Polnischer jüdischer Boxchampion zum Beitritt zur Olympiamannschaft gezwungen

Diese Meldung der Jewish Telegraphic Agency aus dem Sommer 1936 ist paradox: Ein Sportler muss zur Teilnahme an den Olympischen Spielen gezwungen werden. Wer der polnisch-jüdische Boxer Szepsel Rotholc war, weshalb er nicht zu den Sommerspielen in Berlin reisen wollte und welchen Preis er dafür zahlen musste, sind zentrale Fragen der Quelle und des Kommentars.

Transkriptionen

Transkription (Englisch)

POLISH JEWISH BOXING CHAMPION FORCED TO JOIN OLYMPIC SQUAD.
Warszawa
deu. Warschau, eng. Warsaw, yid. Varše, yid. וואַרשע, rus. Варшава, rus. Varšava, fra. Varsovie

Warschau ist die Hauptstadt Polens und zugleich die größte Stadt des Landes (Bevölkerungszahl 2025: 1.866.729). Sie liegt in der Woiwodschaft Masowien an Polens längstem Fluss, der Weichsel. Warschau wurde erstmals Ende des 16. Jahrhunderts Hauptstadt der polnisch-litauischen Adelsrepublik und löste damit Krakau ab, das zuvor polnische Hauptstadt gewesen war. Im Rahmen der Teilungen Polen-Litauens wurde Warschau mehrfach besetzt und schließlich für elf Jahre Teil der preußischen Provinz Südpreußen. Von 1807 bis 1815 war die Stadt Hauptstadt des Herzogtums Warschau, einem kurzlebigen napoleonischen Satellitenstaat; im Anschluss des Königreichs Polen unter russischer Oberherrschaft (dem sog. Kongresspolen). Erst mit Gründung der Zweiten Polnischen Republik nach Ende des Ersten Weltkriegs war Warschau wieder Hauptstadt eines unabhängigen polnischen Staates.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Warschau erst nach intensiven Kämpfen und einer mehrwöchigen Belagerung von der Wehrmacht erobert und besetzt. Schon dabei fand eine fünfstellige Zahl an Einwohnern den Tod und wurden Teile der nicht zuletzt für seine zahlreichen barocken Paläste und Parkanlagen bekannten Stadt bereits schwer beschädigt. Im Rahmen der anschließenden Unterdrückung, Verfolgung und Ermordung der polnischen und jüdischen Bevölkerung wurde mit dem Warschauer Ghetto das mit Abstand größte jüdische Ghetto unter deutscher Besatzung errichtet, das als Sammellager für mehrere hunderttausend Menschen aus Stadt, Umland und selbst dem besetzten Ausland diente und zugleich Ausgangspunkt für die Deportation in Arbeits- und Vernichtungslager war.

Infolge des Aufstandes im Warschauer Ghetto ab dem 18. April 1943 und dessen Niederschlagung Anfang Mai 1943 wurde das Ghettogebiet systematisch zerstört und seine letzten Bewohner verschleppt und ermordet. Im Sommer 1944 folgte der zwei Monate dauernde Warschauer Aufstand gegen die deutsche Besatzung, in dessen Folge fast zweihunderttausend Polen ums Leben kamen und nach dessen Niederschlagung auch das restliche Stadtgebiet Warschaus von deutschen Einheiten weitgehend und planmäßig zerstört wurde.

In der Nachkriegszeit wurden zahlreiche historische Gebäude und Teile der Innenstadt, darunter das Warschauer Königsschloss und die Altstadt, wiederaufgebaut - ein Prozess, der bis heute andauert.

, July 29. ( JTA
Jewish Telegraphic Agency
auch:
JTA, Juedische Telegraphen Agentur
Die Jewish Telegraphic Agency (JTA) wurde 1917 in Den Haag unter dem Namen Jewish Correspondence Bureau gegründet. Im Jahr 1919 erfolgte der Umzug nach London unter dem heutigen Namen. 1922 wurde New York City der neue Hauptsitz der JTA.
) - - Vowing „I’ll show these Nazis,“ Shepsel Rotholz Shepsel Rotholz Stanisław Shepsel Rotholc (1913–1996) war ein jüdisch-polnischer Boxer für den Shtern (auch: Gwiazda). Im Nachkriegsprozess gegen den ehemaligen Boxer Rotholc (Angeklagt wegen Kollaboration; im Warschauer Ghetto war dieser als Polizist eingesetzt worden) machten Überlebende des Warschauer Ghettos unterschiedliche Aussagen über das Verhalten des ehemaligen Boxers. Einige gaben an, dass er gewalttätig gewesen sei, wiederum gaben andere an, dass es ihm gelungen sei, den Vorsitzenden des Shterns, Nekhemia Titlman, vor der Deportation zu retten, als sich dieser bereits auf dem Umschlagplatz befand. Seine Frau wurde in der Shoa ermordet, sein Sohn und er überlebten. 1946 wurde Rotholc für zwei Jahre aus der jüdischen Gemeinschaft ausgeschlossen. Gemeinsam mit seinem Sohn emigrierte er nach Kanada. Szepsel/Shepsel Rotholc starb 1996 in Montréal. [sic!], Poland’s Jewish flyweight boxing champion who won the international title at Chicago in 1934, entrained for Berlin with the Polish Olympic Team today.
|4 | In the Polish military service, Rotholz [sic!] is being compelled to participate in the Olympic Games under orders of his military superiors.
A member of the Star Sports Club Star Sports Club Auch bekannt als Gwiazda (poln. für Stern) oder Gwiazda-Shtern (poln. und jidd. für Stern). Es war die Sportorganisation der linken Poʿale Zion. , a labor Zionist organization, the boxer had fought to the last against taking part in the Berlin games[.] He is 21 years 21 years Szepsel Rotholc wurde am 7.2.1913 in Warschau geboren. Demnach war Rotholc zum Zeitpunkt dieser Meldung bereits 23 Jahre alt. old.
In 1934, Rotholz [sic!] soundly whipped his Nazi opponent in an international boxing tournament at 
Poznań
deu. Posen

