Unsere Jugend kämpfte

Die Quelle zeigt, wie sich der Makkabi als disziplinierte und leistungsfähige Jugendorganisation inszenierte, dokumentiert eine der letzten großen jüdischen Sportveranstaltungen vor deren Zerschlagung und verdeutlicht die soziale Funktion des Sports als Instrument kollektiver Selbstbehauptung in einer Zeit wachsender Verfolgung. Damit stellt der Artikel nicht nur ein wichtiges Zeugnis jüdischer Sportgeschichte, sondern auch ein Dokument kultureller und gesellschaftlicher Resilienz im nationalsozialistischen Deutschland dar.

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Transkription (Deutsch)

Unsere Jugend kämpfte
Nach Abschluß der Leichtathletischen Meisterschaften 1937 faßte das Präsidium den Beschluß, im darauffolgenden Jahre keine Meisterschaften für Senioren auszutragen. Dieser Beschluß war wohl überlegt und seine Berechtigung erwies sich durch die Entwicklung der letzten Sportsaison. Meisterschaftskämpfe müssen ein Treffen von Könnern sein und sollen Rechenschaft über eine intensive sportliche Arbeit der vorhergehenden Saison ablegen. Das an Stelle der Meisterschaften durchgeführte Sportfest des Makkabi „Die Besten am Start“ Sportfest des Makkabi „Die Besten am Start“ Dieses Sportfest fand am 21. August 1938 auf dem Sportplatz Grunewald in Berlin statt. war ohne Zweifel eine sportliche Leistungsschau, und zwar deshalb, weil einige wenige Konkurrenzen ausgeschrieben waren, in denen sich noch, an unseren Verhältnissen gemessen, wirkliche Könner den Kampfrichtern stellten. 
Dagegen waren diese Meisterschaften der Junioren und Jugendlichen Meisterschaften der Junioren und Jugendlichen Gemeint sind die leichtathletischen Titelkämpfe der Makkabi-Jugend auf dem Sportplatz Grunewald in Berlin am 28. August 1938. ein Treffen des besten Nachwuchses in allen leichtathletischen Konkurrenzen und gleichzeitig ein schlagender Beweis dafür, daß der oben angeführte Beschluß des Präsidiums sich positiv und im besten Sinne ausgewirkt hat. Die Verlagerung des Schwergewichts der Arbeit auf die Jugendarbeit, die strikte Durchführung des Prinzips der Breitenarbeit zeitigten ihre Erfolge in diesem Sportfest. Die Theorie, daß bei Breitenarbeit eine Erziehung von Spitzenkönnern unmöglich sei, wurde durch die zum Teil überaus guten Ergebnisse widerlegt. Zahl und Leistungen der aus allen Teilen des Reiches teilnehmenden Jugendlichen des Makkabi zeigten, daß der Makkabi mit seiner Umformung der gesamten Arbeit auf dem richtigen Wege ist. Bedauerlich, daß das Wetter wiederum, wie schon bei der letzten großen Veranstaltung, eine volle Entfaltung der Kräfte der Aktiven verhinderte. Bedauerlich auch, daß nur relativ wenige Zuschauer den Mut hatten, den Sportplatz aufzusuchen. Was aber an Zuschauern der älteren Generationen fehlte, wurde bei weitem wettgemacht durch die große Zahl von Jugendlichen und deren Begeisterung. Wohl kaum ist ein Publikum auf unseren Sportplätzen mit einem so intensiven Interesse den Kämpfen gefolgt, wie an diesem Tag, noch dazu so viele Stunden lang, die an das Kräftereservoir aller Beteiligten, Aktive, Funktionäre wie Zuschauer, beträchtliche Ansprüche stellte.
Denn es waren nicht weniger als 75 Konkurrenzen zu bestreiten, zu denen sich weit mehr als 250 Aktive gemeldet hatten. Wer dieses Sportfest gesehen hat und beobachten konnte, mit welcher Pünktlichkeit, Ordnung und Disziplin das Sportfest abgewickelt wurde, bekommt einen Begriff davon, wie hingebungsvoll der Funktionärstab [sic!] bei den Vorbereitungen und bei der Durchführung der Veranstaltung gearbeitet haben muß, und nicht zuletzt, wie gut die jugendlichen Aktiven erzogen sein müssen.
