Marketing im sowjetischen Ausländertourismus

Zwischen Propaganda, Devisen und kultureller Inszenierung
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Seit ihren Ursprüngen im ausgehenden 19. Jahrhundert war die Tourismusbranche auf Marketing angewiesen. Wie präsentierte sich ein ideologisch geprägter Staat wie die Sowjetunion im Ausland als attraktives Reiseziel?
Ausländischen Gästen erschien die 
Sowjetunion
eng. Soviet Union, deu. Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, rus. Sovetskiy Soyuz, rus. Советский Союз, und. Совет Ушем, und. Советонь Соткс, rus. Sovetskij Soûz, und. Советий Союз, yid. ראַטן־פֿאַרבאַנד, yid. סאוועטן פארבאנד, yid. sovətn farband, yid. sovʿtn-farband, yid. sovətn-farband, und. Советтер Союзу, und. Совет Союзы, und. Советон Цæдис, und. Совет Эвилели

Die Sowjetunion (SU oder UdSSR) war ein von 1922 bis 1991 bestehender Staat in Osteuropa, Zentral- und Nordasien. Sie ist aus dem sog. Sowjetrussland hervorgegangen, dem Nachfolgestaat des Russländischen Kaiserreichs. Den Kern der Union und zugleich ihren größten Teil bildete die Russische Sowjetrepublik, hinzu kamen weitere Teilrepubliken. Ihre Zahl variiert über die Zeit hinweg und steht im Zusammenhang mit der Besatzung anderer Länder (Estland, Lettland, Litauen), nur kurzzeitig bestehenden Sowjetrepubliken (Karelo-Finnland) oder mit der Teilung bzw. Zusammenlegung von Sowjetrepubliken. Zusätzlich gab es zahlreiche autonome Republiken oder sonstige Gebietseinheiten mit einem Autonomiestatus, der sich im Wesentlichen auf eine sprachliche Autonomie der Minderheiten beschränkte.

Die UdSSR bestand vor ihrer formellen Auflösung aus 15 Sowjetrepubliken mit einer Bevölkerung von ungefähr 290 Millionen Menschen. Mit ca. 22,4 Millionen km² bildete sie den damals größten Flächenstaat der Welt. Die Sowjetunion war eine sozialistische Räterepublik mit einem Einparteiensystem und einer fehlenden Gewaltenteilung.

 in den 1920er Jahren, ähnlich wie zuvor das Zarenreich, als ein exotisches, mitunter befremdliches Terrain voller Gefahren und Überraschungen. Gegen Ende des Jahrzehnts rückte in der Sowjetunion selbst jedoch das politische, bildungspolitische und diplomatische Potenzial dieses ausländischen Tourismus, insbesondere aus dem kapitalistischen Westen, in den Blick. Ziel wurde es, über gezieltes Marketing ein neues, positives Bild der Sowjetunion zu vermitteln. Bereits in den ersten Jahren nach deren Gründung im Dezember 1922 war der Tourismus, zunächst der inländische, zur staatlichen Angelegenheit erklärt worden – aus wirtschaftlichen, aber auch aus ideologischen Gründen.1 Das Konzept des „proletarischen Tourismus“ sollte die eigene Bevölkerung mit dem sowjetischen Leben und der sozialistischen Kultur vertraut machen2 sowie zur weltanschaulichen Bildung beitragen.
Nun sollte auch das touristische Angebot für ausländische Gäste einheitlich gestaltet werden. Anhand zentraler Konzepte, Medienstrategien und ausländischer Reiseberichte wird deutlich, wie staatliche Akteure Marketing zur Inszenierung des Sozialismus und für Devisenerwirtschaftung einsetzten – und wie unterschiedlich diese Inszenierungen von ausländischen Besucher:innen wahrgenommen wurden. Dabei kamen verschiedene Formen touristischer Werbung und Medienkommunikation zum Einsatz, wie Reiseführer, Broschüren, Plakate, Postkarten und Souvenirs.

