Schreiben von Yosef Yekutieli an die Société Sportive Orientale vom 2. Oktober 1928

Hier liegt der Entwurf eines Briefes des palästinensischen Makkabi-Funktionärs Yosef Yekutieli an die Kairoer Société Sportive Orientale aus dem Herbst 1928 vor. Äußerlich macht die Quelle einen geradezu rohen Eindruck; ihr englischsprachiger Text enthält grotesk viele Tipp- und andere Fehler. Vordergründig scheint es um einen nüchternen Sachbericht über den Entwicklungsstand des Fußballsports und seiner Organisation im Gebiet des Völkerbundmandats für Palästina zu gehen. Tatsächlich kann das Schreiben aber auch als politisches Dokument gelesen werden, das aus dem Blickwinkel des Sports einen tiefen Einblick in die gesellschaftlichen Konfliktfelder Palästinas in den späten 1920er-Jahren erlaubt.

Transkriptionen

Transkription (Englisch)

[Yosef Yekutieli to the Société Sportive Orientale]
{העתק מכתב על החתום} {העתק מכתב על החתום} Maschinenschriftliche Einfügung; Deutsche Übersetzung: „Kopie eines Schreibens, gezeichnet.“
[Unterschrift]
Jerusalem, 2.10.[1]928
{הדו"ח שהגישה האגודה ספורטיבית המזרחית מקהיר. סייעה לסיפוח התאחדות הנציונל הא"י ל-FIFA, על חתום} {הדו"ח שהגישה האגודה ספורטיבית המזרחית מקהיר. סייעה לסיפוח התאחדות הנציונל הא"י ל-FIFA, על חתום} Deutsche Übersetzung: „Bericht, eingereicht vom Orientalischen Sportverband aus Kairo. Unterstützte die Eingliederung des Nationalen Verbandes in Eretz Israel in die FIFA, gezeichnet.“ Dieser Kommentar ist falsch, denn der palästinische Verband berichtete an die Societé Sportive Orientale.
[Unterschrift]
The
Societe Sportif Orientale Societe Sportif Orientale Über die Société Sportive Orientale ist nichts bekannt. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um einen der Kairoer Sportvereine, dessen französischsprachiger Name nicht der englisch- oder arabischsprachigen Bezeichnung entspricht. Yekutieli sah im Aufbau internationaler Kontakte die Möglichkeit, seine zunächst gescheiterten Bemühungen um eine internationale Anerkennung des jüdischen Sports in Eretz Israel, vor allem durch die Repräsentation des Jischuw bei den Olympischen Spiele, mit neuer Relevanz zu versehen und schließlich zum Erfolg zu führen. Der Fußball als Zuschauermagnet erschien ihm dabei als besonders geeignet und die erfolgreichen Auslandsspiele des Hakoah Wien, u. a. in den USA 1926 und in Ägypten 1924, dienten als Vorbild. Eine Palästina-Auswahl bereiste die USA im Sommer 1927. Eine Ägypten-Reise wurde parallel dazu vorbereitet, Ende 1926 hatten Makkabi-Funktionäre hierzu Gespräche im ägyptischen Konsulat in Jerusalem geführt. ,
CAIRO
Dear Sir,
In reply to your kind favour of the 18th inst., I am pleased to give a scetch [sic!] of the present football situation in 
Mandatsgebiet Palästina
eng. Mandatory Palestine, heb. המנדט הבריטי מטעם חבר הלאומים על פלשתינה, fra. Palestine mandataire

Das Mandatsgebiet Palästina wurde infolge des Ersten Weltkriegs und der in den Nachkriegsjahren vorgenommenen territorialen Neuordnung der östlichen Mittelmeergebiete (Levante) geschaffen, die zuvor zum unterlegenen Osmanischen Reich gehört hatten. Im Kriegsverlauf waren die Gebiete westlich und östlich des Jordan, die historisch auch als Cis- bzw. Transjordanien bezeichnet wurden und den heutigen Staaten Israel, Jordanien sowie dem Westjordanland und dem Gazastreifen entsprechen, unter britische Herrschaft gekommen. Großbritannien hatte ab 1916 die regionale arabische Unabhängigkeitsbewegung in der Arabischen Revolte (1916–1918) entscheidend unterstützt, die militärisch eroberten Gebiete jedoch im Anschluss zwischen sich und Frankreich aufgeteilt. Noch vor Kriegsende hatte Großbritannien zudem nicht nur der arabischen, sondern auch der jüdischen Bevölkerung der Region Unterstützung in der Erlangung politischer Unabhängigkeit bzw. der Schaffung eigener Staaten zugesichert (Balfour-Erklärung, 1917). Die Konferenz von San Remo, die im April 1920 über die Aufteilung des Osmanischen Reiches entschied, bestätigte die britischen Gebietsansprüche. 1922 erteilte auch der Völkerbund Großbritannien offiziell das Mandat über das Gebiet.
Bereits 1923 teilte Großbritannien dieses erste „Mandatsgebiet Palästina“ in zwei Gebiete auf: „Transjordanien“, das 1946 unabhängig wurde und seit 1950 offiziell den Namen Jordanien trägt; sowie das erneut als Mandatsgebiet „Palästina“ bezeichnete Gebiet, das nun das historische Cisjordanien bzw. den westlich des Jordans gelegenen Teil der historischen Region Palästina und die südlich gelegene Negev-Wüste umfasste und nach wie vor einen Zugang zum Golf von Akaba und damit zum Roten Meer besaß.
Die Zeit des Mandats war von anhaltenden Unruhen zwischen den arabischen und jüdischen Bevölkerungsteilen des Mandatsgebietes geprägt, nach Ende des Zweiten Weltkriegs gab Großbritannien das Mandat auf und an die Vereinten Nationen (als Nachfolgeeinrichtung des Völkerbundes) zurück, die daraufhin einen Teilungsplan für die Region entwickelten. Zu dessen Implementierung kam es jedoch nie, da die Spannungen im Mandatsgebiet zum Palästinakrieg (1947–1949) eskalierten, in dessen Verlauf Israel seine Unabhängigkeit ausrufen und erfolgreich durchsetzen konnte.

