Zeitungsartikel. Theilhaber, Felix A.: Makkabim schreiben...und noch einmal aus Erez Israel. In: Der Makkabi. Organ des Deutschen Makkabikreises (14.04.1938), S. 4. Felix Aaron Theilhaber / Zentralbibliothek der Deutschen Sporthochschule Köln,
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Theilhaber, Felix A.: Makkabim schreiben. (14.04.1938). In: Der Makkabi. Organ des Deutschen Makkabikreises, 14.04.1938. S. 4. Zitiert nach: Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa. URL: https://www.copernico.eu/de/link/68f76d3a3d6a65.30342199 (14-07-2026)
Der Artikel gibt einen prägnanten Einblick, wie jüdische Makkabi-Sportler:innen in den späten 1930er Jahren ihre Erfahrungen der erzwungenen Migration sowie ihre sportlichen Praktiken in unterschiedliche transnationale Aufnahmekontexte überführten.
... und noch einmal aus Erez-Israel: (
Felix A. Theilhaber
Felix A. Theilhaber
Felix Aaron Theilhaber (1884–1956) war ein deutsch-israelischer Arzt und Soziologe. Er studierte Medizin in München und Berlin. 1910 wurde er promoviert. Als junger Zionist gehörte er in München einer Ortsgruppe bei, die auch einen jüdischen Turnverein gründete. Als Student war er im Kartell zionistischer Verbindungen aktiv. 1910 wurde er promoviert und war in Jena als Assistent in einer Frauenklinik aktiv. Theilhaber meldete sich als Arzt für die osmanische Regierung in Palästina und war als Freiwilliger im italienisch-türkischem Krieg (1911–1912) und in den Balkankriegen (1912–1913). Er erhoffte sich, als Arzt für die osmanische Regierung, in Palästina siedeln zu können, was sich jedoch nicht realisieren ließ. Danach lebte er in Berlin und setzte sich dort für die Sexualaufklärung ein. Im Ersten Weltkrieg war er als Feldarzt an der Front. Nach dem Krieg ließ er sich als Facharzt für Dermatologie nieder. Mit seiner Frau Stefanja hatte er zwei Söhne. Im Mai 1933 wurde Theilhaber für einige Monate ins Gefängnis gesperrt. Nach seiner Freilassung verlor er seine Zulassung als Arzt. 1935 emigrierte er mit seiner Familie nach Palästina. In Tel Aviv ließ er sich als Arzt nieder. Mit anderen emigrierten Ärzten aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei gründete er eine private Krankenkasse mit freier Arztwahl „Kupat Cholim Maccabi“. Sein Bruder Robert Theilhaber (1881–1942), Rechtsanwalt mit Kanzlei in München, wurde 1938 im Zuge der Pogrome in das KZ Dachau deportiert. Felix Theilhaber erreichte die Entlassung seines Bruders, der nach Paris emigrierte. 1940 wurde Robert über ein Internierungslager in den Osten deportiert und in Auschwitz ermordet.
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… Ich beginne mit den einzelnen Schicksalen der mir Nahestehenden, und zwar mit dem Los der Mitglieder meiner alten Wilmersdorfer Barkochba-Abteilung. Die Mehrzahl von ihnen ist im Lande; manchen geht es sehr gut, aber alle fühlen sich, da sie zionistische Gesinnung mitbrachten, ausnahmslos wohl. Hier nörgeln bekanntlich auch viele, die es wirklich nicht nötig hätten. Jeder muß sich in ungewohnten Verhältnissen erst „zugewöhnen“; aber es ist erstaunlich, zu beobachten, daß es Menschen gibt, die nicht auf das geringste verzichten wollen, nicht auf den Wohnluxus, auf die Vergnügungsreise nach Europa, auf Personal, das ihnen von früh bis in die Nacht hinein zur Verfügung steht – nachdem sie früher emphatisch erklärt hatten, sie seien bereit, sich hier im Lande von trockenem Brot zu ernähren.
Vielleicht ist es ein Zufall, daß gerade die Klub-Kameraden aus der Wilmersdorfer Abteilung sich wohl fast alle eingeordnet haben. Wie das manche von ihnen, die sich umgestellt haben, mit Erfolg fertigbrachten, will ich hier im einzelnen nicht zeigen, nachdem ich darüber schon in Berichten an meine nächsten Freunde in Berlin eingehend geschrieben habe. Um von Menschen außerhalb dieses Kreises zu sprechen – da denke ich z.B. an zwei Bekannte, denen ich
s. Zt.
s. Zt.
seinerzeit
auf Anfrage des
Palästina-Amtes
Palästina-Amtes
Das Palästina-Amt wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Abteilung der Jewish Agency for Palestine gegründet und bestand in vielen zahlreichen Staaten. Das Palästina-Amt war die offizielle Vertretung der Zionistischen Weltorganisation in Jaffa. Zu den Aufgaben des Amtes gehörten u.a. die Beschaffung von Visa sowie die Bereitstellung von Geldern für die Emigration. Außerdem bot das Palästina-Amt Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Sprachkurse in Hebräisch an. 1924 wurde das Palästina-Amt in Deutschland gegründet. 1941 wurde es zwangsweise geschlossen.
