Off the Beaten Track? Das kommunistische Erbe Ostmitteleuropas als touristische Ressource
Budapest (Bevölkerungszahl 2025: 1.676.000) ist die Hauptstadt und die größte Stadt Ungarns. Sie liegt im Landeszentrum, an der Donau. Budapest entstand aus dem Zusammenschluss der Städte Buda am linken und Pest am rechten Ufer der Donau. Pest war bereits ab dem Beginn des 11. Jahrhundert die Hauptstadt Ungarns und ab dem 13. Jahrhundert wechselte sich in dieser Funktion oft mit Buda ab. Als während der Revolution in Ungarn 1848 die beiden Städte als Pest-Buda zusammengeschlossen wurden, bildeten sie bereits einen Organismus. Nach der Wiederherstellung der Monarchie (ab 1526 im Rahmen der Habsburgermonarchie) wurde 1849 dieser Zusammenschluss allerdings aufgehoben, und erst 1873 wieder beschlossen. Damit löste die ungarische Bevölkerungsgruppe die deutsche als die Mehrheit in der Stadt ab. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie 1918 blieb Budapest die Hauptstadt von nun unabhängigem Ungarn. Nach dem Eintritt Ungarns 1941 in den Zweiten Weltkrieg an der Seite des Deutschen Reichs wurden aus Budapest die meisten Juden der Stadt 1944 ghettoisiert und später in die Konzentrationslager abtransportiert oder ermordet. Der Volksaufstand 1956 gegen die sowjetische Bevormundung in Ungarn nahm seinen Beginn in Budapest. Im Zusammenhang mit dem Aufstand und seiner Niederschlagung verlor die Hauptstadt etwa 70.000 Menschen. Heute ist Budapest nicht nur das größte Wirtschafts- und Kulturzentrum des Landes, sondern auch eins der wichtigsten im Ostmitteleuropa.
Ungarn (Bevölkerung 2025: 9.488.428) ist ein Staat in Mitteleuropa, dessen Hauptstadt Budapest ist. Das Land war für mehrere Jahrhunderte Teil des sogenannten Habsburgerreichs, das ab 1867 bis zum Zerfall im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg 1918 als Doppelmonarchie Österreich-Ungarn bekannt war. Ungarn gehört seit dem 01.05.2004 der Europäischen Union an. Der größte Fluss des Landes ist die Donau. Ungarn ist ein der wenigen Flächenländer Europas ohne Zugang zum Meer.
Die Erfindung der Kommunismustouren: „Crazy Guides“ in Krakau
Krakau (Bevölkerungszahl 2025: 816.614) ist die zweitgrößte Stadt Polens und liegt an der Weichsel, in der Woiwodschaft Kleinpolen im Süden des Landes. Die Stadt wurde vor dem 11. Jahrhundert gegründet und gehörte schon früh zu den herrschaftlichen Hauptsitzen. 1320-1795 war sie formell die Hauptstadt des Landes. Krakau ist einer der wichtigsten Industrie- und Kulturstandorten des Landes. Die Stadt ist bekannt für den Hauptmarkt mit den Tuchhallen und der Wawel-Burg in der Altstadt Krakaus, welche seit 1978 zum UNESCO-Welterbe gehört. In Krakau befindet sich mit der Jagiellonen-Universität die älteste Universität Polens.
Nowa Huta ist ein Stadtteil im Nordosten von Krakau. Er entstand ab 1949 auf dem Gebiet der Gemeinde Mogiła als Wohnsiedlung für die Arbeitskräfte der gleichzeitig gebauten Lenin-Hütte (heute ArcelorMittal Poland). 1951 wurde das Gebiet der Siedlung und der Hütte in Krakau eingemeindet. Das 1954 in Betrieb genommene Verhüttungskombinat zählte zu den größten Anlagen dieser Art in Europa.
