Sportjugend in Ettlingen

Vom Ettlinger Schulungskursus des Sportbundes des RjF
Der Zeitungsartikel „Sportjugend in Ettlingen“ erschien in der Sportbeilage „Die Kraft“ der Ausgabe des „Schild“, des Organs des „Reichbundes jüdischer Frontsoldaten“ (RjF), vom 5. Juli 1935. Darin berichtete der Redakteur und zugleich Teilnehmer Paul Yogi Mayer von dem reichsweiten Olympia-Trainingslager für jüdische Sportlerinnen und Sportler, das vom 16. bis 27. Juni 1935 in der Südwestdeutschen Sportschule Wilhelmshöhe bei Ettlingen in Baden stattgefunden hatte. Wie kam es dazu, dass die gleichgeschaltete nationalsozialistische Sportführung in Deutschland im Vorfeld der Olympischen Spiele im eigenen Land jüdische Athletinnen und Athleten zu eigenen Schulungslagern einlud?

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Transkription (Deutsch)

Sportjugend in Ettlingen
Vom Ettlinger Schulungskursus des Sportbundes des RjF.
Im Olympia-Schulungslager „Wilhelmshöhe“ bei Ettlingen fand vom 16.­–27. Juni ein leichtathletischer Sonderkursus des Sportbundes des RjF. statt.
Sonne, lachende Jungengesichter, sich türmende Koffer, Sportgespräche, kurzum D-Zug-Stimmung wie auf Fahrt zu unseren Kämpfen. So sah es nicht nur bei denen aus, die aus Südwestdeutschland kamen, sondern auch bei den Berlinern, Rheinländern, den Schlesiern, überall dort, wo die Besten unseres Sportbundes nach Karlsruhe zum Treffpunkt fuhren.
In  K a r l s r u h e  die üblichen offiziellen „Speechs“ beim Empfang durch den LB. des RjF., nur etwas gelockerter in Aufbau und Inhalt, trotzdem aber voller Ermahnungen und Hoffnungen. Die Jungen hören zu, manches Bild bleibt hängen und dauert über den Kurs hinaus. Trotzdem sind alle froh, dass sie bald auf den hohen gelben Omnibus klettern können, der sie h i n a u f n a c h E t t l i n g e n bringt. Und schon beginnen die ersten Lieder, manchen noch neu, anderen vertraut, die uns nicht mehr verlassen sollten. Singen wurde ein notwendiger Bestandteil unserer Arbeit, Ausdruck unseres „Ettlinger“ Lebensgefühls.
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„Dort oben liegt Ettlingen.“ Onkel Hans (Dr. Goetzl) zeigt auf ein Haus, an dem alle Blicke gebannt hängen. Irgendetwas Magisches strömt von dort aus, jeder fühlt sich schon irgendwie in den Bann gezogen. – (In Wirklichkeit war es das falsche.) – Bald hält der Autobus vor der Tür. Die Jungen und Mädel springen hinaus und werden auf die Zimmer verteilt. Wir „alten Ettlinger“ treffen gute Bekannte. Wir sind sofort wieder zu Hause. Das erste, das allen auffällt: Der Blick über den Rhein hinüber zu den Vogesen, über denen ein blauer Abenddunst steht.
Dann das Kommando: Trainingsanzüge anziehen, um 7.40 Uhr zum Abendessen runterkommen!
Als wir später um den Tisch sitzen, die Hände sich von dem gemeinsamen Beginn zu einer Kette verbinden, da wissen wir, dass wir in diese Bindung nicht nur acht Tage, sondern auf längere Zeit in ein Sportleben eingespannt sein werden. In jedem ist der W i l l e z u r K a m e r a d s c h a f t. Jeder ist aufgeschlossen für das Erlebnis dieser Tage. Mit eins fühlen wir uns aus unserer bisherigen Umgebung herausgehoben und auf acht Tage in ein Sportlerparadies versetzt; Wilhelmshöhe wurde zur glücklichen Insel.
Der Abend bringt Spiele an Tischen, deren Einrichtung uns noch unbekannt, an Geräten, deren Tücken wir erst kennen lernen. Geschicklichkeitsspiele überwiegen. Und dann kommt die erste Ettlinger Nacht mit dem langen Schlaf in herrlichen Betten, in denen man von wirbelnden Speeren träumt, in denen Speiksnägel zu Lanzen werden, Diskusscheiben zu rotierenden Planeten. Am anderen Morgen Frühstück mit Haferschleim, Eiern, Milch (dieser Milch gebührt eigentlich ein Gedicht „Lob der Ettlinger Milch“), Brötchen, Malzkaffee, Butter, Marmelade, Graubrot, Schwarzbrot, Weißbrot1, – kurzum, bald haben wir soviel gegessen, dass wir nicht mehr arbeiten wollen. Aber Onkel Ed (der Leiter des Kursus, Kam. Kam. Abkürzung Kamerad Edwin H a l l e) lässt antreten.
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Da der sportliche Leiter des Kursus,  O l y m p i a - T r a i n e r R ü ß m a n n ,  erst am nächsten Tage ankommt und es regnet,  beginnen wir mit Körperschule im Saal. Sportlehrer Kurt G l a d i t s c h übernimmt die Leitung. Seilspringen, Medizinball-Spiele, Lockerungs- und Spannungsgymnastik, vorbereitende Gymnastik für Leichtathletik und anderes mehr wechseln nach planvollem Aufbau. Zum erstenmal kommen wir mit dem Ettlinger Fluidum in Berührung:
Schwitzende Arbeit
Dann kommen die gemeinsamen Duschen, jenes Stehen in einem warmen Regen, zu dem 20 Stimmen laut und vernehmlich den Takt singen; und das in Zukunft jeden Tag zweimal, so dass für uns bald s p o r t l i c h e A r b e i t u n d h e i ß e D u s ch e n nicht mehr zu trennen sind.
