Zeitungsartikel von Hermann Lelewer: Wirkungen der Ersten Makkabiah. In: Der Makkabi. Organ des Deutschen Makkabikreises. 39. Jahrgang, Nr. 4 (24.05.1938), S. 5–6. Hermann Lelewer / Zentralbibliothek der Sportwissenschaften der Deutschen Sporthochschule Köln,
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Lelewer, Hermann: Wirkungen der Ersten Makkabiah. (24.05.1938). In: Der Makkabi. Organ des Deutschen Makkabi Kreises, 39 (1938), Nr. 4 (24.05.1938). S. 5–6. Zitiert nach: Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa. URL: https://www.copernico.eu/de/link/68f9f0fce7d314.40088110 (14-07-2026)
Der Artikel von Dr. Hermann Lelewer vom 24. Mai 1938 bietet einen eindrucksvollen Einblick in die ideelle und emotionale Bedeutung der I. Makkabiah im Jahr 1932 für die zionistische Bewegung. Zugleich stellt er einen Rückblick auf die Zeit vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten dar. Aufgrund der Funktion Lelewers als Ehrenpräsident des Makkabi-Weltverbandes weist die Quelle eine ausgeprägte programmatische Ausrichtung auf. Der Text ist weniger als nüchterner Bericht zu verstehen, sondern vielmehr als politisch motivierter, emotional aufgeladener Text, der in einer Zeit voller Unsicherheit und Bedrohung veröffentlicht wurde.
Von
Dr. Hermann Lelewer
Dr. Hermann Lelewer
Dr. Hermann Lelewer (1891–1946) war Rechtsanwalt, Mitglied im Kartell Jüdischer Verbindungen und hatte eine Führungsposition im Bar Kochba Berlin inne. 1929 wurde er Präsident des Makkabi-Weltverbands. 1933 floh er nach England und später nach Palästina.
, Tel Aviv.
Der Begriff Jischuw (hebr. für „Siedlung“, „bewohntes Land“) bezeichnet die Gesamtheit der jüdischen Siedlungen in Palästina vor der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948. Der sogenannte „alte“ Jischuw bezeichnet jüdische Siedlungen in Palästina, deren Bevölkerung sich dort insbesondere aus religiösen Gründen niederließ. Als „neuer Jischuw” werden die jüdischen Siedlungen bezeichnet, die im Zuge der zionistisch motivierten Migration (Alijah) ab ca. 1880 entstanden. Bis 1920 existierten die einzelnen Siedlungen isoliert voneinander ohne übergreifende Verwaltungsstruktur.
. Wohin wir kamen, war es , als ob alle Bewohner der Dörfer, jung und alt, uns entgegenkamen und mit überströmenden Herzen uns Dank sagen wollten, daß wir zu ihnen gekommen waren. Unvergeßlich wird uns sein, wie uns im Tempel von Rischon le Zion einer der
Biluim
Bilu-Bewegung
auch:
Bilu, BILU, B.J.L.U.
Die Bilu-Bewegung wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert von einer Gruppe jüdischer Idealisten als Reaktion auf die Pogrome und auf antisemitischen Gesetze im Russischen Reich gegründet. Eine Biluim-Gruppe gründete nach ihrer Ankunft in Palästina gegen Ende des 19. Jahrhunderts die landwirtschaftliche Siedlung Rischon le Zion (dt. Erster zu Zion). Ein wichtiger Wirtschaftszweig war der Weinbau, der von Baron de Rothschild unterstützt wurde. Später entstanden noch weitere mit der Bewegung in Verbindung stehende Siedlungen.
,
Meyerowitz
Meyerowitz
Menashe Meyerowitz (1860–1949) war ein Bilu und Präsident der Agronomen in Palästina. Er wurde als „letzter Biluim“ bekannt bekannt, da er der letzte Vertreter dieser Organisation war, der die Staatsgründung miterlebte.
, mit „
Schehechejanu
Schehechejanu
Der Segen Schehechejanu kommt bereits im Talmud vor und wird zu verschiedenen Anlässen gesprochen, z.B. bei einer Ankunft in Erez Israel.
“ begrüßte.
Es kam der Abschied. Vorher hatten wir noch mit der Stadtverwaltung von Tel Aviv einen Vertrag unter Dach und Fach gebracht, nach dem der Platz, auf dem die 1. Makkabiah stattgefunden hatte, in den Besitz des M.W.V. übergehen sollte.
D i e z e n g o f f
D i e z e n g o f f
Meir Dizengoff (1861–1936) war der erste Bürgermeister von Tel Aviv.
brachte uns aufs Schiff. Mit Tränen in den Augen verabschiedet er sich von uns. Vorher hatte er mir noch einen Brief zugehen lassen, dessen Übersetzung folgendermaßen lautete:
„Verehrter Herr Doktor!
Es ist mir eine angenehme Pflicht, Ihnen, bevor Sie Tel Aviv verlassen, zu sagen, wie schwer uns der Abschied vom Makkabi ist, und daß wir noch lange Zeit uns sehnen werden nach der wunderbaren Jugend Ihrer Organisation. Das Erscheinen des Welt-Makkabi und sein Aufenthalt in unserer Mitte, seine Ordnung, seine Spiele, seine Gliederung und seine Aufzüge haben in unsere ganze Umgebung Leben und Bewegung, Stolz und Hoffnung, das Vertrauen auf die Kraft unseres Volkes und den Glauben an das Gelingen unseres Werkes hineingetragen.
