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Stuttgarter Erklärung in den „Ersatzglossen“ des „Kickers“
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Anonymus: Ersatz-Glossen. (11.04.1933). In: Der Kicker (1933), Nr. 15 (11.04.1933). S. 562f. Olympia-Verlag GmbH, Kicker #15 vom 11. April 1933. Zitiert nach: Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa. URL: https://www.copernico.eu/de/link/68e8b093a51f14.08537150 (14-07-2026)
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Die vorliegende Titelseite des „Kickers“ vom 11. April 1933 referiert die „Stuttgarter Erklärung“ der an der süddeutschen Fußballmeisterschaft beteiligten Vereine, in der diese sich aus vorauseilendem Gehorsam zur nationalsozialistischen Regierung bekennen und sich freiwillig dazu verpflichten, ihre jüdischen Mitglieder auszuschließen.
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Transkription (Deutsch)
Ersatz-Glossen
Der Vorstand des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen hat an alle ihm angeschlossenen Verbände für Mittwoch, den 12. April, eine Einladung zu einer außerordentlichen Hauptversammlung mit dem Thema: „Eingliederung der Leibesübungen in das nationale Deutschland“ ergehen lassen. Außer den Führern der gesamten nationalen Turn- und Sportbewegung sind auch die Spitzen der Reichs- und Staatsbehörden zu dieser Sitzung geladen worden, die im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrates zu Berlin stattfinden wird. Damit wird nun auch im deutschen Sport die Klärung geschaffen werden, auf die wir seit der nationalen Erhebung des deutschen Volkes gewartet haben. Es war klug von unseren Verbänden, wir meinen hier den DFB. und die DSB., daß sie die Dinge an sich herankommen ließen, umsomehr, als man wohl erst nach dieser Sitzung mit positiven und prinzipiellen Erklärungen rechnen darf. Der derzeitige Vorsitzende des Süddeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verbandes, Herr Paul Flierl, der die ganze Zeit hindurch in ständiger Fühlung mit den Spitzenverbänden war, wird der Sitzung der DRA. beiwohnen.
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Die Stuttgarter Kickers haben auf den gestrigen Sonntagvormittag die Vertreter der zurzeit an den süddeutschen Schlußspielen beteiligten Vereine zusammengerufen, um eine Aussprache über die Aenderung des Spielsystems beizuführen. Mit Ausnahme des VfR. Wormatia Worms und des FSpV. Mainz 05 waren sämtliche Vereine vertreten. Gleich zu Anfang der Besprechung kam man jedoch überein, daß es durch die Zeitverhältnisse bedingt sei, andere, wichtigere Fragen als das Spielsystem zu besprechen, die man in folgender, einheitlicher gefaßter Entschließung zum Ausdruck brachte:
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Die Stuttgarter Kickers haben auf den gestrigen Sonntagvormittag die Vertreter der zurzeit an den süddeutschen Schlußspielen beteiligten Vereine zusammengerufen, um eine Aussprache über die Aenderung des Spielsystems beizuführen. Mit Ausnahme des VfR. Wormatia Worms und des FSpV. Mainz 05 waren sämtliche Vereine vertreten. Gleich zu Anfang der Besprechung kam man jedoch überein, daß es durch die Zeitverhältnisse bedingt sei, andere, wichtigere Fragen als das Spielsystem zu besprechen, die man in folgender, einheitlicher gefaßter Entschließung zum Ausdruck brachte:
„Die unterzeichneten, am 9. April 1933 in Stuttgart anwesenden, an den Endspielen um die süddeutsche Fußballmeisterschaft beteiligten Vereine des Süddeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verbandes stellen sich freudig und entschieden den von der nationalen Regierung auf dem Gebiete der körperlichen Ertüchtigung verfolgten Besprechungen zur Verfügung und sind bereit, mit allen Kräften daran mitzuarbeiten. Sie sind gewillt, in Fülle dieser Mitarbeit alle Folgerungen, insbesondere in der Frage der Entfernung der Juden aus den Sportvereinen, zu ziehen. Sie betrachten es ferner als vaterländische Pflicht, den Wehrsport in ihr Jugenderziehungsprogramm aufzunehmen.
