Fragebögen

Die vorliegenden Fragebögen, beide aus dem Jahr 1935 stammend, sind den Lubliner Vereinen Hapoel und Wieniawa zuzuordnen und ermöglichen einen Einblick in die vielseitige lokale Sportlandschaft.

Transkriptionen

Transkription (Jiddisch)

אנקעטע
אנקעטע אנקעטע Beide Fragebögen weisen dieselbe Handschrift auf. Wahrscheinlich wurden diese beiden Fragebögen am YIVO zur Archivierung handschriftlich kopiert.
1)    יידישער ארבעטער ספארט קלוב „הפועל"
 
2)    לובלין
3)    לובלינער 
Królewska No 3   (4
 
5)    1927 יאר
8)    יא
9)    צ.ק. פון יידישן ארבעטער ספורט קלוב „הפועל“
10)   יא
[ |2| |2| Von Bearbeiterin hinzugefügte Paginierung bei unpaginiertem Original. ] 12) 110, מענער 76, פרויען 34.
13)    אין גאנג פון אקציע פון ארגאניזירן אזאן גרופע 
4     (14
 
15)    שילער 5, בעטאן ארבעטער, זייף ארב. 1, העפטערנס 2, נייערטורנס 3, פאטאגראפיסט 1, סטאלער 1, בעקער 2, טאפיצירער 3, קמאשן שטעפער 2,
דרוקער 3, סוחרים 2, גלעצער 1, האנדלס אונגעשטעלע 17, באראליסטן 5, שניידער 14, זייטונגס אגענט 1, טעכניק דענטיסט 1, קצב 1, עלעקטראטעכניקער 3,
ראדיאטעכניק 1, טריקאטאזש ארבעטער 1, אינגאנזן אהן בעשטימטע בעשעפטיקונג 39
16)    מינימום 25 גר. מאקסימום 1 זל. (ביי 85% צולט צו 50 גר.)
17)    א, ב, ג, ד, י, יא, יג, יט
18)    פוסבאל, לייכטאטלעטיק, גימנאסטיק, באוועגליכע שפילן.
19)    די רעשט נישט בעווייל עס איז אין לובלין נישט פערהאן קיין אפטיילונגען פון א{זע}לכע אלפוילישע ספורט-פארבאנדן.
20)    א געדונגענעם לאקאל
23)  פינג-פונג טישן, מכשירים צו לייכטאטלעטיק און ספארט שפילן.
24)  געדינגען אויף באשטימטע שעהן, די גרייס פון אים איז  10.000m2
30)  איבן דארט מיט זייערע מכשירים פאר אן אפצאל.
31)  מיטגלידס אפצאל, אינטערנעמונגען, זאמלטעג, לעזע זאל, דאמינא, פינג-פונג טישן
33)  1 יינסטרוקטאר (ייד) 1 יינסטרוקטארקע (ייד) ביידע האבן געענדיקט אין יאר 1934 אן יינסטרוקטארן קורס איינגעארדנט דארכן צ.ק. פון יידישן ארבעטער ספארט קלוב הפועל
אין ווארשע; געניסן אויך פון 3 יינסטרוקטארן פון PWiWF (קריסטן: 2 מיליטער לייט און 1 ציווילער)
34)  אין פויליש
36)  יא
37)  א יא ב.א
38)  ער פירט א קולטור ארבעט וועלכע בעשטייט פון רעפעראטן, וואנט צייטונג, ספארט רעפעראטן
39)  אין יידיש
41)  יא
42)  א. יא ב. יא
 