Poznań (Bevölkerungszahl 2025: 534.239) ist die fünftgrößte Stadt Polens. Sie liegt im Westen des Landes. Die Messe- und Universitätsstadt liegt in der historischen Landschaft Großpolen und ist zugleich Hauptstadt der gleichnamigen Woiwodschaft. Sie zählt zu den ersten städtischen Siedlungen Polens und war eine seiner ersten Hauptstädte. Bereits in der Frühen Neuzeit ein bedeutendes Handelszentrum fiel die Stadt nach der Zweiten Teilung Polen-Litauens 1793 an das Königreich Preußen als Teil der neu gebildeten Provinz Südpreußen. Nach zwischenzeitlicher Zugehörigkeit zum Herzogtum Warschau (1807-1815) kam Posen nach dem Wiener Kongress erneut zu Preußen als Hauptstadt des neuen Großherzogtums Posen. Ab 1919 gehörte Poznań für zwei Jahrzehnte zur Zweiten Polnischen Republik, bevor die Stadt ab 1939 von der Wehrmacht besetzt und Teil des Reichsgaus Wartheland wurde. Die fast sechsjährige Besatzungszeit war geprägt durch die brutale Verfolgung der polnischen und jüdischen Bevölkerung einerseits, die zu Zehntausenden ermordet oder in Konzentrations- und Arbeitslagern interniert wurde, und der gezielten Neuansiedlung deutschsprachiger Bevölkerungsteile in Stadt und Umland andererseits. Anfang 1945 wurde Posen von der Roten Armee erobert und Teil der Volksrepublik Polen. Eines der wichtigsten Ereignisse der Nachkriegszeit war der gewaltsam niedergeschlagene Arbeiteraufstand im Juni 1956.

which he entered only after being threatened with disqualification by the Polish Boxing Association.
The young flyweight is a printer by trade and the son of orthodox parents in Warsaw.
He was given an enthusiastic send-off by a large crowd of admirers.
The editing guidelines can be found here.
This article originally appeared on the Jewish Telegraphic Agency's website. 

Translations

Übersetzung (Deutsch)

POLNISCH-JÜDISCHER BOXMEISTER ZUR TEILNAHME AN DEN OLYMPISCHEN SPIELEN GEZWUNGEN

Warszawa
deu. Warschau, eng. Warsaw, yid. Varše, yid. וואַרשע, rus. Варшава, rus. Varšava, fra. Varsovie

Warschau ist die Hauptstadt Polens und zugleich die größte Stadt des Landes (Bevölkerungszahl 2025: 1.866.729). Sie liegt in der Woiwodschaft Masowien an Polens längstem Fluss, der Weichsel. Warschau wurde erstmals Ende des 16. Jahrhunderts Hauptstadt der polnisch-litauischen Adelsrepublik und löste damit Krakau ab, das zuvor polnische Hauptstadt gewesen war. Im Rahmen der Teilungen Polen-Litauens wurde Warschau mehrfach besetzt und schließlich für elf Jahre Teil der preußischen Provinz Südpreußen. Von 1807 bis 1815 war die Stadt Hauptstadt des Herzogtums Warschau, einem kurzlebigen napoleonischen Satellitenstaat; im Anschluss des Königreichs Polen unter russischer Oberherrschaft (dem sog. Kongresspolen). Erst mit Gründung der Zweiten Polnischen Republik nach Ende des Ersten Weltkriegs war Warschau wieder Hauptstadt eines unabhängigen polnischen Staates.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Warschau erst nach intensiven Kämpfen und einer mehrwöchigen Belagerung von der Wehrmacht erobert und besetzt. Schon dabei fand eine fünfstellige Zahl an Einwohnern den Tod und wurden Teile der nicht zuletzt für seine zahlreichen barocken Paläste und Parkanlagen bekannten Stadt bereits schwer beschädigt. Im Rahmen der anschließenden Unterdrückung, Verfolgung und Ermordung der polnischen und jüdischen Bevölkerung wurde mit dem Warschauer Ghetto das mit Abstand größte jüdische Ghetto unter deutscher Besatzung errichtet, das als Sammellager für mehrere hunderttausend Menschen aus Stadt, Umland und selbst dem besetzten Ausland diente und zugleich Ausgangspunkt für die Deportation in Arbeits- und Vernichtungslager war.

Infolge des Aufstandes im Warschauer Ghetto ab dem 18. April 1943 und dessen Niederschlagung Anfang Mai 1943 wurde das Ghettogebiet systematisch zerstört und seine letzten Bewohner verschleppt und ermordet. Im Sommer 1944 folgte der zwei Monate dauernde Warschauer Aufstand gegen die deutsche Besatzung, in dessen Folge fast zweihunderttausend Polen ums Leben kamen und nach dessen Niederschlagung auch das restliche Stadtgebiet Warschaus von deutschen Einheiten weitgehend und planmäßig zerstört wurde.

In der Nachkriegszeit wurden zahlreiche historische Gebäude und Teile der Innenstadt, darunter das Warschauer Königsschloss und die Altstadt, wiederaufgebaut - ein Prozess, der bis heute andauert.

