Reise-Tagebuch von 1932

Der vorliegende Reisebericht des jüdischen Sportlers Felix Simmenauer, verfasst im Zeitraum von Mitte März bis Anfang April 1932, stellt ein bedeutsames Dokument dar, das tiefgehende Einblicke in die Erfahrungen seiner Teilnahme an der ersten Makkabiah in Palästina gewährt.

Transkriptionen

Transkription (Deutsch)

Reise-Tagebuch von 1932
„Erste Makkabiah“
Montag, 1932.
Zug Berlin–München.
Auf der Fahrt nach München.
jetzt ist es also Wirklichkeit geworden. Wir fahren nach Palästina. Die Makkabiah Die Makkabiah Die 1. Makkabiah fand 1932 in Palästina statt. mit den tausenden Schwierigkeiten findet statt.
Die riesige Arbeit, die Makkabikongresse von 
Mährisch Ostrau
ces. Moravská Ostrava, pol. Morawska Ostrawa, deu. Mährisch-Ostrau, deu. Deutsch Ostrau, ces. Německá Ostrava

Mährisch Ostrau ist heute ein Stadtteil von Ostrava. Der Ort wurde 1269 als Städtchen ersterwähnt, und bildet heute den Stadtkern von Ostrava. Während der deutschen Besatzung wurden 1941 Schlesisch Ostrau und weitere Orte eingemeindet. 1947 wurde die Stadt, die nun in zwei historischen Regionen lag, in Ostrava umbenannt. Die historische Zugehörigkeit spiegelt sich im Namen des Mährisch-Schlesischen Bezirks wider, in dem Ostrava heute liegt.

, Antwerpen und zuletzt die Makkabiah-Konferenz in 
Praha
deu. Prag, eng. Prague, lat. Praga, yid. פראג

Prag (Bevölkerungszahl 2024: 1.397.880) ist die Hauptstadt und die größte Stadt der Tschechischen Republik. Sie liegt im Zentrum des Staatsgebiets am Fluss Moldau. Die erste Prager Burg entstand wohl im 9. Jahrhundert. Im 10./11. Jahrhundert lebten in anfangs noch zwei benachbarten Burgsiedlungen neben der einheimischen Bevölkerung auch zugewanderte Juden. Zu Beginn der 1230er Jahre erhielt zunächst Prag Stadtrechte, 1257 folgten die Kleinseite (Malá Strana), 1320 Hradschin (Hradčany) als Burgstadt und 1348 die Prager Neustadt (Nové Město). Prag war von Anfang an Residenzstadt der böhmischen Herrscher und gehörte spätestens ab dem 12. Jahrhundert zum Heiligen Römischen Reich. Als Kaisersitz entwickelte sich Prag im 14. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Zentren des gesamten Reichs. Hier entstand 1348 die erste Universität Mitteleuropas. 1784 wurden die vier Städte auch formal vereinigt. Nach und nach, insbesondere 1920 bzw. nach der 1918 erfolgten Gründung der Tschechoslowakei, wurden weitere Orte eingemeindet. 1938-1945 wurde Prag die Hauptstadt des vom Deutschen Reich abhängigen Protektorats Böhmen und Mähren, nach der Zerschlagung des Reichs 1945 durch die Alliierten war Prag bis 1992 wieder die Hauptstadt der – nun sozialistischen – Tschechoslowakei. Nach dem Zerfall der Tschechoslowakei blieb Prag als Hauptstadt der Tschechischen Republik eine der kulturell, wirtschaftlich und politisch wichtigsten Städten Mitteleuropas.

 liegen hinter uns.
In unserem Zuge fahren ausser einer berliner [sic!] Gruppe die Hamburger und 
Leipzig
. Lipsk, lat. Libzi, lat. Leipsia, lat. Lipsia, lat. Lippzina, yid. lejpṣyg, yid. leypṣyg, yid. lejpcyg, yid. leypcyg, yid. לייפציג

Leipzig (Bevölkerungszahl 2024: 611.850) ist die bevölkerungsreichste Stadt Sachsens im Osten Deutschlands. Ihre Keimzelle war eine etwa zu Beginn des 10. Jahrhundert entstandene slawische Siedlung. 1165 wurde die heutige Stadt gegründet. Nach 1485 tagte der Landtag des Herzogtums Sachsen häufiger in Leipzig. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich Leipzig zu einem der wichtigsten deutschen Standorte für Hochschulbildung, Messen und den Buchdruck. Gegen Ende des zweiten Weltkriegs wurde die Stadt stark zerstört. Ab 1945 gehörte sie zur Sowjetischen Besatzungszone und 1949-1989 zur Deutschen Demokratischen Republik. Die in Leipzig organisierten Proteste gegen die DDR-Regierung gelten als einer der stärksten Impulse für die politische Wende und letztendlich den Fall der DDR. Im wiedervereinigten Deutschland blieb Leipzig auch während der Transformationsphase eins der wichtigsten Industrie-, Wirtschafts-, Kultur- und Bildungszentren in Deutschland.

 Makkabim. Gleich sind wir in 
Chemnitz
. Kamenica, deu. Kameniz, . Kamjenica, deu. Karl-Marx-Stadt, yid. qʿmnyṣ, yid. קעמניץ

Chemnitz (Bevölkerungszahl 2024: 245.618) ist eine Großstadt in Sachsen im Osten Deutschlands. 1143 erhielt Chemnitz das Marktrecht, die Stadtrechte wurden dem Ort in den 1170er Jahren verliehen. Im 14. Jahrhundert entwickelte sich Chemnitz zu einem bedeutenden Standort der Textilherstellung. Ab dem 15. Jahrhundert spielten die Gewinnung von Bodenschätzen wie Silber und Kupfer sowie deren Verarbeitung eine zunehmend wichtige Rolle. Bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde Chemnitz von der Industrialisierung erfasst und gehörte lange Zeit zu den wichtigsten Industriestädten Deutschlands. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt stark zerstört. Ab 1945 gehörte sie zur Sowjetischen Besatzungszone und 1949-1989 zur Deutschen Demokratischen Republik. Die ersten Jahre im wiedervereinigten Deutschland waren vom schwierigen Transformationsprozess, Abwanderung und infolgedessen auch massiven Abrissen der Bausubstanz geprägt. Inzwischen ist Chemnitz wieder ein wichtiger Wirtschaftsstandort in Sachsen.

 und Fritz Gerber Fritz Gerber Fritz Gerber war ein Kurzstreckenläufer des Bar Kochba Berlin. Vor seiner Mitgliedschaft im BK war er im Sportclub Charlottenburg aktiv. , der zweite Mann der 4 x 100 m Staffel wird einsteigen.
In unserem Zuge sitzen auch drei Ringer aus Dänemark, darunter Leiserowitz Leiserowitz Herman Leiserowitz war ein dänisch-jüdischer Ringer im jüdischen Sportverein Hakoah in Dänemark. Bei der ersten Makkabiah gewann er 1932 Gold. , der dänische Meister im Leichtgewicht. Die dänischen Ringer muss man sich nicht germanisch und blondgelockt vorstellen. Im Gegenteil. Sie sind klein und miss von Gestalt.
Eli Ettinger ist in Chemnitz zugestiegen. Ich habe ihn noch nicht recht gesprochen. Das werde ich morgen nachholen.
Dienstag, d.P.2.März 1932.
Zug München–
Triest
lat. Tergeste, slv. Trst, . Triest

Triest (Bevölkerungszahl 2024: 198.668) ist die Hauptstadt der autonomen Region Friaul-Julisch Venetien im Nordosten von Italien. Der ursprünglich istrische Hafen Tregeste wurde ab dem 2. Jahrhundert zu einer römischen Grenzsiedlung. Nach dem Zerfall des Weströmischen Reichs im Jahr 476 beanspruchten Ostgoten, Byzantiner und Langobarden die Herrschaft über Triest, ehe die Stadt im Jahr 774 vom Fränkischen Reich erobert wurde. Anschließend war sie Teil des Ostfränkischen Reichs und des Heiligen Römischen Reichs. Insbesondere das 13.-14. Jahrhundert waren von Spannungen mit Venedig geprägt. 1382 stellte sich Triest unter den Schutz von Österreich. Im 18.-19. Jahrhundert erlebte die Stadt ihre Blütezeit, als der Hafen seine internationale Bedeutung ausbauen konnte und einen starken Impuls für den Schiffs- sowie Maschienenbau der Stadt gab. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie 1918 kam die Stadt an Italien. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhob Jugoslawien wegen des hohen Anteils an slowenischer Bevölkerung in Triest den Anspruch auf die Stadt und besetzte sie auch kurzfristig. 1947-1954 stand die Freie Stadt Triest unter internationaler Verwaltung, anschließend wurde ihr Gebiet zwischen Italien und Jugoslawien geteilt, wobei Triest selbst bei Italien blieb. Die Randlage an der Staats- bzw. Blockgrenze bremste die Entwicklung der Stadt bis in die 2000er Jahre.

Historische Orte
Habsburgerreich
  (
eng. Habsburg Empire, deu. Habsburgerreich, deu. Habsburgermonarchie, deu. Donaumonarchie, eng. Habsburg Realm, eng. Habsburg monarchy, deu. Danubian monarchy, lat. Habsburg Monarchia
)
.
Da hat man nun eben begonnen, so langsam einzuschlafen,
– –Zollgrenze!
Alles Aufstehen!
Pässe – Devisen – Zoll!
Da ist man wieder vollkommen wach und mit dem Einschlafen ist es aus.
|2| Zug München–Triest.
Diese Nacht wäre glücklich überstanden. Einige  Stunden geschlafen, die müssen genügen. In 
Villach
lat. Uillach, slv. Beljak

Villach (Bevölkerung 2024: 65.749) ist eine Stadt im österreichischen Bundesland Kärnten an der Grenze zu Slowenien und Italien. Auch wenn sie 878 ersterwähnt wurde, wurden ihre Vorläufer bereits in der römischen Zeit gegründet. Ab 1060 hatte Villach Marktrechte und erhielt 1240 die Stadtrechte. Während der napoleonischen Kreigen wurde die Stadt 1809-1813 in die französisch besetzten Illyrischen Provinzen eingegliedert. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie zu 85 % zerstört.