Das Bild zeigt eine Karte des britischen Mandatsgebiets in Palästina zwischen 1945 und 1947. (Public Domain, via Wikimedia Commons)

.
The football has been introduced in Palestine as far back as before the war, when the “MACCABEEN” Clubs played it in 1912/13. The first regular team was organized in Jaffa (Tel-Avivi) Jaffa (Tel-Avivi) Im Jahr 1906 erfolgte in Jaffa die Gründung des ersten Sportvereins in Palästina unter dem Namen Rishon Letzion. Nach der Gründung der neuen Stadt 1909 wurde der Club in Maccabi Tel Aviv umbenannt. Fußball war bereits in der Frühphase die beliebteste Sportart. . But the real impetus to the hgam game gave the British troops after the occupation of Palestine. The “Maccabi” organization has since fostered football and several teams were then organized all over Palestine.
At first weak, then stronger from year to year until now the “Maccabee” possess the strongest teams all over the country. Tehere [sic !] is a union of Maccabeen football teams in Palestine union of Maccabeen football teams in Palestine Im September 1912 fand im Hebräischen Herzliya-Gymnasium in Tel Aviv die Gründung von Makkabi Eretz Israel statt, woran die Vereine aus den folgenden Städten und Siedlungen mitwirkten: Tel Aviv, Jerusalem, Zichron Yaakov, Rehovot, Akron, Rishon Letzion, Gadera, Nes Ziona, Rosh Pina, Kastina. Der Verband war als Palästinensischer Kreis Teil der Jüdischen Turnerschaft. Ab 1913 ist auch in Beirut ein Mitgliedsverein des Kreises außerhalb von Eretz Israel belegt. . This Union arranges Cup plays every year.
Six years ago a British Committee in Jerusalem launched the “Palestine Football Competition Cup”, which cup has been hold by British teams during 5 years 5 years Im Jahr 1927 entwaffnete Generalmajor Plummer die britische Polizei im Mandatsgebiet und verkleinerte die Stärke von Polizei und Armee im Land. In der Folge lösten sich viele der bislang führenden britischen Fußballvereine auf, sodass jüdische Vereine zunehmend die Führung übernahmen. Diese Entwicklung gab den Anlass, die multilaterale britisch-jüdisch-arabische Zusammenarbeit bei den Pokalspielen neu zu organisieren und die Regeln an den internationalen Standard anzupassen. In diesem Zusammenhang verfolgte Yekutieli die Absicht, einen Fußballverband in Eretz Israel zu gründen. . Last year the Cup came the first time into the hands of a j jewish team. The following teams participated during the last year Palestine Cup Tournament: 5 british teams, one Arab team (beaten in the first round) and 6 jewish teams. In the semi-final three jewish teams and one british in the final play only two jewish teams took part.
The present football season has not yet been started, the following teams exist to-day:
A. Division:  4 british (military)
4 jewish (Maccabeen)
2       ̎       ( Hapoél-Labourers Hapoél-Labourers Hapoel (hebr., der Arbeiter) ist die Selbstbezeichnung der sich ab 1923 formierenden jüdischen Arbeitersportbewegung im Mandatsgebiet Palästina. Diese Entwicklung nahm zunächst innerhalb des Makkabi, welcher sich als politisch neutral verstand, ihren Anfang. 1924 beschlossen die Hapoel-Vereinigungen ihre Herauslösung aus dem Makkabi, der damit zwangsläufig auf das bürgerliche Lager festgelegt wurde. Die Umsetzung der Trennung erfolgte jedoch erst im Mai 1926 mit der Gründung des Hapoel-Verbandes in Tel Aviv, der an die Gewerkschaft Histadrut angegliedert war. Im Juli 1927 trat Hapoel der SASI (s. union of Maccabeen football teams) bei und unterzeichnete mit Makkabi ein Abkommen über die Zusammenarbeit, woraus in der Praxis Widersprüche und Konflikte erwuchsen. )
B. Division:  ? british (unknown)
10 Jewish (Maccabeen)
4       ̎       (Hapoél)
5 Arab
C. Division: 25 jewish (Maccabeen)
8        ̎      (Hapoel)
6 arab
The Maccabee organization has endeavoured to create an International Football Union in Palestine, but failed. The British teams refuse to join such an Union, and the Arab teams, that are only occassional and temporary, have no rules governing their teams their teams Der wichtigste unter den britischen Sportvereinen war der um 1920/21 gegründete Jerusalem Sports Club, der über bestens ausgestattete eigene Anlagen verfügte. Nukleus des arabischen Sports in Palästina waren dagegen Schulen (St. George´s und Rawdat Al Maaref in Jerusalem), so dass hier Yekutieli auf fehlende Konsistenz und Organisationsstrukturen verweist. Allerdings kam es auch unter den arabischen Sportlern zu zunehmend mehr Vereinsgründungen, so dass ihre Zahl bis zum Beginn der 1930er Jahre auf etwa 20 stieg. Die Mandatsbehörden beobachten diese Clubs als vermeintliche Träger eines arabischen Nationalismus mit Argwohn – eine Einschätzung, die sie spiegelbildlich auch gegenüber den jüdischen Sportbewegungen getroffen haben dürften. .
On the 14.8.[​1​]928 a Football Union for Palestine was organized, in which representatives of 37 Jewish teams took part. the Meeting convened on this occasion decided upon the rules and regulations to govern this Union. But in the last moment the “Hapoél” Organisation refused to join on th the ground of being bound to their  “Labour Sport Organisation”
Sozialistische Arbeitersport Internationale
auch:
SASI
Die Sozialistische Arbeitersport Internationale (SASI) trug diesen Namen seit 1928. Schon 1913 hatte es auf dem Arbeitersportkongress in Gent die Initiative gegeben, den Arbeitersport international zu organisieren, doch erst nach dem Ersten Weltkrieg kam es zum Gründungskongress in Luzern im September 1920. Die französische und die belgische Delegation lehnten aus Gründen der Breitenwirkung einen auf den Sozialismus verweisenden Namenspartikel ab. So hieß die Organisation zunächst Internationaler Arbeiter-Verband für Sport und Körperkultur und war auch als Luzerner Sportinternationale (LSI) bekannt, ab 1925 dann als Internationaler sozialistischer Verband für Arbeitersport und Körperkultur. Zahlreiche Spannungen gab es mit der 1921 gegründeten Roten Sportinternationale (RSI), dem Sportverband der Komintern. Im Vorfeld der ersten Arbeiterolympiade 1925 in Frankfurt am Main verlangte die RSI die bedingungslose Teilnahme ihrer Mitglieder, was die LSI jedoch ablehnte. 1927 stellte die LSI alle Kontakte zur RSI ein, die ab 1928 ihrerseits an den Olympischen Spielen orientierte Spartakiaden abhielt. Die SASI lehnte eine Beteiligung Hapoels an einem Fußballverband in Eretz Israel ab, da dessen Mitgliedschaft im internationalen Fußballverband FIFA angestrebt wurde. Die FIFA galt der SASI als vermeintlich bürgerlicher Verband des professionellen Sports.
 at Lutzern. There are however still hopes that the above Union Union Der Verband wurde schließlich ohne die Hapoel-Vereine gegründet. 1929 wurde im Raum Tel Aviv eine Bezirksliga gestartet, an der auch Hapoel Tel Aviv teilnahm. Im April 1930 trat Hapoel doch noch dem palästinischen Fußballverband bei, wobei sich die Mitgliedschaft in der FIFA nur auf den Verband als solchen, nicht aber auf Hapoel als Verbandsmitglied erstreckte. will be definitely organized. The football game has become one of the most loved recreation for Palestinians and the game is developing beautifulli. The Maccabeen Organisation and some of the Military teams have their own sports grounds, some other teams have minor sports grounds only.
With sports greeting
Joseph Ye##tieli Joseph Ye##tieli Yosef Yekutieli (1897-1982) war als Funktionär der Maccabi-Bewegung im Jischuw von zentraler Bedeutung für den internationalen und palästinischen jüdischen Sport. Er stammte aus dem westlichen Russischen Reich (heutiges Belarus) und wanderte 1909 mit seiner Familie in das damals osmanische Palästina ein. Noch vor dem Ersten Weltkrieg trat er dem 1906 in Jaffa gegründeten und damit ältesten Sportverein des heutigen Israel Maccabi Tel Aviv bei. Nach seinem Kriegsdienst initiierte er als Maccabi-Funktionär die Gründungen der Vorläuferinstitutionen der heutigen israelischen Fußball- und Leichtathletikverbände sowie des Nationalen Olympischen Komitees und stellte auf dem Maccabi-Weltkongress 1929 die Idee der Makkabiade, eines internationalen jüdischen Sportwettbewerbs, vor, die 1932 in Tel Aviv erstmals realisiert wurde.
Die Editionsrichtlinien finden Sie hier.

