„Inmitten von Freunden“ im Land der Täter:innen?

Was Fotos vom Leben polnischer Displaced Persons erzählen – und was nicht
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Was bleibt vom Leben nach dem Konzentrationslager? Anhand privater Fotoalben zweier polnischer Überlebender beleuchtet der Beitrag das Dasein als Displaced Persons in Nachkriegsdeutschland und Australien – zwischen Verlust, politischem Druck und dem Versuch, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, einen neuen Anfang zu wagen.
Adelaide, Januar 2024. Es ist Hochsommer und vor meiner zeitweiligen australischen Haustür steht Eugene. Freudig bitte ich ihn herein. Dass diese Begegnung überhaupt möglich wurde, ist das Ergebnis aufwändiger Recherchen auf der Suche nach Nachkommen von Eugeniusz und Kazimiera Hejka. Beide galten nach Kriegsende als  Displaced Persons
Displaced Person
auch:
Displaced Persons
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzen die Alliierten den Begriff „Displaced Person“ (DP) für die rund elf Millionen Zivilpersonen, die sich kriegs- und verfolgungsbedingt außerhalb ihres Heimatstaates aufhielten. Dazu zählten vor allem befreite KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und Zwangsverschleppte, Kriegsgefangene, Überlebende nationalsozialistischer Verfolgung, insbesondere aus Mittel- und Osteuropa, sowie diejenigen Personen und ihre Familien), die aufgrund ihrer Erfahrungen vor der erneuten sowjetischen Herrschaft im Baltikum nach Westen flohen. Sie litten häufig unter einer schlechten Gesundheit und waren mangelhaft ernährt. Die Alliierten und internationale Hilfsorganisationen bemühten sich, die DPs, die übergangsweise teilweise in ehemaligen Konzentrationslagern untergebracht waren, in ihre Heimatländer zurückzuführen.
, kurz DP. Beide kamen aus 
Republik Polen
eng. Second Polish Republic, deu. Zweite Polnische Republik, pol. II. Rzeczpospolita, pol. II Rzeczpospolita

Zweite Polnische Republik (Polnisch: II. Rzeczpospolita) ist die gängige Bezeichnung für den wiedererrichteten polnischen Staat (Republik Polen), der am 11.11.1918, nach Ende des Ersten Weltkriegs und 123jähriger Teilungszeit, seine Unabhängigkeit wiedererlangte. Seine Ausdehnung vor allem nach Osten war wesentlich kleiner als zur Zeit der sogenannten 1. Republik (Adelsrepublik), die 1795 mit der dritten Teilung Polens zwischen der Habsburgermonarchie, Preußen und Russland zu existieren aufgehört hatte.

Die Grenzen der Zweiten Polnischen Republik zu den Nachbarstaaten wurden erst 1921/22 und infolge bewaffneter Konflikte festgelegt, wobei sie auch im Nachgang (und teils während der gesamten Existenz der Zweiten Polnischen Republik) umstritten bleiben konnten. Dem deutschen Angriff auf Polen am 1.9.1939 und dem sowjetischen Einmarsch in Polen am 17.9.1939 folgte am 28.9.1939 die Kapitulation in Warschau, was dem funktionalen Ende der Zweiten Republik gleichkam. Als ihr formelles Ende wird oft die Rücknahme der Anerkennung der polnischen Exilregierung durch die britischen und US-amerikanischen Regierungen am 5.7.1945 angesehen, allerdings wurden die Organe der späteren Volksrepublik Polen von der Sowjetunion bereits am 24.6.1944 als offizielle Vertretung Polens anerkannt. Der Präsident der polnischen Exilregierung in London, Ryszard Kaczorowski, übergab am 22.12.1990 als letztem, symbolischem Akt der Zweiten Polnischen Republik deren Insignien an den damaligen polnischen Präsidenten in Warschau, Lech Wałęsa.