Intourist als Monopolagentur

Die gesamte Abwicklung des Ausländertourismus lag bei der 1929 gegründeten Organisation Intourist. Als offizieller Ansprechpartner betrieb sie bis 1939 ein umfangreiches Netz touristischer Infrastruktur: Sie unterhielt 13 Vertretungen im Ausland, 27 Hotels und 26 Restaurants. 334 Fahrzeuge standen ihr zur Verfügung, und sie bediente 27 Reiserouten.3 Die Präsentation der Sowjetunion blieb dabei stark kontrolliert4 und inszeniert – der Tourismus diente als Bühne sozialistischer Selbstdarstellung unter staatlicher Regie. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Intourist reorganisiert und blieb auch in der Phase der vorsichtigen Öffnung seit den 1950er Jahren der zentrale Akteur des sowjetischen Ausländertourismus.

Sowjetische Konzepte des Ausländertourismus

Die sowjetischen Entscheidungsträger sahen im Ausländertourismus ab den 1950er Jahren zunehmend ein „ideales Instrument zur Devisenerwirtschaftung“.5 Die Verantwortlichen bemühten sich um möglichst attraktive Marketingkonzepte, die die Sowjetunion als lohnendes Reiseziel präsentieren sollten. Im Kontext des Kalten Krieges erhielt der Ausländertourismus zusätzliche politische wie wirtschaftliche Bedeutung. Dies glaubte man durch eine ideologisch aufgeladene Semantik sowie visuelle und künstlerische Stilmittel, die im Zentrum des sowjetischen Marketings und konkret des Werbewesens zu erreichen. Die ethnische, geografische und kulturelle Vielfalt des Landes wurde in der touristischen Werbung als Ausdruck von Einheit in der Vielgestaltigkeit inszeniert, sie diente als zentraler Topos sowjetischer Selbstbeschreibung.
Seit den 1960er Jahren wurden folgende Reiseziele priorisiert: kulturelle Metropolen im europäischen Teil der Sowjetunion wie 
Moskva
eng. Moscow, deu. Moskau, rus. Москва, rus. Kučkov, rus. Kučkovo, rus. Кучков, rus. Кучково, rus. Moskov, rus. Moskovʺ, rus. Московъ, rus. Москов

Moskau (Bevölkerungszahl 2024: 13.146.907) ist die Hauptstadt der Russischen Föderation und die bevölkerungsreichste vollständig in Europa gelegene Stadt. Sie liegt im Westen des Landes. Moskau ist zugleich die Hauptstadt des Föderationsbezirks Zentralrussland. Die Verwaltungseinheit "Stadt von föderaler Bedeutung Moskau" umfasst mit einer Bevölkerungszahl von 13.258.262 Personen einige weitere Orte. Die Stadt bildet das mit Abstand wichtigste politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes.

Moskau entstand etwa im 11./12. Jahrhundert. Die Entstehung der Wehranlage (Kreml) wird auf den Beginn der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert. Im 13. Jahrhundert wurde Moskau zur Hauptstadt eines Teilfürstentums des Großfürstentums Wladimir. Im 14. Jahrhundert setzten sich die Fürsten von Moskau als die Herrscher der gesamten Rus durch. Diese war jedoch 1247-1480 tributpflichtig gegenüber der Goldenen Horde, welche 1238 Moskau verwüstete. 1571 wurde die fast vollständig aus Holz bestehende Stadt von tatarischen Truppen niedergebrannt. Zu diesem Zeitpunkt war Moskau jedoch bereits das unumstrittene Machtzentrum Russlands. 1687 wurde in der Stadt die erste Hochschule, 1775 die erste Universität eröffnet. Peter der Große verlegte 1712 die Hauptstadt nach Sankt Petersburg. Neben dem Machtverlust geschwächt durch Unruhen und Seuchen blieb ihre Entwicklung hinter jener der neuen Hauptstadt zurück. Einen tiefen Einschnitt in die Entwicklung von Moskau brachte der Einmarsch der napoleonischen Truppen 1812, zu deren Abwehr die Stadtbevölkerung ihre Häuser in Brand steckte. Der rasch begonnene Wiederaufbau verlieh Moskau ein modernes Stadtbild.

Nach der Oktoberrevolution und dem erneuten Umzug der Hauptstadt nach Moskau 1918 erlebte die Stadt einen enormen Ausbau der öffentlichen Infrastruktur, auch zahlreiche Vorzeigebauten wurden bis zum Zweiten Weltkrieg errichtet. Der Zubau der Wohnflächen konnte jedoch nie dem Bevölkerungswachstum schritthalten. Dieses konnte auch durch diverse, teilweise bis heute geltende Zuzugseinschränkungen nicht gebremst werden. Allerdings wuchs die Stadt auch durch Eingemeindungen, insbesondere in den Jahren 1960 und 2012.

