dr. Kurt Heimann-Gedächtnis-Pokal umbenannt.
◊◊◊ Krankheit breitet sich nicht aus
Gehst auf den Sportplatz Du hinaus! ◊◊◊
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Kommentar
von Sarah Arent
Am 26.04.1925 gründeten insgesamt neun jüdische Sportvereine im Ruhrgebiet, auf Initiative des Turn- und
Sportclub Hakoah Essen
Sportclub Hakoah Essen
Der Turn- und Sportclub Hakoah Essen entstand im Dezember 1923 aus der Turnabteilung des Jüdischen Jugendvereins Essen und war 1925 Mitbegründer des VINTUS. Der Verein richtete sich hauptsächlich an bisher nicht sportlich aktive Juden und Jüdinnen, die aus Angst vor Antisemitismus keinem nichtjüdischen Verein beitreten wollten. Im Jahr 1928 erreichte der Verein 1000 aktive und passive Mitglieder. Zudem hatte der Verein eine gute Verbindung zur jüdischen Gemeinde in Essen und wurde von ihr unterstützt. Es wurden viele Sportarten angeboten. Diese waren Turnen, Leichtathletik, Fußball, Boxen, Schwimmen, Wandern, Jiu-Jitsu, Tennis, Faustball, Handball, Wintersport und Fechten. 1933 trat der Verein dem Makkabi-Weltverband bei. Der Sportbetrieb wurde durch die Nationalsozialisten gestört, fand jedoch weiter statt. Die Sportarten Wandern, Jiu-Jitsu, Faustball, Handball, Wintersport und Fechten wurden aufgegeben. Dafür wurde Kegeln aufgenommen. Ab Ende 1938 gibt es keine Dokumentation oder Nachweise mehr über Aktivitäten des Hakoah Essen.
, den „Verband jüdisch-neutraler Turn- und Sportvereine Westdeutschlands“, kurz VINTUS. Beteiligt waren unter anderem der
Jüdische Turnverein 02 Köln
Jüdische Turnverein 02 Köln
Am 11.04.1902 wurde der Jüdische Turnverein 02 Köln gegründet. Anfangs war die einzige Sportart das Turnen und dies nur für Männer. 1905 kam eine Damenriege dazu und leichtathletische Übungen wurden ausgeführt. Zudem wurde die Sportart Fußball aufgenommen, später auch Boxen und Faustball. Es waren sowohl zionistische als auch liberale Stimmen im Verein vertreten. 1923 wurde der Verein in einer Mitgliederversammlung für neutral erklärt und trat, nach 20 Jahre Mitgliedschaft, aus der Jüdischen Turnerschaft, ein national-jüdischer Zusammenschluss, aus. 1925 war der Verein an der Gründung des VINTUS beteiligt. Ende 1920 waren 360 Juden und Jüdinnen Mitglieder. 1933 schloss der Verein sich der Ortsgruppe des RjF in Köln an und trat dem RjF-Sportbund Schild bei. Die Mitgliederanzahl stieg auf 450 an. Das Sportangebot wurde vergrößert. Es wurden nun zusätzlich auch Handball, Tischtennis, Tennis, Schwimmen, Hockey, Faustball, Schach und Wandern angeboten. Nach 1938 ist keine Aktivität des Vereins mehr dokumentiert.
(zu einer anderen Quelle zum Jüdischen Turnverein Köln), der Sportverein
Maccabi Düsseldorf
Maccabi Düsseldorf
Der Turn– und Sportverein Makkabi Düsseldorf wurde 1924 gegründet und zählte schon bald 200 aktive Mitglieder. Der Verein war in der Zionistischen Vereinigung für Deutschland aktiv, beteiligte sich jedoch 1925 an der Gründung des VINTUS. Die höchste Mitgliederanzahl erreichte der Verein 1931 mit 650 Mitgliedern. Diesen wurde eine Vielfalt von Sportarten angeboten. Es gab Fußball, Turnen, Leichtathletik, Gymnastik, Rhythmik, Handball, Faustball, Boxen, Tischtennis, Tennis und Schwimmen. Anfang 1933 wurde dem Verein der Zugang zu bisher genutzten Sportanlagen verwehrt. Die politische Ausrichtung des Maccabi Düsseldorfs wurde zionistisch und er trat direkt nach Auflösung des VINTUS dem Deutschen Makkabi – Kreis bei. Es wurden alle Sportarten bis auf Rhythmik weiterhin angeboten und Schach kam hinzu. Der Verein wurde 1938 nach den Novemberpogromen aufgelöst. 1961 wurde der Verein unter dem Namen TuS Maccabi Düsseldorf als erster jüdischer Sportverein in der BRD wiedergegründet. Der Verein besteht bis heute.