. Kazimiera wurde von den Deutschen zur Zwangsarbeit verschleppt, als sie 15 Jahre alt war. Eugeniusz war einer der ersten Häftlinge im Konzentrationslager Auschwitz. Wenig später brachte ihn die SS ins KZ Flossenbürg, wo er Schwerstarbeit in einem Steinbruch leisten musste.
Eugeniusz und Kazimiera verblieben nach ihrer Befreiung durch alliierte Truppen zunächst in Deutschland. Die Repatriierung von Millionen von Menschen zog sich in die Länge. Ganz Europa lag in Trümmern. Hinzu kam, dass die noch vorhandenen Transportwege und -mittel prioritär für die auch zwangsweise durchgeführten Rückführungen sowjetischer DPs genutzt wurden.1 Für Eugeniusz und Kazimiera, die sich in einem DP-Camp in Bayern kennen und lieben gelernt hatten, gab es noch einen weiteren Grund, der gegen eine Repatriierung in das nun sowjettreue Polen sprach: Sie waren überzeugte Antikommunisten.
Angesichts ihrer Erfahrungen und dem aufziehenden Kalten Krieg erschien den beiden ein Weiterleben in Europa als nicht erstrebenswert. Ohnehin war Deutschland, das Land der Täter, keine Option zum Bleiben. Dennoch mussten Eugeniusz und Kazimiera eben dort noch Jahre bleiben. Als Displaced Persons in Nachkriegsdeutschland bemühten sie sich um eine Auswanderung nach Übersee. Ende 1948 war es endlich soweit. Sie erhielten ein Visum für Australien. In ihrem Gepäck befanden sich in einem Album sorgfältig angeordnete Fotos aus der Zeit in den DP-Camps, den „Wartesälen“2 Europas. Nach der mehrwöchigen Überfahrt ans andere Ende der Welt entstand in Australien ein weiteres Album. Es zeigt Fotografien vom Aufbruch aus den DP-Camps in Bayern und der langen Schiffsfahrt nach Australien.
Fotos vom Leben von Displaced Persons befinden sie sich meist in Privatbesitz und sind somit für die Forschung oft nur schwer zugänglich. Da die meisten DPs zudem nicht im deutschsprachigen Raum verblieben, befinden sich viele dieser wertvollen Bilddokumente auf der ganzen Welt verteilt. So auch im vorliegenden Fall. Nach Eugeniusz’ und Kazimieras’ Tod gelangten ihre Alben in den Besitz ihres Sohnes Eugene. Nach unserer Kontaktaufnahme entschloss er sich, diesen wertvollen Schatz für Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen. Er fand Eingang in der digitalen StoryMap ‚Getting Away from War and Communism‘, die 2024 mit der Unterstützung der Universität Wien erstellt wurde.3

DP-Camps und der Aufbau von Exilgemeinschaften

Eines der Fotoalben hat einen schlichten rot-bräunlichen Einband, verziert mit ein paar blauen und rötlichen Kreisen und Balken. Der handschriftliche Titel verweist auf das Jahr 1946 und das Leben im polnischen DP-Camp „Pułaski“. Das Album enthält Zeugnisse von Eugeniusz’ und Kazimieras’ Zeit in Weiden in der Oberpfalz, etwa 80 Kilometer nördlich von Regensburg, in der damaligen US-Besatzungszone. Eugeniusz Hejka, der KZ-Überlebende, war zu diesem Zeitpunkt DP-Kommandant und damit Vorsitzender der polnischen DP-Selbstverwaltung. Der Anfang 30-Jährige verstand sich als polnischer Patriot und Antikommunist. Den Fotos nach erfüllte er seine Aufgabe zur Organisation und Selbstverwaltung von etwa 900 polnischen DPs mit Stolz und großem Engagement.
Hejkas Ziel war es, eine polnische Gemeinschaft im Exil aufzubauen. Ein Großteil der Fotos dokumentiert dies: Tanz- und Gemeinschaftsveranstaltungen, ein Chor, die polnische Schule, eine Theatergruppe und deren Aufführungen, Pfadfindergruppen, Ausbildungskurse für Erwachsene. Die Fotos bilden Jung und Alt ab, DPs in polnischer Tracht, Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Uniform. Sie zeigen vor allem Freude, Agilität, Lebensmut sowie eine scheinbar geeinte polnische Gemeinschaft in den DP-Camps. Viele Hochzeiten, Taufen und andere Festivitäten sind ebenfalls abgebildet. Mehrere Seiten füllen Fotografien von Hejka mit Freundinnen und Freunden, mit seiner Verlobten Kazimiera sowie mit US-amerikanischen Soldaten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern internationaler DP-Hilfsorganisationen. Hejkas Gesten auf den Fotos, Händeschütteln, Umarmungen, weisen auf eine tiefe Freundschaft insbesondere zu den internationalen Gästen hin. Daneben enthält das Album Gruß- und Glückwunschkarten. Die Kontakte des DP-Kommandanten reichten weit über Bayern und die polnische DP-Community hinaus. Das Album präsentiert eine vereinte polnische Exilgemeinschaft mit vielen internationalen Freundschaften, vermutlich ganz im Sinne Hejkas. So gab Hejka einigen dieser Fotos die Bildüberschrift: „Inmitten von Freunden.“
Fotos zu und von Displaced Persons gibt es viele4 ; die Aufnahmen des jungen Ehepaares Hejka stellen damit keine Ausnahme dar. Doch selten lassen sich die verschiedenen Stationen von Displaced Persons in so verdichteter, facettenreicher und zugleich persönlicher Form finden. Weit über einhundert Fotos bilden alle Stadien des DP-Daseins ab: das Leben in Baracken, der Aufbau einer Gemeinschaft im Exil, Visabeantragungen, die häufigen Umzüge von einem DP-Camp in ein anderes, die Zugfahrt von Bayern über die Alpen nach Italien, das Ablegen des Schiffes, der letzte Blick auf Europa, die etwa sechswöchige Seefahrt bis Down Under.
Danach folgen Aufnahmen der Ankunft sowie der Zeit des zweijährigen Pflichtarbeitsvertrags für den australischen Staat, des Aufbaus einer polnischen Diaspora fernab von Europa und der ersten Jahre in Australien. Spätestens ab diesem Zeitpunkt galten die Hejkas offiziell nicht mehr als Displaced Persons, sondern als „New Australians."5

