Ein deutscher Professor auf der Durchreise - Riga 1810
Kasan (Bevölkerungszahl 2024: 1.329.825) ist die größte Stadt an der Wolga. Die Stadt liegt in der russischen Republik Tatarstan. Als Hauptstadt der Republik und eine der größten Städte Russlands ist sie auch einer der wichtigsten Industriestandorte Russlands. Die Stadt zeichnet sich durch einen hohen Anteil tatarischer und muslimischer Bevölkerung aus.
Das Baltikum ist eine Region im Nordosten Europas und setzt sich aus den drei Staaten Estland, Lettland und Litauen zusammen. Das Baltikum wird von knapp 6 Millionen Menschen bewohnt.
Sankt Petersburg (Bevölkerungszahl 2024: 5.645.943, davon 4.732.198 in der Stadt im engeren Sinne) ist eine Metropole im Nordosten Russlands. Nach Moskau ist sie die zweitgrößte Stadt des Landes. Die Stadt wurde 1703 von Peter dem Großen an der Mündung der Newa in die Ostsee gegründet. Von 1712 bis 1918 war sie die Hauptstadt Russlands. Neben Moskau ist St. Petersburg der wichtigste Industrie-, Bildungs-, Kultur- und Handelsstandort sowie einer der wichtigsten Häfen Russlands. Von 1914 bis 1924 trug die Stadt den Namen Petrograd und von 1924 bis 1991 den Namen Leningrad.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944, also 871 Tage lang, von der deutschen Wehrmacht belagert. In der systematisch von jeglicher Versorgung abgeschnittenen Stadt starben über eine Million Zivilisten.
Riga ist die Hauptstadt Lettlands (Bevölkerungszahl 2025: 588.911) und zugleich die mit Abstand größte Stadt des Landes. Sie liegt im Südwesten der historischen Landschaft Livland nahe der Mündung des Flusses Düna (lett. Daugava) in den Rigaischen Meerbusen. Riga war eine bedeutende Handels- und Hansestadt mit einer über Jahrhunderte hinweg einer multiethnischen, doch größtenteils deutschsprachigen Bevölkerung, deren politische Oberherrschaft wiederholt wechselte. Waren es bis zum Ende des Mittelalters vor allem geistliche Herrscher (Erzbistum Riga, Deutscher Orden), die Stadt und Umland für sich beanspruchten, kam die Stadt nach kurzer polnisch-litauischer Herrschaft 1621 zu Schweden. Bereits ein Jahrhundert später wurde Riga Teil des Russländischen Reiches und hier zur Hauptstadt des Ostseegouvernements Livland.
1918 wurde Riga Hauptstadt eines unabhängigen lettischen Staates. Nach der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg 1941 wurde die jüdische Bevölkerung Rigas (8% der Gesamtbevölkerung) vor allem im Ghetto eingesperrt, in das auch zahlreiche jüdische Menschen aus dem damaligen Gebiet des Deutschen Reichs deportiert wurden. Noch im selben Jahr organisierte die Wehrmacht Massenerschießungen der jüdischen Bevölkerung auf dem Gebiet der heutigen Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die ethnische Struktur von Riga – die jüdische, deutsche und polnische Bevölkerung verschwand, und an ihre Stelle traten die russische, weißrussische und ukrainische Bevölkerungsgruppen. Die lettische Bevölkerung verlor ihre Mehrheit in der Stadt, und sank bis zum Zerfall der Sowjetunion auf fast ein Drittel. Inzwischen beträgt ihr Anteil 47% der Gesamtbevölkerung.

Das Russländische Kaiserreich (auch Russisches Reich, Russisches Kaiserreich oder Kaiserreich Russland) war ein von 1721 bis 1917 existierender Staat in Osteuropa, Zentralasien und Nordamerika. Das Land war Mitte des 19. Jahrhunderts das größte zusammenhängende Reich der Neuzeit. Es wurde nach der Februarrevolution im Jahr 1917 aufgelöst. Der Staat galt als autokratisch regiert und wurde von ungefähr 181 Millionen Menschen bewohnt.