die Eignung für das Land absprechen mußte, und die schließlich dennoch ihr Ziel, die
Alijah
Alija
auch:
Aliyah, Alijot
Der aus der Bibel stammende Begriff „Alija” (hebr. „Aufstieg”, wörtlich „hinaufsteigen”) wurde v.a. nach der Entstehung des politischen Zionismus als Bezeichnung für die Rückkehr von Juden nach Israel verwendet und als zionistisches Ideal angesehen. Vor der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 kam es zwischen 1882 und 1939 zu fünf unterschiedlich starken Einwanderungswellen, die als „fünf Alijot“ (Pl. von Alija) bezeichnet werden. Die vielschichtigen Gründe für diese Wellen lagen u. a. im Antisemitismus in den Ausreisestaaten. Vor 1919 erfolgte die Immigration nach Palästina hauptsächlich aus dem Russischen Reich. Sie lässt sich in zwei Phasen unterteilen: Die erste Alija dauerte von 1882 bis 1903, die zweite von 1904 bis 1914. Angesichts der antisemitischen Verfolgung in den neu entstandenen Staaten nach dem Zerfall der großen Imperien nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte zwischen 1919 und 1923 die dritte Alija. Die vierte Alija (1924–1927) und die fünfte Alija (1930–1939) erfolgten auch im Kontext der (Welt-) Wirtschaftskrisen, wobei die letzte Auswanderungswelle mit dem Aufstieg des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland einherging. Als sechste Alija (1947–1950) wird die Auswanderung nach Israel im direkten Zusammenhang mit der Staatsgründung 1948 bezeichnet. Im Jahr 1950 wurde in Israel das Rückkehrgesetz erlassen, welches Personen jüdischer Herkunft oder Personen jüdischen Glaubens die Einwanderung nach Israel sowie die Erlangung der israelischen Staatsbürgerschaft erlaubt. Der Kreis der Berechtigten wurde nach und nach erweitert.
Seitdem erreichten Israel mehrere kleinere Migrationswellen, die meist mit einer stärkeren Ausprägung von Antisemitismus in den Auswanderungsländern einhergingen. Insbesondere in der israelischen Geschichtsschreibung werden auch frühere Auswanderungswellen der jüdischen Bevölkerung in das Gebiet des heutigen Israel als Alijot bezeichnet.
, erreichten. Der eine, ein früherer Referendar, schlägt sich mit Stundengeben durch. Der andere mit früher vollkommen unjüdischer Einstellung, lernte in verschiedenen anderen Ländern das bittere Los des Emigranten kennen, bis er sich in seiner jüdischen Weltanschauung wandelte. Hier hat er weniger gehungert als auf seiner vorhergegangenen Odyssee. Heute will er, selbst wenn er es könnte, nicht mehr in die weite Welt zurück.
Gerade die, die über Paris, Spanien usw. hierher gekommen sind, sind viel genügsamer als die Olim, die es, wie sie meinten, „nicht nötig hatten" und nun nicht rasch genug erwarten können, daß sie materiell in die Höhe kommen.
Erez Jisrael hat sich so phantastisch entwickelt, daß vielen der Neueinwanderer der gerechte Maßstab fehlt. Im Jahre 1906 traf ich im Lande 8.000 jüdische Siedler an, denen
Baron Rothschild
Baron Rothschild
Baron Moritz von Hirsch (Maurice de Hirsch; 1831–1896) war ein deutsch-jüdischer Unternehmer und Philanthrop. Er stammte aus einer geadelten Bankiersfamilie und war unter anderem durch den Bau einer Eisenbahnstrecke ins Osmanische Reich zu beträchtlichem Vermögen gelangt. Sein philanthropisches Engagement konzentrierte sich auf die Juden im Osmanischen Reich, in Russland und im Habsburger Reich. Er engagierte sich für eine Verbesserung ihrer Lebensumstände und unterstützte landwirtschaftliche Ansiedlungen, etwa in Argentinien. Ähnlichen Projekten in Palästina und generell der zionistischen Idee aber stand er kritisch gegenüber. Mit den Mitteln der Hirsch-Stiftung finanzierte er ab 1891 Schulen und Berufsschulen für jüdische junge Männer in Galizien und der Bukowina, die dazu dienen sollten, Juden zu nützlichen Untertanen des Habsburgerreichs zu machen.
auf ihren Wein soviel draufzahlte, daß sie gerade existieren konnten. Der Großteil der Juden, die damals in Städten wie Jerusalem, Hebron, Safed, Tiberias lebten, eine armselige, demoralisierte Bevölkerung von mehr als 60.000 Menschen, fristete sein Leben von der „
Chaluka
Halukka
auch:
Chalukka, Halukkah
Halukka (hebräisch: "Verteilung") ist eine organisierte Sammlung und Verteilung von Wohltätigkeitsgeldern für die jüdischen Bewohner:innen in Erez Israel. Vom 1. Jahrhundert bis tief in das 19. Jahrhundert war das eine der wichtigsten Unterhaltsquellen für die dort existierenden jüdischen Gemeinden. Nach der Gründung des Staates Israel verlor sie stark an Bedeutung.
“. In Jaffa hatten sich damals die neuen Einwanderer, ebenso wie in Haifa, in Elendsquartieren neben den Arabern „angesiedelt“. Im ganzen Land gab es in jener Zeit nur einen einzigen Juden, der ein Vermögen von 5.000 Pfund besaß!
Im Jahre 1925 sagte mir ein Freund im Lande: „Sie sprechen von ‚Tel Aviv bei Jaffa‘. Passen Sie auf! Wir erleben es noch, daß man von ‚Jaffa bei Tel Aviv‘ spricht.“ Er prophezeite mir – mir schien, daß er phantastierte – einen Tel Aviver Hafen. All das war mir so unwahrscheinlich, daß ich es nicht glauben konnte und nicht vergessen habe.
… Die große Einwanderung der letzten Jahre hat zur Übersetzung vieler Berufe geführt, vor allem, weil die Industrialisierung des Landes mit der Alijah nicht Schritt halten konnte. Noch einige Zeit wird vergehen, bis sich die Neueinwanderer in die Wirtschaft eingefügt haben. Man bedenke auch, daß die Mittel des
K e r e n H a j e s s o d
K e r e n H a j e s s o d
Keren Hajessod, auch: Keren Hayessod (hebr.) wurde 1920 in London gegründet und ist ein weltweit tätiger Gründungs-Fonds, der Spenden für Erez Israel sammelt.