Historische Orte
Habsburgerreich
  (
eng. Habsburg Empire, deu. Habsburgerreich, deu. Habsburgermonarchie, deu. Donaumonarchie, eng. Habsburg Realm, eng. Habsburg monarchy, deu. Danubian monarchy, lat. Habsburg Monarchia
)
, der jugoslavischen Grenzstation stiess der Zug der Wiener und Prager Makkabim zu uns.  Auch Herzog Herzog Arthur Herzog war der Vorsitzende des tschechoslowakischen Makkabi-Kreises. , der Präsident der tschechischen Makkabi ist nun doch mitgekommen. Aber Bleyer Bleyer Leo Bleyer war Hauptturnwart des tschechischen Kreises im Makkabi-Weltverband. aus Mährisch-Ostrau fehlt. Schade. Einer der besten. Auch Nathan Kaminski Nathan Kaminski Nathan Kaminski war Mitglied im Bar Kochba Berlin. blieb in Berlin zurück. Er gehörte zu den ersten, die für die Makkabiah arbeiteten.
Mit den Pragern ist Edgar Auerbach mitgekommen. Ich hatte seine offizielle Kleidung mitgeschleppt.
Auf dem Bahnhof hat Edgar so viel Blödsinn angestellt, bis er den Zug verpasste und sich, wie wir eben telegrafisch hörten, ein Auto nahm, ohne jedoch unseren Zug wieder zu erreichen. Jetzt jagen Telefongespräche hin und her. Seine Kleider, Koffer, Pass, Geld, alles ist in unserem Zug. Und er ist nur mit seiner Ueber kluft bekleidet. Das kann nett werden. Er könnte eventuell heute abend Triest erreichen. Da ist unser Schiff weg. Aber es fährt noch die „Carnaro“ des Lloyd Triestino, für die er zwar keine Schiffskarte hat, aber vielleicht nimmt man ihn mit.
Dienstag, d. 22.März 1932.
Abends an Bord der S.S.Attikah.
Als diese Organisation ab Triest scheint nicht zu klappen.
Der Dampfer erschien rein äußerlich nicht schlecht, doch verstehe ich nichts von Dampfern. Ich sehe nur, er hat einen Schornstein, und es gibt Dampfer, die haben mehr Schornsteine.
Alles steigt ein zur Abfahrt, doch es #ehlt noch das Gepäck. Es wird 2 Uhr, ½ 3 Uhr. Das |3| Palästina-Amt hatte angeblich den Gepäcktransport übernommen (sagte der Transportleiter). Wir warten und warten. Man wird ungeduldig auf dem Schiff. Viele wollen wieder herunter, denn sie fürchten um ihr Gepäck.
Der Transportleiter ist nicht aufzufinden.
Dieser Transport ab Triest scheint wahnsinnig schlecht  ### organisiert zu sein. 
Hier auf dem Schiff stellt man fest, was viele von uns ja schon früher bemängelt hatten, dass nur ein kleiner Teil der Reisenden aus Sportsleuten besteht. Dagegen viele dicke alte Frauen, Männer mit Bärten, die den billigen Transport benutzen. Viele Schlachtenbummler und Nassauer, die billig einmal nach Palästina fahren wollen.
Wir Jungen hatten uns seinerzeit ohne Erfolg dagegen gesträubt. 
Die Situation mit dem fehlenden Gepäck wird ungemütlich.
Endlich kommt ein Lastauto mit tausenden von Gepäckstücken. Ich hole mir schnell zehn Jungens des Makkabi-Hazair Makkabi-Hazair Makkabi Hazair (Junger Makkabäer) schlossen sich 1934 mit dem Jüdischen Pfadfinderbund Deutschland (J.P.D.) zum J.P.D. Makkabi Hazair zusammen. zusammen. Wir sperren den Laufgang. Zehn weitere Sportsleute und eine Kette bilden. Jetzt schnell das Gepäck abladen. und zum Schiff heraufbringen.
Die Stimmung des Publikums, dieses ekelhaften Nassauerpacks, wird immer heftiger,  als wir die Koffer herüberschmeissen. Ein Mann stürzt sich auf einen der Hazair-Jungens. Es war ein Gepäckstück aufgegangen. Endlich, alles war abgeladen. 
Da kommen die Menschen zu uns geheult: „Mein Gepäck fehlt“.
|4| Uebrigens auch meine Koffe# hatte ich nicht unter den Gepäckstücken gesehen. Der grösste Teil des Gepäcks musste noch auf dem Bahnhof geblieben sein. Da kommt ein zweitesnLastauto [sic!] an, vollgepackt mit den restlichen Gepäckstücken.
Die Jungens waren shon [sic!] müde, sie wollten nicht noch einmal abladen. Aber das Publikum vom Schiff herunterlassen, wäre unmöglich gewesen. Sie hätten sich wie die Hyänen auf ihr Gepäck gestürzt. Also noch einmal und das Gepäck heraufschaffen.
Jetzt eine neue Schwierigkeit. Da stehen die tausend Koffer zusammen. Durcheinander. Jetzt müssen sie sortiert werden. Nach' Ländern, nach Städten.
Jedes Gepäckstück hat oder sollte wenigstens das Makkabiahschild mit Namen und Land haben.
Inzwischen machen wir schnell einen Speiseraum für eine sofortige Sitzung des Präsidiums frei. Ich hatte vor dem Speisesaal mehrere Posten gestellt, die wurden jedoch überrannt. Der fand sein Bett nicht, der nicht seine Koffer. Der hatte Hunger, der wollte Koscher essen. Kein Mensch wusste, wann gibt es was zu essen und wo.
Die Matrosen und Stewards sprechen alle – griechisch!
In der Präsidiumssitzung schlage ich vor, sofort Handzettel durchzugeben: die Gruppeisst heute abend hier um so und so viel Uhr, die Gruppe dort. Dr. Lelewer Dr. Lelewer Dr. Hermann Lelewer (1891–1946) war Rechtsanwalt, Mitglied im Kartell Jüdischer Verbindungen und hatte eine Führungsposition im Bar Kochba Berlin inne. 1929 wurde er Präsident des Makkabi-Weltverbands. 1933 floh er nach England und später nach Palästina. sagt: „Lieber Simmenauer, wollen Sie das bitte mir überlassen“. Da spreche ich kein Wort mehr.
Inzwischen war das Schiff abgefahren. Ich hatte nicht gefilmt. Mein Apparat war verschwunden.
|5| Donnerstag, d. 24.März 1932.
Nachmittag an Bord der S.S. Attikah.
In der Nacht vom Dienstag zu Mittwoch war hier alles seekrank. Auch ich.
Ich lag in der Kabine mit drei Tschechen zusammen, darunter Herzog, dem Präsident des tschechischen Kreises.
Ich lag im Bett unten, Herzog darüber. Wir hatten noch keine Stunde geschlafen, da wurde ihm schlecht. Er weckte mich, ich half ihm. Kaum war er von der Toilette zurück, ging es wieder los. Dann fing auch ein anderer zu kotzen an. Herzog bekam einen furchtbaren moralischen Jammer: „Ach wäre ich doch nicht gefahren. Ich fahre von Athen wieder zurück“ und so weiter.
Unser Schiff schaukelte sehr stark. Zu allem Unglück lag unserenKabinen [sic!] ganz hinten am Heck und machte alle Schwankungen besonders stark mit.
Wir hatten Licht in der Kabine, und ich starrte immer, um einen Halt zu haben, auf das Entlüftungsgitter. Uebrigens unsere Kabine hat ausser dieser Entlüftung, die auf die Toilette geht, kein Fenster.
Ich schlief ein und wachte von einem Geplätscher auf. Herzog hatte in das Waschbecken gekotzt und damit den Wasserablauf verstopft. Inzwischen war das Becken voll Wasser gelaufen und die ganze Sauce lief über unsere Koffer.
Draussen auf dem Gang tat sich etwas. Reden wir nicht darüber.
Am Morgen, der ja nun doch einmal kam, war es unmöglich, sich, in der Kabine anzukleiden.
Fast alle Reisenden waren seekrank Am schlimmsten war es in den Zwischendecks. Entsetzliche Räume, in denen sonst im allgemeinen Fracht verladen wird.
Erst gegen Mittag wurde die See ruhiger.
|6| Am Nachmittag kam die Sonne heraus, und konnte man konnte sich kurze Zeit auf dem Liegedeck erholen.
Dieses schlechte Wetter war die Rettung für die Schiffsleitung. Denn keiner der Reisenden dachte mehr an Meckereien. Er {Jeder} war froh, wenn ihm der Magen nicht hochkam.
Unsere ganze Mannschaft wird durch diese schwierige Reise für die Kämpfe in Palästina stark gehandicapt sein.
Heute Nacht hatte ich meine Kabine gewechselt und habe verhältnismässig gut geschlafen. Die Magenkrämpfe, die ich seit gestern hatte, haben sich gegeben.
Den ganzen Tag regnet es heute. Mit Mäntel und Decken liegen wir auf dem Schiff draussen auf den Decks. In den Kabinen kann man sich nicht aufhalten. Dort schaukelt es wie auf dem Rummel.
Wir fuhren heute an Korfu vorbei.
Das Wetter ist wieder stürmischer und viele beginnen wieder seekrank zu werden. Das Abendbrot wird aufgetragen, doch viele fürchten sich zu essen.
Morgen früh gegen 6 Uhr sind wir wieder in Athen.
Freitag, d. 25.März 1932.
Morgens 7 Uhr an Bord der S.S.Attikah.
Heute ganz früh durch die Strasse von Korinth gefahren. Ein schmaler Kanal, rechts und links hohe steile Steinwände. Das Wetter ist weiterhin schlecht.
In drei bis vier Stunden sind wir in Athen.
|7| Nach vier Tagen werden wir das erstemal wieder Land unter die Füsse bekommen. Wir bleiben einen hal#ben Tag in Athen und fahren gegen Abend weiter.
Gefilmt habe ich bisher noch nicht. Ich werde mir den Film für Erez Israel aufbewahren.
Gestern Abend war Singeabend, und wir lagen mit den Mädels zusammen wie die Katzen auf einem Maschinenheizrohr.
Georg Kurz Georg Kurz Georg Kurz war ein Sprinter und kam von der Deutschen Turnerschaft zum Bar Kochba Berlin. Er nahm an der I. Makkabia in Palästina teil. und Fritz Gerber, die ziemlich stark seekrank gewesen waren, sind wieder hergestellt. Der arme Hermann Scherk liegt noch immer grün und bleich auf einer Liegematratze.
Freitag, d.25.März 1932.
Abends 6 Uhr Hafen von
Athen an Bord der S.S. Attikah.
Der Tag in Athen war sehr schön. Ich bin jetzt wieder auf dem Schiff, und wir fahren in wenigen Minuten ab. Die Hafenstrasse von Athen dreckig, verkommen. Die Kinder zum grössten Teil hübsch und erheblich intelligenter aussehend als die Berliner Zillekinder Zillekinder Heinrich Rudolf Zille (1858–1929) war ein deutscher Grafiker, Maler und Fotograf. In seiner Kunst spielte vor allem das Berliner Alltagsleben eine bedeutende Rolle, das er sozialkritisch darstellte. Große Bekanntheit erlangten insbesondere seine Karikaturen mit Kindern, auf die hier mit "Zillekinder" angespielt wird. .
Tempel des Theseus bereits bekannt – durch die neue Wache in Berlin neue Wache in Berlin Die Neue Wache in Berlin wurde 1816–1818 von Karl Friedrich Schinkel als Wachgebäude und Gedenkstätte für die Gefallenen der Befreiungskriege gegen Napoleon errichtet. Sie diente im Laufe der Zeit verschiedenen Zwecken: In der DDR wurde sie zur „Gedenkstätte der Opfer des Faschismus und Militarismus“ umgewidmet. 1969 wurde eine Ewige Flamme installiert. Nach der Wiedervereinigung wurde die Neue Wache zur zentralen Gedenkstätte der Bundesrepublik für Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft umfunktioniert. Im Inneren befindet sich Käthe Kollwitz‘ Skulptur „Mutter mit totem Sohn“, als Symbol für das Leid der Kriegsopfer. Das Gebäude im klassizistischen Stil liegt an der Straße Unter den Linden. . Ein Bau, der enttäuschte. Allerdings steht dieser Tempel wenig exponiert und schwächt daher die Wirkung. Ueber uns Geschwader von Flugzeugen in bestimmter Reihenfolge fliegend.
Heute ist hier Nationalfeiertag. Vor so und soviel Jahren Befreiung von der Türkei. Ausserdem ist heute Karfreitag.
Also dieser Theseustempel enttäuschte, jedoch der Blick auf die Akropolis versprach. {###} Wir fuhren mit dem Auto hinauf.
|8| Die Akropolis mit dem Parthenon eine herrliche Angelegenheit. Die alten Griechen waren doch die besten Baumeister.
Es kam für kurze Zeit die Sonne heraus. Auch der Himmel wurde blau und sah die Akropolis mit den wuchtigen Säulen majestätisch aus. Man kannte die Abbildungen der griechischen Tempel, aber in ihnen stehen, hiess sie erleben.
Der Ni{k}e-Tempel ist ein kleines Gebäude, ein kleiner Raum viel kleiner als ich mir vorgestellt habe.
Aber dieses Parthenon, das Tor, die Treppen, sind wuchtig und vornehm.
Interessant der Blick hinunter auf das Amphitheater und die Säulen des nicht fertiggestellten Tempels.
Dann mit dem Auto zu einem Imbiss, der zum erstenmal gut organisiert war.
Wir fuhren dann zum Stadion, das ich aus Büchern schon gut studiert hatte. 
Diese hohen Sitztreppen erscheinen grandios. Das Stadion wirkt durch seine eigenartige schmale langovale Form. Die Kurvenspitzen, die sich durch die Anlage ergeben, sind sportlich vollkommen unvorschriftsmässig.
Georg Kurz und ich, wir liessen es uns nicht nehmen, auf der „Heiligen Laufbahn“ zu trainieren. Georg hatte seine Rennschuhe mit, und wir liefen abwechselnd.
Die Kurven sind derart schmal, dass man bei schnellem Lauf unweigerlich herauskippt. Also eine Bahn, die für internationale Wettkämpfe unmöglich ist.
Herrlich dieser weisse Marmor. Das Stadion muss vollbesetzt (800000 Zuschauer) einen grossartigen Anblick bieten.
|9| Wir fuhren dann noch mit dem Auto durch die Hauptstrassen Athens. Die Universität ein schöner Bau.
Jedoch trotz Akropolis möchte ich in dieser dreckigen Stadt nicht für geschenkt wohnen.
Sonntag, d. 27.März 1932
An Bord der S.S. Attikah.
Gestern habe ich überhaupt nichts eingetragen, denn ich lag mit heftigen Magenkrämpfen. So habe ich den ganzen Tag gehungert.
Dass man bei dieser Fahrt mehrere Pfund abnimmt, ist weniger schön. Dafür brennen wir jetzt braun. Wir haben heute herrliches warmes Sonnenwetter. Wir hatten schon gefürchtet, dass es auch in Palästina während de r Makkabiah regnen wird.
Die Stimmung ist hier inzwischen eine bessere geworden, trotzdem es sich die Polen nicht verkneifen können, uns hin und wieder „Jäckes“ „Jäckes“ Als „Jeckes“ wurden deutsche Jüdinnen und Juden bezeichnet, die in den 1930er Jahren nach Palästina emigrierten. Der Begriff war eine spöttische Bezeichnung, die osteuropäische Juden für neu eingewanderte Juden aus Deutschland und Österreich verwendeten. Damit charakterisierten sie deren stark von der deutschen Kultur geprägte Lebensweise. Die Bezeichnung brachte Stereotype wie Überheblichkeit, übermäßige Korrektheit und Gründlichkeit zum Ausdruck. Gleichzeitig wurde ihnen eine fehlende Anpassungsfähigkeit an die sprachlichen und kulturellen Gegebenheiten ihres neuen Umfelds in Palästina nachgesagt. zu schimpfen.
Heute mittag habe ich einige Filmaufnahmen gemacht: das Meer – die deutsche Makkabimannschaft beim Appell – die tschechische Mannschaft am Bug.
Die Filmstreifen müssen gut geworden sein.
Morgen früh sind wir drüben!
Ein sonderbarer Gedanke: heute schlafen zu gehen und morgen in Erez Israel aufzuwachen.
Es sind heute auf dem Schiff die letzten Generalappelle.
Um 4 Uhr nachmittags müssen hier sämtliche |10| Decks zu einer Generalreinigung geräumt werden.
Um 5 Uhr die Kabinen, denn unser Schiff muss blitzen, so gut es eben kann.
Morgen früh kommen die englischen Behörden an Bord und werden darüber entscheiden, ob wir ohne Quarantäne an Land kommen.
Ich ernähre mich übrigens jetzt die letzten Tage von Zwiebäcken, kondensierter Milch und Apfelsinen und werde mich auch für die Rückreise mit diesen Lebensmitteln versorgen denn dieses fressen ist ja nicht zu ertragen.
Es ist schade, dass hier auf dem Schiff soviele Passagiere mitfahren, die mit uns Makkabim überhaupt nichts zu tun haben, und die das ganze Bild und den Zusammenhang stören.
An Bord findet jetzt jeden Morgen unter Leitung von Kurt Marx Kurt Marx Kurt Marx war Sportleiter beim Bar Kochba Berlin. 1935 wanderte er nach Palästina aus. Gymnastik statt, ausserdem üben die Tschechen ihre Massenfreiübungen.
Sonntag, d.27.März 1932.
Abends an Bord der S. S. Attikah.
Ich {s}i{t}ze augenblicklich in der sogenannten Bar dieses Dreckdampfers bei einer Limonade und möchte von einer Versammlung berichten, die heute abend auf dem Vorderdeck stattgefunden hat.
Das Bild ist folgendes:
Wir sind mitten auf dem Mittelständischen Meere. Kein Land ringsum. Die Sonne bereits untergegangen, jedoch im Westen der Himmel am Horizontrand rot – leuchtend.
Das Meer schwarzblau und das geschnittene Wasser klar – weiss.
Völlige Windstille.
Man hört nur das Rauschen des Wassers.
|11| Das Vordeck ist vollbesetzt mit Makkabim und Makkabioth, dazu die anderen jüdischen Passagiere. Ueber 500 Menschen.
Dr. Rabau Dr. Rabau Dr. Alfred Rabau war Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin, Mitglied des Reichsausschusses jüdischer Sportverbände und Vorsitzender des Berliner Bar Kochba. , der oberste Leiter auf dem Schiff, eröffnet den letzten Schiffsappell und gibt den einzelnen Vertretern der Landsmannschaften das Wort.
Zuerst spricht Werner Bloch Werner Bloch Dr. Werner Bloch war Vorstandsmitglied der „Berliner Zionistischen Vereinigung“. , der die Ausbootung für den morgigen Tag leiten wird.
Er bittet, die grösste Ruhe zu bewahren, nichts zu überstürzen, alle Kabinen und Wohnräume in grösster Sauberkeit zu verlassen.
Wir werden gegen 6 Uhr morgens an der Küste von Palästina sein.
Unsere Funksprüche sind von Palästina aus noch nicht beantwortet. Wir wissen daher noch nicht, wann die englischen Behörden auf unser Schiff kommen werden.
Eine halbe Stunde, bevor die englischen Behörden eintreffen, müssen alle Makkabim und die übrigen Schiffspassagiere mit ihrem Gepäck auf Deck aufgestellt sein, und zwar die deutsche und die tschechische Landsmannschaft auf dem Vorderdeck, die polnische und jugoslavische Landsmannschaft auf dem Hinterdeck, gleichfalls die Vertreter aus Wien, Kopenhagen, Danzig, Saloniki etc..
Nach den technischen Ausführungen von Bloch sprach der Führer der Jugoslaven, Dr. Braun.
Er sprach jugoslavisch. Lange sprach er jugoslavisch und man murrte schon, da man diese Sprache nicht verstand. Man rief: „Deutsch sprechen!“
Und schliesslich sprach er deutsch.
Es war ein Trick von ihm.
|12| Er sprach in seiner Rede davon, dass es uns unbedingt notwendig wäre, dass auf der kommenden Makkabiah viel stärker die Sprache unseres Volkes „Hebräisch“ gesprochen werden musste. 
Es war ein Trick, dass er zu Anfang jugoslavisch sprach. Ohne Frage wird das Sprachengewirr, wie es bereits auf dem Dampfer bei dieser Makkabiah herrschte, bei späteren Makkabiaden noch stärker in Erscheinung treten, wenn nicht die kommenden Generationen die hebräische Sprache beherrschen werden.
Nach dem Jugoslaven sprach der polnische Führer Rusetzki Rusetzki Zelig Rusecki war Präsident des Makkabi in Polen. .
Er sprach jiddisch und berichtete von einem Erlebnis. Die polnische Mannschaft brach auf ihrer Fahrt nach Triest ihre Reise in Wien ab und besuchte das Grab von Theodor Herzl Theodor Herzl Theodor Herzl (1860–1904) war ein österreichisch-ungarisch-jüdischer Schriftsteller, Publizist und Journalist. Er gilt als Begründer des politischen Zionismus. .
Und dort hielt man Zwiesprache mit dem grossen  ### verstorbenen Führer des Zionismus.
Man berichtete Herzl sozusagen, dass die polnischen Juden, die doch zu Herzls Zeiten nur als Menschen bekannt waren, die mit dem Sack über den Rücken durch die Dörffer gingen und mit Lumpen handelten, dass eine#neue polnische Generation, die herangewachsen wäre, die nach Palästina fährt, um im sportlichen Wettkampf mit den Makkabim der ganzen Welt Sportkämpfe auszutragen, Der polnische Jude mit seinem verkümmerten Körper sterbe aus und es lebe der neue, der junge polnische Jude.
Und nach Rusetzki sprach Dr. Goldberg von der Tschechoslovakei. Seine Rede war tatsächlich mitreisend.
Er sprach davon: „Vor dreissig Jahren warfen die Assimilanten den Zionisten vor:
„Ja, aber ihr habt ja nicht einmal eine # eigene Sprache, geschweige denn eigenes Land“!
|13| Und man liess sich leider immer und immer wieder auf diese Diskussion ein. Doch es gab vor dreissig Jahren Männer in Prag, # die machten diese Diskussionen nicht mehr mit. Sie lernten hebräisch und man hielt sie damals für Verrückte. Sie gingen schon vor Jahren herüber nach Palästina unter den schwierigsten Bedingungen.
