Die zweite Makkabiah

Der vorliegende Artikel „Die zweite Makkabiah“ von Dr. Elly Wittkower erschien nur zehn Tage nach dem Abschluss der II. Makkabiah in Tel Aviv und bot den Leser:innen des „Makkabi“ im nationalsozialistischen Deutschland einen ersten Überblick über das zionistische Sportfest.

Transkriptionen

Transkription (Deutsch)

Die zweite Makkabiah
Wir beginnen in dieser Zeitung mit den ersten Berichten über den Verlauf der Makkabiah Makkabiah Die zweite Makkabiah fand vom 2. April bis zum 7. April 1935 in Tel Aviv statt. und mit dem Abdruck der ersten Bilder. Die nächste Nummer des >Makkabi< wird fast ausschließlich der genauen Berichterstattung über die Makkabiah gewidmet sein. Wir werden in ihr hauptsächlich die Teilnehmer zu Worte kommen lassen. Wir glaubten aber, unseren Vereinen die ersten Berichte nicht vorenthalten zu dürfen, da wir wissen, wie groß die Spannung überall ist, genaueres über den Verlauf der Makkabiah zu erfahren.
(Red.)
Unterwegs auf der >>Roma<<
„…wir sind den dritten Tag auf See und in 6 Stunden in Haifa. Bisher ist alles programmgemäß verlaufen. Am Mittwoch früh trafen wir die Kölner und Frankfurter in München und kamen in bester Stimmung, aus der heraus wir unseren neuen Schlachtruf: „Zicke, zacke, zicke, zacke, Bereschith Bereschith Dt.: Am Anfang (bibl.) oder zu Beginn. Maccabi Germani, temteremtemtemtem, hei, hei, hei!“ schufen, in Triest an. Ein Vertreter des  Palästina-Amtes
Palästina-Amt
auch:
Palamt
Das Palästina-Amt wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Abteilung der Jewish Agency for Palestine gegründet und bestand in zahlreichen Staaten. Das Palästina-Amt war die offizielle Vertretung der Zionistischen Weltorganisation in Jaffa. Zu den Aufgaben des Amts gehörten u. a. die Beschaffung von Visa sowie die Bereitstellung von Geldern für die Emigration. Außerdem bot das Palästina-Amt Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Sprachkurse in Hebräisch an. 1924 wurde das Palästina-Amt in Deutschland gegründet. 1941 wurde es zwangsweise geschlossen.
 erwartete uns an der Grenze in Piedicolle. In Triest wurden wir am Bahnhof von Goldini vom Palamt Triest und von Dostrowski vom Palästina-Amt Haifa empfangen, die uns noch nachts auf die „Roma“ brachten. Allerdings war der letzte Mann erst um ¼ 4 Uhr morgens an Bord, sodaß ich erst um ¾ 4 Uhr in die Klappe kam. Die britische Paßkontrolle war uns mit Flugzeug nach Triest entgegengekommen, so daß die Paßgeschichten schon auf dem Schiff erledigt werden konnten….
Wenn man jeden einzelnen erst suchen muß, merkt man erst, wie groß das Schiff ist. Ueberhaupt leidet der Zusammenhang der Leute etwas durch die großen Ausdehnungen. Auf der anderen Seite sind die Gesellschaftsräume so klein (aber zahlreich), daß man alle Leute nur auf Deck vereinigen kann. So ist zwar eine glänzende Stimmung, weil sich alle sehr wohl fühlen, aber so ganz das richtige ist es nicht. Alles in allem – um bei Dir keinen falschen Eindruck zu erwecken – ist die Ueberfahrt natürlich gut, aber diese kleinen Schönheitsfehler wollte ich Dir nicht vorenthalten….
