Makkabi arbeitet wieder!

Die Wiederaufnahme der Uebungen
Der Artikel „Makkabi arbeitet wieder!“ vom 13. Mai 1933 dokumentiert die Wiederaufnahme des Sportbetriebs des jüdischen Vereins TuS Makkabi Düsseldorf, nachdem die städtische Verwaltung im April 1933 die Nutzung der Übungsstätten untersagt hatte. Die Publikation verdeutlicht exemplarisch die frühen Auswirkungen der nationalsozialistischen Machtübernahme auf das jüdische Vereinswesen in Deutschland.

Transkriptionen

Transkription (Deutsch)

Makkabi arbeitet wieder!
D i e W i e d e r a u f n a h m e d e r U e b u n g e n
Nachdem uns ein Teil der Uebungstätten wieder zur Verfügung gestellt worden ist, eröffnen wir nacheinander wieder den Betrieb der einzelnen Abteilungen. Alles Nähere ist aus dem Wochenplan zu ersehen.
Der Verein Der Verein Der Turn- und Sportverein Makkabi Düsseldorf wurde 1924 gegründet und zählte schon bald 200 aktive Mitglieder. Der Verein beteiligte sich an der Gründung des VINTUS. Der Vorsitzende Adolf Sindler hatte es abgelehnt, den Verein in seinem Sinne (national-jüdisch) auszurichten. Die höchste Mitgliederanzahl erreichte der Verein 1931 mit 650 Mitgliedern. Diesen wurde eine Vielfalt von Sportarten angeboten. Es gab Fußball, Turnen, Leichtathletik, Gymnastik, Rhythmik, Handball, Faustball, Boxen, Tischtennis, Tennis und Schwimmen. Anfang 1933 wurde dem Verein der Zugang zu bisher genutzten Sportanlagen verwehrt. Daraufhin berief Makkabi Düsseldorf eine Mitgliederversammlung ein. In seiner Ansprache plädierte der Vorsitzende Sindler für eine Abkehr von der bislang verfolgten politischen Neutralität des Vereins sowie für dessen zionistische Neuausrichtung. Im November 1933 trat der Verein dem Deutscher Makkabikreis bei. Es wurden alle Sportarten bis auf Rhythmik weiterhin angeboten und Schach kam hinzu. Der Verein wurde 1938 nach den Novemberpogromen aufgelöst. 1961 wurde der Verein unter dem Namen TuS Maccabi Düsseldorf als erster jüdischer Sportverein in der BRD wiedergegründet. Der Verein besteht bis heute. erwartet, daß sämtliche Mitglieder sich rege an den Vereinsveranstaltungen beteiligen, da die jüdische Jugend heute mehr denn je Zusammenhalt und Stählung des Körpers benötigt.
Wir bitten dafür zu sorgen, daß die Ausweiskarten in Ordnung sind. Ohne gültige Mitgliedskarte ist der Zutritt zu den Uebungsstätten nicht gestattet.
Wegen Neuanmeldungen wende man sich an Josef Eltzbacher Josef Eltzbacher Josef Eltzbacher (1898–1942?) wurde in Neuenkirchen bei Wiedenbrück geboren und lebte mit seiner Ehefrau Hildegard (1900–1942?) in Düsseldorf. Josef Eltzbacher betrieb eine Wäscherei, deren Werbeanzeigen auch in der Gemeindezeitung zu finden sind. Eltzbacher engagierte sich im jüdischen Turn- und Sportverein Makkabi als Schriftführer und Kassierer. Zudem spielten Hildegard und Josef Tennis. Im Novemberpogrom 1938 wurde die Wäscherei zerstört. Am 22. April 1942 wurden Hildegard und Josef Eltzbacher in das sogenannte Transit-Ghetto Izbica im damaligen Generalgouvernement deportiert. Das Ehepaar wurde entweder dort oder im Vernichtungslager Sobibór ermordet. Seit Januar 2025 wird dem Ehepaar im Düsseldorfer Stadtbild durch zwei Stolpersteine gedacht. , Kurfürstenstraße 59 Kurfürstenstraße 59 Bis zum Jahr 1936 befand sich auf der Kurfürstenstraße 59 in Düsseldorf die Wäscherei Eltzbacher. 1938 zog der Betrieb auf das Fabrikgelände eines jüdischen Fabrikanten auf der Königsberger Straße 26/Ecke Ronsdorfer Straße. .
Die Editionsrichtlinien finden Sie hier.