Mittags leichte Arbeit: Laufen, Springen, Werfen, Stoßen. Allmählich lernen wir uns gegenseitig kennen, finden die Einheit von Personen und Namen, die wir aus der „Kraft“ aus Sportberichten kennen. „Ach so, das ist Schild, der 10,8 lief, und das ist Burg, der vor ein paar Tagen die Sportbund-Bestleistung in Kugelstoßen und Diskuswerfen aufstellte“ – so hört man sagen; und allseitig beäugt wurde  G r e t e l B e r g m a n n. G r e t e l B e r g m a n n. Margarete „Gretel“ Bergmann, verh. Lambert (1914–2017), war eine deutsch-US-amerikanische Athletin. Sie trieb seit frühester Kindheit Sport in paritätischen Vereinen. Besonders erfolgreich war Bergmann im Hochsprung, wurde durch ihre Leistungen zu einer der besten Hochspringerinnen Deutschlands. Nach der Machtübernahme erfolgte der Ausschluss aus ihrem Sportverein. Bergmann emigrierte nach London und nahm in der Folge an britischen Wettkämpfen teil. Als Reaktion auf die Boykottbewegung gegen die Olympischen Spiele, wurde Bergmann seitens des NS-Regimes gezwungen nach Deutschland zurückzukehren und für Olympia zu trainieren. Sollte sie dem nicht nachkommen, drohte das Regime ihrer in Deutschland verbliebenen Familie mit Repressalien. In Deutschland durfte sie in keinem paritätischen Verein starten und trat so dem jüdischen Sportbund „Schild“ bei. Obwohl sie 1936 ihren Meistertitel verteidigte und sogar einen deutschen Rekord aufstellte, wurde sie von der Teilnahme an der Olympiade ausgeschlossen. Bergründet wurde dies mit ihrer angeblich unzureichenden Leistung. Bergmann konnte in die USA emigrieren und heiratete dort den aus Deutschland stammenden Arzt Bruno Lambert. Auch in den USA gewann sie nationale Meisterschaften.In Deutschland wurden ihre sportlichen Leistungen erst ab 1999 wieder anerkannt. Im Jahr 2017 verstarb sie im Alter von 103 Jahren in New York.  
Als der Abend kommt, das Essen vorbei ist, da merken einige schon, dass sie den Tag über gearbeitet haben, während bei den anderen jetzt erst alles richtig in Schwung gekommen ist. Nur mit Mühe kann man z. B. Herbert von der Hochsprungplatte bringen.
Dann liegen wir in Liegestühlen in der Südecke der großen Terrasse. Der hereinbrechende Abend, der die Wärme des Tages behalten hat, deckt uns mit seinem Grau. Lieder klingen auf, die Klampfen begleiten und die manchmal abgehackten und dann wieder langgezogenen Töne einer Ziehharmonika. Unten im Rheintal strahlen die ersten Lichter. Der erste Ettlinger Abend mit seiner Ruhe wird so zum Erlebnis.
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Am anderen Tage kommt Herr Rüßmann. Wir treten an, marschieren zur Arbeit. In Viererreihen wird zum Sportplatz hinunter ins Tal marschiert. Während sich der Zug durch die Kurven der Straße windet, klingen Lieder auf. Wären die Ettlinger Einwohner nicht längst mit diesen Bildern vertraut, sie hätten meinen müssen, daß dort eine Horde Barbaren mit langen Spießen und Wurfscheiben, mit großen Eisenkugeln und Stachelschuhen sie bedrohen. Auf dem Platz war die erste Arbeit: Warmlaufen. Als wir uns davon zurückmeldeten, wurden wir wieder weggeschickt. Das Prinzip der „Schwitzenden Arbeit“ wurde uns erst allmählich vertraut.
Sonne und Kälte sind Feind und Freund des Sportlers. Sie werden zum Feind des Leichtathleten vor der Arbeit. Glühende Sonne auf nacktem Körper ist genau so schädlich vor dem Wettkampf wie beißende Kälte. Die W ä r m e , die zur Höchstleistung benötigt wird, darf nicht von außen durch Sonnenbestrahlung kommen, sondern  v o n i n n e n  durch Arbeit, durch Warmlaufen und Warmspringen. Und so kam es, daß wir selbst bei strahlender Sonne – meistens regnete es aber – im Trainingszeug arbeiteten und bald erlebten, daß nur so es möglich ist, eine Leistung zu erzielen.
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Was dann kam, war für uns nichts anderes als eine Revolution in unserem sportlichen Leben. W i r m u ß t e n a l l e u m l e r n e n , denn die letzten Arbeitsjahre im deutschen Sport hatten wieder solche Erfahrungen gebracht, daß vieles früher Gelernte überholt war. So arbeiteten wir nun sieben Tage lang. K o n d i t i o n s t r a i n i n g wechselte mit S p e z i a l a r b e i t. Wir lernten, daß z. B. nur dann eine Leistung mit einem Gerät erzielt werden kann, wenn zwischen W e r f e r und dem G e r ä t eine i n n e r e V e r b u n d e n h e i t besteht. Das Spielen mit dem Diskus, das „Poussieren“ mit der Kugel, nur das Laufen mit dem Speer waren Dinge, denen wir viel zu wenig Beachtung geschenkt hatten. Sie wurden nun tägliche Übung, und wir verstanden die Forderung Rüßmanns,
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das nur der „Techniker“ etwas werden kann, der dauernd, möglichst täglich mit seinem Gerät übt und so mit ihm eine Einheit wird.
