Turner:innen des Hakoah Essen während eines Sportfestes in Berlin, März 1938
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Das Bild stammt aus einer Serie von Bildern, die auf einer gemeinsamen Reise von Athlet:innen und Funktionären des Sportvereins Hakoah Essen nach Berlin im März 1938 entstanden sind. Der Verein Hakoah Essen Hakoah Essen Der Turn- und Sportclub Hakoah Essen entstand im Dezember 1923 aus der Turnabteilung des Jüdischen Jugendvereins Essen und gründete 1925 den VINTUS mit. Der Verein richtete sich hauptsächlich an bisher nicht sportlich aktive Juden und Jüdinnen, die aus Angst vor Antisemitismus keinem nichtjüdischen Verein beitreten wollten. Im Jahr 1928 erreichte der Verein 1000 aktive und passive Mitglieder. Zudem hatte der Verein eine gute Verbindung zur jüdischen Gemeinde in Essen und wurde von ihr unterstützt. Es wurden viele Sportarten angeboten. Diese waren Turnen, Leichtathletik, Fußball, Boxen, Schwimmen, Wandern, Jiu-Jitsu, Tennis, Faustball, Handball, Wintersport und Fechten. 1933 trat der Verein dem Makkabi-Weltverband bei. Der Sportbetrieb wurde durch die Nationalsozialisten gestört, fand jedoch weiter statt. Die Sportarten Wandern, Jiu-Jitsu, Faustball, Handball, Wintersport und Fechten fielen weg. Dafür wurde Kegeln aufgenommen. Ab Ende 1938 gibt es keine Dokumentation oder Nachweise mehr über Aktivitäten des Hakoah Essen. wurde 1923 gegründet. Bis 1933 galt er als jüdischer „neutraler“ Turnverein, der sich zwar an jüdische Sportler:innen wandte, die sich im nationalen Sinne als jüdisch verstanden, aber sich nicht zum Zionismus bekannten. Als solcher gründete Hakoah Essen gemeinsam mit anderen Vereinen 1925 den VINTUS (Verband jüdischer neutraler Turn- und Sportvereine). 1933 mussten die im VINTUS organisierten Vereine ihre „Neutralität“ aufgeben und einem der beiden von den Nationalsozialisten zugelassenen Verbände beitreten – dem Schild der Reichsvereinigung jüdischer Frontsoldaten oder dem Deutschen Makkabikreis Deutschen Makkabikreis Der Deutsche Makkabikreis war der Verband zionistischer Sportvereine in Deutschland und Teil des Makkabi-Weltverbands. Er kritisierte anfangs die Gründung des VINTUS, da diese als Schritt gegen den Zionismus gesehen wurde. In den 1920er Jahren war die Anzahl von Vereinen in dem Verband eher gering, da es nicht sehr viele zionistische Vereine in Deutschland gab. Außerdem versuchten viele große zionistische Vereine, sich deutschen Verbänden anzuschließen. Nach 1933 war der Makkabikreis einer der zwei erlaubten, jüdischen Sportverbände. Er organisierte verschiedene Sportveranstaltungen, z.B. Fußballspiele und Leichtathletikwettkämpfe. Während dieser Zeit gingen sehr viele Vereinsmitglieder ins Exil. Jugendliche wurden die größte Zielgruppe der Vereine im Makkabikreis. Nach den Novemberpogromen 1938 stellte der Makkabikreis seine sportlichen Aktivitäten ein. . Die Mitglieder von Hakoah Essen entschieden sich, dem Makkabi beizutreten. Aufgrund ihrer neutralen Haltung hatten die Essener sich in den 1920ern gegen einen Davidstern auf dem Trikot entschieden, den viele der Makkabi-Vereine als Wappen nutzten. Stattdessen trugen sie die Initiale „H“ für Hakoah im Kreis. Auf dem Bild sehen wir, dass die Turner:innen diese Trikots auch bei dem Sportfest im März 1938 trugen und sich damit wahrscheinlich klar von den anderen Makkabim unterschieden.