, 29. Juli ( JTA
Jewish Telegraphic Agency
auch:
JTA, Juedische Telegraphen Agentur
Die Jewish Telegraphic Agency (JTA) wurde 1917 in Den Haag unter dem Namen Jewish Correspondence Bureau gegründet. Im Jahr 1919 erfolgte der Umzug nach London unter dem heutigen Namen. 1922 wurde New York City der neue Hauptsitz der JTA.
) – Mit dem Schwur „Ich werde es diesen Nazis zeigen“ bestieg Szepsel Rotholc Szepsel Rotholc Stanisław Shepsel Rotholc (1913–1996) war ein jüdisch-polnischer Boxer für den Shtern (auch: Gwiazda). Im Nachkriegsprozess gegen den ehemaligen Boxer Rotholc (Angeklagt wegen Kollaboration; im Warschauer Ghetto war dieser als Polizist eingesetzt worden) machten Überlebende des Warschauer Ghettos unterschiedliche Aussagen über das Verhalten des ehemaligen Boxers. Einige gaben an, dass er gewalttätig gewesen sei, wiederum gaben andere an, dass es ihm gelungen sei, den Vorsitzenden des Shterns, Nekhemia Titlman, vor der Deportation zu retten, als sich dieser bereits auf dem Umschlagplatz befand. Seine Frau wurde in der Shoa ermordet, sein Sohn und er überlebten. 1946 wurde Rotholc für zwei Jahre aus der jüdischen Gemeinschaft ausgeschlossen. Gemeinsam mit seinem Sohn emigrierte er nach Kanada. Szepsel/Shepsel Rotholc starb 1996 in Montréal. 1, Polens jüdischer Boxmeister im Fliegengewicht, der 1934 in Chicago den internationalen Titel gewann, heute mit der polnischen Olympiamannschaft den Zug nach Berlin.
|4 | Rotholc2, der seinen Wehrdienst in Polen ableistet, wird auf Befehl seiner militärischen Vorgesetzten zur Teilnahme an den Olympischen Spielen gezwungen.
Der Boxer, Mitglied des Sportvereins Shtern, einer zionistischen Arbeiterorganisation, hatte bis zuletzt gegen eine Teilnahme an den Spielen in Berlin gekämpft. Er ist 21 Jahre 21 Jahre Szepsel Rotholc wurde am 7.2.1913 in Warschau geboren. Demnach war Rotholc zum Zeitpunkt dieser Meldung bereits 23 Jahre alt. alt.
1934 besiegte Rotholc3 seinen Nazi-Gegner bei einem internationalen Boxturnier in 
Poznań
deu. Posen

Poznań (Bevölkerungszahl 2025: 534.239) ist die fünftgrößte Stadt Polens. Sie liegt im Westen des Landes. Die Messe- und Universitätsstadt liegt in der historischen Landschaft Großpolen und ist zugleich Hauptstadt der gleichnamigen Woiwodschaft. Sie zählt zu den ersten städtischen Siedlungen Polens und war eine seiner ersten Hauptstädte. Bereits in der Frühen Neuzeit ein bedeutendes Handelszentrum fiel die Stadt nach der Zweiten Teilung Polen-Litauens 1793 an das Königreich Preußen als Teil der neu gebildeten Provinz Südpreußen. Nach zwischenzeitlicher Zugehörigkeit zum Herzogtum Warschau (1807-1815) kam Posen nach dem Wiener Kongress erneut zu Preußen als Hauptstadt des neuen Großherzogtums Posen. Ab 1919 gehörte Poznań für zwei Jahrzehnte zur Zweiten Polnischen Republik, bevor die Stadt ab 1939 von der Wehrmacht besetzt und Teil des Reichsgaus Wartheland wurde. Die fast sechsjährige Besatzungszeit war geprägt durch die brutale Verfolgung der polnischen und jüdischen Bevölkerung einerseits, die zu Zehntausenden ermordet oder in Konzentrations- und Arbeitslagern interniert wurde, und der gezielten Neuansiedlung deutschsprachiger Bevölkerungsteile in Stadt und Umland andererseits. Anfang 1945 wurde Posen von der Roten Armee erobert und Teil der Volksrepublik Polen. Eines der wichtigsten Ereignisse der Nachkriegszeit war der gewaltsam niedergeschlagene Arbeiteraufstand im Juni 1956.

, an dem er nur teilnahm, nachdem ihm der polnische Boxverband mit der Disqualifikation gedroht hatte.
Der junge Fliegengewichtler ist von Beruf Drucker und Sohn orthodoxer Eltern in Warschau.
Er wurde von einer großen Menge Anhänger unter begeistertem Jubel verabschiedet.

Fußnoten

1.
Im Original ist hier ein Schreibfehler.
2.
Im Original ist hier ein Schreibfehler.
3.
Im Original ist hier ein Schreibfehler.

Kommentar

Die vorliegende Agenturmeldung aus dem Sommer 1936 thematisiert die erzwungene Aufnahme des polnisch-jüdischen Boxers Szepsel (beziehunsgweise Stanisław) Rotholc in die Mannschaft 
Republik Polen
eng. Second Polish Republic, deu. Zweite Polnische Republik, pol. II. Rzeczpospolita, pol. II Rzeczpospolita

Zweite Polnische Republik (Polnisch: II. Rzeczpospolita) ist die gängige Bezeichnung für den wiedererrichteten polnischen Staat (Republik Polen), der am 11.11.1918, nach Ende des Ersten Weltkriegs und 123jähriger Teilungszeit, seine Unabhängigkeit wiedererlangte. Seine Ausdehnung vor allem nach Osten war wesentlich kleiner als zur Zeit der sogenannten 1. Republik (Adelsrepublik), die 1795 mit der dritten Teilung Polens zwischen der Habsburgermonarchie, Preußen und Russland zu existieren aufgehört hatte.

Die Grenzen der Zweiten Polnischen Republik zu den Nachbarstaaten wurden erst 1921/22 und infolge bewaffneter Konflikte festgelegt, wobei sie auch im Nachgang (und teils während der gesamten Existenz der Zweiten Polnischen Republik) umstritten bleiben konnten. Dem deutschen Angriff auf Polen am 1.9.1939 und dem sowjetischen Einmarsch in Polen am 17.9.1939 folgte am 28.9.1939 die Kapitulation in Warschau, was dem funktionalen Ende der Zweiten Republik gleichkam. Als ihr formelles Ende wird oft die Rücknahme der Anerkennung der polnischen Exilregierung durch die britischen und US-amerikanischen Regierungen am 5.7.1945 angesehen, allerdings wurden die Organe der späteren Volksrepublik Polen von der Sowjetunion bereits am 24.6.1944 als offizielle Vertretung Polens anerkannt. Der Präsident der polnischen Exilregierung in London, Ryszard Kaczorowski, übergab am 22.12.1990 als letztem, symbolischem Akt der Zweiten Polnischen Republik deren Insignien an den damaligen polnischen Präsidenten in Warschau, Lech Wałęsa.