‎#. {מיל[ש]מ#ן}‎ [Unterschrift]
[Stempel; Poln., Jidd.] Żydowski Robotniczy Klub Sportowy „HAPOEL“ w Lublinie /
יידישער ארבעטער ספורט קלוב „הפועל“ אין לובלין
19 2 XII 35 
[|3|] אנקעטע
1)    יידישער שפארט קלוב ״װיעניאַװאַ״ ("Wieniawa")
2)    לובלין
3)    לובלינער 
Króla Leszczyńskiego No. 6    (4
5)    1931 יאר
6)   יא
7)  1 חודש צוליבן פעלן פון א לעגאליזאציע האט צו אדמיניסטראטיווע מאכט פערמאכט דעם .לאקאל און 4 חדשים צוליבן פערלירן דעם לאקאל ביזן דינגען פון א צווייטן
10)    יא
12)    100, 72 מענער און 28 פרויען 
103    (14
15)    טריקאטאזש ארבעטער 3,סטאלער 21, בעקער 7, שניידער 47, קצבים 10, שוסטער 4, האנדלס אונגעשטעלטע 9, מאלעריס 3, טאפיצירער 1, קירזשנער 4,
קאמאשן שטעפער 11, ציעשלער 1, גארסעטן מאכערנס 3, מוזיקאנטן 2, זוקער בעקער 1, עלעקטראמאנטער 1, בלעכערמאכער 3, פארבן 1, פריזירער 3, גוווערנאנטקע 1,
הויז אדמיניסטראטאר 1, פאטאגראפיסט 1, נייערטורנס 2, הענטשקע מאכער 1, שילער 1, שלאסער 1, מאניקוזשיסטקע 1, דרוקער 4, גאלדשמידט 1~~,~~ און 54 אהן בעשטימטע בעשעפטיקונגען.
16)    40 גר.
17)    ב, ג, ד, ה,י, יא, טו, ב.
18)    פוטבאל, לייכטאטלעטיק, באקס, באוועגליכע שפילן.
19)    פון ט די רעשט זענען נישט אונגעשלאסן בעווייל פון א טייל זענען אין לובלין קיין אפטיילונגען פון אזעלכע אלפוילישע ספורט-פארבאנדן נישט פערהאן און פון דער 2-טער טייל איז דער אפצאל א
גרויסער אויף וואס דער קלוב קאן זיך נישט דערלויבן.
[|4|]  20)  א געדונגענעם לאקאל
23)  א פינגפונג טיש
24)   א געדונגענעם אויף באשטימטע שעהן די גרייס פון אים איז  10.000m2
 
28)     יא
30)  טרענירעס, יינסטרוקטארן, אדארכגעמאכט א שווים קורס (אימזיסט) ווי אויך אידן דארט מיט ארטיקע מכשירים פאר א געוויסן אפצאל און בעקומן הנחות {50%}
ביים איבערפארן מיט דער באן אין אנדרע שטעט אויף יימפרעזן אדער כדי איינצוארדנען יימפרעזן.
31)  מיטגלידס-אפצאל, אינטערנעמונגען, דאמינא, פינג-פונג טיש.
33)  יינסטרוקטארן פון PWiWF (קריסטליכע מיליטערייט) ווי אויך פון ספורט קלוב הכוח וועלכע האבן געענדיקט א ספעציעלן יינסטרוקטארן קורס
34)  פויליש
36)  יא
37)  א, יא
38)  יא, זי בעשטייט פון פארלעזונגען  ### געגעבן יעדן שבת, ליטערארישע דיסקוסיעס, וועכנטלעכע איבערזיכט פון דער פרעסע.
39)  אין יידישן
40)  א דראמאטישן קרייז.
42)  פערהאן אן ארכיוו וועלכער טייל וויז ווערט ער אופגעהיטן.
{פרידמ#ן} [Unterschrift]
[Stempel; Jidd.] יידישער שפארט קלוב וויעניאווא אין לובלין
19 7 XII 35
Die Editionsrichtlinien finden Sie hier.

Translations

Übersetzung (Deutsch)