Kommentar

Die vorliegende Zeitungsmeldung mit dem Titel „Makkabi arbeitet wieder!“, erschienen am 13. Mai 1933 in der Gemeindezeitung für den Synagogenbezirk Düsseldorf Gemeindezeitung für den Synagogenbezirk Düsseldorf Nach dem Krieg wurde die Gemeindezeitung des Synagogenbezirks Düsseldorf nicht offiziell weitergeführt. Stattdessen entstanden in Düsseldorf neue jüdische Publikationen, darunter das „Jüdisches Gemeindeblatt für die Nordrhein-Provinz und Westfalen". Diese Zeitung war die erste jüdische Publikation in Deutschland, die nach dem Krieg offiziell lizenziert wurde und ging im Jahr 2002 in der „Jüdischen Allgemeinen" auf. – dem offiziellen Mitteilungsorgan der jüdischen Gemeinde der Stadt Düsseldorf, das zwischen 1930 und 1937 publiziert wurde –, dokumentiert die Wiederaufnahme des sportlichen Betriebs im jüdischen Turn- und Sportverein Makkabi Düsseldorf Turn- und Sportverein Makkabi Düsseldorf Der Turn- und Sportverein Makkabi Düsseldorf wurde 1924 gegründet und zählte schon bald 200 aktive Mitglieder. Der Verein beteiligte sich an der Gründung des VINTUS. Der Vorsitzende Adolf Sindler hatte es abgelehnt, den Verein in seinem Sinne (national-jüdisch) auszurichten. Die höchste Mitgliederanzahl erreichte der Verein 1931 mit 650 Mitgliedern. Diesen wurde eine Vielfalt von Sportarten angeboten. Es gab Fußball, Turnen, Leichtathletik, Gymnastik, Rhythmik, Handball, Faustball, Boxen, Tischtennis, Tennis und Schwimmen. Anfang 1933 wurde dem Verein der Zugang zu bisher genutzten Sportanlagen verwehrt. Daraufhin berief Makkabi Düsseldorf eine Mitgliederversammlung ein. In seiner Ansprache plädierte der Vorsitzende Sindler für eine Abkehr von der bislang verfolgten politischen Neutralität des Vereins sowie für dessen zionistische Neuausrichtung. Im November 1933 trat der Verein dem Deutscher Makkabikreis bei. Es wurden alle Sportarten bis auf Rhythmik weiterhin angeboten und Schach kam hinzu. Der Verein wurde 1938 nach den Novemberpogromen aufgelöst. 1961 wurde der Verein unter dem Namen TuS Maccabi Düsseldorf als erster jüdischer Sportverein in der BRD wiedergegründet. Der Verein besteht bis heute. . Die Veröffentlichung erfolgte nur wenige Monate nach der nationalsozialistischen Machtübernahme und stellt somit ein zeitgenössisches Zeugnis für die unmittelbaren Auswirkungen der neuen politischen Verhältnisse auf das jüdische Vereinsleben dar. Im April 1933 hatte die städtische Verwaltung dem Verein die Nutzung seiner Übungsstätten entzogen, was eine temporäre Unterbrechung der sportlichen Aktivitäten zur Folge hatte.1 Erst im Mai desselben Jahres konnte der Trainingsbetrieb unter veränderten Bedingungen wieder aufgenommen werden (S. 4).
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme begann eine Phase rascher antisemitischer Maßnahmen, die sich auch auf das organisierte Sportwesen auswirkten. Zahlreiche deutsche Turn- und Sportvereine begannen bereits in den ersten Monaten des Jahres 1933 mit dem Ausschluss ihrer jüdischen Mitglieder, indem sie einen „Ariernachweis“ einführten. Diese Praxis war Ausdruck eines weit verbreiteten vorauseilenden Gehorsams gegenüber der nationalsozialistischen Ideologie und geschah häufig aus opportunistischen Motiven, aus ideologischer Überzeugung oder zur Vermeidung institutioneller Repressionen. In der Folge verloren jüdische Sportler:innen und Funktionäre ihre angestammten sportlichen wie sozialen Netzwerke und waren zunehmend gezwungen, sich aus dem regulären Vereinsleben zurückzuziehen.2