Stuttgarter Kickers, Karlsruher Fußball-Verein, Phönix Karlsruhe, Union Böckingen, Fußball-Sportverein Frankfurt, Eintracht Frankfurt, 1. Fußball-Club Nürnberg, Spielvereinigung Fürth, Sportverein Waldhof, Phönix Ludwigshafen, Bayern München, 1860 München, Fußball-Club Kaiserslautern, Fußball-Club Pirmasens.“
Wir hören dazu noch, daß auf den demnächst stattfindenden Bezirkstagen dem Verbands-Vorstand ein Antrag zugeleitet werden soll, durch ein Ermächtigungsgesetz alles veranlassen zu können, was dazu führen kann, die Verbandsarbeit im Sinne der nationalen Entwicklung zu beeinflussen. Man glaubt, daß sich ein Umbau der Verbandsorganisation, vielleicht auch ein Personenwechsel in der Leitung mancher Vereine als notwendig erweisen.
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In vier Wochen schon sollen die Endspiele um die Deutsche Meisterschaft beginnen, und das Interesse, welche Vereine als Auserwählte ihrer Verbände daran teilnehmen werden, ist natürlich sehr groß. Insgesamt bestreiten sechzehn Vereine die Spiele der Vorrunde, Süd- und Westdeutschland stellen je drei Klubs, Brandenburg, Mittel-, Südost-, Norddeutschland und die Balten je zwei. Die Art der Ermittlung der Vereine ist in allen Verbänden verschieden. In Süddeutschland gelten die beiden Teilnehmer am Endspiel um die süddeutsche Meisterschaft als die beiden ersten Vertreter, der dritte wird aus Qualifikationsspielen, an denen die beiden Abteilungszweiten und der Pokalsieger teilnehmen. Etwas einfacher haben sich die Westdeutschen die Sache gemacht. Dort gelten die beiden Teilnehmer am Endspiel um die Westdeutsche Meisterschaft, heuer Schalke 04 und Fortuna Düsseldorf, als die beiden ersten Vertreter, dritter Vertreter ist der Pokalsieger. Schwarz-Weiß Essen, Vfl. Benrath, Viktoria Recklinghausen und FV. Koblenz-Neuendorf sind noch in diesem Wettbewerb. Sehr einfach ist die Lösung der Mitteldeutschen: Verbandsmeister und Pokalsieger sind die beiden Vertreter. Das Endspiel um die Mitteldeutsche Meisterschaft findet am Ostermontag in Dresden zwischen dem DSC. und dem vorjährigen Meister Polizei Chemnitz statt. In der Pokalkonkurrenz sind noch DSC., Polizei Chemnitz, 1. SV. Jena und SC. Wacker Leipzig. DSC. und dem vorjährigen Meister Polizei Chemnitz statt. In der Pokalkonkurrenz sind noch DSC., Polizei Chemnitz, 1. SV. Jena und SC. Wacker Leipzig. Handschriftliche Unterstreichung. Eine weitschweifige Lösung ermittelt dagegen in Brandenburg die beiden Verbandsvertreter: Abteilungsmeister, Pommernmeister, Pokalsieger und in diesem Jahre auch noch ein Tabellenzweiter. Die Stettiner Mannschaften haben keine Chance mehr, Hertha BSC., BSV. 92 Hertha BSC., BSV. 92 Handschriftliche Unterstreichung. und vielleicht auch die alte Viktoria alte Viktoria Handschriftliche Unterstreichung. sind Favoriten. In Norddeutschland sind die Endspiele in vollem Gang, HSV, Holstein Kiel und vielleicht auch Arminia Hannover HSV, Holstein Kiel und vielleicht auch Arminia Hannover Handschriftliche Unterstreichung. kommen für die DFB.-Endrunden in Betracht. In Südostdeutschland hat sich Beuthen 09 Beuthen 09 Handschriftliche Unterstreichung. abermals den Meistertitel geholt, als zweiter Vertreter wird man mit Vorwärts-Rasensport Gleiwitz Vorwärts-Rasensport Gleiwitz Handschriftliche Unterstreichung. , einem der diesjährigen Neulinge in den Endrunden des DFB., rechnen können. Die Balten werden jedenfalls Prussia Samland Prussia Samland Handschriftliche Unterstreichung. Königsberg und vielleicht Hindenburg Allenstein entsenden.
