Arbeitszeugnis
Zeugnis des Herrn Heimann (Harry) Goldstein
Ausgestellt von der Bezirksstelle Nordwestdeutschland der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, Hamburg, den 10. Juni 1943
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Max Plaut: [Zeugnis des Herrn Heimann (Harry) Goldstein, ausgestellt von der] Bezirksstelle Nordwestdeutschland der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland. (10.06.1943). Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH), FZH-Archiv 11-G08, Mappe 7; Nachlass von Harry Goldstein. Zitiert nach: Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa. URL: https://www.copernico.eu/de/link/6900addc3d6673.57948952 (14-07-2026)
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Das Zeugnis, das Max Plaut für Harry Goldstein am 14. Juni 1943 ausstellt, ist ein Beleg für die Auflösung der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, die erst im Juli 1939 gegründet worden war und seit September 1939 unter der Kontrolle des RSHA bzw. der Gestapo stand. Damit war die Reichsvereinigung eine jüdische Institution, derer die Nationalsozialisten sich bedienten, um ihre Pläne zur Entrechtung, Vertreibung, Deportation und schließlich Ermordung von Juden durchzusetzen. Diese Institution organisierte bis Sommer 1943 jüdischen Sport in Hamburg.
Transkriptionen
Transkription (Deutsch)
[Zeugnis des Herrn Heimann (Harry) Goldstein, ausgestellt von der] Bezirksstelle Nordwestdeutschland der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland
Verwaltungsstelle Hamburg
Hamburg 13
Beneckestraße 2 Sammelnummer 44 38 41
Hamburg, den 10. Juni 1943
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Z e u g n i s
Z e u g n i s
Im Original zweifach gestrichelt unterstrichen.
Herr
Heimann Israel G o l d s t e i n
Heimann Israel G o l d s t e i n
Heimann „Harry“ Goldstein (1880–1977) stammte aus Posen und siedelte mit seiner strenggläubigen jüdischen Familie Mitte der 1900er Jahre nach Hamburg. Er war dort als Kaufmann tätig und leistete ab 1914 Kriegsdienst. Nach Kriegsende heiratete er die zum Judentum konvertierte Clara Rohweder (?–1960). Goldstein engagierte sich im Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten und war 1919 maßgeblich an der Gründung der Hamburger Ortsgruppe beteiligt, die er bis zur Auflösung auch leitete. 1933 gründete er die RjF-Sportgruppe „Schild“ in Hamburg mit. Nach seiner beruflichen Entlassung aus der Firma Goldina-Hauswaldt-Gaedke G.m.b.H. 1934 wirkte er besonders im „Schild“. 1939 wurden RjF und Schild verboten, Goldstein bot weiterhin sportliche Aktivitäten für jüdische Jugendliche an. Zunehmend engagierte er sich in der allgemeinen Wohlfahrtsabteilung des „Jüdischen Religionsverbands in Hamburg e.V.“, der 1943 aufgelöst wurde. Der gemeinsame Sohn des Ehepaars, Heinz Goldstein (1920–1997), war 1939 nach Schweden emigriert. Goldstein wurde unter Polizeirecht gestellt und entging den Deportationen durch die Hilfe von Verwandten sowie Hamburger Freunden. In der frühen Nachkriegszeit setzte er sich für den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde Hamburgs ein. Am 18. September 1945 wurde die Jüdische Gemeinde wiederbelebt und Goldstein übernahm für zehn Jahre den Vorsitz. In dieser Zeit setzte er sich für die Wiedereinweihung der Stiftssynagoge und des Jüdischen Friedhofs ein. Er arbeitete mit der „Notgemeinschaft der von den Nürnberger Gesetzen Betroffenen“ zusammen und unterhielt Kontakte zu jüdischen Hilfsorganisationen im Ausland. 1946 wurde Goldstein Mitglied in der SPD und Abgeordneter in der "Ernannten Hamburgischen Bürgerschaft". 1960 wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Hamburgs und war bis 1975 stellvertretender Vorsitzender der „Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Hamburg“ und danach Ehrenmitglied. Bis zu seinem Tod setzte er sich in Hamburg für das öffentliche Gedenken der jüdischen Opfer der Shoa ein.