Translations

Übersetzung (Deutsch)

[Yosef Yekutieli an die Société Sportive Orientale]

{Kopie eines Schreibens, gezeichnet}
[Unterschrift]
Jerusalem, 2.10.​[​1​]​928
{Bericht, eingereicht vom Orientalischen Sportverband aus Kairo.}
{Unterstützte die Eingliederung des Nationalen Verbandes in Eretz Israel in die FIFA, gezeichnet.} {Unterstützte die Eingliederung des Nationalen Verbandes in Eretz Israel in die FIFA, gezeichnet.} Dieser Kommentar ist falsch, denn der palästinische Verband berichtete an die Societé Sportive Orientale.
 
[Unterschrift]
Die Sportif Orientale Sportif Orientale Über die Société Sportive Orientale ist nichts bekannt. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um einen der Kairoer Sportvereine, dessen französischsprachiger Name nicht der englisch- oder arabischsprachigen Bezeichnung entspricht. Yekutieli sah im Aufbau internationaler Kontakte die Möglichkeit, seine zunächst gescheiterten Bemühungen um eine internationale Anerkennung des jüdischen Sports in Eretz Israel, vor allem durch die Repräsentation des Jischuw bei den Olympischen Spiele, mit neuer Relevanz zu versehen und schließlich zum Erfolg zu führen. Der Fuß- ball als Zuschauermagnet erschien ihm dabei als besonders geeignet und die erfolgreichen Auslandsspiele des Hakoah Wien, u. a. in den USA 1926 und in Ägypten 1924, dienten als Vorbild. Eine Palästina-Auswahl bereiste die USA im Sommer 1927. Eine Ägypten-Reise wurde parallel dazu vorbereitet, Ende 1926 hatten Makkabi-Funktionäre hierzu Gespräche im ägyptischen Konsulat in Jerusalem geführt.
Kairo
Sehr geehrter Herr,
als Antwort auf Ihre freundliche Zuschrift vom 18. dieses Monats freue ich mich, Ihnen einen kurzen Überblick1 über die derzeitige Fußballlage in 
Mandatsgebiet Palästina
eng. Mandatory Palestine, heb. המנדט הבריטי מטעם חבר הלאומים על פלשתינה, fra. Palestine mandataire

Das Mandatsgebiet Palästina wurde infolge des Ersten Weltkriegs und der in den Nachkriegsjahren vorgenommenen territorialen Neuordnung der östlichen Mittelmeergebiete (Levante) geschaffen, die zuvor zum unterlegenen Osmanischen Reich gehört hatten. Im Kriegsverlauf waren die Gebiete westlich und östlich des Jordan, die historisch auch als Cis- bzw. Transjordanien bezeichnet wurden und den heutigen Staaten Israel, Jordanien sowie dem Westjordanland und dem Gazastreifen entsprechen, unter britische Herrschaft gekommen. Großbritannien hatte ab 1916 die regionale arabische Unabhängigkeitsbewegung in der Arabischen Revolte (1916–1918) entscheidend unterstützt, die militärisch eroberten Gebiete jedoch im Anschluss zwischen sich und Frankreich aufgeteilt. Noch vor Kriegsende hatte Großbritannien zudem nicht nur der arabischen, sondern auch der jüdischen Bevölkerung der Region Unterstützung in der Erlangung politischer Unabhängigkeit bzw. der Schaffung eigener Staaten zugesichert (Balfour-Erklärung, 1917). Die Konferenz von San Remo, die im April 1920 über die Aufteilung des Osmanischen Reiches entschied, bestätigte die britischen Gebietsansprüche. 1922 erteilte auch der Völkerbund Großbritannien offiziell das Mandat über das Gebiet.
Bereits 1923 teilte Großbritannien dieses erste „Mandatsgebiet Palästina“ in zwei Gebiete auf: „Transjordanien“, das 1946 unabhängig wurde und seit 1950 offiziell den Namen Jordanien trägt; sowie das erneut als Mandatsgebiet „Palästina“ bezeichnete Gebiet, das nun das historische Cisjordanien bzw. den westlich des Jordans gelegenen Teil der historischen Region Palästina und die südlich gelegene Negev-Wüste umfasste und nach wie vor einen Zugang zum Golf von Akaba und damit zum Roten Meer besaß.
Die Zeit des Mandats war von anhaltenden Unruhen zwischen den arabischen und jüdischen Bevölkerungsteilen des Mandatsgebietes geprägt, nach Ende des Zweiten Weltkriegs gab Großbritannien das Mandat auf und an die Vereinten Nationen (als Nachfolgeeinrichtung des Völkerbundes) zurück, die daraufhin einen Teilungsplan für die Region entwickelten. Zu dessen Implementierung kam es jedoch nie, da die Spannungen im Mandatsgebiet zum Palästinakrieg (1947–1949) eskalierten, in dessen Verlauf Israel seine Unabhängigkeit ausrufen und erfolgreich durchsetzen konnte.

