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Jüdische Jugend und Sport
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Quellenangabe:
Willner, Max: Jüdische Jugend und Sport. (1924). In: Schild, 3. Jahrgang, Heft 21. S. 1-2. Zitiert nach: Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa. URL: https://www.copernico.eu/de/link/678909ee9aff34.60757489 (08-03-2026)
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Der Mediziner Max Willner ruft die jüdische Jugend in der Verbandszeitung des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten zum Sport auf. Er befürchtet Antisemitismus und die weitere Ausgrenzung von Juden aus Vereinen. In weiten Teilen liest sich der Text wie ein Plädoyer der zionistischen Turn-und Sportvereine für den Sport. Für die jüdischen Athleten im Reichsbund bleibt die deutsche Nation als Bezugspunkt konstant. Sport sei nicht nur eine Möglichkeit, sich gegen den Antisemitismus zur Wehr zu setzen, sondern auch eine ideale Gelegenheit dem deutschen Vaterland zu dienen.
Transkriptionen
Transkription (Deutsch)
Jüdische Jugend und Sport
Von
Dr. med. Max Willner
Dr. med. Max Willner
Dr. Max Willner war ein deutsch-jüdischer Mediziner.
, Berlin.
Aus dem Lager des „Sozialismus der Dummen“, # den Antisemiten, werden den Juden oft ganz gemein körperliche Fähigkeiten und Mut und Kraft, #gesprochen und die Attribute der Feigheit zugelegt. Daß ##is meist wider besseres Wissen geschieht, liegt auf der #and. Die Herrschaften, welche ja alle noch auf ### Schule Religionsgeschichte gelernt haben, dürften das erste Buch der Makkabäer nicht ganz ver##ssen haben und wissen recht wohl, daß die ganze Weltschichte einen ähnlich heldenhaften Befreiungskampf nicht ##weist, wie ihn die Juden zu erst unter dem greisen, #riester Mattathias aus dem Geschlechte der Hasmonäer, ##d dann unter seinem Sohne Makkabi gegen die vielfach #erlegenen Heere des Antiochus Epiphanes geführt haben. #eit dieser Zeit führen wir Juden seit Jahrtausenden einen ##weren Kampf gegen Dummheit und Böswilligkeit un#er Gegner, deren Vernichtungswillen immer um so ##ker und ohne Sinn und Maß an die Oberfläche kommt, mehr sie einsehen müssen, aber niemals eingestehen wollen, ##ß das Maß von Lügen und Verleumdung überlaufen #uß, um die daraus hervorbrechende Schmutzwelle über##upt in Fluß zu halten. Man wird es uns nicht ver##hen, daß die 12 000 jüdischen Frontsoldaten bei dem #örderischen Ringen da draußen ihren Mann gestanden ##ben so gut wie jeder anständige Deutsche, man will nicht #ie Zahlen unserer Toten kennen und will nicht die jüdi##hen Krüppel sehen. Und man will nicht Juden in man##en Sportgemeinden haben, denn das paßt, nicht in den #ram; es ist besser, das künstlich hergestellte Bild von #em gebückten, schwächlichen zu keiner Kampfesleistung ge##gneten Judenjungen bleibt unverfälscht als billiges Agi##tionsmittel gegen uns bestehen. W i r a b e r w o l l e n e s a n d e r s, j u n g e # u d e n ! ! Wir wissen, daß ein Volk, das Jahrtausende, #en schwersten aller Kämpfe, den Verteidigungskampf in #bsoluter Form geführt hat, neben hohen geistigen Fähig##ten körperliche Eigenschaften besitzen muß, die wert sind, #epflegt und ausgebildet zu werden. Nur wenn der Einzelne, wie es bei vernunftgemäß ausgeübtem Sport nicht anders möglich ist, Mut und Kraft, Entschlossenheit und Tatkraft in hohem Maße erwirbt, kann auch von der Allgemeinheit mit Erfolg gegen die Vorurteile wenigstens derjenigen unserer sportlichen Gegner aufgetreten werden, dienicht böswillig sind. D a ß e i n 1 7 j ä h r i g e r Ju d e n j u n g e d e n e n g l i s c h e n M a r a t h o n l a u f g e w a n n, läßt sich ebenso wenig ableugnen wie daß der populärste englische Boxer T e d K id L e v i s T e d K id L e v i s Gershon Mendeloff (Ted „Kid“ Levis) (1894–1970) war ein britisch-jüdischer Boxer. Ted „Kid“ Lewis war Weltmeister im Weltergewicht in den Jahren 1915 und 1916 sowie von 1917 bis 1919. Er erhielt den Spitznamen „Aldgate Sphinx“. In seiner 20-jährigen Karriere kämpfte er in sechs verschiedenen Gewichtsklassen (von 116 bis 166 Pfund). , J u d e ist und daß die waghalsigsten Angehörigen der internationalen Akrobatenwelt Juden sind. 1926 findet voraussichtlich in Deutschland die Olympiade statt. Wir Juden haben allen Grund zu zeigen, daß wir bei der Verteilung der Siegespreise mitzusprechen haben. Will man die antisemitische Hetze auch in die Sportvereine tragen, nun Wohl! {אוף# משיא# בגרמניה} Bleiben wir schön unter uns und zeigen wir nur, daß wir in guter Gesellschaft sind. Finden die olympischen Kämpfe in Deutschland statt, so weiß die ganze Welt, daß die Wertung der Sieger nicht gleichgültig ist für die Beurtei-