Die Tage der 1. Makkabiah in Tel Aviv haben einen mächtigen Eindruck auf unsere gesamte Jugend und alle diejenigen gemacht, die dereinst berufen sein werden, den Kampf für unser Volk und unseren Glauben zu führen.
In der Stunde, da wir uns von Ihnen trennen, kann ich Ihnen versichern, werter Herr Doktor, daß Sie Gefühle der Brüderlichkeit und Liebe begleiten und die herzlichsten Wünsche, daß Ihr zu uns bald zur 2. Makkabiah zurückkommen werdet.
Empfangen Sie verehrter Herr Doktor, meinen Gruß in meinem Namen und im Namen der Stadtverwaltung für den ganzen Welt-Makkabi und für alle Kollegen im Präsidium.
Und was Sie selbst betrifft, so bringe ich Ihnen alle meine Gefühle der Hochschätzung und Liebe zum Ausdruck, welche ich für Ihre Persönlichkeit und bewundernswerten Fähigkeiten empfinde, und ich bin sicher, daß eine Persönlichkeit Ihresgleichen sicher ihren Weg schreiten und uns den Weg ebnen wird zu einer vollen Renaissance und Erlösung.
Ihr Sie hochschätzender
gez. D i e z e n g o f f.
Das Schiff setzte sich in Bewegung. Palästinas Küste entschwand, Richtung
Galuth
Galuth
Hebr. galut, lässt sich als Diaspora übersetzen.
.
[Fotografie]
[Bildunterschrift:]
Kinrot
Kinrot
Kinrot (auch Tel Kinrot): Archäologische Ausgrabungsstelle am Nordwestufer des Sees Genezareth (hebr.: Jam Kinneret). Der gleichnamige Kibbuz wurde an der Südseite des Sees gegründet, da dort die antike Stadt zuerst vermutet wurde.
II.
Ungeheuer waren die Wirkungen der Makkabiah nach den verschiedensten Richtungen hin.
Der J i s c h u w war aufs stärkste beeinflußt. Jahrelang hatte es nach den
Unruhen von 1929
Unruhen von 1929
Während der zionistischen Einwanderung nach Palästina kam es immer mehr zu Spannungen zwischen der arabischen und jüdischen Bevölkerung. 1929 kam es zu Ausschreitungen in Palästina. In diesem Jahr ereignete sich das Pogrom von Hebron, bei dem 67 Jüdinnen und Juden ermordet wurden. Neben diesem Pogrom ereigneten sich 1929 weitere tödliche Angriffe auf Jüdinnen und Juden. Insgesamt wurden während der Unruhen 133 Jüdinnen und Juden getötet. 110 arabische Aufständische wurden von Angehörigen der britischen Sicherheitskräfte im Mandatsgebiet Palästina ermordet.
keine starke Einwanderung mehr gegeben. Tiefer Pessimismus drohte Platz zu greifen; eine wirtschaftliche Krisis erstickte alle Aktivität; die politische Unsicherheit über die Zukunft des Landes lähmte jede Energie. Da kam plötzlich in diese Stimmung hinein unerwartet und überraschend der Makkabi aus 17 Ländern. Junge, frische Menschen mit Singen und Lachen und Fahnen. Der Jischuw wurde angesteckt; ein einzigartiger Taumel der Begeisterung ergriff alle. Eine neue Welle des Optimismus begann und neue Hoffnung pflanzte sich in jüdische Herzen. Diezengoff’s Brief spiegelt die Stimmung wieder, die den Jischuw ergriffen hatte.
In die G a l u t h kehrten Hunderte von jungen Menschen zurück, die freiwillige und unbezahlte Agitatoren für Palästina wurden. Was sie selbst erlebt hatten, die Schönheit des Landes, die Wärme der Begrüßung, das erzählten diese Propagandisten in tausendfachen Worten in den Ländern der Diaspora und brachten so einen starken Auftrieb zionistischer Propaganda und Agitation. Tel Aviv, das bisher wenig bekannte Städtchen wurde in der ganzen Welt durch unsere Werbung und Plakate als das Zentrum jüdischen Sportes bekannt und berühmt.
Als ich mich von D i e z e n g o f f verabschiedete, vereinbarte ich mit ihm, daß er noch im Laufe desselben Jahres 1932 zu mir nach Berlin kommen sollte, um dort die Pläne auszuarbeiten, wie man den M a k k a b i finanziell auf eine gesunde |6| Basis stellen könnte. Denn es war klar, daß der Makkabi aus sich heraus nicht in der Lage sein konnte, die Mittel herbeizuschaffen die für eine große Aufwärtsentwicklung der Bewegung und ihrer Sicherstellung notwendig waren. Der Plan mußte also dahingehen, die Spitzen der jüdischen Gesellschaft für den Makkabi zu interessieren.
Diezengoff kam auch wirklich, wie vereinbart, im Herbst 1932 nach Berlin. Dann fuhren wir gemeinsam nach London und gingen zu
Lord Melchett
Lord Melchett
Henry Ludwig Mond, 2. Baron Melchett (1898–1949), war ein britischer Industrieller, Politiker und Zionist. Er war der älteste Sohn von Alfred Mond, 1. Baron Melchett. Nach seinem Militärdienst im Ersten Weltkrieg engagierte er sich zunächst politisch in der Liberal Party, bevor er gegen Ende der 1920er Jahre zu den Konservativen wechselte. Mond entstammte einer jüdischen Familie, wurde jedoch christlich erzogen. Im Zuge seiner zunehmenden Hinwendung zum Zionismus konvertierte er 1933, ebenso wie seine Schwester Eva, zum Judentum. Seit den 1920er Jahren unterstützte er aktiv die Bestrebungen zur Gründung eines jüdischen Staates in Palästina als Teil des britischen Empire. In diesem Zusammenhang bekleidete er unter anderem das Amt des Vorsitzenden der British Agency for Palestine und engagierte sich als Förderer des Makkabi-Weltverbands. Aufgrund seiner führenden Rolle im jüdischen Leben Großbritanniens geriet Mond in den späten 1930er Jahren ins Visier des nationalsozialistischen Regimes und wurde 1940 für den Fall einer deutschen Invasion Großbritanniens auf eine Sonderfahndungsliste gesetzt. Mond war verheiratet und hatte zwei Söhne.