Das Bild zeigt eine Karte des britischen Mandatsgebiets in Palästina zwischen 1945 und 1947. (Public Domain, via Wikimedia Commons)

 zu geben.
Der Fußball wurde in Palästina bereits vor dem Krieg eingeführt, als die „MAKKABI“-Clubs ihn in den Jahren 1912/13 spielten. Die erste reguläre Mannschaft wurde in Jaffa (Tel-Avivi) erste reguläre Mannschaft wurde in Jaffa (Tel-Avivi) Im Jahr 1906 erfolgte in Jaffa die Gründung des ersten Sportvereins in Palästina unter dem Namen Rishon Letzion. Nach der Gründung der neuen Stadt 1909 wurde der Club in Maccabi Tel Aviv umbenannt. Fußball war bereits in der Frühphase die beliebteste Sportar organisiert. Den eigentlichen Anstoß für das Spiel2 gaben die britischen Truppen nach der Besetzung Palästinas. Seitdem fördert die „Maccabi“-Organisation den Fußball, und es wurden in ganz Palästina mehrere Mannschaften gegründet.
Anfangs schwach, wurden diese Mannschaften von Jahr zu Jahr stärker, bis heute die „Maccabi“-Teams die stärksten Mannschaften im ganzen Land stellen. Es3 gibt einen Verband der Maccabi-Fußballmannschaften in Palästina Verband der Maccabi-Fußballmannschaften in Palästina Im September 1912 fand im Hebräischen Herzliya-Gymnasium in Tel Aviv die Gründung von Makkabi Eretz Israel statt, woran die Vereine aus den folgenden Städten und Siedlungen mitwirkten: Tel Aviv, Jerusalem, Zichron Yaakov, Rehovot, Akron, Rishon Letzion, Gadera, Nes Ziona, Rosh Pina, Kastina. Der Verband war als Palästinensischer Kreis Teil der Jüdischen Turnerschaft. Vgl. Haim Kaufman, Maccabi versus Hapoel: The Political Divide that Developed in Sports in Eretz Israel, 1926-1935, in: Israel Affairs 13 (2008), 3, S. 554-565, hier: S. 554. Ab 1913 ist auch in Beirut ein Mitgliedsverein des Kreises außerhalb von Eretz Israel belegt. Vgl. Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport 14 (1913), 3, S. 91. . Dieser Verband organisiert jedes Jahr Pokalspiele.
Vor sechs Jahren rief ein britisches Komitee in Jerusalem den „Palestine Football Competition Cup“ ins Leben, der während der ersten fünf Jahre ausschließlich von britischen Mannschaften britischen Mannschaften Im Jahr 1927 entwaffnete Generalmajor Plummer die britische Polizei im Mandatsgebiet und verkleinerte die Stärke von Polizei und Armee im Land. In der Folge lösten sich viele der bislang führenden britischen Fußballvereine auf, sodass jüdische Vereine zunehmend die Führung übernahmen. Diese Entwicklung gab den Anlass, die multilaterale britisch-jüdisch-arabische Zusammenarbeit bei den Pokalspielen neu zu organisieren und die Regeln an den internationalen Standard anzupassen. In diesem Zusammenhang verfolgte Yekutieli die Absicht, einen Fußballverband in Eretz Israel zu gründen. Hapoel (hebr., der Arbeiter) ist die Selbstbezeichnung der sich ab 1923 formierenden jüdischen Arbeitersportbewegung im Mandatsgebiet Palästina. Diese Entwicklung nahm zunächst innerhalb des Makkabi, welcher sich als politisch neutral verstand, ihren Anfang. 1924 beschlossen die Hapoel-Vereinigungen ihre Herauslösung aus dem Makkabi, der damit zwangsläufig auf das bürgerliche Lager festgelegt wurde. Die Umsetzung der Trennung erfolgte jedoch erst im Mai 1926 mit der Gründung des Hapoel-Verbandes in Tel Aviv, der an die Gewerkschaft Histadrut angegliedert war. Im Juli 1927 trat Hapoel der SASI (s. Anm. 7) bei und unterzeichnete mit Makkabi ein Abkommen über die Zusammenarbeit, woraus in der Praxis Widersprüche und Konflikte erwuchsen. gewonnen wurde. Erst im vergangenen Jahr gelang es erstmals einer j jüdischen Mannschaft, diesen Pokal zu gewinnen. Am letzten Turnier um den Palästina-Cup nahmen folgende Mannschaften teil: 5 britische Teams, 1 arabisches Team (in der ersten Runde ausgeschieden) und 6 jüdische Teams. Im Halbfinale standen 3 jüdische Teams und 1 britisches Team; im Finale traten ausschließlich zwei jüdische Teams gegeneinander an.
Die aktuelle Fußballsaison hat noch nicht begonnen, derzeit existieren folgende Mannschaften:
A. Klasse:     4 britische (Militär)
4 jüdische („Maccabi“)
2        ̎           ( „Hapo‘el“ „Hapo‘el“ Hapoel (hebr., der Arbeiter) ist die Selbstbezeichnung der sich ab 1923 formierenden jüdischen Arbeitersportbewegung im Mandatsgebiet Palästina. Diese Entwicklung nahm zunächst innerhalb des Makkabi, welcher sich als politisch neutral verstand, ihren Anfang. 1924 beschlossen die Hapoel-Vereinigungen ihre Herauslösung aus dem Makkabi, der damit zwangsläufig auf das bürgerliche Lager festgelegt wurde. Die Umsetzung der Trennung erfolgte jedoch erst im Mai 1926 mit der Gründung des Hapoel-Verbandes in Tel Aviv, der an die Gewerkschaft Histadrut angegliedert war. Im Juli 1927 trat Hapoel der SASI) bei und unterzeichnete mit Makkabi ein Abkommen über die Zusammenarbeit, woraus in der Praxis Widersprüche und Konflikte erwuchsen. – Arbeiter)
B. Klasse:    ? britische (unbekannt)
10 jüdische (Maccabi)
4          ̎       (Hapo‘el)
5 arabische 
C. Klasse:    25 jüdische („Maccabi“)