Wir sehen das sehr schön in zwei Reiseberichten, die Bronner sicher gelesen hat, weil sich zeitgenössische Ausgaben in der Aargauer Kantonsbibliothek erhalten haben, nämlich der Schilderung Johann Bernoullis über seine Reise von Berlin nach St. Petersburg in den Jahren 1777 bis 1778 und in Johann Gottfried Seumes „Mein Sommer 1805“1: Von den örtlichen Bekannten wurde man an deren Bekannte weitergereicht, dem folgten weitere Einladungen; Spaziergänge und Ausflüge zu örtlichen Sehenswürdigkeiten waren Ehrenpflicht der Gastgeber. Seume brachte es in St. Petersburg, wie er behauptet, ohne eigenes Zutun, sogar bis zu einer Audienz bei der Kaiserin-Mutter und zu einer anschließenden Einladung ins kaiserliche Hoftheater.
Buchhändler: Werben um den Kazan’er Professor
Verbindlicher zeigte sich der etwas jüngere Johann Friedrich Meinshausen (1782–1835), der seine Buchhandlung erst anderthalb Jahre vorher übernommen hatte und sich außerordentlich um Bronner bemühte. Unter anderem lud Meinshausen Bronner bei sich zu Hause zu einem Essen mit dem Stadtbibliothekar Gotthard Tobias Tielemann (1773–1846) ein, ohne Zweifel in der Hoffnung, dass Tielemann ihn als verlässlichen Bücherlieferanten empfehlen würde; bald sollte Meinshausen übrigens auch Tielemanns Verleger werden.
Meinshausen machte Bronner auch mit dem
Tartu (Bevölkerungszahl 2025: 96.506) ist die zweitgrößte Stadt Estlands. Sie liegt im Südosten des Landes und damit im Norden der historischen Landschaft Livland. Tartu liegt nahezu mittig zwischen den beiden größten Seen des Landes, dem Võrtsjärv (Wirzsee) und dem Peipussee, den sich Estland mit der Russischen Föderation teilt.
Tartu ist seit Jahrhunderten ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und ein traditionsreiches Bildungszentrum. Berühmt ist sie für ihre 1632 und damit noch unter schwedischer Herrschaft gegründete Universität. Sie ist bis heute die größte Universität Estlands und Mitglied der Coimbra-Gruppe, einem Netzwerk besonders traditionsreicher und international herausragender europäischer Universitäten. Gleichzeitig ist Tartu auch Standort zahlreicher Museen, darunter des Estnischen Nationalmuseums und des Estnischen Literaturmuseums.
Meinshausen hatte im Juni 1810 die Dorpater Universitätsbuchhandlung gekauft und fühlte sich seitdem als Universitätsbuchhändler und Universitätsbürger – etwas voreilig, wie die Gerichtsakten zeigen, denn ein Prozess mit seinem Vorgänger zog sich mindestens bis 1817 hin, und auch danach kam Meinshausens Filiale in Dorpat nicht recht auf die Beine. Dass er nicht wie sein Konkurrent Hartmann wegen offener Bücherrechnungen im Rechtsstreit mit Dorpater Professoren, darunter auch mit Rambach, lag, sprach für seinen weicheren und umgänglicheren Charakter, aber nicht unbedingt für seine Qualitäten als Geschäftsmann, was wohl auch Bronner erkannte. Jedenfalls machte Hartmann später das Rennen um Bronners Bücherbestellungen aus Kazan’, wie wir aus dessen Brief an Bertuch in Weimar aus dem Jahr 1811 erfahren.