Vorträge haben wir nicht sehr viele gehabt, da die Paßgeschichte auch die Leute sehr in Anspruch genommen hat, außerdem beginnt die erste Gruppe schon um 11 Uhr Mittag zu essen. B u b e r B u b e r Martin Buber (1878–1965) war ein österreichisch–israelischer jüdischer Gelehrter, Religionsphilosoph und Zionist. Er verfasste u.a. Arbeiten zum Chassidismus und übersetzte den Tanach ins Deutsche. 1938 konnte er mit seiner Frau Paula (1877–1958) nach Palästina fliehen. , der an Bord ist, hat einen sehr schönen O n e g S c h a b b a t O n e g S c h a b b a t Oneg Shabbat (hebr.) (dt.: Freude am Shabbat) bezeichnet eine informelle Zusammenkunft von Jüdinnen und Juden am Shabbat, deren Ziel es ist, die dem Shabbat innewohnende Freude nach außen hin zum Ausdruck zu bringen. für uns gemacht. Heute ist Schlußappell aller Kreise in Uniform und Weihe der tschechischen Makkabifahne…
In 6 Stunden werden wir in Erez Israel sein. Ein seltsames Gefühl für einen alten Zionisten, der zum ersten Mal in unser Land kommt….“
Aus einem anderen Brief
…„Wir haben soeben Kreta passiert und sollen morgen gegen Mittag in Haifa ankommen. Die Fahrt war herrlich. Das Schiff ist ausverkauft; an Bord der deutsche, tschechische, österreichische, jugoslawische Makkabikreis. Alles ist in bester Stimmung, Verpflegung gut.
Wir haben jeden Tag eine halbe Stunde trainiert und hoffen, daß – wenn die klimatischen Verhältnisse uns nicht zu schaffen machen – wir in guter Form antreten werden.
Bisher ist niemand seekrank gewesen; das Meer ist spiegelglatt, ohne jede Erschütterung fahren wir und glauben, uns auf einem Sterndampfer zu befinden. Wir werden alle privat untergebracht werden, wissen aber nichts Näheres über den Start und die Chancen…“
Vorfreude und Beginn
Tel-Aviv, den 3. April 1935.
In den Straßen Tel-Avivs gibt es kein Vorwärtskommen. Kostümierte Gestalten – blau-weiß, grün-weiß, schwarz-weiß – mit Strohhüten, Baskenkappen, Kapitänsmützen, überwiegen im Stadtbild. Die Plätze sind illuminiert, man sieht noch riesengroße, bemalte  Purimtiere
Purimfest
auch:
Purim, Losfest, Mordechajtag, Mordechai-Tag, Tag des Mordechai
Purim (hebr. Plural von 'Schicksal', 'Los'). Mit dem Purimfest gedenken Jüdinnen und Juden der Errettung des jüdischen Volkes aus der drohenden Gefahr in der persischen Diaspora. Das Freudenfest wird mit Verkleidungen, Aufführungen und ausgelassenen Feiern sowie besonderen Speisen begangen. Gemäß der Überlieferung im Buch Ester unternahm Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen Königs, den Versuch, die gesamte jüdische Bevölkerung des damaligen persischen Weltreichs an einem Tag zu töten, weil der höchste Rabbiner Mordechai ihm die Verbeugung versagte. Der Tag des geplanten Massenmords wurde per Los bestimmt. Mordechais Cousine und Stieftochter Esther konnte den König Xerxes I. jedoch überzeugen, von der Ermordung der Juden abzusehen und die Verfolger zu bestrafen.
 und manchmal sogar Bürger, die zur Arbeit gehen.