DP-Erfahrungen und Leerstellen

Nur einige wenige Fotos deuten den tristen Alltag des Lagerlebens der Displaced Persons in Nachkriegsdeutschland an. Wesentlich präsenter ist die auffallende Lebensfreude auf den Fotos: Enttäuschung, Frustration, Trauer, Verunsicherung sowie Angst vor dem, was kommen mag, fehlen hingegen gänzlich. So bemerkenswert das Abgebildete in den Fotoalben ist, so interessant ist die Beschäftigung mit dem, was nicht abgebildet wurde.
Das Leben als Displaced Person fand für die meisten zwar auf deutschem Boden, aber am Rande der deutschsprachigen Gesellschaft statt. Displaced Persons, die aus Konzentrations-, Kriegs- oder Zwangsarbeitslagern befreit worden waren, lebten somit nach der Befreiung im Land der NS-Täter:innen. Viele DPs beschrieben die Atmosphäre und Umgebung als ihnen gegenüber feindlich eingestellt. Dazu waren sie oft pauschal mit Vorurteilen belegt. Die deutschsprachige Bevölkerung bezeichnete Displaced Persons häufig als kriminelle Ausländer.6 Und während die Westalliierten insbesondere 1946 den Repatriierungsdruck auf nichtjüdische DPs spürbar erhöhten7 , diskreditierte die 
Sowjetunion
eng. Soviet Union, deu. Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, rus. Sovetskiy Soyuz, rus. Советский Союз, . Совет Ушем, . Советонь Соткс, rus. Sovetskij Soûz, . Советий Союз, yid. ראַטן־פֿאַרבאַנד, yid. סאוועטן פארבאנד, yid. sovətn farband, yid. sovʿtn-farband, yid. sovətn-farband, . Советтер Союзу, . Совет Союзы, . Советон Цæдис, . Совет Эвилели

Die Sowjetunion (SU oder UdSSR) war ein von 1922 bis 1991 bestehender Staat in Osteuropa, Zentral- und Nordasien. Sie ist aus dem sog. Sowjetrussland hervorgegangen, dem Nachfolgestaat des Russländischen Kaiserreichs. Den Kern der Union und zugleich ihren größten Teil bildete die Russische Sowjetrepublik, hinzu kamen weitere Teilrepubliken. Ihre Zahl variiert über die Zeit hinweg und steht im Zusammenhang mit der Besatzung anderer Länder (Estland, Lettland, Litauen), nur kurzzeitig bestehenden Sowjetrepubliken (Karelo-Finnland) oder mit der Teilung bzw. Zusammenlegung von Sowjetrepubliken. Zusätzlich gab es zahlreiche autonome Republiken oder sonstige Gebietseinheiten mit einem Autonomiestatus, der sich im Wesentlichen auf eine sprachliche Autonomie der Minderheiten beschränkte.