. Ich schlug ihm vor, Ehrenpräsident des M.W.V. zu werden. Er nahm es an mit den freudigen Worten: „Das ist die größte Ehrung meines Lebens“. Melchett hatte ebenso wie seine Schwester
Lady Erleigh
Lady Erleigh
Eva Violet Isaacs, geb. Mond (1895–1973) trug bedingt durch ihre Ehe mit Rufus Isaacs Viscount Erleigh (1889–1960) den britischen Adelstitel Viscountess Erleigh. Nach dem Tod ihres Schwiegervaters trug sie den Titel Marchioness of Reading, ihr Mann den Titel Marquess of Reading. Beide hatten jüdische Wurzeln. Eva Isaacs war die Tochter von Alfred Mond, 1. Baron Melchett. Ihre Mutter war Christin und auch Eva wurde christlich getauft, konvertierte aber 1933 zum Judentum. Eva Isaacs war u.a. Zionistin, Philanthropin, Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses und setzte sich besonders während der Shoa für verwaiste jüdische Flüchtlingskinder ein.
von der Zuschauertribüne aus die 1. Makkabiah verfolgt und war begeistert über Organisation und Durchführung.
Mit der Annahme des Postens durch Melchett begann ein neues Kapitel unserer Bewegung. Die „Erste Makkabiah“ war beendet. Sie war wirklich, wie ich es in meinen Eröffnungsworten gelobt hatte, ein K o n g r e ß d e r L e i s t u n g e n, und nicht der Diskussionen, ein K o n g r e ß d e s O p t i m i s m u s und nicht des Pessimismus, ein K o n g r e ß d e r E i n h e i t und nicht der Zerrissenheit geworden.
Durch leidenschaftliche Hingabe und unbeugsame Energie war das bisher größte Werk des Makkabi verwirklicht worden. Menschen hatten es verwirklicht, die dem Worte
Alphonse de Lamartine
Alphonse de Lamartine
Alphonse de Lamartine (1790–1869) war ein französischer Schriftsteller, Dichter und Politiker. Erfolgreich war er besonders als Lyriker.
entsprachen: „Um zu denken, muß man sich von der Masse trennen; um zu handeln, muß man in ihr aufgehen“.
Jugendausbildung im Erez Jisrael.
Die Einwanderungsbestimmungen, die die palästinensische Regierung für das laufende Halbjahr vom 1. April bis zum 30. September herausgegeben hat, eröffnen auf gewissen Gebieten der jüdischen A l i j a h w e i t g r ö ß e r e M ö g l i c h k e i t e n als früher. Diese Gebiete fallen unter die Kategorie B III des palästinensischen Einwanderungsgesetzes, die die Einwanderung von Unbemittelten zu Ausbildungszwecken im Auge hat. In den letzten Jahren hatte diese Kategorie – besonders durch das großartige Werk der
J u g e n d a l i j a h
Kinder- und Jugend-Alija
Die Kinder- und Jugend-Alija wurde offiziell 1933 gegründet und ging auf die Initiative der Zionistin Recha Freier zurück. Die Kinder- und Jugend-Alija wurde während der Shoa zu einem wichtigen jüdischen Kinder- und Jugendhilfswerk und ist bis heute aktiv.
– sich immer stärker entwickelt. Die land- und hauswirtschaftlichen Schulen und Lehrfarmen der
W i z o
W i z o
Die Women’s International Zionist Organisation (kurz: WIZO) wurde 1920 in Großbritannien gegründet und ist eine internationale karitative jüdische Frauenorganisation.
traten der Jugendalijah zur Seite und ermöglichten Jahr für Jahr die Einwanderung einer nicht unerheblichen Zahl von Mädchen ins Land. Im Zuge dieser Entwicklung erwarben immer mehr Anstalten der allgemeinen und Fachschulbildung das sogenannte Zertifikatsrecht und dieser Prozeß erfährt nunmehr eine bedeutsame Würdigung und Erweiterung: die Einwanderung unter B III ist in diesem halben Jahr ziffernmäßig überhaupt n i c h t m e h r b e g r e n z t und es können so viele Jungen und Mädchen ins Land kommen, wie Ausbildungsplätze für sie zur Verfügung stehen, bzw. neue geschaffen werden können.
Daß hieraus eine große moralische Forderung an die Gebefreudigkeit der Judenheit außerhalb Palästinas herzuleiten ist, ist jedem verständlich; hängt doch die Zahl der Ausbildungsplätze wesentlich von der Höhe der geldlichen Zuwendungen ab, die die Judenheit des Auslandes dem palästinensischen Schul- und Bildungswesen zuführt.
