Ein lettischer Valiant
Die Sowjetunion (SU oder UdSSR) war ein von 1922 bis 1991 bestehender Staat in Osteuropa, Zentral- und Nordasien. Sie ist aus dem sog. Sowjetrussland hervorgegangen, dem Nachfolgestaat des Russländischen Kaiserreichs. Den Kern der Union und zugleich ihren größten Teil bildete die Russische Sowjetrepublik, hinzu kamen weitere Teilrepubliken. Ihre Zahl variiert über die Zeit hinweg und steht im Zusammenhang mit der Besatzung anderer Länder (Estland, Lettland, Litauen), nur kurzzeitig bestehenden Sowjetrepubliken (Karelo-Finnland) oder mit der Teilung bzw. Zusammenlegung von Sowjetrepubliken. Zusätzlich gab es zahlreiche autonome Republiken oder sonstige Gebietseinheiten mit einem Autonomiestatus, der sich im Wesentlichen auf eine sprachliche Autonomie der Minderheiten beschränkte.
Die UdSSR bestand vor ihrer formellen Auflösung aus 15 Sowjetrepubliken mit einer Bevölkerung von ungefähr 290 Millionen Menschen. Mit ca. 22,4 Millionen km² bildete sie den damals größten Flächenstaat der Welt. Die Sowjetunion war eine sozialistische Räterepublik mit einem Einparteiensystem und einer fehlenden Gewaltenteilung.
Die Republik Lettland erklärte am 18. November 1918 ihre Unabhängigkeit, die sie erst infolge des Lettischen Unabhängigkeitskrieges 1918-1920 und des Friedens von Riga (1920) wirklich erlangte. Zuvor existierte auf dem Gebiet Lettlands zudem noch die kurzlebige lettische Sozialistische Sowjetrepublik (1918/1919).
Die Verfassung des unabhängigen Lettlands wurde durch den Staatstreich am 15. Mai 1934 teilweise außer Kraft gesetzt. Ab 1940 wurde Lettland durch die Sowjetunion besetzt und als lettische Sozialistische Sowjetrepublik Unionsrepublik der UdSSR. Zwischen 1941 und 1944 wurde Lettland auch von den Nationalsozialisten besetzt.
Meine erste Pflicht im Exil ist es, für die Freiheit des lettischen Volkes und die Zukunft Lettlands zu kämpfen, wo und wie auch immer ich noch dazu in der Lage bin, im vollen Bewusstsein meiner Verantwortung gegenüber den unzähligen vergangenen und zukünftigen Generationen.
Švābe, Arveds. Latvieša stāja svešumā. 1947. Latvians Abroad - Museum and Research Centre collection, Rīga.
... Damit ich nach langen Wochen des Leidens eines Tages die Wiederauferstehung Lettlands miterleben und als Pilger zurückkehren kann, unberührt von fremdem Staub und Illusionen, muss ich die Klarheit des lettischen Geistes, die Tugend der Selbstaufopferung und die moralische Stärke bewahren.
Švābe, Arveds. Latvieša stāja svešumā. 1947. Latvians Abroad - Museum and Research Centre collection, Rīga.
Die nächste Generation
Pēteris Graube kam zur Kursa-Sommerhochschule und bereitete uns vor. Er setzte uns hin und sagte uns, dass wir uns über die Farbverhältnisse von Flaggen im Klaren sein müssten, da wir vorhatten, die sowjetische Flagge zu verbrennen. Er sagte uns, dass wir keine synthetischen Materialien verwenden sollten, die entweder schmelzen oder nicht brennen würden. Er erklärte uns, wie wir mit Menschen umgehen sollten, die aggressiv auf unsere Demonstration reagieren könnten. Er erklärte uns all diese Demonstrationstaktiken auf eine erwachsene Art und Weise. Und natürlich sind wir in diesem Moment erwachsen geworden. Wir waren nicht länger Kinder, die mitgeschleppt wurden, weil unsere Eltern demonstrieren wollten.