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Dem Düsseldorfer „Mittag“ entnehmen wir eine Meldung wonach der Landesgruppenleiter für Rheinland und Westfalen des Deutschen Sportlehrer-Verbandes mitteilt, daß ab 1. Mai für die Verpflichtung ausländischer Sportlehrer und Trainer neue Bestimmungen eingeführt werden sollen. Den Vereinen wird die Auflage gemacht, vor der Anstellung eines ausländischen Trainers die Genehmigung des Arbeitsministeriums einzuholen. Diese Genehmigung werde aber nur dann erteilt, wenn nachgewiesen werden kann, daß eine deutsche Kraft den Posten nicht ausfüllen kann. Es scheint geboten, daß sich jene Vereine, die eine Anstellung eines ausländischen Trainers ins Auge gefaßt haben, zuvor bei den maßgebenden Stellen erkundigen.
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Der Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes hat am Sonntag in einer Sitzung in Hannover gemeinsam mit Vertretern der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik folgende neue Richtlinien für die Jugendabteilung in den Vereinen ihrer Verbände beschlossen:
Der Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Sportbehörde fordert von seinen Vereinen, mit allen Kräften an der nationalen Erneuerung mitzuarbeiten. Zu diesem Zweck verlangt der Vorstand beider Verbände einen weiteren Ausbau der Jugendarbeit. Die Jugend soll nicht nur körperlich und seelisch zum Einzelmenschen, sondern noch stärker als bisher zum Mannschaftsgeist, zur Kameradschaft, zur Disziplin und zur Wehrhaftigkeit erzogen werden. [ … … Auslassungen des angefangenen und letzten Satzes der S. 565 sowie der S. 566. ]
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In vier Wochen schon sollen die Endspiele um die Deutsche Meisterschaft beginnen, und das Interesse, welche Vereine als Auserwählte ihrer Verbände daran teilnehmen werden, ist natürlich sehr groß. Insgesamt bestreiten sechzehn Vereine die Spiele der Vorrunde, Süd- und Westdeutschland stellen je drei Klubs, Brandenburg, Mittel-, Südost-, Norddeutschland und die Balten je zwei. Die Art der Ermittlung der Vereine ist in allen Verbänden verschieden. In Süddeutschland gelten die beiden Teilnehmer am Endspiel um die süddeutsche Meisterschaft als die beiden ersten Vertreter, der dritte wird aus Qualifikationsspielen, an denen die beiden Abteilungszweiten und der Pokalsieger teilnehmen. Etwas einfacher haben sich die Westdeutschen die Sache gemacht. Dort gelten die beiden Teilnehmer am Endspiel um die Westdeutsche Meisterschaft, heuer Schalke 04 und Fortuna Düsseldorf, als die beiden ersten Vertreter, dritter Vertreter ist der Pokalsieger. Schwarz-Weiß Essen, Vfl. Benrath, Viktoria Recklinghausen und FV. Koblenz-Neuendorf sind noch in diesem Wettbewerb. Sehr einfach ist die Lösung der Mitteldeutschen: Verbandsmeister und Pokalsieger sind die beiden Vertreter. Das Endspiel um die Mitteldeutsche Meisterschaft findet am Ostermontag in Dresden zwischen dem DSC. und dem vorjährigen Meister Polizei Chemnitz statt. In der Pokalkonkurrenz sind noch DSC., Polizei Chemnitz, 1. SV. Jena und SC. Wacker Leipzig. DSC. und dem vorjährigen Meister Polizei Chemnitz statt. In der Pokalkonkurrenz sind noch DSC., Polizei Chemnitz, 1. SV. Jena und SC. Wacker Leipzig. Handschriftliche Unterstreichung. Eine weitschweifige Lösung ermittelt dagegen in Brandenburg die beiden Verbandsvertreter: Abteilungsmeister, Pommernmeister, Pokalsieger und in diesem Jahre auch noch ein Tabellenzweiter. Die Stettiner Mannschaften haben keine Chance mehr, Hertha BSC., BSV. 92 Hertha BSC., BSV. 92 Handschriftliche Unterstreichung. und vielleicht auch die alte Viktoria alte Viktoria Handschriftliche Unterstreichung. sind Favoriten. In Norddeutschland sind die Endspiele in vollem Gang, HSV, Holstein Kiel und vielleicht auch Arminia Hannover HSV, Holstein Kiel und vielleicht auch Arminia Hannover Handschriftliche Unterstreichung. kommen für die DFB.-Endrunden in Betracht. In Südostdeutschland hat sich Beuthen 09 Beuthen 09 Handschriftliche Unterstreichung. abermals den Meistertitel geholt, als zweiter Vertreter wird man mit Vorwärts-Rasensport Gleiwitz Vorwärts-Rasensport Gleiwitz Handschriftliche Unterstreichung. , einem der diesjährigen Neulinge in den Endrunden des DFB., rechnen können. Die Balten werden jedenfalls Prussia Samland Prussia Samland Handschriftliche Unterstreichung. Königsberg und vielleicht Hindenburg Allenstein entsenden.