8      ̎      („Hapoel“)
6 arabische
Die Maccabi-Organisation hat sich bemüht, einen internationalen Fußballverband in Palästina zu gründen, ist damit jedoch gescheitert. Die britischen Mannschaften lehnen es ab, einem solchen Verband beizutreten, und die arabischen Mannschaften, die nur gelegentlich und vorübergehend bestehen, verfügen über keinerlei einheitliche Regeln oder Strukturen Regeln oder Strukturen Der wichtigste unter den britischen Sportvereinen war der um 1920/21 gegründete Jerusalem Sports Club, der über bestens ausgestattete eigene Anlagen verfügte. Nukleus des arabischen Sports in Palästina waren dagegen Schulen (St. George´s und Rawdat Al Maaref in Jerusalem), so dass hier Yekutieli auf fehlende Konsistenz und Organisationsstrukturen verweist. Allerdings kam es auch unter den arabischen Sportlern zu zunehmend mehr Vereinsgründung, so dass ihre Zahl bis zum Beginn der 1930er Jahre auf etwa 20 stieg. Die Mandatsbehörden beobachten diese Clubs als vermeintliche Träger eines arabischen Nationalismus mit Argwohn – eine Einschätzung, die sie spiegelbildlich auch gegenüber den jüdischen Sportbewegungen getroffen haben dürften. .
Am 14.8.​[​1​]​928 wurde ein Fußballverband für Palästina gegründet, an dem Vertreter von 37 jüdischen Mannschaften teilnahmen. Bei diesem Treffen wurden die Statuten und Regularien für den Verband beschlossen. Doch im letzten Moment weigerte sich die „Hapo‘el“-Organisation dem4 Verband beizutreten, da sie an ihre  „Arbeitersportorganisation“
Sozialistische Arbeitersport Internationale
auch:
SASI
Die Sozialistische Arbeitersport Internationale (SASI) trug diesen Namen seit 1928. Schon 1913 hatte es auf dem Arbeitersportkongress in Gent die Initiative gegeben, den Arbeitersport international zu organisieren, doch erst nach dem Ersten Weltkrieg kam es zum Gründungskongress in Luzern im September 1920. Die französische und die belgische Delegation lehnten aus Gründen der Breitenwirkung einen auf den Sozialismus verweisenden Namenspartikel ab. So hieß die Organisation zunächst Internationaler Arbeiter-Verband für Sport und Körperkultur und war auch als Luzerner Sportinternationale (LSI) bekannt, ab 1925 dann als Internationaler sozialistischer Verband für Arbeitersport und Körperkultur. Zahlreiche Spannungen gab es mit der 1921 gegründeten Roten Sportinternationale (RSI), dem Sportverband der Komintern. Im Vorfeld der ersten Arbeiterolympiade 1925 in Frankfurt am Main verlangte die RSI die bedingungslose Teilnahme ihrer Mitglieder, was die LSI jedoch ablehnte. 1927 stellte die LSI alle Kontakte zur RSI ein, die ab 1928 ihrerseits an den Olympischen Spielen orientierte Spartakiaden abhielt. Die SASI lehnte eine Beteiligung Hapoels an einem Fußballverband in Eretz Israel ab, da dessen Mitgliedschaft im internationalen Fußballverband FIFA angestrebt wurde. Die FIFA galt der SASI als vermeintlich bürgerlicher Verband des professionellen Sports.
 in Lutzern Lutzern Gemeint ist die Stadt Luzern in der Schweiz. gebunden ist gebunden ist Die SASI lehnte eine Beteiligung Hapoels an einem Fußballverband in Eretz Israel ab, da dessen Mitgliedschaft im internationalen Fußballverband FIFA angestrebt wurde. Die FIFA galt der SASI als vermeintlich bürgerlicher Verband des professionellen Sports. . Es bestehen jedoch weiterhin Hoffnungen, dass dieser Verband dieser Verband Der Verband wurde schließlich ohne die Hapoel-Vereine gegründet. 1929 wurde im Raum Tel Aviv eine Bezirksliga gestartet, an der auch Hapoel Tel Aviv teilnahm. Im April 1930 trat Hapoel doch noch dem palästinischen Fußballverband bei, wobei sich die Mitgliedschaft in der FIFA nur auf den Verband als solchen, nicht aber auf Hapoel als Verbandsmitglied erstreckte. doch noch endgültig organisiert werden kann. Der Fußballsport hat sich zu einer der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Palästinenser entwickelt, und das Spiel macht erfreuliche Fortschritte. Die Maccabi-Organisation sowie einige Militärmannschaften verfügen über eigene Sportplätze, andere Mannschaften nutzen lediglich kleinere Sportanlagen.
Mit sportlichem Gruß
Joseph Ye##tieli Joseph Ye##tieli Yosef Yekutieli (1897-1982) war als Funktionär der Maccabi-Bewegung im Jischuw von zentraler Bedeutung für den internationalen und palästinischen jüdischen Sport. Er stammte aus dem westlichen Russischen Reich (heutiges Belarus) und wanderte 1909 mit seiner Familie in das damals osmanische Palästina ein. Noch vor dem Ersten Weltkrieg trat er dem 1906 in Jaffa gegründeten und damit ältesten Sportverein des heutigen Israel Maccabi Tel Aviv bei. Nach seinem Kriegsdienst initiierte er als Maccabi-Funktionär die Gründungen der Vorläuferinstitutionen der heutigen israelischen Fußball- und Leichtathletikverbände sowie des Nationalen Olympischen Komitees und stellte auf dem Maccabi-Weltkongress 1929 die Idee der Makkabiade, eines internationalen jüdischen Sportwettbewerbs, vor, die 1932 in Tel Aviv erstmals realisiert wurde.