Fragebögen

Fragebogen Fragebogen Beide Fragebögen weisen dieselbe Handschrift auf. Wahrscheinlich wurden diese beiden Fragebögen am YIVO zur Archivierung handschriftlich kopiert.
1)  Jüdischer Arbeitersport-Klub „Hapoel“
2)  Lublin
3)  Lubliner
4)  Królewska No. 3
5)  Jahr 1927
8)  Ja
9)  Z.K. des jüdischen Sportklubs „Hapoel“
10)  Ja
[ |2| |2| Von Bearbeiterin hinzugefügte Paginierung bei unpaginiertem Original. ] 12)  110, Männer 76, Frauen 34.
13)  Im Zuge der Organisation dieser Gruppe
14)  4
15)  5 Schüler, 1 Betonarbeiter, 1 Seifenarb.[eiter], 2 Sticker, 3 Näherinnen, 1 Fotograf, 1 Schreiner, 2 Bäcker, 3 Polsterer/Tapezierer, 2 Schneider und Hefter?, 3 Drucker, 2 Händler, 1 Glaser, 17 Handelsangestellte, 5 Büroangestellte, 14 Schneider, 1 Zeitungsagent, 1 Zahntechniker, 1 Metzger, 3 Elektrotechniker, 1 Radiotechniker, 1 Strickwarenarbeiter, insgesamt 59 ohne feste Anstellung
16)  Minimum 25 gr. Maximum 1 zl. (bei 85% Zuwachs auf 50 gr.)
17)  a, b, g, d, i, ja/jo, jg, jt
18)  Fußball, Leichtathletik, Gymnastik, Bewegungsspiele.
19)  Der Rest nicht, denn in Lublin gibt es keine Zweigstellen solcher1 allpolnischen Sportverbände.
20)  Ein gemietetes Lokal
23)  Tischtennisplatten, Geräte für Leichtathletik und Sportspiele.
24)  Gemietet für bestimmte Stunde. Die Größe von ihm beträgt 10.000m2
30)  Dort mit ihren Geräten gegen eine Gebühr.
31)  Mitgliedsbeitrag, Veranstaltungen, Sammlungstag, Lesesaal, Domino, Tischtennisplatten
33)  1 Instruktor (Jude), 1 Instruktorin (Jüdin), beide haben 1934 einen Instruktorenkurs abgeschlossen, organisiert durch das Zentralkomitee des jüdischen Arbeitersportvereins Hapoel in Warschau; sie profitieren auch von 3 Instruktoren des PWiWF (Christen: 2 Militärangehörige und 1 Ziviler)
34)  In Polnisch
36)  Ja
37)  a. ja /jo. b. ja/jo
38)  Er leitet eine Kulturarbeit, die aus Vorträgen, Wandzeitungen und Sportvorträgen besteht
39)  In Jiddisch
41)  Jo
42)  a. ja/jo b. ja/jo
[ Unterschrift Unterschrift Einfügung der Bearbeiterin. ]  # . Mil[sh]m#n
[Stempel; Poln., Jidd.] Jüdischer Arbeitersport-Klub Hapoel in Lublin
Lublin 19 2 2 Es könnte sich auch um eine 7 anstatt eine 2 handeln. XII 35 
[|3|] Fragebogen
1)  Jüdischer Sportklub „Wieniawa“
2)  Lublin
3)  Lubliner
4)  Króla Leszczyńskiego Nr. 6
5)  Jahr 1931
6)  Ja
7)  1 Monat wegen fehlender Legalisierung schloss die Verwaltungsbehörde die Räumlichkeiten und 4 Monate wegen fehlender Legalisierung der Räumlichkeiten bis zur Anmietung eines zweiten
10)  Ja
12)  100 Mitglieder, 72 Männer und 28 Frauen
14)  103
15)  3 Strickwarenarbeiter, 21 Schreiner, 7 Bäcker, 47 Schneider, 10 Metzger, 4 Schuster, 9 Handelsangestellte, 3 Maler, 1 Polsterer/Tapezierer, 4 Kirschner, 11 Gamaschenstepper, 1 Tischler / Zimmermann, 3 Gärtner, 2 Musiker, 1 Zuckerbäcker, 1 Elektroinstallateur, 3 Blechschmiede, 1 Farbenhersteller, 3 Friseure, 1 Gouvernante, 1 Hausverwalter, 1 Fotograf, 2 Näherinnen, 1 Handschuhmacher, 1 Schüler, 1 Schlachter, 1 Manikürekraft / Nagelkosmetikerin, 4 Drucker, 1 Goldschmied , und 54 ohne feste Anstellung.
16)  40 gr.   17) b, g, d, h, i, ja/jo, tu, b.
18)  Fußball, Leichtathletik, Boxen, Bewegungsspiele.
19)  Von t Der Rest ist nicht enthalten, da es einerseits in Lublin keine Zweigstellen solcher allpolnischen Sportvereine gibt, andererseits ist die Gebühr ein hoher Betrag, den sich der Verein nicht leisten kann.
[|4|] 20) Ein gemieteter Raum
23)  Ein Tischtennistisch
24)  Ein gemieteter Raum zu bestimmten Zeiten, dessen Größe 10.000 m² beträgt
28)  Ja
30)  Trainer, Instruktoren, es wurde ein entsprechender Kurs (kostenlos) organisiert, und auch dort wurden Geräte für eine bestimmte Anzahl bereitgestellt, mit 50% Rabatt. Beim Fahren mit der Bahn in andere Städte zur Besichtigung oder zur Organisation von Besichtigungen.
31)  Mitgliederzahl, Veranstaltungen, Domino, Tischtennis
33)  Instruktoren des PWiWF (christliche Militärangehörige) sowie von der Sportvereinigung Hakoah, die einen speziellen Instruktorenkurs abgeschlossen haben
34)  Polnisch
36)  Ja
37)  a, ja
38)  Ja, es umfasst Vorträge, ### die jeden Samstag gehalten werden, literarische Diskussionen, wöchentliche Presseschau.
39)  In Jiddisch
40)  Ein dramatischer Kreis
41)  Es gibt ein Archiv, dort wird es teilweise aufbewahrt.
[Unterschrift] Fridm#n
[Stempel; Jidd.] Jüdischer Sportklub „Wieniawa“ in Lublin
Lublin 19 7 XII 35
Die Editionsrichtlinien finden Sie hier.