An dieser Stelle sollen im Augenblick die Möglichkeiten dargestellt werden, die sich für die Einwanderung jüngerer Makkabim und Makkabioth ergeben. Wir kennen aus den Erfahrungen, die die Jugendalijah und die Wizo gemacht haben, den außerordentlichen Wert, den eine A u s b i l d u n g im L a n d e s e l b s t hat. Überall bemüht sich die pädagogische Bewegung, Schule und Berufsleben mit einander zu v e r k n ü p f e n. Die zahlreichen Versuche, die nach dieser Richtung in den letzten Jahrzehnten allenthalben gemacht worden sind und die z.B. das Landschulheim haben entstehen lassen, sind ihrer Natur nach doch immer gehindert, ihr eigentliches Ziel zu erreichen. Es bleibt an der Landschulheimerziehung, selbst wenn sie den theoretischen Unterricht noch so eng mit Gartenbau und Werkunterricht verknüpft, das Problem haften, daß die Wirklichkeit des Berufslebens doch ganz anders aussieht, als diese Vorbereitung den Schüler glauben machen kann.
In der spezifischen Situation, in der die Judenheit in Deutschland sich heute befindet, tritt hinzu, daß alle Erziehung notwendig Auswanderungserziehung ist und deshalb nach der besten und umfassendsten Vorbildung immer noch eine Umschichtung notwendig wird, die den Zögling auf die speziellen Verhältnisse des von ihm gewählten Auswanderungslandes vorbereitet. Wer heute auf das T e c h n i k u m i n H a i f a, auf die l a n d w i r t s c h a f t l i c h e S c h u l e M i k w e I s r a e l, auf die H a n d w e r k e r s c h u l e M a x P e i n in T e l A v i v, auf die K u n s t g e w e r b e s c h u l e N e u e s B e z a l e l geht, hat die Gewißheit, daß in diesen Institutionen die theoretische und praktische Ausbildung mit Selbstverständlichkeit auf die praktischen Erfordernisse des Berufslebens in Palästina hinführt.
Darüber hinaus ist der Wert gar nicht auszuschätzen, den dieser Ausbildungsgang für die Verbindung des Schülers mit dem h e b r ä i s c h e n K u l t u r k r e i s hat. Überall in der Diaspora ist diese Verbindung nur mit großen Anstrengungen zu erreichen, der letzte Erfolg muß diesen Anstrengungen aus natürlichen Gründen fast stets versagt bleiben. Selbst das stärkste hebräische Leben, das eine jüdische Schule mit hebräischer Unterrichtssprache entfalten kann, bleibt notwendig inselhaft inmitten eines jüdischen Lebens, das von der Landessprache beherrscht wird. In Palästina ist der Kreis der hebräischen Kultur der Kreis des jüdischen Lebens, das von der Landessprache beherrscht wird. In Palästina ist der Kreis der hebräischen Kultur der Kreis des jüdischen Lebens selber, und wenn die alte Lehre richtig ist, daß die unaufdringlichste Erziehung die wirksamste ist, dann können wir die positive Bedeutung ermessen, die die neue Einwanderungsfreiheit für Jugendliche hat.
Es ist selbstverständlich, daß der Makkabi grundsätzlich die Forderung der
Hachscharah
Hachschara
Die Hachschara (hebräisch für „Vorbereitung“) war ein Programm der zionistischen Dachverbände Hechaluz und Bachad. Die Ausreisewilligen besuchten dazu Bauern oder Handwerksbetriebe, um sich auf eine Emigration nach Palästina vorzubereiten. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden immer mehr eigene Ausbildungsstätten für die Alija (hebräisch für „Aufstieg“, gemeint ist die jüdische Einwanderung ins Britische Mandatsgebiet) eingerichtet. In diesen Einrichtungen wurden jüdische Jugendliche nicht nur in landwirtschaftlichen und handwerklichen Fähigkeiten geschult, sondern auch regelmäßig sportlich trainiert. Physische Leistungsfähigkeit, psychische Belastbarkeit und soziale Kompetenz galten als zentrale Voraussetzungen sowohl für die Aufnahme in ein solches Zentrum als auch für die spätere Erteilung eines Einwanderungszertifikats durch die britischen Mandatsbehörden.
erhebt und daß unsere Vorstellungen von der Berufsgestaltung der jüdischen Jugend nichts zu tun haben mit den Auffassungen, die das nichtzionistische Bürgertum früherer Zeiten hegte. Diese grundsätzliche Forderung nach Betonung der handarbeitenden Berufe bedeutet aber nicht, daß der unzweifelhafte Wert einer gründlichen theoretischen Durchbildung verkannt wird. Wir würden es außerordentlich begrüßen, wenn zahlreiche Makkabim, die dazu in der Lage sind, von der Möglichkeit Gebrauch machen würden, sich i n P a l ä s t i n a e i n e g e d i e g e n e F a c h a u s b i l d u n g anzueignen, um danach in das Berufsleben des Landes einzutreten.
Alle näheren Einzelheiten sind aus dem Merkblatt „Schüler und Studenten“ ersichtlich, das vom
Palästina-Amt
Palästina-Amt
auch:
Palamt
Das Palästina-Amt wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Abteilung der Jewish Agency for Palestine gegründet und bestand in zahlreichen Staaten. Das Palästina-Amt war die offizielle Vertretung der Zionistischen Weltorganisation in Jaffa. Zu den Aufgaben des Amts gehörten u. a. die Beschaffung von Visa sowie die Bereitstellung von Geldern für die Emigration. Außerdem bot das Palästina-Amt Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Sprachkurse in Hebräisch an. 1924 wurde das Palästina-Amt in Deutschland gegründet. 1941 wurde es zwangsweise geschlossen.
herausgegeben worden ist und von ihm direkt oder von seinen Zweigstellen zu erhalten ist.