1980 wurden in Moskau die Olympischen Sommerspiele ausgetragen. In den Folgejahren erfasste jedoch die zunehmende Krise in der Sowjetunion auch die Stadt, die nach den dezentralen Bewegungen in den Republiken und Unruhen in Russland selbst schließlich vom Putschversuch 1991 direkt betroffen war. Nach dem endgültigen Zerfall der Sowjetunion Ende 1991 blieb Moskau die Hauptstadt Russlands. Seitdem wird insbesondere das Stadtzentrum immer stärker von modernen, repräsentativen Bauten geprägt. Weitere Merkmale der Entwicklung der Stadt in der postsowjetischen Ära sind der Wiederaufbau der in der Sowjetzeit zerstörten oder umgewidmeten Kirchen, die Renovierung der Gebäude aus der vorsowjetischen Zeit im Stadtkern sowie der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur an den Rändern.

Sankt-Peterburg
rus. Leningrad, deu. Sankt Petersburg, eng. Saint Petersburg, rus. Санкт-Петербург, rus. Ленинград, rus. Петроград, rus. Petrograd, rus. Sant-Piter-Burh, rus. Sankt-Piter-Burh

Sankt Petersburg (Bevölkerungszahl 2024: 5.645.943, davon 4.732.198 in der Stadt im engeren Sinne) ist eine Metropole im Nordosten Russlands. Nach Moskau ist sie die zweitgrößte Stadt des Landes. Die Stadt wurde 1703 von Peter dem Großen an der Mündung der Newa in die Ostsee gegründet. Von 1712 bis 1918 war sie die Hauptstadt Russlands. Neben Moskau ist St. Petersburg der wichtigste Industrie-, Bildungs-, Kultur- und Handelsstandort sowie einer der wichtigsten Häfen Russlands. Von 1914 bis 1924 trug die Stadt den Namen Petrograd und von 1924 bis 1991 den Namen Leningrad.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944, also 871 Tage lang, von der deutschen Wehrmacht belagert. In der systematisch von jeglicher Versorgung abgeschnittenen Stadt starben über eine Million Zivilisten.

Historische Orte
Russländisches Kaiserreich
  (
rus. Российская империя, rus. Rossijskaja imperija, eng. Russian Empire, deu. Russisches Zarenreich, rus. Всероссийская империя, rus. Wserossijskaja imperija, deu. Kaiserreich Russland, deu. Russisches Kaiserreich, deu. Russisches Reich, deu. Russländisches Reich, deu. Russländisches Kaiserreich
)
Kiïv
ukr. Kyjiw, eng. Kiev, eng. Kyiv, deu. Kiew, ukr. Київ, pol. Kijów, ukr. KiÌv, ukr. Kyïv

Kiew liegt am Fluss Dnepr und ist seit 1991 Hauptstadt der Ukraine. Nach der ältesten russischen Chronik, der Nestorchronik, wurde Kiew erstmals 862 erwähnt. Es war Hauptsiedlungsort der Kiewer Rus‘, bis es 1362 an das Großfürstentum Litauen fiel, das 1569 Teil der polnisch-litauischen Adelsrepublik wurde. 1667 kam Kiew nach dem Aufstand unter Kosakenführer Bogdan Chmel'nyc'kyj und dem darauf folgenden polnisch-russischen Krieg zu Russland. 1917 wurde Kiew Hauptstadt der Ukrainischen Volksrepublik, 1918 der Ukrainischen Nationalrepublik und 1934 der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik.
Bezeichnet wurde Kiew auch als „Mutter aller russischen Städte“, „Jerusalem des Ostens“, „Hauptstadt der goldenen Kuppeln“ und „Herz der Ukraine“.
Im russisch-ukrainischen Krieg ist Kiew stark umkämpft.

Aufgrund des Krieges in der Ukraine ist es möglich, dass diese Informationen nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen.

Odessa
ukr. Одеса, rus. Одесса, rus. Odessa

Odessa ist eine Metropole in der südwestlichen Ukraine und hatte 2019 rund eine Million Einwohner. Sie liegt ca. 480 km südlich von Kiev, nahe der Grenze zur Republik Moldau und direkt am Schwarzen Meer. Odessa ist die wichtigste Hafenstadt der Ukraine.