Aus dem Lager des „Sozialismus der Dummen“, # den Antisemiten, werden den Juden oft ganz gemein körperliche Fähigkeiten und Mut und Kraft, #gesprochen und die Attribute der Feigheit zugelegt. Daß ##is meist wider besseres Wissen geschieht, liegt auf der #and. Die Herrschaften, welche ja alle noch auf ### Schule Religionsgeschichte gelernt haben, dürften das erste Buch der Makkabäer nicht ganz ver##ssen haben und wissen recht wohl, daß die ganze Weltschichte einen ähnlich heldenhaften Befreiungskampf nicht ##weist, wie ihn die Juden zu erst unter dem greisen, #riester Mattathias aus dem Geschlechte der Hasmonäer, ##d dann unter seinem Sohne Makkabi gegen die vielfach #erlegenen Heere des Antiochus Epiphanes geführt haben. #eit dieser Zeit führen wir Juden seit Jahrtausenden einen ##weren Kampf gegen Dummheit und Böswilligkeit un#er Gegner, deren Vernichtungswillen immer um so ##ker und ohne Sinn und Maß an die Oberfläche kommt, mehr sie einsehen müssen, aber niemals eingestehen wollen, ##ß das Maß von Lügen und Verleumdung überlaufen #uß, um die daraus hervorbrechende Schmutzwelle über##upt in Fluß zu halten. Man wird es uns nicht ver##hen, daß die 12 000 jüdischen Frontsoldaten bei dem #örderischen Ringen da draußen ihren Mann gestanden ##ben so gut wie jeder anständige Deutsche, man will nicht #ie Zahlen unserer Toten kennen und will nicht die jüdi##hen Krüppel sehen. Und man will nicht Juden in man##en Sportgemeinden haben, denn das paßt, nicht in den #ram; es ist besser, das künstlich hergestellte Bild von #em gebückten, schwächlichen zu keiner Kampfesleistung ge##gneten Judenjungen bleibt unverfälscht als billiges Agi##tionsmittel gegen uns bestehen. W i r a b e r w o l l e n e s a n d e r s, j u n g e # u d e n ! ! Wir wissen, daß ein Volk, das Jahrtausende, #en schwersten aller Kämpfe, den Verteidigungskampf in #bsoluter Form geführt hat, neben hohen geistigen Fähig##ten körperliche Eigenschaften besitzen muß, die wert sind, #epflegt und ausgebildet zu werden. Nur wenn der Einzelne, wie es bei vernunftgemäß ausgeübtem Sport nicht anders möglich ist, Mut und Kraft, Entschlossenheit und Tatkraft in hohem Maße erwirbt, kann auch von der Allgemeinheit mit Erfolg gegen die Vorurteile wenigstens derjenigen unserer sportlichen Gegner aufgetreten werden, dienicht böswillig sind. D a ß e i n 1 7 j ä h r i g e r Ju d e n j u n g e d e n e n g l i s c h e n M a r a t h o n l a u f g e w a n n, läßt sich ebenso wenig ableugnen wie daß der populärste englische Boxer T e d K id L e v i s T e d K id L e v i s Gershon Mendeloff (Ted „Kid“ Levis) (1894–1970) war ein britisch-jüdischer Boxer. Ted „Kid“ Lewis war Weltmeister im Weltergewicht in den Jahren 1915 und 1916 sowie von 1917 bis 1919. Er erhielt den Spitznamen „Aldgate Sphinx“. In seiner 20-jährigen Karriere kämpfte er in sechs verschiedenen Gewichtsklassen (von 116 bis 166 Pfund). , J u d e ist und daß die waghalsigsten Angehörigen der internationalen Akrobatenwelt Juden sind. 1926 findet voraussichtlich in Deutschland die Olympiade statt. Wir Juden haben allen Grund zu zeigen, daß wir bei der Verteilung der Siegespreise mitzusprechen haben. Will man die antisemitische Hetze auch in die Sportvereine tragen, nun Wohl! {אוף# משיא# בגרמניה} Bleiben wir schön unter uns und zeigen wir nur, daß wir in guter Gesellschaft sind. Finden die olympischen Kämpfe in Deutschland statt, so weiß die ganze Welt, daß die Wertung der Sieger nicht gleichgültig ist für die Beurtei-
◊◊◊6 Gründet neue Ortsgruppen ◊◊◊
lung unter den Völkern. Für das Ausland wenigstens wird es nie heißen, der deutsche Christ oder Jude hat gesiegt, sondern der Deutsche, und deutsche jüdische Jünglinge, wenn auch im eigenen Lande angefeindet, müssen und werden alles daran setzen, auch hierin ihrem Vaterlande zu dienen.