, der in erster Linie berufen ist, bei dieser Entwicklung zu helfen und voran zu gehen, begrenzt sind: er hat nicht einmal so viel Geld im Jahre zur Verfügung wie die Berliner Jüdische Gemeinde. Alle wirklich großen wirtschaftlichen Unternehmungen, vom Elektrizitätswerk bis zum Hafen Tel Aviv’s konnten nur dank der Finanzbeihilfen des Keren Hajessod ins Leben gerufen werden. Heute geht es darum, daß die Orangenkisten an Ort und Stelle fabriziert, daß die Produkte unserer fünfundzwanzig einheimischen Schuhfabriken nicht durch ausländische Dumpingware verdrängt werden, und um ähnliche Details einer schon weitgehend entwickelten Wirtschaft.
… Gegenüber solchen Möglichkeiten versagt die Palästina-Regierung. Deshalb muß der Keren Hajessod die Aufgabe erfüllen, für die Ansiedlung, besonders der Jugend, für ihre Erziehung, für die Entwicklung der Industrie, für die kulturellen Aufgaben, für Hygiene und Sozialarbeit zu sorgen – ein weites Feld, das umso schwerer zu bearbeiten ist, als sich das Land ständig entwickelt und der
Jischuw
Jischuw
auch:
Jischuv
Der Begriff Jischuw (hebr. für „Siedlung“, „bewohntes Land“) bezeichnet die Gesamtheit der jüdischen Siedlungen in Palästina vor der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948. Der sogenannte „alte“ Jischuw bezeichnet jüdische Siedlungen in Palästina, deren Bevölkerung sich dort insbesondere aus religiösen Gründen niederließ. Als „neuer Jischuw” werden die jüdischen Siedlungen bezeichnet, die im Zuge der zionistisch motivierten Migration (Alijah) ab ca. 1880 entstanden. Bis 1920 existierten die einzelnen Siedlungen isoliert voneinander ohne übergreifende Verwaltungsstruktur.
dauernd wächst.
Ich möchte nicht behaupten, daß ich mit allem einverstanden bin, was von unseren Vertretern und Beamten getan wird. Es mag sein, daß der Verwaltungsapparat des Jischuw hier und da unzweckmäßig besetzt ist, zu teuer arbeitet und falsch funktioniert. Aber das Recht zur Kritik hat nur der, der sich seinen Verpflichtungen nicht entzieht und sich nicht darauf beschränkt, dauernd neue Vorwände zu suchen, um jede Mithilfe ablehnen zu können. Menschen, die so verfahren, wissen oft nicht, ob sie nicht von der Sache der sie sich versagen, später selbst einmal Nutzen ziehen werden. Ich kenne einen früheren Berliner jüdischen Großkaufmann, der es nach den
Unruhen des August 1929
Unruhen von 1929
auch:
Ausschreitungen in Palästina 1929
Während der zionistischen Einwanderung nach Palästina nahmen die Spannungen zwischen der arabischen und jüdischen Bevölkerung immer weiter zu. 1929 kam es zu Ausschreitungen in Palästina. Dabei kam es zum Pogrom von Hebron, bei dem 67 Jüdinnen und Juden ermordet wurden. Neben diesem Pogrom fanden 1929 weitere tödliche Angriffe auf Jüdinnen und Juden statt. Insgesamt kamen während der Unruhen 133 Jüdinnen und Juden ums Leben. 110 arabische Aufständische wurden von Angehörigen der britischen Sicherheitskräfte im Mandatsgebiet Palästina getötet.
ablehnte, dem Nationalfonds auch nur die kleinste Spende zu geben. Heute siedelt er auf Nationalfondsboden. Ein Herr, der jahrzehntelang in Deutschland antizionistische Politik betrieben und noch 1931 bei Gemeindewahlen gegen die zionistische Liste kandidiert hatte, konnte bei einer großen Organisation hier im Lande unterkommen. Sogar Leute, die s. Zt. den berüchtigten „Aufruf gegen den Zionismus“ unterschrieben hatten, genießen jetzt hier im Lande direkt oder indirekt die Früchte dieser langjährigen Arbeit; ja, sogar Juden, die früher selbst vor dem Schritt zur Taufe nicht zurückgeschreckt waren, ziehen aus dieser Arbeit heute Nutzen. Das sind keine leeren Behauptungen; ich könnte sie mit vielen konkreten Beispielen belegen. Die Lehre, die daraus zu ziehen ist, kann nur sein: daß jeder Einzelne von Euch, in der
Galuth
Galuth
Hebräisch für jüdische Diaspora.
, so für Erez Israel sorgt, als werde er selbst hierher kommen, auch, wenn ihm das im Augenblick unwahrscheinlich dünkt.
Aus New York:
… Nach meiner Rückkehr nach New York habe ich meine Arbeit im Makkabi wieder aufgenommen. Inzwischen hat sich der Bar Kochba – da seine Existenz als selbständiger Verein sehr schwierig war – als Unterorganisation dem
Order Sons of Zion
Order Sons of Zion
Eigtl. „Order of the Sons of Zion” ist eine Lebensversicherungsgesellschaft für jüdische Männer, die 1908 in New York City gegründet wurde. Zum Zeitpunkt ihrer Gründung bestand sie hauptsächlich aus jüdischen Einwanderern aus Ost(mittel-) Europa, wie etwa aus Polen oder Russland.
angeschlossen. Das ist eine große Gruppe, die der Zionistischen Organisation von Amerika angehört.
Nachdem sich jetzt eine große Zahl neueingewanderter Makkabim besonders aus Südwestdeutschland gemeldet hat, bin ich der Ansicht, daß unsere Arbeit sehr bald wieder von Erfolg sein wird. Natürlich gibt es große Schwierigkeiten, da unsere Leute sehr oft noch nicht in gesicherter Lage sind und so noch nicht sehr aktiv mitarbeiten können. Durch das Erlernen des Sprache und das Suchen nach einem Beruf sind die natürlich sehr in Anspruch genommen. Wir versuchen, ihnen selbstverständlich nach Möglichkeit die Einordnung zu erleichtern.