Aufgrund des Krieges in der Ukraine ist es möglich, dass diese Informationen nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen.

Minsk
rus. Minsk, rus. Минск, bel. Мінск

Minsk ist heute die Hauptstadt der Republik Belarus. Seine Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1067.
Im Laufe der Jahrhunderte gehörte Minsk zum Fürstentum Polock, den Großfürstentümern Kiew und Litauen, zum vereinigten Polen-Litauen, dem Russländischen Reich, der Weißrussischen Volksrepublik (kurzzeitig Litauisch-Weißrussische SSR), zu der zu Sowjetunion gehörigen Belorussischen Sozialistischen Sowjetrepublik und schließlich zu Belarus. Die multikulturelle Stadt, in der neben Juden, Polen, Russen und Belarusen zu jeder Zeit auch weitere Minderheiten lebten, litt immer wieder unter durchziehenden Armeen und Kriegsfolgen, etwa im Russisch-Polnischen Krieg (1654–1667), im Großen Nordischen Krieg (1700–1721), unter Napoleon und im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Unter deutscher Besatzung wurde in Minsk 1941 das größte Ghetto in der besetzten Volksrepublik eingerichtet. In der Nähe der Stadt befand sich das Vernichtungslager Maly Trostinez. Zugleich waren die umliegenden Wälder ein Zentrum des Widerstands. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Stadt im sozialistischen Stil wiederaufgebaut und dabei auch Wohnraum für eine aufgrund von Industrialisierung und Urbanisierung rasant ansteigende Bevölkerung geschaffen.

Tallinn
deu. Reval

Tallinn (bis 1918 Reval) ist die Hauptstadt Estlands. Sie liegt im Kreis Harju, direkt an der Ostsee und wird von ca. 434.000 Menschen bewohnt.

 und 
Rīga
deu. Riga, lat. Riga, lit. Ryga, dan. Riga, swe. Riga, yid. rygʿ, yid. ryga, yid. ריגע, pol. Ryga, rus. Riga, rus. Рига, est. Riia

Riga ist die Hauptstadt Lettlands (Bevölkerungszahl 2025: 588.911) und zugleich die mit Abstand größte Stadt des Landes. Sie liegt im Südwesten der historischen Landschaft Livland nahe der Mündung des Flusses Düna (lett. Daugava) in den Rigaischen Meerbusen. Riga war eine bedeutende Handels- und Hansestadt mit einer über Jahrhunderte hinweg einer multiethnischen, doch größtenteils deutschsprachigen Bevölkerung, deren politische Oberherrschaft wiederholt wechselte. Waren es bis zum Ende des Mittelalters vor allem geistliche Herrscher (Erzbistum Riga, Deutscher Orden), die Stadt und Umland für sich beanspruchten, kam die Stadt nach kurzer polnisch-litauischer Herrschaft 1621 zu Schweden. Bereits ein Jahrhundert später wurde Riga Teil des Russländischen Reiches und hier zur Hauptstadt des Ostseegouvernements Livland.

1918 wurde Riga Hauptstadt eines unabhängigen lettischen Staates. Nach der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg 1941 wurde die jüdische Bevölkerung Rigas (8% der Gesamtbevölkerung) vor allem im Ghetto eingesperrt, in das auch zahlreiche jüdische Menschen aus dem damaligen Gebiet des Deutschen Reichs deportiert wurden. Noch im selben Jahr organisierte die Wehrmacht Massenerschießungen der jüdischen Bevölkerung auf dem Gebiet der heutigen Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die ethnische Struktur von Riga – die jüdische, deutsche und polnische Bevölkerung verschwand, und an ihre Stelle traten die russische, weißrussische und ukrainische Bevölkerungsgruppen. Die lettische Bevölkerung verlor ihre Mehrheit in der Stadt, und sank bis zum Zerfall der Sowjetunion auf fast ein Drittel. Inzwischen beträgt ihr Anteil 47% der Gesamtbevölkerung.