Inzwischen sind Massen von Menschen herübergegangen und bald war dieses „Zur Verfügung stellen“ für Erez Israel schon keine Tat mehr.
Jetzt fährt zum erstenmal eine Expedition von Makkabim und Makkabioth hinüber, Diese Fahrt, die ohne Frage mit riesiger Arbeit und grossen Strapazen verbunden war, soll keine Luxus- und Vergnügungsfahrt werden.
Nur ganz wenige Makkabim der grossem Makkabim-Bewegung könn{t}en herüberfahren. Die wenigen Makkabim aber soll{t}en sehen und berichten, was sie gesehen und erlebt in Erez Israel.
Dr. Goldstein sprach in so klaren und bescheidenen Worten. Er schloss damit, heute am Vorabend, da wir palästinensischen Boden zum erstenmal betreten, sollen wir uns selbst überlegen, was wir von Erez Israel erwarten.
Nach der hebräischen Rede des deutschen Vertreters sang man die  Hatikwah
Hatikwah
auch:
Hatikvah, Nationalhymne Israels
Die Hatikwa (Die Hoffnung) ist seit 1897 die Hymne der zionistischen Bewegung. Mit Gründung des Staates Israels am 14. Mai 1948 wurde sie zur Nationalhymne erklärt.
.
Feierlich, ernst.
Es war fast dunkel geworden.
Die Rede von Dr. Goldstein hattet einen starken Eindruck hinterlassen. Dag Bild auf dem Vorderdeck war ungeheuerstimmuungsvoll [sic!].
Die Menschen hingen auf den Qu¦e¦rbalken und |14| und Seilen. Sie waren ringsum um den Rednerplatz gescharrt. Es war fast ganz dunkel geworden. Auf dem ersten deck brannten inzwischen die elektrischen Lichter. Der Steward ging mit dem Gong herum und läutete zum Abendbrot. Die langen Tischreihen waren zum Essen gedeckt. Es standen rechts und links auf den Decks die langen Tische und Bänke, da die Speiseräume der ersten und zweiten Klasse nicht ausreichten.
{Jeder war stumm geworden. Hier schien ### und ### anderen sprechen zu wollen. Jeder war mit seinem Landsmann. ### ### war auf einmal ### ### gekommen und wir ### eine ###keit.}
Man ging zum Abendbrot und ass zum letztenmal auf dem Schiff, das uns morgen früh nach Palästina gebracht haben wird.
Es ist alles so merkwürdig: wi r sind jetzt sechs Tage auf dem Dampfer. Sechs Tage auf See. Wir assen, tranken und schliefen hier. Und mit jedem Tage kamen wir näher nach Palästina.
Morgen werden wir dort sein.
{Wird uns das Land gefallen?}
Wird es mir gefallen, das Land? Wird es enttäuschen? Man hat direkt Furcht.
Es würde so vieles davon abhängen. Ich kann es nicht verhehlen; die Menschen, die hier mitgefahren sind, haben zu einem grossen Teil enttäuscht. Mich enttäuscht. Der heutige Abend hat vieles wieder gut gemacht. Alles ist friedlich, eine Familie.
◊◊◊
Ich sitze jetzt wieder unten in meiner Kabine. Hier wird von der Bedienung in den Gängen viel geputzt und gescheuert.
Die sogenannten Kabinen darf man sich nicht als Luxusräume vorstellen. Es sind Kabinen für je vier Personen mit je zwei übereinanderliegenden Betten. Und diese Betten sindvielleicht [sic!] 70 cm breit und 180 cm lang und bestehen aus einer Seegrasmatratze.
In unserer Kabine befindet sich ausserdem noch ein Waschbecken, aus dem das Wasser nur sehr zögernd und sparsam läuft. Die ganze Kabine ist vielleicht 2 ½  m im Quadrat |15| gross und hat zwei Bullaugen, durch die bei hoher See immer Wasser läuft, sodass unsere Kabine fast immer unter Wasser steht, und wir unsere Koffer auf die Betten pakken müssen.
Der grösste Teil der Leute ist noch draussen auf Deck. Keiner will heute, so scheint es, schlafen gehen. Trotzdem es schon 12 Uhr Nacht ist, und wir möglicherweise morgen früh schon um 3 Uhr aufstehen müssen.
Unsere Funksprüche sind von drüben noch nicht beantwortet worden. Heute ist Ostersonntag, daher vielleicht die Verzögerung.
Bei den Filmaufnahmen musste ich leider Ladehemmungen festste11en. Gerade während der Aufnahmen der tschechischen Mannschaft ging dieses Biest von Federwerk nicht weiter. Ich musste den Apparat öffnen. Mit meinem zweiten Apparat habe ich noch nicht gearbeitet. Er hat die 1,5 Optik und ist schwieriger zu bedienen.
Heute habe ich meine Quartierkarte bekommen. Ich wohne in Tel Aviv bei: Josef Sybel, Sch#chunat Haschchenim I.
Montag, d.28.März 1932.
4 Uhr morgens an Bord der S.S.Attikah.
Es ist 4 Uhr morgens. Sigi Hermann kommt aufgeregt in unsere Kabine gestürzt. Man Sieht die Lichter von Haifa.
Eine lange Kette von Lichtern.
Wir sind da.
Neben uns fährt ein Schiff. Ich kann nicht sehen, wie es heisst. Hinter uns kommt die „Carnaro“, mit der wir in funktelegrafischer Verbindung stehen.
Unsere Attikah hat die Maschine abgestellt.
6 Uhr morgens.
Die Sonne ist aufgegangen. Jaffa ist sicht |16| sichtbar. Eine Linie von Häusern. Rechts neben uns liegt ein riesiges Schiff, die „Patria“, ein französisches Schiff. Es bringt die Makkabim aus Frankreich, Belgien und Süddeutschland.
Die Amerikaner sind schon vor 14 Tagen eingetroffen.
Links neben uns liegt die Carnaro mit dem Makkabim aus Oseterreich.
Zwei weitere Schiffe kommen noch an. Wir liegen ungefähr 400 m vor der Küste auf dem offenen Meer. Die englische Behörde ist bereits an Bord. Die ersten Passagiere von uns werden ausgebootet. Unser Schiff wird vor allen anderen zuerst abgefertigt.
Die Menschen hier sind schrecklich aufgeregt. Ein schreien und Rufen in allen Sprachen. Bloch leitet die Ausbootung. Schrille Pfiffe.
Hier auf dem Vorderdeck stehen die Deutschen und Tschechen. Das Gepäck steht hinter ihnen. Die Araber, die uns ausbooten, ### kommen an Bord. Sie tragen einen hohen Fez Fez Fez ist eine arabisch-türkische Kopfbedeckung.  auf dem Kopf und schreien lauter als sämtliche fünfhundert Passagiere zusammen.
◊◊◊
Es ist 7nUhr [sic]. Die Ausbootung dauert noch an. Eben fährt hier ein Segelboot palästinensischer Makkabim vorbei. Hedad-Rufe Hedad-Rufe Hedad (Hebräisch) ist ein Jubelruf. von beiden Seiten.
Es wird gesungen.
Die deutsche Mannschaft kommt jetzt zur Abfertigung der Pässe.
Jedes Boot, das mit Passagieren abfährt, wird mit Hedad-Rufen begleitet. Und mit Neid, dass sie schon früher das Land betreten dürfen.
◊◊◊
|17| Es ist 8 Uhr. Die „Dazia“ trifft ein. Ein schönes weisses Schiff mit zwei Schornsteinen. Es bringt die Polen.
Ein weiteres Schiff, es fährt an uns vorbei. Die „Dalmatia“. Trompetensignale hört man drüben vom Deck. Jugoslaven kommen mit dem Schiff.
Unsere Ausbootung geht sehr langsam vorwärts. Unser Schiff hat gedreht, und wir liegen jetzt genau längs zur Küste. Wunderschön der Anblick dieser vielen Schiffe, die alle Makkabim bringen.
Jetzt wird das Gepäck verfrachtet.
Wolffermann Wolffermann Evtl. Leo Wolfermann oder Gustav Wolfermann vom Bar Kochba Berlin. hat die Brotverteilung bekommen, denn heute morgen gab es kein Frühstück. Vier weisse Makkabisegelboote in buntem Flaggenschmuck fahren um die zwei Dampfer herum und begrüssen uns mir grösster Freude.
{Tel Aviv}
Montag, d.28.März 1932.
Abends 7 Uhr, Hotel Allenby.
Ich trage schnell in Kürze nach, was ich erlebt. Es ist zuviel, deshalb nur stichwortartig.
Die Ausbootung dauert Stunden und Stunden. Ich komme erst um ½ 3 Uhr nachmittag vom Schiff.
Einbootung in den Kahn. Jaffa kommt näher.
Die Stadt.
Man erkennt die Häuser.
Ich filme, wie wir langsam näherkommen.
Eine schönes Bild. Die Häuser in der Sonne. Zur Spitze ansteigend. Es sieht aus wie ein Märchen. Die Farben, das Wasser, die Luft, die Sonne.
|18| Es sieht aus wie eine Theaterkulisse. Ein herrliches Bild.
Ein Blick, wie ich noch nie gesehen habe. Wir kommen näher und näher. Das Hafengebäude ein moderner Bau.
In unserem Kahn die arabischen Ruderer mit ihren roten Fezen.
Der Anblick der Stadt gleicht einem Traum. Man will es kaum glauben.
Ich sitze ganz vorn am Kiel des Ruderboottes. Ich drehe mich der Stadt zu und sehe dieses malerische Bild in seiner ganzen überwältigenden Schönheit.
Ich erinner mich nicht, jemals etwas Schöneres gesehen zu haben. #Es übersteigt sogar das Erlebnis von Venedig vor Jahren.
Im Hafen wurde ich aufgehalten. Man wollte mich mit dem film nicht herauslassen. Lange Verhandlungen. Ich soll ihn verzollen. Ich versuche verständlich zu machen, dass es nur ein Amateurfilm ist. Es hilft nichts. Ich sehe einen palästinensischen Makkabimann und gehe zu ihm. Er fragt mich: „Bist du nicht Simmenauer?“
Es war Nadaf Nadaf Uri Nadaf war der Präsident des palästinensischen Makkabi. . Und es gelingt ihm, den Film für mich freizubekommen.
Während der langwierigen Verhandlungen war mir meine Gruppe abhanden gekommen.
In der Abfertigung ein wildes Durcheinander. Man findet sich kaum zurecht vor den vielen neuen Dingen, die man sieht. Jetzt muss ich {ich}mein Gepäck aus den vielen Gepäckstücken heraussuchen. Ich finde es nicht. Man will es nachschicken. Ich fahre mit dem Autobus. Ein jüdischer Schaffner, ein jüdischer Chauffeur, jüdische Gepäckträger, jüdische Polizisten.
|19| Wir fahren durch Jaffa nach Tel Aviv zur Abfertigung. Jaffa, die Strassen am Hafen schlecht. Die Läden auf der Strasse. Araber sitzen rauchend auf der Strasse, türkische Pfeife. Alte Araber. Orient. Schuster, Frieseure, Obstgeschäfte. Die Gassen sehr eng. Ein Autobus kann gerade durchschwenken, die Passanten müssen platt an den Häusern stehen.
Allmählich werden die Häuser höher, sauberer, moderner, schöner. Wir kommen nach Tel Aviv. Nur hebräische Inschriften an den Läden. Unser Autobus flitzt mit bewundernswerter Fixigkeit durch die Strassen. Es ist kaum zu glauben.
Wir sind an der Abfertigungsstelle. Ich suche meine Gruppe, ohne sie zu finden.
Da ruft jemand: „Felix!“
Es ist Ernst Lewin Ernst Lewin Ernst Lewin war im Bar Kochba Hazair in Berlin aktiv. . Grosse Freude! Er wusste nicht, dass ich nun doch noch komme.
Wir suchen mein Gepäck. Nur mein kleiner Handkoffer ist zu finden. Ernst ist schon einige Wochen im Land mit seiner Schwester und deren Freundin, die er mir vorstellt.
Wir fahren mit einer Droschke zu meinem Quartier. Unser Kutscher weiss nicht, wo die Strasse ist, in der ich mein Quartier haben soll. Sie liegt weit draussen, in der Nähe des Stadions. Endlich sind wir dort. Ich bin hungrig und saumüde und freue mich, mich für einige Stunden hinzulegen.
Wir treten ins Haus. Es gehört einem Schuster. Er spricht Hebräisch und sagt Ernst Lewin, er hätte leider kein Quartier mehr frei, es wäre alles besetzt, und er hätte dieses dem Makkabi-Präsidium in Tel-Aviv mitgeteilt.
Also zurück. Trotz Müdigkeit. So schnell wie möglich ein Hotel suchen, ehe alles |20| besetzt ist. Hunderte von Menschen strömen auf die Strassen, 3000 Leute sind allein heute aus Europa in Tel Aviv eingetroffen. Eine phantastische Zahl für Tel Aviv. Dazu kommen die vielen Leute aus dem Lande und aus den benachbarten Ländern, aus Aegypten und Syrien. Ich finde ein Zimmer. Es ist dort, wo Ernst Lewin wohnt, im Allenbyhotel. Im gleichen Hause ist das Makkabi-Büro.
Ich treffe Markiewicz aus Warschau, den Filmmann. Er ist heute erst eingetroffen. Er bleibt noch länger zur Levante-Messe.
Ernst war inzwischen mit mir Mittagessen. Es hat grossartig geschmeckt. Besonders nach dieser Hungerkur auf dem Schiff. Die Leute kochen hier sehr schmackhaft.
Ich weiss nicht, ist man hier in einem Jum Jum Taumel ? Alles ist herrlich, alles ist wunderlich. Halb glaubt man zu träumen. Ich versuche immer einen kritischen Blick zu behalten. Aber wenn wirklich etwas schlecht scheint, dann ist es trotzdem eine Freude. Eine Freude, dass dieses noch gebessert werden kann.
Tel Aviv macht, wenn man es ganz streng festlegen will, den Eindruck eines grösseren Seebades. Ein Seebad mit Menschen, die sich freuen, an der See zu sein, die nicht in hochstöckigen Häusern wohnen, keine Elektrischen kennen, keine Asphaltstrassen.
Es ist etwas dörflich und doch wiederum städtisch. In den Läden sieht man viel Kitsch. Es sind Ramschläden. ### wie teilweise in der Grenadierstrasse. Aber dort ist alles miess und hier ist alles schön. Warum? Ich weiss es nicht. Weil es hier Menschen gibt, die sehen was schlecht ist, und die dieses über kurz oder lang ändern werden.
Einen einheitlichen Stil sieht man hier weder in den Häusern noch in den Strassen. Weder die Läden noch die Schrift. Weder die Kleidung noch die Menschen.
|21| Es ist ja nicht verwunderlich. Es kamen ja die Juden aus allen Ländern, und jeder brachte etwas aus seiner Heimat mit.
Dort, wo wir Mittag assen, bestand die Einrichtung aus zusammengewürfelten Gegenständen. Eine eichene Flurgarderobe mit Messinghaken, wahrscheinlich aus Galizien mitgenommen, Stühle waren neu gekauft. Scheinbar aus Wien.  Thonet-Möbel. Die Gardinen hatten einmal an anderen Fenstern gehangen. Sie waren mitgenommen.
Viele Bekannte trifft man hier. Den jungen Spiegel Spiegel Evtl. Mara Spiegel. Er spielte in der Dokumentation „Der Makkabi“ aus dem Jahr 1929 mit, die unter Mitarbeit von Felix Simmenauer entstand. aus der Levetzowstrasse. Er ist jetzt drüben. Werner Bloch stellte mich ihm vor. Ich erkannte ihn. Ich gab ihm die Hand. Ich fragte, ob er sich noch meiner erinnerte. „Ja“. Er ging damals auf Landarbeit, als ich Tischler wurde.
◊◊◊
Es ist jetzt 8 Uhr abends. Ich sitze im Hotel auf meinem Zimmer. Ein kleiner sauberer Raum mit einem weissen Metallbett, mit einem schmalen Schrank, einem Waschbecken, weissen Tisch und Stuhl.
Um ½ 10 Uhr findet der offizielle Empfang statt. Ernst Lewin holt mich gleich ab. Meinen Besuch im offiziellen Makkabiah-Büro habe ich schon gemacht. Dort begrüsste ich Jeketuele Jeketuele Yosef Yekutieli (1897–1982) war Zionist, Mitglied im Makkabi-Weltverband und Begründer der Makkabiah sowie der palästinensischen Fußballorganisation (nach der Staatsgründung: Israelische Fußballorganisation). .[ Der Aermste sieht verschwitzt und abgearbeitet aus. Aluf spreche ich; Dr. Rosenfeld Dr. Rosenfeld Dr. Alexander Rosenfeld war in der Führungsebene der Makkabi-Weltunion aktiv. ist aus Amerika da.
Ich sitze am offenen Fenster. Es ist draussen vollkommen dunkel. Die Häser und die Läden sind erleuchtet. Es gehen draussen Musikkapellen durch die Stadt. Es ist ein riesiger Jubel, genau wie damals in Amsterdam auf der Olympiade Amsterdam auf der Olympiade Die Olympiade in Amsterdam wurde im Jahr 1928 ausgetragen. .
Morgen früh um ½ 9 Uhr beginnen draussen auf dem Platz die Vorkämpfe. Um ½ 1 Uhr mittags Sammeln zum Aufmarsch durch die Stadt. Um ½ 3 Uhr Vorkämpfe für die Staffeln.
|22| Wie ich morgen kämpfen werde ist mir noch reichlich schleierhaft. Ich bin müde wie ein Hund.
Dienstag, d.29.März 1932.
Mittags ½ 1 Uhr Hotel Allenby.
Ich trage kurz nach. Gestern feierlicher Empfang im Beth Am. Es sprachen: Dizengoff Dizengoff Meir Dizengoff (1861–1936) war der erste Bürgermeister von Tel Aviv. , der Bürgermeister der Stadt Tel Aviv, Miss Szold Miss Szold Henrietta Szold (1860–1945) war eine zionistische Aktivistin, Autorin und Erzieherin. Sie war die Gründerin der Hadassah, einer amerikanisch-zionistischen Frauenorganisation. 1920 übernahm Szold die Führung der American Zionist Medical Unit in Palästina, die sich für die medizinische Versorgung der Bevölkerung einsetzte. , Nadaf, der Präsident des palästinensischen Makkabi und Dr. Lelewer.
Ein riesiges Haus, teilweise überdacht, der neu hinzugebaute Teil offen. Eine grosse Bühne. Die Seitenwände kulissenartig bemalt. Die Versammlung übervoll
Nach den Begrüssungensreden traten auf: das Arbeitertheater Ohel Ohel Ohel (Hebräisch) bedeutet Zelt. Das Arbeitertheater wurde 1925 in Tel Aviv gegründet. , die Habimah Habimah Habimah (Hebräisch) bedeutet „Die Bühne“. 1912 wurde das Habimah-Theater von Nachum Zemach in Białystok gegründet, musste aber kurz darauf wieder schließen. Er eröffnete es einige Jahre später in Moskau erneut. 1928 ließ sich ein Teil der Habimah-Truppe in Palästina nieder, sodass sich auch das Theater nach Palästina verlagerte. 1958 wurde es in „Nationaltheater Habimah“ umbenannt. , dann das satirische Kabarett. Es war inzwischen 1 Uhr nachts geworden. Ich war schon einigemal vor Müdigkeit eingeschlafen und hatte mich durch eine Selter frisch gemacht.
Ich ging dann kurz nach 1 Uhr mit Ernst Lewin nach Hause.
Der feierliche Empfang konnte kein Ende finden. Es trat dann später noch auf: das Sinfonieorchester mit Samson und Dalila Samson und Dalila Samson und Dalila ist eine Oper von Camille Saint-Saëns, die zwischen 1868 und 1877 entstand und inhaltlich auf dem Buch der Richter basiert. .
Heute früh um ½ 7 Uhr aufstehen. Um ½ 9 Uhr sind die Vorkämpfe draussen im Stadion.
Eine neue Strasse ist dorthin. Der Platz ist sehr schön. Am Meere. Zwar nicht so grossartig und nicht mit vielen Mitteln gebaut, aber ausreichend.
Abi Goldstein, mit dem ich in Berlin im vorigen Sommer Aufteilung grosser Wohnunggen vornehmen wollte, hatte den Bau des Stadions geleitet.
|23| Die Holztribüne zum Teil überdacht. Die Bahn ist verhältnismässig gut, hart, doch die oberste Schicht leider etwas weich, sandig. Es ist lose aufgeschüttete Asche, die keine Bindung mit der Unterlage hat.
Alles geht noch etwas durcheinand#r, aber es kommt so langsam Uebersicht hinein.
Es sind jetzt die Vorläufe der 100 Meter. Ich bin im dritten Vorlauf. Georg Kurz hat seinen gewonnen vor Deutscher /Wien) und Laser Dünner Laser Dünner Laser Dünner war Athlet im Bar Kochba Berlin. . {Deutschland}
Gerber war im zweiten Vorlauf und gewann ihn vor Klein Klein Klein war Athlet im Sportverein SC Hakoah Wien. (Oesterreich). Ich bin im dritten Vorlauf. Habe einen sehr schlechten Start. Das ganze Feld liegt vor mir. Ich arbeite mich heran. Liege jedoch bei 80 m noch aussichtslos hinten.
Ich weiss, es geht ums Ganze und hole auf den letzten Meter alle, bis auf den Griechen recht ganz aussen. Bin Zweiter und komme somit in den Zwischenlauf, der heute nicht stattfindet. Die ersten Drei eines jeden Vorlaufes kommen in die Zwischenläufe.
Gewinnchancen habe ich selbstverständlich keine, aber ich habe den Ehrgeiz, sportlich so gut wie möglich aufzutreten.
Heute nachmittag sind die Vorläufer für 4 x 100 Länderstaffel, in der ich für Deutschland als Schlussmann starte. Es wäre schön, wenn wir diese Staffel gewinnen würden und damit Makkabi-Meister werden.
Gleich beginnt  # der Festmarsch durch die Stadt. Ich will filmen. Eine anstrengende Angelegenheit und dann gleich danach die Staffel. Doch es hilft nichts.
|24| Dienstag, d.29.März 1932.
Abends ½ 9 Uhr, Tel Aviv,
Hotel Allenby.
|24| Dienstag, d.29.März 1932. Abends ½ 9 Uhr, Tel Aviv, Hotel Allenby.
Der Festmarsch und die feierliche Eröffnung der Makkabiah ist vorüber. Ich habe viel gefilmt. Hoffentlich ist alles oder wenigstens ein grosser Teil geworden. Der Apparat mit der Optik 3,5 stockt dauernd und dreht nach 11 Metern überhaupt nicht mehr weiter. Das Kann einen nervös machen.