Der Artikel von
Dr. Hermann Lelewer
Dr. Hermann Lelewer
Dr. Hermann Lelewer (1891–1946) war Rechtsanwalt, Mitglied im Kartell Jüdischer Verbindungen und hatte eine Führungsposition im Bar Kochba Berlin inne. 1929 wurde er Präsident des Makkabi Weltverbandes.
vom 24. Mai 1938 gewährt einen eindrucksvollen Einblick in die ideelle wie emotionale Bedeutung der I. Makkabiah im Jahr 1932 für die zionistische Bewegung. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte sich die politische Lage für Jüdinnen und Juden unter der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland dramatisch zugespitzt. Durch Lelewers Funktion als Ehrenpräsident des Makkabi-Weltverbandes weist die Quelle eine ausgeprägt programmatische Ausrichtung auf. Sie ist weniger als nüchterner Bericht, sondern als politisch motivierter und emotional aufgeladener Text zu verstehen. In diesem Zusammenhang zitiert Lelewer einen an ihn gerichteten Brief des Tel Aviver Bürgermeisters
Meir Dizengoff
Meir Dizengoff
Meir Dizengoff (1861–1936) war der erste Bürgermeister von Tel Aviv.
, den er nach der I. Makkabiah erhalten hatte. Neben dem sportlichen Aspekt wird in diesem insbesondere die symbolische Wirkung der Veranstaltung hervorgehoben (S. 5). Lelewer selbst beschreibt die I. Makkabiah rückblickend als einen „Kongreß des Optimismus“ und einen „Kongreß der Einheit“ (S. 6) – Begriffe, die einen starken Kontrast zur von Unsicherheit und Bedrohung geprägten Gegenwart des Jahres 1938 bilden.
Unter dem Eindruck der politischen Entwicklungen richtet Lelewer seinen Fokus auf die
Kinder- und Jugend-Alija
Kinder- und Jugend-Alija
Die Kinder- und Jugend-Alija wurde offiziell 1933 gegründet und ging auf die Initiative der Zionistin Recha Freier zurück. Die Kinder- und Jugend-Alija wurde während der Shoa zu einem wichtigen jüdischen Kinder- und Jugendhilfswerk und ist bis heute aktiv.
und die damit verbundenen Ausbildungsmöglichkeiten in
Erez Israel
Eretz Israel
Eretz Israel (hebr. „Land Israel”) ist eine auf dem Alten Testament beruhende Bezeichnung für das Gebiet, das Jahweh für das israelische Volk bestimmt hat. Im Sprachgebrauch der zionistischen Bewegungen war er gleichgesetzt mit dem Britischen Mandatsgebiet Palästina und später mit dem des Staates Israel.
(S. 6). Diese Initiative entstand als direkte Reaktion auf die wachsende Gefährdung jüdischer Jugendlicher und verfolgte das Ziel, ihnen durch eine Emigration nach
eng. Mandatory Palestine, heb. המנדט הבריטי מטעם חבר הלאומים על פלשתינה, fra. Palestine mandataire
Das Mandatsgebiet Palästina wurde infolge des Ersten Weltkriegs und der in den Nachkriegsjahren vorgenommenen territorialen Neuordnung der östlichen Mittelmeergebiete (Levante) geschaffen, die zuvor zum unterlegenen Osmanischen Reich gehört hatten. Im Kriegsverlauf waren die Gebiete westlich und östlich des Jordan, die historisch auch als Cis- bzw. Transjordanien bezeichnet wurden und den heutigen Staaten Israel, Jordanien sowie dem Westjordanland und dem Gazastreifen entsprechen, unter britische Herrschaft gekommen. Großbritannien hatte ab 1916 die regionale arabische Unabhängigkeitsbewegung in der Arabischen Revolte (1916–1918) entscheidend unterstützt, die militärisch eroberten Gebiete jedoch im Anschluss zwischen sich und Frankreich aufgeteilt. Noch vor Kriegsende hatte Großbritannien zudem nicht nur der arabischen, sondern auch der jüdischen Bevölkerung der Region Unterstützung in der Erlangung politischer Unabhängigkeit bzw. der Schaffung eigener Staaten zugesichert (Balfour-Erklärung, 1917). Die Konferenz von San Remo, die im April 1920 über die Aufteilung des Osmanischen Reiches entschied, bestätigte die britischen Gebietsansprüche. 1922 erteilte auch der Völkerbund Großbritannien offiziell das Mandat über das Gebiet.
Bereits 1923 teilte Großbritannien dieses erste „Mandatsgebiet Palästina“ in zwei Gebiete auf: „Transjordanien“, das 1946 unabhängig wurde und seit 1950 offiziell den Namen Jordanien trägt; sowie das erneut als Mandatsgebiet „Palästina“ bezeichnete Gebiet, das nun das historische Cisjordanien bzw. den westlich des Jordans gelegenen Teil der historischen Region Palästina und die südlich gelegene Negev-Wüste umfasste und nach wie vor einen Zugang zum Golf von Akaba und damit zum Roten Meer besaß.
Die Zeit des Mandats war von anhaltenden Unruhen zwischen den arabischen und jüdischen Bevölkerungsteilen des Mandatsgebietes geprägt, nach Ende des Zweiten Weltkriegs gab Großbritannien das Mandat auf und an die Vereinten Nationen (als Nachfolgeeinrichtung des Völkerbundes) zurück, die daraufhin einen Teilungsplan für die Region entwickelten. Zu dessen Implementierung kam es jedoch nie, da die Spannungen im Mandatsgebiet zum Palästinakrieg (1947–1949) eskalierten, in dessen Verlauf Israel seine Unabhängigkeit ausrufen und erfolgreich durchsetzen konnte.