Einige Makkabim, die schon länger im Lande sind, haben sich jetzt zur Mitarbeit zur Verfügung gestellt und wir sehen mit großer Hoffnung für unsere Makkabiarbeit in die Zukunft. Wir sind sehr dankbar dafür, daß Ihr uns mit Eurem Material und Euren Ratschlägen anhand geht und daß die Verbindung zwischen uns nicht abreißt.
Aus Schweden:
So seht Ihr, daß ich mich schon sehr rege im hiesigen Makkabi betätigte, wo mit der Zeit sicherlich allerhand zu machen ist. Es ist sehr gutes Material vorhanden, obwohl die guten Sportler noch in anderen Vereinen sind und nur nebenbei im Makkabi. Z. B. ist der bekannte Mittelstürmer
Nierenburg
Nierenburg
Lennart Nierenburg (1927) spielte für den IK Göta.
aus der
Eishockeymannschaft Götha
Eishockeymannschaft Götha
IK Göta wurde 1900 gegründet und betrieb mehrere Sportarten, wobei Eishockey die bedeutsamste Sportart war. 2007 fusionierte der Verein mit Traneberg IF zu Göta Traneberg IK. Der Verein bietet heute nur noch Eishockey an.
ein Makkabimann. Überhaupt gibt es verschiedene Könner in allen Sportarten unter den hiesigen Makkabim. Man versucht jetzt hier eine regere
Tarbutarbeit
Tarbut
auch:
Tarbuth
Tarbut (hebräisch ʹKulturʹ) war ein Netzwerk für Bildung und Kultur, das in der Zwischenkriegszeit säkulare hebräischsprachige Schulen in Teilen Ostmitteleuropas unterhielt. Es wurde 1917 in Russland gegründet, jedoch bereits 1919 von der sowjetischen Regierung verboten. Ab 1921 war Tarbut vor allem in Polen aktiv, wo seine letzten (zu diesem Zeitpunkt bereits illegalen) Einrichtungen 1941 aufgelöst wurden. Tarbut war auch in Litauen und Rumänien stark vertreten.
einzuführen. So machte ich vorige Woche einen Abend mit, der von 50 Makkabim besucht war und auf dem Jack Neumann einen Vortrag über die baltischen Makkabispiele und über das Weltmeisterschaftsspiel in Erez Israel hielt. Ich bin aufgefordert worden, in der nächsten Monatsversammlung ebenfalls ein Referat zu halten und ich hoffe, daß es mir, obwohl ich die Sprache noch nicht ganz beherrsche, gelingen wird, die Leute zu interessieren.
Aus Sao Paulo:
… Die Fußball-Abteilung des Makkabi hat sich einen eigenen Platz gebaut und spielt jeden Sonntag vor begeisterten Publikum. Am letzten Sonntag haben wir das bisher härteste Spiel auszutragen gehabt. Wir konnten dasselbe trotz einigem Ersatz 3:1 gewinnen. In der Mannschaft spielten 3 Makkabim aus Deutschland. Ich selbst habe das Spiel gepfiffen. Die Tatsache, daß 3.500 Zuschauer anwesend waren, wird Euch beweisen, wie groß hier das Interesse am jüdischen Sport ist.
Betrifft: Presse-Berichterstattung.
Wir bitten alle wichtigen Sport-Ereignisse des Sonntags (Resultate der ersten Mannschaften), die in der Dienstag-Ausgabe der „Jüdischen Rundschau“ veröffentlicht werden sollen, bis Montag früh in das Sekretariat, Berlin W 15, Meinekestr. 10, zu senden.
Die vorliegende Quelle „Makkabim schreiben…und noch einmal aus Erez Israel“ von
Felix Theilhaber
Felix Theilhaber
Felix Aaron Theilhaber (1884–1956) war ein deutsch-israelischer Arzt und Soziologe. Er studierte Medizin in München und Berlin. 1910 wurde er promoviert. Als junger Zionist gehörte er in München einer Ortsgruppe bei, die auch einen jüdischen Turnverein gründete. Als Student war er im Kartell zionistischer Verbindungen aktiv. 1910 wurde er promoviert und war in Jena als Assistent in einer Frauenklinik aktiv. Theilhaber meldete sich als Arzt für die osmanische Regierung in Palästina und war als Freiwilliger im italienisch-türkischem Krieg (1911–1912) und in den Balkankriegen (1912–1913). Er erhoffte sich, als Arzt für die osmanische Regierung, in Palästina siedeln zu können, was sich jedoch nicht realisieren ließ. Danach lebte er in Berlin und setzte sich dort für die Sexualaufklärung ein. Im Ersten Weltkrieg war er als Feldarzt an der Front. Nach dem Krieg ließ er sich als Facharzt für Dermatologie nieder. Mit seiner Frau Stefanja hatte er zwei Söhne. Im Mai 1933 wurde Theilhaber für einige Monate ins Gefängnis gesperrt. Nach seiner Freilassung verlor er seine Zulassung als Arzt. 1935 emigrierte er mit seiner Familie nach Palästina. In Tel Aviv ließ er sich als Arzt nieder. Mit anderen emigrierten Ärzten aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei gründete er eine private Krankenkasse mit freier Arztwahl „Kupat Cholim Maccabi“. Sein Bruder Robert Theilhaber (1881–1942), Rechtsanwalt mit Kanzlei in München, wurde 1938 im Zuge der Pogrome in das KZ Dachau deportiert. Felix Theilhaber erreichte die Entlassung seines Bruders, der nach Paris emigrierte. 1940 wurde Robert über ein Internierungslager in den Osten deportiert und in Auschwitz ermordet.