Der Festzug und die Eröffnung verlief im Grossen und Ganzen nach dem vorher ausgearbeiteten zeremoniell, an dem ich zu einem grossen Teil mitgearbeitet hatte.
(Eine Blamage: die Fahne des Weltverbandes, die feierlich enthüllt werden sollte, ist verloren gegangen und war nicht aufzufinden).
Um 1 Uhr versammelten sich alle Teilnehmer im grossen Hof des Herzl Gymnasiums und marschierten in bestimmer Ordnung die Hauptstrassen entlang, und zwar zuerst:
Eine Gruppe von palästinensischen Motorradfahrern in der offiziellen Kleidung.
Dann eine Gruppe von Radfahrern in der offiziellen Kleidung.
Weiterhin zwölf Reiter auf ausgewählten Pferden. Die Reiter halten in ihren Händen die zwölf Fahnen der Stämme.
Danach die Nationalfahne von sechs palästinensichen Makkabim in der offiziellen Kleidung getragen.
Weiter die Mitgleider des Weltpräsidiums in der offiziellen Kleidung.
Dann die Makkabim-Landesverbände nach dem hebräischen Alphabeth geordnet. Jeder Landesverband trägt eine Tafel mit dem Namen des Herkunftlandes, die Fahne des Landkreises. An der Spitze marschiert die Kreisleitung.
|25| Die englische Landsmannschaft in ganz weissernKleidung [sic!], die tschechische Landsmannschaft mit blauem Jackett, Baskenmütze und modefarbigen Hosen, die Bulgaren mit grosser Schrirmmütze, die deutsche Landsmannschaft in weissen Hosen, in blauen Jacketts und weisser Mütze.
Jeder Teilnehmer trägt aus seiner offiziellen Kleidung das Teilnehmerabzeichen, dessen unterer Teil das Zeichen der Makkabiah trägt und darüber die Farben des betreffenden Herkunftlandes.
Es folgen Musikkapellen und der palästinensische Makkabi inriesiger [sic] Zahl mit Reitergruppen und Wagen.
Zum schluss die palästinensischen Jugendorganisationen, Pfadfindergruppen aus Aegypten, der Trumpeldor Trumpeldor Trumpeldor war ein zionistischer Verein. mit Motorradfahrer, Reitergruppen und Schulkinder.
Der Marsch geht vom Herzl-Gymnasium durch die Allenby-Strasse an der Oper vorbei hinaus zum Stadion und biegt kurz vorher zum Meere ab. Ich laufe dem Zug voraus und filme von den Dünen.
Ein herrlicher Anblick der Zug #{a}am Meere.
◊◊◊
Das Stadion ist knackend voll. Ich schätze 30- bis 40 000 Menschen. Der Zug formiert sich auf dem Platz. Die Teilnehmer ordnen sich auf dem grossen Oval. Die Fahnenträger mit ihren Fahnen  ### stehen vor den Fronten. Die Musikkapellen stehen an den Rändern des Platzes.
Das Präsidium des Weltverbandes trifft ein und nimmt auf der Ehrentribüne Platz. Der Bürgermeister der Stadt Tel Aviv trifft ein und Dizengoff wird von zwei Adjutanten zur Ehrentribüne geleitet.
Alle
|26| Alle Landsmannschaften stehen mit dem Gesicht nach der öffentlichen Tribüne und drei Marinescouts in der offiziellen Kleidung haben die Fahne der Makkabiah und die Nationalfahne in den Händen und erwarten das Zeichen zum Aufziehen der Fahne.
Es beginnt jetzt die feierliche Eröffnung der Makkabiah. Das Präsidium tritt aus seiner Ehrenloge, und ein Trompeter gibt ein Signal.
Ich bin zur Zeit auf dem Dach der Tribüne und filme von hier oben. Die Eröffnungsworte sind von hier oben nicht zu verstehen.
Die Fahnenträger sind zu einem Halbkreis zusammengetreten und nach dem offiziellen Zeremoniell tritt jetzt ein palästinensischer Makkabimann vor und legt für alle Makkabim und Makkabioth den Makkabischwur ab. Seine Worte sind: „Makkabim und Makkabioth auf der ganzen Welt haben die erste Makkabiah mit Hingebung und Eifer vorbereitet. Jetzt haben sie sich auf diesem Kampfplatz aufgestellt. Sie schwören bei unserer Fahne, auf den Makkbispielen ehrlich und treu zu kämpfen, wie es sich für jüdische Sportsleute, die den Namen Makkabi tragen, geziemt“.
Jetzt verkündet der Präsident des Makkabi-Weltverbandes: „Ich habe die Ehre, die Eröffnung der ersten Makkabiah anzukündigen.“
Trompeter blasen, die Scouts hissen die # Fahne, Trommelwirbel. Ein Taubenschlag wird geöffnet, und die Tauben fliegen mit einem Schildchen mit der Inschrift: „ Die erste Makkabiah 5693 Die erste Makkabiah 5693 Die Jahreszählung im jüdischen Kalender beginnt mit dem Schöpfungsjahr 3761 (vor der Zeitrechnung). Das jüdische Jahr 5693 entspricht dem Jahr 1932 im gregorianischen Kalender. ist eröffnet“ nhinaus [sic!]. Die Musikkapellen spielen, die Fahnenträger gehen wieder zurück zu ihren Landsmannschaften, und es beginnt jetzt der Vorbeimarsch aller Landmannschaften mit den geöffneten Fahnen vor dem Präsidium des Weltverbandes und den Tribünen. Der Zug gibt ein grandioses Bild und mit grosser |27| Begeisterung ist das Publikum bei diesem Schauspiel.
Nachdem ich zum Anfang die grössten Schwierigkeiten hatte, bis ich die Erlaubnis bekam, auf das Dach der Tribüne zu klettern um zu filmen, gelingt es mir jetzt nicht, wieder herunterzukommen, da man niemanden mehr auf die Tribüne lässt. Man hat bereits zweimal zur 4 x 100 m Staffel aufgerufen und nur mit boxerischen Stössen gelingt es mir, in den Innenraum zu kommen.
◊◊◊
Victoria! Wir haben gewonnen, sind Meister in der 4 x 100 Meterstaffel vor Amerika.
Laser Dünner# startete als Ersatzmann und liess sich nur wenig von seinen Gegnern abnehmen. Dann lief Georg Kurz sehr gut und holte auf. Er wechselte mit Gerber schon an der Spitze. Gerber holte noch ca. 3 m heraus, sodass ich bereits mit einem Vorsprung vor den Amerikanern den Stab bekam und diesen Vorsprung noch vergrössern konnte. Als Schlussmann der Amerikaner lief Heimann Heimann Heimann oder auch Heymann war amerikanischer Athlet im Makkabi (USA). , der spätere Sieger in den 100 Metern.
Das erste Ziel wäre also erreicht: meister der 1. Makkabiah und die 1. Goldene Plakette. Das zweite Ziel ist: einen guten Makkabiah-Film zu schaffen.
Dienstag, d.29.Mäz 1932,
Abends ½ 12 Uhr, Hotel Allenby.
Ich komme soeben vom Café Hungaria, in dem die deutsche Mannschaft zusammen war. Viel Palästinenser waren dort, übervoll.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier in Palästina so bekannt wäre. SovielmMenschen [sic!] kennen mich hier und wollen mich sprechen. Ordover, Dr. Simon Dr. Simon Dr. Ernst Simon (1899–1988) war ein in Deutschland geborener israelischer Pädagoge und Religionsphilosoph. Als deutscher Patriot meldete er sich freiwillig als Soldat zum Ersten Weltkrieg. Nach antisemitischen Erfahrungen in der Armee wandte er sich dem Zionismus zu. Als Student war er in der zionistisch-jüdischen Studentenbewegung und im Sportbund jüdischer Studenten aktiv. 1928 emigrierte er mit seiner Familie nach Palästina und lehrte an der Hebräischen Universität Jerusalem. , Fischer, Ingenieur Röhr etc.
|28| Ein Herr kam auf mich zu und begrüsste mich herzlich. Ich wusste nicht, wo ihn hintun. Es ist Helmuth Zerkowski, der mit der Schwester von Sandhaus verheiratet ist und hier schon 6 1/1 Jahre wohnt. Er kennt mich aus der kurzen Zeit meiner Angehörigkeit im J.J.W.B. J.J.W.B. Der Jung-Jüdische Wanderbund war ein deutsch-jüdischer Jugendverband, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet hatte. Ende der 1920er / Anfang 1930 wurde der Wanderbund in Brit Haolim (Bund der Aufsteigenden) umbenannt. 1933 fusionierte Brit Haolim mit Kadima (Vorwärts) zum Verband Habonim Noar Haluzi (Bauleute). .
Helmuth Zerkowski stellte mir eine Reise für die zwei Tage, die ihn noch nach der Makkabiah im Land bin, zusammen. Er und seine Frau sind reizende Leute, die sich  dauernd um mich bemühen.
Da ich geschäftlich {beruflich}nach Berlin zurückmuss, kann ich die Rundreisen durch Palästina nicht mitmachen und muss in den zwei Tagen sehen, was ich hier besichtigen kann. Da von Palästina zu dem bestimmten Termin kein Schiff abfährt, muss ich einen Dampfer von Aegypten benutzen.
Ich werde morgen früh ins Stadion fahren und im 100 m Zwischenlauf und eventuell im Hochsprung starten. Dann sofort zurück und gegen 11 Uhr vormittags nach Jerusalem. Dort bleibe ich nachts und fahre übermorgen Vormittag nach Tel Aviv zurück, um 2 Uhr zum feierlichen Schlussakt wiederum auf der Makkabiah zu sein.
Zerkowski klingelt noch morgen früh Bekannte in Jerusalem an, die mich durch Jerusalem führen sollen. Ausserdem will er mir Nachtquartier besorgen.
Am Donnerstag bleibe ich dann vom Nachmittag bis zum Schluss der Makkabiah in Tel Aviv, um am Freitag sehr früh mit dem Auto nach Haifa, Tiberias, Rutenberg Rutenberg Das Kraftwerk Rutenberg ist ein Kohlekraftwerk in Israel. Es liegt nahe der Stadt Aschkelon an der Mittelmeerküste. Benannt ist es nach Pinchas Ruthenberg, Zionist und Wasserbauingenieur, der in Palästina maßgeblich an der Planung der Elektrifizierung von jüdischen Siedlungen und dem Bau von Kraftwerken beteiligt war. zu fahren.
|29| Mittwoch, d.30.März 1932.
Abends 10 Uhr Jerusalem bei Dr. Ernst Simon.
Heute vormittag auf dem Platz. Wiederum Victoria! Habe meinen 100 m Zwischenlauf gewonnen und komme somit in den Endlauf.
Kurz ist merkwürdigerweise nur Dritter geworden. {und scheidet aus}. Nur die ersten beiden kommen in den Endlauf. Gerber wurde in seinem Lauf auch Dritter, kam jedoch nach Protest, da der Start eines Palästinensers nicht einwandfrei gewesen sein soll, in die Entscheidung. Ausserdem sind in der Entscheidung der Amerika Heimann, die Oesterreicher Deutscher und Klein und der Palästinenser, der in meinem Lauf Zweiter wurde.
Im Hochsprung verzichtete ich auf die weitere Teilnahme, da ich doch ohne Chancen und auf jeden Fall nach Palästina ¦Jerusalem¦ fahren wollte.
Heute komme ich hier nach einer schönen Autobusfahrt an. Hier in Jerusalem ist es schrecklich kalt und viel gehen mit Pelzmänteln. Ein kolossaler Klimawechsel zwischen den beiden Städten Tel Aviv und Jerusalem. In diesem Jahre hat es übrigens hier in Jerusalem geschneit.
Ich wohne bei Dr. Simon, mit dem ich sehr nett noch eine Stunde zusammen plaudere. Ich habe ihn noch nie so gesprächig gesehen, wie heute Abend.
Sonnabend, den 2.April 1932.
Haifa, Hotel Braunstein.
Durch die Müdigkeit und Zeitmangel komme ich erst heute ~~###~~zur weiteren Eintragung, hole daher kurz nach:
|30| Donnerstag, d.31. März 1932.
Jerusalem.
Früh um 7 Uhr mit Ernst Simon in seinem  Gymnastiksaal gefrühstückt. Ueber die Wohnung werde ich auf dem Schiff schreiben, wo ich mehr Zeit habe.
Dann im Nathan-Strauss-Institut (Gesundheitsamt).
Dort ist Ernst Simon tätig. Er zeigte mir das Material für die Sport und Hygieneausstellung, die er in zwei Tagen eröffnet. Sehr interessantes Material, die Fotos sehr gut, ausgeschnitten auf Silberkarton mit Schattenverteilung, sehr wirkungsvoll ausgeführt.
Ging dann durch Alt-Jerusalem, Klagemauer, Via Dolorosa, Tempelplatz, Damaskustor, Jesusgrab. Diese Heiligtümer um Jesusgrab herum dicht behangen. Vorhänge mit Leuchtern, Silber, Schmuck, Stoffe, Stickereien. Bunt. Farbige Glaskugeln, wie ein Weihnachtsbaum. Jede Religion hat dort ihren Altar.
Jesus Grab wirkungsvoll. Man geht durch eine sehr niedrige Pforte und muss sich bücken, da man sonst nicht hindurchkommt. Der Raum sehr niedrig und sehr klein. Vielleicht 2 x2 ½. Das Grab mit einer hellen starken Marmorplatte, die gesprungen ist. Auch vor diesem Raum wiederum drei Altäre.
Es waren zwei Frauen in dem Raum, die wehklagend ihre Gebete sprachen. Kerzen brannten.
Zur Klagemauer geht der Weg durch einen jüüdischen Teil. Bettler, furchtbare Gestalten, Blinde, Verwachsene. Dem fehlte eine Hand, dem ein Fuss, Frauen mit furchtbaren Hautkrankheiten.
|31| Ein arabischer Junge führte mich in einen „jüdischen Tempel“. Das war ein Loch von ca. 3 Metern mit ganz niedriger Decke und vielleicht 25 Menschen darin. Frauen, Kinder. Ganz entsetzliche Gestalten. Ich trat mit Schalom ein. Man erwiderte Schalom und sofort streckten sich 20, 30 Hände entgegen.
Ein entsetzliches Elend.
Ueberhaupt macht dieses Jerusalem nicht den guten Eindruck wie Tel Aviv. Während in Tel Aviv fast alle Menschen schön aussehen und gut gewachsen sind, ist hier in Jerusalem vieles hässlich, teilweise abschreckend.
Ich fahre dann mit dem Auto herauf zur jüdischen Universität. Ein schöner Bau. Allerdings hatte ich mit das Gebäude grossartiger vorgestellt, aber schliesslich ist Jerusalem noch nicht Berlin.
Da mein Autobus sofort wieder herunterfuhr, hatte ich nicht viel Zeit oben. Ich vergass, den im  ### Freien angelegten „Hörsaal“ anzusehen. Amphitheatralisch. Ich vergass auch, zum toten Meer hinunterzusehen.
Dann das Gebäude des Keren Kajemeth Keren Kajemeth Keren Kajemeth ist der jüdische Nationalfonds. Gegründet wurde dieser im Jahr 1897. Bis zur Staatsgründung war der Fonds vor allem daran interessiert, Land in Eretz Israel (Palästina) zu erwerben. Seit der Staatsgründung engagiert sich der Fonds bei der Urbarmachung bzw. Kultivierung Israels. ein schöner, moderner Bau.
Mit Ernst Simon und noch einem Arzt, dessen Namen ich vergessen habe und dem Maler Blum Blum Ludwig Blum (1891–1974/1975) war ein aus Mähren stammender israelischer Kunstmaler und Zionist. fahre ich am Vormittag wieder nach Tel Aviv  zurück zum Schlusstag der Makkabiah.
Ich spreche mit Blum über Ansiedlungsmöglichkeiten und werde dieses Gesprächs später bei der Rückfahrt festhalten.
Zusammengefasst: Jerusalem eine interessante Stadt, doch ich würde lieber in Tel Aviv wohnen.
Der letzte Tag der Makkabiah war ganz grossartig. Ich habe viel gefilmt und hoffe, dass wenigstens einiges geworden ist. Die |32| {Die} Kontrolle auf dem Platz, der wiederum ausverkauft war, war derart stark, dass es schwierig war, auf seinen Platzbzu [sic!] kommen.
Idiotischerweisehielten [sic!] mich einige Kontrollen während der Massenfreiübungen fest trotz meines Filmausweises hinderte m man mich, vom Dach der Tribünen zu filmen. Ich hatte mich schrecklich herumgeschlagen, doch ohne Erfolg.
Von einem schlechten Standpunkt gelang es mir dann noch, etwas von den Massenfreiübungen zu erwischen. Die Vorführungen der Boyscouts konnte ich nicht filmen, da ich mich zur 4 x 100 Meterstaffel fertig machen musste.
Doch erst muss ich nachholen: Endlauf der 100 m. Schade, es war ein Protest wegen des Zwischenlaufes Fritz Gerber. Ich habe mich um diesen ganzen Protest nicht gekümmert, da ich diese Protesteleien stets für unsportlich halte.
Auf jeden Fall boykottieren die Oesterreicher und seltsamerweise auch die Palästinenser den 100 m  Endlauf. Eine merkwürdige Auffassung der Palästinenser zur Makkabiah, zu i h r e r Makkabiah.
So liefen nur der Amerikaner  Heimann, Fritz Gerber und ich.
Der Amerikaner war glatt überlegen und gewann sicher. Mit Fritz Gerber kämpfte ich. Er war schlechter als sonst. Er wurde mit Handbreite vor mir Zweiter, ich Dritter.
Wir liefen dann noch eine offene 4 x 100 Meterstaffel in der Besetzung wie am ersten Tage. Zu den übrigen Mannschaften kam eine Mannschaft der englischen Division. Diese Staffel war im Programm nicht vorgesehen, und wir hätten sie nicht laufen sollen, da wir übermüdet waren.
|33| Die Engländer waren sehr gut. Laser Dünner lief schlecht und verlor sehr viel. Georg Kurz war verletzt und holte nur sehr wenig auf. Als ich von Gerber den Stab bekam, waren die Engländer auf und davon. Ich kämpfte wild, kam auch etwas heran, aber der Abstand war zu gross.
Der High commisionave High commisionave richtigerweise: „High Commissioner“. Der Begriff „Hochkommissar“ bezeichnete während der Ära des britischen Weltreiches den leitenden Beamten, der mit der Regierung abhängiger Gebiete, wie etwa der Mandatsgebiete, betraut war. war auf dem Platz und überreichte der englischen Mannschaft den von ihm gestifteten Ehrenpreis.
¦H¦ervorragend waren auf dem Schlussfest die Vorführungen der Motorradfahrer.
Und beim Abmarsch sah ich bei den palästinensischen Reitergruppen ein  wunderschönes Mädchen zu Pferde. Ein blondes Mädchen, gebräunt die Haut und wunderschöne Augen.
Ich habe sie gefilmt, hoffentlich gut.
◊◊◊
Ich fasse kurz die weiteren Ereignisse zusammen:
Abmarsch durch die Stadt. Riesiger Verkehr. Nicht durchzukommen.
Abends  zum Abendbrot bei Zerkowski und zur Nacht.
Nächsten Morgen um 6 Uhr Abfahrt nach Haifa. Eigentlich wollte ich umsteigen und nach Tiberias, Rutenbergwerk. Im Zuge überfiel mich jedoch nach dieser ganzen # Hetze, den sportlichen Anstrengungen eine derartige Müdigkeit, dass ich in Haifa ausstieg und mich 4 Stunden am Strande ausschlief.
Eine nette Sache muss ich noch berichten. Ich ging gestern abend, es war Freitag abend, durch die Strassen und kaufte einige Gegenstände, die ich mit nach Deutschland nehmen will. Meine Schuhe hatte ich |354| in den letzten Tagen nicht geputzt, wollte sie auch nicht putzen, da ich es nicht für nötig hielt.
Hier wie überhaupt überall gibt es auf den Strassen Schuhputzer über Schuhputzer. Viele Juden.
Dauernd wird man angerufen und durch Gebärden zum Schuhputzen aufgefordert.
Ich winke i mer [sic!] ab, bis ein jüdischer Schuhputzer sehr eindringlich rief: „Schuhe putzen, heute abend ist Sabbath!“ Dem konnte man sich nicht verschliessen, am Sabbath musste man blanke Schuhe haben!“
Sonntag, d.3.April 1932.
Im Zuge Haifa–Kairo.
15 Stunden Bahnfahrt muss ich jetzt aushhalten, bis ich heute abend um ½ 11 Uhr in Kairo bin.
Es ist eigentlich eine verrückte Sache, diese lange Reise, um fünf Tage in Palästina zu sein. Aber diese fünf Tage waren herrlich.
Gestern war ich noch oben auf dem Karmel. Wunderschön die Landschaft. Ein herrlicher Blick auf Haifa, die Bucht, den Hafen.
Am Vormittag war ich am Strand. Poelleute Poelleute Mitglieder des sozialistisch-zionistischen Sportvereins Hapoel (dt. Der Arbeiter). fuhren mit einem Ruderboot zum Hafen. Dort wird ausgebaggert. Jüdische Taucher gingen ins Meer.
Ich filmte dort. Jetzt hat die Filmerei ein Ende. Den ersten Teil meines Films liess ich in Tel Aviv bei Zerkowskis. Sie schicken mir den Film per Post nach Berlin. Was ich in Haifa filmte, gab ich bei Dr. Better ab. Frau Zerkowski lässt in der |365| nächsten Woche den Film dort abholen und schickt ihn mir gleichfalls nach Berlin. Für die kleine süsse Rita, die Tochter # von Zerkowskis, packte ich eine Schachtel mit Bonbons bei.
Die kleine Rita ist ein niedliches hübsches Mädchen, sie spricht hebräisch und zuhause bei den Eltern deutsch.
Sie lachte mich aus, als ich einige brocken Hebräisch sprach.
Ich fahre jetzt hier an der Küste vorbei und wir werden bald in Tel Aviv und Jaffa sein. Ganz anders, nie so fruchtbar hätte ich mir Palästina vorgestellt. Uuberall wächst es, es ist gepflügt, wir  kommen an Wäldern vorbei, und ich glaubte, man würde fast nur wüstes Land sehen.
Haifa ist eine schöne Stadt, landschaftlich viel schöner als Tel Aviv, aber in Haifa wohnen Juden und Araber und in Tel Aviv nur Juden. Die Juden in Haifa wohnen obe n [sic!] auf dem Karmel, dort ist das Technikum, ein massiger Bau. Die Realschule.
Interessant das Leben auf der Strasse oben in Haifa.
Es ist zwar unangenehm zu sagen, aber die Araber dort unten stören, sie sind auch nicht wegzuwischen. Die Araberviertel im Hafen sind furchtbar.
 