, geboren am 20.Juli 1880 in Waldenburg/Schlesien, steht seit Juni 1934 im Dienst der jüdischen Gemeinschaft Hamburgs.
Herr Goldstein leitete bis Ende 1938 die Sportgruppe „Schild“, aus der dann Anfang 1939 die Jüdische Sportgemeinschaft hervorging. Mit großem Interesse organisierte er für alle Altersklassen Trainingsmöglichkeiten und Wettspiele auf den verschiedensten Gebieten der Leichtathletik und hat es verstanden, insbesondere die männlichen und weiblichen Jugendlichen für den Sport zu gewinnen und so in ihrer Gesundheit wesentlich zu fördern.
Neben dieser Tätigkeit übernahm er seit Anfang 1939 die Abteilung „Kriegsopferfürsorge“ des Jüdischen Religionsverbandes Hamburg e.V. und wurde gleichzeitig Ermittler in der Fürsorgeabteilung. Seine Arbeit brachte ihn mit einer großen Anzahl von Personen in Berührung, die Rat und Hilfe suchten, und wir können Herrn Goldstein bestätigen, daß er bei großem Takt über die liebenswürdige Bestimmtheit und das gute Urteilsvermögen verfügt, die zur Durchführung solcher Aufgaben unerläßlich sind.
Ab 1942 wurde Herr Goldstein dann Sachbearbeiter der Fürsorgeabteilung; er wurde ferner vom Amtsgericht Hamburg als Sammelvormund für alle anhängigen Fälle bestellt. Seit Anfang dieses Jahres hat Herr Goldstein schließlich in der Abteilung Bestattungswesen die Erledigung der Formalitäten bei den Behörden übernommen.
Während der neunjährigen gemeinsamen Arbeit haben wir Herrn Goldstein als einen absolut zuverlässigen Kollegen von besonders wertvollen menschlichen Eigenschaften kennengelernt, der alle ihm übertragenen Arbeiten mit großer Gewissenhaftigkeit ausführt.
Herr Goldstein scheidet heute aus seinem Wirkungskreis aus, da die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland aufgelöst ist. Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute
[Unterschrift]
(
Dr. Max Israel Plaut
Dr. Max Israel Plaut
Max Plaut (1901–1974) war Jurist, Ökonom und leitendes Mitglied der jüdischen Gemeindeorganisationen in Hamburg, wohin er nach 1919 übersiedelte. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde er mehrfach verhaftet, aber auch mit der Leitung der NS-Organisation „Jüdischer Religionsverband“ betraut. Als solcher war er gezwungen, die nationalsozialistische Politik gegenüber den Jüdinnen und Juden in Hamburg und darüber hinaus mitzuorganisieren. Er versuchte in dieser Funktion, Auswanderung zu organisieren und Deportationen zu verhindern. 1943 gelang ihm die Ausreise nach Palästina, 1950 kehrte er nach zunächst nach Bremen, 1965 nach Hamburg zurück. Seine Aussagen spielten etwa im Prozess gegen Adolf Eichmann eine wichtige Rolle.