Die zunehmende gesellschaftliche Marginalisierung führte zur Etablierung eigenständiger jüdischer Sportstrukturen, die entweder auf den bereits existierenden zionistisch ausgerichteten Makkabi zurückgriffen, oder auf den im Jahr 1933 gegründeten Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten Der „Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten“ wurde am 30. Mai 1933 gegründet. Bereits 1925 hatte es erste „Schild“-Sportgruppen des RjF gegeben. Der Sportbund war deutsch-patriotisch ausgerichtet und bestand bis 1938. Ab Oktober 1936 wurde der Sportbund in Sportbund „Schild“ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten umbenannt. . Zwischen 1933 und 1938 entstand ein landesweit vernetztes jüdisches Sportsystem mit eigenen Vereinen, Wettkämpfen und Turnieren, das unter repressiven Bedingungen eine gewisse organisatorische Stabilität und soziale Kohäsion entwickelte.3
Auf lokaler Ebene zeigte sich dieser Prozess beispielsweise im Wirken des TuS Makkabi Düsseldorf. Der Verein war bereits in der Weimarer Republik aktiv und spielte 1925 eine zentrale Rolle bei der Gründung des „Verbands jüdisch neutraler Turn- und Sportvereine Westdeutschlands“ (VINTUS), einer politisch neutralen jüdischen Sportorganisation. Der Vorsitzende Adolf Sindler Adolf Sindler Dr. Adolf Sindler (1899–1965) war ein deutsch-jüdischer Arzt. Sindler wurde in Stanislau (heute Iwano-Frankiwsk, Ukraine) geboren und lebte seit 1903 mit seinen Eltern in Düsseldorf. Er studierte Medizin in Bonn, Münster und Köln und wurde 1922 zum Dr. med. und 1924 zum Dr. phil. promoviert. Sindler war maßgeblich an der Gründung des Makkabi Düsseldorfs beteiligt. Er engagierte sich im lokalen Ableger der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 1927 eröffnete er eine Privatpraxis und ließ sich als Kinderarzt nieder. Nach der Machtübernahme widersetzte er sich erfolgreich dem Entzug seiner Zulassung, verlor jedoch letztlich die deutsche Staatsangehörigkeit sowie in diesem Zusammenhang auch seine Zulassung als Arzt. 1937 emigrierte Sindler nach Palästina. Im Alter von 66 Jahren verstarb er in Haifa. hatte es abgelehnt, den Verein in seinem Sinne (national-jüdisch) auszurichten. Dies änderte sich mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933: Angesichts wachsender Ausgrenzung und Bedrohung betrachtete Sindler das Vintus-Konzept als gescheitert und führte den Austritt seines Vereins herbei. Unter seinem Einfluss orientierte sich Makkabi Düsseldorf neu, näherte sich dem Zionismus und dem Deutschen Makkabikreis Deutschen Makkabikreis Der Deutsche Makkabikreis war der Verband zionistischer Sportvereine in Deutschland und Teil des Makkabiweltverbands. Er kritisierte anfangs die Gründung des VINTUS, da dies als Schritt gegen den Zionismus gesehen wurde. In den 1920er Jahren war die Anzahl von Vereinen in dem Verband eher gering, da es nicht sehr viele zionistische Vereine in Deutschland gab. Außerdem versuchten viele große zionistische Vereine, sich deutschen Verbänden anzuschließen. Nach 1933 war der Makkabikreis einer der zwei erlaubten jüdischen Sportverbände. Er organisierte verschiedene Sportveranstaltungen, z.B. Fußballspiele und Leichtathletikwettkämpfe. Während dieser Zeit gingen sehr viele Vereinsmitglieder ins Exil. Jugendliche wurden die größte Zielgruppe der Vereine im Makkabikreis. Nach den Novemberpogromen 1938 stellte der Makkabikreis seine sportlichen Aktivitäten ein. an und trat diesem Ende 1933 bei.4
Nachdem Makkabi Düsseldorf im Mai 1933 unter den neuen politischen Bedingungen seinen Betrieb eingeschränkt wiederaufgenommen hatte, rückte die aktive Teilnahme der jüdischen Jugend am Vereinssport verstärkt in den Fokus. Die Quelle hebt die zentrale Bedeutung sportlicher Betätigung in diesem Kontext ausdrücklich hervor. Angesichts zunehmender Ausgrenzung und Bedrohung wurde die „Stählung“ des jüdischen Körpers ebenso wie die Stärkung des innergemeinschaftlichen Zusammenhalts als unverzichtbar dargestellt (S. 4).