Fußnoten

1.
Hier im Original handschriftliche Einfügung bei א{זע}לכע.

Kommentar

Die vorliegenden Fragebögen des Yidisher arbeter sport klub „hapoel“ Yidisher arbeter sport klub „hapoel“ Jüdischer Sportklub Hapoel. Hapoel bedeut „Der Arbeiter“. und des Vereins Wieniawa mit Daten zu Mitgliedern, beruflicher Schichtung, des Programms etc. entstammen dem Archiv des YIVO Institute, das 1925 in Wilna als Jüdisches Wissenschaftliches Institut (Yidisher Visnshaftlekher Institut) gegründet wurde.  Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde ein vielversprechender Versuch gestartet, die Größe und Aktivität der jüdischen Sportbewegung in Polen zu erfassen. 1935 gründete das YIVO, ein renommiertes jüdisches Forschungsinstitut, eine spezielle Abteilung, die sich der Untersuchung des jüdischen Sports in Polen widmen sollte. Eine engagierte Gruppe von Forschenden erstellte einen umfangreichen Fragebogen, der 43 Fragen umfasste. Dieser wurde an jüdische Sportvereine im gesamten Land verschickt. Die Resonanz auf das Projekt war jedoch enttäuschend, sodass es letztlich eingestellt wurde. Die überlieferten Rückmeldungen sind fragmentarisch, wobei ein Großteil der Dokumente durch den Krieg und die Shoa verloren ging. In seinem Aufsatz „Die Politik in der jüdischen Sportbewegung in Polen zwischen den Weltkriegen“ aus dem Jahr 2006 verweist Jack Jacobs auf fünf überlieferte Fragebögen, die alle von Vereinen stammen, die mit dem sozialistisch-antizionistischen und jiddischistischen Morgnshtern verbunden waren.1 Die hier edierten Rückläufe, beide aus dem Jahr 1935, sind den Lubliner Vereinen Hapoel und Wieniawa zuzuordnen. Diese beiden Quellen ermöglichen einen Einblick in die vielseitige lokale Sportlandschaft.
Die Erforschung der Stadtgeschichte stellt einen zentralen Aspekt innerhalb der jüdischen Sportgeschichte dar und eröffnet ein breites Spektrum an Forschungsmöglichkeiten. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben polnische Lokalhistoriker:innen einzelne lokale jüdische Sportvereine in den Blick genommen und untersucht. Die Aktivitäten der lokalen Vereine wurden und werden auch in Ausstellungen präsentiert und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.2 Für die Darstellung des jüdischen Sports in Lublin zeigt sich das „Brama Grodzka – Teatr NN“ „Brama Grodzka – Teatr NN“ Die Organisation ist nach dem Grodzka-Tor benannt, das einst das christliche und das jüdische Viertel von einander trennte. Die Organisation setzt sich für die Erinnerung an jüdisches Leben in Lublin ein. verantwortlich, eine Kultureinrichtung die sich dem Schutz des kulturellen jüdischen Erbes in Lublin widmet. Die Kultureinrichtung zeigt sich für die Online-Ausstellung „Wieniawa pany! Sport żydowski w Lublinie“ verantwortlich. Diese Ausstellung präsentiert die jüdischen Vereine Lublins, wobei ein besonderer Fokus auf Fotografien, Plakaten und Presseberichten über den jüdischen Sport liegt.3
 