)
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Kommentar
von Anke Hilbrenner
Die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland wurde am 4. Juli 1939 von den nationalsozialistischen Machthabern angeordnet. Alle Menschen, die nach den rassistischen Nürnberger Gesetzen von 1935 als Jüdinnen bzw. Juden galten, wurden ihr zugeordnet und gezwungen, Beiträge zu entrichten. Die Funktionäre dieser Reichsvereinigung waren Honoratior:innen des jüdischen Lebens in Deutschland, häufig bereits vor 1933 und auch in den 1930er Jahren. Die beiden Personen, die für Entstehung dieser Quelle maßgeblich sind, stehen beispielhaft für diese Indienstnahme jüdischer Organisationen und ihrer Akteure durch die nationalsozialistische Führung in Deutschland, die bereits von Hannah Arendt und Raul Hilberg als Kollaboration kritisiert worden ist.1 Die Reichsvereinigung war dementsprechend keine Organisation, die auf jüdische Initiative zurückging, aber sie schien sich zumindest dem Namen nach auf Vorläufer zu beziehen, die durchaus auf Selbstorganisationsversuche religiöser Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus zurück gingen. So hatten sich im September 1933 verschiedene religiöse Verbände zur „Reichsvertretung der Deutschen Juden“ zusammengeschlossen, die sich nach dem Entzug der Bürgerrechte der jüdischen Deutschen in „Reichsvertretung der Juden in Deutschland“ umbenennen musste. Doch die im Juli 1939 gegründete „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ war nicht mehr selbstständig, sondern ein Verwaltungsorgan, das dazu ausersehen war, die antijüdische Politik der Nationalsozialisten gegenüber den Jüdinnen und Juden zu vertreten und sogar bei der Umsetzung mitzuwirken. Die Funktionäre wurden z.T. gezwungen, in der Reichsvereinigung mitzuwirken. Das gilt etwa auch für den Leiter der Bezirksstelle Nordwestdeutschland der Reichsvereinigung Max Plaut Max Plaut Max Plaut (1901–1974) war Jurist, Ökonom und leitendes Mitglied der jüdischen Gemeindeorganisationen in Hamburg, wohin er nach 1919 übersiedelte. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde er mehrfach verhaftet, aber auch mit der Leitung der NS-Organisation „Jüdischer Religionsverband“ betraut. Als solcher war er gezwungen, die nationalsozialistische Politik gegenüber den Jüdinnen und Juden in Hamburg und darüber hinaus mitzuorganisieren. Er versuchte in dieser Funktion, Auswanderung zu organisieren und Deportationen zu verhindern. 1943 gelang ihm die Ausreise nach Palästina, 1950 kehrte er nach zunächst nach Bremen, 1965 nach Hamburg zurück. Seine Aussagen spielten etwa im Prozess gegen Adolf Eichmann eine wichtige Rolle. 2, der als Ökonom und Jurist in den 1920er und 1930er Jahren in Hamburg politisch tätig war. Er war Mitglied der DDP
Anlässlich der Auflösung der Reichsvereinigung unterzeichnete Max Plaut ein Zeugnis für Heimann „Harry“ Goldstein Heimann „Harry“ Goldstein Heimann „Harry“ Goldstein (1880–1977) stammte aus Posen und siedelte mit seiner strenggläubigen jüdischen Familie Mitte der 1900er Jahre nach Hamburg. Er war dort als Kaufmann tätig und leistete ab 1914 Kriegsdienst. Nach Kriegsende heiratete er die zum Judentum konvertierte Clara Rohweder (?–1960). Goldstein engagierte sich im Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten und war 1919 maßgeblich an der Gründung der Hamburger Ortsgruppe beteiligt, die er bis zur Auflösung auch leitete. 1933 gründete er die RjF-Sportgruppe „Schild“ in Hamburg mit. Nach seiner beruflichen Entlassung aus der Firma Goldina-Hauswaldt-Gaedke G.m.b.H. 1934 wirkte er besonders im „Schild“. 1939 wurden RjF und Schild verboten, Goldstein bot weiterhin sportliche Aktivitäten für jüdische Jugendliche an. Zunehmend engagierte er sich in der allgemeinen Wohlfahrtsabteilung des „Jüdischen Religionsverbands in Hamburg e.V.