Wollte man die Ergebnisse dieses Sportfestes in ihrer Gesamtheit werten, so würde weit mehr Raum notwendig sein, als der hier zur Verfügung stehende. Eine Reihe von Ergebnissen jedoch bedürfen der Erwähnung.
Ueberraschend das gute Abschneiden der Makkabim aus Westdeutschland, die mit einer großen Zahl ausgezeichneter Nachwuchssportler an den Start kamen. Nicht weniger als 21 Siege konnten die Westdeutschen mit nach Hause nehmen. Allgemeine Anerkennung fanden die Leistungen von Rath-Widman ( Hakoah Köln Hakoah Köln SC Hakoah Köln wurde 1933 schon bald nach der Selbstauflösung des Bar Kochba Köln gegründet. Viele seiner Aktiven hatten bereits im Bar Kochba Köln Ämter bekleidet. Der SC Hakoah Köln bestand bis 1938. ), der in seiner Klasse Jugend A die 100 m mit 11,7 Sek., den Weitsprung mit 6,17 m, die 400 m in 58,4 Sek. gewann, und darüber hinaus noch mit guten Erfolgen in den Staffeln seines Bezirkes lief.
Der Hochsprung in den Klassen Jugend A und Jugend B war eine besonders spannende Konkurrenz, der die Zuschauer mit anhaltendem Interesse folgten. In Jugend A erreichte Katzenberg II ( Makkabi Düsseldorf Makkabi Düsseldorf Der Turn- und Sportverein Makkabi Düsseldorf wurde 1924 gegründet und zählte schon bald 200 aktive Mitglieder. Der Verein war in der Zionistischen Vereinigung für Deutschland aktiv, beteiligte sich jedoch 1925 an der Gründung des VINTUS. Die höchste Mitgliederanzahl erreichte der Verein 1931 mit 650 Mitgliedern. Diesen wurde eine Vielfalt von Sportarten angeboten. Es gab Fußball, Turnen, Leichtathletik, Gymnastik, Rhythmik, Handball, Faustball, Boxen, Tischtennis, Tennis und Schwimmen. Anfang 1933 wurde dem Verein der Zugang zu bisher genutzten Sportanlagen verwehrt. Die politische Ausrichtung des Maccabi Düsseldorf wurde zionistisch und er trat direkt nach Auflösung des VINTUS dem Deutschen Makkabikreis bei. Es wurden alle Sportarten bis auf Rhythmik weiterhin angeboten und Schach kam hinzu. Der Verein wurde 1938 nach den Novemberpogromen aufgelöst. 1961 wurde der Verein unter dem Namen TuS Maccabi Düsseldorf als erster jüdischer Sportverein in der BRD wiedergegründet. Der Verein besteht bis heute. ) die Höhe von 1,60 m vor Kramberg ( Hakoah Essen Hakoah Essen Der Turn- und Sportclub Hakoah Essen entstand im Dezember 1923 aus der Turnabteilung des Jüdischen Jugendvereins Essen und gründete 1925 den VINTUS mit. Der Verein richtete sich hauptsächlich an bisher nicht sportlich aktive Juden und Jüdinnen, die aus Angst vor Antisemitismus keinem nichtjüdischen Verein beitreten wollten. Im Jahr 1928 erreichte der Verein 1000 aktive und passive Mitglieder. Zudem hatte der Verein eine gute Verbindung zur jüdischen Gemeinde in Essen und wurde von ihr unterstützt. Es wurden viele Sportarten angeboten. Diese waren Turnen, Leichtathletik, Fußball, Boxen, Schwimmen, Wandern, Jiu-Jitsu, Tennis, Faustball, Handball, Wintersport und Fechten. 