; Kurorte an der 
Krim
lat. Tauris, rus. Крым, rus. Krym, ukr. Крим, ukr. Krym, eng. Crimea

Die Krim ist eine Halbinsel, die das Schwarze Meer vom Asowschen Meer trennt. Sie wird von knapp 2,3 Millionen Menschen bewohnt. Hauptstadt ist Sevastopol. Die Insel wird zum Großteil von russischsprachigen Bevölkerungsgruppen bewohnt. Seit 2014 ist ihr Status völkerrechtlich umstritten.

 und 
Schwarzes Meer
eng. Black Sea

Das Schwarze Meer erstreckt sich zwischen Osteuropa, Kleinasien und dem Kaukasus. Da es im Norden nur über die Straße von Kertsch mit seinem flachen Nebenmeer, dem Asowschen Meer, sowie im Süden nur über den Bosporus mit dem Mittelmeer verbunden ist, hat es den Charakter eines Binnenmeers. Es erreicht eine Tiefe von bis 2.212 m und misst ca. 436.400 km² bzw. 474.000 km² mit dem Asowschen Meer. Seine größten Zuflüsse bilden Donau, Dnepr und Don.

 wie 
deu. Jalta, rus. Ялта, ukr. Jalta, rus. Jalta, ita. Kaulita, ita. Etalita, ita. Gaulita, und. جاليطة, und. Ǧaliṭah, und. Dschalita, eng. Yalta, crh. Yalta, ukr. Ялта, grc. Gialós, grc. Γιαλός

Jalta (Bevölkerungszahl 2024: 72.013) der populärste Kurort an der Schwarzmeerküste auf der Halbinsel Krim, die formell zur Ukraine gehört, doch 2014 von Russland besetzt wurde. Die Anfänge von Jalta reichen bis in die Antike zurück. Jalta wird mit der im 5. Jahrhundert v. u. Z. existierenden griechischen Kolonie Gialos in Verbindung gebracht. Im Mittelalter gehörte die Stadt zum Byzantinischen Reich. Im 14. Jahrhundert war sie genuesische Kolonie und im 15. Jahrhundert fiel sie an das Osmanische Reich. 1783 wurde Jalta von Russland erobert. Während der deutschen Besatzung (1941-1944) im Zweiten Weltkrieg wurde in der Stadt ein Ghetto für jüdische Bevölkerung errichtet. Von den ca. 4.500 Personen wurden die meisten am 18. April 1941 erschossen. Jalta ist bekannt für die hier vom 4. bis 11. Februar 1945 ausgetragene Konferenz, während der die Grundlagen der Weltneuordnung nach dem nahenden Ende des Zweiten Weltkriegs gelegt wurden. 1954 wurde die Stadt zusammen mit der Krim im Rahmen der Sowjetunion von der Russischen in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik übertragen.

Alušta
grc. Alouston, grc. Ἄλουστον, ita. Lusta, crh. Aluşta, rus. Алушта, rus. Alušta, ukr. Алушта, ukr. Aluschta, ukr. Alushta

Aluschta (Bevölkerungszahl 2024: 29.641) ist ein beliebter Kurort an der Schwarzmeerküste auf der Halbinsel Krim. Diese gehört zwar formell zur Ukraine, wurde jedoch 2014 von Russland besetzt. Die Anfänge von Aluschta reichen bis in die Antike zurück. Die ursprüngliche Siedlung wurde jedoch zerstört, und die heutige Stadt ist seit der genuesischen Herrschaft im 15. Jahrhundert bekannt. 1475 gehörte Aluschta zum Khanat der Krim. Während des Kriegs gegen das Osmanische Reich (1768-1774) wurde es von Russland erobert. Seit 1802 ist Aluschta eine Stadt. 1954 wurde sie zusammen mit der gesamten Halbinsel im Rahmen der Sowjetunion von der Russischen in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik übertragen.

Êvpatorìâ
ukr. Jewpatorija, ukr. Eupatoria, rus. Kozlov, rus. Козлов, crh. Кезлев, crh. Kezlev, rus. Evpatoriâ, rus. Евпатория, rus. Ewpatorija, ukr. Євпаторія, ukr. Yevpatoria, ukr. Yevpatoriia, ukr. Yevpatoriya

Eupatoria (Bevölkerungszahl 2024: 105.549) ist eine Hafenstadt an der Westküste der Halbinsel Krim, die formell zur Ukraine gehört, jedoch 2014 von Russland besetzt wurde. Die Anfänge von Eupatoria reichen bis in die Zeiten der griechischen Kolonisation in der Antike zurück. Im Mittelalter lag der Ort in der Einflusszone der Chasaren und später der Kiptschaken. Im 15. Jahrhundert fiel er an das Osmanische Reich, dem das Khanat der Krim tributpflichtig war. 1783 wurde die Stadt durch das Russländische Reich erobert, und 1784 wurde ihr Name von Kozlov in Eupatoria geändert. 1954 wurde die Stadt mit der Krim im Rahmen der Sowjetunion von der Russischen in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik übertragen. Seit den 1930er Jahren ist Eupatoria ein bedeutender Badeort, der sich insbesondere auf die Kindererholung spezialisiert hat.