, erschienen am 14. April 1938 im Verbandsorgan „Der Makkabi“, dokumentiert in Form persönlicher Berichte und Korrespondenzen die Situation jüdischer Sportvereine und ihrer Mitglieder in Nordeuropa, den USA, Brasilien und Erez Israel in den späten 1930er Jahren. Diese Makkabi-Sportler:innen waren unter Eindruck der antisemitischen nationalsozialistischen Politik aus Deutschland emigriert und trugen ihre Erfahrungen, Netzwerke und sportlichen Traditionen in die neuen Aufnahmeländer. Theilhaber selbst war nach seiner Freilassung aus der Gestapohaft in Plötzensee 1935 mit seiner Familie nach
eng. Mandatory Palestine, heb. המנדט הבריטי מטעם חבר הלאומים על פלשתינה, fra. Palestine mandataire
Das Mandatsgebiet Palästina wurde infolge des Ersten Weltkriegs und der in den Nachkriegsjahren vorgenommenen territorialen Neuordnung der östlichen Mittelmeergebiete (Levante) geschaffen, die zuvor zum unterlegenen Osmanischen Reich gehört hatten. Im Kriegsverlauf waren die Gebiete westlich und östlich des Jordan, die historisch auch als Cis- bzw. Transjordanien bezeichnet wurden und den heutigen Staaten Israel, Jordanien sowie dem Westjordanland und dem Gazastreifen entsprechen, unter britische Herrschaft gekommen. Großbritannien hatte ab 1916 die regionale arabische Unabhängigkeitsbewegung in der Arabischen Revolte (1916–1918) entscheidend unterstützt, die militärisch eroberten Gebiete jedoch im Anschluss zwischen sich und Frankreich aufgeteilt. Noch vor Kriegsende hatte Großbritannien zudem nicht nur der arabischen, sondern auch der jüdischen Bevölkerung der Region Unterstützung in der Erlangung politischer Unabhängigkeit bzw. der Schaffung eigener Staaten zugesichert (Balfour-Erklärung, 1917). Die Konferenz von San Remo, die im April 1920 über die Aufteilung des Osmanischen Reiches entschied, bestätigte die britischen Gebietsansprüche. 1922 erteilte auch der Völkerbund Großbritannien offiziell das Mandat über das Gebiet.
Bereits 1923 teilte Großbritannien dieses erste „Mandatsgebiet Palästina“ in zwei Gebiete auf: „Transjordanien“, das 1946 unabhängig wurde und seit 1950 offiziell den Namen Jordanien trägt; sowie das erneut als Mandatsgebiet „Palästina“ bezeichnete Gebiet, das nun das historische Cisjordanien bzw. den westlich des Jordans gelegenen Teil der historischen Region Palästina und die südlich gelegene Negev-Wüste umfasste und nach wie vor einen Zugang zum Golf von Akaba und damit zum Roten Meer besaß.
Die Zeit des Mandats war von anhaltenden Unruhen zwischen den arabischen und jüdischen Bevölkerungsteilen des Mandatsgebietes geprägt, nach Ende des Zweiten Weltkriegs gab Großbritannien das Mandat auf und an die Vereinten Nationen (als Nachfolgeeinrichtung des Völkerbundes) zurück, die daraufhin einen Teilungsplan für die Region entwickelten. Zu dessen Implementierung kam es jedoch nie, da die Spannungen im Mandatsgebiet zum Palästinakrieg (1947–1949) eskalierten, in dessen Verlauf Israel seine Unabhängigkeit ausrufen und erfolgreich durchsetzen konnte.
Das Bild zeigt eine Karte des britischen Mandatsgebiets in Palästina zwischen 1945 und 1947. (Public Domain, via Wikimedia Commons)
immigriert. In seinem Bericht über Erez Israel gibt er detailliert Einblicke in die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen der eingewanderten Makkabi-Mitglieder aus dem Bar Kochba in Berlin-Wilmersdorf sowie weiterer Einwanderer (hebr. Olim). Er schildert die Fortschritte des
Jischuw
Jischuw
auch:
Jischuv
Der Begriff Jischuw (hebr. für „Siedlung“, „bewohntes Land“) bezeichnet die Gesamtheit der jüdischen Siedlungen in Palästina vor der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948. Der sogenannte „alte“ Jischuw bezeichnet jüdische Siedlungen in Palästina, deren Bevölkerung sich dort insbesondere aus religiösen Gründen niederließ. Als „neuer Jischuw” werden die jüdischen Siedlungen bezeichnet, die im Zuge der zionistisch motivierten Migration (Alijah) ab ca. 1880 entstanden. Bis 1920 existierten die einzelnen Siedlungen isoliert voneinander ohne übergreifende Verwaltungsstruktur.
, insbesondere die Entwicklung
heb. tēl ʾāvīv-yāfō, heb. tel aviv-jafo, heb. תל אביב-יפו, . تل أبيب يافا, heb. Tel ʾaviv-yafo, heb. tel ʾabib-yapa
Tel-Aviv-Jaffa (Bevölkerungszahl 2023: 495.230 war bis 1980 offiziell und ist bis heute die international einzige weithin anerkannte Hauptstadt Israels. Sie liegt im mittleren Teil des Landes an der Mittelmeerküste. Dis Stadt entstand 1950 als Zusammenschluss zweier Städte Jaffa und seines ehemaligen Vororts im Norden der Stadt Tel-Aviv. In den nächsten Monaten war Tel-Aviv auch die offizielle Bezeichnung der neuen Doppelstadt. Bis heute ist eine räumliche Trennung des modernen Tel-Aviv mit überwiegend jüdischer Bevölkerung vom historischen Jaffa mit hauptsächlich arabischer Bevölkerung erkennbar. Während Jaffa den Charakter einer historischen arabischen Hafenstadt bewahrt hat, prägen Tel-Aviv modernen Bauten, aber auch die größte Ansammlung von Bauhaus-Gebäuden außerhalb Europas. Der breite Strand mit der angeschlossenen Promenade verbindet die beiden Stadtteile. Die Stadt gilt als die modernste und offenste Stadt Israels und eine der tolerantesten Städte Asiens. Von hier aus agieren zahlreiche innovative Unternehmen. Insbesondere im 21. Jahrhundert war Tel Aviv das Ziel von mehreren schweren Attentaten palästinensischer Gruppierungen.