Die Läufer erkannten, daß alles Training für sie erfolglos sei, wenn sie es nicht nach bestimmten Grundsätzen aufbauten. Nun lernten sie, daß es sinnvoller ist, z. B. zu versuchen, an einem Abend achtmal die 100 Meter in genau 13 Sekunden auf Steigerung zu laufen, als sie zwei- oder dreimal in 11 oder 11,5 Sekunden herunterzurasen. Die Beherrschung des Laufes bei vollster Lockerung wurde zur Trainingsaufgabe. Das Ergebnis war zunächst, daß einige Teilnehmer in Wettkämpfen durch Verkrampfung schlechtere Zeiten leisteten als im Training bei Stilarbeit. Mancher brauchte zwei bis drei Tage, bis er einsah, daß die richtige Beckenlage, die Streckung bei der Beinarbeit für ihn das Wesentliche sind; der Hochspringer, daß Stemmwirkung des Absprungbeins, Einsatz des Schwungbeins bei ihm noch völlig fehlten. Nur mit Mühe gaben viele ihre bisherige Anlaufsweise auf, um sich in den notwendigen Fünferrhythmus einzuarbeiten. Mancher Weitspringer fand im ganzen Kursus nicht mehr sein Sprunggefühl, weil er seine bisherige Arbeit zugunsten der neuen aufgegeben hatte und in ihm noch
Widerstreit zwischen Bisherigem und Neuem
herrschte. So kam es auch, daß wir in diesem Kursus immer weniger Wert auf die eigentliche Leistung legten, sondern nur noch an Stil und technische Arbeit dachten. Der eigentliche Erfolg dieses Kursus in sportlicher Hinsicht kann daher nicht nach Leistungen, die in Ettlingen oder direkt danach, wenn sie auch noch so gut sind, erzielt worden sind, beurteilt werden, sondern erst in 14 Tagen oder vier Wochen, ja vielleicht erst noch später. 
Die Abende brachten einen M a s s a g e k u r s u n d F i l m e. Wir sahen, daß selbst unsere Besten noch an technischen Fehlern leiden, daß ein bestimmter Meister z. B. in Wirklichkeit noch lange kein eigentlicher „Meister“ war.
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 Als wir am Donnerstagmittag unter der Dusche standen, hatten wir alle eine richtige „Sauwut“ auf den Sport. Wir waren nicht nur übertrainiert, sondern z.T. auch verletzt und viele übermüdet. Als dann bei Tisch Rüßmann den Vorschlag einer Autofahrt nach Baden-Baden machte, wurde er begeistert aufgenommen. Der Regen störte uns dabei genau so wenig wie bei der Arbeit in den vergangenen Tagen. Als wir am Abend hinter Baden-Baden in langen Serpentinen hinauffuhren und Lied um Lied erklang, da fühlten wir, daß wir wirklich in diesen paar Tagen schon eine Gemeinschaft geworden waren. In einer Pause zwischen zwei Liedern, in der die Blicke über die Bergkuppen des Schwarzwaldes sich in den verdämmernden Abendhimmel verloren, klang die Stimme eines Jungen: „Und hier soll man nicht daheim sein?“. Keiner antwortete, bejahte oder widersprach. Zu widersprechen gab es auch nichts, denn das war ja bei allen so, und zu bejahen, das war unnötig! – Oben auf der Höhe hielten wir. Heidelbeerzweige wurden zum Vereinsabzeichen. Das „Sieh mal da, sieh mal dort“ wurde Inhalt aller Reden. Als wir auf Burg Eberstein durch den Rosengarten gingen, wußten selbst die Berliner keine schnoddrigen Bemerkungen mehr, und selbst Klausens „so’n Bart“ wurde auf eine ganze Zeitlang, wie Statistiker versicherten, nicht gehört.
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Der Freitagnachmittag brachte eine  L e i s t u n g s p r ü f u n g  im Stadion in Karlsruhe. Die Leute waren übermüdet, verletzt, z. T. sogar übertrainiert, die Bahnen durch Gewitterregen aufgeweicht. Trotzdem brachten die Leute z. T. sehr beachtliche Leistungen. Doch werden erst spätere Starts das endgültige Bild unserer ersten Rennmannschaft geben.
Aber eines sahen wir auch dort schon. Wir haben eine Menge guter Mehrkämpfer, die aber immer Durchschnitt bleiben werden, solange es ihnen nicht gelingt, auf eine Sportart zugunsten einer anderen zu verzichten. Wir erkannten, daß es selbstverständlich ist, daß ein Läufer auch springen kann, daß auch ein Kugelstoßer ein gewisses Maß von Sprungkraft braucht, aber daß er trotzdem seine Kraft auf einen bestimmten Sportzweig legen muß.
 
Diese Spezialisierung wird Aufgabe der nächsten Zeit sein.
Sie wird aber nur dann durchzuführen und von Erfolg begleitet sein, wenn unsere Leute nicht dauernd, durch Leistungstraining sich verkrampfen, sondern durch das inzwischen gelernte Zwecktraining und durch die aufbauende Arbeit locker, leicht und entspannt bleiben. Wir sahen, daß ein beschränkter Sportler nie etwas leisten wird, daß aber auch Fachsimpeleien und dauernde theoretische Erörterungen in gleichem Maße die Entwicklung hemmen.
Zu diesem sportlichen Erleben und Erkennen trat noch ein zweites:
Das menschliche Erlebnis, die Kameradschaft
untereinander, das Verhältnis zu den anderen Sportlern (Olympia-Langstreckler-Kursus), die gleichzeitig auf Wilhelmshöhe waren. Der F r e i t a g a b e n d brachte eine gemeinsame Feier, Kiddusch und ein paar Gedichte, für manche gewohnt, für andere ein neues Erlebnis. Am Tag zuvor war ein bunter Abend gestiegen, und die vielen Mundarten der deutschen Landschaft klangen auf in Lied und Reim, lustige Spiele wurden ausgetauscht und wanderten so in die Abende unsere Vereine.