In der Yidn-Shtot (Jüdische Stadt)4 Lublin lebten Ende der 1930er ca. 43.000 Jüdinnen und Juden – die Stadt zählte eine Gesamtbevölkerung von 120.000 Menschen.5 Die jüdische Gemeinde Lublins kann nicht als einheitlich und homogen betrachtet werden, sondern zeichnete sich durch eine ausgeprägte Diversität aus. Seit dem Einzug des  Chassidismus
Chassidismus
auch:
Hasidismus, Hassidismus, Chasidismus
Mystische, in viele Gruppierungen zerfallende Erneuerungsbewegung im Judentum, die von Ba'al Shem Tov (meist mit dem Akronym Besht bezeichnet, eigtl. Israel ben Eliezer,) in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Podolien ausging und im östlichen Europa rasch weite Verbreitung in allen sozialen Schichten fand. Charakteristisch ist die Herausbildung einzelner chassidischer Höfe, an denen sich die Anhänger um ihren Rebbe (Tzaddik) scharen. Bezeichnend für den Chassidismus ist aber auch die erbitterte Gegnerschaft, die er in rabbinischen Kreisen, so vor allem in großen Teilen Litauens und Belarus, hervorrief.
 gegen Ende des 18. Jahrhunderts war die Gemeinde in zwei große Lager gespalten: Zum einen in das chassidische Lager und zum anderen in jenes der orthodoxen Jüdinnen und Juden – den Misnagdim Misnagdim Die hebräische Bezeichnung lautet Mitnagdim.Der Begriff "Misnagdim" (hebr. für "Gegner") bezeichnet die rabbinischen Opponenten der chassidischen Bewegung, vornehmlich in Litauen, Nordweißrussland und Nordostpolen – Regionen, die überwiegend von litauischen Juden bewohnt waren. Ursprünglich als abwertender Begriff in chassidischer Polemik der 1770er Jahre geprägt, wurde die Bezeichnung von den Gegnern des Chassidismus später mit Selbstbewusstsein übernommen. , die sich über die Auslegung des Judentums stritten. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts manifestierten sich die Maskilim Maskilim Die Anhängerschaft der Haskala (Reformjudentum). in Lublin.6 Obwohl sie zahlenmäßig eine geringe Größe aufwiesen, prägten sie über eine langen Zeitraum die intellektuelle Elite der jüdischen Gemeinschaft, wenngleich ihr Einfluss auf die breite jüdische Bevölkerung begrenzt war. Die in Lublin einflussreichen Chassidim sowie deren orthodoxe Gegner lehnten die modernen Konzepte der Maskilim ab. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten sich neue Ansätze zur Beantwortung der jüdischen Frage, insbesondere durch die jüdisch-sozialistische Bewegung. Diese Bewegung griff auf Ideen zurück, die für die jüdische Arbeiterklasse von Bedeutung waren.7 Denn im Zuge der Industrialisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts etablierte sich in Lublin erstmals ein lokales Industrieproletariat, dessen Mitgliedern sich überwiegend aus der nichtjüdischen Arbeiterschaft zusammensetzte. Die Beschäftigung von Jüdinnen und Juden erfolgte hauptsächlich in Klein- und Kleinstbetrieben, welche sich in jüdischem Besitz befanden. Im Jahr 1921 lebten in Lublin etwa 94.500 Menschen, von denen 4.871 der jüdischen Industriearbeiterschaft angehörten.8 Die jüdisch-sozialistische Bewegung engagierte sich für soziale Gerechtigkeit, die Anerkennung der jiddischen Sprache sowie eine klare Trennung zwischen Religion und jüdischer Gemeinschaft. Für ihre Anhänger:innen, wie die  des Bundes
Der Bund
auch:
Allgemeiner jüdischer Arbeiterbund in Litauen, Polen und Russland
Der «Allgemeine jüdische Arbeiterbund in Litauen, Polen und Russland» wurde 1897 in Vilnius gegründet und vereinte zahlreiche Sozialisten jüdischer Herkunft. Die Bundisten standen dem Wunsch nach einem jüdischen Staat, wie ihn der Zionismus propagierte, ablehnend entgegen und setzten sich für ausgebaute jüdische Autonomierechte in der Diaspora ein. Während des Zweiten Weltkriegs operierte der polnische Zweig des Bundes im Untergrund weiter und beteiligte sich unter anderem am Warschauer Ghettoaufstand.
9 und der Volkspartei, waren Jüdinnen und Juden eine ethnisch-nationale Gruppe mit einer reichen Kultur und Tradition, die kulturelle Autonomie in den europäischen Ländern einforderte, in denen sie lebten ( doikayt doikayt Jidd. für „Hierheit“ oder „hier sein“. ) . Eine weitere Antwort auf die Frage nach jüdischer Zugehörigkeit bot der Arbeitszionismus, der die zionistischen Ideen mit den Interessen der jüdischen Arbeiterklasse verband.
In der Zwischenkriegszeit manifestierte sich in 
Lublin
deu. Lublin, yid. lublyn, yid. לובלין, lat. Lublinum, pol. Lubelin, lat. Lyvblin, pol. Lubelnia, lat. lvblyn, rus. Люблин, rus. Lyublin, rus. Ljublin, rus. Lûblin, rus. Lûblin"