1933 trat der Verein dem Makkabi-Weltverband bei. Der Sportbetrieb wurde durch die Nationalsozialisten gestört, fand jedoch weiter statt. Die Sportarten Wandern, Jiu-Jitsu, Faustball, Handball, Wintersport und Fechten fielen weg. Dafür wurde Kegeln aufgenommen. Ab Ende 1938 gibt es keine Dokumentation oder Nachweise mehr über Aktivitäten des Hakoah Essen. ), der 1,57 m sprang, während in der B-Klasse Baum ( Bar Kochba-Hakoah Berlin Bar Kochba-Hakoah Berlin Bar Kochba-Hakoah Berlin ging 1929 aus der Fusion des Bar Kochba Berlin und der SC Hakoah Berlin hervor. ), 1,57  m, vor Frank ( Bar Kochba Frankfurt am Main Bar Kochba Frankfurt am Main Bar Kochba Frankfurt wurde 1913 als Jüdischer Turnverein Frankfurt gegründet. ), 1,53 m, gewann. Im Fünfkampf der Junioren konnte sich überraschenderweise keiner der Berliner Bar Kochbaner placieren. Den ersten Platz holte sich Bartfeld ( Bar Kochba Leipzig Bar Kochba Leipzig Bar Kochba Leipzig bestand von 1919 bis zu seiner Auflösung im Frühjahr 1939. ), vor Gottheiner ( Bar Kochba Breslau Bar Kochba Breslau Bar Kochba Breslau gehörte dem Deutschen Makkabikreis an. ) und Seinfeld ( Bar Kochba Hamburg Bar Kochba Hamburg Der JTV Bar Kochba Hamburg wurde 1910 als nationaljüdischer Verein gegründet. Seit den 1920er gehörte der Verein dem Makkabi-Weltverband (gegründet 1921) an. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Vereinsarbeit zunehmend auf die Emigration ihrer (jugendlichen) Mitglieder ausgerichtet. Die Auflösung des Vereins erfolgte im Jahr 1938. ).
Ein besonders interessant beschicktes Feld waren die 100 m für Mädchen B, in denen es zu einem spannenden Endkampf kam. Goldstein (Bar Kochba Leipzig) konnte dieses Rennen vor Durst (Bar Kochba-Hakoah Berlin) und Purwin (Bar Kochba Königsberg) für sich entscheiden. 
In den neun Staffeln, die gestartet wurden, erwies sich der Bar Kochba-Hakoah Berlin als überlegen. Nicht weniger als fünf erste und vier zweite Plätze heimsten die Berliner ein. Unter den Staffeln verdient die Elli-Kendziorra Elli-Kendziorra Elli Kendziorra war eine Sportlerin des Bar Kochba Hamburg. -Gedächtnis-Staffel deshalb besondere Erwähnung, weil sie durch ihre Zusammensetzung außergewöhnlich interessant war.
Etwas besonderes fiel bei diesem Sportfest noch auf, nämlich die vielen Leistungsabzeichen, die man auf den Trikots einer großen Zahl von Jungen und Mädchen entdecken konnte. Waren auch die meisten der Träger dieses Abzeichens Mitglieder des Berliner Bar Kochba-Hakoah, so darf man nunmehr doch erwarten, daß sich in der kommenden Saison, angespornt durch dieses Beispiel, weit mehr Makkabim aus dem Reich als bisher den Prüfungen unterziehen werden.
Sie waren schon ein besonderes Ereignis, diese leichtathletischen Meisterschaften unserer Jugend. Das verstand auch Makkabi Dr. Rabau Dr. Rabau Dr. Alfred Rabau war Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin, Mitglied des Reichsausschusses jüdischer Sportverbände und Vorsitzender des Berliner Bar Kochba. bei der nach Beendigung der Veranstaltung in einem von den Aktiven mehr als überfüllten Raum stattgefundenen Preisverteilung ausgezeichnet darzustellen. Für die Jugendlichen waren sie auch durch das Zusammensein mit den vielen Gleichgesinnten die Würdigung ihres ernsthaften und andauernden Trainings. Für das große Heer der Funktionäre waren sie schönster Lohn für ihre aufopferungsvolle Arbeit und für den Zuschauer nicht zuletzt ein stolzes und hoffnungsfreudiges Bild einer kampfbereiten und gesunden jüdischen Jugend.