Fußnoten

1.
Im Original tritt an dieser Stelle eine Auffälligkeit auf.
2.
Im Original befindet sich an dieser Stelle eine Streichung des Buchstabens „h“ und das angefangene Wort „game“ („gam“).
3.
Im Original Schreibfehler des Wortes „there“.
4.
Im Original steht an dieser stelle der Beginn des Wortes „the („th)“.

Kommentar

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um einen Briefentwurf des Makkabi-Funktionärs Yosef Yekutieli (1897–1982) an die Kairoer Société Sportive Orientale aus dem Herbst 1928 oder möglicherweise auch um eine unreine Zweitschrift eines solchen Briefes. Äußerlich macht die Quelle einen geradezu rohen Eindruck; ihr englischsprachiger Text enthält grotesk viele Tipp- und andere Fehler.
Vordergründig scheint es um einen nüchternen Sachbericht über den Entwicklungsstand des Fußballsports und seiner Organisation im Gebiet des Völkerbundmandats für Palästina zu gehen. Tatsächlich kann das Schreiben aber auch als politisches Dokument gelesen werden, das aus dem Blickwinkel des Sports einen tiefen Einblick in die gesellschaftlichen Konfliktfelder Palästinas in den späten 1920er-Jahren erlaubt.
Im Gefolge des Ersten Weltkriegs und des Zusammenbruchs des 
Osmanisches Reich
eng. Ottoman Empire, tur. Osmanlı İmparatorluğu, tur. Devlet-i Aliyye-i Osmâniyye, eng. Turkish Empire, deu. Ottomanisches Reich, deu. Türkisches Reich

Das Osmanische Reich war der Staat der osmanischen Dynastie von ca. 1299 bis 1922. Der Name leitet sich vom Gründer der Dynastie, Osman I., ab. Zur Blütezeit umfasste das Imperium Kleinasien und Teile des Arabiens, den Ägypten und den gesamten Balkan. Darüber hinaus brachte es viele weitere Länder bzw. Gebiete in Osteuropa, Ostasien und Nordafrika in seine Abhängigkeit. Seine Hauptstadt war zuletzt Konstantinopel (heute Istanbul). Der Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs ist die Republik Türkei.

 verwaltete Großbritannien ab 1917/18 erst militärisch, ab 1920 zivil und ab 1922 auf Grundlage eines Völkerbundmandats dieses ethnisch und religiös diverse, in der Mehrheit von arabischen Muslimen bewohnte Territorium zionistischer Siedlungs- und Entwicklungstätigkeit. Der britischen Mandatsmacht standen arabische und jüdische bzw. zionistische Eliten gegenüber, die jeweils eigene Unabhängigkeitsprojekte vorantrieben und miteinander ebenso wie mit den Briten in Spannungen gerieten. Die Briten hatten mit der  Balfour-Deklaration
Balfour-Deklaration
Die Balfour-Deklaration wurde am 2. November 1917 vom damaligen britischen Außenminister Arthur Balfour verfasst und von der britischen Regierung veröffentlicht. Die zionistische Bewegung verstand die Deklaration als Garantie für die britische Unterstützung bei der Bemühung um die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina. Gleichzeitig beinhaltet sie den Schutz der Rechte der dort ansässigen Völker.
 von 1917 das zionistische Ziel, eine nationale jüdische Heimstätte in Palästina zu schaffen, anerkannt und später auf internationaler völkerrechtlicher Grundlage bestätigt, jedoch auch den Arabern Gebiete in Aussicht gestellt, welche sich mit der Teilung des Mandatsgebiet 1923 auf das teilautonome Emirat in Transjordanien zu konzentrieren schienen.1 Gleichwohl leistete die ausgesprochen vage formulierte Absichtserklärung der Balfour-Deklaration, die bei der Konferenz von Sanremo 1920 aufgegriffen wurde und schließlich 1922 Aufnahme in den Mandatsvertrag fand, der Radikalisierung der arabischen Bevölkerung Vorschub. In den Jahren 1919 bis 1921 kam es mehrfach zu antijüdischen Gewaltakten mit zunehmend mehr Toten und Verletzten.2 Die Briten zeigten sich zwar besorgt und richteten eine Untersuchungskommission ein, begegneten den arabischen Urhebern der Unruhen aber mit Nachsicht; im Gegenteil schränkten sie die Möglichkeiten zur jüdischen Einwanderung ein und gaben damit arabischen Überfremdungsängsten Recht, welche scheinbar der Gewalt zu Grunde lagen.3 Angesichts der tatsächlichen Zahlen war diese Befürchtung unbegründet, denn die starke Geburtenrate in der arabischen Bevölkerung ließ deren Anteil im Laufe der 1920er-Jahre trotz insgesamt über 100.000 jüdischer Immigranten der dritten und vierten Alijot sogar noch steigen.4
In den Jahren nach 1921 blieben pogromartige Gewaltausbrüche zunächst aus, was allerdings nicht bedeutete, dass sich die arabisch-jüdischen Verhältnisse tatsächlich befriedeten. Im Gegenteil herrschte große Distanz, die jenseits der Migrationspolitik auch durch eine religiöse und kulturelle Differenz begründet war. Gerade die offene Körperlichkeit und die Gemeinschaft der jungen Einwanderer und mehr noch Einwandererinnen aus der osteuropäisch-zionistischen Arbeiterbewegung ließen die jüdische Bevölkerung in den Augen arabischer Traditionalisten als moralisch unterlegen und bedrohlich erscheinen.5 Zugleich nährte die Verbreitung der antisemitischen Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“ auch in der arabischen Welt moderne Vorstellungen einer jüdischen Weltverschwörung.6
 