Über das Erlebnis und die Erkenntnis „Ettlingen“ wird noch lange zu berichten sein. Immer und immer wieder wird dieser Schulungskurs in Berichten und Erzählungen durchdringen. Die „Ettlinger“ werden mit ihrem „Hiiip-Peeh“ noch oft auf den Sportfesten auftauchen, mit diesem lustigen Sportruf sich grüßen. Das ist gut so, denn damit haben wir die Besten unseres Sportbundes zu einer unlösbaren Kameradschaft zusammengeschlossen. Sie ist Grundlage für alle kommenden Kämpfe.
Der Sonntag brachte für einige Teilnehmer auf der Rückreise einen Start in  M a i n z.  Auffallend war die Überlegenheit der „Kursisten“ den anderen Sportlern gegenüber, auffallend die Leichtigkeit, mit der sie ihre Rennen gewannen, vorbildlich der Stil. Mainz wurde zur Bestätigung, daß der Ettlinger Kurs vollauf geglückt war, zur Bestätigung unserer Hoffnungen, daß wir in kurzer Zeit die Leistungen des Sportbundes erheblich steigern werden.
Ettlingen wird zum Ansporn werden für alle unsere Sportler, die einmal mit zu den Besten unseres Bundes  gehören wollen. Der Dank der Teilnehmer an den Sportbund wird ihre Leistung sein: „mit unserer Arbeit wollen wir danken“ war der Abschied an Herrn Rüßmann, unseren vorbildlichen Kursleiter.
H i i p - P e e e h !
PYM PYM Paul Yogi Mayer (1912–2011) war Sportler und Sportjournalist. An der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin machte er in den 1930er Jahren das Sportlehrdiplom, nachdem ihm in Frankfurt am Main ein Studienplatz als Jude verwehrt worden war. Nach einer Station als Lehrer an der Jüdischen Landschule in Herrlingen wurde er 1935 Jugenddezernent des RjF. Zudem war er bald auch Leiter der Sportabteilung „Schild“ des RjF. Während der Olympischen Spiele 1936 war er als Sportjournalist für jüdische Organisationen tätig. Danach wandte sich der RjF von seiner assimilatorischen Haltung ab, befürwortete Auswanderung und unterstützte ein Ausbildungsprojekt für nicht-zionistische Jugendliche. 1937/38 unterrichtete Mayer an jüdischen Schulen in Berlin, darunter die „Private Waldschule Grunewald“. 1939 emigrierte Mayer mit seiner Familie nach England und war dabei Betreuer eines Kindertransports. Um der drohenden Armut zu entgehen, meldete er sich in England freiwillig zum Militär. In der unmittelbaren Nachkriegszeit war Mayer als Dozent für Sport und Kunst in einem jüdischen Jugendclub tätig, die Kinder, die dort hinkamen, waren mehrheitlich KZ-Überlebende. Zudem war er als Lehrer an jüdischen Schulen tätig. In den 1980er Jahren ging er in den Ruhestand und begann als Zeitzeuge an deutschen Schulen seine Geschichte zu erzählen.
Die Teilnehmer.
Gretel Bergmann, Stuttgart
Hanne Mann, Ulm
Kurt Rosenbaum Kurt Rosenbaum Kurt Rosenbaum wurde im Jahr 1913 in Osterode geboren und war Fußballer sowie Leichtathlet in der RJF-Sportgruppe Schild in Münster. 1937 konnte er nach Kapstadt fliehen. , Münster
Gerhard Reubeck, Erich Schild Erich Schild Erich Schild (1906–1999) war Schauspieler, Hörspielsprecher und Leichtathlet. Da seine Mutter und sein Stief- und Adoptivvater seine Liebe zum Theater ablehnten, absolvierte er zunächst eine kaufmännische Ausbildung und führte ein vom Vater eigens für ihn eingerichtetes Geschäft. Nach dessen Tod 1929 ließ sich Schild in Schauspiel ausbilden und fand ein Theaterengagement, das er 1933 als Jude verlor. Außerdem schloss ihn sein Handballverein aus, woraufhin Schild, der als Jugendlicher Westfalenmeister im 100-Meter-Lauf gewesen war, im Sommer 1933 zu Freunden nach Strasbourg floh und dort in einen Club eintrat. Aus Heimweh zog er 1934 jedoch zurück zu seiner Mutter nach Dortmund und trat in die dortige Sportgruppe Schild ein, für die er neue Bestleistungen erzielte. Von 1935 bis 1937 absolvierte er eine Sportlehrerausbildung in Stuttgart und zog anschließend nach Belgien, wo er nach der deutschen Invasion interniert wurde. Er floh und konnte seiner Mutter durch einen Freund zur Flucht nach Belgien verhelfen, von wo aus sie jedoch ins besetzte Polen deportiert und ermordet wurde. Unter falschem Namen überlebte Schild in Frankreich und arbeitete als Trainer bzw. als Schauspieler. Nach dem Krieg kehrte er nach Deutschland zurück, benannte sich in Eric Schildkraut um und setzte seine Schauspielkarriere an verschiedenen Theatern in Deutschland fort. Nach einem kurzen Intermezzo in Israel wirkte er in Film, Fernsehen und Hörspielproduktionen mit und blieb bis zu seinem Tod 1999 in der Theaterwelt aktiv, besonders war er mit dem Thalia-Theater in Hamburg verbunden. , Dortmund
Erich Klaber Erich Klaber Erich Klaber (1914–1994) war Fußballer und Leichtathlet in der RjF-Sportgruppe Schild Borken und im Schild Bochum. Im Zuge der Pogrome im Jahr 1938 wurde er verhaftet und in das KZ Buchenwald deportiert. Im Dezember 1938 wurde er entlassen und emigrierte mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter über Rotterdam nach New York. , Borken
Leo Salmang Leo Salmang Leo Salmang (1908–1943) war Leichtathlet und 2. Kassierer des „Jüdischen Turnclubs“ 1906 in Aachen (bestand von 1906 bis 1933). In den 1930er Jahren war er im Schild Aachen aktiv und nahm an der Olympia-Schulung in Ettlingen teil. Salmang wurde in der Shoa ermordet. Ernst Boß Ernst Boß Ernst Voß war ein Nachwuchs-Sportler des Schild Aachen. Besonders erfolgreich war er als Sprinter und im Hochsprung. Neben Leichtathletik war er im Schild auch als Handballer und Fußballer aktiv. , Aachen
Ernst Leyser Ernst Leyser Ernst Leyser war Leichtathlet in der RjF-Sportgruppe Schild Duisburg. , Walter Burg Walter Burg Walter Burg wurde 1913 in Hamborn geboren und war Leichtathlet. 1936 konnte er nach Argentinien fliehen. , Duisburg
Leo Lambert, Köln
Magda Alberg, Hans Dieter Altschüler, Herbert Abt, Frankfurt a. M.