und die
Sportgruppe des RjF Dortmund
Sportgruppe des RjF Dortmund
Die RjF-Sportgruppe Hakoah Dortmund wurde Anfang 1925 gegründet und war an der VINTUS Gründung beteiligt. Es wurde Turnen, Boxen, Handball, Leichtathletik und Fußball angeboten. Im ersten Jahr zählte der Verein 110 Mitglieder. Er war besonders für seine Boxabteilung bekannt. Die Sportgruppe hatte jedoch große finanzielle Probleme. Schon am 1.11.1926 löste der Verein sich – durch einen Zusammenschluss mit dem Makkabi Dortmund – auf. Die beiden Vereine bildeten fortan den Verein Jüdischer Sportclub Bar Kochba Dortmund. Dieser war nicht mehr Mitglied beim RjF, blieb aber Teil des VINTUS.
. Alle diese Vereine hatten Leichtathletik- und Fußballabteilungen und trugen teilweise Freundschaftsspiele und andere Wettkämpfe untereinander aus. Sie konnten aber nicht an Meisterschaften teilnehmen, weil dafür eine Mitgliedschaft in einem Verband notwendig war. Der
Westdeutsche Spielverband
Westdeutsche Spielverband
Der Westdeutsche Spielverband (WSV) wurde 1899 gegründet. Er organisierte in Westdeutschland Spiele der Fußball-Liga ebenso wie Wettkämpfe und Meisterschaften in Leichtathletik. Jüdische Vereine wurden zunächst nicht aufgenommen. Später war es für diese verpflichtend, in ihrer Satzung politische und konfessionelle Neutralität festzulegen, wenn sie dem WSV beitreten wollten. Dies tat der Makkabi Düsseldorf 1930. Zudem musste er seinen Namen in TuS Makkabi Düsseldorf ändern. Ab 1933 wurden jüdische Sportler:innen von Veranstaltungen des WSV ausgeschlossen.
, der Meisterschaften und Wettkämpfe für seine Mitglieder veranstaltete, war der in dieser Region maßgebliche Verband, der aber eine Aufnahme von jüdischen Vereinen ablehnte. Daraufhin fanden sich diese zusammen, um einen eigenen Verband zu gründen, den VINTUS.1 Am 02.08.1925 wurde die Gründung offiziell mit der ersten Verbandsmeisterschaft der Leichtathleten gefeiert. An der Feier nahmen auch Vertreter von anderen jüdischen Organisationen teil, die nicht im VINTUS organisiert waren, wie zum Beispiel die Synagogengemeinde Essen, der Landesverband Westdeutschland im RjF und die zionistischen Ortsgruppe Essen. Auf diese Weise zeigte sich die Bedeutung des neuen Verbands für Jüdinnen und Juden in der Region.2
Der VINTUS organisierte zahlreiche Sportveranstaltungen. Als Beispiel kann die jährliche Leichtathletikmeisterschaft dienen, für die 1928, aufgrund der Zahlen der Vorjahre, ungefähr 200 aktive Teilnehmer:innen erwartet wurden.3
Die Hauptmotivation für die Gründung des VINTUS war die antisemitische Ausgrenzung durch nichtjüdische Funktionäre. Der Hakoah Essen hatte Anfang der 1920er Jahre vergeblich versucht, dem Westdeutschen Spielverband beizutreten. Als Grund für die Weigerung, den Verein aufzunehmen, nannten die Funktionäre überfüllte Spielklassen im Westdeutschen Spielverband. Die Verantwortlichen des Hakoah Essen hielten das Argument allerdings für einen Vorwand. Im Vereinsheft vom Juni 1924 unterstellte der zweite Vorsitzende des Hakoah Essen
Siegbert Riesenfeld
Siegbert Riesenfeld
Siegbert Riesenfeld (1897–1976) war ein Mitbegründer des Hakoah Essen und dessen zweiter Vorsitzender. Zudem war er auch Technischer Leiter sowie Übungsleiter für Turnen in allen Altersklassen und Übungsleiter für Fußball und Leichtathletik. Außerdem leitete er den Vorturnerkurs, war stellvertretender Vorsitzender des Ehrengerichts und Mitglied im VINTUS-Vorstand. 1926 verließ er Essen.