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Dem Düsseldorfer „Mittag“ entnehmen wir eine Meldung wonach der Landesgruppenleiter für Rheinland und Westfalen des Deutschen Sportlehrer-Verbandes mitteilt, daß ab 1. Mai für die Verpflichtung ausländischer Sportlehrer und Trainer neue Bestimmungen eingeführt werden sollen. Den Vereinen wird die Auflage gemacht, vor der Anstellung eines ausländischen Trainers die Genehmigung des Arbeitsministeriums einzuholen. Diese Genehmigung werde aber nur dann erteilt, wenn nachgewiesen werden kann, daß eine deutsche Kraft den Posten nicht ausfüllen kann. Es scheint geboten, daß sich jene Vereine, die eine Anstellung eines ausländischen Trainers ins Auge gefaßt haben, zuvor bei den maßgebenden Stellen erkundigen.
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Der Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes hat am Sonntag in einer Sitzung in Hannover gemeinsam mit Vertretern der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik folgende neue Richtlinien für die Jugendabteilung in den Vereinen ihrer Verbände beschlossen:
Der Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Sportbehörde fordert von seinen Vereinen, mit allen Kräften an der nationalen Erneuerung mitzuarbeiten. Zu diesem Zweck verlangt der Vorstand beider Verbände einen weiteren Ausbau der Jugendarbeit. Die Jugend soll nicht nur körperlich und seelisch zum Einzelmenschen, sondern noch stärker als bisher zum Mannschaftsgeist, zur Kameradschaft, zur Disziplin und zur Wehrhaftigkeit erzogen werden. [ … … Auslassungen des angefangenen und letzten Satzes der S. 565 sowie der S. 566. ]
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Kommentar
von Anke Hilbrenner
Der vorliegende Zeitungsartikel findet sich auf der Titelseite der „Illustrierten Fußball-Wochenschrift“ „Der Kicker“ vom 11. April 1933. „Der Kicker“, der bis heute als wichtigste Fußballzeitschrift in Deutschland bekannt ist, wurde 1920 von
Walther Bensemann
Walther Bensemann
Walther Bensemann (1873–1934) war einer der wichtigsten und populärsten Pioniere des Fußballs in Deutschland. Als Schüler an einem Schweizer Internat lernte er die Sportart kennen und gründete nach seiner Rückkehr einige Vereine. Er beteiligte sich auch an der Gründung des DFB. Im Jahr 1920 gründete er den „Kicker“. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung und der NS-Propaganda gegen ihn kehrte er von einem Kuraufenthalt in der Schweiz im Frühjahr 1933 nicht mehr nach Deutschland zurück. Er starb im November 1934 in Montreux.
gegründet. Walther Bensemann (1873–1934) war einer der wichtigsten Fußballpioniere in Deutschland. Er gründete mehrere Fußballvereine, sowie den DFB, und initiierte die ersten Länderspiele.