Feodosìâ
ukr. Feodosiya, ukr. Feodosiia, rus. Феодосия, ukr. Feodossija, tur. Kefe, ita. Caffa, grc. Κάφφας, grc. Káffas, grc. Θεοδοσία, grc. Theodosía, crh. Kefe, rus. Feodosiâ, ukr. Feodosia, ukr. Teodosìâ, ukr. Теодосія, ukr. Феодосія, ukr. Theodosia, hye. ṫeodosia, hye. Թեոդոսիա

Feodossija (Bevölkerungszahl 2024: 64.493) ist eine Hafenstadt und ein beliebter Badeort an der Ostküste der Halbinsel Krim, die formell zur Ukraine gehört, doch 2014 von Russland besetzt wurde. Die Anfänge von Feodossija reichen bis in die griechische Kolonisationszeit in der Antike zurück. Mehrere Siedlungen im Bereich der heutigen Stadt wurden jedoch zerstört, zuletzt im Jahr 1308 die genuesische Kolonie Caffa. Diese wurde später an der heutigen Stelle wiederaufgebaut. Im Mittelalter lag der Ort in der Einflusszone der Goldenen Horde und später im Einflussbereich des Osmanischen Reichs, dem das Khanat der Krim tributpflichtig war. 1783 eroberte Russland die als Kefe bekannte Stadt und benannte sie 1804 in Anlehnung an die antike Kolonie in Feodossija um. 1954 wurde die Stadt mit der Krim im Rahmen der Sowjetunion von der Russischen in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik übertragen. Seit dem 11. Jahrhundert wanderte zunehmend armenische Bevölkerung auf die Krim ein. Diese stellte bis ins 18. Jahrhundert eine Mehrheit in Feodossija dar. Sie ging in der krimtatarischen Bevölkerung auf, die 1944 größtenteils deportiert wurde und sich erst seit 1989 wieder auf der Krim niederlassen kann. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg (1941–1944) wurden 1941 zwei Drittel der ca. 3.300 Juden in der Stadt ermordet.

kat. Sochumi, rus. Suhum, rus. Сухум, kat. soxumi, kat. სოხუმი, kat. sochumi, kat. Sukhumi, kat. Sokhumi

Sochumi (abchsisch: Aqwa; Bevölkerungszahl 2024: 65.083) ist die Hauptstadt von Abchasien, einer Region im Nordwesten von Georgien, die seit 1993 mit russischer Unterstützung de facto unabhängig ist. Die heutige Stadt entstand auf den Überbleibseln der römischen und später byzantinischen Festung Sebastopolis. Ab dem 8. Jahrhundert war sie als Tskhumi bekannt und gehörte zum Königreich Abchasien. Dies wiederum ging 1008 im Königreich von Georgien auf, von dem es sich gegen Ende des 15. Jahrhunderts wieder abspaltete. Im 11.–12. Jahrhundert war Sochumi die königliche Sommerresidenz. Die Stadt spielte eine zentrale Rolle im Sklavenhandel an der Schwarzmeerküste. 1570 fiel sie an das Osmanische Reich. 1810 eroberte Russland Sochumi zum ersten Mal. Es folgte eine Periode abwechselnder russischer und osmanischer Eroberungen. Erst im Russisch-Osmanischen Krieg (1877–1878) setzte sich Russland endgültig durch. Von 1918 bis 1921 gehörte die Stadt zur Demokratischen Republik Georgien, bis diese von der Roten Armee erobert wurde. Anschließend bildete die Abchasische SSR einen gleichberechtigten Teil der Transkaukasischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik, die 1931 zu einem autonomen Teil der Georgischen SSR herabgestuft wurde. In der Zeit der Sowjetunion entwickelte sich Sochumi zu einem lebhaften Badeort der gehobenen Klasse. Gegen Ende der Sowjetunion lag die Bevölkerungszahl der Stadt doppelt so hoch wie heute; sie sank jedoch zwischenzeitlich um zwei Drittel, vor allem aufgrund des Krieges gegen Georgien und anschließender ethnischer Konflikte.