dem Westdeutschen Spielverband stattdessen antisemitische Motive: Hakoah Essen sei nicht aufgenommen worden, weil der Verband den dort organisierten Jüdinnen und Juden die Gelegenheit nehmen wolle, sich als ebenbürtig im Sport zu beweisen.4
Diese Erfahrung aufgreifend betont das Vorstandsmitglied des Hakoah Essen und erster Vorsitzender des VINTUS
Kurt Heimann
Kurt Heimann
Kurt Heimann (??–1929) war der erste Vorsitzende des VINTUS. Er war Mitglied im Turn- und Sportclub Hakoah Essen. In diesem hatte er die Ämter Beisitzer, zweiter Vorsitzender, Technischer Leiter und Ansprechpartner für Tennis inne. Sportlich aktiv war Heimann als Fußballer und Leichtathlet. 1929 verstarb Heimann. Nach seinem Tod wurde der Pokalwettbewerb des Fußballs im VINTUS in Dr. Kurt Heimann-Gedächtnis-Pokal umbenannt.
im vorliegenden Text, dass die Sportvereine des VINTUS „die Achtung und Gleichstellung ihrer antisemitischen Volksgenossen erringen“ (S. 6) wollen.
Ein weiteres wichtiges Thema in der Quelle ist die Beziehung von Sport und Politik. Der VINTUS trug die (politische) Neutralität bereits im Namen. Auch im Text wird die politische Neutralität des neuen Verbands mehrfach betont. Der Autor schreibt, dass der VINTUS „Juden aller Schattierungen“ (S. 6) vereinige. Zudem spricht er davon, eine Interessengemeinschaft mit dem
Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF)
Reichsbund jüdischer Frontsoldaten
auch:
1919 wurde der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF) gegründet. Dies war eine Reaktion auf antisemitische Anfeindungen den aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrenden, jüdischen Soldaten gegenüber. Es waren ca. 85.000 jüdische Frontsoldaten, von denen im Verlaufe des Krieges 12.000 verstarben. Trotzdem wurde ihnen vorgeworfen, sie hätten sich vor dem Krieg gedrückt und so die Niederlage Deutschlands verursacht. Der RjF machte es sich zur Aufgabe über die Leistungen von jüdischen Soldaten zu informieren und ihnen zu helfen Anerkennung zu erlangen. An verschiedenen Orten organisierte der RjF Selbstschutzeinheiten, um die jüdische Bevölkerung vor antisemitischen Angriffen zu schützen. Der Reichsbund hatte eine eigene Zeitung namens „Schild“. Die politische Einstellung des RjF war deutsch-national. Ab 1936 wurde dem RjF verboten sich politisch zu engagieren. Zwei Jahre später wurde der RjF aufgelöst.
zu bilden. Tatsächlich erscheint eine Verbindung zwischen dem zumindest dem Namen nach jüdisch-nationalen Verein Hakoah Essen und dem eher deutsch-nationalen5 Reichsbund ein Beleg für die politische „Neutralität“. Heimann will die Ausgrenzung durch den Westdeutschen Spielverband durch sportliche Leistungen überwinden. (S. 6) Endgültiges Ziel des VINTUS ist letztlich seine Auflösung, denn Hakoah Essen und sein zweiter Vorsitzender Heimann strebten am Ende nach der Aufnahme in den deutschen nicht-jüdischen Verband. (S. 7)RjF
Der VINTUS sorgte für die Unabhängigkeit der jüdischen Vereine von den nichtjüdischen Verbänden, weil die jüdischen Vereine ihre eigenen Wettkämpfe veranstalten konnten. Dass die VINTUS-Funktionäre trotzdem die Anerkennung von nichtjüdischen Behörden und die Zugehörigkeit zu dem Westdeutschen Spielverband suchten, zeugt von einem Wunsch nach Respekt seitens der deutschen Bevölkerung. Sie wollen nicht nur antisemitische Stereotypen widerlegen, sondern auch in der deutschen Gesellschaft akzeptiert werden.