Es ist 12 Uhr mittags. {Ich fahre jetzt ###, 15 Stunden durch die Wüste bis Kairo}. Wir fahren eben durch Rechoboth.
Rechoboth sieht schön aus. Die Pflanzungen schurgerade ausgerichtet. Mit Drahtzäunen eingefasst. Hinter den Pflanzungen an der Bahn stehen Häuser.
|376| In Ludd steigt ein Makkabimann aus Alexandria zu mir ein. Er bekam ein Telegramm von seinem Chef und muss nach Alexandria  zurück. So fahren wir zusammen. Ich werde jedoch abends in Kairo aussteigen, er bleibt nachts im Zug, der bis morgens um 3 Uhr in Kairo stehen bleibt und fährt dann weiter.
In unserem Zuge sitzenvorn [sic!] mehrere Makkabim aus Aegypten, die wieder nach Hause fahren. Ich werde nachher nach vorne gehen und mich mit ihnen bekannt machen.
½  2 Uhr.
Wir fahren  jetzt so langsam aus palästinensischem oder jüdischem Lande heraus.
Die Gegend wird langweiliger. Sand. Eben fahren wir durch ein Araberdorf. Lehmhütten, Lehmhäuser, Lehmstrassen.
Wir kommen durch eine grosse Arabersiedlung. Mitten im Wüstensand. Einige Grüne flächen, eingesäumt von hohen Kaktushekken. Kinder stehen an der Bahnstrecke. Mit ausgebreiteten Armen. Wie Jesuskinder. Sie betteln um Bakschisch Bakschisch Das Wort Backschisch stammt aus dem Persischen und steht für eine geringe Bargeldsumme wie z.B. Almosen. . Den ganzen Bahndamm entlang stehen Kinder. Doch keiner wirft ihnen Bakschisch heraus.
3 Uhr.
Besuchte vorn die ägyptischen Makkabim. Es sind Boxer und Fechter. Sie sangen hebräische Lieder.
Ging dann in den Speisewagen Mittag essen. Eine komische Angelegenheit. In diesem Wüstenzug ein Speisewagen.
Wir fuhren gerade durch einen Wald von Palmen, mitten in der Wüste. Genau wie in der Mark Brandenburg die Kiefernwälder, hier Palmenwälder.
|387|
Man kommt sich vor wie ein ägyptischer Prinz. Drei#schwarze und ein weisser Steward bedienen mich. Das Essen war grossartig.
Während des Essens fuhren wir durch 
al-ʿArīš
eng. Arish