 für die unmittelbar bevorstehenden Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin. Sie erschien im Daily Bulletin („News from all over the world”) vom 30. Juli 1936 der  Jewish Telegraphic Agency (JTA)
Jewish Telegraphic Agency
auch:
JTA, Juedische Telegraphen Agentur
Die Jewish Telegraphic Agency (JTA) wurde 1917 in Den Haag unter dem Namen Jewish Correspondence Bureau gegründet. Im Jahr 1919 erfolgte der Umzug nach London unter dem heutigen Namen. 1922 wurde New York City der neue Hauptsitz der JTA.
 und zeugt von der globalen Wahrnehmung dieses vermeintlich lokalen Warschauer Ereignisses.
Die JTA ging auf das 1917 von Jacob Landau (1892–1952) in Den Haag gegründete Jüdische Korrespondenzbüro zurück, das sich als unabhängiger und politisch neutraler Pressedienst für jüdische Gemeinden auf der ganzen Welt verstand. Der Namenswechsel erfolgte anlässlich des Umzugs nach London im Jahr 1919. Nur zwei Jahre später verlegte die Agentur ihren Sitz nach New York und baute in rascher Folge ein Netz aus Geschäftsstellen und Korrespondenten auf, die die Nachrichten in den jeweiligen Landessprachen verbreiteten. In 
Warszawa
deu. Warschau, eng. Warsaw, yid. Varše, yid. וואַרשע, rus. Варшава, rus. Varšava, fra. Varsovie

Warschau ist die Hauptstadt Polens und zugleich die größte Stadt des Landes (Bevölkerungszahl 2025: 1.866.729). Sie liegt in der Woiwodschaft Masowien an Polens längstem Fluss, der Weichsel. Warschau wurde erstmals Ende des 16. Jahrhunderts Hauptstadt der polnisch-litauischen Adelsrepublik und löste damit Krakau ab, das zuvor polnische Hauptstadt gewesen war. Im Rahmen der Teilungen Polen-Litauens wurde Warschau mehrfach besetzt und schließlich für elf Jahre Teil der preußischen Provinz Südpreußen. Von 1807 bis 1815 war die Stadt Hauptstadt des Herzogtums Warschau, einem kurzlebigen napoleonischen Satellitenstaat; im Anschluss des Königreichs Polen unter russischer Oberherrschaft (dem sog. Kongresspolen). Erst mit Gründung der Zweiten Polnischen Republik nach Ende des Ersten Weltkriegs war Warschau wieder Hauptstadt eines unabhängigen polnischen Staates.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Warschau erst nach intensiven Kämpfen und einer mehrwöchigen Belagerung von der Wehrmacht erobert und besetzt. Schon dabei fand eine fünfstellige Zahl an Einwohnern den Tod und wurden Teile der nicht zuletzt für seine zahlreichen barocken Paläste und Parkanlagen bekannten Stadt bereits schwer beschädigt. Im Rahmen der anschließenden Unterdrückung, Verfolgung und Ermordung der polnischen und jüdischen Bevölkerung wurde mit dem Warschauer Ghetto das mit Abstand größte jüdische Ghetto unter deutscher Besatzung errichtet, das als Sammellager für mehrere hunderttausend Menschen aus Stadt, Umland und selbst dem besetzten Ausland diente und zugleich Ausgangspunkt für die Deportation in Arbeits- und Vernichtungslager war.

Infolge des Aufstandes im Warschauer Ghetto ab dem 18. April 1943 und dessen Niederschlagung Anfang Mai 1943 wurde das Ghettogebiet systematisch zerstört und seine letzten Bewohner verschleppt und ermordet. Im Sommer 1944 folgte der zwei Monate dauernde Warschauer Aufstand gegen die deutsche Besatzung, in dessen Folge fast zweihunderttausend Polen ums Leben kamen und nach dessen Niederschlagung auch das restliche Stadtgebiet Warschaus von deutschen Einheiten weitgehend und planmäßig zerstört wurde.

In der Nachkriegszeit wurden zahlreiche historische Gebäude und Teile der Innenstadt, darunter das Warschauer Königsschloss und die Altstadt, wiederaufgebaut - ein Prozess, der bis heute andauert.

 hatte Mendel Mozes (ca. 1890–1966) bereits 1917 das Biuro Wiadomości Dziennikarskich (Büro für journalistische Nachrichten) gegründet. Dieser Dienst, der Nachrichten aus Presseerzeugnissen der deutschen, russischen und österreichisch-ungarischen Teilungsmächte einordnete und bewertete und in polnischer und jiddischer Sprache verbreitete, wurde zur Warschauer Geschäftsstelle der JTA ausgebaut, die über ein Netz von Berichterstattern in allen größeren Städten Polens verfügte. Der Betrieb in der Hauptstadt musste kriegsbedingt am 4. September 1939 aufgegeben werden und wurde, bis Sommer 1940, vom litauisch besetzten 
Vilnius
deu. Wilna, rus. Вильнюс, rus. Wilnjus, yid. ווילנע, yid. Wilne, bel. Вільня, bel. Wilnja, pol. Wilno

Vilnius ist die Hauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt Litauens. Sie liegt im südöstlichen Teil des Landes an der Mündung der namengebenden Vilnia (auch Vilnelė) in die Neris. Wahrscheinlich bereits in der Steinzeit besiedelt, datiert die erste schriftliche Erwähnung auf 1323; Magdeburger Stadtrecht erhielt Vilnius 1387. Von 1569 bis 1795 war Vilnius Hauptstadt des litauischen Großfürstentums in der polnisch-litauischen Adelsrepublik. Mit der dritten Teilung von Polen-Litauen verlor sie im Russischen Zarenreich diese Funktion. Erst durch die Gründung der Ersten Litauischen Republik 1918 wurde Vilnius kurzzeitig erneut Hauptstadt. Zwischen 1922 und 1940 gehörte Vilnius zur Republik Polen, weshalb Kaunas zur Hauptstadt Litauens ausgebaut wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg war Vilnius bis zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit Litauens 1990 Hauptstadt der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik.