tbilissi
eng. Tbilisi, kat. ტფილისი, kat. თბილისი, kat. tpilissi, deu. Tiflis, rus. Тифлис, rus. Тбилиси, rus. Tbilisi

Tiflis (Bevölkerungszahl 2025: 1.309.028) ist die Hauptstadt von Georgien. Sie liegt im Osten des Landes in einem Tal des Kaukasus-Gebirges. Die Stadt wurde wahrscheinlich im 4. Jahrhundert gegründet. Sie war Teil des Königreichs Iberien, das abwechselnd unter persischer und römischer Vorherrschaft stand. Später ging die Stadt erst in byzantinischen und ab 1068 in seldschukischen Besitz über. 1121 wurde sie zur Hauptstadt des Königreichs Georgien. Aufgrund ihrer Lage an einem Knotenpunkt mehrerer Handelswege zwischen Europa und Asien konnte die Stadt bald wirtschaftlich stark profitieren. In den 1220er Jahren wurde sie mehrmals von den Mongolen erobert und fiel 1235 endgültig an sie. Im 17. Jahrhundert gehörte Tiflis zum Osmanischen Reich, im 19. Jahrhundert folgten persische und 1799 russische Besatzungen. Ab 1850 wurde von Tiflis aus die gesamte Kaukasus-Region des Russländischen Reiches verwaltet. Die Stadt erlebte eine Renaissance als wichtige Handelsmetropole und profitierte dabei von ihren weiteren Funktionen als Verwaltungssitz und Verkehrsknotenpunkt. 1918-1921 war Tiflis Hauptstadt der Demokratischen Republik Georgien, bis diese von der Roten Armee erobert wurde.
Anschließend war Tiflis bis 1936 die Hauptstadt der Georgischen SSR und gleichzeitig der Transkaukasischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik. In den 1940er Jahren wurden mehrere Betriebe aus den von der deutschen Eroberung bedrohten Gebieten in die Stadt evakuiert, was ihr einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung bescherte. 1956 und 1989 wurden antisowjetische Demonstrationen in Tiflis blutig niedergeschlagen. Seit der Unabhängigkeit Georgiens im Jahr 1991 hat sich das Erscheinungsbild der Stadt deutlich modernisiert.

Batumi
rus. Batumi, kat. bat’umi, kat. ბათუმი, kat. batomi, kat. ბატონი, kat. bat’um, kat. ბათუმ, eng. Batumi, eng. Batoum, rus. Batum, rus. Батуми, rus. Батум

Batumi (population in 2025: 246,300) is a popular resort town in the Autonomous Republic of Adjara in northwestern Georgia. The city is located on the Black Sea coast. After the collapse of the medieval Kingdom of Georgia, the Ottoman Empire attempted to conquer Batumi, but did not succeed until 1614. During the Russo-Turkish War of 1877–1878, the city fell to Russia. Batumi developed into a center for oil refining. In 1918, it was briefly recaptured by the Ottoman Empire but was taken by the British later that same year. In 1920, the city was handed over to Georgia. Georgia was annexed by Soviet Russia in 1921, and Batumi became the capital of the Autonomous Republic of Adjara, which formally belonged to Georgia from 1991 to 2004 but was de facto independent of the central government.

; Städte entlang der historischen Seidenstraße wie 
Bakı
rus. Баку́, deu. Baku, eng. Baku, aze. باکی

Baku (Bevölkerungszahl 2024: 1.187.200; Großraum: 2.351.300) ist die Hauptstadt und zugleich bei Weitem größte Stadt Aserbaidschans. Sie liegt im Osten des Landes auf der Abşeron-Halbinsel an der Küste des Kaspischen Meers. Die Region ist seit der Antike für ihre Rohölvorkommen bekannt, die heute die Grundlage der aserbaidschanischen Wirtschaft bilden. Im 12. Jahrhundert war Baku die Hauptstadt des Staates Schirwan. Im 16. Jahrhundert wurde die Stadt erst vom Osmanischen Reich, dann von Persien beherrscht. Im 19. Jahrhundert fiel die Stadt nach mehreren Unterbrechungen im Jahr 1828 endgültig an Russland. Ab 1846 begann man in der Region mit der industriellen Rohölförderung. Ab 1918 war Baku die Hauptstadt der Aserbaidschanischen Demokratischen Republik, die 1920 von Sowjetrussland annektiert wurde. Im Vorfeld der aserbaidschanischen Unabhängigkeit (1991) kam es 1990 in Baku zu Unruhen, die in einer Besetzung durch die Sowjetarmee und antiarmenischen Pogromen gipfelten.