Die heutigen Touren sind das Produkt einer über Jahre erfolgten Optimierung und Standardisierung. Zu Beginn führte etwa der Firmengründer Michał Ostrowski alias „Crazy Mike“ noch selbst – kostümiert als Klischee-Kapitalist der 1990er Jahre mit Anzug und Zigarre – durch Nowa Huta und servierte in einer Privatwohnung saure Gurken mit Wodka. Heute arbeitet er mit einem ganzen Team von Tourguides, die größtenteils erst in den 1980er Jahren oder später geboren sind, zusammen. Die Tour kann in unterschiedlichen Varianten gebucht werden; über das Angebot haben internationale Medien von der BBC über den Spiegel bis zum Lonely Planet berichtet. Als Pioniere im Krakauer Erlebnistourismus haben die „Crazy Guides“ außerdem viel Aufmerksamkeit durch Kulturanthropolog:innen erfahren. Diese interpretieren die Rundfahrten mehrheitlich als ironisch-karnevaleske Auseinandersetzung mit dem ‚schwierigen Erbe‘ des Kommunismus und sehen die „Crazy Guides“ nicht zuletzt als lokale Akteure, die das Image des Stadtteils verbessern wollen.2
Durchs Prager Zentrum auf den Spuren des Kommunismus
Prag (Bevölkerungszahl 2025: 1.407.084) ist die Hauptstadt und zugleich die größte Stadt der Tschechischen Republik. Sie liegt im Zentrum des Staatsgebiets am Fluss Moldau. Die erste Prager Burg entstand wohl im 9. Jahrhundert. Im 10./11. Jahrhundert lebten in anfangs noch zwei benachbarten Burgsiedlungen neben der einheimischen Bevölkerung auch zugewanderte Juden. Zu Beginn der 1230er Jahre erhielt zunächst Prag Stadtrechte, 1257 folgten die Kleinseite (Malá Strana), 1320 Hradschin (Hradčany) als Burgstadt und 1348 die Prager Neustadt (Nové Město). Prag war von Anfang an Residenzstadt der böhmischen Herrscher und gehörte spätestens ab dem 12. Jahrhundert zum Heiligen Römischen Reich. Als Kaisersitz entwickelte sich Prag im 14. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Zentren des gesamten Reichs. Hier entstand 1348 die erste Universität Mitteleuropas. 1784 wurden die vier Städte auch formal vereinigt. Nach und nach, insbesondere 1920 bzw. nach der 1918 erfolgten Gründung der Tschechoslowakei, wurden weitere Orte eingemeindet. 1938-1945 wurde Prag die Hauptstadt des vom Deutschen Reich abhängigen Protektorats Böhmen und Mähren, nach der Zerschlagung des Reichs 1945 durch die Alliierten war Prag bis 1992 wieder die Hauptstadt der – nun sozialistischen – Tschechoslowakei. Nach dem Zerfall der Tschechoslowakei blieb Prag als Hauptstadt der Tschechischen Republik eine der kulturell, wirtschaftlich und politisch wichtigsten Städten Mitteleuropas.
Ein ‚westlicher Blick‘ auf ‚den Osten‘
Für die tschechische Geschichte hat James Krapfl gezeigt, dass eine solche Deutung der Revolution als „Happy End“ schon in den 1990er Jahren durch alternative Lesarten ergänzt wurde.8 Und auch in der touristischen Präsentation selbst lassen sich gegenläufige Interpretationen finden. Sprechen die Guides über die Ideologisierung des Alltags und die Defizite der Planwirtschaft, dominiert dabei eher der Modus der Satire: Die Zeit des Staatssozialismus wird ironisch kommentiert. Sie gerät zu einer skurrilen Epoche, das tagtägliche Manövrieren der Menschen zum Leben „wie in einer Komödie“. Entsprechend tauchen in den Prager und Krakauer Präsentationen auch Motive aus verschiedenen Filmen auf – darunter Stanisław Barejas Miś (dt. „Teddybär“, 1981), Vít Olmers Bony a Klid (dt. „Der Boss kennt auch den Staatsanwalt“, 1987)9 oder Jan Hřebejks Pelíšky (dt. „Kuschelnester“, 1999), in denen kleine Akte des Widersetzens gegen die Partei-Obrigkeit inszeniert werden.10 Witz und Ironie fungieren hier als Klammer, mit der Nostalgie und Diktaturgedächtnis, Affirmation und Antikommunismus problemlos koexistieren und lokale mit internationalen Erinnerungsdiskursen verbunden werden können.