Die Ergebnisse:
Ball-Weitwurf: M ä d c h e n CWeitsprung: J u g e n d A
1. Romanus (BK. Bln.) 58,521. Widman (Köln) 6,17
2. Samowitz 35,902. Kramberg (Hak. Essen) 5,91
3. Alexander (Düsseld.) 35,203. Goldschmidt (BK. Ffm.) 5,64
Kugelstoßen: J u g e n d AWeitsprung: J u g e n d B
1. Nieburg 12,401. Ehrlich (BK. Bln.) 5,81
2. Kramberg (Hak. Essen) 12,302. Baum (BK. Bln.) 5,59
3. Politzer (BK. Bln.) 12,293. Steinbeck II (BK. Bln.) 5,41
​ 
800 m: J u g e n d AHochsprung: M ä d c h e n A
1. Jonas (BK. Bln.) 2:10.71. Durst (BK. Bln.) 1,35
2. Koebner (JSK. Bln.) 2:19.92. Kniebel (Hak. Köln.) 1,25
3. Bienstock (Hak. Köln) 2:22,53. Fuchs (BK. Lpzg.) 1,25
​ 
800 m: J u g e n d BWeitsprung: K n a b e n
1. Lichtenstein Lichtenstein Gretel Lichtenstein war eine Leichtathletin im SC Hakoah Köln. (Hakoah 1. Riechheimer (BK. Hbg.) 5,21
Köln) 2:18.72. Sternheimer (BK. Ffm.) 5,12
2. Dienes (BK.-II. Berlin) 2:20,53. Atlas (BK. Bln.) 5,08
3. Karl Lewin (BK.-II.
Berlin) 2:21,51500-m-Lauf: J u n i o r e n
1. Berger (BK. Bln.) 4:34.9
100 m: J u n i o r e n2. Marcuse (BK. Bln.) 4:41.8
1. Gruenbaum (BK. Bln) 11.93. Waag (Hak. Essen) 4:45.0
2. Katzenberg I (Mak-
kabi Düsseldorf) 12,0Weitsprung: M ä d c h e n C
3. Rosenberg (Hakoah1. Romanus (BK. Bln.) 4,92
Mainz Mainz Der SC Hakoah Mainz wurde 1931 gegründet. 12,22. Warschauer (BK. Lpzg.) 4,36
3. Nathan (BK. Hbg.) 4,28
100m: J u g e n d A
1. Widmann Widmann Felix Widmann war im SC Hakoah Köln aktiv (Hak. Köln) 11,7Weitsprung: M ä d c h e n B
2. Fuchs (Bar Kochba 1. Loewenstein (BK. Ffm.) 4,92
Ffm.) 12,02. Weißbrodt (BK. Bln.) 4,62
3. Goldschmidt (Bar Koch-3. Purwin (BK. 
Kaliningrad
rus. Калинингра́д, deu. Königsberg

Kaliningrad ist eine Großstadt im heutigen Russland mit fast 500.000 Einwohner:innen. Sie liegt in der Oblast Kaliningrad, einer russischen Exklave zwischen Litauen und Polen, die ungefähr dem nördlichen Teil der preußischen Provinz Ostpreußen vor 1945 entspricht (heute litauische Gebiete ausgenommen). Vor 1945 war Königsberg nicht nur Hauptstadt der Provinz und die nordöstlichste Großstadt Preußens, sondern ab 1724 auch Königliche Haupt- und Residenzstadt in Preußen.