von einer kleinen Siedlung zu einem modernen urbanen Zentrum, hebt zugleich aber die Schwierigkeiten der Integration hervor. Besonders kritisiert er jene Einwanderer, die ihre europäischen Lebensgewohnheiten und Privilegien fortsetzen wollten, ohne die notwendige Opferbereitschaft für das kollektive Aufbauprojekt zu zeigen (S. 4). Zugleich zeigt Theilhaber die Ambivalenz innerhalb des Jischuw auf: Während einerseits erste Erfolge erzielt wurden, etwa durch die finanzielle Unterstützung des
Keren Hajessod
Keren Hajessod
Keren Hajessod, auch: Keren Hayessod (hebr.) wurde 1920 in London gegründet und ist ein weltweit tätiger Gründungs-Fonds, der Spenden für Erez Israel sammelt.
beim Aufbau von Infrastruktur und den Anfängen von Industrie, blieben andererseits viele Neueinwanderer zunächst ohne festen Platz im Arbeits- und Gesellschaftsgefüge, da in den letzten Jahren viele Jüdinnen und Juden
Alija
Alija
auch:
Aliyah, Alijot
Der aus der Bibel stammende Begriff „Alija” (hebr. „Aufstieg”, wörtlich „hinaufsteigen”) wurde v.a. nach der Entstehung des politischen Zionismus als Bezeichnung für die Rückkehr von Juden nach Israel verwendet und als zionistisches Ideal angesehen. Vor der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 kam es zwischen 1882 und 1939 zu fünf unterschiedlich starken Einwanderungswellen, die als „fünf Alijot“ (Pl. von Alija) bezeichnet werden. Die vielschichtigen Gründe für diese Wellen lagen u. a. im Antisemitismus in den Ausreisestaaten. Vor 1919 erfolgte die Immigration nach Palästina hauptsächlich aus dem Russischen Reich. Sie lässt sich in zwei Phasen unterteilen: Die erste Alija dauerte von 1882 bis 1903, die zweite von 1904 bis 1914. Angesichts der antisemitischen Verfolgung in den neu entstandenen Staaten nach dem Zerfall der großen Imperien nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte zwischen 1919 und 1923 die dritte Alija. Die vierte Alija (1924–1927) und die fünfte Alija (1930–1939) erfolgten auch im Kontext der (Welt-) Wirtschaftskrisen, wobei die letzte Auswanderungswelle mit dem Aufstieg des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland einherging. Als sechste Alija (1947–1950) wird die Auswanderung nach Israel im direkten Zusammenhang mit der Staatsgründung 1948 bezeichnet. Im Jahr 1950 wurde in Israel das Rückkehrgesetz erlassen, welches Personen jüdischer Herkunft oder Personen jüdischen Glaubens die Einwanderung nach Israel sowie die Erlangung der israelischen Staatsbürgerschaft erlaubt. Der Kreis der Berechtigten wurde nach und nach erweitert.
Seitdem erreichten Israel mehrere kleinere Migrationswellen, die meist mit einer stärkeren Ausprägung von Antisemitismus in den Auswanderungsländern einhergingen. Insbesondere in der israelischen Geschichtsschreibung werden auch frühere Auswanderungswellen der jüdischen Bevölkerung in das Gebiet des heutigen Israel als Alijot bezeichnet.
machten. Besonders pointiert äußert sich Theilhaber gegenüber ehemaligen Assimilierten und Antizionisten, die lange Zeit gegen die Bewegung opponierten, nun aber dennoch von den Früchten der zionistischen Aufbauarbeit profitieren wollten und Alija machten (S. 4).
Während der sogenannten 5. Alija (1930–1939) kamen ca. 250.000 Olim nach Palästina. Unter diesen Personen waren vor allem Jüdinnen und Juden aus Deutschland, aber auch aus Polen, Österreich,
Das Königreich Rumänien war ein historischer Staat im südöstlichen Europa, der von 1881 bis 1947 bestand. Direkter Vorgänger war das Fürstentum Rumänien, das 1861/62 aus den Teilfürstentümern Moldau und Walachei gebildet worden war, allerdings zunächst noch unter Oberhoheit des Osmanischen Reiches gestanden hatte. Erst infolge des Russisch-Türkischen Krieges von 1877/78 wurde die politische Unabhängigkeit des Fürstentums erreicht, das sich 1881 selbst zum Königreich proklamierte. Erster König war Karl I. (1839–1914), der wie alle seine Nachfolger aus dem Haus Hohenzollern-Sigmaringen stammte.
Vor dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) umfasste das Territorium lediglich die historischen Landschaften der Walachei sowie Teile der Moldau und der Dobrudscha. Als Mitglied der Siegermächte des Ersten Weltkriegs konnte das Staatsgebiet nach Kriegsende jedoch massiv ausgebaut und mehr als verdoppelt werden. Unter anderem fielen jetzt auch Bessarabien, die Bukowina, Siebenbürgen oder Teile des Banats an das Königreich. Daher wird das Rumänien der Zwischenkriegszeit auch als „Großrumänien“ bezeichnet; der Zustand vor 1918 als „Altreich“.
Mit dem Aufstieg nationalistischer und faschistischer Gruppierungen in den 1930er Jahren wurde das Land innenpolitisch zunehmend instabil. Bis Mitte 1940 musste Rumänien trotz seines Versuches, sich im Zweiten Weltkrieg neutral zu verhalten, größere Teile der 1918 gewonnenen Gebiete wieder abgeben. Noch im selben Jahr wurde eine Militärdiktatur etabliert, die nun faktisch die Regierungsgewalt ausübte. Wenig später folgte der Kriegseintritt auf Seiten der Achsenmächte und in enger Zusammenarbeit mit dem nationalsozialistischen Deutschland. 1944 kam es zum Staatsstreich König Michaels I. (1921–2017) gegen die eigene Regierung, in dessen Folge sich das Land den Alliierten anschloss und dem Deutschen Reich den Krieg erklärte. Nur rund drei Jahre später, Ende 1947, zwang die mittlerweile regierende kommunistische Partei Rumäniens Michael zur Abdankung und rief die Rumänische Volksrepublik aus.
