Reise-Tagebuch von 1932
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Mährisch Ostrau ist heute ein Stadtteil von Ostrava. Der Ort wurde 1269 als Städtchen ersterwähnt, und bildet heute den Stadtkern von Ostrava. Während der deutschen Besatzung wurden 1941 Schlesisch Ostrau und weitere Orte eingemeindet. 1947 wurde die Stadt, die nun in zwei historischen Regionen lag, in Ostrava umbenannt. Die historische Zugehörigkeit spiegelt sich im Namen des Mährisch-Schlesischen Bezirks wider, in dem Ostrava heute liegt.
Prag (Bevölkerungszahl 2024: 1.397.880) ist die Hauptstadt und die größte Stadt der Tschechischen Republik. Sie liegt im Zentrum des Staatsgebiets am Fluss Moldau. Die erste Prager Burg entstand wohl im 9. Jahrhundert. Im 10./11. Jahrhundert lebten in anfangs noch zwei benachbarten Burgsiedlungen neben der einheimischen Bevölkerung auch zugewanderte Juden. Zu Beginn der 1230er Jahre erhielt zunächst Prag Stadtrechte, 1257 folgten die Kleinseite (Malá Strana), 1320 Hradschin (Hradčany) als Burgstadt und 1348 die Prager Neustadt (Nové Město). Prag war von Anfang an Residenzstadt der böhmischen Herrscher und gehörte spätestens ab dem 12. Jahrhundert zum Heiligen Römischen Reich. Als Kaisersitz entwickelte sich Prag im 14. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Zentren des gesamten Reichs. Hier entstand 1348 die erste Universität Mitteleuropas. 1784 wurden die vier Städte auch formal vereinigt. Nach und nach, insbesondere 1920 bzw. nach der 1918 erfolgten Gründung der Tschechoslowakei, wurden weitere Orte eingemeindet. 1938-1945 wurde Prag die Hauptstadt des vom Deutschen Reich abhängigen Protektorats Böhmen und Mähren, nach der Zerschlagung des Reichs 1945 durch die Alliierten war Prag bis 1992 wieder die Hauptstadt der – nun sozialistischen – Tschechoslowakei. Nach dem Zerfall der Tschechoslowakei blieb Prag als Hauptstadt der Tschechischen Republik eine der kulturell, wirtschaftlich und politisch wichtigsten Städten Mitteleuropas.
Leipzig (Bevölkerungszahl 2024: 611.850) ist die bevölkerungsreichste Stadt Sachsens im Osten Deutschlands. Ihre Keimzelle war eine etwa zu Beginn des 10. Jahrhundert entstandene slawische Siedlung. 1165 wurde die heutige Stadt gegründet. Nach 1485 tagte der Landtag des Herzogtums Sachsen häufiger in Leipzig. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich Leipzig zu einem der wichtigsten deutschen Standorte für Hochschulbildung, Messen und den Buchdruck. Gegen Ende des zweiten Weltkriegs wurde die Stadt stark zerstört. Ab 1945 gehörte sie zur Sowjetischen Besatzungszone und 1949-1989 zur Deutschen Demokratischen Republik. Die in Leipzig organisierten Proteste gegen die DDR-Regierung gelten als einer der stärksten Impulse für die politische Wende und letztendlich den Fall der DDR. Im wiedervereinigten Deutschland blieb Leipzig auch während der Transformationsphase eins der wichtigsten Industrie-, Wirtschafts-, Kultur- und Bildungszentren in Deutschland.
Chemnitz (Bevölkerungszahl 2024: 245.618) ist eine Großstadt in Sachsen im Osten Deutschlands. 1143 erhielt Chemnitz das Marktrecht, die Stadtrechte wurden dem Ort in den 1170er Jahren verliehen. Im 14. Jahrhundert entwickelte sich Chemnitz zu einem bedeutenden Standort der Textilherstellung. Ab dem 15. Jahrhundert spielten die Gewinnung von Bodenschätzen wie Silber und Kupfer sowie deren Verarbeitung eine zunehmend wichtige Rolle. Bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde Chemnitz von der Industrialisierung erfasst und gehörte lange Zeit zu den wichtigsten Industriestädten Deutschlands. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt stark zerstört. Ab 1945 gehörte sie zur Sowjetischen Besatzungszone und 1949-1989 zur Deutschen Demokratischen Republik. Die ersten Jahre im wiedervereinigten Deutschland waren vom schwierigen Transformationsprozess, Abwanderung und infolgedessen auch massiven Abrissen der Bausubstanz geprägt. Inzwischen ist Chemnitz wieder ein wichtiger Wirtschaftsstandort in Sachsen.