Bereits im Mittelalter galt Vilnius als Zentrum der Toleranz. Insbesondere Juden fanden in Vilnius Zuflucht vor Verfolgung, so dass sich Vilnius bald als "Jerusalem des Nordens" einen Namen machte. Nicht zuletzt mit dem Goan von Wilna, Elijah Ben Salomon Salman (1720-1797), war Vilnius eines der bedeutendsten Zentren jüdischer Bildung und Kultur. Bis zur Jahrhundertwende war die größte Bevölkerungsgruppe die jüdische, während laut der ersten Volkszählung im russischen Zarenreich 1897 lediglich 2% der litauischen Bevölkerungsgruppe angehörten. Ab dem 16. Jahrhundert entstanden zahlreiche barocke Kirchen, die der Stadt auch den Beinamen "Rom des Ostens" eintrugen und die bis heute das Stadtbild prägen, während die zahlreichen Synagogen der Stadt im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Zwischen 1941 und 1944 unterstand die Stadt dem sog. Reichskommissariat Ostland. In dieser Zeit wurde fast die gesamte jüdische Bevölkerung ermordet, nur wenige konnten fliehen.

Auch heute noch zeugt die Stadt von einer "phantastische[n] Verschmelzung von Sprachen, Religionen und nationalen Traditionen" (Tomas Venclova) und pflegt ihre vielkulturelle Geschichte und Gegenwart.

 aus fortgeführt.
Diese Wendung lag noch in weiter Ferne, als der 1913 in Warschau in das jüdische Proletariat geborene Szepsel Rotholc Szepsel Rotholc Stanisław Shepsel Rotholc (1913–1996) war ein jüdisch-polnischer Boxer für den Shtern (auch: Gwiazda). Im Nachkriegsprozess gegen den ehemaligen Boxer Rotholc (Angeklagt wegen Kollaboration; im Warschauer Ghetto war dieser als Polizist eingesetzt worden) machten Überlebende des Warschauer Ghettos unterschiedliche Aussagen über das Verhalten des ehemaligen Boxers. Einige gaben an, dass er gewalttätig gewesen sei, wiederum gaben andere an, dass es ihm gelungen sei, den Vorsitzenden des Shterns, Nekhemia Titlman, vor der Deportation zu retten, als sich dieser bereits auf dem Umschlagplatz befand. Seine Frau wurde in der Shoa ermordet, sein Sohn und er überlebten. 1946 wurde Rotholc für zwei Jahre aus der jüdischen Gemeinschaft ausgeschlossen. Gemeinsam mit seinem Sohn emigrierte er nach Kanada. Szepsel/Shepsel Rotholc starb 1996 in Montréal. 1 mit dem Boxen anfing. Dazu trat er 1929 in den zionistisch-sozialistischen Arbeitersportverein Gwiazda (jidd. Shtern, dt. Stern) ein, der zur linken Poale Zion-Bewegung gehörte. Schnell machte der junge Federgewichtler Fortschritte, holte mehrfach die Warschauer Meisterschaft und wurde 1933 als erster Jude polnischer Boxmeister, was ihn weit über die jüdische Community hinaus zu einer Berühmtheit machte. In den Jahren 1934 und 1935 nahm er im Ranking2 der besten Sportler Polens der größten Sportzeitung Przegląd Sportowy erst den 10. und dann schon den 6. Platz ein. Das kann zurecht als Popularitätswert interpretiert werden, da das Ergebnis durch eine Publikumsabstimmung zustande kam und zeitlich obendrein mit weiteren sportlichen Triumphen zusammenfiel.3 Mitte April 1934 errang Rotholc bei der Europa-Meisterschaft in 
Budapest

Budapest (Bevölkerungszahl 2025: 1.676.000) ist die Hauptstadt und die größte Stadt Ungarns. Sie liegt im Landeszentrum, an der Donau. Budapest entstand aus dem Zusammenschluss der Städte Buda am linken und Pest am rechten Ufer der Donau. Pest war bereits ab dem Beginn des 11. Jahrhundert die Hauptstadt Ungarns und ab dem 13. Jahrhundert wechselte sich in dieser Funktion oft mit Buda ab. Als während der Revolution in Ungarn 1848 die beiden Städte als Pest-Buda zusammengeschlossen wurden, bildeten sie bereits einen Organismus. Nach der Wiederherstellung der Monarchie (ab 1526 im Rahmen der Habsburgermonarchie) wurde 1849 dieser Zusammenschluss allerdings aufgehoben, und erst 1873 wieder beschlossen. Damit löste die ungarische Bevölkerungsgruppe die deutsche als die Mehrheit in der Stadt ab. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie 1918 blieb Budapest die Hauptstadt von nun unabhängigem Ungarn. Nach dem Eintritt Ungarns 1941 in den Zweiten Weltkrieg an der Seite des Deutschen Reichs wurden aus Budapest die meisten Juden der Stadt 1944 ghettoisiert und später in die Konzentrationslager abtransportiert oder ermordet. Der Volksaufstand 1956 gegen die sowjetische Bevormundung in Ungarn nahm seinen Beginn in Budapest. Im Zusammenhang mit dem Aufstand und seiner Niederschlagung verlor die Hauptstadt etwa 70.000 Menschen. Heute ist Budapest nicht nur das größte Wirtschafts- und Kulturzentrum des Landes, sondern auch eins der wichtigsten im Ostmitteleuropa.

 in seiner Gewichtsklasse die Bronze-Medaille. Am 23. Mai 1934 dann erzielte er, worauf die JTA-Quelle eingangs verweist, beim Länderkampf gegen die USA in Chicago mit einem Punktsieg gegen Patsy Urso (1916–1987) den einzigen Erfolg für das polnische Team.
Zuvor geriet er jedoch in einen Konflikt mit dem Polnischen Boxverband, dessen demonstrative Gleichgültigkeit gegenüber dem Antisemitismus eine Blaupause für die Entscheidung 1936 im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen lieferte. Für den 29. April 1934 war ein Länderkampf zwischen Polen und Deutschland in 
Poznań
deu. Posen