Herbert Wieseneck Herbert Wieseneck Herbert Wieseneck war Handballer und Leichtathlet beim SV Darmstadt 1898. Nach dem Ausschluss 1933 trat er dem Schild Darmstadt bei, den sein Bruder Moritz, ebenfalls Handballer im SVD, gegründet hatte und als Vorsitzender leitete. 1937 emigrierte er in die USA, wohin sein Bruder und dessen Frau Fränze mit dem gemeinsamen Sohn im Jahr zuvor ausgereist waren. , Julius Bendorf Julius Bendorf Julius Bendorf (1915–2016) war 1933 aus seinen Sportvereinen ausgeschlossen worden. Er trat dem Schild bei und wurde zu den olympischen Vorbereitungslehrgängen eingeladen, durfte dann aber letztlich nicht bei Olympia antreten. Er überlebte das KZ Auschwitz und den Todesmarsch. In der frühen Nachkriegszeit emigrierte er in die USA. , Darmstadt
Klaus Pförtner Klaus Pförtner Klaus Pförtner war Mitglied der ISG 33 Berlin. Er emigrierte gemeinsam mit Hein Mello (Bruder von Inge Mello) nach Argentinien. Dort hatte er eine Kontaktlinsenfirma, in der auch Inge Mello gearbeitet haben soll. , Klaus Wienskowitz Klaus Wienskowitz Wilhelm Klaus Wienskowitz (1914–2001) emigrierte in die USA. Sein Bruder und seine Eltern wurden in der Shoa ermordet. Zwei weitere Brüder konnten in die USA emigrieren. , Hilde Finkenstein Hilde Finkenstein Hilde Finkenstein war Leichtathletin. Sie gewann bei den RjF-Meisterschaften in Berlin 1937 eine Siegermedaille. , Lotte Lindenbaum, Inge Mello Inge Mello Ingeborg Vera Zwicknapp Mello, verh. Preiss (1919–2009) trat in den 1930er Jahren in den jüdischen Turn- und Sport-Club 1905 (JTSC 05) Berlin ein, später in den ISG 33 Berlin. Sie und ihr Bruder waren als Handballer aktiv. Inge Mello spielte in der Damenmannschaft, die von der Landesmeisterin und ehemaligen Weltrekordinhaberin Lilli Henoch angeführt wurde. 1938 emigrierte Inge Mello mit ihrer Mutter nach Buenos Aires. Ihr Bruder Heinz und ihr Verlobter Erich Preiß waren ebenfalls dorthin emigriert. In Argentinien konnte sie ihre sportliche Karriere fortsetzen. 1948 nahm sie an den Olympischen Spielen in London und 1952 bei den Olympischen Spielen in Helsinki teil. 1949 ließ sich das Ehepaar Mello-Preiß scheiden. Inge Mello arbeitete im Finanzministerium und soll auch in der Kontaktlinsenfirma ihres ehemaligen Schild-Kollegen Klaus Pförtner gearbeitet haben. Ihre Tochter Eleonora Preiß wurde ebenfalls eine argentinische Sportlerin. , Paul Yogi Meyer [sic!], Berlin
Erich Preiß Erich Preiß Erich Preiß, auch Preiss (1915–1977) war in der RjF-Sportgruppe Schild Breslau aktiv. Er lernte Inge Mello bei den Ettlinger Vorbereitungskursen kennen und sie begannen eine romantische Beziehung. Inge und Erich verlobten sich Mitte der 1930er Jahre. Im Sommer 1938 emigrierte Preiss nach Argentinien, wo sich bereits einige seiner Familienmitglieder aufhielten. Im Herbst 1938 emigrierten Inge Mello sowie ihre Mutter nach Argentinien. Inge und Erich heirateten am 1. April 1939 in Argentinien. 1949 ließ sich das Ehepaar Mello-Preiß scheiden und Preiß ging in die USA. , Breslau
Kurt Altschul, Mannheim
Fritz Reyersbach Fritz Reyersbach Fritz Reyersbach (1910–1999) war Mediziner und Leichtathlet. Er war eines von fünf Kindern des Oldenburger Fahrrad- und Musikinstrumentenfabrikanten und -händlers Franz Reyersbach und dessen Frau Grete, geb. Weinberg. Das Medizinstudium nahm er 1931 in Heidelberg auf und wechselte 1933 an die Universität Hamburg, wo er in die Sportgruppe Schild eintrat. Der Vater wurde im Herbst 1936 wegen angeblicher „kommunistischer Umtriebe“ verhaftet und starb am 14.12.1936 im KZ Sachsenhausen. Die Mutter wurde am 15.12.1941 von Hannover nach Riga deportiert und dort ermordet. Ein Bruder starb 1934, zwei weitere emigrierten 1936 nach Südafrika bzw. 1938 in die USA, die Schwester emigrierte im Juni 1939 nach London. Wie er den Holocaust überlebte, ist nicht bekannt. Nach 1945 wanderte Fritz Reyersbach in die USA aus und ließ sich unter dem Namen Fred Ryersbach im Großraum New York nieder. , Hamburg
Herbert Kochmann, Oppeln
Günther Werner, Beuthen
Kam. Sportlehrer Edwin Halle, Wiesbaden, als Mannschaftsführer.