Die Zeitschrift „Der Kicker“ hatte zunächst mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, entwickelte sich aber in den 1920er Jahren zu einer der Fußballfachzeitschriften in der Weimarer Republik. Besonders berühmt waren Bensemanns „Glossen“, in denen er wortgewaltig das Fußballgeschehen kommentierte. Als liberaler Fußball-Schreiber war Walther Bensemann nicht unumstritten, seine zahlreichen Kontakte ins Ausland wurden als „zu international“ und „fremd“ beschrieben. Im Laufe der 1920er Jahre mehrten sich antisemitische Anwürfe. Nachdem in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht gekommen waren, entschied Bensemann sich für die Emigration. Seine letzte „Glosse“ erschien am 28. März 1933.
Zwei Hefte später, in der hier vorliegenden Nummer, wird Bensemann, der zehn Tage zuvor Deutschland angeblich aus gesundheitlichen Gründen verlassen hatte, immer noch als Herausgeber genannt. Die Titelseite des „Kicker“ eröffnete mit „Ersatz-Glossen“, die anstelle der Bensemannschen „Glossen“ erschienen. Verantwortlich für diese Texte war wahrscheinlich der neue „Hauptschriftführer“ des „Kicker“ Hanns-Jakob Müllenbach Hanns-Jakob Müllenbach Hanns-Jakob Müllenbach (1903–1944) war als damals 17-jähriger bereits seit der ersten Ausgabe 1920 beim „Kicker“ beschäftigt und galt lange als rechte Hand und Protegé von Walther Bensemann. Nach Bensemanns Flucht 1933 brachte er die Zeitschrift rasch auf nationalsozialistische Linie und stellte sich gegen seinen ehemaligen Mentor. Müllenbachs Huldigungen gegenüber NS-Politikern wie Adolf Hitler oder Hans von Tschammer und Osten übersteigt das Maß an ideologischer Berichterstattung anderer Sportzeitungen in NS-Deutschland bei weitem. Im Dezember 1940 wurde Müllenbach zur Wehrmacht einberufen und gab die Schriftleitung des „Kicker“ ab. Im April 1944 kam er bei einem Flugzeugabsturz in Norwegen ums Leben. , der in den 1920ern Jahren von Bensemann protegiert wurde und als seine rechte Hand galt. Nach Bensemanns Emigration verwandelte Müllenbach den „Kicker“ in rasantem Tempo zu einem Blatt, das sich ganz auf der Linie der Nationalsozialisten befand.1 Seinem langjährigen Förderer Bensemann rief er hinterher, er habe das „deutsche Wesen so verunglimpft“ und „nun die Flucht ergriffen“.2
Zwei Hefte später, in der hier vorliegenden Nummer, wird Bensemann, der zehn Tage zuvor Deutschland angeblich aus gesundheitlichen Gründen verlassen hatte, immer noch als Herausgeber genannt. Die Titelseite des „Kicker“ eröffnete mit „Ersatz-Glossen“, die anstelle der Bensemannschen „Glossen“ erschienen. Verantwortlich für diese Texte war wahrscheinlich der neue „Hauptschriftführer“ des „Kicker“ Hanns-Jakob Müllenbach Hanns-Jakob Müllenbach Hanns-Jakob Müllenbach (1903–1944) war als damals 17-jähriger bereits seit der ersten Ausgabe 1920 beim „Kicker“ beschäftigt und galt lange als rechte Hand und Protegé von Walther Bensemann. Nach Bensemanns Flucht 1933 brachte er die Zeitschrift rasch auf nationalsozialistische Linie und stellte sich gegen seinen ehemaligen Mentor. Müllenbachs Huldigungen gegenüber NS-Politikern wie Adolf Hitler oder Hans von Tschammer und Osten übersteigt das Maß an ideologischer Berichterstattung anderer Sportzeitungen in NS-Deutschland bei weitem. Im Dezember 1940 wurde Müllenbach zur Wehrmacht einberufen und gab die Schriftleitung des „Kicker“ ab. Im April 1944 kam er bei einem Flugzeugabsturz in Norwegen ums Leben. , der in den 1920ern Jahren von Bensemann protegiert wurde und als seine rechte Hand galt. Nach Bensemanns Emigration verwandelte Müllenbach den „Kicker“ in rasantem Tempo zu einem Blatt, das sich ganz auf der Linie der Nationalsozialisten befand.1 Seinem langjährigen Förderer Bensemann rief er hinterher, er habe das „deutsche Wesen so verunglimpft“ und „nun die Flucht ergriffen“.2
Besonders der zweite Absatz dieser „Ersatz-Glossen“ stellt eine bemerkenswerte Abkehr vom international ausgerichteten Fußballideal Walther Bensemanns dar. Der „Kicker“ berichtet hier von einer Zusammenkunft der an den süddeutschen Meisterschaftsspielen beteiligten Vereine in Stuttgart am 9. April 1933. Bei diesem Treffen hatten die süddeutschen Vereine beschlossen, sich hinter die nationalsozialistische Regierung zu stellen und „freudig“ sowie freiwillig „insbesondere die Entfernung der Juden aus Sportvereinen“ zu betreiben. Ferner erklären sie sich bereit, Wehrsport in der Jugendarbeit einzuführen.