Triest (Bevölkerungszahl 2024: 198.668) ist die Hauptstadt der autonomen Region Friaul-Julisch Venetien im Nordosten von Italien. Der ursprünglich istrische Hafen Tregeste wurde ab dem 2. Jahrhundert zu einer römischen Grenzsiedlung. Nach dem Zerfall des Weströmischen Reichs im Jahr 476 beanspruchten Ostgoten, Byzantiner und Langobarden die Herrschaft über Triest, ehe die Stadt im Jahr 774 vom Fränkischen Reich erobert wurde. Anschließend war sie Teil des Ostfränkischen Reichs und des Heiligen Römischen Reichs. Insbesondere das 13.-14. Jahrhundert waren von Spannungen mit Venedig geprägt. 1382 stellte sich Triest unter den Schutz von Österreich. Im 18.-19. Jahrhundert erlebte die Stadt ihre Blütezeit, als der Hafen seine internationale Bedeutung ausbauen konnte und einen starken Impuls für den Schiffs- sowie Maschienenbau der Stadt gab. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie 1918 kam die Stadt an Italien. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhob Jugoslawien wegen des hohen Anteils an slowenischer Bevölkerung in Triest den Anspruch auf die Stadt und besetzte sie auch kurzfristig. 1947-1954 stand die Freie Stadt Triest unter internationaler Verwaltung, anschließend wurde ihr Gebiet zwischen Italien und Jugoslawien geteilt, wobei Triest selbst bei Italien blieb. Die Randlage an der Staats- bzw. Blockgrenze bremste die Entwicklung der Stadt bis in die 2000er Jahre.
– –Zollgrenze!
Villach (Bevölkerung 2024: 65.749) ist eine Stadt im österreichischen Bundesland Kärnten an der Grenze zu Slowenien und Italien. Auch wenn sie 878 ersterwähnt wurde, wurden ihre Vorläufer bereits in der römischen Zeit gegründet. Ab 1060 hatte Villach Marktrechte und erhielt 1240 die Stadtrechte. Während der napoleonischen Kreigen wurde die Stadt 1809-1813 in die französisch besetzten Illyrischen Provinzen eingegliedert. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie zu 85 % zerstört.
Mit den Pragern ist Edgar Auerbach mitgekommen. Ich hatte seine offizielle Kleidung mitgeschleppt.
Der Dampfer erschien rein äußerlich nicht schlecht, doch verstehe ich nichts von Dampfern. Ich sehe nur, er hat einen Schornstein, und es gibt Dampfer, die haben mehr Schornsteine.
Alles steigt ein zur Abfahrt, doch es #ehlt noch das Gepäck. Es wird 2 Uhr, ½ 3 Uhr. Das |3| Palästina-Amt hatte angeblich den Gepäcktransport übernommen (sagte der Transportleiter). Wir warten und warten. Man wird ungeduldig auf dem Schiff. Viele wollen wieder herunter, denn sie fürchten um ihr Gepäck.
Der Transportleiter ist nicht aufzufinden.
Hier auf dem Schiff stellt man fest, was viele von uns ja schon früher bemängelt hatten, dass nur ein kleiner Teil der Reisenden aus Sportsleuten besteht. Dagegen viele dicke alte Frauen, Männer mit Bärten, die den billigen Transport benutzen. Viele Schlachtenbummler und Nassauer, die billig einmal nach Palästina fahren wollen.
Wir Jungen hatten uns seinerzeit ohne Erfolg dagegen gesträubt.
Die Stimmung des Publikums, dieses ekelhaften Nassauerpacks, wird immer heftiger, als wir die Koffer herüberschmeissen. Ein Mann stürzt sich auf einen der Hazair-Jungens. Es war ein Gepäckstück aufgegangen. Endlich, alles war abgeladen.
Jedes Gepäckstück hat oder sollte wenigstens das Makkabiahschild mit Namen und Land haben.