Zu Gast bei der Bildungselite
Karl Leberecht Albanus, Karl Gottlob Sonntag und die Mädchenschulen
Bei Albanus traf Bronner den livländischen General-Superintendenten Karl Gottlob Sonntag (1765–1827). Er hatte damit ein Amt inne, das in den lutheranischen Staatskirchensystemen in etwa das des Bischofs fortsetzte. Der umfangreiche Nachlass dieser herausragenden Persönlichkeit, der in Rigaer und Tartuer Archiven liegt, harrt noch der Aufarbeitung. Er war ein unerschrockener Kämpfer gegen die Leibeigenschaft in
Livland (lett. Livonija, estn. Liivimaa) ist eine historische Landschaft im Baltikum. Sie umfasst den südlichen Teil des heutigen Estlands und den nördlich des Flusses Düne gelegenen Teil des heutigen Lettlands. Benannt wurde die Landschaft nach der heute nur noch sehr kleine Bevölkerungsgruppe der Liven (auch: Livonen/Livonier).
Historisch kann sich der Name Livland auf weitere, unterschiedliche Zusammenhänge beziehen. Prägend für das heutige Verständnis der historischen Region ist vor allem das gleichnamige Gouvernement, das eines der drei Ostseegouvernements des Russländischen Reiches war. Es bestand seit Beginn des 18. Jahrhunderts und insgesamt bis 1918. Hauptstadt war das an der Dünamündung gelegene Riga.
Zuvor war Livland namensgebend für weitere Staaten und Staatenverbünde, allen voran für die Livländische Konföderation, die seit dem Hochmittelalter bestand. Zur Konföderation gehörten der livländische Teil des Deutschordensstaates sowie regionale geistliche Staaten. Die Konföderation umfasste dabei auch große weitere Teile der heutigen Staaten Lettland und Estland. Nach Auflösung der Konföderation wie auch des Deutschordensstaates im 16. Jahrhundert wechselte die Oberhoheit mehrfach. Ohne die südlichen und nördlichen Gebiete kam Livland zunächst unter polnisch-litauische Herrschaft, später auch unter schwedische Oberhoheit, bevor es im Zuge des Großen Nordischen Krieges (1700-1721) unter russische Herrschaft kam. Prägend für die soziale Binnenorganisation des ländlichen Raumes war bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem die zentrale Rolle des landbesitzenden deutschsprachigen Adels.
Carl August Jacobi und die Taubstummenschulen
Moskau (Bevölkerungszahl 2024: 13.146.907) ist die Hauptstadt der Russischen Föderation und die bevölkerungsreichste vollständig in Europa gelegene Stadt. Sie liegt im Westen des Landes. Moskau ist zugleich die Hauptstadt des Föderationsbezirks Zentralrussland. Die Verwaltungseinheit "Stadt von föderaler Bedeutung Moskau" umfasst mit einer Bevölkerungszahl von 13.258.262 Personen einige weitere Orte. Die Stadt bildet das mit Abstand wichtigste politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes.
Moskau entstand etwa im 11./12. Jahrhundert. Die Entstehung der Wehranlage (Kreml) wird auf den Beginn der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert. Im 13. Jahrhundert wurde Moskau zur Hauptstadt eines Teilfürstentums des Großfürstentums Wladimir. Im 14. Jahrhundert setzten sich die Fürsten von Moskau als die Herrscher der gesamten Rus durch. Diese war jedoch 1247-1480 tributpflichtig gegenüber der Goldenen Horde, welche 1238 Moskau verwüstete. 1571 wurde die fast vollständig aus Holz bestehende Stadt von tatarischen Truppen niedergebrannt. Zu diesem Zeitpunkt war Moskau jedoch bereits das unumstrittene Machtzentrum Russlands. 1687 wurde in der Stadt die erste Hochschule, 1775 die erste Universität eröffnet. Peter der Große verlegte 1712 die Hauptstadt nach Sankt Petersburg. Neben dem Machtverlust geschwächt durch Unruhen und Seuchen blieb ihre Entwicklung hinter jener der neuen Hauptstadt zurück. Einen tiefen Einschnitt in die Entwicklung von Moskau brachte der Einmarsch der napoleonischen Truppen 1812, zu deren Abwehr die Stadtbevölkerung ihre Häuser in Brand steckte. Der rasch begonnene Wiederaufbau verlieh Moskau ein modernes Stadtbild.