Unter den Unterzeichnenden dieser berüchtigten „Stuttgarter Erklärung“ war nicht nur der Karlsruher FV, den Bensemann mitgegründet hatte, sondern zahlreiche Vereine, die heute noch in den verschiedenen deutschen Profiligen tätig sind, darunter die Stuttgarter Kickers, Eintracht Frankfurt, der 1. FC Nürnberg, Bayern München, 1860 München und der FC Kaiserslautern. Die hier genannten sind natürlich nicht die einzigen Vereine, die ihre jüdischen Mitglieder ausschlossen, sondern fast alle Vereine grenzten jüdische Athlet:innen und Funktionär:innen mit vorauseilendem Gehorsam aus, ohne dass es einer staatlichen Direktive bedurft hätte. Auch Vereine, die wie der FC Bayern München bis zum 22. März 1933 von einem jüdischen Funktionär, dem langjährigen Präsidenten Kurt Landauer Kurt Landauer Kurt Landauer (1884–1961) war ein Münchner Kaufmann und Fußballer, der vor 1933 und nach 1945 über lange Jahre den FC Bayern München als Präsident leitete. 1933 trat er aufgrund seiner jüdischen Zugehörigkeit von seinen Aufgaben zurück. 2013 wurde er postum zum Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt. Das Selbstverständnis des FC Bayern München, kein antisemitischer Verein zu sein, war und ist eng mit der Erinnerung und Identifikation mit Landauer verbunden, was die Auseinandersetzung mit der Stuttgarter Erklärung besonders interessant macht. geleitet wurden, stellten keine Ausnahme da.
Unter den Unterzeichnenden dieser berüchtigten „Stuttgarter Erklärung“ war nicht nur der Karlsruher FV, den Bensemann mitgegründet hatte, sondern zahlreiche Vereine, die heute noch in den verschiedenen deutschen Profiligen tätig sind, darunter die Stuttgarter Kickers, Eintracht Frankfurt, der 1. FC Nürnberg, Bayern München, 1860 München und der FC Kaiserslautern. Die hier genannten sind natürlich nicht die einzigen Vereine, die ihre jüdischen Mitglieder ausschlossen, sondern fast alle Vereine grenzten jüdische Athlet:innen und Funktionär:innen mit vorauseilendem Gehorsam aus, ohne dass es einer staatlichen Direktive bedurft hätte. Auch Vereine, die wie der FC Bayern München bis zum 22. März 1933 von einem jüdischen Funktionär, dem langjährigen Präsidenten Kurt Landauer Kurt Landauer Kurt Landauer (1884–1961) war ein Münchner Kaufmann und Fußballer, der vor 1933 und nach 1945 über lange Jahre den FC Bayern München als Präsident leitete. 1933 trat er aufgrund seiner jüdischen Zugehörigkeit von seinen Aufgaben zurück. 2013 wurde er postum zum Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt. Das Selbstverständnis des FC Bayern München, kein antisemitischer Verein zu sein, war und ist eng mit der Erinnerung und Identifikation mit Landauer verbunden, was die Auseinandersetzung mit der Stuttgarter Erklärung besonders interessant macht. geleitet wurden, stellten keine Ausnahme da.