Daß in Zeiten, wie wir sie jetzt durchlebt haben, wor Schwächlinge nach Sündenböcken suchen, wo Heldenjünglinge in Haufen über einen einzelnen Juden herfallen und in widerwärtigem Maulheldentum sich über eigene erbärmliche Feigheit hinwegzulügen suchen, der einzelne Jude geübt und gestählt sein muß, sich gegen antisemitisches Gesindel erfolgreich zur Wehr zu setzen, ist eine selbstverständliche Forderung. Im Verteidigungskampf wenigstens sollte jeder jüdische Jüngling die größtmögliche Fertigkeit besitzen. Tausend Mal besser ist es kämpfend zu fallen als widerstandslos gemeuchelt zu werden. Im Sport wie im Leben gelten für den jüdischen Jüngling Goethes Worte:
|2| Du mußt steigen oder sinken,
Du mußt herrschen und gewinnen,
Oder dienen und verlieren,
Leiden oder triumphieren,
Hammer oder Ambos sein. sein. Das Gedicht „Ein andres“ stammt aus der Feder des Dichters Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832).
J ü d i s c h e J ü n g l i n g e ! Kräftigt Eure Muskeln, stählt Eure Nerven, schafft Euch im Kampfe ums Dasein den Vorteil, den der Geübte über den Ungeübten, hat, schafft Euch die Ueberlegenheit der größeren Widerstandsfähigkeit gegen die Witterungsumschläge, härtet Euch ab gegen die Gefahren des Lebens, lernt in gemeinsamer Freude an gemeinsamen Erfolgen Euch über lächerliche Standesurteile hinwegsetzen, verachtet die demoralisierenden Genüsse der Großstadtwelt und seht die veredelnden Reize der schönen freien Natur, lernt die Gefahr verachten und erwerbt Mut, Entschlossenheit, Selbstvertrauen, Selbstbeherrschung und Geistesgegenwart, schätzt die Kameradschaftlichkeit und ordnet Euch verträglich und freiwillig und zielbewußt dem Führer und der Allgemeinheit unter, aber laßt, von allem schädlichen Uebermaß, dient Euch und dem Vaterlande.
|2| Du mußt steigen oder sinken,
Du mußt herrschen und gewinnen,
Oder dienen und verlieren,
Leiden oder triumphieren,
Hammer oder Ambos sein. sein. Das Gedicht „Ein andres“ stammt aus der Feder des Dichters Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832).
J ü d i s c h e J ü n g l i n g e ! Kräftigt Eure Muskeln, stählt Eure Nerven, schafft Euch im Kampfe ums Dasein den Vorteil, den der Geübte über den Ungeübten, hat, schafft Euch die Ueberlegenheit der größeren Widerstandsfähigkeit gegen die Witterungsumschläge, härtet Euch ab gegen die Gefahren des Lebens, lernt in gemeinsamer Freude an gemeinsamen Erfolgen Euch über lächerliche Standesurteile hinwegsetzen, verachtet die demoralisierenden Genüsse der Großstadtwelt und seht die veredelnden Reize der schönen freien Natur, lernt die Gefahr verachten und erwerbt Mut, Entschlossenheit, Selbstvertrauen, Selbstbeherrschung und Geistesgegenwart, schätzt die Kameradschaftlichkeit und ordnet Euch verträglich und freiwillig und zielbewußt dem Führer und der Allgemeinheit unter, aber laßt, von allem schädlichen Uebermaß, dient Euch und dem Vaterlande.