Die UdSSR bestand vor ihrer formellen Auflösung aus 15 Sowjetrepubliken mit einer Bevölkerung von ungefähr 290 Millionen Menschen. Mit ca. 22,4 Millionen km² bildete sie den damals größten Flächenstaat der Welt. Die Sowjetunion war eine sozialistische Räterepublik mit einem Einparteiensystem und einer fehlenden Gewaltenteilung.

 Displaced Persons pauschal als NS-Hilfswillige, denen Verrat an der Heimat vorgeworfen wurde. Auch wenn unter den Displaced Persons in der Tat Personen waren, die das nationalsozialistische System unterstützt hatten, galt dies doch bei weitem nicht für alle.
DPs wurden daher nicht nur von den Kriegserlebnissen traumatisiert. Auch danach litten sie unter enormem Stress, Druck und einer scheinbaren Ausweg- und Hoffnungslosigkeit. Da war das Bangen um Familienmitglieder und um das eigene weitere Leben. Viele DPs hatten über Monate und teilweise auch noch nach Jahren keinen Kontakt zu Angehörigen. Dazu kamen die enorm instabilen politischen Verhältnisse sowie Grenzverschiebungen im östlichen Europa. Polnische Displaced Persons aus dem vormaligen 
Kresy
pol. Kresy Wschodnie, deu. Ostpolen, deu. Polnische Ostgebiete, eng. Borderlands, eng. Eastern Borderlands, eng. Kresy

Der Begriff Kresy (polnisch ´Randgebiete´) wird heute für die ehemaligen Ostgebiete Polens verwendet, speziell vor dem Zweiten Weltkrieg, aber auch in seiner früheren territorialen Ausdehnung. Heute gehören diese Gebiete zu Litauen, Belarus bzw. der Ukraine. In Bezug auf frühere Gebiete des Staates, sind damit auch die Territorien gemeint, die während der Doppelmonarchie (1385 bzw. 1569-1795) zum Großherzogtum Litauen gehörten. Während der Zweiten Republik wurden die Letzteren als Kresy Utracone (´Verlorene Randgebiete´) bezeichnet. Geht man von der größten Ausdehnung von Polen-Litauen aus, handelt es sich dabei um Gebiete, die heute tlw. zu Russland, Lettland, Estland, Russland, Moldau, Rumänien und der Slowakei gehören. In den Kresy in ihrer Gesamtheit stellte polnische Bevölkerungsgruppe in der Regel eine Minderheit dar, die polnische Sprache und Kultur spielten jedoch eine wichtige Rolle. In der Volksrepublik Polen war die offizielle Verwendung des Begriffs kaum möglich. Seit den 1990er Jahren wird eine Diskussion über eine neutralere Bezeichnung geführt, die in diesen ehemals zu Polen(-Litauen) gehörenden Gebieten auf breitere Akzeptanz treffen würde.

 konnten in ihre Herkunftsregionen ohnehin nicht zurück, denn diese Gebiete galten nach dem Jalta-Abkommen als Teil der Sowjetunion.
Selbstmord, Alkoholmissbrauch und Gewalt nahmen unter DPs zu.8 Frauen waren besonders gefährdet und wurden immer wieder Opfer sexueller Belästigungen und Übergriffe durch andere DPs, aber auch durch Befreier und die deutschsprachige Lokalbevölkerung.9 Das Leben in Nachkriegsdeutschland war schwierig. In einer Zeit absoluten Mangels und strenger Rationierung blühte zudem der Schwarzmarkt. Dieser wurde von einem großen Netz Beteiligter betrieben, darunter der lokalen deutschsprachigen Bevölkerung, unterschiedliche DP-Gruppen, internationalen Hilfsorganisationen sowie Angehörigen der alliierten Besatzungstruppen.10 Private Fotosammlungen, wie die von Hejka, zeigen von all dem zumeist nichts.