Wir hatten Licht in der Kabine, und ich starrte immer, um einen Halt zu haben, auf das Entlüftungsgitter. Uebrigens unsere Kabine hat ausser dieser Entlüftung, die auf die Toilette geht, kein Fenster.
Am Morgen, der ja nun doch einmal kam, war es unmöglich, sich, in der Kabine anzukleiden.
Fast alle Reisenden waren seekrank Am schlimmsten war es in den Zwischendecks. Entsetzliche Räume, in denen sonst im allgemeinen Fracht verladen wird.
Den ganzen Tag regnet es heute. Mit Mäntel und Decken liegen wir auf dem Schiff draussen auf den Decks. In den Kabinen kann man sich nicht aufhalten. Dort schaukelt es wie auf dem Rummel.
Athen an Bord der S.S. Attikah.
Diese hohen Sitztreppen erscheinen grandios. Das Stadion wirkt durch seine eigenartige schmale langovale Form. Die Kurvenspitzen, die sich durch die Anlage ergeben, sind sportlich vollkommen unvorschriftsmässig.
Um 5 Uhr die Kabinen, denn unser Schiff muss blitzen, so gut es eben kann.
Wird es mir gefallen, das Land? Wird es enttäuschen? Man hat direkt Furcht.
Es würde so vieles davon abhängen. Ich kann es nicht verhehlen; die Menschen, die hier mitgefahren sind, haben zu einem grossen Teil enttäuscht. Mich enttäuscht. Der heutige Abend hat vieles wieder gut gemacht. Alles ist friedlich, eine Familie.
Abends 7 Uhr, Hotel Allenby.
Die Stadt.
Ich filme, wie wir langsam näherkommen.
Ich sitze ganz vorn am Kiel des Ruderboottes. Ich drehe mich der Stadt zu und sehe dieses malerische Bild in seiner ganzen überwältigenden Schönheit.
Hotel Allenby.
Der Festmarsch und die feierliche Eröffnung der Makkabiah ist vorüber. Ich habe viel gefilmt. Hoffentlich ist alles oder wenigstens ein grosser Teil geworden. Der Apparat mit der Optik 3,5 stockt dauernd und dreht nach 11 Metern überhaupt nicht mehr weiter. Das Kann einen nervös machen.
Weiterhin zwölf Reiter auf ausgewählten Pferden. Die Reiter halten in ihren Händen die zwölf Fahnen der Stämme.
Heute komme ich hier nach einer schönen Autobusfahrt an. Hier in Jerusalem ist es schrecklich kalt und viel gehen mit Pelzmänteln. Ein kolossaler Klimawechsel zwischen den beiden Städten Tel Aviv und Jerusalem. In diesem Jahre hat es übrigens hier in Jerusalem geschneit.
Es ist 12 Uhr mittags. {Ich fahre jetzt ###, 15 Stunden durch die Wüste bis Kairo}. Wir fahren eben durch Rechoboth.
Man kommt sich vor wie ein ägyptischer Prinz. Drei#schwarze und ein weisser Steward bedienen mich. Das Essen war grossartig.
Al-Arisch (Bevölkerungszahl 2023: 204.391) ist die Hauptstadt des Gouvernements Nordsinai im Nordosten von Ägypten. Sie liegt an der Mittelmeerküste, etwa 70 km vom Gazastreifen entfernt. Die Stadt geht auf eine Beduinensiedlung in der Nähe der Handelsstraße zwischen Alexandria und Jerusalem zurück. 1517-1906 gehörte sie, wie der gesamte Sinai, zum Osmanischen Reich. 1799-1802 war die Stadt im Zuge der Ägyptischen Expedition von den napoleonischen Truppen besetzt. Im Ersten Weltkrieg wurde die Festung in der Stadt zerstört. 1967-1979 war der Sinai und somit auch al-Arisch von Israel besetzt.
¼ 6 Uhr abends.
Allmählich wird die Fahrt durch die Wüste unerträglich. Sämtliche Fenster sind jetzt trotz der Hitze geschlossen. In die Fenster kam nämlich der Wüstensand, der hier allles, Menschen, Bänke und Gepäck grau machte. Die Luft ist trocken und verbraucht, voller Staub und Sand.