Das Bild zeigt eine Karte des britischen Mandatsgebiets in Palästina zwischen 1945 und 1947. (Public Domain, via Wikimedia Commons)
eine reale Zukunftsperspektive zu eröffnen.
Die Anfänge der sogenannten Kinder- und Jugend-Alija lassen sich bis in das Jahr 1933 zurückverfolgen. Maßgebliche Impulse für die Umsetzung dieser Organisation gingen von der Berliner Zionistin
Recha Freier
Recha Freier
Recha Freier geb. Schweitzer (1892–1984) war eine deutsch-jüdische Lehrerin, Dichterin, Zionistin und Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Freier stammte aus Norden (Ostfriesland), studierte in Breslau und heiratete 1919 den Rabbiner Dr. Moritz Freier (1889–1969) mit dem sie drei Söhne und eine Tochter hatte. Anfang der 1920er Jahre zog die Familie nach Sofia, wo Moritz Freier als Rabbiner wirkte. Nach einigen Jahren in Sofia zog die Familie Mitte der 1920er Jahre nach Berlin. Recha Freier setzte dort bereits 1932 den Impuls für die Kinder- und Jugend-Alija, die im Mai 1933 institutionalisiert wurde. Nachdem Freier aufgrund illegaler Aktivitäten aus der Organisation entlassen und ihr Pass von Adolf Eichmann für ungültig erklärt worden war, gelang es ihr 1941 gemeinsam mit ihrer Tochter, auch mittels britischer Einreisepapiere für Palästina, über Jugoslawien nach Palästina zu fliehen. Vor ihrer Flucht nach Palästina konnte sie noch 140 Kinder vor der drohenden Deportation in Vernichtungslager retten. In Palästina und später im Staat Israel setzte sie sich weiterhin für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein. Sie starb 1984 in Jerusalem. Erst relativ spät erfolgte die Anerkennung ihres Lebenswerkes: 1975 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität Jerusalem und 1981 wurde sie mit dem Israel-Preis ausgezeichnet.
aus. Bereits 1932 gelang es ihr, die Reise einer ersten Gruppe jüdischer Jugendlicher mit osteuropäischer Herkunft nach Palästina zu organisieren. Diese hatten infolge antisemitischer Anfeindungen ihre Anstellungen verloren und befanden sich in einer existenziellen Notlage. Nach ihrer Ankunft in Palästina wurden die Jugendlichen im Kinderdorf
Ben Shemen
Ben Shemen
Das Kinder- und Jugenddorf Ben Shemen (Hebr. Kfar Hanoar Ben Shemen) wurde 1927 vom deutsch-israelischen Pädagogen und Arzt Siegfried Lehman (1892–1958) in Palästina gegründet. Das Kinder- und Jugenddorf besteht bis heute.
aufgenommen und erhielten eine landwirtschaftliche Ausbildung. Die Ausbildung war nicht nur beruflich-praktisch, sondern auch ideologisch motiviert: Die Jugendlichen sollten in den zionistischen Aufbau eingebunden und zu aktiven Gestaltern des jüdischen Gemeinwesens in Palästina werden. Die Versorgung und Finanzierung der Gruppe lag vollständig in Freiers Verantwortung – ein organisatorischer Kraftakt, mit dem sie aber den Grundstein für die spätere institutionalisierte Kinder- und Jugend-Alija legte.
Am Tag der nationalsozialistischen Machtübernahme – dem 30. Januar 1933 – gründete Freier das Hilfskomitee für jüdische Jugendliche. Bereits im Mai desselben Jahres entstand durch die Fusion mehrerer Einrichtungen mit dem Hilfskomitee die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alija. Die Initiative wurde von jüdischen Hilfsorganisationen, dem
Palästina-Amt
Palästina-Amt
auch:
Palamt
Das Palästina-Amt wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Abteilung der Jewish Agency for Palestine gegründet und bestand in zahlreichen Staaten. Das Palästina-Amt war die offizielle Vertretung der Zionistischen Weltorganisation in Jaffa. Zu den Aufgaben des Amts gehörten u. a. die Beschaffung von Visa sowie die Bereitstellung von Geldern für die Emigration. Außerdem bot das Palästina-Amt Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Sprachkurse in Hebräisch an. 1924 wurde das Palästina-Amt in Deutschland gegründet. 1941 wurde es zwangsweise geschlossen.
und der im September 1933 gegründeten
Reichsvertretung der deutschen Juden
Reichsvertretung der deutschen Juden
Die Reichsvertretung der deutschen Juden wurde im September 1933 gegründet und war ein Zusammenschluss jüdischer Organisationen und Vereine als Gesamtvertretung des deutschen Judentums. 1935 musste die Vertretung ihren Namen in „Reichsvertretung der Juden in Deutschland“ umändern. 1939 wurde die Vertretung zu einer Zwangsorganisation umgeformt und erhielt den Namen „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“. Am 10. Juni 1943 wurde die Vereinigung aufgelöst.