[ Fotografie Fotografie Bildunterschrift: Abreise aus Berlin. Fot. Pinn. Aufgenommen mit Genehmigung der Reichsbahn. ]
Wieder scheint eine ganze Stadt tagelang zu feiern. Purimsfortsetzung? Nein! Makkabiahfreude! Die Makkabiah gestaltet sich zu einem neuen jüdischen Volksfest. Eine Synthese der wenigen Freudenfeste unseres Volkes. Die Makkabiah ist für uns keine gewöhnliche Sportdarbietung. Sie ist eine Demonstration der Einheit und des Aufbauwillens unseres Volkes. Das Wiederkehren der Makkabiah, der ungeheure Zustrom von Touristen, von Palästinensern aus den kleinsten Kolonien, beweist, daß wir dieses Fest wollen und brauchen. Die Makkabiah ist das einzige und erste jüdische Fest, das nicht zur Erinnerung an ein historisches Ereignis begangen wird, sondern sich aus der neuen jüdischen Wirklichkeit ergibt. – Die Stadt Tel Aviv befindet sich seit Purim im Festrausch. Die Einwohner haben sich zum Empfang der vielen Gäste alle erdenkliche Mühe gegeben. Matratzengeschäfte müssen sich verzweifelt nach neuer Ware umschauen, auf allen Notbetten schlafen Menschen, die Parole heißt: Platz für unsere Gäste. Schließlich haben sie alle Platz gefunden. – Als die Stadtverwaltung von Tel-Aviv am 1. April einen Empfangsabend im Messegelände gab – mit ernsten Reden, lustigem Kabarett und vielem Kuchen – da mußten auch die größten und verwöhntesten „Sportmeckerer“ zugeben, daß hier in Tel-Aviv ein neuer, eben ein wirklich palästinensischer Gemeinschaftsgeist herrscht. Sogar der Himmel bleib dieses Mal kameradschaftlich. Die dunklen Wolken am Eröffnungstage brachten keinen Regen, der bei den schönsten Purimzügen manchmal nicht auszubleiben pflegt.
Eine gewaltige Menschenmasse versammelte sich am 2. April im neuerbauten Stadion. Ueber 40 000 Menschen 40 000 Menschen Zwischen 40.000 und 50.000 Menschen nahmen daran teil. , Menschen aller Klassen sind auf dem Sportplatz vereint |4| und erwarten gespannt die Eröffnung. Die Versammlung dieser Volksmasse auf dem neuen jüdischen Sportplatz ist, wie mir scheint, erstes entscheidendes Ereignis der Makkabiah, und diese Menschen, die durch ein gemeinsames Interesse geeint sind, sind nicht umsonst gekommen. Jeder einzelne ist ehrlich begeistert. Um 3 Uhr beginnt der Aufmarsch. Die Mannschaften der 30 verschiedenen Staaten marschieren in alphabetischer Ordnung auf. Sie tragen verschiedene Uniformen, die sich im Stile alle ähneln, und aus der bunten Vielfalt der einzelnen Gruppen entsteht schließlich ein einheitliches Gebilde. Nach den einleitenden Worten von Dr. Lelewer Dr. Lelewer Dr. Hermann Lelewer (1891–1946) war Rechtsanwalt, Mitglied im Kartell Jüdischer Verbindungen und hatte eine Führungsposition im Bar Kochba Berlin inne. 1929 wurde er Präsident des Makkabi Weltverbandes. eröffnet Lord Melchett Lord Melchett Henry Ludwig Mond, 2. Baron Melchett (1898–1949), war ein britischer Industrieller, Politiker und Zionist. Er war der älteste Sohn von Alfred Mond, 1. Baron Melchett. Nach seinem Militärdienst im Ersten Weltkrieg engagierte er sich zunächst politisch in der Liberal Party, bevor er gegen Ende der 1920er Jahre zu den Konservativen wechselte. Mond entstammte einer jüdischen Familie, wurde jedoch christlich erzogen. Im Zuge seiner zunehmenden Hinwendung zum Zionismus konvertierte er 1933, ebenso wie seine Schwester Eva, zum Judentum. Seit den 1920er Jahren unterstützte er aktiv die Bestrebungen zur Gründung eines jüdischen Staates in Palästina als Teil des britischen Empire. In diesem Zusammenhang bekleidete er unter anderem das Amt des Vorsitzenden der British Agency for Palestine und engagierte sich als Förderer des Makkabi-Weltverbands. Aufgrund seiner führenden Rolle im jüdischen Leben Großbritanniens geriet Mond in den späten 1930er Jahren ins Visier des nationalsozialistischen Regimes und wurde 1940 für den Fall einer deutschen Invasion Großbritanniens auf eine Sonderfahndungsliste gesetzt. Mond war verheiratet und hatte zwei Söhne. die Zweite Makkabiah. Langsam wird unsere Fahne emporgezogen, 40 000 Menschen schweigen wie verzaubert. Gerade in diesem Augenblick lichten sich die Wolken und die Sonne bricht durch.  Die Hatikwah
Hatikwah
auch:
Hatikvah, Nationalhymne Israels, Ha-Tikwa
Die Hatikwa (Die Hoffnung) ist seit 1897 die Hymne der zionistischen Bewegung. Mit Gründung des Staates Israels am 14. Mai 1948 wurde sie zur Nationalhymne erklärt.
 wird angestimmt, eine Schar Brieftauben wird freigelassen – und sie tragen die Botschaft von der Eröffnung dieses neuen nationalen Festes hinaus. – der Sport beginnt.