Al-Arisch (Bevölkerungszahl 2023: 204.391) ist die Hauptstadt des Gouvernements Nordsinai im Nordosten von Ägypten. Sie liegt an der Mittelmeerküste, etwa 70 km vom Gazastreifen entfernt. Die Stadt geht auf eine Beduinensiedlung in der Nähe der Handelsstraße zwischen Alexandria und Jerusalem zurück. 1517-1906 gehörte sie, wie der gesamte Sinai, zum Osmanischen Reich. 1799-1802 war die Stadt im Zuge der Ägyptischen Expedition von den napoleonischen Truppen besetzt. Im Ersten Weltkrieg wurde die Festung in der Stadt zerstört. 1967-1979 war der Sinai und somit auch al-Arisch von Israel besetzt.

. Ein frappierender Anblick. Der Zug fährt langsam ein. An den Bahngleisen steht das ganze Dorf. Männer und Kinder. Die Kinder klatschen in die Hände. Ein grosser Applaus. Die Frauen stehen mit schwarzen Schleiertüchern an einem anderen Platz.
Dieseungewohnten farbigen Wirkungen nehmen einen immer wieder gefangen. Alles wirkt märchenhaft.
Unser Zug ist jetzt voll mit Arabern, die in El Arisch ausgestiegen sind.
¼ 6 Uhr abends.
Allmählich wird die Fahrt durch die Wüste unerträglich. Sämtliche Fenster sind jetzt trotz der Hitze geschlossen. In die Fenster kam nämlich der Wüstensand, der hier allles, Menschen, Bänke und Gepäck grau machte. Die Luft ist trocken und verbraucht, voller Staub und Sand.
Wir müssen bald in Kanthara, der Grenzstation sein.
12 Uhr nachts. Kairo, Hotel Blum.
Diese strenge Kontrolle in Kairo war geradezu mittelalterlich. Alles Gepäck musste ich öffnen. Alles wurde durchwühlt. Einem Araber neben mir, der eine grosse Holzschachtel mit Süssigkeiten hatte, stachm [sic!] man mit Messern durch die Holzschachtel.
|398| Meine Filmapparate wurden festgehalten. Lange Verhandlungen. Ich muss 4 ½ Pfund ägyptische Kaution zahlen, die mir in Alexandrien zurückerstattet werden sollen. Der Makkabimann aus Alexandria hilft mir bei den Verhandlungen. Vor dem Uuebergang zur Schiffsfähre leisteten sich die Grenzbeamten noch eine Leibesvisitation.
Wir fuhren dann mit der Fähre über den Suezkanal.
Wir fahren an dem Kanal entlang. Auf der einen Seite eine Reihe von erleuchteten grossen Schiffen, die nach Indien fahren. Auf der anderen Seite die Wüste Sahara.
Ich habe  mich den ägyptischen Makkabim angeschlossen, die sich selbst mit dem grössten Ulk die Zeit vertreiben.
Eine Station vor Kairo kommen ägyptische Makkabim in den Zug. Sie sind der Mannschaft entgegengefahren und begrüssen mit stürmischen Küssen und Umarmungen die siegreichen Sportler.
Auf dem Bahnhof in Kairo Menschen über Menschen. Wiederum Küsse, Blumen, Hedad-Rufe. Es ist nicht durchzukommen.
Montag, d.4.April 1932.
An Bord der S.S. Ausonia.
½ 5 Uhr Nachmittag an Bord der S.S. Ausonia.
Jetzt noch einige Tage, und ich bin wieder in Europa.
Teilweise leider, teilweise mit Freude.
Man wird so langsam unruhig.
Das Bett in Kairo im Hotel Central bei dem Herrn Blum war herzlich. Nach langer Zeit ein weiches Bett. Man musste hochsteigen, um hineinzugelangen.
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Der Herr Blum, der Wirt, ein Koloss von Gestalt, empfängt mich, als ich berichte, dass ich von der Makkabiah komme, sehr freundlich. Und als ich dann noch erzähle, dass ich eine goldene Plakette gewonnen hätte, ist er die Freundlichkeit selber.
Er wollte erst 25 Piaster Piaster Piaster ist eine Währungsuntereinheit in Ägypten. Es entspricht dem hundertsten Teil der entsprechenden Landeswährung. für die Nacht. Jetzt, „weil Sie ein guter Sportsmann sind“ nur 15 Piaster zum Frühstück.
Er weckt mich pünktlich ½ 6 Uhr morgens. Ich springe in die Sachen, hin um ¾ 6 unten, an der bestimmten Stelle der Strassenbahn, um zu den Pyramiden zu fahren. Ich muss mich beeilen, man fährt über eine Stunde zu den Pyramiden, und in drei Stunden geht mein Zug nach Alexandria.
Die Elektrische kommt und kommt nicht. Ich warte eine ¾ Stunde. Endlich. Ich habe sie mir kleiner vorgestellt. Mit massigen Gebäuden. Französisch. Mit grossen Plätzen. Weltstädtisch. So etwas fehlt Palästina. So hatte ich mir Jerusalem vorgestellt. Doch Jerusalem ist ein kleines Dorf gegenüber Kairo.
Die Elektrische ist ¾ 8 Uhr oben. Jetzt wäre es die höchste Eisenbahn, wieder zurückzufahren ins Hotel, doch herunterfahren ohne die Pyramiden gesehen zu haben?
Ich renne einen Weg hinauf. Araber hinter mir her. Sie wollen mich führen. Ich schüttle sie im Lauf ab. Komme oben an. Alles ist neblig. Die ganze Pyramide ist schwer zu erkennen. Ueber ¾ liegt sie im Nebel. Ich will wieder herunterlaufen zur Elektrischen. Araber stürzen sich wieder auf mich.
|410| Sprechen in allen Sprachen.
Ich laufe: „Keine Zeit.“
„Aber die Sphinx“ ruft ein Araber.
Richtig, ivh [sic!] habe sie nicht gesehen.
Ein Araber hängt sich an mich und plappert auf mich ein. Also gut, er möge mich führen.
Ich rufe dauernd: „Schnell, schnell keine Zeit“!
Und so galoppieren wir im Dauerlauf um die grosse Pyramide. Er zeigt mir eine zweite, auch im Nebel.
Dann die Sphinx. Sie liegt tiefer und nebelfrei. Die Pyramiden machten keinen Eindruck auf mich. Konnten es auch nicht, wegen des Nebels.
Aber die Sphinx wirkt doch eigentümlich. Unheimlich. Ein steinernes Gesicht. Riesig, starr.
Ich rase mit dem Araber herum und hetze ihn den Berg hinunter.
Er ruft immer: „Langsam“ Vorsicht!“
Ich rufe: „Schnell, keine Zeit!“
Er muss mich für einen Verrückten gehalten haben.
Jetzt kommt die Bezahlerei. Er will 10 Piaster! Ich sage 5. Wir einigen uns auf 8. Ich stürze zur Tram. Wir fahren ab. Der Weg endlos. Uebrigens durch eine herrliche Avenue mit protzigen Palästen. Riesige Villen, wunderbare Gärten.
Hier vielleicht wie nirgends sieht man diese Gegensätze zwischen Reich und Arm, Herrschen und Knechten. Diese Reichen |41| mögen sicherlich rücksichtslose Menschen sein. Aber diese armen Kulis Kulis Als Kuli wurden ungelernte Lohnarbeiter bezeichnet. sind bereits heute noch Menschen ohne Wert.
Es ist ½ 9 Uhr. Um diese Zeit musste man im Hotel sein, um zum Bahnhof zu fahren. Ich fürchte, icherreiche [sic!] den Zug nach Aleyandria Aleyandria Hier eigentlich Alexandria. [sic!] nicht mehr und damit nicht mein Schiff!
Ich springe von der Tram und nehme mir einn [sic!] Auto. Ein schrecklich langweiliger Kasten. Durch Gebärden versuche ich dem Türken klar zu machen, dass er schnell fahren soll, d doch er lässt sich nicht aus seiner Ruhe bringen. Mit der einen Hand fährt er, mit der anderen popelt er in der Nase!
Und ich sitze wie auf Kohlen.
Dann wieder die Handelei beim Bezahlen. Mein ägyptisches Geld reicht nicht. Ich gebe ihm, was ich habe, lasse ihn stehen und rase ins Hotel. Einen Schluck Kaffee. Mit einer zweispännigen Pferdedroschke zur Bahn.
Mr. Blum wollte mir dort mein Zuschlagbillet besorgen. Er bringt mich zu einer tschechischen Familie, die auch mit diesem Zuge nach Alexandria und mit der Ausonia fährt.
Es sind  sehr nette Leute aus Prag. Ihren Namen habe ich vergessen. Sie bieten mir zu essen an.
In Alexandria auf dem Bahnsteig hält mich jemand fest. Es ist der Makkabimann aus Alexandria, mit dem ich von Palästina zusammen gefahren bin. Er war an die Bahn gekommen und wird die Zollformalitäten usw. für mich erledigen.
Ich bekomme meine 4 ½ Pfund für die Filmapparate wieder. Wir fahren mit der Strassenbahn durch Alexandria. Eine grosse Stadt.
|42| Endlich kommen wir zum Hafen. Zoll, Pass, Quarantäne. Es geht verhältnismässig schnell zum Schiff. Ich verabschiede mich von dem Makkabimann.
Das Schiff ist ein fabelhafter Luxusdampfer. Ein Unterschied diese Ausonia und die Attikah.
Eine holzgetäfelte Halle, riesige Speiseräume. Ich habe vorläufig nur ein Billet 4. Klasse und will nachlösen. Frage, was 3.Klasse kostet. Durch ein Missverständnis komme ich in die zweite 2. Klasse und lasse mich hier schon häuslich nieder, da werde ich leider wieder herausgeholt: in die {4.} Klasse.
Eine Kabine zu vieren, doch um vieles schöner als die Kabinen auf diesem Dreckdampfer der Attikah.
Entsetzlicherweise führt unser Schiff als Ladung Zwiebeln mit, und es stinkt widerlich auf dem hinteren Deck, wenn der Wind diesen Zwiebelgeruch herüberweht.
Die netten Prager Leute fahren 2.Klasse und da hier die Klassen streng abgetrennt sind, so bekomme ich sie nicht mehr zu sehen.
Mittwoch, d.6.April 1932.
An Bord der S.S. Ausonia.
Ich möchte kurz noch einmal meine Eindrücke von Palästina zusammenfassen. Da ich nur fünf Tage im Land war, können diese Eindrücke nur ungefähre sein. Zuerst das Positive.
Erez Israel ist landschaftlich ein# herrliches Stück Land. Schöner als ich es mir je vorgestellt hatte. Schöner als Deutschland, schöner als Italien, schöner als Griechenland. Unvergesslich schön der Anblick von Jaffa, der Blick vom Karmel auf die Bucht von Haifa. Das Land sieht ungeheure fruchtbar aus. Ueberall G rün [sic!], Pflanzungen, Wälder.
|43| Weiterhin schön sind die Städte oder Dörfer, wie man sie nennen will. Tel Aviv, das jüdische Haifa. Jerusalem hat mir weniger gefallen.
In die Kolonien bin ich nicht gekommen. Ich habe sie nur von der Bahn aus gesehen. Aber auch diese machen einen sehr guten Eindruck.
¦Z¦wei Gespräche hatte ich im Land, die für die heutige Bevölkerung des jüdischen Palästina, das Richtige zu treffen scheinen.
¦I¦ch sprach in Jerusalem mit den Kunstmaler Blum, mit dem ich am dritten Tage der Makkabiah zusammen nach Tel Aviv fuhr. Blum malt hier und lebt von dem Verkauf seiner Bilder, von dem Verkauf auch in anderen Ländern. Blum ist aus Brünn.
Ich fragte ihn: „Wie weit besteht die Möglichkeit für mich persönlich, im Land zu bleiben und mich dort anzusiedeln?“
Wie fast alle Palästinenser hält er es für gut. Man versucht, soviel Juden wie möglich ansLand [sic!] zu fesseln. Und er sagte: „Menschen, die einmal in Palästina waren, kommen über kurz oder lang doch wieder und bleiben im Land.“
Er hatte einen tschechischen Grossindustriellen hier zu Besuch. Der Mann war von dem Land begeistert und machte vor seiner Rückreise mit Blum ab, dass er für ihn Boden kaufen soll.
Blum bemühte sich um entsprechendes Land und noch während seiner Tätigkeit erhielt er die Nachricht, dass der Mann inzwischen sehr starke finanzielle Verluste erlitten hätte. Der Mann teilte dann Blum mit, der möge von dem Landkauf absehen.
|44| Jetzt sagt Blum: „Die Juden, die noch etwas Geld haben, mögen sich hier Land kaufen. Sie können hier ruhig Leben, wenn sie Orangen pflanzen.“ Man liest in Palästina mit Entsetzen von den vielen jüdischen Selbstmorden, die sich gerade in der letzten Zeit anhäufen. Man kann das nicht verstehen.
Verbrecherisch empfindet man es, dass Zionisten Selbstmord verüben. Wieso kommen die Juden nicht nach Palästina?
Hier hat keiner etwas und doch besitzen alle. Keiner verhungert, alle leben, alle freuen sich.
Und mit diesem „Alle leben, alle freuen“ sich“, komme ich auf das zweite Gespräch, das ich mit der Familie Zerkowski hatte.
Herbert Zerkowski hat hier ein Geschäft medizinischer Apparate, und er beliefert alle Aerzte in Palästina, Juden und Araber.
„Alle leben, alle freuen sich“ mit Wechseln. Bezahlen kennt man nicht, man zahlt mit Wechseln. Sie werden bezahlt, sie werden prolongiert, man tauscht.
Nun könnte es eines schönen Tages krachen, doch dieses vermeidet man, indem man versucht, immer mehr Menschen nach Palästina zu bekommen.
Es kommen Juden aus Europa, aus Amerika, die Geld mitbringen, und die eine Deckung für die Wechsel bieten. Und daher gibt es noch keine Krise in Palästina. Die Neuen, die kommen, bringen neues Geld herein und bis dieses zu Ende ist, ist eine gewisse Zeit vergangen. Es kommen wieder Neue und es geht wieder weiter.
|45| So lange dieser Geldzustrom kommt, und so lange auch noch die Gelder des Keren Kajemeth ins Land gelangen, funktioniert alles.
Und diese Rechnung ist richtig, bis an einem Tag die Kolonien, a l l e Kolonien so ertragreich sind, dass sie das Land und die Städte ernähren.
Die Leute auf dem Land haben kein Geld, aber schliesslich wird es einmal so weit sein, dass alle Kolonien ohne Zuschüsse existieren können, und dass man dort anfängt, Geld zu verdienen, nachdem man ungeheure Gelder investiert hat.
Man wohnt in den Städten sehr primitiv. Tapeten in den Räumen kennt man nicht (Ungeziefer). Die Wände sind getüncht. Oelanstrich.
An Möbeln hat man fast keine. Man braucht auch keine, denn Geschirr hat man nur, was man braucht. Ein Buffet ist also überflüssig.
Auch keine grossen Schränke kennt man, denn Tischzeug gibt es nur das Notwendigste und Kleider trägt man nicht soviel {wie} in Europa.
Von Wohnungskunst kann man nicht sprechen. Auch die Wohnung von Dr. Simon ist verhältnismäßig primitiv bis auf den Gymnastikraum, der sehr gut eingerichtet ist.
Die Toilettenräume sind sehr primitiv. Bei Dr. Simon ist beispielsweise Küche und Bad ein Raum.
Ich schreibe dieses zur Erläuterung der palästinensischen Wohngepflogenheiten.
Man lebt primitiv und begnügt sich damit. Man lebt und freut sich und macht sich, wenn nötig, keine Sorgen.
|46| Herbert Zerkowski erzählt, bei ihm wohnt dauernd jemand. Beispiel: Abends kommt ein Bekannter aus Haifa, der setzt sich zum Abendbrot. Isst mit. Dann sagt er: „Ich bleibe bei Euch Nacht.“ Eine Selbstverständlichkeit, dass er dableibt. Ein Chaiselongue ist bereit.
Manchmal bringen sich Freunde auch eine Matratze mit und schlafen auf dem Boden.
Wenn einer keine Arbeit un d [sic!] nichts zu essen hat, so geht er zu irgendeinem Freunde und sagt: „Ich habe nichts zu essen, ichbleibe [sic!] ein paar Tage bei Dir“.
Und wenn aus den Tagen Wochen werden, so werden es eben Wochen.
Ein schwieriges Kapitel ist die Araberfrage. Ich weiss nicht, wie man sie lösen wird, aber man versucht es.
Vorläufig scheint man die Angelegenheit so zu regeln, dass man sich an Plätzen ansiedelt, wo keine Araber sind.
◊◊◊
Man propagiert stark. Zionisten kommt nach Palästina. Siedelt Euch hier an. Bringt Geld mit.
Wie schnell Palästina Erez Israel wird, ist eine Geldsache. Und da heisst es eben: Sammel, propagieren, sammeln.
Das Land ist so herrlich und der Traum eines eigenen jüdischen Landes so schön, dass das Geld beschafft werden muss.
◊◊◊
|47| Wir fahren jetzt durch das Adriatische Meer. Es ist 8 Uhr abends und sehr stürmisch. Alle Luken und Fenster sind geschlossen. Auf dem Promenadendeck kann man nicht spazieren gehen. Dort sprüht das Wasser herüber.
Morgen mittag sind wir in Venedig.
Ich möchte noch zusammenfassend über die Makkabiah berichten.
Es war ein grosses und grossartiges Fest und ich freue mich, dass auch ich zu einem Teil an dem Zustandekommen mitgearbeitet habe. Vom kampfsportlichen Standpunkt aus war die Makkabiah weniger bedeutungsvoll. Sie hatte ihren grossen Wert in der Demonstration, den Massenvorführungen, dem Aufmarsch.
Es war ein Massenfest nach Art der Turnfeste der Deutschen Turnerschaft.
Die Freiübungen klappten vorzüglich. Ich hätte das den Palästinensern nicht so gut zugetraut. Hervorragend die Vorführungen der Motorradfahrer.
Die gesamte Organisation war überaus exakt, und ich weiss nicht, ob wir in Deutschland ein jüdisches Sportfest so gut organisiert hätten.
Heute mittag legten wir in Brindisi an, und ich stürzte in den Hafen, um deutsche Zeitungen zu kaufen. In der B.Z. habe ich nichts von der Makkabiah gefunden. Dagegen auf der ersten Seite:
Hindenburg gegen Hitler.
Diese{s} ganze politische Jammer in Deutschland, von dem man lange Zeit nicht gesehe n [sic!] und gehört hat, ersteht wieder.
{„}Menschen, die einmal in Palästina waren, kommen über kurz oder lang doch wieder und bleiben im Land.{“}
Die Editionsrichtlinien finden Sie hier.