Nach der Oktoberrevolution und dem erneuten Umzug der Hauptstadt nach Moskau 1918 erlebte die Stadt einen enormen Ausbau der öffentlichen Infrastruktur, auch zahlreiche Vorzeigebauten wurden bis zum Zweiten Weltkrieg errichtet. Der Zubau der Wohnflächen konnte jedoch nie dem Bevölkerungswachstum schritthalten. Dieses konnte auch durch diverse, teilweise bis heute geltende Zuzugseinschränkungen nicht gebremst werden. Allerdings wuchs die Stadt auch durch Eingemeindungen, insbesondere in den Jahren 1960 und 2012.
1980 wurden in Moskau die Olympischen Sommerspiele ausgetragen. In den Folgejahren erfasste jedoch die zunehmende Krise in der Sowjetunion auch die Stadt, die nach den dezentralen Bewegungen in den Republiken und Unruhen in Russland selbst schließlich vom Putschversuch 1991 direkt betroffen war. Nach dem endgültigen Zerfall der Sowjetunion Ende 1991 blieb Moskau die Hauptstadt Russlands. Seitdem wird insbesondere das Stadtzentrum immer stärker von modernen, repräsentativen Bauten geprägt. Weitere Merkmale der Entwicklung der Stadt in der postsowjetischen Ära sind der Wiederaufbau der in der Sowjetzeit zerstörten oder umgewidmeten Kirchen, die Renovierung der Gebäude aus der vorsowjetischen Zeit im Stadtkern sowie der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur an den Rändern.
Wilhelm Christian Friebe: Buchmarkt und Heiratsmarkt
In der Gesellschaft trat auch noch ein Herr „Lorenzi“ auf, der Bronner in einer Schweizer Buchhandlung gesehen haben wollte und der zu dessen Verdruss über die Schweiz zu dozieren begann. Vermutlich handelte es sich um Heinrich Karl Laurenty (1780–1840), der nach dem Abschluss seines Göttinger Jurastudiums 1801 drei Jahre lang als Hauslehrer am Genfer See gelebt hatte. Er war gerade erst kürzlich über
Kaliningrad ist eine Großstadt im heutigen Russland mit fast 500.000 Einwohner:innen. Sie liegt in der Oblast Kaliningrad, einer russischen Exklave zwischen Litauen und Polen, die ungefähr dem nördlichen Teil der preußischen Provinz Ostpreußen vor 1945 entspricht (heute litauische Gebiete ausgenommen). Vor 1945 war Königsberg nicht nur Hauptstadt der Provinz und die nordöstlichste Großstadt Preußens, sondern ab 1724 auch Königliche Haupt- und Residenzstadt in Preußen.
Litauen ist ein baltischer Staat im Nordosten Europas und wird von ungefähr 2,8 Millionen Menschen bewohnt. Vilnius ist die Hauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt Litauens. Das Land grenzt an die Ostsee, Polen, Weißrussland, Russland und Lettland. Erst im Jahr 1918 erlangte Litauen Unabhängigkeit, die das Land nach mehreren Jahrzehnten der Eingliederung in die Sowjetunion 1990 wiedererlangte.
Die fünf jungen oder „jüngeren“ Damen wollte Friebe möglicherweise nicht nur mit Laurenty bekanntmachen, sondern auch mit Bronner. Dieser hatte durchaus Interesse – jedoch nicht in diesem Fall. Vor seiner Abreise nach Russland hatte seine langjährige Züricher Angebetete ihm einen Korb gegeben und in Weimar hatte er sich daraufhin vergebens um eine der Töchter Wielands bemüht.




