Dr. E l l y W i t t k o w e r Dr. E l l y W i t t k o w e r Dr. Elly Dorothea Friedmann (geb. Wittkower) (1912–1988) war eine in Berlin geborene britisch-israelische Sportpädagogin. Sie war Mitglied in der zionistischen Jugendorganisation Blau-Weiß. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin und dem Gymnastikexamen studierte sie Romanistik in Deutschland und Frankreich und seit 1933 in der Schweiz. In Basel reichte sie 1934 ihre Dissertation ein, das Verfahren konnte jedoch erst nach dem Krieg abgeschlossen werden. Über einen Aufenthalt in England emigrierte sie 1934 nach Palästina und arbeitete in diversen Kibbuzim. Ab 1936 lehrte sie als Dozentin an einem Lehrerausbildungsseminar in Jerusalem. Danach lehrte sie in Haifa. 1963 gründete sie das staatliche Sportlehrerseminar in Be’er Sheva.
Die Editionsrichtlinien finden Sie hier.

Kommentar

Der vorliegende Artikel „Die zweite Makkabiah“ von Dr. Elly Wittkower Dr. Elly Wittkower Dr. Elly Dorothea Friedmann (geb. Wittkower) (1912–1988) war eine in Berlin geborene britisch-israelische Sportpädagogin. Sie war Mitglied in der zionistischen Jugendorganisation Blau-Weiß. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin und dem Gymnastikexamen studierte sie Romanistik in Deutschland und Frankreich und seit 1933 in der Schweiz. In Basel reichte sie 1934 ihre Dissertation ein, das Verfahren konnte jedoch erst nach dem Krieg abgeschlossen werden. Über einen Aufenthalt in England emigrierte sie 1934 nach Palästina und arbeitete in diversen Kibbuzim. Ab 1936 lehrte sie als Dozentin an einem Lehrerausbildungsseminar in Jerusalem. Danach lehrte sie in Haifa. 1963 gründete sie das staatliche Sportlehrerseminar in Be’er Sheva. erschien nur 10 Tage nach Abschluss der II. Makkabiah in Tel Aviv und bot den Leser:innen des „Makkabi“ im nationalsozialistischen Deutschland einen ersten Überblick in die Berichterstattung über das zionistische Sportfest.
Die II. Makkabiah fiel in eine Phase wachsender antisemitischer Diskriminierung im nationalsozialistischen Deutschland, in der jüdische Sportler:innen bereits im Frühjahr 1933 aus den paritätischen Sportvereinen und von nationalen Wettbewerben ausgeschlossen worden waren. Vor diesem Hintergrund erhielt die Teilnahme der deutschen Makkabi-Sportler:innen an der II. Makkabiah eine besondere Relevanz, da sie nicht nur sportliche Aktivitäten ermöglichte, sondern zugleich gemeinschaftsstiftende Erfahrungen, eine Anbindung an die zionistische Bewegung in Erez Israel sowie ganz zentral für eine Emigration werben sollte.