Lublin (Bevölkerungszahl 2023: 329.565) ist die Hauptstadt der gleichnamigen Woiwodschaft im östlichen Polen. Die Stadt gehört zu den wichtigsten politischen Zentren und Industriestandorten im östlichen Polen sowie als eine der wichtigsten Bildungsstätten des Landes. In Lublin befindet sich neben der staatlichen Maria-Curie-Skłodowska-Universität die renommierte Katholische Universität Lublin Johannes Paul II. 1569 wurde in der Union von Lublin die Realunion der Doppelmonarchie Polen-Litauen beschlossen. 1809, 1918 und 1944/45 war Lublin kurzfristig Hauptstadt Polens. Im 17.und 18. Jahrhundert war die Stadt eine Hochburg des Protestantismus in Polen. Im 16. und 17. Jahrhundert war Lublin der Mittelpunkt des Judentums des Landes, ab dem Ende des 18. Jahrhunderts der wichtigste Ort des Chassidismus. 1930 wurde in Lublin die damals größte Talmudschule der Welt eröffnet, die nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 schließen musste. 1939-1942 wurde die zunächst im Ghetto eingesperrte und später in die Konzentrationslager deportierte jüdische Bevölkerung der Stadt größtenteils umgebracht, darunter im KZ Lublin im Stadtteil Majdanek. Nach dem 2. Weltkrieg war Lublin ein wichtiger Standort der Autoindustrie. 1980 gehörte die Stadt zu den wichtigsten Zentren des Widerstands gegen die Kommunistischen Machthaber.