) 4,59
ba Ffm.) 12,1
400 m J u g e n d A
100m: J u g e n d B1 Widmann (Hak. Köln 58,4
1. Ehrlich (BK. Bln.) 11,82 Grünbaum (BK. Ffm.) 59,0
2. Frank (BK. Ffm.) 12,1
3. Wienskowitz Wienskowitz Wilhelm Klaus Wienskowitz (1914–2001) emigrierte in die USA. Sein Bruder seine Eltern wurden in der Shoa ermordet. Zwei weitere Brüder konnten in die USA emigrieren. (BK. Bln.) 12,2Elli-Kendziorra-Staffel:
1 BK.-II. II. Bln. 2:7.8
4x100-m-Staffel: K n a b e n2. BK. Leipzig
1. BK.-H. Bln. 1 Mannsch. 53.6
2. BK.-H. Bln. II. Mannsch. 55,3Dreikampf: J u g e n d B
3. BK. Hamburg1. Ehrlich (BK. Bln.) 2272
2. Steinbock II (BK. Bln.) 2254
4x100-m-Staffel: M ä d c h e n A3. Graimann (BK. Bln.) 2194
1. BK.-H. Berlin 58,5
2. Hakoah Köln 61,4Fünfkampf: J u n i o r e n
1. Bartfeld (BK. Lpzg.) 2511,5
4x100-m-Staffel: M ä d c h e n B2. Gottheimer (BK. Brsl.) 2424,5
1. BK.-H. Berlin 57,43. Scheinfeld (BK. Hbg.) 2053,5
2. BK. Frankfurt a. M. 57,8
3. KB. Leipzig 58,2Dreikampf: J u g e n d A
1. Kramberg (Hak. Essen 2374
4x100-m-Staffel: M ä d c h e n C2. Kiko’er (BK. Bln.) 2229
1. BK. Hamburg 59,13. Scheinfeld (BK. Hbg.) 2129
2. BK.-H. Berlin 62,24. Bidelberg (BK. Bln.) 1976
[4] 3X200 m: B e z i r k s s t a f f e l Diskus: J u g e n d A
J u g e n d B1. Nieburg (BK.Berlin) 34,55
1. BK.-H. Berlin 1:17,12. Scheinfeld (BK. Hamb.) 32,26
2. BK. Leipzig 1:20,23. Back Back Walter Back (1920–?) übte Leichtathletik sowie diverse Sportarten im Düsseldorfer Makkabi aus. Er konnte 1939 nach Chile fliehen. (Düsseldorf) 27,25
3. BK. Hamburg 1:20,3
Diskus: J u g e n d B
3X200 m: B e z i r k s s t a f f e l1. Steinbock II (BK. Bln.) 25,84
J u g e n d A2. Karl Lewin (BK. Bln.) 24,16
1. Hakoah Köln 1:15,93. Oppenheim (BK. Hamb.) 21,32
2. BK.-H. Berlin 1:16,4
Kugelstoßen: M ä d c h e n A
3X1000 m: J u g e n d A1. Weinreb (BK. Berlin) 8,48
1. Makkabi Westdeutsch-2. Steinweg (
Wrocław
deu. Breslau, lat. Wratislavia, lat. Vratislavia, ces. Vratislav, deu. Breslaw, deu. Bresslau, deu. Wreczelaw, deu. Wrezlaue, lat. Vuartizlau, lat. Wrotizlaensem, lat. Wortizlava, deu. Brassel

Wrocław (dt. Breslau) ist eine der größten Städte in Polen (Bevölkerungszahl 2025: 672.601). Sie liegt in der Woiwodschaft Niederschlesien im Südwesten des Landes.
Zunächst unter böhmischer, piastischer und zeitweise ungarischer Herrschaft übernahmen 1526 die Habsburger die schlesischen Erblande und damit auch Breslau. Einen weiteren Wendepunkt in der Geschichte der Stadt stellte die Besetzung Breslaus durch die preußischen Truppen 1741 und die anschließende Einverleibung eines Großteil Schlesiens in das Königreich Preußen dar.
Die rapide Bevölkerungszunahme und Industrialisierung führte zur sprunghaften Urbanisierung der Vorstädte und ihrer Eingemeindung, was mit der Schleifung der Stadtmauer Anfang des 19. Jahrhunderts einherging. Bereits 1840 wuchs Breslau mit 100.000 Einwohnern zur Großstadt heran. Am Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich das häufig noch mittelalterlich geprägte Stadtbild hin zur Großstadt wilhelminischer Prägung. Höhepunkt der Stadtentwicklung noch vor dem Ersten Weltkrieg war die Anlage des Ausstellungsparks als neuer Mittelpunkt der gewerblichen Zukunft Breslaus mit der Jahrhunderthalle von 1913, die seit 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
In den 1920er und 30er Jahren erfolgte die Eingemeindung von 36 Ortschaften und der Bau von Wohnsiedlungen am Stadtrand. Um der großen Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg zu begegnen, wurden auch Wohngenossenschaften mit Siedlungsbau beauftragt.
Noch 1944 zur Festung erklärt, wurde Breslau während der folgenden Kampfhandlungen in der ersten Hälfte 1945 nahezu vollständig zerstört. Der Wiederaufbau der nun Polnisch gewordenen Stadt dauerte bis in die 1960er Jahre.