T r e i b t S p o r t !
Chasak!
Chasak!
Sei stark (dt.).
Die Editionsrichtlinien finden Sie hier.
Kommentar
von Anke Hilbrenner
Der
Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF)
hatten Beobachter auch im Scheunenviertel den Eindruck, die Polizei habe die Gewalt gegen Jüdinnen und Juden nicht verhindert, sondern im Gegenteil, diese geschehen lassen. Angesichts der Gewalteskalation gegen jüdische Zivilisten rief auch der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten zur Selbstwehr auf und in der Folge gründete sich die Sportorganisation des RjF, der ebenso genannt wurde wie die Verbandszeitschrift: „Der Schild“.
Bereits im September 1923 hatte der Gründer des Reichsbunds Leo Löwenstein angesichts von anti-jüdischen Ausschreitungen in Breslau seine Kameraden aufgerufen, „Auf Posten!“ zu sein.1 Im Februar 1924 berichtete der Mediziner Max Willner nun seinerseits von der Notwendigkeit des Sports angesichts des Antisemitismus, den Willner in seinem Text als „Sozialismus der Dummen“ bezeichnete. Die Argumentation für die Notwendigkeit des Sports ähnelt jener der zionistischen jüdischen Turnvereine. Willner beruft sich hier auf die biblischen Vorbilder, wie etwa den Makkabäeraufstand, er verweist auf die antisemitische Ausbeutung des Negativbildes vom körperlich unzureichenden Golus-Juden, wie dies bereits Max Nordau tat. Aber er beruft sich in seinem Artikel auch stolz auf die zeitgenössischen jüdischen Sporthelden, wie den 17-jährigen Jungen, der den englischen Marathon gewann oder den populären englischen Boxer Ted Kid Levis. Allerdings unterscheidet sich der Aufruf Willners zum Sport von den Makkabi-Vereinen in einem entscheidenden Punkt. Willner erwartete, dass die Juden durch Sport zu guten Deutschen werden würden. Er setzte seine Hoffnung in die Olympischen Spiele, die er für das Jahr 1926 in Berlin erwartete: „Für das Ausland wenigstens,“ so Willner, „wird es nie heißen, der deutsche Christ oder Jude hat gesiegt, sondern der Deutsche, und deutsche jüdische Jünglinge, wenn auch im eigenen Lande angefeindet, müssen und werden alles daran setzen, auch hierin dem Vaterlande zu dienen.“ Das Vaterland, das wird in diesem Text deutlich, ist Deutschland.
Reichsbund jüdischer Frontsoldaten
auch:
Der 1919 gegründete Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF) war eine Reaktion auf antisemitische Anfeindungen gegenüber den aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrenden jüdischen Soldaten. Obwohl ca. 85.000 jüdische Frontsoldaten am Krieg teilnahmen, von denen etwa 12.000 starben, wurde ihnen vorgeworfen, sie hätten sich vor dem Krieg gedrückt und somit die Niederlage Deutschlands verursacht. Der RjF informierte über die Leistungen jüdischer Soldaten und half ihnen, die gebührende Anerkennung zu erlangen. Darüber hinaus organisierte der RjF Selbstschutzeinheiten, um die jüdische Bevölkerung vor antisemitischen Angriffen zu schützen. Seine politische Einstellung war deutsch-national, und sein Presseorgan hieß „Schild“. Ab 1936 wurde dem RjF verboten sich politisch zu engagieren und zwei Jahre später wurde er aufgelöst.