Die Teilnahme an der II. Makkabiah wurde seit dem Frühjahr 1933 von London aus koordiniert, nachdem der Makkabi-Weltverband im April desselben Jahres sein Berliner Büro aufgeben musste. Seit 1934 war das deutsche Makkabiah-Büro jedoch in der Lage, die administrativen Aufgaben im Zusammenhang mit der Reise von Berlin aus zu übernehmen. Zudem bot es auch für nicht-sportliche Mitreisende Reisepakete nach 
Mandatsgebiet Palästina
eng. Mandatory Palestine, heb. המנדט הבריטי מטעם חבר הלאומים על פלשתינה, fra. Palestine mandataire

Das Mandatsgebiet Palästina wurde infolge des Ersten Weltkriegs und der in den Nachkriegsjahren vorgenommenen territorialen Neuordnung der östlichen Mittelmeergebiete (Levante) geschaffen, die zuvor zum unterlegenen Osmanischen Reich gehört hatten. Im Kriegsverlauf waren die Gebiete westlich und östlich des Jordan, die historisch auch als Cis- bzw. Transjordanien bezeichnet wurden und den heutigen Staaten Israel, Jordanien sowie dem Westjordanland und dem Gazastreifen entsprechen, unter britische Herrschaft gekommen. Großbritannien hatte ab 1916 die regionale arabische Unabhängigkeitsbewegung in der Arabischen Revolte (1916–1918) entscheidend unterstützt, die militärisch eroberten Gebiete jedoch im Anschluss zwischen sich und Frankreich aufgeteilt. Noch vor Kriegsende hatte Großbritannien zudem nicht nur der arabischen, sondern auch der jüdischen Bevölkerung der Region Unterstützung in der Erlangung politischer Unabhängigkeit bzw. der Schaffung eigener Staaten zugesichert (Balfour-Erklärung, 1917). Die Konferenz von San Remo, die im April 1920 über die Aufteilung des Osmanischen Reiches entschied, bestätigte die britischen Gebietsansprüche. 1922 erteilte auch der Völkerbund Großbritannien offiziell das Mandat über das Gebiet.
Bereits 1923 teilte Großbritannien dieses erste „Mandatsgebiet Palästina“ in zwei Gebiete auf: „Transjordanien“, das 1946 unabhängig wurde und seit 1950 offiziell den Namen Jordanien trägt; sowie das erneut als Mandatsgebiet „Palästina“ bezeichnete Gebiet, das nun das historische Cisjordanien bzw. den westlich des Jordans gelegenen Teil der historischen Region Palästina und die südlich gelegene Negev-Wüste umfasste und nach wie vor einen Zugang zum Golf von Akaba und damit zum Roten Meer besaß.
Die Zeit des Mandats war von anhaltenden Unruhen zwischen den arabischen und jüdischen Bevölkerungsteilen des Mandatsgebietes geprägt, nach Ende des Zweiten Weltkriegs gab Großbritannien das Mandat auf und an die Vereinten Nationen (als Nachfolgeeinrichtung des Völkerbundes) zurück, die daraufhin einen Teilungsplan für die Region entwickelten. Zu dessen Implementierung kam es jedoch nie, da die Spannungen im Mandatsgebiet zum Palästinakrieg (1947–1949) eskalierten, in dessen Verlauf Israel seine Unabhängigkeit ausrufen und erfolgreich durchsetzen konnte.

Das Bild zeigt eine Karte des britischen Mandatsgebiets in Palästina zwischen 1945 und 1947. (Public Domain, via Wikimedia Commons)

 an, die zugleich dazu dienen sollten, diese Personengruppe für eine mögliche Emigration zu interessieren. Im März 1935 wurde die deutsche Makkabi-Mannschaft zusammengestellt. Sie umfasste 139 Athlet:innen, 249 Funktionär:innen sowie weitere Mitreisende und bildete mit insgesamt 388 Personen die zahlenmäßig größte ausländische Gruppe  bei der II. Makkabiah. Die organisatorische Abwicklung der Ausreise- und Einreisedokumente lag beim Berliner Makkabiah-Büro. Besondere Herausforderungen ergaben sich im Zusammenhang mit den Einreisebestimmungen der britischen Mandatsverwaltung, die seit Beginn der 1930er Jahre zunehmend restriktiv gehandhabt wurden. Ausschlaggebend hierfür war einerseits der deutliche Anstieg der jüdischen Einwanderung aus Mitteleuropa, andererseits die zunehmenden arabischen Proteste und Unruhen gegen die jüdische Besiedlung Palästinas. Die britische Mandatsregierung reagierte mit einer restriktiveren Vergabe von Visa, insbesondere im Bereich der Arbeitszertifikate und betrachtete vor diesem Hintergrund auch die II. Makkabiah mit Vorbehalten. In britischen Verwaltungskreisen bestand die Befürchtung, die Veranstaltung könne als Deckmantel genutzt werden, um Einwanderungsbeschränkungen zu umgehen und zusätzliche jüdische Migrant:innen illegal nach Palästina zu bringen. Die deutsche Delegation erhielt temporäre Visa und reiste u.a. mit der „Roma“ von Triest nach Haifa. Die langwierigen Passkontrollen fanden anders als während der Reise zur I. Makkabiah 1932 bereits an Bord der Schiffe statt (S. 3).