“, der 1943 aufgelöst wurde. Der gemeinsame Sohn des Ehepaars, Heinz Goldstein (1920–1997), war 1939 nach Schweden emigriert. Goldstein wurde unter Polizeirecht gestellt und entging den Deportationen durch die Hilfe von Verwandten sowie Hamburger Freunden. In der frühen Nachkriegszeit setzte er sich für den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde Hamburgs ein. Am 18. September 1945 wurde die Jüdische Gemeinde wiederbelebt und Goldstein übernahm für zehn Jahre den Vorsitz. In dieser Zeit setzte er sich für die Wiedereinweihung der Stiftssynagoge und des Jüdischen Friedhofs ein. Er arbeitete mit der „Notgemeinschaft der von den Nürnberger Gesetzen Betroffenen“ zusammen und unterhielt Kontakte zu jüdischen Hilfsorganisationen im Ausland. 1946 wurde Goldstein Mitglied in der SPD und Abgeordneter in der "Ernannten Hamburgischen Bürgerschaft". 1960 wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Hamburgs und war bis 1975 stellvertretender Vorsitzender der „Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Hamburg“ und danach Ehrenmitglied. Bis zu seinem Tod setzte er sich in Hamburg für das öffentliche Gedenken der jüdischen Opfer der Shoa ein. 3, der in verschiedenen Funktionen für die Reichsvereinigung tätig war. Besondere Würdigung erfährt in diesem Zeugnis seine Tätigkeit für die Jüdische Sportgemeinschaft, die nach der Auflösung der Sportgruppe Schild und des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten (RjF) 1938/39 weiter existierte. Harry Goldstein war ein typischer Funktionär des RJF
Die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland wurde am 4. Juli 1939 von den nationalsozialistischen Machthabern angeordnet. Alle Menschen, die nach den rassistischen Nürnberger Gesetzen von 1935 als Jüdinnen bzw. Juden galten, wurden ihr zugeordnet und gezwungen, Beiträge zu entrichten. Die Funktionäre dieser Reichsvereinigung waren Honoratior:innen des jüdischen Lebens in Deutschland, häufig bereits vor 1933 und auch in den 1930er Jahren. Die beiden Personen, die für Entstehung dieser Quelle maßgeblich sind, stehen beispielhaft für diese Indienstnahme jüdischer Organisationen und ihrer Akteure durch die nationalsozialistische Führung in Deutschland, die bereits von Hannah Arendt und Raul Hilberg als Kollaboration kritisiert worden ist.1 Die Reichsvereinigung war dementsprechend keine Organisation, die auf jüdische Initiative zurückging, aber sie schien sich zumindest dem Namen nach auf Vorläufer zu beziehen, die durchaus auf Selbstorganisationsversuche religiöser Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus zurück gingen. So hatten sich im September 1933 verschiedene religiöse Verbände zur „Reichsvertretung der Deutschen Juden“ zusammengeschlossen, die sich nach dem Entzug der Bürgerrechte der jüdischen Deutschen in „Reichsvertretung der Juden in Deutschland“ umbenennen musste. Doch die im Juli 1939 gegründete „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ war nicht mehr selbstständig, sondern ein Verwaltungsorgan, das dazu ausersehen war, die antijüdische Politik der Nationalsozialisten gegenüber den Jüdinnen und Juden zu vertreten und sogar bei der Umsetzung mitzuwirken. Die Funktionäre wurden z.T. gezwungen, in der Reichsvereinigung mitzuwirken. Das gilt etwa auch für den Leiter der Bezirksstelle Nordwestdeutschland der Reichsvereinigung Max Plaut Max Plaut Max Plaut (1901–1974) war Jurist, Ökonom und leitendes Mitglied der jüdischen Gemeindeorganisationen in Hamburg, wohin er nach 1919 übersiedelte. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde er mehrfach verhaftet, aber auch mit der Leitung der NS-Organisation „Jüdischer Religionsverband“ betraut. Als solcher war er gezwungen, die nationalsozialistische Politik gegenüber den Jüdinnen und Juden in Hamburg und darüber hinaus mitzuorganisieren. Er versuchte in dieser Funktion, Auswanderung zu organisieren und Deportationen zu verhindern. 1943 gelang ihm die Ausreise nach Palästina, 1950 kehrte er nach zunächst nach Bremen, 1965 nach Hamburg zurück. Seine Aussagen spielten etwa im Prozess gegen Adolf Eichmann eine wichtige Rolle. 2, der als Ökonom und Jurist in den 1920er und 1930er Jahren in Hamburg politisch tätig war. Er war Mitglied der DDP
Deutsche Demokratische Partei
auch:
Deutsche Demokratische Partei, die in der Weimarer Republik dem linksliberalem Spektrum zuzuordnen war.