Zugleich verweist der Artikel auf die organisatorischen Regularien, die mit der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs einhergingen. So war der Zutritt zu den Übungsstätten ausschließlich unter Vorlage des Mitgliedsausweises gestattet. Für Neuanmeldungen verweist die Quelle auf Josef Eltzbacher Josef Eltzbacher Josef Eltzbacher (1898–1942?) wurde in Neuenkirchen bei Wiedenbrück geboren und lebte mit seiner Ehefrau Hildegard (1900–1942?) in Düsseldorf. Josef Eltzbacher betrieb eine Wäscherei, deren Werbeanzeigen auch in der Gemeindezeitung zu finden sind. Eltzbacher engagierte sich im jüdischen Turn- und Sportverein Makkabi als Schriftführer und Kassierer. Zudem spielten Hildegard und Josef Tennis. Im Novemberpogrom 1938 wurde die Wäscherei zerstört. Am 22. April 1942 wurden Hildegard und Josef Eltzbacher in das sogenannte Transit-Ghetto Izbica im damaligen Generalgouvernement deportiert. Das Ehepaar wurde entweder dort oder im Vernichtungslager Sobibór ermordet. Seit Januar 2025 wird dem Ehepaar im Düsseldorfer Stadtbild durch zwei Stolpersteine gedacht. , der als Schriftführer und Kassierer des Vereins fungierte und somit zentrale organisatorische Aufgaben innerhalb der Vereinsstruktur übernahm.
Nicht alle jüdischen Sportler:innen fanden jedoch in diesen neu geschaffenen Strukturen Halt. Die erzwungene Exklusion führte in einzelnen Fällen zu schweren persönlichen Krisen bis hin zum Suizid. Bekannt sind etwa die Fälle von Fritz Rosenfeld Fritz Rosenfeld Fritz Rosenfeld (1901–1933) war ein angesehener Sportler und Mitglied des TVC Cannstatt, eines traditionsreichen Vereins in Stuttgart. Nach seinem Ausschluss aus dem Verein verlor er nicht nur seine sportliche Heimat, sondern auch einen wesentlichen Teil seines sozialen Umfelds. Diese plötzliche Isolation, verbunden mit den wachsenden Diskriminierungen im Alltag, dürfte für Rosenfeld eine schwere psychische Belastung bedeutet haben. In einem Klima, das jüdischen Menschen systematisch die gesellschaftliche Teilhabe verwehrte, sah er keinen Ausweg mehr und nahm sich das Leben. ( TV Cannstatt TV Cannstatt TV Cannstadt 1846 wurde am 16. Juli 1846 als „Turnverein“ im Gasthof zum „Alten Hasen“ gegründet und besteht bis heute. ) und Nelly Neppach Nelly Neppach Nelly Neppach, geb. Bamberger (1891–1933) war eine der erfolgreichsten deutschen Tennisspielerinnen ihrer Zeit und die erste deutsche Meisterin im Damen-Einzel. Doch trotz ihrer sportlichen Erfolge konnte sie sich nicht gegen den wachsenden Antisemitismus wehren. Ihr Ausschluss aus dem Verein Berliner Tennis-Club Borussia bedeutete für sie nicht nur das Ende ihrer sportlichen Karriere, sondern auch einen tiefen Einschnitt in ihr soziales und emotionales Leben. Mit der fortschreitenden gesellschaftlichen und politischen Verfolgung sah sich Neppach zunehmend isoliert und beging letztlich Selbstmord. ( Berliner Tennis-Club Borussia Berliner Tennis-Club Borussia Der Berliner Tennis-Club Borussia wurde 1902 gegründet und 2005 in Tennis-Borussia Berlin umbenannt. ), die sich im Zuge der nationalsozialistischen Repressionen das Leben nahmen. Ihre Biografien veranschaulichen die weitreichenden und verheerenden sozialen Folgen, die die systematische Verdrängung jüdischer Menschen aus dem öffentlichen und sportlichen Leben nach sich zog.5

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