getragen.1 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren sollten durch Schulungen auf das Leben in Palästina vorbereitet werden.2
Die (pädagogische) Leitung vor Ort übernahm die zionistische Sozialarbeiterin
Henrietta Szold
Henrietta Szold
Henrietta Szold (1860–1945) war eine zionistische Aktivistin, Autorin und Erzieherin. Sie war die Gründerin der Hadassah, einer amerikanisch-zionistischen Frauenorganisation. 1920 übernahm Szold die Führung der American Zionist Medical Unit in Palästina, die sich für die medizinische Versorgung der Bevölkerung einsetzte.
im Rahmen der
Jewish Agency
Jewish Agency
auch:
Jewish Agency for Palestine, Jüdische Agentur für das Land Israel, HaSochnut HaYehudit L'Eretz Yisra'el, Sochnut, Jüdische Vertretung für Palästina
Die Jewish Agency for Palestine wurde 1929 gegründet und fungierte als Interessenvertretung der in Palästina lebenden Juden gegenüber der britischen Mandatsmacht. Seit der Unabhängigkeitserklärung Israels ist die Jewish Agency vorrangig mit der Einwanderung von Jüdinnen und Juden aus der ganzen Welt nach Israel betraut.
. Die Organisation
Hadassah
Hadassah
Die zionistische Frauenorganisation Hadassah (hebr. "Myrte", gleichzeitig der Name der späteren biblischen Königin Ester) wurde 1912 unter der Führung von Henrietta Szold in den USA gegründet. Ein wesentlicher Aspekt der Organisation liegt in der Stärkung der Rolle der Frau und der Unterstützung des israelischen Gesundheitswesens. Hadassah baute ein Netz aus Berufsschulen im medizinischen Bereich auf, das heute auch den Hochschulbereich umfasst. Hadassah wurde mit der Zeit zu einer weit verzweigten Organisation, die neben den USA und Israel auch in vielen anderen Ländern vertreten ist. Während der Shoa unterstütze Hadassah die Kinder- und Jugend-Alija finanziell.
finanzierte außerdem weite Teile der Kinder- und Jugend-Alija während der Shoa. Trotz des gemeinsamen Engagements kam es zwischen Freier und Szold zu Spannungen über Fragen des Ursprungs, der Zielgruppe und Ausrichtung der Kinder- und Jugend-Alija.3
Ein zentrales Instrument der Organisation waren die sogenannten B-III-Zertifikate – Einwanderungsgenehmigungen der britischen Mandatsmacht in Palästina, die nur bei gesicherter Unterbringung und Ausbildung für zwei Jahre ausgestellt wurden. Ihre begrenzte Zahl führte zu erheblichem organisatorischen Aufwand. Ab 1935 wurden zusätzlich Sonderzertifikate vergeben, die im Hebräischen bis heute als
Zertifikatim
Zertifikatim
-im ist eine hebräische Pluralendung.
bekannt sind.
Die erste größere Gruppe deutsch-jüdischer Jugendlicher traf im Februar 1934 in Haifa ein, wo sie von Szold persönlich empfangen wurden – eine Praxis, die sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1945 fortführte.4 Zwischen 1934 und 1939 konnten rund 4.635 Kinder und Jugendliche im Rahmen der Kinder- und Jugend-Alija nach Palästina emigrieren.5 1938/39 wurden die Kinder- und Jugend-Alija-Schulen in Deutschland geschlossen und die
Hachschara-Zentren
Hachschara-Zentren
Es handelt sich hierbei um Ausbildungsstätten zur Vorbereitung auf die Emigration nach Palästina. In diesen Einrichtungen wurden jüdische Jugendliche nicht nur in landwirtschaftlichen und handwerklichen Fähigkeiten geschult, sondern auch regelmäßig sportlich trainiert. Physische Leistungsfähigkeit, psychische Belastbarkeit und soziale Kompetenz galten als zentrale Voraussetzungen sowohl für die Aufnahme in ein solches Zentrum als auch für die spätere Erteilung eines Einwanderungszertifikats durch die britischen Mandatsbehörden.
in Zwangsarbeiterlager umgewandelt.6
Spätestens ab 1938 entschloss sich Freier, auch illegale Wege einzuschlagen, um Kinder und Jugendliche vor dem NS-Regime zu retten. Nach dem Überfall auf Polen und Ausbruch des Krieges wurden die noch in Deutschland lebenden Juden polnischer Herkunft über 16 Jahren in Konzentrationslager deportiert. Ihre Familien – Geschwister, Frauen und Kinder – blieben vielfach mittelos zurück. Obwohl die „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ Freier eine Unterstützung untersagte, gelang es ihr, einige dieser jungen jüdischen Männer frei zu bekommen. Gemeinsam mit Rudolf Pick, einem Mitarbeiter des Palästina-Amts, organisierte sie gefälschte Dokumente mit denen sie einige dieser jungen Männer mit einem „Sonder-Hachschara“-Transport außer Landes bringen konnte. Die „Reichsvereinigung“ versuchte, diese Aktionen zu unterbinden, warf Freier Verantwortungslosigkeit sowie Gefährdung ihrer Arbeit vor und entließ sie 1940 aus ihren Ämtern. Ihr Pass wurde daraufhin von Adolf Eichmann für ungültig erklärt.
Mit ihrer in Deutschland verbliebenen Tochter – ihre weiteren Kinder hatten bereits das Land verlassen – floh Freier nach Jugoslawien. Gemeinsam mit
Aaron Menczer
Aaron Menczer
Aaron Menczer (1917–1943) übernahm 1939 bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1941 die Leitung der Wiener Zweigstelle der Kinder- und Jugend-Alija. In dieser Position konnte er tausende jüdische Kinder außer Landes bringen, die mehrheitlich nach Palästina emigrierten. 1942 wurde Menczer nach Theresienstadt deportiert. Im August 1943 wurde er gemeinsam mit über 1000 Waisenkindern und weiteren Erwachsenen, die sich in Theresienstadt der Kinder angenommen hatten, nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Sie alle wurden nach ihrer Ankunft am 7. Oktober 1943 in Auschwitz ermordet.