 die gesamte Bandbreite jüdischer Ideologien, wobei auch der Bereich des Sports Berücksichtigung fand. Fußball – damals wie heute – eine der beliebtesten Sportarten, fungierte als Schauplatz und Sprachrohr divergierender Vorstellungen von jüdischer Zugehörigkeit, sei diese national, ethnisch, sozialistisch oder kulturell geprägt. In dieser Konstellation prallten die unterschiedlichen Ideale aufeinander und formten so das Bild einer lebendigen, vielseitigen jüdischen (Sport-)Kultur. Ein wesentlicher Bestandteil der jüdischen Sportlandschaft in Lublin bildeten die zionistischen Vereine, deren Geschichte mit der Gründung des Vereins Shimshon im Jahr 1917 begann und sich mit Vereinen wie Shomriya (Wache) (später Yardenya Yardenya Der Name Yardenya setzt sich aus zwei hebräischen Wörtern zusammen: "yardena" bedeutet "herabsteigen" oder "fließen" und "eden" bedeutet "Paradies". Der Garten Eden steht für Schönheit und Ruhe. und dann Makkabi Makkabi In Anlehnung an Jehuda HaMakkabi, dem Anführer des Makkabäeraufstandss gegen das Seleukidenreich. ) und Hakoah (Die Kraft) (später Makkabi) fortsetzte.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil waren die sozialistisch-zionistischen Vereine Hapoel und Shtern Shtern Stern (manchmal wird auch der poln. Name Gwiazda verwendet). , die in enger Verbindung mit der rechten Po’ale Tsyion (Po’ale Zion)
Po'ale Tsiyon
auch:
Poale-Zion
Po’ale Tsiyon ist eine zionistisch-sozialistische Partei, die sich 1901 in den polnischen, ukrainischen und Litauischen Gebieten des Russländischen Reiches gegründet hatte. Die Gründung war eine Reaktion darauf, dass die sozialdemokratische jüdische Arbeiterpartei Bund sich gegen den Zionismus ausgesprochen hatte. Lokale Gliederungen gründeten sich in zahlreichen Ländern der jüdischen Diaspora. Schließlich wurde sie in Palästina durch die Arbeiterpartei Mapai und noch später Avoda abgelöst.
 bzw. der linken Poale Zion standen. In der Geschichte des Vereins Hapoel sind einige Erfolge in der Lubliner Fußballliga zu verzeichnen. Zudem bestand eine Rivalität mit dem zionistischen Verein Hakoah, der sich zu einem späteren Zeitpunkt in Makkabi umbenannte. Der Lubliner Hapoel-Verein war überdies der erste im Polen der Zwischenkriegszeit, der unter der Schirmherrschaft des internationalen Hapoel-Verbands agierte.10 Aus dem rückläufigen Fragebogen erfahren wir nicht nur die Adresse (Królewska No. 3) und das Gründungsjahr (1927) des Vereins, sondern auch etwas über die Zusammensetzung seiner Mitgliedern. Im Jahr 1935 umfasste Hapoel 110 Mitglieder, davon 76 Männer und 34 Frauen. Sie verdienten ihren Lebensunterhalt hauptsächlich in handwerklichen Berufen, während 39 Mitgliedern keine feste Anstellung vorwiesen. Der Verein bot neben dem Fußball auch Leichtathletik und Gymnastik an. Die Ausübung des Sport- und Vereinsbetriebs erfolgte durch die Anmietung eines Lokals in Lublin. Neben zwei jüdischen Trainer:innen waren dort auch drei christliche Instruktoren der Organisation für militärische Ausbildung und Körpereziehung („Państwowy Urząd Wychowania Fizycznego i Przysposobienia Wojskowego“, PUWFiPW) Organisation für militärische Ausbildung und Körpereziehung („Państwowy Urząd Wychowania Fizycznego i Przysposobienia Wojskowego“, PUWFiPW) Das Amt für Leibesübungen und Wehrerziehung „Państwowy Urząd Wychowania Fizycznego i Przysposobienia Wojskowego“, kurz PUWFiPW oder PWiWF, wurde 1927 in Polen gegründet, um die Bevölkerung auf militärische Verteidigung vorzubereiten und die körperliche Fitness zu fördern. Sie kombinierte militärische Ausbildung und sportliche Erziehung und richtete sich an junge Menschen. Neben militärischen Übungen und theoretischen Kursen förderte das Amt auch viele populäre Sportarten. aktiv. Von diesen drei Personen, allesamt nichtjüdischer Herkunft, dienten zwei im Militär (S. 1–2). Obgleich PUWFiPW den jüdischen Vereinen ambivalent gegenüberstand, kam es doch bis in die Mitte der 1930er-Jahre zu einem Austausch. Kontakte zwischen polnischen und jüdischen Vereinen waren ohnehin keine Seltenheit, insbesondere im Bereich des Fußballs. In gewissem Umfang versuchte PUWFiPW auch auf jüdische Vereine einzuwirken, indem sie bis in die 1930er Jahre hinein Instruktoren in die Vereine jüdischer Trägerschaft entsandte. Diese Praxis ging dabei mit gewissen Konzessionen einher. Doch Mitte der 1930er Jahre nahmen antisemitische Tendenzen auf staatlicher und gesellschaftlicher Ebene zu. Dies führte zu einer Verschlechterung des Verhältnisses zwischen PUWFiPW und den jüdischen Vereinen, was sich in einer Abnahme der Kooperationen manifestierte.11
 