Kommentar

Der vorliegende Reisebericht des jüdischen Sportlers Felix Simmenauer Felix Simmenauer Felix Simmenauer (1903–1990), Architekt und Sprintläufer, Mitglied des „Bar Kochba Berlin“, engagierte sich für die erste Makkabiah in Tel Aviv. 1938 emigrierte er in die USA, kehrte später nach Deutschland zurück. , verfasst im Zeitraum von Mitte März bis Anfang April 1932, stellt ein bedeutsames Dokument dar, das tiefgehende Einblicke in die Erfahrungen seiner Teilnahme an der ersten Makkabiah in Palästina gewährt. Simmenauer, der 1990 verstarb, hinterlegte seine Erinnerungen als Pionier der Makkabiah in einem Buch, das den Titel „Die Goldmedaille“ trägt und 1989 erstmals veröffentlicht wurde. Dieses Buch erinnert an seinen Werdegang im national-jüdischen Sport, an persönlichen Erfahrungen und zwischenmenschlichen Begegnungen, die erste Liebe sowie ganz zentral die Reise und Anfänge der Makkabiah und den Enthusiasmus, an solch einem Ereignis teilnehmen zu dürfen. Der hier 47-seitige edierte Reisebericht wurde in seinem Buch bereits in gekürzter Form abgedruckt.
Diese erste Makkabiah, die zwischen dem 28. und 31. März 1932 in Tel Aviv stattfand, markierte den Beginn einer Sporttradition, die heute weltweit Anerkennung findet. Simmenauer, Läufer und Mitglied des „Bar Kochba Berlin“ – des ersten jüdischen Sportvereins im Deutschen Kaiserreich – beschreibt in der vorliegenden Quelle nicht nur die Herausforderungen und Eindrücke seiner Reise, sondern auch seine persönlichen und kulturellen Beobachtungen in einer Zeit des gesellschaftlichen und politischen Wandels.
Der „Bar Kochba Berlin“, gegründet am 22. Oktober 1898, war nach der antisemitischen Ausgrenzung aus der deutschen Turnerschaft, ein zentraler Ort für die sportliche Betätigung für Jüdinnen und Juden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Der Verein verfolgte das Ziel, nicht nur körperliche Fitness zu fördern, sondern auch die nationaljüdische Gesinnung zu stärken. Der Verein fungierte als Sammelbecken für [so Simmenauer] „assimilierte“ Westjuden und eingewanderte „Ostjuden“ „Ostjuden“ Diese Bezeichnung, die einst eine herabwürdigende Konnotation für osteuropäische Juden besaß, wird gegenwärtig nicht mehr genutzt. Wann immer es um jüdisches Leben in Osteuropa geht, sprechen wir von osteuropäischen Jüdinnen und Juden .1
 