, dem Leiter der österreichischen Kinder- und Jugend-Alija, organisierte sie die Rettung von 140 Kindern, darunter auch Kinder polnischer Herkunft aus Deutschland und Österreich. 94 von ihnen konnten mit Einreisezertifikaten nach Palästina einreisen. Im Juni 1941 erreichte Freier gemeinsam mit ihrer Tochter Jerusalem. Die anderen in Jugoslawien verbliebenen Kinder gelangten mit weiteren Helfern über
Nonantola
Nonantola
In der Nähe der italienischen Stadt Nonantola wurde die Villa Emma während der Shoa zum Zufluchtsort jüdischer Kinder aus Deutschland, Österreich, Polen, Jugoslawien und Ungarn.
in die Schweiz. Einige dieser Kinder emigrierten 1945 nach Palästina. Nach ihrer Flucht und Ankunft in Palästina engagierte sich Freier bis zu ihrem Tod im Jahr 1984 weiterhin für benachteiligte Kinder und Jugendliche.7
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Shoa konnten 15.000 Kinder im Rahmen der Kinder- und Jugend-Alija nach Palästina bzw. Israel gebracht werden.8 Seit der Gründung im Jahr 1933 wurden mehr als 512.000 Kinder und Jugendliche durch die Kinder- und Jugend-Alija betreut. Die Organisation gilt bis heute als das größte jüdische Kinder- und Jugendhilfswerk weltweit.9
Vgl. Urban, Susanne: Eine Idee in der Nacht wird zum Rettungswerk für jüdische Kinder, in: Susanne Urban (Bearb.): „Rettet die Kinder!“ Die Jugend-Aliyah 1933 bis 2003. Einwanderung und Jugendarbeit in Israel, Frankfurt am Main 2003, S. 22–31, hier S. 26.
2.
Vgl. Maierhof, Gudrun: Die Mütter der Jugend-Aliyah, in: Susanne Urban (Bearb.): „Rettet die Kinder!“ Die Jugend-Aliyah 1933 bis 2003. Einwanderung und Jugendarbeit in Israel, Frankfurt am Main 2003, S. 16–21, hier S. 19.
3.
Vgl. Maierhof, Gudrun: Die Mütter der Jugend-Aliyah, in: Susanne Urban (Bearb.): „Rettet die Kinder!“ Die Jugend-Aliyah 1933 bis 2003. Einwanderung und Jugendarbeit in Israel, Frankfurt am Main 2003, S. 16–21, hier S. 18–21.
4.
Vgl. Urban, Susanne: Von „Zertifikatim“ bis zu „Palku“, in: Dies. (Bearb.): „Rettet die Kinder!“ Die Jugend-Aliyah 1933 bis 2003. Einwanderung und Jugendarbeit in Israel, Frankfurt am Main 2003, S. 32–45, hier S. 33. Zu den B-III-Zertifikaten siehe auch: Adler-Rudel, Salomon: Jüdische Selbsthilfe unter dem Naziregime 1933–1939. Im Spiegel der Berichte der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Tübingen 1974, S. 98.
5.
Vgl. Adler-Rudel, Salomon: Jüdische Selbsthilfe unter dem Naziregime 1933–1939. Im Spiegel der Berichte der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Tübingen 1974, S. 98.
6.
Vgl. Urban, Susanne: Von „Zertifikatim“ bis zu „Palku“, in: Dies. (Bearb.): „Rettet die Kinder!“ Die Jugend-Aliyah 1933 bis 2003. Einwanderung und Jugendarbeit in Israel, Frankfurt am Main 2003, S. 37.
7.
Vgl. Urban, Susanne: Lexikon, in: Dies. (Bearb.): „Rettet die Kinder!“ Die Jugend-Aliyah 1933 bis 2003. Einwanderung und Jugendarbeit in Israel, Frankfurt am Main 2003, S. 11–15, hier S. 14.
8.
Vgl. Heuberger, Rachel: Die Jugend-Aliyah nach der Gründung des Staates Israel (1948–1990), in: Susanne Urban (Bearb.): „Rettet die Kinder!“ Die Jugend-Aliyah 1933 bis 2003. Einwanderung und Jugendarbeit in Israel, Frankfurt am Main 2003, S. 87–103, hier S. 87.
9.
Siehe und vgl. Kinder- und Jugend-Aliyah. Historie, unter: https://kiju-aliyah.de/historie/ (22.07.2025).
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Lelewer, Hermann: Wirkungen der Ersten Makkabiah. (24.05.1938). In: Der Makkabi. Organ des Deutschen Makkabi Kreises, 39 (1938), Nr. 4 (24.05.1938). S. 5–6. Zitiert nach: Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa. URL: https://www.copernico.eu/de/link/68f9f0fce7d314.40088110 (14-07-2026)
Lisa Reich: Kommentar zu: Lelewer, Hermann: Wirkungen der Ersten Makkabiah. (24.05.1938). In: Der Makkabi. Organ des Deutschen Makkabi Kreises, 39 (1938), Nr. 4 (24.05.1938). S. 5–6. In: Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa. URL: https://www.copernico.eu/de/link/68f9f0fce7d314.40088110 (14-07-2026)