½ 5 Uhr Nachmittag an Bord der S.S. Ausonia.
Teilweise leider, teilweise mit Freude.
Man wird so langsam unruhig.
Der Herr Blum, der Wirt, ein Koloss von Gestalt, empfängt mich, als ich berichte, dass ich von der Makkabiah komme, sehr freundlich. Und als ich dann noch erzähle, dass ich eine goldene Plakette gewonnen hätte, ist er die Freundlichkeit selber.
Morgen mittag sind wir in Venedig.
Kommentar
Schon früh engagierte sich Simmenauer in der „Jung Irvia“, dem Nachwuchsverband des „Kartell Jüdischer Verbindungen"
Mährisch Ostrau ist heute ein Stadtteil von Ostrava. Der Ort wurde 1269 als Städtchen ersterwähnt, und bildet heute den Stadtkern von Ostrava. Während der deutschen Besatzung wurden 1941 Schlesisch Ostrau und weitere Orte eingemeindet. 1947 wurde die Stadt, die nun in zwei historischen Regionen lag, in Ostrava umbenannt. Die historische Zugehörigkeit spiegelt sich im Namen des Mährisch-Schlesischen Bezirks wider, in dem Ostrava heute liegt.
Weitere wichtige Aspekte waren die internen Verhandlungen über die Teilnahme jüdischer Sportler:innen, die nicht in den Makkabi-Verbänden organisiert waren, sowie die Beteiligung des palästinensischen Arbeitersportverbandes „Hapoel“ (Der Arbeiter). Die angestrebte hebräische Bezeichnung der national-jüdischen Spiele als „Makkabiah“ anstatt „Makkabiade“ waren bereits 1930 ein Indiz für die zionistische Ausrichtung der künftigen Spiele. Eine Ausnahme machte der MWV aber bei den US-amerikanischen Teilnehmer:innen, die mehrheitlich in keinem Makkabi-Verein organisiert waren. Diese Sonderstellung ließe sich vor hier allem vor dem Hintergrund der politisch und wirtschaftlichen Bedeutung der USA begründen.
Die Integration des Hapoel wurde besonders vom palästinensischen Makkabikreis kritisiert, doch war es der MWV, der seine Teilhabe befürwortete, auch, um den weit gereisten Sportler:innen und den Zuschauer:innen keinen in sich zerstrittenen jüdischen Sport zu präsentieren. Nicht nur für den palästinensischen Makkabikreis war die Teilnahme des Hapoel problematisch, auch für das Eigenverständnis des Hapoel selbst, der als Arbeitersportverband in der SASI organisiert war. Letztlich nahm der Hapoel nicht an der Makkabiah teil. Der Arbeiterverband veranstaltete im Zuge der Makkabiah eine eigene Parade, begrüßte aber die internationalen Sportler:innen der Makkabiah.5
Schon während der „Palästinafahrt“, festgehalten im Bericht Simmenauers, der diversen europäischen Makkabi-Verbände, kommt es zu Szenen, in denen die Bestrebung, eine Gemeinschaft zu erzeugen, die sowohl die sprachliche (Hebräisch) als auch die kulturelle Einheit in den Fokus stellt, sowie die Notwendigkeit eines körperlich und geistig starken Juden (und in diesem Sinne auch einer geistig starken Jüdin) deutlich wird (S. 11f.).
Metadaten
- Haupttitel
- Reise-Tagebuch von 1932
- Untertitel
- „Erste Makkabiah“
- Datierung
- Tel Aviv, 1932
- Sprachen
- Deutsch
- Quellentyp
- Reisetagebuch
- Bestandshaltende Einrichtung
- Jüdisches Museum Berlin
- Signatur
- Inv.-Nr. DOK 90/19/67, Schenkung von Felix Simmenauer
- Rechteinformation (historische Quelle)
- Rechte vorbehalten - Freier Zugang
- Rechteinformation (Kommentar)
- CC BY-NC-SA 4.0
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![Seite aus dem Reisetagebuch von Felix Simmenauer zur „Erste[n] Makkabiah“, 1932, Tel Aviv](/sites/default/files/styles/header_p/public/externals/3a9370093299134f25ae2277bb914eb1.jpg?itok=XtpCKzlz)