Die Ausreise der jüdischen Sportler:innen und ihrer Mitreisenden aus dem nationalsozialistischen Deutschland verlief vergleichsweise problemlos. Wie der Sporthistoriker Henry Wahlig betont, förderten die deutschen Behörden seit 1933 insbesondere Aktivitäten innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, die auf eine Auswanderung – vor allem nach Palästina – abzielten. Davon profitierten zionistische Organisationen wie der Deutsche Makkabikreis, denen innerhalb des NS-Staates ein gewisser Handlungsspielraum zugestanden wurde. Gleichwohl durften die Sportler:innen im Ausland nicht als „deutsche“ Delegation auftreten, da die nationalsozialistischen Behörden eine solche Repräsentation ablehnten.1
Für die deutsch-jüdischen Teilnehmer:innen ergaben sich aus der Teilnahme an der II. Makkabiah besondere Möglichkeiten. Zum einen bot das Sportfest nach den massiven Ausgrenzungen im nationalsozialistischen Deutschland die Chance, in einem jüdischen Rahmen sportlich aktiv zu sein und ein Gefühl der Selbstbehauptung zu erfahren. Zum anderen ermöglichte die Reise nach Palästina unmittelbare Einblicke in die Lebensbedingungen im  Jischuw
Jischuw
auch:
Jischuv
Der Begriff Jischuw (hebr. für „Siedlung“, „bewohntes Land“) bezeichnet die Gesamtheit der jüdischen Siedlungen in Palästina vor der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948. Der sogenannte „alte“ Jischuw bezeichnet jüdische Siedlungen in Palästina, deren Bevölkerung sich dort insbesondere aus religiösen Gründen niederließ. Als „neuer Jischuw” werden die jüdischen Siedlungen bezeichnet, die im Zuge der zionistisch motivierten Migration (Alijah) ab ca. 1880 entstanden. Bis 1920 existierten die einzelnen Siedlungen isoliert voneinander ohne übergreifende Verwaltungsstruktur.
. Über organisierte Reisepakete sowie Besuche in landwirtschaftlichen Siedlungen und städtischen Zentren erhielten die Mitreisenden Anknüpfungspunkte für eine mögliche Emigration. Auf diese Weise wirkte die sportliche Delegation nicht nur als Wettbewerbsgruppe, sondern zugleich als Bindeglied zwischen der deutschen Judenheit und dem zionistischen Aufbauprojekt in Palästina.
Die II. Makkabiah war somit nicht nur ein sportliches Ereignis von internationaler Reichweite, sondern gewann auch eine symbolische und politische Bedeutung im Rahmen der zionistischen Bewegung der 1930er Jahre. Zionistische Akteur:innen interpretierten sie als modernes jüdisches Volksfest, das sich nicht auf religiöse Erinnerung stützte, sondern auf eine zeitgenössische Erfahrung: den Aufbau eines nationalen jüdischen Lebens in Palästina. Vor Ort bot die Veranstaltung die Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit der jüdischen Gemeinschaft im Mandatsgebiet hervorzuheben und ein Selbstverständnis zu betonen, das auf körperlicher Stärke, Disziplin und kollektiver Zugehörigkeit beruhte. Die feierliche Inszenierung – von der Eröffnungszeremonie über den Einsatz nationaler Symbole bis hin zur breiten Beteiligung der Bevölkerung – verlieh der Makkabiah den Charakter eines modernen, zukunftsorientierten jüdischen Kulturereignisses (S. 3–4).