Schon früh engagierte sich Simmenauer in der „Jung Irvia“, dem Nachwuchsverband des  „Kartell Jüdischer Verbindungen"
KJV
auch:
Kartell jüdischer Verbindungen
Das Kartell Jüdischer Verbindungen (KJV) kann als ein Korporationsverband jüdischer Studentenverbindungen im Deutschen Reich bezeichnet werden. 1914 erfolgte die Fusion des Kartells Zionistischer Verbindungen (KZV) mit dem Bund Jüdischer Corporationen (BJC), wodurch das Kartell Jüdischer Verbindungen (KJV) gegründet wurde.
 (K.J.V.)2. Dort kam er mit Schriften Theodor Herzls Theodor Herzls Theodor Herzl (1860–1904) war ein österreichisch-ungarisch-jüdischer Schriftsteller, Publizist und Journalist. Er gilt als Begründer des politischen Zionismus. in Kontakt und beschloss bereits in jungen Jahren, sein jüdisches Nationalgefühl mit dem Sport zu verbinden. Dies führte ihn über die „Jung Jüdische Schar“ in den Bar Kochba Berlin.3 Dort trat er nicht nur als aktives Mitglied in Erscheinung, er engagierte sich vor allem als Dokumentar von (zionistischen) Sportveranstaltungen. Diese Funktion begründet auch die detaillierte Dokumentation seiner Reise zur ersten Makkabiah. Auszüge dieser Reisedokumentation sind im Archiv des jüdischen Museums Berlin zu finden. Das Werbeplakat für seinen Film „Makkabiah 1932“ findet sich als Titelbild in diesem Kapitel wieder.
Die I. Makkabiah – Die Entstehung
Die erstmalige Ausrichtung der Makkabiah als internationalem Sportwettbewerb erfolgte im Jahre 1932 in Tel Aviv. Bereits im Sommer 1929 fand eine europäische Makkabiah in 
Mährisch Ostrau
ces. Moravská Ostrava, pol. Morawska Ostrawa, deu. Mährisch-Ostrau, deu. Deutsch Ostrau, ces. Německá Ostrava

Mährisch Ostrau ist heute ein Stadtteil von Ostrava. Der Ort wurde 1269 als Städtchen ersterwähnt, und bildet heute den Stadtkern von Ostrava. Während der deutschen Besatzung wurden 1941 Schlesisch Ostrau und weitere Orte eingemeindet. 1947 wurde die Stadt, die nun in zwei historischen Regionen lag, in Ostrava umbenannt. Die historische Zugehörigkeit spiegelt sich im Namen des Mährisch-Schlesischen Bezirks wider, in dem Ostrava heute liegt.

 statt. Simmenauer hielt die europäische Sportveranstaltung filmisch fest, die in seinem Filmprojekt „Makkabäer – ein Film jüdischer Sportjugend“ die Schlusssequenz bildet. In Ostrava siegte Simmenauer zudem im 100-Meter-Lauf.4 Der Sportorganisator und Sportler Joseph Yekutieli Joseph Yekutieli Yosef Yekutieli (1897–1982) war Zionist, Mitglied im Makkabi-Weltverband und Begründer der Makkabiah sowie der palästinensischen Fußballorganisation (nach der Staatsgründung: Israelische Fußballorganisation) (Zu Yoseph Yekutielis Brief an die Société Sportive Orientale) kündigte im Rahmen dieser europäischen Veranstaltung die Planung für eine Makkabiah in Erez Israel an – passend zum 1800-jährigen Jubiläum des Bar-Kochba-Aufstandes.
Die Initiative für die Makkabiah in Palästina ging maßgeblich vom palästinensischen Makkabikreis des Makkabi-Weltverbandes (MWV) aus. Ihm ging es besonders darum, seine eigene Stellung in Palästina, bei den örtlichen Behörden sowie im Verband selbst zu stärken. Bereits 1922 hatte der Makkabikreis in Palästina beim britischen Bevollmächtigten für das Mandatsgebiet für seine Integration in die Olympischen Spiele geworben. Die Forderung für die Teilnahme der jüdisch-nationalen Sportbewegung an den Olympischen Spielen wurde 1924 vom MWV aufgegriffen. Jedoch wurde beim IOC nicht für die Teilnahme einzelner Kreise, sondern für die Zulassung jüdischer Sportler:innen unter der Flagge des MWV geworben. Die Bestrebungen blieben ohne Erfolg, sodass die Abhaltung einer eigenen internationalen Sportveranstaltung in den Vordergrund trat. In Ostrava wurde schließlich auf Betreiben des palästinensischen Makkabikreises die Durchführung eines internationalen jüdisch-nationalen Sportfests beschlossen. Die Abhaltung der internationalen Makkabiah in Erez Israel war dabei aber von vielen Faktoren abhängig: Zunächst benötigten die Verantwortlichen die Zustimmung der Mandatsmacht – vor dem Hintergrund arabisch-jüdischer Spannungen erschien die Zustimmung keinesfalls selbstverständlich – , die finanzielle Unterstützung zionistischer Organisationen, sowie die Bereitschaft der teilnehmenden Sportler:innen vor dem Eindruck der weltwirtschaftlichen Lage auf eigene Kosten die mitunter beschwerliche Reise auf sich zu nehmen.
Weitere wichtige Aspekte waren die internen Verhandlungen über die Teilnahme jüdischer Sportler:innen, die nicht in den Makkabi-Verbänden organisiert waren, sowie die Beteiligung des palästinensischen Arbeitersportverbandes „Hapoel“ (Der Arbeiter). Die angestrebte hebräische Bezeichnung der national-jüdischen Spiele als „Makkabiah“ anstatt „Makkabiade“ waren bereits 1930 ein Indiz für die zionistische Ausrichtung der künftigen Spiele. Eine Ausnahme machte der MWV aber bei den US-amerikanischen Teilnehmer:innen, die mehrheitlich in keinem Makkabi-Verein organisiert waren. Diese Sonderstellung ließe sich vor hier allem vor dem Hintergrund der politisch und wirtschaftlichen Bedeutung der USA begründen.
Die Integration des Hapoel wurde besonders vom palästinensischen Makkabikreis kritisiert, doch war es der MWV, der seine Teilhabe befürwortete, auch, um den weit gereisten Sportler:innen und den Zuschauer:innen keinen in sich zerstrittenen jüdischen Sport zu präsentieren. Nicht nur für den palästinensischen Makkabikreis war die Teilnahme des Hapoel problematisch, auch für das Eigenverständnis des Hapoel selbst, der als Arbeitersportverband in der SASI organisiert war. Letztlich nahm der Hapoel nicht an der Makkabiah teil. Der Arbeiterverband veranstaltete im Zuge der Makkabiah eine eigene Parade, begrüßte aber die internationalen Sportler:innen der Makkabiah.5
Die sportlichen Aspekte
Der sportliche Aspekt der Makkabiah wird von Simmenauer in höchsten Tönen gelobt. In seinem Bericht greift er den Wert solcher Veranstaltungen nicht nur für die körperliche Ertüchtigung, sondern auch für die Förderung eines nationalen Bewusstseins auf. Denn die Makkabiah war mehr als ein Sportereignis – sie war Ausdruck der Hoffnung auf einen jüdischen Nationalstaat in Palästina. Etwa 20.000 Besucher:innen wohnten dem sportlichen Ereignis bei, in dem 390 Atleth:innen aus diversen Ländern um Siege kämpften. Für diese erste Makkabiah wurde eigens ein Stadion außerhalb von Tel Aviv errichtet, das regelmäßig an seine Belastungsgrenze geriet und sogar mehrfach die maximale Kapazität überstieg. Die Athlet:innen wurden aufgrund der hohen Auslastung Tel Avivs an verschiedenen Orten untergebracht, darunter in privaten Wohnungen und Zimmern, Zelten oder sogar in (Schul-)Gebäuden. Simmenauer selbst kam während seines Aufenthalts in Tel Aviv und während des Reiseprogramms in diversen Zimmern unter und war zeitweise Gast bei zionistischen Aktivisten.
Die Makkabiah lebte auch von der Improvisation, denn dem MWV fehlte es aufgrund der angespannten weltwirtschaftlichen Lage an finanziellen Mitteln. Dies zeigte sich mitunter am Qualitätsstandard der Sportstätten: Da es an einem Schwimmbad mit genormten Wettkampfmaßen mangelte, fanden die Schwimmwettbewerbe etwa in der Bucht von Haifa im Mittelmeer statt. Hallenwettbewerbe wurden teilweise in Kultureinrichtungen wie Kinos oder Ausstellungshallen abgehalten.6 Doch trotz dieser erheblichen Schwierigkeiten konnten neue Rekorde aufgestellt werden. Besonders erfolgreich bei diesen Spielen waren die polnischen Makkabim – sie standen nach Beendigung des Events ganz oben in der Ergebnisliste. Simmenauer selbst holte mit seinem Team eine Goldmedaille im 4x100-Meter-Staffellauf.
Das Reiseprogramm um die Makkabiah und Werbung für das Land
Palästina war schon vor der internationalen Makkabiah ein zentraler Ort für die noch junge national-jüdische Turn- und Sportbewegung. Im Organ der jüdischen Turnerschaft (JT) wurde häufig über die „Palästinafahrten“ seiner Mitglieder berichtet. Diese Berichte über die Geschichte Palästinas, über das Leben im Jishuw sowie über die soziokulturelle und politische Situation sollten bei den Mitgliedern eine emotionale Bindung erzeugen.7
 
Schon während der „Palästinafahrt“, festgehalten im Bericht Simmenauers, der diversen europäischen Makkabi-Verbände, kommt es zu Szenen, in denen die Bestrebung, eine Gemeinschaft zu erzeugen, die sowohl die sprachliche (Hebräisch) als auch die kulturelle Einheit in den Fokus stellt, sowie die Notwendigkeit eines körperlich und geistig starken Juden (und in diesem Sinne auch einer geistig starken Jüdin) deutlich wird (S. 11f.).
So ist es auch nicht erstaunlich, dass die Makkabiah von einem Reiseprogramm zu kulturellen und religiösen Sehenswürdigkeiten des Landes begleitet wurde. Die Sportler:innen, aufgeteilt in Gruppen, wurden dabei von Angehörigen des palästinensischen Makkabikreises begleitet. Die Erfahrungen und Eindrücke der Teilnehmenden waren überwiegend positiv8 und lassen sich auch in Simmenauers Bericht finden. Besonders wird aber Tel Aviv gelobt und als „jüdische Stadt“ stilisiert. So kontrastiert er die orientalische Atmosphäre Jaffas mit der modernen und fortschrittlichen Erscheinung Tel Avivs: Jaffa sei sehr „orientalisch“, es gäbe viele Araber, in Tel Aviv sei alles „sauberer, moderner, schöner. […] Nur hebräische Inschriften an den Läden“ (S. 19). Die Perspektive Simmenauers zeigt auch, dass diese nicht vorurteilsfrei war. Auch gibt es eine klare Kritik an seiner Heimat Berlin und den dortigen Verhältnissen: „In den Läden sieht man viel Kitsch. Es sind Ramschläden, wie teilweise in der Grenadierstrasse Grenadierstrasse Die Grenadierstraße in Berlin Mitte war damals Teil des jüdischen Viertels und ein Mittelpunkt des jüdischen Lebens. . Aber dort ist alles mies und hier [in Tel Aviv] ist alles schön. Warum? Ich weiß es nicht. Weil es hier Menschen gibt, die sehen, was schlecht ist, und die dieses über kurz oder lang ändern werden“ (S. 20).
Ein weiteres wichtiges Anliegen der Makkabiah war es, die jüdische Einwanderung nach Palästina (Alijah) positiv zu beeinflussen. Dazu sollte auch das kulturelle Rahmenprogramm der internationalen Sportveranstaltung dienen.9 Auch erhoffte sich der MWV eine positive Darstellung der Spiele in der internationalen (nicht-)jüdischen Presse. Deutsche Zeitungen etwa wie die „Frankfurter Zeitung“ oder die „B.Z. am Mittag“ griffen zwar am Rande das Ereignis auf, thematisierten aber nicht den dezidiert jüdisch nationalen Charakter.10
Simmenauers Bericht findet seinen Abschluss mit einem Verweis auf die Nachricht in der B.Z. über die politischen Verhältnisse in Deutschland – „Hindenburg gegen Hitler“ (S. 47). Abgerundet wird der Schluss mit einem Zitat des Kunstmalers Ludwig Blum Ludwig Blum Ludwig Blum (1891–1974/1975) war ein aus Mähren stammender israelischer Kunstmaler und Zionist. : „Menschen, die einmal in Palästina waren, kommen über kurz oder lang doch wieder und bleiben im Land“ (S.47). Es fasst den Geist und die Bedeutung der Makkabiah, auch vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse in Deutschland eindrücklich zusammen. Denn unter Eindruck der nationalsozialistischen Bedrohung für die europäische Judenheit, verblieben nach der II. Makkabiah eine nicht geringe Anzahl jüdischer Sportler:innen im Land, auch wenn dies illegal war. Wie hoch die Anzahl dieser Sportler:innen tatsächlich war, ist nicht belegt.11
Ausblick
Die erste Makkabiah legte den Grundstein für die Makkabiot (hebr. Pl. von Makkabiah). Drei Jahre später, vom 2. bis 7. April 1935, fand die zweite Makkabiah statt, die mit rund 40.000 bis 50.000 Zuschauer:innen sowie über 1.300 teilnehmenden Sportler:innen aus 28 Ländern eine noch größere Resonanz erzielte als ihre Vorgängerin. Die Veranstaltung war ein beeindruckendes Symbol für die wachsende zionistische Sportbewegung, die jedoch in einem Umfeld stattfand, welches zunehmend von schwierigen politischen Bedingungen geprägt war.
Die ursprünglich für 1938 geplante dritte Makkabiah konnte aufgrund des Arabischen Aufstands
Arabischer Aufstand in Palästina
auch:
Arabischer Aufstand, Großer arabischer Aufstand, Arabischer Palästina-Aufstand
Der Arabische Aufstand in Palästina (1936–1939) war eine nationalistische Erhebung gegen die britische Mandatsmacht und die zionistische Einwanderung. Ausgelöst durch wirtschaftliche Not, politische Enttäuschung und die Angst vor Landverlust, eskalierte der zunächst als Generalstreik begonnene Protest in einen bewaffneten Aufstand. Die britische Niederschlagung führte zu einer nachhaltigen Schwächung der politischen und militärischen Organisation der arabischen Bevölkerung des Mandatsgebiets. Diese Verschiebung der Kräfteverhältnisse trug maßgeblich zur militärischen Überlegenheit der jüdischen Seite im israelischen Unabhängigkeitskrieg (auch: Palästinakrieg) 1947/48 bei und hatte langfristige Auswirkungen auf die Dynamik des Nahostkonflikts.
 nicht stattfinden. In den folgenden Jahren führten der nationalsozialistische Terror, der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und die Shoa zu einem vollständigen Stillstand der Makkabiot. Erst nach der Gründung des Staates Israel konnte das Sportereignis wiederbelebt werden. So wurde im Jahr 1950, nach einer 15-jährigen Unterbrechung, die dritte Makkabiah ausgetragen. Seit 1953 finden die Makkabiot nach dem Rhythmus der Olympischen Spiele alle vier Jahre statt. Nach Olympia und der FIFA Fußballweltmeisterschaft sind die Makkabiot die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt.

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