Das Mandatsgebiet Palästina wurde infolge des Ersten Weltkriegs und der in den Nachkriegsjahren vorgenommenen territorialen Neuordnung der östlichen Mittelmeergebiete (Levante) geschaffen, die zuvor zum unterlegenen Osmanischen Reich gehört hatten. Im Kriegsverlauf waren die Gebiete westlich und östlich des Jordan, die historisch auch als Cis- bzw. Transjordanien bezeichnet wurden und den heutigen Staaten Israel, Jordanien sowie dem Westjordanland und dem Gazastreifen entsprechen, unter britische Herrschaft gekommen. Großbritannien hatte ab 1916 die regionale arabische Unabhängigkeitsbewegung in der Arabischen Revolte (1916–1918) entscheidend unterstützt, die militärisch eroberten Gebiete jedoch im Anschluss zwischen sich und Frankreich aufgeteilt. Noch vor Kriegsende hatte Großbritannien zudem nicht nur der arabischen, sondern auch der jüdischen Bevölkerung der Region Unterstützung in der Erlangung politischer Unabhängigkeit bzw. der Schaffung eigener Staaten zugesichert (Balfour-Erklärung, 1917). Die Konferenz von San Remo, die im April 1920 über die Aufteilung des Osmanischen Reiches entschied, bestätigte die britischen Gebietsansprüche. 1922 erteilte auch der Völkerbund Großbritannien offiziell das Mandat über das Gebiet.
Bereits 1923 teilte Großbritannien dieses erste „Mandatsgebiet Palästina“ in zwei Gebiete auf: „Transjordanien“, das 1946 unabhängig wurde und seit 1950 offiziell den Namen Jordanien trägt; sowie das erneut als Mandatsgebiet „Palästina“ bezeichnete Gebiet, das nun das historische Cisjordanien bzw. den westlich des Jordans gelegenen Teil der historischen Region Palästina und die südlich gelegene Negev-Wüste umfasste und nach wie vor einen Zugang zum Golf von Akaba und damit zum Roten Meer besaß.
Die Zeit des Mandats war von anhaltenden Unruhen zwischen den arabischen und jüdischen Bevölkerungsteilen des Mandatsgebietes geprägt, nach Ende des Zweiten Weltkriegs gab Großbritannien das Mandat auf und an die Vereinten Nationen (als Nachfolgeeinrichtung des Völkerbundes) zurück, die daraufhin einen Teilungsplan für die Region entwickelten. Zu dessen Implementierung kam es jedoch nie, da die Spannungen im Mandatsgebiet zum Palästinakrieg (1947–1949) eskalierten, in dessen Verlauf Israel seine Unabhängigkeit ausrufen und erfolgreich durchsetzen konnte.
Das Bild zeigt eine Karte des britischen Mandatsgebiets in Palästina zwischen 1945 und 1947. (Public Domain, via Wikimedia Commons)
Anhand der fünf namentlich identifizierbaren Personen auf dem Bild lässt sich sagen, dass diese Turnreise der Essener Makkabim eine letzte Aktivität dieser Gruppe war, in dem Jahr, das das Ende des organisierten jüdischen Sports in Deutschland bedeutete. Die lachenden Gesichter lassen dieses tragische und gewaltsame Ende nicht vermuten.
Metadaten
- Haupttitel
- [Gruppenbild Turner des Hakoah Essen während eines Sportfestes in Berlin, 1938]
- Datierung
- 1938
- Sprachen
- Deutsch
- Quellentyp
- Fotografie
- Bestandshaltende Einrichtung
- Alte Synagoge Essen, Archiv
- Signatur
- AR 1823 (Leihgabe von Joseph Jablon)
- Rechteinformation (historische Quelle)
- Rechte vorbehalten - Freier Zugang
- Rechteinformation (Kommentar)
- CC BY-NC-SA 4.0
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