In dieser explosiven Gemengelage trieb Yosef Yekultieli sein Vorhaben der internationalen Anerkennung des palästinensisch-jüdischen Sports voran, was er nicht zuletzt als Unterstützung des zionistischen Projekts als Ganzes begriff. Das zionistische Lager war in sich in verschiedene politische Strömungen differenziert, was sich auch auf den Sport auswirkte.7 Der Makkabi verstand sich als unabhängig und allgemein-zionistisch, sodass sich nach dem ersten kurzlebigen Versuch 1923, einen Arbeitersportverband namens  Ha-Po’el
Ha-Po‘el
auch:
Hapoel
Hapoel (hebr., der Arbeiter) ist die Selbstbezeichnung der sich ab 1923 formierenden jüdischen Arbeitersportbewegung im Mandatsgebiet Palästina. Diese Entwicklung nahm zunächst innerhalb des Makkabi, welcher sich als politisch neutral verstand, ihren Anfang. 1924 beschlossen die Hapoel-Vereinigungen ihre Herauslösung aus dem Makkabi, der damit zwangsläufig auf das bürgerliche Lager festgelegt wurde. Die Umsetzung der Trennung erfolgte jedoch erst im Mai 1926 mit der Gründung des Hapoel-Verbandes in Tel Aviv, der an die Gewerkschaft Histadrut angegliedert war. Im Juli 1927 trat Hapoel der SASI bei und unterzeichnete mit Makkabi ein Abkommen über die Zusammenarbeit, woraus in der Praxis Widersprüche und Konflikte erwuchsen.
 (deutsch: der Arbeiter) zu etablieren, 1924 der erste dauerhafte Arbeitersportverein dieses Namens noch innerhalb der Verbandsstrukturen des Makkabi formierte.8 So unnachgiebig Yekutieli für den nationalen Alleinvertretungsanspruch des Makkabi im Mandatsgebiet eintrat, was etwa im Weltverband weit weniger streng beurteilt wurde, so umtriebig war er auch und avancierte zu einer zentralen Figur für den internationalen und palästinensischen jüdischen Sport. Er stammte aus dem westlichen Russischen Reich, dem heutigen Belarus, und war während der zweiten  Alija
Alija
auch:
Aliyah, Alijot
Der aus der Bibel stammende Begriff „Alija” (hebr. „Aufstieg”, wörtlich „hinaufsteigen”) wurde v.a. nach der Entstehung des politischen Zionismus als Bezeichnung für die Rückkehr von Juden nach Israel verwendet und als zionistisches Ideal angesehen. Vor der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 kam es zwischen 1882 und 1939 zu fünf unterschiedlich starken Einwanderungswellen, die als „fünf Alijot“ (Pl. von Alija) bezeichnet werden. Die vielschichtigen Gründe für diese Wellen lagen u.a. im Antisemitismus in den Ausreisestaaten. Vor 1919 erfolgte die Immigration nach Palästina hauptsächlich aus dem Russischen Reich. Sie lässt sich in zwei Phasen unterteilen: Die erste Alija dauerte von 1882 bis 1903, die zweite von 1904 bis 1914. Angesichts der antisemitischen Verfolgung in den neu entstandenen Staaten nach dem Zerfall der großen Imperien nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte zwischen 1919 und 1923 die dritte Alija. Die vierte Alija (1924-1927) und die fünfte Alija (1930-1939) sind auch im Kontext der (Welt-) Wirtschaftskrisen, wobei die letzte Auswanderungswelle mit dem Aufstieg des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland einherging. Als sechste Alija (1947–1950) wird die Auswanderung nach Israel im direkten Zusammenhang mit der Staatsgründung 1948 bezeichnet. Im Jahr 1950 wurde in Israel das Rückkehrgesetz erlassen, welches Personen jüdischer Herkunft oder Personen jüdischen Glaubens die Einwanderung nach Israel sowie die Erlangung der israelischen Staatsbürgerschaft erlaubt. Der Kreis der Berechtigten wurde nach und nach erweitert. Seitdem erreichten Israel mehrere kleinere Migrationswellen, die meist mit einer stärkeren Ausprägung von Antisemitismus in den Auswanderungsländern einhergingen. Insbesondere in der israelischen Geschichtsschreibung werden auch frühere Auswanderungswellen der jüdischen Bevölkerung in das Gebiet des heutigen Israels als Alijot bezeichnet.
 1909 mit seiner Familie in das damals noch osmanische Palästina eingewandert. Noch vor dem Ersten Weltkrieg trat er dem im Jahr 1906 gegründeten Sportverein Rishon Letzion in Jaffa bei, der sich nach Gründung der Stadt Tel Aviv in Makkabi Tel Aviv umbenannte. Somit ist Makkabi Tel Aviv der älteste Sportverein im heutigen Staat Israel. Nach seinem Kriegsdienst trieb er als Verbandsfunktionär die Institutionalisierung und Internationalisierung des jüdischen Sports im Mandatsgebiet voran. Neben seinem Engagement für den Fußball initiierte er auch die Gründungen der Vorläuferinstitution des heutigen israelischen Leichtathletikverbands sowie des Nationalen Olympischen Komitees und war auf dem Makkabi-Weltkongress 1929 der Ideengeber für das Projekt der Makkabiade, eines internationalen jüdischen Sportwettbewerbs, welches 1932 in Tel Aviv erstmals realisiert wurde.
Über die Empfängerin des Briefes, die Société Sportive Orientale in Kairo, lässt sich leider nichts mehr ermitteln. Die handschriftlichen Notizen des Archivs lassen den Schluss zu, dass es sich um Unterstützer der FIFA-Mitgliedschaft des palästinensischen Fußballverbands in Ägypten gehandelt haben könnte. Tatsächlich unterhielt Yekutieli seit einer Kairo-Reise 1927 mit Makkabi Hashmonai Jerusalem gute Kontakte zum dortigen. Fußballverband und insbesondere zu einem Schiedsrichter namens Yusuf Mohammad.9 Ohnehin pflegten die jüdischen Teams Palästinas während der Mandatszeit gute Beziehungen in die angrenzende arabischen Länder Ägypten, Syrien und Libanon, ganz im Gegensatz zu den fehlenden Kontakten zu ihren inländischen arabischen Counterparts.10
Sportvereine und genauer Fußballteams sind nicht nur unter der jüdischen, sondern auch unter der arabischen Bevölkerung Palästinas für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg belegt, wobei auf arabischer Seite christlichen Missionsschulen eine zentrale Rolle zukam, während sich auf jüdischer Seite bereits unabhängige Clubs wie jener erste, in welchem Yekutieli Mitglied wurde, gegründet haben.11 Gleichwohl betonen sowohl die hebräische als auch die arabische Sportgeschichtsschreibung den enormen Schub, welcher für die weitere Entwicklung des Fußballs in Palästina von den britischen Besatzern und späteren Mandatsherren ausgegangen sei.12 Tatsächlich blieben diese bis weit hinein in die 1920er-Jahre die treibende Kraft. Erst als der britische Hochkommissar General Herbert Plumer eine dramatische Reduktion der Zahl stationierter Soldaten und Polizisten umsetzte und damit das Reservoir für die bislang zahlreichen britischen Fußballteams schwächte, zeichnete sich ein Umbruch ab, den Yekutieli für seine Zwecke zu nutzen wusste.13
 