Muižniece Liepiņa, Sarma. Nyet, Nyet Soviet. Stāsti par latviešu politiskajām demonstrācijām trimdā, eds. Marianna Auliciema, Kristīne Beķere, Maija Hinkle, Arta Savdona, Brigita Tamuža, Ieva Vītola, Juris Zalāns, Lilita Zaļkalne, Latvieši pasaulē - muzejs un pētniecības centrs, 2018, 86
Vom „Hochzeitsmobil“ zum Protestfahrzeug
Sie wussten nicht nur nichts über Lettland, sondern gingen auch davon aus, dass alle Menschen in der Sowjetunion Russen seien. Eine einfache Annahme, dass es nur eine Nationalität und eine Sprache gibt – dass sich alle assimiliert haben.
Pelecis, Mara, director. Valiant! A Car, a Cause, and the Cold War. Latvians Abroad - Museum and Research Centre, 2022
Politische Graffiti auf Rädern
Die Polizei hat mich fast jede Woche angehalten! Sie hielten mich an, wir unterhielten uns. Zumindest wussten sie [danach] über die Situation in Lettland Bescheid, aber vielleicht wussten sie nicht, wo das liegt!
Bļodnieks, Juris. Nyet, Nyet Soviet. Stāsti par latviešu politiskajām demonstrācijām trimdā, eds. Marianna Auliciema, Kristīne Beķere, Maija Hinkle, Arta Savdona, Brigita Tamuža, Ieva Vītola, Juris Zalāns, Lilita Zaļkalne, Latvieši pasaulē - muzejs un pētniecības centrs, 2018, 262
Juris war ein schneller Fahrer – und mit ihm im Auto zu fahren, machte immer großen Spaß. ... Als wir über die George-Washington-Brücke in New York fuhren, wehte der Wind durch die offenen Fenster, und nicht nur ein, sondern mehrere Motorradfahrer hupten uns an! Und wir waren so stolz auf unsere politische Überzeugung, dass wir für etwas eingetreten waren – für Demokratie, für Freiheit, für etwas, das nicht die Sowjetunion war!
Pelecis, Mara, director. Valiant! A Car, a Cause, and the Cold War. Latvians Abroad - Museum and Research Centre, 2022
Ein Cabrio-Finale
Die Wiederauferstehung des Valiant
Riga ist die Hauptstadt Lettlands (Bevölkerungszahl 2023: 605.273) und zugleich die mit Abstand größte Stadt des Landes. Sie liegt im Südwesten der historischen Landschaft Livland nahe der Mündung des Flusses Düna (lett. Daugava) in den Rigaischen Meerbusen. Riga war eine bedeutende Handels- und Hansestadt mit einer über Jahrhunderte hinweg einer multiethnischen, doch größtenteils deutschsprachigen Bevölkerung, deren politische Oberherrschaft wiederholt wechselte. Waren es bis zum Ende des Mittelalters vor allem geistliche Herrscher (Erzbistum Riga, Deutscher Orden), die Stadt und Umland für sich beanspruchten, kam die Stadt nach kurzer polnisch-litauischer Herrschaft 1621 zu Schweden. Bereits ein Jahrhundert später wurde Riga Teil des Russländischen Reiches und hier zur Hauptstadt des Ostseegouvernements Livland.
1918 wurde Riga Hauptstadt eines unabhängigen lettischen Staates. Nach der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg 1941 wurde die jüdische Bevölkerung Rigas (8% der Gesamtbevölkerung) vor allem im Ghetto eingesperrt, in das auch zahlreiche jüdische Menschen aus dem damaligen Gebiet des Deutschen Reichs deportiert wurden. Noch im selben Jahr organisierte die Wehrmacht Massenerschießungen der jüdischen Bevölkerung auf dem Gebiet der heutigen Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die ethnische Struktur von Riga – die jüdische, deutsche und polnische Bevölkerung verschwand, und an ihre Stelle traten die russische, weißrussische und ukrainische Bevölkerungsgruppen. Die lettische Bevölkerung verlor ihre Mehrheit in der Stadt, und sank bis zum Zerfall der Sowjetunion auf fast ein Drittel. Inzwischen beträgt ihr Anteil 47% der Gesamtbevölkerung.


