Von der etwa 20.000 Personen zählender jüdischen Bevölkerung fanden sich nach dem Zweiten Weltkrieg nur 160 Personen in der Stadt wieder. 1945–1947 wurde die nach dem Kriegsende verbliebene bzw. zurückgekehrte - deutsche - Bevölkerung der Stadt zur Auswanderung größtenteils gezwungen, an ihre Stelle wurden Menschen aus dem Gebiet des polnischen Vorkriegsstaats angesiedelt, darunter aus den an die Sowjetunion verlorenen Gebiete.
Nach dem politischen Umbruch von 1989 erhob sich die Stadt zu neuer, beeindruckender Blüte. Der Transformationsprozess und seine raumwirksamen Folgen sorgten für einen rasanten Aufschwung Breslaus, unterstützt durch den Beitritt Polens zur Europäischen Union im Jahr 2004. Heute ist Breslau eine der am besten prosperierenden Städte Polens.

)) 7,72
land 9:41,33. Goldschmidt (BK. Bln.) 7,45
2. BK.-H. Berlin 9:55,0
Kugelstoßen: M ä d c h e n B
3x1000m: J u g e n d B1. Durst (BK. Berlin) 8,21
1. Makkabi Westdeutsch-2. Wydra (BK. Leipzig) 8,11
land 10:39,43. Speyer (BK. Berlin) 7,99
100 m: K n a b e nKugelstoßen: J u g e n d B
1. Sternheimer (BK. Ffm.) 12,51. Frank (Franf. a. M.) 10,85
2. Arpady (BK. Bln.) 12,82. Grajmann (BK. Bln.) 10,68
3. Nemann (BK. Lpzg.) 13,33. Steinbock II (Berlin) 10,63
100 m:  M ä d c h e n AKugelstoßen: K n a b e n
1. Fließ (BK. Bln.) 13,81. Atlasz (BK. Berlin) 12,49
2. Lesser BK. Brsl.) 14,22. Hüttner (BK. Berlin) 12 39
3. Weinreb (BK. Bln.) 15,03. Justmann (BK. Berlin) 12,34
100 m: M ä d c h e n BSpeerwerfen: J u g e n d A
1. Goldstein (BK. Lpzg.) 14,01. Ziegler ( Würzburg Würzburg Gemeint ist der JTUS Würzburg. ) 41,41
2. Durst (BK. Bln.) 14,12. Back (Düsseldorf) 39,61
3. Purwin (BK. Königsb.) 14,23. Spiegelberg (BK. Bln.) 39,05
60 m: M ä d c h e n CSpeerwerfen: J u g e n d B
1. Nathan (BK. Hbg.) 8,61. Polkowski (BK. Bln.) 39,80
2. Warschauer (BK. Lpzg.) 8,72. Oppenheim (BK. Hbg.) 34,42
3. Romanus (BK. Bln.) 9,03. Frank (Düsseldorf) 33,96
Hochsprung: J u g e n d ASpeerwerfen: M ä d c h e n A
1. Katzenberg II (Makkabi Düsseldorf) 1,601. Kerzner (Hamburg) 21,20
2. Kramberg (Hak. Essen) 1,572. Steinweg (Breslau) 16,50
3. Unger (BK. Bln.) 1,473. Lichtenstein (Köln) 14,40
Hochsprung: J u g e n d BSpeerwerfen: M ä d c h e n B
1. Baum (BK. Bln.) 1,571. Simon (BK. Berlin) 31,60
2. Frank (BK. Ffm.) 1,532. Speyer (BK. Berlin) 28,25
3. Steinbock 1, 453. Liepmann (BK. Berlin) 26,00
Die Editionsrichtlinien finden Sie hier.

Kommentar

Im Zeitungsartikel „Unsere Jugend kämpfte“, erschienen am 15. September 1938 in dem Publikationsorgan „Der Makkabi“, berichtet eine anonyme Autorin oder ein anonymer Autor von den leichtathletischen Titelkämpfen der Makkabi-Jugend, die am 28. August desselben Jahres in Berlin-Grunewald ausgetragen wurden. Rund 300 Jugendliche aus ganz Deutschland traten dort in klassischen Disziplinen wie Weit- oder Hochsprung an. Etwa 1.500 Zuschauer:innen verfolgten die Wettkämpfe auf dem Sportplatz, der damit Schauplatz einer der letzten großen jüdischen Sportveranstaltungen in der Zeit des Nationalsozialismus war.