Die Editionsrichtlinien finden Sie hier.

Fußnoten

1.
Hier und im Weiteren wird die Ligatur aus s und z als ß transkribiert.

Kommentar

Von Martin Borkowski-Saruhan
 
Der Zeitungsartikel „Sportjugend in Ettlingen“ erschien in der Sportbeilage „Die Kraft“ der Ausgabe des „Schild“, des Organs des „Reichbundes jüdischer Frontsoldaten“ (RjF), vom 5. Juli 1935. Darin berichtet der Redakteur und zugleich Teilnehmer Paul Yogi Mayer von dem reichsweiten Olympia-Trainingslager für jüdische Sportlerinnen und Sportler, das vom 16. bis 27. Juni 1935 in der Südwestdeutschen Sportschule Wilhelmshöhe bei Ettlingen in Baden stattgefunden hatte.1 Wie war es dazu gekommen, dass die gleichgeschaltete nationalsozialistische Sportführung in Deutschland im Vorfeld der Olympischen Spiele im eigenen Land jüdische Athletinnen und Athleten zu eigenen Schulungslagern einlud?
Die antisemitische Ausschlusspraxis, die viele Sportvereine in Deutschland bereits im Frühjahr 1933 aus eigenem Antrieb umsetzten, führte zwangsläufig zu einer Blüte jüdischer Vereine, einem regelrechten Boom, da es für die Ausgestoßenen unabhängig von der bisherigen Positionierung zum Judentum keine Alternativen mehr gab. Die neue Erfahrung von Zugehörigkeit wirkte stabilisierend auf die Gemeinschaft und unterstrich ihre Selbstwirksamkeit. Möglicherweise linderte das für manche auch die erschütternde Erfahrung der Kränkung, die der Rausschmiss durch die eigenen Vereinskameradinnen und -kameraden ausgelöst hatte. Einerseits vollzog sich eine neue Sinnstiftung und Sichtbarkeit jüdischer Sportlerinnen und Sportler. Andererseits zementierte deren kollektiver Ausschluss aus den allgemeinen Vereinen die Spaltung deutscher und jüdischer Vergemeinschaftung im Sport, was zugleich die infame Behauptung nationalsozialistischer Rassenideologen, jüdische Körper seien keine deutschen Körper, performativ in Szene setzte und gewaltsam als vermeintliche Tatsache hervorbrachte. Dabei ist klar, dass Körper veränderbar sind. Genauso veränderbar sind auch nationale oder ethnische Zuschreibungen, die zwar oft als fest und eindeutig gelten, aber beispielsweise im Kontext von Migration schnell überholt sind.2
Während die Olympischen Spiele von 1936 in Berlin dem jungen Regime als Mittel der Selbstinszenierung mehr als willkommen waren und ihm sogar manche Prioritätenverschiebung auf der politischen Agenda – wenn auch nicht in Bezug auf die Diskriminierungspraxis gegenüber Jüdinnen und Juden – abrangen, löste die Vorstellung, jüdische Wettkämpfende in den deutschen Olympia-Kader berufen zu müssen und so die eigene Ideologie Lügen zu strafen, bei der gleichgeschalteten Funktionselite des deutschen Sports Unbehagen aus. Um dieses Szenario abzuwenden, waren allerdings keine allzu großen Eingriffe über die schon ins Werk gesetzte Diskriminierung hinaus nötig. Die Trainingsbedingungen für jüdische Sportlerinnen und Sportler waren bereits ausgesprochen dürftig und die zur gezielten Leistungssteigerung unabdingbaren Wettkämpfe gegen nichtjüdische Gegner de facto ausgeschlossen.3 Die unweigerliche Folge der systematischen Benachteiligung war sportliches Mittelmaß, was Paul Yogi Mayer (1912–2011) in seinem Bericht aus Ettlingen nur andeutungsweise ausspricht, wenn er in höchsten Tönen vom enormen Nutzen des intensiven und technisch anspruchsvollen Trainings während des nur gut einwöchigen Olympia-Kurses schwärmt. In hohem Alter dann wählte Mayer eindeutigere Worte: „Ich war weit davon entfernt, olympiareif zu sein.“4
Die Haltung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland gegenüber den Berliner Spielen war uneinheitlich und ambivalent. Im Sommer 1935 machten sich wohl die Meisten über ihre aussichtslose Lage im Land keine Illusionen mehr und hofften auf solidarische Reaktionen aus dem Ausland, womöglich einen Olympia-Boykott. Oder dass zumindest ausländische jüdische Olympioniken über deutsche Athleten triumphieren würden, was noch möglich erschien. Erst am 26. September 1935 verabschiedete der Makkabi-Weltverband eine Resolution, die die nationalen Olympischen Komitees dazu aufforderte, jüdischen Athleten die Zumutung einer Teilnahme an den Spielen im nationalsozialistischen Deutschland zu ersparen.5 Nicht überall fand diese Bitte Beachtung: In Polen etwa wurde der militärdienstleistende Boxer Szepsel Rotholc von der Armee zur Teilnahme gezwungen. Auch die internationale Boykottbewegung gegen die Berliner Spiele blieb weitgehend erfolglos: Zwar verzichteten sechs Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf eine Teilnahme, doch nur in einem Fall – 