Poznań (Bevölkerungszahl 2025: 534.239) ist die fünftgrößte Stadt Polens. Sie liegt im Westen des Landes. Die Messe- und Universitätsstadt liegt in der historischen Landschaft Großpolen und ist zugleich Hauptstadt der gleichnamigen Woiwodschaft. Sie zählt zu den ersten städtischen Siedlungen Polens und war eine seiner ersten Hauptstädte. Bereits in der Frühen Neuzeit ein bedeutendes Handelszentrum fiel die Stadt nach der Zweiten Teilung Polen-Litauens 1793 an das Königreich Preußen als Teil der neu gebildeten Provinz Südpreußen. Nach zwischenzeitlicher Zugehörigkeit zum Herzogtum Warschau (1807-1815) kam Posen nach dem Wiener Kongress erneut zu Preußen als Hauptstadt des neuen Großherzogtums Posen. Ab 1919 gehörte Poznań für zwei Jahrzehnte zur Zweiten Polnischen Republik, bevor die Stadt ab 1939 von der Wehrmacht besetzt und Teil des Reichsgaus Wartheland wurde. Die fast sechsjährige Besatzungszeit war geprägt durch die brutale Verfolgung der polnischen und jüdischen Bevölkerung einerseits, die zu Zehntausenden ermordet oder in Konzentrations- und Arbeitslagern interniert wurde, und der gezielten Neuansiedlung deutschsprachiger Bevölkerungsteile in Stadt und Umland andererseits. Anfang 1945 wurde Posen von der Roten Armee erobert und Teil der Volksrepublik Polen. Eines der wichtigsten Ereignisse der Nachkriegszeit war der gewaltsam niedergeschlagene Arbeiteraufstand im Juni 1956.

 angesetzt, von dem man sich auf polnischer Seite eine Revanche für das desaströse Abschneiden bei der zurückliegenden Begegnung gegen Deutschland 1932 in Dortmund erhoffte. Daher zögerte der Verband trotz lautstarker Kritik an Rotholc in der antisemitischen Presse nicht, den Boxer für den Kampf aufzustellen.
Erst wenige Wochen zuvor hatte Rotholc bei Qualifikationskämpfen in Poznań schlechte Erfahrungen mit dem dortigen „chauvinistischen Publikum“ und einem angeblich parteiischen Preisgericht gemacht, wie Henryk Leser im Nowy Dziennik (Neues Journal), einer polnischsprachigen jüdischen Zeitung aus 
Kraków
deu. Krakau, eng. Cracow

Krakau (Bevölkerungszahl 2025: 816.614) ist die zweitgrößte Stadt Polens und liegt an der Weichsel, in der Woiwodschaft Kleinpolen im Süden des Landes. Die Stadt wurde vor dem 11. Jahrhundert gegründet und gehörte schon früh zu den herrschaftlichen Hauptsitzen. 1320-1795 war sie formell die Hauptstadt des Landes. Krakau ist einer der wichtigsten Industrie- und Kulturstandorten des Landes. Die Stadt ist bekannt für den Hauptmarkt mit den Tuchhallen und der Wawel-Burg in der Altstadt Krakaus, welche seit 1978 zum UNESCO-Welterbe gehört. In Krakau befindet sich mit der Jagiellonen-Universität die älteste Universität Polens.

, schrieb.4 Und doch war es, anders als die JTA-Meldung von 1936 nahelegt, nicht Rotholc, sondern sein Verein, der gegen die Nominierung für den Kampf gegen Deutschland protestierte: Als Arbeiter(sportler) und Jude sei es für ihn gleich in doppelter Hinsicht nicht zumutbar, gegen einen nationalsozialistischen Gegner anzutreten, so lautete die Argumentation von Gwiazda Warschau. Leser sah hierbei auch die Gefahr eines antisemitischen Publikums evoziert, das sich mit dem Deutschen gegen Rotholc verbünden und diesen so um seine Bestleistung bringen könnte.
Dass der Polnische Boxverband mit einer Disqualifizierung gedroht hätte, wie die JTA meldete, lässt sich nicht belegen, doch ging er über die vorgetragenen Bedenken hinweg und hielt an der Aufstellung fest. So kam es, dass Rotholc gegen Werner Spannagel (1909–1943) kämpfte, den zweifachen deutschen Meister, der an den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles teilgenommen hatte. Dass er unerwartet gegen den Deutschen siegte, löste in der jüdischen Community Euphorie aus und wurde zu einem Schlag gegen den Nationalsozialismus überhöht. Der Umstand, dass in jenen Jahren ein Hakenkreuz auf der Brustpartie der Trikots deutscher Sportlerinnen und Sportler prägte, bot dazu gerade im Boxen genügend Anknüpfungspunkte. In diesem Sinne titelte die jiddischsprachige Sport tsaytung aus Warschau am Tag nach dem Sieg: „Rotholc triumphiert über das Hakenkreuz.“5
Zwei Jahre später hatte sich die Lage jedoch weiter zugespitzt. Am Vorabend der Olympischen Spiele in Berlin war Rotholc zum allseits (mit Ausnahme der Antisemiten) bewunderten und populären Sportler und zu einer wichtigen Identifikationsfigur in der jüdischen Community avanciert, was auch an seiner hybriden Männlichkeit lag: niedrig von Wuchs und mit geringem Körpergewicht, doch stark, schnell und überlegen. Die Abstimmung der Sport-tsaytung zum besten jüdischen Sportler Polens gewann er mit überragendem Abstand.6 Zwangsläufig geriet er so in die Rolle eines Vorbilds, dessen Verhalten unmittelbar auf die Integrität der jüdischen Community zurückwirkte. Auf der anderen Seite trat der Antisemitismus in Deutschland spätestens seit der Einführung der Nürnberger Gesetze 1935, die die biologistische Behauptung einer jüdischen Inferiorität legalisierten und „den Rassenantisemitismus als Grundlage staatlichen Verwaltungshandelns etabliert[en]“, in schonungsloser Offenheit zutage und löste in der jüdischen Welt Entsetzen aus.7 Vor diesem Hintergrund mehrten sich die Rufe nach einem Boykott der Berliner Spiele, die jedoch randständig blieben und an entscheidender Stelle auf taube Ohren stießen oder bagatellisiert wurden: Funktionäre wie der spätere Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Avery Brundage (1887–1975) spielten den Antisemitismus gezielt herunter oder machten ihn sich in höhnischen Kommentaren zu eigen.8 
Die Olympischen Spiele im nationalsozialistischen Deutschland fanden also statt. Nachdem die Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen am 16. Februar 1936 zu Ende gegangen waren, stand die Eröffnungsfeier im neuen Berliner Olympiastadion für den 1. August des Jahres auf dem Programm. Angesichts seiner Erfolge keineswegs überraschend, wurde Rotholc für die Spiele nominiert, wogegen er sich heftig zur Wehr setzte, da ein Antreten in Berlin sowohl gegen seine Überzeugungen als auch gegen den vereinbarten polnisch-jüdischen Boykott der Spiele verstieß.9 Letztlich beugte er sich dem massiven Druck seitens des Nationalen Olympischen Komitees und der polnischen Armee, der er als Wehrdienstleistender unterlag, und reiste nach Berlin, wo er jedoch verletzungsbedingt nicht auftrat.10 Neben Rotholc fuhren übrigens mit dem Schwimmer Lejzor Ilia Szrajbman (1905–1943) und dem Fechter Roman Kantor (1912–1943/44) weitere polnisch-jüdische Athleten nach Berlin.
Bei seiner Rückkehr nach Warschau bekam Rotholc unmittelbar die Folgen seiner Olympiareise zu spüren. Zunächst traf es ihn, der als Drucker und Setzer arbeitete, beruflich: Die jüdische Druckergewerkschaft hatte ihn zwischenzeitig sanktioniert und ausgeschlossen, was ihn dazu zwang, den Beruf zu wechseln und fortan als Fahrer und Mechaniker tätig zu sein. Fans wandten sich enttäuscht von Rotholc ab. Offen wurde diskutiert, ob er seine sportliche Laufbahn würde fortsetzen können.11
Im Herbst 1938 gelang Rotholc ein letzter triumphaler Sieg gegen einen deutschen Gegner. Das ereignete sich kurz nach der sogenannten "Polen-Aktion", der ersten Massenausweisung von Juden aus Deutschland, und nur wenige Tage nach den Novemberpogromen. In der Jahrhunderthalle im damaligen 
Wrocław
deu. Breslau, lat. Wratislavia, lat. Vratislavia, ces. Vratislav, deu. Breslaw, deu. Bresslau, deu. Wreczelaw, deu. Wrezlaue, lat. Vuartizlau, lat. Wrotizlaensem, lat. Wortizlava, deu. Brassel