Der Makkabi Makkabi Der Deutsche Makkabikreis war der Verband zionistischer Sportvereine in Deutschland und Teil des Makkabi-Weltverbands. Er kritisierte anfangs die Gründung des VINTUS, da diese als Schritt gegen den Zionismus gesehen wurde. In den 1920er Jahren war die Anzahl von Vereinen in dem Verband eher gering, da es nicht sehr viele zionistische Vereine in Deutschland gab. Außerdem versuchten viele große zionistische Vereine, sich deutschen Verbänden anzuschließen. Nach 1933 war der Makkabikreis einer der zwei erlaubten, jüdischen Sportverbände. Er organisierte verschiedene Sportveranstaltungen, z.B. Fußballspiele und Leichtathletikwettkämpfe. Während dieser Zeit gingen sehr viele Vereinsmitglieder ins Exil. Jugendliche wurden die größte Zielgruppe der Vereine im Makkabikreis. Nach den Novemberpogromen 1938 stellte der Makkabikreis seine sportlichen Aktivitäten ein. war neben dem  Schild
Sportbund Schild
Die Gründung des „Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten“ ist auf den 30. Mai 1933 datiert. Es bleibt offen, weshalb Alwin Lippmann in seinem Artikel den April als Gründungsmonat für den Sportbund nennt. Zwar wurde im April bereits über die Planung eines Sportbundes berichtet, jedoch fand die Gründung erst Ende Mai statt. Aus den Quellen geht hervor, dass die Bundesleitung am 29. Mai die Gründung des Sportbundes beschloss und einen Tag später mit seinem Aufbau begann.
 ( Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, RjF
Reichsbund jüdischer Frontsoldaten
auch:
RjF
Der 1919 gegründete Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF) war eine Reaktion auf antisemitische Anfeindungen gegenüber den aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrenden jüdischen Soldaten. Obwohl ca. 85.000 jüdische Frontsoldaten am Krieg teilnahmen, von denen etwa 12.000 starben, wurde ihnen vorgeworfen, sie hätten sich vor dem Krieg gedrückt und somit die Niederlage Deutschlands verursacht. Der RjF informierte über die Leistungen jüdischer Soldaten und half ihnen, die gebührende Anerkennung zu erlangen. Darüber hinaus organisierte der RjF Selbstschutzeinheiten, um die jüdische Bevölkerung vor antisemitischen Angriffen zu schützen. Seine politische Einstellung war deutsch-national, und sein Presseorgan hieß „Schild“. Ab 1936 wurde dem RjF verboten, sich politisch zu engagieren. Zwei Jahre später wurde er aufgelöst.
) die wichtigste jüdische Sportorganisation in Deutschland. Er ging aus der jüdischen Turnerschaft (gegr. 1903) hervor und wurde 1921 auf dem XII. Zionistenkongress in Karlsbad als weltweiter Verband gegründet.1 Wenige Wochen nach dem in „Der Makkabi“ geschilderten Sportfest wurde er im Zuge der Novemberpogrome endgültig verboten und aufgelöst. Unter Eindruck der stetigen Bedrohung der deutschen Judenheit, verlagerte die Organisation ihre Aktivitäten zunehmend auf die Jugendarbeit. Das Fest in Grunewald war daher nicht nur eine sportliche Veranstaltung, sondern zugleich ein symbolischer Akt der Selbstbehauptung einer bedrohten Gemeinschaft.
Die Darstellung im Artikel ist durchweg positiv gefärbt. Besonders hervorgehoben werden Disziplin, Ordnung und Pünktlichkeit – Eigenschaften, die über den sportlichen Kontext hinaus als Ausdruck von Leistungsfähigkeit und innerer Stärke verstanden werden konnten. Schon der Titel des Wettbewerbs, „Die Besten am Start“, sowie der Titel des Artikels „Unsere Jugend kämpfte“ verdeutlichen die intendierte Wirkung: Die Veranstaltung sollte die Fähigkeiten der jüdischen Jugend ins Zentrum rücken und damit ein Bild von Vitalität und Durchhaltevermögen zeichnen (S. 3).