Mandatsgebiet Palästina
eng. Mandatory Palestine, heb. המנדט הבריטי מטעם חבר הלאומים על פלשתינה, fra. Palestine mandataire

Das Mandatsgebiet Palästina wurde infolge des Ersten Weltkriegs und der in den Nachkriegsjahren vorgenommenen territorialen Neuordnung der östlichen Mittelmeergebiete (Levante) geschaffen, die zuvor zum unterlegenen Osmanischen Reich gehört hatten. Im Kriegsverlauf waren die Gebiete westlich und östlich des Jordan, die historisch auch als Cis- bzw. Transjordanien bezeichnet wurden und den heutigen Staaten Israel, Jordanien sowie dem Westjordanland und dem Gazastreifen entsprechen, unter britische Herrschaft gekommen. Großbritannien hatte ab 1916 die regionale arabische Unabhängigkeitsbewegung in der Arabischen Revolte (1916–1918) entscheidend unterstützt, die militärisch eroberten Gebiete jedoch im Anschluss zwischen sich und Frankreich aufgeteilt. Noch vor Kriegsende hatte Großbritannien zudem nicht nur der arabischen, sondern auch der jüdischen Bevölkerung der Region Unterstützung in der Erlangung politischer Unabhängigkeit bzw. der Schaffung eigener Staaten zugesichert (Balfour-Erklärung, 1917). Die Konferenz von San Remo, die im April 1920 über die Aufteilung des Osmanischen Reiches entschied, bestätigte die britischen Gebietsansprüche. 1922 erteilte auch der Völkerbund Großbritannien offiziell das Mandat über das Gebiet.
Bereits 1923 teilte Großbritannien dieses erste „Mandatsgebiet Palästina“ in zwei Gebiete auf: „Transjordanien“, das 1946 unabhängig wurde und seit 1950 offiziell den Namen Jordanien trägt; sowie das erneut als Mandatsgebiet „Palästina“ bezeichnete Gebiet, das nun das historische Cisjordanien bzw. den westlich des Jordans gelegenen Teil der historischen Region Palästina und die südlich gelegene Negev-Wüste umfasste und nach wie vor einen Zugang zum Golf von Akaba und damit zum Roten Meer besaß.
Die Zeit des Mandats war von anhaltenden Unruhen zwischen den arabischen und jüdischen Bevölkerungsteilen des Mandatsgebietes geprägt, nach Ende des Zweiten Weltkriegs gab Großbritannien das Mandat auf und an die Vereinten Nationen (als Nachfolgeeinrichtung des Völkerbundes) zurück, die daraufhin einen Teilungsplan für die Region entwickelten. Zu dessen Implementierung kam es jedoch nie, da die Spannungen im Mandatsgebiet zum Palästinakrieg (1947–1949) eskalierten, in dessen Verlauf Israel seine Unabhängigkeit ausrufen und erfolgreich durchsetzen konnte.

Das Bild zeigt eine Karte des britischen Mandatsgebiets in Palästina zwischen 1945 und 1947. (Public Domain, via Wikimedia Commons)

 – erfolgte das ausdrücklich unter Berufung auf den staatlichen Antisemitismus in Deutschland.6 Schließlich gelang es jüdischen Teilnehmenden in drei Fällen, olympisches Gold zu holen, neben weiteren Zweit- und Drittplatzierungen.7
Im Vorfeld der Spiele gab es im Land nur eine Gruppe, die eine Berufung jüdischer Sportler in den deutschen Kader in Erwägung zog und sogar nachdrücklich anstrebte: den „Schild“, die Sportorganisation des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten (RjF). Darin kam auch die Sehnsucht zum Ausdruck, der Diskriminierung zum Trotz noch immer dazuzugehören und Teil der deutschen Nation zu sein. Diesen Gedanken artikulierte Paul Yogi Mayer in seinem Text sehr dezidiert, der den Ausschluss 1933 als aktiver Leichtathlet des BSC, des Berliner Sport-Clubs, bei seinem angestrebten Wechsel zur Eintracht Frankfurt erlebt hatte. Im Sportbund „Schild“ fand er Zuflucht und absolvierte einen Lehrgang speziell für jüdische Sportlehrer. Im Jahr 1935 wurde er Jugenddezernent, dann auch Verbandssportlehrer und verantwortete zudem die Sportbeilage („Die Kraft“) der gleichnamigen RjF-Zeitschrift. Für Mayer war es bereits der zweite Olympia-Lehrgang in der „Führerschule Wilhelmshöhe“ in Ettlingen bei Karlsruhe.8 Beim Auftakttraining im Oktober 1934 hatte auch noch der Makkabi-Verband mitgemacht, weshalb die vielfältigen programmatischen Zwistigkeiten mit dem „Schild“ von beiden Seiten hintangestellt werden mussten. Der Folgekurs im Juni 1935 fand kurz nach der zweiten Makkabiade im Mandatsgebiet Palästina statt, an der die deutschen Makkabi-Spitzenathleten anders als ihre Counterparts beim „Schild“ selbstverständlich teilnahmen und deshalb das Ettlingen-Angebot ausschlugen. Zudem nutzten viele Teilnehmende die Reise nach Tel Aviv zur dauerhaften Flucht aus Deutschland. 