Die Stuttgarter Erklärung zeigt deutlich, dass die Fußballvereine keinesfalls zur Entlassung ihrer jüdischen Mitglieder gezwungen werden mussten, oder dass sie auf Druck von oben handelten. Im Gegenteil stellten sich die Vereine schneller als die Obrigkeit erwartete in den Dienst der nationalsozialistischen Sache, deren Ziele sie vorauseilend antizipierten und übererfüllten. Angesichts des Tempos, mit dem die Vereine ihre jüdischen Mitglieder vor die Tür setzten, sah sich sogar der Reichssportführer und langjährige Nationalsozialist
Hans von Tschammer und Osten
Hans von Tschammer und Osten
Hans von Tschammer und Osten (1887–1943) war von 1933 bis 1943 Reichssportführer. Er war bereits seit 1929 Mitglied der NSDAP und der SA, zudem Rittergutsbesitzer und in verschiedenen Adelsgremien organisiert. Am ersten Weltkrieg nahm er als Offizier teil. Er initiierte den DFB-Pokalwettbewerb, der früher als Tschammerpokal bekannt war.
genötigt zu betonen, dass „die Aufnahme von Juden den Vereinen freisteht.“3 Auch wenn dieser Aufruf zur Mäßigung vor allem auf politisches Kalkül zurück zu führen war, und das Ziel verfolgte der Olympia-Boykott-Bewegung den Wind aus den Segeln zu nehmen, zeigt die Reaktion des Reichssportführers, dass die Vereine keinesfalls auf Druck von oben handelten, sondern die Gleichschaltung und Entfernung der jüdischen Mitglieder aus eigenem Antrieb vorantrieben.
Ein weiterer Beleg für die rasante Selbstgleichschaltung des „Kicker“ ist die Aufkündigung der demokratischen Traditionen der Fußballvereine und -Verbände, die in demselben Absatz angesprochen wird. Müllenbach referiert, „daß auf den demnächst stattfindenden Bezirkstagen dem Verbands-Vorstand ein Antrag zugeleitet werden soll, durch ein Ermächtigungsgesetz alles veranlassen zu können, was dazu führen kann, die Verbandsarbeit im Sinne der nationalen Entwicklung zu beeinflussen.“ Mit diesem „Ermächtigungsgesetz“, sollte sich also der Verbandsvorstand über die demokratische Willensbildung der Vereine hinwegsetzen können. Mit dem Begriff, so ist zu vermuten, bezog Müllenbach sich auf das kurz zuvor, am 23. März 1933 heftig diskutierte „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“, das als „Ermächtigungsgesetz“ bekannt wurde und zur Abschaffung der Weimarer Demokratie genutzt wurde und das laut „Kicker“ nun den Fußballverbänden als Vorbild diente.
Auch wenn die Stuttgarter Erklärung durchaus bekannt ist, und im Zusammenhang mit dem Ausschluss jüdischer Mitglieder stets darauf verwiesen wird, ist sie in der sporthistorischen Forschung als Berichterstattung des „Kickers“ und nicht als Teil einer Quellenedition der Vereine selbst bekannt. Auch diese Überlieferung wirft ein interessantes Licht auf die Aufarbeitung ihrer Vergangenheit durch die Vereine und zeigt, dass auch hier der von dem 1933 bereits ins Exil gedrängten Walther Bensemann gegründeten „Kicker“ eine besondere Rolle als Zeugnis deutsch-jüdischer Fußballgeschichte zukommt.
Metadaten
- Haupttitel
- Ersatz-Glossen
- Datierung
- 11.04.1933
- Sprachen
- Deutsch
- Quelle
- Anonymus: Ersatz-Glossen. In: Der Kicker (1933), Nr. 15 (11.04.1933). S. 562f.
- Quellentyp
- Zeitschriftenartikel
- Bestandshaltende Einrichtung
- Olympia-Verlag GmbH
- Signatur
- Kicker #15 vom 11. April 1933
- Rechteinformation (historische Quelle)
- Rechte vorbehalten - Freier Zugang
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