Ein auffälliges Detail des Berichts betrifft die zahlreichen Leistungsabzeichen, die insbesondere die Athlet:innen des Berliner Vereins Bar Kochba-Hakoah trugen (S. 3). Diese Abzeichen fungierten nicht nur als sichtbares Zeichen sportlicher Erfolge, sondern auch als pädagogisches Instrument: Sie setzten Anreize für andere Jugendliche, eigene Prüfungen abzulegen und Leistungen nachzuweisen. Das Sportfest war damit nicht nur ein Wettkampf, sondern auch ein Mittel der Erziehung zu Aktivität, Disziplin und Gemeinschaftsbewusstsein. Bereits Adolf Sindler Adolf Sindler Dr. Adolf Sindler (1899–1965) war ein deutsch-jüdischer Arzt. Sindler wurde in Stanislau (heute Iwano-Frankiwsk, Ukraine) geboren und lebte seit 1903 mit seinen Eltern in Düsseldorf. Er studierte Medizin in Bonn, Münster und Köln und wurde 1922 zum Dr. med. und 1924 zum Dr. phil. promoviert. Sindler war maßgeblich an der Gründung des Makkabi Düsseldorfs beteiligt. Er engagierte sich im lokalen Ableger der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 1927 eröffnete er eine Privatpraxis und ließ sich als Kinderarzt nieder. Nach der Machtübernahme widersetzte er sich erfolgreich dem Entzug seiner Zulassung, verlor jedoch letztlich die deutsche Staatsangehörigkeit sowie in diesem Zusammenhang auch seine Zulassung als Arzt. 1937 emigrierte Sindler nach Palästina. Im Alter von 66 Jahren verstarb er in Haifa. hatte 1934 für das Leistungsabzeichen geworben, welches mit seinen sportlichen und geistigen Anforderungen auf die Formung eines „neuen jüdischen Menschen“ zielte. Das Leistungsabzeichen könnte zudem im Kontext der jüdischen Migration nach Palästina eine zusätzliche Funktion erfüllt haben: Neben seiner Bedeutung als Symbol sportlicher Leistungsfähigkeit innerhalb des Vereins ist denkbar, dass es auch im Rahmen der Vorbereitung auf die Auswanderung als Indikator für körperliche Tauglichkeit betrachtet wurde.
Die historische Einbettung verleiht dem Artikel besondere Bedeutung. Weniger als zwei Monate vor den Novemberpogromen in ganz Deutschland war es noch möglich, eine größere jüdische Sportveranstaltung zu organisieren – trotz der bereits massiven Diskriminierungen, denen Jüdinnen und Juden im Land ausgesetzt waren. Seit 1933 waren sie systematisch aus den allgemeinen Sportvereinen ausgeschlossen worden2, und 1938 stand auch die Existenz ihrer eigenen Organisationen vor dem Ende. Die Sporthistoriker Lorenz Peiffer und Henry Wahlig beschreiben die Jahre zwischen den Olympischen Spielen 1936 und den Novemberpogromen 1938 als eine Phase wachsender rechtlicher Einschränkungen und personeller Auszehrung der jüdischen Sportvereine.3 Vor diesem Hintergrund erhielten die Titelkämpfe der Makkabi-Jugend eine umso größere symbolische und soziale Bedeutung. Sportfeste wie das in Grunewald erfüllten mehr als eine sportliche Funktion. Sie boten jungen Jüdinnen und Juden, die durch den Ausschluss aus den deutschen Sportvereinen 1933 wichtige soziale Bezugspunkte verloren hatten, einen neuen Raum für Gemeinschaftsbildung. Hier konnten Bindungen geknüpft und gestärkt werden, die im Alltag unter den Bedingungen von Diskriminierung und Verfolgung zunehmend bedroht waren. Zugleich verliehen solche Veranstaltungen den Jugendlichen ein Gefühl von Normalität und Selbstwirksamkeit – Werte, die in Zeiten gesellschaftlicher Ausgrenzung von unschätzbarem Wert waren.4

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