gründete sich im Jahr 1919, um der Erinnerung an die etwa 85.000 Juden, die während des Ersten Weltkriegs für Deutschland gekämpft hatten, und an die 12.000 jüdischen Gefallenen gerecht zu werden. Bereits während des Kriegs hatte es antisemitische Propaganda gegeben, die sich um die Behauptung rankte, Juden würden sich vor dem Krieg drücken. Dem wollte der Reichsbund entgegentreten. Von 1921 bis 1938 erschien die Verbandszeitung „Der Schild“, in der dieser Text im Februar 1924 abgedruckt wurde. Der RjF und seine Funktionäre hatten andere Vorstellungen von jüdischer Zugehörigkeit als die meist zionistischen Mitglieder der jüdischen Turnerschaft. Selbst als in der Jüdischen Turnerschaft noch nicht von Zionismus die Rede war, nannten die Vereine sich bereits „national-jüdisch“. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten begriff die nationale Zugehörigkeit der deutschen Juden als deutsch. Das Judentum galt dem Reichsbund meist als religiöse Konfession. Deshalb erschien es den RjF-lern zunächst auch nicht nötig, eigene Sportvereine zu gründen, denn die ehemaligen Soldaten gingen zum Zwecke des Turnen und Sports vor allem in nicht-jüdische Vereine. Das änderte sich ab dem Herbst 1923, als es zu gewaltsamen Ausschreitungen, regelrechten Pogromen, im Berliner Scheunenviertel kam, in dem zahlreiche jüdische Migrant:innen aus dem östlichen Europa wohnten. Bereits 1922 ordnete die Berliner Polizei eine Großrazzia im Scheunenviertel an, bei dem etwa 300 Männer, Frauen und Kinder ohne gültige Papiere in einem Lager interniert wurden. Im November 1923 führte die Inflation zu Unruhen von Unterstützungsgeldempfängern, die sich schließlich gewaltsam gegen Jüdinnen und Juden im Scheunenviertel richteten. Menschen wurden aus ihren Wohnungen gezerrt und Ladengeschäfte verwüstet. Wie bei den Pogromen im RjF

Малоформатный атлас Российской империи (1796). Карта Российской империи (карта 1).
Russländisches Kaiserreich
rus. Российская империя, rus. Rossijskaja imperija, eng. Russian Empire, deu. Russisches Zarenreich, rus. Всероссийская империя, rus. Wserossijskaja imperija, deu. Kaiserreich Russland, deu. Russisches Kaiserreich, deu. Russisches Reich, deu. Russländisches Reich
Das Russländische Kaiserreich (auch Russisches Reich, Russisches Kaiserreich oder Kaiserreich Russland) war ein von 1721 bis 1917 existierender Staat in Osteuropa, Zentralasien und Nordamerika. Das Land war Mitte des 19. Jahrhunderts das größte zusammenhängende Reich der Neuzeit. Es wurde nach der Februarrevolution im Jahr 1917 aufgelöst. Der Staat galt als autokratisch regiert und wurde von ungefähr 181 Millionen Menschen bewohnt.
Bereits im September 1923 hatte der Gründer des Reichsbunds Leo Löwenstein angesichts von anti-jüdischen Ausschreitungen in Breslau seine Kameraden aufgerufen, „Auf Posten!“ zu sein.1 Im Februar 1924 berichtete der Mediziner Max Willner nun seinerseits von der Notwendigkeit des Sports angesichts des Antisemitismus, den Willner in seinem Text als „Sozialismus der Dummen“ bezeichnete. Die Argumentation für die Notwendigkeit des Sports ähnelt jener der zionistischen jüdischen Turnvereine. Willner beruft sich hier auf die biblischen Vorbilder, wie etwa den Makkabäeraufstand, er verweist auf die antisemitische Ausbeutung des Negativbildes vom körperlich unzureichenden Golus-Juden, wie dies bereits Max Nordau tat. Aber er beruft sich in seinem Artikel auch stolz auf die zeitgenössischen jüdischen Sporthelden, wie den 17-jährigen Jungen, der den englischen Marathon gewann oder den populären englischen Boxer Ted Kid Levis. Allerdings unterscheidet sich der Aufruf Willners zum Sport von den Makkabi-Vereinen in einem entscheidenden Punkt. Willner erwartete, dass die Juden durch Sport zu guten Deutschen werden würden. Er setzte seine Hoffnung in die Olympischen Spiele, die er für das Jahr 1926 in Berlin erwartete: „Für das Ausland wenigstens,“ so Willner, „wird es nie heißen, der deutsche Christ oder Jude hat gesiegt, sondern der Deutsche, und deutsche jüdische Jünglinge, wenn auch im eigenen Lande angefeindet, müssen und werden alles daran setzen, auch hierin dem Vaterlande zu dienen.“ Das Vaterland, das wird in diesem Text deutlich, ist Deutschland.
Metadaten
- Haupttitel
- Jüdische Jugend und Sport
- Datierung
- 1924
- Sprachen
- Deutsch
- Quelle
- Willner, Max: Jüdische Jugend und Sport. In: Schild, 3. Jahrgang, Heft 21. S. 1-2.
- Quellentyp
- Zeitungsartikel
- Bestandshaltende Einrichtung
- Staatsbibliothek zu Berlin
- Rechteinformation (Kommentar)
- CC BY-NC-SA 4.0
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