Die Mehrdeutigkeit visueller Quellen

Auf den Fotografien unabgebildet blieben auch die massiven internen, zumeist politisch-ideologischen Konflikte. DPs befanden sich häufig im Epizentrum der Propaganda und des beginnenden Kalten Krieges.11 Auch Eugeniusz Hejka war Teil davon: nicht nur als DP-Kommandant, sondern auch als Informant des US-Geheimdienstes. Er verfügte über ein ausgesprochen umfangreiches Netzwerk in polnischen Exilkreisen und arbeitete in verschiedenen DP-Organisationen für Pol:innen im Ausland. Hejka erkannte die von der Sowjetunion abhängige Regierung in 
Warszawa
deu. Warschau, eng. Warsaw, yid. Varše, yid. וואַרשע, rus. Варшава, rus. Varšava, fra. Vaarsovie

Warschau ist die Hauptstadt Polens und zugleich die größte Stadt des Landes (Bevölkerungszahl 2024: 1.863.845). Sie liegt in der Woiwodschaft Masowien an Polens längstem Fluss, der Weichsel. Warschau wurde erstmals Ende des 16. Jahrhunderts Hauptstadt der polnisch-litauischen Adelsrepublik und löste damit Krakau ab, das zuvor polnische Hauptstadt gewesen war. Im Rahmen der Teilungen Polen-Litauens wurde Warschau mehrfach besetzt und schließlich für elf Jahre Teil der preußischen Provinz Südpreußen. Von 1807 bis 1815 war die Stadt Hauptstadt des Herzogtums Warschau, einem kurzlebigen napoleonischen Satellitenstaat; im Anschluss des Königreichs Polen unter russischer Oberherrschaft (dem sog. Kongresspolen). Erst mit Gründung der Zweiten Polnischen Republik nach Ende des Ersten Weltkriegs war Warschau wieder Hauptstadt eines unabhängigen polnischen Staates.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Warschau erst nach intensiven Kämpfen und einer mehrwöchigen Belagerung von der Wehrmacht erobert und besetzt. Schon dabei fand eine fünfstellige Zahl an Einwohnern den Tod und wurden Teile der nicht zuletzt für seine zahlreichen barocken Paläste und Parkanlagen bekannten Stadt bereits schwer beschädigt. Im Rahmen der anschließenden Unterdrückung, Verfolgung und Ermordung der polnischen und jüdischen Bevölkerung wurde mit dem Warschauer Ghetto das mit Abstand größte jüdische Ghetto unter deutscher Besatzung errichtet, das als Sammellager für mehrere hunderttausend Menschen aus Stadt, Umland und selbst dem besetzten Ausland diente und zugleich Ausgangspunkt für die Deportation in Arbeits- und Vernichtungslager war.

Infolge des Aufstandes im Warschauer Ghetto ab dem 18. April 1943 und dessen Niederschlagung Anfang Mai 1943 wurde das Ghettogebiet systematisch zerstört und seine letzten Bewohner verschleppt und ermordet. Im Sommer 1944 folgte der zwei Monate dauernde Warschauer Aufstand gegen die deutsche Besatzung, in dessen Folge fast zweihunderttausend Polen ums Leben kamen und nach dessen Niederschlagung auch das restliche Stadtgebiet Warschaus von deutschen Einheiten weitgehend und planmäßig zerstört wurde.

In der Nachkriegszeit wurden zahlreiche historische Gebäude und Teile der Innenstadt, darunter das Warschauer Königsschloss und die Altstadt, wiederaufgebaut - ein Prozess, der bis heute andauert.