Wrocław (dt. Breslau) ist eine der größten Städte in Polen (Bevölkerungszahl 2025: 672.601). Sie liegt in der Woiwodschaft Niederschlesien im Südwesten des Landes.
Zunächst unter böhmischer, piastischer und zeitweise ungarischer Herrschaft übernahmen 1526 die Habsburger die schlesischen Erblande und damit auch Breslau. Einen weiteren Wendepunkt in der Geschichte der Stadt stellte die Besetzung Breslaus durch die preußischen Truppen 1741 und die anschließende Einverleibung eines Großteil Schlesiens in das Königreich Preußen dar.
Die rapide Bevölkerungszunahme und Industrialisierung führte zur sprunghaften Urbanisierung der Vorstädte und ihrer Eingemeindung, was mit der Schleifung der Stadtmauer Anfang des 19. Jahrhunderts einherging. Bereits 1840 wuchs Breslau mit 100.000 Einwohnern zur Großstadt heran. Am Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich das häufig noch mittelalterlich geprägte Stadtbild hin zur Großstadt wilhelminischer Prägung. Höhepunkt der Stadtentwicklung noch vor dem Ersten Weltkrieg war die Anlage des Ausstellungsparks als neuer Mittelpunkt der gewerblichen Zukunft Breslaus mit der Jahrhunderthalle von 1913, die seit 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
In den 1920er und 30er Jahren erfolgte die Eingemeindung von 36 Ortschaften und der Bau von Wohnsiedlungen am Stadtrand. Um der großen Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg zu begegnen, wurden auch Wohngenossenschaften mit Siedlungsbau beauftragt.
Noch 1944 zur Festung erklärt, wurde Breslau während der folgenden Kampfhandlungen in der ersten Hälfte 1945 nahezu vollständig zerstört. Der Wiederaufbau der nun Polnisch gewordenen Stadt dauerte bis in die 1960er Jahre.
Von der etwa 20.000 Personen zählender jüdischen Bevölkerung fanden sich nach dem Zweiten Weltkrieg nur 160 Personen in der Stadt wieder. 1945–1947 wurde die nach dem Kriegsende verbliebene bzw. zurückgekehrte - deutsche - Bevölkerung der Stadt zur Auswanderung größtenteils gezwungen, an ihre Stelle wurden Menschen aus dem Gebiet des polnischen Vorkriegsstaats angesiedelt, darunter aus den an die Sowjetunion verlorenen Gebiete.
Nach dem politischen Umbruch von 1989 erhob sich die Stadt zu neuer, beeindruckender Blüte. Der Transformationsprozess und seine raumwirksamen Folgen sorgten für einen rasanten Aufschwung Breslaus, unterstützt durch den Beitritt Polens zur Europäischen Union im Jahr 2004. Heute ist Breslau eine der am besten prosperierenden Städte Polens.

 fand am 13. November 1938 ein Boxwettkampf Deutschland gegen Polen statt, der mit 4:12 ähnlich schlecht für Polen endete wie 1934 in Poznań. Rotholc trat gegen Nikolaus Obermauer (1920–2001) an, den amtierenden deutschen Meister. Vor 11.000 Zuschauern errang er gegen ihn einen der bedeutendsten Siege seiner Karriere, welcher gerade in der jüdischen Sportcommunity Polens abermals politisch gedeutet wurde.12
Im Frühjahr 1939 beendete Rotholc, gerade mal 26-jährig, seine Boxkarriere, nachdem er wiederholt nicht mehr zu internationalen Kämpfen aufgestellt worden war.13 Auch für die 1940 geplanten Olympischen Spiele in Helsinki bekam er keine Nominierung.14 An seiner Statistik konnte das nicht liegen: Von den 16 internationalen Begegnungen zwischen 1934 und 1939 hatte er 14 gewonnen, gegenüber einem Remis und nur einer Niederlage. Ausgerechnet seinen letzten Boxkampf in Wilno verlor er, dabei hatte er während seiner Karriere von insgesamt 135 Wettbewerben mehr als 120 durch Sieg für sich entscheiden können.15 Frustriert vom neuen Auftrieb des Antisemitismus in Polen und den wegbrechenden Zukunftsaussichten im Boxsport beendete er seine Karriere und eröffnete noch im selben Jahr eine eigene Druckerei in Warschau.16
Als wenige Monate später erst Deutschland und dann die verbündete 
Sowjetunion
eng. Soviet Union, deu. Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, rus. Sovetskiy Soyuz, rus. Советский Союз, . Совет Ушем, . Советонь Соткс, rus. Sovetskij Soûz, . Советий Союз, yid. ראַטן־פֿאַרבאַנד, yid. סאוועטן פארבאנד, yid. sovətn farband, yid. sovʿtn-farband, yid. sovətn-farband, . Советтер Союзу, . Совет Союзы, . Советон Цæдис, . Совет Эвилели