Neben den zionistischen und sozialistisch-zionistischen Vereinen war auch ein Morgnshtern-Verein in Lublin ansässig. Der Morgnshtern betrieb neben Fußball insbesondere Gymnastik und Leichtathletik. Er war als bundistischer Verein Teil eines umfassenden Netzwerks jüdischer sozialer und kultureller Organisationen, welches das jüdische Leben in Lublin maßgeblich prägten.
Im Kontext des Lubliner Sportbetriebs ist insbesondere der jüdische Sportverein Wieniawa von Interesse, der im gleichnamigen Stadtteil beheimatet war. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war dies ein Shtetl, das sich im Umkreis von Lublin befand. Im Gegensatz zu den ideologisch geprägten Gemeinschaftsprojekten anderer jüdischer Sportvereine, wird Wieniawa eine überparteiliche Haltung nachgesagt.12 Im Yizker-Bukh Yizker-Bukh Erinnerungsbuch. der Stadt Lublin wird von dem ehemaligen Mitglied Zalmen Yankev Kopelman berichtet, dass der Verein unter kommunistischem Einfluss stand und sich seine Anhängerschaft vorwiegend aus der jüdischen Arbeiterschaft rekrutierte.13 Aus dem Fragebogen geht hervor, dass die Mitgliedern (100, davon 72 Männer und 28 Frauen) tatsächlich überwiegend aus der jüdischen Arbeiterschaft stammten, 54 von ihnen waren ohne feste Anstellung. Ihre politische Einstellung lässt sich allerdings nicht anhand des Rücklaufs identifizieren. Neben dem populären Fußball wurden im Verein auch Boxen, Leichtathletik und weitere Sportarten angeboten. Zur Ausübung seines Sport- und Vereinsbetriebs mietete der Verein ein Lokal in der Stadt. Der Sitz des Vereins befand sich in der Króla Leszczyńskiego 6. Die Instruktoren rekrutierte der Verein aus dem Verein Hakoah sowie aus dem Amt PUWFiPW (S. 3–4). Im Jahr 1935, vier Jahre nach seiner Gründung Gründung Der Fragebogen gibt das Jahr 1931 als Gründungsdatum an (Vgl. S. 3), die Ausstellung benennt das Jahr 1932 als Gründungsjahr. 14, kam es zu einer interessanten Entwicklung: Nicht-jüdische Spieler traten dem Verein bei.15 Diese Entwicklung währte nicht lang, da antisemitische Spannungen einer dauerhaften Etablierung entgegenstanden. Im Jahr 1937 wurde dem Verein Wieniawa, wie zahlreichen anderen Sportvereinen der Zweiten Polnischen Republik vorgeworfen, kommunistische Sympathien zu hegen. In Folge dessen wurde der Verein von den Behörden aufgelöst. Gemäß den Ausführungen Kopelmans schlossen sich die nunmehr vereinslosen Mitgliedern dem Verein Hakoah an, der bis zum Ausbruch des Krieges in Lublin bestehen konnte.16
 
Die Integration nicht-jüdischer Spieler, so Piotr Nazaruk vom „Brama Grodzka – Teatr NN“, könnte als Versuch gedeutet werden, das gegenseitige Misstrauen zwischen Jüdinnen und Juden und Polinnen und Polen zu überwinden und neue Ansätze für die polnisch-jüdischen Beziehungen zu schaffen. Doch Initiativen wie Wieniawa scheiterten letztlich an dem antisemitischen Klima jener Zeit.17

Metadaten

Informations-Bereich