Die II. Makkabiah bot den deutschen Makkabi-Sportler:innen und den Mitreisenden die Möglichkeit, das Land und die dortigen Lebensbedingungen kennenzulernen und eröffnete damit zugleich Perspektiven für eine Emigration aus dem nationalsozialistischen Deutschland.2 Exakte Zahlen zur Auswanderung von deutschen Makkabi-Mitgliedern nach Palästina liegen nicht vor, das Israelitische Familienblatt nannte im Mai 1938 jedoch eine Zahl von 5.500 Personen aus dem Umfeld des Makkabi, die bis dahin nach Palästina emigriert waren.3 Auch österreichische Makkabi-Sportler:innen suchten angesichts zunehmender antisemitischer Repressionen, insbesondere nach dem „Anschluss“ Österreichs, Zuflucht in Palästina. Ein prominentes Beispiel stellt die Hakoah-Schwimmerin Judith Deutsch-Haspel Judith Deutsch-Haspel Judith Deutsch, verh. Deutsch–Haspel (1918–2004), zählte neben Hedy Bienenfeld-Wertheimer zu den bekanntesten Schwimmerinnen des SC Hakoah Wien. 1935 nahm sie an der II. Makkabiah in Tel Aviv teil. Im Jahr darauf verweigerte sie die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Ihre ebenfalls nominierten Teamkolleginnen Ruth Langer (1921–1999) und Lucie Goldner, verh. Gordian (1918–2000), schlossen sich dieser Entscheidung an. Alle drei Athletinnen sahen sich daraufhin massiven Drohungen ausgesetzt und wurden vom Österreichischen Schwimmverband gesperrt. Deutsch emigrierte mit ihrer Familie nach Haifa, wo sie weiterhin sportlich aktiv blieb und 1939 für die Hebrew University an den World University Games teilnahm. Eine Rückkehr nach Österreich erfolgte nicht. Erst 1995 erhielten Deutsch, Langer und Goldner durch den Österreichischen Schwimmverband eine offizielle Entschuldigung; zugleich wurden ihnen ihre Titel und Rekorde wieder zugesprochen.  dar, die 1936 nach ihrer Weigerung, an den Olympischen Spielen in Berlin teilzunehmen, nach Palästina auswanderte, das sie bereits im Rahmen der II. Makkabiah kennengelernt hatte.4
Die ursprünglich für 1938 vorgesehene dritte Makkabiah musste infolge des  Arabischen Aufstands
Arabischer Aufstand in Palästina
auch:
Arabischer Aufstand, Großer arabischer Aufstand, Arabischer Palästina-Aufstand
Der Arabische Aufstand in Palästina (1936–1939) war eine nationalistische Erhebung gegen die britische Mandatsmacht und die zionistische Einwanderung. Ausgelöst durch wirtschaftliche Not, politische Enttäuschung und die Angst vor Landverlust, eskalierte der zunächst als Generalstreik begonnene Protest in einen bewaffneten Aufstand. Die britische Niederschlagung führte zu einer nachhaltigen Schwächung der politischen und militärischen Organisation der arabischen Bevölkerung des Mandatsgebiets. Diese Verschiebung der Kräfteverhältnisse trug maßgeblich zur militärischen Überlegenheit der jüdischen Seite im israelischen Unabhängigkeitskrieg (auch: Palästinakrieg) 1947/48 bei und hatte langfristige Auswirkungen auf die Dynamik des Nahostkonflikts.
 abgesagt werden. In den darauffolgenden Jahren führten der nationalsozialistische Terror, der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und schließlich die Shoa zu einer vollständigen Unterbrechung der Spiele. Erst nach der Staatsgründung Israels konnte die Makkabiah wieder aufgenommen werden: 1950 fand nach einer 15-jährigen Pause die dritte Makkabiah statt. Seit 1953 wird das Sportereignis im Vierjahresrhythmus, analog zu den Olympischen Spielen, ausgerichtet. Heute gelten die Makkabiot nach den Olympischen Spielen und der FIFA-Fußballweltmeisterschaft als die weltweit drittgrößte Sportveranstaltung.

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