Dessen ungeachtet liefen die Vorbereitungen für den Ettlinger Kurs. Mayer erinnerte sich später, gemeinsam mit dem Sportdezernenten des „Schild“, Walter Beck Walter Beck Walter Beck (1910–1963) war ein erfolgreicher Langstreckenläufer, Kaufmann und Sportfunktionär. Im Hakaoh Schwimm-Verein war er als Kassierer tätig. 1938 flüchtete Beck nach Shanghai, wo sich eine jüdische Sporttätigkeit entwickeln konnte. Der „Jewish Recreation Club“ wurde Mitglied des "Makkabi-Weltverbandes". Von Shanghai aus ging Beck nach Palästina und kehrte in der frühen Nachkriegszeit nach Wien zurück. Hier führte er die Firma seiner Mutter für Tuch- und Schafwollwaren fort. In der Firma fand zeitweise die frühere Hakoah-Schwimmerin Friederike „Fritzi“ Löwy eine Anstellung. Des Weiteren war Beck als Sportfunktionär tätig: 1949 wurde er als Kontrolleur in den Vorstand der Wiener Hakoah gewählt, 1950 fungierte er als Sportreferent und in den beiden darauffolgenden Jahren als Beisitzer. Mitte der 1950er-Jahre verließ er Wien und emigrierte in die USA, wo er 1963 verstarb. , für die Teilnahme 23 Frauen und Männer ausgesucht zu haben.9 Tatsächlich waren es wohl einige mehr: Mayers Bericht von 1935 listet inklusive des Mannschaftsführers Edwin Halle insgesamt 28 Namen auf. Zu jener Zeit machte sich zumindest Beck noch Hoffnungen, gleich mehrere „Schild“-Sportler in das Olympia-Team bekommen zu können.10 Dabei hatten annähernd 4.000 Athleten 1934 den Olympia-Eid geleistet, sodass die Chancen für die nur zwei Dutzend jüdischen Kursteilnehmer:innen so gering waren, dass die Absicht der deutschen Sportführung nur allzu deutlich wurde, gegenüber dem Ausland vermeintlich faire Startbedingungen für Juden zu inszenieren.11 Passenderweise fanden dann auch die als Qualifikation dienenden Ausscheidungswettkämpfe im unmittelbaren Anschluss an das kräftezehrende Ettlinger Training statt, was die ohnehin geringen Aussichten drastisch schmälerte.
Als letzte Olympia-Hoffnung verblieb schließlich die „Schild“-Hochspringerin Gretel Bergmann (später: Margaret Lambert; 1914–2017) Gretel Bergmann (später: Margaret Lambert; 1914–2017) Margarete „Gretel“ Bergmann, verh. Lambert (1914–2017), war eine deutsch-US-amerikanische Athletin. Sie trieb seit frühester Kindheit Sport in paritätischen Vereinen. Besonders erfolgreich war Bergmann im Hochsprung, wurde durch ihre Leistungen zu einer der besten Hochspringerinnen Deutschlands. Nach der Machtübernahme erfolgte der Ausschluss aus ihrem Sportverein. Bergmann emigrierte nach London und nahm in der Folge an britischen Wettkämpfen teil. Als Reaktion auf die Boykottbewegung gegen die Olympischen Spiele, wurde Bergmann seitens des NS-Regimes gezwungen nach Deutschland zurückzukehren und für Olympia zu trainieren. Sollte sie dem nicht nachkommen, drohte das Regime ihrer in Deutschland verbliebenen Familie mit Repressalien. In Deutschland durfte sie in keinem paritätischen Verein starten und trat so dem jüdischen Sportbund „Schild“ bei. Obwohl sie 1936 ihren Meistertitel verteidigte und sogar einen deutschen Rekord aufgestellt hatte, wurde sie von der Teilnahme an der Olympiade ausgeschlossen. Bergründet wurde dies mit ihrer angeblich unzureichenden Leistung. Bergmann konnte in die USA emigrieren und heiratete dort den aus Deutschland stammenden Arzt Bruno Lambert. Auch in den USA gewann sie nationale Meisterschaften. In Deutschland wurden ihre sportlichen Leistungen erst ab 1999 wieder anerkannt. Im Jahr 2017 verstarb sie im Alter von 103 Jahren in New York. , die nach 1933 zunächst in Großbritannien eine Meisterschaft gewann und nach ihrer erzwungenen Rückkehr nach Deutschland in jüdischen (Sport-)Kreisen zu einer wahren Identifikationsfigur avancierte. Obwohl sie noch Ende Juli 1936 bei den Württembergischen Meisterschaften einen neuen deutschen Rekord aufgestellte hatte, wurde sie für Olympia nicht nominiert. Man habe sie um ihre Goldmedaille betrogen, soll sie späteren Zeugnissen Mayers zufolge die Manipulation auf den Punkt gebracht haben.12 
So kam es, dass im deutschen Team keine jüdischen Athleten vertreten waren. Zwar konnte die Fechterin Helene Mayer, deren Vater jüdisch war, Silber erringen, doch war sie schon 1928 Olympiasiegerin geworden und lebte zudem in den USA, sodass sie in der jüdischen Community in Deutschland kaum Anerkennung fand. Noch weniger traf das auf den Eishockey-Stürmer Rudi Ball zu, der ebenfalls einen jüdischen Vater hatte und bereits bei den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen angetreten war.
Paul Yogi Mayer berichtete 1936 als Journalist von den Olympischen Spielen in Berlin und gab 1937 gemeinsam mit Martha Wertheimer (1890–1942) und Siddy Goldschmidt eine Buchdokumentation über die Leistungen jüdischer Sportlerinnen und Sportler heraus.13  Unterdessen nahm der „Schild“ Abstand von seinem assimilatorischen Kurs, bis schließlich der jüdische Sport 1938 gänzlich abgewickelt wurde. Rechtzeitig vor Kriegsausbruch konnte Mayer mit seiner Frau Ilse und dem Sohn Thomas 1939 als Betreuer eines Kindertransports Deutschland verlassen und sich in London niederlassen.

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