und wurde nach 1933 mehrfach von den Nationalsozialisten verhaftet und misshandelt. In dieser Zeit engagierte sich jüdischen Organisationen. 1938 wurde er gezwungen, den „Jüdischen Religionsverband Hamburg e.V.“ zu leiten. Trotz schwieriger Umstände versuchte er, jüdische Auswanderung zu organisieren und Deportationen zu verhindern. Als die Reichsvereinigung im Sommer 1943 geschlossen wurde, löste die Gestapo das ihm gegebene Versprechen ein, ihn nach Palästina ausreisen zu lassen, wo er bis 1950 lebte. Danach kehrte er zunächst nach Bremen und schließlich nach Hamburg zurück.DDP
Anlässlich der Auflösung der Reichsvereinigung unterzeichnete Max Plaut ein Zeugnis für Heimann „Harry“ Goldstein Heimann „Harry“ Goldstein Heimann „Harry“ Goldstein (1880–1977) stammte aus Posen und siedelte mit seiner strenggläubigen jüdischen Familie Mitte der 1900er Jahre nach Hamburg. Er war dort als Kaufmann tätig und leistete ab 1914 Kriegsdienst. Nach Kriegsende heiratete er die zum Judentum konvertierte Clara Rohweder (?–1960). Goldstein engagierte sich im Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten und war 1919 maßgeblich an der Gründung der Hamburger Ortsgruppe beteiligt, die er bis zur Auflösung auch leitete. 1933 gründete er die RjF-Sportgruppe „Schild“ in Hamburg mit. Nach seiner beruflichen Entlassung aus der Firma Goldina-Hauswaldt-Gaedke G.m.b.H. 1934 wirkte er besonders im „Schild“. 1939 wurden RjF und Schild verboten, Goldstein bot weiterhin sportliche Aktivitäten für jüdische Jugendliche an. Zunehmend engagierte er sich in der allgemeinen Wohlfahrtsabteilung des „Jüdischen Religionsverbands in Hamburg e.V.“, der 1943 aufgelöst wurde. Der gemeinsame Sohn des Ehepaars, Heinz Goldstein (1920–1997), war 1939 nach Schweden emigriert. Goldstein wurde unter Polizeirecht gestellt und entging den Deportationen durch die Hilfe von Verwandten sowie Hamburger Freunden. In der frühen Nachkriegszeit setzte er sich für den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde Hamburgs ein. Am 18. September 1945 wurde die Jüdische Gemeinde wiederbelebt und Goldstein übernahm für zehn Jahre den Vorsitz. In dieser Zeit setzte er sich für die Wiedereinweihung der Stiftssynagoge und des Jüdischen Friedhofs ein. Er arbeitete mit der „Notgemeinschaft der von den Nürnberger Gesetzen Betroffenen“ zusammen und unterhielt Kontakte zu jüdischen Hilfsorganisationen im Ausland. 1946 wurde Goldstein Mitglied in der SPD und Abgeordneter in der "Ernannten Hamburgischen Bürgerschaft". 1960 wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Hamburgs und war bis 1975 stellvertretender Vorsitzender der „Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Hamburg“ und danach Ehrenmitglied. Bis zu seinem Tod setzte er sich in Hamburg für das öffentliche Gedenken der jüdischen Opfer der Shoa ein. 3, der in verschiedenen Funktionen für die Reichsvereinigung tätig war. Besondere Würdigung erfährt in diesem Zeugnis seine Tätigkeit für die Jüdische Sportgemeinschaft, die nach der Auflösung der Sportgruppe Schild und des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten (RjF) 1938/39 weiter existierte. Harry Goldstein war ein typischer Funktionär des RJF