, Griechenland sowie aus dem Jemen und Irak.1 Die berufliche Integration deutscher Emigrant:innen in Palästina war gerade für Akademiker:innen und Angehörige freier Berufe mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Sprachliche Barrieren erwiesen sich dabei als zentrales Hindernis, da Deutsch als „Sprache Hitlers“ geächtet war, während die wenigsten Einwanderer hingegen Hebräisch beherrschten. Palästina galt daher zunächst nicht als bevorzugtes Ziel für deutsche Wissenschaftler:innen, auch wenn die zionistische Bewegung dringend auf ihre fachliche Expertise angewiesen war.
Von zentraler Bedeutung war in diesem Zusammenhang das 1924 gegründete Technion, das als technische Hochschule zur Ausbildung jener Fachkräfte beitrug, die für den strukturellen Aufbau des Landes benötigt wurden. Besonders im Gesundheitswesen bestand erheblicher Nachholbedarf, da es vor und während der britischen Mandatszeit kaum eine systematische Versorgung gab. Krankheiten wie Malaria oder Typhus stellten eine ernste Bedrohung dar, die den Jischuw unter widrigen klimatischen und hygienischen Bedingungen zusätzlich belastete. Erst durch die Initiative der zionistischen Frauenorganisation
Hadassah
Hadassah
Die zionistische Frauenorganisation Hadassah (hebr. "Myrte", gleichzeitig der Name der späteren biblischen Königin Ester) wurde 1912 unter der Führung von Henrietta Szold in den USA gegründet. Ein wesentlicher Aspekt der Organisation liegt in der Stärkung der Rolle der Frau und der Unterstützung des israelischen Gesundheitswesens. Hadassah baute ein Netz aus Berufsschulen im medizinischen Bereich auf, das heute auch den Hochschulbereich umfasst. Hadassah wurde mit der Zeit zu einer weit verzweigten Organisation, die neben den USA und Israel auch in vielen anderen Ländern vertreten ist. Während der Shoa unterstütze Hadassah die Kinder- und Jugend-Alija finanziell.
sowie der Arbeitergewerkschaft mit ihrer Krankenkasse
Kupat Holim
Kupat Holim
Kupat Holim ist der hebr. Begriff für Krankenkasse.
bildete sich in den 1920er Jahren ein Gesundheitssystem heraus, das sowohl auf den Aufbau von Krankenhäusern als auch auf eine dezentrale ärztliche Versorgung in den Siedlungen setzte.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wurden den jüdischen Akademiker:innen und Wissenschaftler:innen in Deutschland die berufliche Grundlage entzogen. Beamt:innen, Professor:innen und Dozierende wurden aus ihren Positionen entfernt, jüdischen Studierenden der Zugang zu Prüfungen verwehrt, Ärzt:innen wurde die Approbation entzogen und ihre Praxen geschlossen. In dieser Situation wurde die Emigration unausweichlich. Zwischen 1933 und 1940 wanderten etwa 29 Prozent der deutschsprachigen jüdischen Mediziner:innen – darunter auch Theilhaber – nach Palästina aus, während 45 Prozent in die USA und 11 Prozent nach Großbritannien emigrierten. Das Land war besonders auf ausgebildete Ärzt:innen angewiesen, sodass viele Neuankömmlinge relativ schnell ihre Profession wieder ausüben konnten.
Für die emigrierten Mediziner:innen stellte die in Palästina etablierte Organisationsstruktur jedoch eine große Umstellung dar. Krankenhäuser wurden von der Hadassah zentral geleitet, private Praxen waren untersagt, und die ärztliche Versorgung wurde weitgehend von Gewerkschaften organisiert. Trotz dieser Einschränkungen entwickelte sich Palästina nach 1933 zum zweitwichtigsten Aufnahmeland für jüdische Mediziner:innen weltweit, womit die Einwanderung maßgeblich zur Professionalisierung und Institutionalisierung des Gesundheitswesens im Jischuw beitrug.2
Weitere wichtige Zufluchtsländer waren die USA, europäische Länder sowie die Länder Südamerikas. Etwa 140.000 Jüdinnen und Juden flüchteten unter Eindruck der Verfolgung, Ausgrenzung und politischer Repressalien aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die USA. Grundlage der Zuwanderung bildete das seit 1891 bestehende Quotensystem, das durch den „Immigration Act“ von 1924 verschärft worden war. Maßgeblich war der Anteil der jeweiligen Herkunftsgruppen an der US-amerikanischen Bevölkerung des Jahres 1891, wodurch mitteleuropäische Migrant:innen bevorzugt wurden, während die Einwanderung aus Osteuropa oder Asien stark beschränkt blieb.
Die Quote für Deutschland lag bis 1936 bei fast 26.000 möglichen Einwanderern und wurde nach der Okkupation Österreichs – dem sogenannten Anschluss – 1938 auf über 27.000 erhöht. Gleichwohl wurde sie lange Zeit deutlich unterschritten, erst 1939 – angesichts der verschärften Verfolgung im nationalsozialistischen Deutschland – wurde sie ausgeschöpft. Von diesem Zeitpunkt an wurden Visa fast ausschließlich an deutsch-jüdische Flüchtlinge vergeben. Die zuvor geringe Ausschöpfung der Quote erklärt sich durch die restriktiven Bestimmungen des „Immigration Act“. Jede Einreise erforderte ein sogenanntes Affidavit – eine Bürgschaft – durch eine:n US-Bürger:in, wodurch vor allem Verwandte bereits Eingewanderter sowie Frauen und Kinder begünstigt wurden. Hinzu kam die Praxis, Anträge bereits dann abzulehnen, wenn die Gefahr bestand, dass der/die Antragsteller:in dem Sozialsystem zur Last fallen könnte.