Der VINTUS bildete eine Brücke zwischen dem deutsch-nationalen RjF und den zionistischen Vereinen. So bemühte der Verband sich 1926 um eine Zusammenarbeit mit dem RjF, war zeitgleich aber auch mit dem
Makkabi–Weltverband
Makkabi-Bewegung
auch:
Der Makkabi Weltverband gründete sich 1921 auf der Karlsbader Tagung. Er war ein internationaler Zusammenschluss von zionistischen Vereinen. Er heißt heute Makkabi-Weltunion oder Maccabi World Union. In ihm sind etwa 400.000 Mitglieder aus 65 Ländern organisiert.
im Gespräch und konnte so mittelfristig eine sportliche Zusammenarbeit der beiden ideologisch so verschiedenen Sportorganisationen erreichen.6 Allerdings dauerte es mit diesem Brückenschlag bis zur achten Verbandsmeisterschaft des VINTUS, die 1932 in Gelsenkirchen stattfand, an der erstmals westdeutsche Vereine des Makkabi-Weltverbands gemeinsam mit den „neutralen“ und deutsch-nationalen jüdischen Vereinen teilnahmen.7Makkabi Welt Union, Makkabibewegung
Nur ein Jahr später änderte sich durch Machtübernahme der Nationalsozialisten die Lage. Jüdischen Vereinen wurden die Pachtverträge von Sportanlagen gekündigt und ihnen wurden die bisherigen staatlichen Vergünstigungen verwehrt. Dennoch erlebten jüdische Sportvereine in Deutschland einen kurzfristigen Aufschwung. Nachdem Jüdinnen und Juden ab März 1933 aus den nicht-jüdischen Vereinen ausgeschlossen wurden, stieg die Anzahl der Mitglieder in den jüdischen Vereinen rasch an. Allerdings waren nur zwei jüdische Sportverbände zugelassen, der
Deutsche Makkabikreis
Deutsche Makkabikreis
Der Deutsche Makkabikreis war der Verband zionistischer Sportvereine in Deutschland und Teil des Makkabi-Weltverbands. Er kritisierte anfangs die Gründung des VINTUS, da dies als Schritt gegen den Zionismus gesehen wurde. In den 1920er Jahren war die Anzahl von Vereinen in dem Verband eher gering, da es nicht sehr viele zionistische Vereine in Deutschland gab. Außerdem versuchten viele große zionistische Vereine, sich deutschen Verbänden anzuschließen. Nach 1933 war der Makkabikreis einer der zwei erlaubten, jüdischen Sportverbände. Er organisierte verschiedene Sportveranstaltungen, z.B. Fußballspiele und Leichtathletikwettkämpfe. Während dieser Zeit dieser Zeit gingen sehr viele Vereinsmitglieder ins Exil. Jugendliche wurden die größte Zielgruppe der Vereine im Makkabikreis. Nach den Novemberpogromen 1938 stellte der Makkabikreis seine sportlichen Aktivitäten ein.
und der
Sportbund Schild im RjF
Sportbund Schild im RjF
Der RjF bildete am 30. Mai 1933 aus allen, ihm zugehörigen Sportgruppen, den „Sportbund des RjF“. Durch seine deutsch-nationale Einstellung war er der politische Gegenpol zum Deutschen Makkabikreis. Meisterschaften und Wettkämpfe wurden in verschiedenen Sportarten wie Fußball, Handball, Turnen und Leichtathletik vom Sportbund veranstaltet. Anfang 1936 gehörten 216 Sportgruppen dem Sportbund an. Im August desselben Jahres wurde dem RjF verboten dieses Kürzel zu verwenden. Der Sportbund musste seinen Namen in „Schild-Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten“ ändern. Auch die Vereine musste ihre Namen „Sportsgruppe des RjF“ ablegen und hießen fortan „Schild Vereine“. Die Novemberpogrome 1938 beendeten die Aktivitäten jüdischer Sportvereine.
. So wurde der VINTUS verboten und die dort organisierten Vereine mussten sich entweder dem Makkabi oder dem Schild anschließen. Im November 1933 trafen sich die Vereine des VINTUS und entschieden sich mehrheitlich, dem Deutschen Makkabikreis beizutreten.8
Acht Jahre nach seiner Gründung endete damit die Geschichte des VINTUS an deren Anfang und Ende antisemitische Ausgrenzung stand.
Metadaten
- Haupttitel
- Der Verband ist da
- Sprachen
- Deutsch
- Quelle
- Heimann, Kurt: Der Verband ist da. In: Organ des Turn- u. Sport Klub „Hakoah“ Essen, 2. Jahrgang, Monatsausgabe Nr. 31, Mai 1925. S. 6.
- Quellentyp
- Zeitungsartikel
- Bestandshaltende Einrichtung
- Alte Synagoge Essen
- Rechteinformation (historische Quelle)
- Rechte vorbehalten - Freier Zugang
- Rechteinformation (Kommentar)
- CC BY-NC-SA 4.0
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