Reichsbund jüdischer Frontsoldaten
auch:
Der 1919 gegründete Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF) war eine Reaktion auf antisemitische Anfeindungen gegenüber den aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrenden jüdischen Soldaten. Obwohl ca. 85.000 jüdische Frontsoldaten am Krieg teilnahmen, von denen etwa 12.000 starben, wurde ihnen vorgeworfen, sie hätten sich vor dem Krieg gedrückt und somit die Niederlage Deutschlands verursacht. Der RjF informierte über die Leistungen jüdischer Soldaten und half ihnen, die gebührende Anerkennung zu erlangen. Darüber hinaus organisierte der RjF Selbstschutzeinheiten, um die jüdische Bevölkerung vor antisemitischen Angriffen zu schützen. Seine politische Einstellung war deutsch-national, und sein Presseorgan hieß „Schild“. Ab 1936 wurde dem RjF verboten, sich politisch zu engagieren. Zwei Jahre später wurde er aufgelöst.
. Als Hamburger Kaufmann zog er 1914 mit 34 Jahren in den Krieg. Nach Ende des Krieges begann sein Engagement für den RJF, dessen Hamburger Ortsgruppe er 1919 mitgründete. Ebenfalls 1919 heiratete er Clara Rohweder, die zum Judentum konvertierte. Diese Ehe mit einer Frau, die zwar zur jüdischen Religion konvertiert war, die aber nach den rassistischen Kategorien der Nationalsozialisten keine Jüdin war, bestimmte seinen stets prekären Status während der 30er und 40er Jahre. 1933 verlor er seine Arbeitsstelle und engagierte sich fortan noch intensiver für den RjF. 1933 gründete er die Sportgruppe Schild. Als der organisierte jüdische Sport, sowohl im Makkabi, als auch im Schild, nach dem Novemberpogrom 1938 scheinbar endgültig zum Erliegen kam, organisierte Goldstein im Rahmen der Jüdischen Sportgemeinschaft weiterhin Möglichkeiten zum Sporttreiben. Davon zeugt auch dieses Foto aus dem Mai 1940.RjF
Sein Engagement für den jüdischen Sport, aber auch andere karikative Tätigkeiten für die Reichsvereinigung führte Harry Goldstein mindestens bis zum Zeitpunkt der Auflösung der Reichsvereinigung im Juli 1943 weiter. Sein Sohn war bereits 1939 nach Schweden emigriert, Harry Goldstein wurde in Hamburg unter Polizeirecht gestellt und entging mit Hilfe von Freunden und Verwandten der Deportation. Nach dem Krieg setzte er sich für den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde in Hamburg ein, wurde ihr Vorsitzender und war als Mitglied der SPD in der Hamburger Bürgerschaft vertreten.
Metadaten
- Haupttitel
- [Zeugnis des Herrn Heimann (Harry) Goldstein, ausgestellt von der] Bezirksstelle Nordwestdeutschland der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland
- Datierung
- 10.06.1943
- Sprachen
- Deutsch
- Quellentyp
- Arbeitszeugnis
- Bestandshaltende Einrichtung
- Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH)
- Signatur
- FZH-Archiv 11-G08, Mappe 7; Nachlass von Harry Goldstein
- Rechteinformation (Kommentar)
- CC BY-NC-SA 4.0
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