Neben den Quotenvisa existierten jedoch weitere Einreisemöglichkeiten: Besuchs- und Touristenvisa eröffneten den Verfolgten die Möglichkeit, sich vor Ort um Bürgschaften zu bemühen. Darüber hinaus konnten politisch Verfolgte oder hochqualifizierte Fachkräfte, etwa Akademiker:innen, über Ausnahmeregelungen einreisen. Transitvisa wurden hingegen nur selten erteilt, da die US-Behörden befürchteten, Antragsteller:innen könnten entgegen ihrer Angaben dauerhaft in den USA bleiben.3
Auch Schweden war eine Zieldestination für die jüdische Immigration der 1930er Jahre. Doch ähnlich wie die meisten anderen Aufnahmeländer betrieb auch das nordeuropäische Schweden eine restriktive Asylpolitik. Nach der Annexion Österreichs führte Schweden bereits im Frühjahr 1938 eine Visumspflicht für Österreicher ein, um die Einwanderung – insbesondere von Jüdinnen und Juden – zu erschweren. Wenig später ordnete die Regierung in einem geheimen Rundschreiben an, dass nur bekannte Deutsche oder solche mit Empfehlungsschreiben ins Land durften. Wer nicht nach Deutschland zurückkehren konnte, sollte abgewiesen werden – was Jüdinnen und Juden daher faktisch ausschloss, da sie zur Ausreise aus dem nationalsozialistischen Deutschland eine Verzichtserklärung auf eine Rückkehr unterschreiben mussten. Ein weiteres geheimes Rundschreiben wies die Grenzbeamten an, Pässe mit dem „J“-Stempel als Hinweis auf jüdische Emigration zu behandeln und deren Einreise streng zu kontrollieren. Schweden hielt lange an dieser strengen Politik fest, obgleich man in Schweden gut über die Situation der jüdischen Minderheiten in den deutschsprachigen Ländern informiert war. Erst als sich die Nachrichten über die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden verbreiteten, änderte sich die Haltung der schwedischen Regierung.4
Von den südamerikanischen Ländern nahmen Argentinien und Brasilien die Mehrheit der aus Deutschland geflohenen Jüdinnen und Juden auf. Brasilien versuchte wie Argentinien durch die Erhebung sogenannter Vorzeigegelder eine Einwanderung mittelloser Menschen zu verhindern und setzte zugleich auf Programme, die gezielt landwirtschaftlich tätige Siedler anwarben. Diese sollten das Land urbar machen. Doch vielen machten besonders die schwierigen klimatischen Bedingungen sowie Krankheiten bei ihrer Ankunft zu schaffen.5
Siehe dazu die zusammengefasste Statistik „Herkunftsländer der Emigranten aller Alijot“ in: Emigration und Exil von Wissenschaftlern und Ingenieuren 1930–1950. Palästina/Eretz Israel. Ein Exilland der besonderen Art. Alija, URL: https://www.hi.uni-stuttgart.de/gnt/exil/Palaestina.html (25.08.2025).
2.
Vgl. dazu u.a.: Emigration und Exil von Wissenschaftlern und Ingenieuren 1930–1950. Palästina/Eretz Israel. Ein Exilland der besonderen Art. Mediziner, URL: https://www.hi.uni-stuttgart.de/gnt/exil/Palaestina.html (25.08.2025).
3.
Vgl. u.a. Geschichtswerkstatt Göttingen e.V.: Verfolgung und Emigration jüdischer BürgerInnen in Göttingen und Umgebung. Emigration. Aufnahmeländer. Nord- und Mittelamerika, URL: https://juedische-emigration.de/de/emigration/aufnahmelaender/nord-und-mittelamerika.html (25.08.2025).
4.
Vgl. Glöckner, Olaf: Vorwort, in: Olaf Glöckner/Helmut Müssener (Hg.): Deutschsprachige Jüdische Migration nach Schweden 1774–1945, Berlin 2017, S. IX–XIV, hier S. IX; Vgl. Müssener, Helmut: Schwedisch-deutsch-jüdische Beziehungen. Bestandsaufnahme und Desideratenkatalog, in: Olaf Glöckner/Helmut Müssener (Hg.): Deutschsprachige Jüdische Migration nach Schweden 1774–1945, Berlin 2017, S. 1–22, hier S. 7ff.; Vgl. auch: Eichmann-Leutenegger, Beatrice: Vor den Pforten des Paradieses. Schicksale jüdischer Flüchtlinge während der Nazizeit in Schweden, in: Stimmen der Zeit 139 (2014), H. 11, S. 766–777, hier S. 773f, URL: https://www.herder.de/stz/hefte/archiv/139-2014/11-2014/vor-den-pforten-des-paradieses-schicksale-juedischer-fluechtlinge-waehrend-der-nazizeit-in-schweden/ (27.08.2025).
5.
Vgl. u.a. Geschichtswerkstatt Göttingen e.V.: Verfolgung und Emigration jüdischer BürgerInnen in Göttingen und Umgebung. Emigration. Aufnahmeländer. Südamerika, URL: https://juedische-emigration.de/de/emigration/aufnahmelaender/nord-und-mittelamerika.html (25.08.2025).
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Theilhaber, Felix A.: Makkabim schreiben. (14.04.1938). In: Der Makkabi. Organ des Deutschen Makkabikreises, 14.04.1938. S. 4. Zitiert nach: Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa. URL: https://www.copernico.eu/de/link/68f76d3a3d6a65.30342199 (14-07-2026)
Lisa Reich: Kommentar zu: Theilhaber, Felix A.: Makkabim schreiben. (14.04.1938). In: Der Makkabi. Organ des Deutschen Makkabikreises, 14.04.1938. S. 4. In: Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa. URL: https://www.copernico.eu/de/link/68f76d3a3d6a65.30342199 (14-07-2026)