Die Sowjetunion (SU oder UdSSR) war ein von 1922 bis 1991 bestehender Staat in Osteuropa, Zentral- und Nordasien. Sie ist aus dem sog. Sowjetrussland hervorgegangen, dem Nachfolgestaat des Russländischen Kaiserreichs. Den Kern der Union und zugleich ihren größten Teil bildete die Russische Sowjetrepublik, hinzu kamen weitere Teilrepubliken. Ihre Zahl variiert über die Zeit hinweg und steht im Zusammenhang mit der Besatzung anderer Länder (Estland, Lettland, Litauen), nur kurzzeitig bestehenden Sowjetrepubliken (Karelo-Finnland) oder mit der Teilung bzw. Zusammenlegung von Sowjetrepubliken. Zusätzlich gab es zahlreiche autonome Republiken oder sonstige Gebietseinheiten mit einem Autonomiestatus, der sich im Wesentlichen auf eine sprachliche Autonomie der Minderheiten beschränkte.

Die UdSSR bestand vor ihrer formellen Auflösung aus 15 Sowjetrepubliken mit einer Bevölkerung von ungefähr 290 Millionen Menschen. Mit ca. 22,4 Millionen km² bildete sie den damals größten Flächenstaat der Welt. Die Sowjetunion war eine sozialistische Räterepublik mit einem Einparteiensystem und einer fehlenden Gewaltenteilung.

 Polen überfielen, wurde Rotholc mobilisiert und geriet am 17. September 1939 in 
Terebovlâ
pol. Trembowla, ukr. Terebowlja, ukr. Теребовля, yid. terebevle, yid. טרעבעוולע, rus. Terebovlâ, rus. Trembovlâ, rus. Трембовля, rus. Теребовля

Terebowlja (2021: 13.279 Einwohner) ist eine Kreisstadt in der westukrainischen Oblast Ternopil. Im 11.–12. Jahrhundert war Terebowlja die Hauptstadt des gleichnamigen Fürstentums. Im 14. Jahrhundert kam die Stadt als Teil des Halitischen Landes an das Königreich Polen. Nach der ersten Teilung Polens (1772) gehörte sie bis 1918 zur Habsburgermonarchie, abgesehen von den Jahren 1809–1815, als Trembowla zu Russland gehörte. Nach der Niederschlagung der Westukrainischen Volksrepublik im Jahr 1919 fiel die Stadt an Polen. Für die jüdische Bevölkerung von Terebowlja, die zu Beginn der deutschen Besatzung (1941–1944) etwa ein Drittel der Einwohner ausmachte, wurde ein Ghetto in der Stadt eingerichtet. 1943 wurde es aufgelöst und die Bevölkerung ermordet. Abgesehen von der Zeit der deutschen Besatzung gehörte die Stadt ab dem Einmarsch der Roten Armee 1939 zur Sowjetunion.

 im damaligen Südosten Polens (heute Terebowlja in der Ukraine) in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Aus dem Lager in 
Kozelʹsk
pol. Kozielsk, rus. Козельск

Kozelʹsk (Bevölkerungszahl 2024: 16.539) ist eine Stadt in der zentralrussischen Oblast Kaluga. In der Vergangenheit führte ein wichtiger Handelsweg zwischen der Kiewer Rus’ und dem heutigen Zentralrussland durch die Stadt. Die Stadt wurde vom ostslawischen Stamm der Wjatitschen gegründet. Der Ort wurde 1146 erstmals erwähnt. Von 1201 bis 1408 war er die Hauptstadt des gleichnamigen Fürstentums. Im 14. und 15. Jahrhundert gehörte Kozelʹsk zeitweise zum Großfürstentum Litauen, danach endgültig zum Großfürstentum Moskau. Im Kozelʹsker Optina-Kloster richtete die NKWD 1939 ein Kriegsgefangenenlager für mehr als 4.000 polnische Offiziere und Unteroffiziere ein, die 1940 nach Katyn verlegt und erschossen wurden.

 kam er durch einen Gefangenenaustausch der beiden Verbündeten in ein deutsches  Stalag in Sagan
Stalag Luft III
auch:
Stammlager der Luftwaffe
Das Stalag Luft III wurde im Mai 1942 als eines von sechs Stammlagern für Luftwaffenangehörige fremder Heere errichtet. Es befand sich in einem Wald in der Nähe der niederschlesischen Stadt Sagan (heute polnisch: Żagań) mit dem Kriegsgefangenenlager des Heeres Stalag VIII C. Aus dem hauptsächlich von britischen und US-amerikanischen Gefangenen bevölkerten Lager flohen in der Nacht vom 24/25. März 1944 76 Personen, von denen allerdings 73 bald gefasst wurden. Als Rache für den Fluchtversuch wurden im April desselben Jahres 50 Gefangene erschossen. 1944/45 gab es im Lager ca. 10.000 Gefangene.
, bis er im Frühjahr 1940 nach Warschau zurückkehren konnte. Seine Frau Maria, die in der Zwischenzeit den Sohn Ryszard zur Welt gebracht hatte, blieb bis zu seiner Rückkehr ohne Nachricht von Szepsel. Gerüchte, der berühmte Boxer sei während der Septemberkampagne gefallen, hatten inzwischen den Weg in die Weltpresse gemacht: Am 12. Dezember 1939 meldete die JTA fälschlicherweise Rotholc' Tod.17 Doch bekanntlich leben Totgesagte länger.

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