Geschichte erleben
Warschau ist die Hauptstadt Polens und zugleich die größte Stadt des Landes (Bevölkerungszahl 2025: 1.866.729). Sie liegt in der Woiwodschaft Masowien an Polens längstem Fluss, der Weichsel. Warschau wurde erstmals Ende des 16. Jahrhunderts Hauptstadt der polnisch-litauischen Adelsrepublik und löste damit Krakau ab, das zuvor polnische Hauptstadt gewesen war. Im Rahmen der Teilungen Polen-Litauens wurde Warschau mehrfach besetzt und schließlich für elf Jahre Teil der preußischen Provinz Südpreußen. Von 1807 bis 1815 war die Stadt Hauptstadt des Herzogtums Warschau, einem kurzlebigen napoleonischen Satellitenstaat; im Anschluss des Königreichs Polen unter russischer Oberherrschaft (dem sog. Kongresspolen). Erst mit Gründung der Zweiten Polnischen Republik nach Ende des Ersten Weltkriegs war Warschau wieder Hauptstadt eines unabhängigen polnischen Staates.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Warschau erst nach intensiven Kämpfen und einer mehrwöchigen Belagerung von der Wehrmacht erobert und besetzt. Schon dabei fand eine fünfstellige Zahl an Einwohnern den Tod und wurden Teile der nicht zuletzt für seine zahlreichen barocken Paläste und Parkanlagen bekannten Stadt bereits schwer beschädigt. Im Rahmen der anschließenden Unterdrückung, Verfolgung und Ermordung der polnischen und jüdischen Bevölkerung wurde mit dem Warschauer Ghetto das mit Abstand größte jüdische Ghetto unter deutscher Besatzung errichtet, das als Sammellager für mehrere hunderttausend Menschen aus Stadt, Umland und selbst dem besetzten Ausland diente und zugleich Ausgangspunkt für die Deportation in Arbeits- und Vernichtungslager war.
Infolge des Aufstandes im Warschauer Ghetto ab dem 18. April 1943 und dessen Niederschlagung Anfang Mai 1943 wurde das Ghettogebiet systematisch zerstört und seine letzten Bewohner verschleppt und ermordet. Im Sommer 1944 folgte der zwei Monate dauernde Warschauer Aufstand gegen die deutsche Besatzung, in dessen Folge fast zweihunderttausend Polen ums Leben kamen und nach dessen Niederschlagung auch das restliche Stadtgebiet Warschaus von deutschen Einheiten weitgehend und planmäßig zerstört wurde.
In der Nachkriegszeit wurden zahlreiche historische Gebäude und Teile der Innenstadt, darunter das Warschauer Königsschloss und die Altstadt, wiederaufgebaut - ein Prozess, der bis heute andauert.
Bukarest (Bevölkerungszahl 2004: 1.709.458) ist die Hauptstadt Rumäniens. 1659 löste Bukarest Târgoviște als Hauptstadt des Fürstentums Walachei ab. Nach der Vereinigung der Donaufürstentümer (Moldau und Walachei) unter Ion Cuza 1861 wurde Bukarest 1862 zur Hauptstadt Rumäniens. Schon kurze Zeit später war Bukarest die mit Abstand größte Stadt des südosteuropäischen Raums zwischen Budapest und Istanbul. Unter König Carol I. (1866-1914)kam es in Bukarest zu städtebaulichen Veränderungen nach westlichem Vorbild mit Palästen, Boulevards, Parkanlagen, Jugendstilvillen und elektrischer Beleuchtung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Bukarest außerdem zu einem Industrie- und Finanzzentrum. Im ersten Weltkrieg wurde Bukarest 1916 von den Mittelmächten besetzt, mit denen man 1918 einen Friedensvertrag schloss. Zwischen 1936 und 1940 wurde in Bukarest ein Boulevard nach Pariser Vorbild angelegt, was der Stadt auch die Beinamen „Micul Paris“ („Kleines Paris“) oder „Paris des Ostens“ einbrachte. Im Zweiten Weltkrieg stellte sich Rumänien nach kurzer Neutralität auf die Seite der Deutschen, nachdem General Ion Antonescu und die faschistische „Eiserne Garde“ Rumänien zu einem „nationallegionären Staat“ gemacht hatten. Als Antonescu 1944 von König Mihai verhaftet wurde, hatte dies Luftangriffe der Deutschen auf Bukarest zur Folge, die große Schäden anrichteten. Im Jahr 1977 richtete ein Erdbeben Zerstörung an. Ab 1984 ließ der kommunistische Diktator Nicolae Ceaușescu Teile der historischen Altstadt abreißen, um ein großes sozialistisches Zentrum zu errichten, was jedoch nach seiner Hinrichtung 1989 und dem Sturz des kommunistischen Regimes nicht zu Ende geführt wurde. Bukarest ist heute die siebtgrößte Stadt der EU, in der Rumänien seit 2007 Mitglied ist.




























![Tourist:innen drängen sich auf den Spreewaldkähnen im Hafen von Burg/Bórkowy. Abbildung aus: Der Spreewald und seine Sommerfrischen. Cottbus [1929], S. 57, Reproduktion](/sites/default/files/styles/teaser_p/public/externals/75820f253d535b33ce144ce5bdeac6ec.jpg?itok=uYZOSTAe)