Bereits 1925, anderen Angaben zufolge 1926, hatte Yekutieli versucht, mit dem palästinensischen Makkabi in den Fußballweltverband FIFA (Fédération Internationale de Football Association) aufgenommen zu werden, war allerdings an der Vorgabe gescheitert, alle am Fußball Beteiligten des Territoriums zu repräsentieren, folglich auch Araber und Briten.14 Ein anderes – innerzionistisches – Problem war die Beteiligung der Arbeitersportvereine, die sich zwischenzeitlich in einem eigenen Verband, dem im Mai 1926 gegründeten Ha-Po’el, organisiert hatten, welcher zu der Gewerkschaft Histadrut Klalit gehörte, und damit die vorgebliche Neutralität des Makkabi in Zweifel zogen.15 Yekutieli verhandelte mehrere Übereinkommen, um das Verhältnis zwischen seinem Verband und dem Ha-Po’el zu bestimmen. Dessen Mitgliedschaft in der Luzerner Sport-Internationale (LSI, ab 1928:  Sozialistische Arbeitersport-Internationale, SASI
Sozialistische Arbeitersport Internationale
auch:
SASI
Die Sozialistische Arbeitersport Internationale (SASI) trug diesen Namen seit 1928. Schon 1913 hatte es auf dem Arbeitersportkongress in Gent die Initiative gegeben, den Arbeitersport international zu organisieren, doch erst nach dem Ersten Weltkrieg kam es zum Gründungskongress in Luzern im September 1920. Die französische und die belgische Delegation lehnten aus Gründen der Breitenwirkung einen auf den Sozialismus verweisenden Namenspartikel ab. So hieß die Organisation zunächst Internationaler Arbeiter-Verband für Sport und Körperkultur und war auch als Luzerner Sportinternationale (LSI) bekannt, ab 1925 dann als Internationaler sozialistischer Verband für Arbeitersport und Körperkultur. Zahlreiche Spannungen gab es mit der 1921 gegründeten Roten Sportinternationale (RSI), dem Sportverband der Komintern. Im Vorfeld der ersten Arbeiterolympiade 1925 in Frankfurt am Main verlangte die RSI die bedingungslose Teilnahme ihrer Mitglieder, was die LSI jedoch ablehnte. 1927 stellte die LSI alle Kontakte zur RSI ein, die ab 1928 ihrerseits an den Olympischen Spielen orientierte Spartakiaden abhielt. Die SASI lehnte eine Beteiligung Hapoels an einem Fußballverband in Eretz Israel ab, da dessen Mitgliedschaft im internationalen Fußballverband FIFA angestrebt wurde. Die FIFA galt der SASI als vermeintlich bürgerlicher Verband des professionellen Sports.
) ab 1927 belastete die Beziehungen von Neuem, stellte es doch ein ernstes Hindernis für eine internationale Anerkennung des palästinensisch-jüdischen Sports dar.16 Erschwerend kam hinzu, dass sich Ha-Po’el aus dem Stand zur größten Sportorganisation des Landes entwickelte.17
Unterdessen bot das Vakuum, das die britische Truppenreduktion hinterließ, die Gelegenheit, im Fußball einen Modus der Zusammenarbeit – innerjüdisch wie mit arabischen und britischen Teams – zu etablieren, was zur Gründung eines nationalen Fußballverbandes führte, welcher schließlich Mitglied der FIFA wurde.18 Der entscheidende Schritt lag in der Austragung von Pokalspielen 1928 mit 12 Mannschaften, wovon sechs jüdisch, eines arabisch und fünf britisch waren.19 Den Sieg teilten sich im Mai 1928 Ha-Po’el Tel Aviv und Makkabi Hashmonai Jerusalem, und beide Verbände arbeiten zudem in jenem Sommer auf Einladung des Industriellen Sir Alfred Mond an der Aufstellung einer jüdischen Nationalmannschaft, welche England bereisen sollte, zusammen.20
Dies schuf für Yekutieli die Grundlage, um für den 14. August 1928 zur Gründungssitzung des Palästinensischen Fußballverbandes einzuladen. Vierzehn jüdischen Teilnehmern stand nur ein arabischer gegenüber, britische Vertreter kamen erst später – offenbar nach dem hier vorliegenden Brief Yekutielis – hinzu.21 Der Vertreter vom arabischen Sportverein Jerusalem, ein Angehöriger der einflussreichen Nusseibeh-Familie, tauchte in späteren Protokollen nicht mehr auf, sodass seine Beteiligung – und damit eine arabische Beteiligung überhaupt – mitunter angezweifelt wird.22 Das Problem der Mitgliedschaft von Ha-Po’el-Vereinen im neuen Verband konnte erst mit Verzögerung gelöst werden, was einer früheren Kooperation keinen Abbruch tat. Die SASI verbot ausdrücklich die gleichzeitige FIFA-Mitgliedschaft, sodass Ha-Po’el 1930 de jure temporär in den palästinensischen Verband eintrat, ohne damit gleichzeitig in der übergeordnete FIFA vertreten zu sein.23
Die vorliegende Quelle lässt mit Blick auf die Beteiligung der Briten und Araber, aber auch des zionistischen Arbeitersports erhebliche Zweifel daran, dass es bei der FIFA-Bewerbung von Yekutielis Verband mit rechten Dingen zugegangen war. Und doch: Am 17. Mai 1929 nahm ihn der Weltverband bei seiner Jahrestagung in Barcelona offiziell auf.24 Der Bericht, der zwischen der offenbar mäßig erfolgreichen Verbandsgründung und der internationalen Anerkennung entstand, ist sicherlich cum grano salis zu lesen, ging er doch von einem Ligasystem in gleich drei Spielklassen mit weit über 60 beteiligten Mannschaften aus, während für den Zeitraum vor 1932 kein noch so bescheidender regelrechter Ligabetrieb des neuen Verbands nachweisbar ist.25 Jedoch gab sich Yekutieli nach außen größte Mühe, diesen Umstand zu kaschieren: Im Jahr 1930 kündigte er in einem neuerlichen Bericht über den Fußball in Palästina, diesmal für das FIFA-Jahrbuch, den bevorstehenden Start der ersten nationalen Liga  mit zwei, nach geographischer Nähe weiter unterteilten Spielklassen an.26
Die Pogrome des August 1929 rund um das antijüdische Massaker von Hebron mit 67 Ermordeten überschatteten die jüdisch-arabischen Beziehungen dauerhaft und unterstrichen zudem, dass die britische Mandatsmacht nicht willens oder fähig war, die jüdische Bevölkerung zu schützen.27 Vor diesem Hintergrund erscheint das Scheitern des Liga-Projekts nur allzu plausibel, ohne dass es dazu eines von den Briten verhängten Fußballverbots bedurft hätte, wie ein Autor behauptet.28 Tatsächlich löste das im Oktober 1930 von Kolonialminister Lord Passfield vorgelegte Weißbuch, das der jüdischen Immigration neue Restriktionen auferlegte und schließlich zurückgenommen wurde, erhebliche Proteste im Fußball aus, jüdische Fans feindeten britische Teams und arabische Fans an; in der Folge wurden Spiele zwischen britischen und jüdischen Mannschaften tatsächlich verboten und erst wieder bei den ersten Ligaspielen 1932 Realität.29 Arabische Vereine scheinen 1931 einen eigenen Fußballverband gegründet zu haben und 1934 schieden die letzten arabischen Clubs aus Yekutielis Verband aus.30

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