 nicht an. Er hielt sie für illegitim. Seiner Meinung nach befand sich die rechtmäßige polnische Regierung auch nach Kriegsende noch im Londoner Exil. 
Hejkas verdeckte Tätigkeiten lassen sich, wenn überhaupt, nur über mühsame und weitgefächerte Archivrecherchen erahnen und entschlüsseln. Sie führten unter anderem zu massiven Feindseligkeiten, denen sich Hejka laut Dokumenten in seinem Privatbesitz ausgeliefert sah. Bereits in den ersten Monaten seiner Tätigkeiten gab es Anschuldigungen, der DP-Kommandant habe mit der SS im KZ zusammengearbeitet. Andere warfen ihm  Antisemitismus
Antisemitismus
auch:
Antisemitismen, Judenfeindschaft, Judenhass, Judenfeindlichkeit, Judeophobie
Der Begriff „Antisemitismus“ wurde zunächst als Selbstbezeichnung einer Gruppe von Judenfeinden um Wilhelm Marr im Jahr 1879 genutzt. In dieser Zeit grenzte er sich von religiösen antijüdischen Haltungen ab. Heute wird er häufig als Sammelbegriff für verschiedene Formen antijüdischer Vorstellungen, Symbole und Haltungen genutzt. Das ist insofern schlüssig, weil der moderne Antisemitismus nicht an die Stelle traditioneller Judenfeindschaft trat, sondern traditionelle und moderne Formen häufig zusammen auftreten und sich wechselseitig verstärken.
 vor. Hejka stellte sich einem polnischen DP-Ehrengericht DP-Ehrengericht Zum Campleben der Displaced Persons gehörte die innere Selbstverwaltung. Dazu zählten eine DP-Polizei, Gefängnisse und Gerichte. Letztere kümmerten sich um kleinere Delikte des Alltags. Sowohl das Strafmaß als auch die DP-Gerichte unterschieden sich von der alliierten Rechtsprechung. Eine besondere Rolle nahmen Ehrengerichte ein. Sie urteilten vornehmlich über DPs, die mit den deutschen Nationalsozialisten auf die eine oder andere Weise zusammengearbeitet hatten. Die Ehrengerichte sollten Helfershelfer zur Rechenschaft ziehen. Die Strafen waren unterschiedlich und konnten von Haft in einem DP-Camp-Gefängnis bis zum Ausschluss aus dem Camp reichen. . Dabei brachte er viele Zeugen und Schreiben vor, die belegen sollten, dass die Anschuldigungen einer groß angelegten Diffamierungskampnage gegen ihn seien.12 Nicht alle polnischen DPs konnte er aber von seiner Unschuld und Integrität überzeugen.
Displaced Persons lebten in einer Zeit absoluter politischer Polarisierung. Einige DPs aus dem „Pułaski“-Camp in Weiden arbeiteten aktiv daran, Hejka aus seiner Funktion als DP-Kommandant zu verdrängen und dessen Reputation zu schädigen. Zugleich erhielt er Rückendeckung und Unterstützung von Freunden und Bekannten. Einige dieser Freundschaften (wie Feindschaften!) blieben ihm bis an sein Lebensende erhalten. Ein Bekannter aus dem DP-Camp in Weiden bezichtigte Hejka im Australien der 1950er-Jahre der kommunistischen Spionage. Obwohl sich dies als unwahr herausstellte, brachten die Anschuldigungen Hejka in enorme Schwierigkeiten. Besonders da er zu diesem Zeitpunkt die australische Staatsbürgerschaft beantragen wollte und versuchte, Angehörige aus der 
Volksrepublik Polen
eng. Polish People’s Republic, pol. Polska Rzeczpospolita Ludowa

Die Volksrepublik Polen war ein von 1944 bis 1989 (bis 1952 unter dem Namen Republik Polen) existierender sozialistischer Staat in der sowjetischen Einflusssphäre. Seine Grenzen entsprechen denen des heutigen Polens. Die Legitimation der Staatsform erfolgte auf der Grundlage des Referendums von 1946 und der Wahl von 1947, deren Ergebnisse jedoch gefälscht wurden. 1948 wurden die Parteien des sogenannten Demokratischen Blocks in der Sozialistischen Einheitspartei des Ein-Parteien-Staates zwangsvereinigt. Bis zum Ende der Volksrepublik regierte die daraus hervorgegangene kommunistische Polnische Vereinigte Arbeiterpartei (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza, PZPR).

 nach Australien zu holen.
Die Fotos der Hejkas zeigen von all diesen Verwerfungen nichts; vielmehr dienten sie der Selbstvergewisserung der polnischen Exil-Gemeinschaft nach den massiven Zerstörungen und dem allgegenwärtigen Tod während des Krieges. Die Fotos gewähren einen Einblick in vergangene Lebenswirklichkeiten. Doch erst im Zusammenspiel mit anderen Quellen – offiziellen Dokumenten, Zeitzeugenberichten, Briefen, Verwaltungsakten und Zeitungsartikeln – entfalten sie ihr volles Erkenntnispotenzial. Historisch belastbares Wissen entsteht aus dem vielstimmigen Chor verschiedener Überlieferungen. Wer das Leben der DP-Communities nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verstehen will, muss vergleichen, prüfen und vor allem verknüpfen. Das transnationale Verbinden der Geschichte(n) von Displaced Persons steht bei vielen Forschungen noch am Anfang. Sie ist vor allem aufwendig, bedarf Sprach- und Kontextwissen. Doch diese Arbeit lohnt sich. Letztendlich entgeht man auch nur so der Versuchung, einer zweifellos außergewöhnlichen Quelle wie den Fotos der Hejkas eine Eindeutigkeit zu unterstellen. Diese besitzen sie nicht.

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