Samarqand
deu. Samarkand, eng. Samarkand, uzb. Samarķand, uzb. Samarkand, grc. Μαράκανδα, grc. Marákanda

Samarkand (Bevölkerungszahl 2025: 605.800) ist die Hauptstadt des gleichnamigen Verwaltungsbezirks (Viloyat) im Osten von Usbekistan. Der Gründungszeitpunkt von Samarkand ist nicht bekannt, doch existierte die Stadt wohl bereits im Jahr 329 v. u. Z., als Alexander der Große die Region eroberte. Bis zur arabischen Eroberung im Jahr 712 wechselte die Zugehörigkeit Samarkands zwischen verschiedenen griechischen Reichen und dem Reich der Kuschana. Im 8. Jahrhundert etablierte sich die Stadt als ein wichtiges Zentrum des Islams im Mittleren Osten. Im 9.-10. Jahrhundert stand Samarkand unter persischer Hoheit, anschließend beherrschten diverse türkische Völker die Region. 1220 wurde die Stadt von Dschingis Khan erobert und zerstört. 1369 wurde Samarkand zur Hauptstadt des Mongolischen Reiches unter Timur und ab 1500 Hauptstadt des Usbeken-Khanats, bis der Khan den Sitz nach Buchara verlegte. Das später als Emirat Buchara bekannte Land geriet 1868 in die russische Einflusssphäre. Ab 1924 war es direkt Teil der Sowjetunion und ab 1925 gehörte die Stadt zur Usbekischen SSR.

 und 
Buxoro
deu. Buchara, uzb. Buhoro, rus. Buhara, uzb. Бухоро, rus. Buchara, rus. Бухара, eng. Bukhara

Buchara (Bevölkerungszahl 2025: 279.100) ist die Hauptstadt des gleichnamigen Verwaltungsbezirks (Viloyat) im Süden von Usbekistan. Die Gründung von Buchara wird im 6. Jahrhundert v. u. Z. vermutet, als sich die Region in der Einflusssphäre des persischen Achämenidenreiches befand. Die Stadt entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden Fernhandelszentrum. Ein Zweig der Seidenstraße verlief durch Buchara. Ab dem 7. Jahrhundert sah sich die Stadt jedoch durch arabische Angriffe konfrontiert. Im 8. Jahrhundert eroberten die Araber teilweise Buchara und islamisierten die Bevölkerung. Im 9.–10. Jahrhundert stand Buchara wieder unter persischer Herrschaft, anschließend beherrschten diverse türkische Völker die Region. 1220 wurde die Stadt von Dschingis Khan erobert und zerstört. Im selben Jahrhundert fielen weitere Truppen in Buchara ein, wobei die Bevölkerung starken Repressionen und offenem Terror ausgesetzt war. Mit der Entstehung des Usbeken-Khanats im Jahr 1428 gelangten neue Herrscher in der Region an die Macht. 1506 entstand das Khanat (später Emirat) Buchara, das 1868 in die russische Einflusssphäre gelangte. Ab 1924 war Buchara direkt Teil der Sowjetunion und gehörte ab 1925 zur Usbekischen SSR.

; Kurorte im Süden Russlands wie 
rus. Sochi, rus. Soči, rus. Сочи, rus. Sotschi, hye. Սոչի, hye. Soċi

Sotschi (Bevölkerungszahl 2024: 445.139) ist eine Hafenstadt und ein beliebter Badeort an der Ostküste des Schwarzen Meers im Süden von Russland. Die Grundlage der heutigen Stadt stellte die 1838 errichtete Festung Fort Aleksandiâ. Die erste Siedlung - Dahsovkij Posad - entstand 1874, 1896 wurde die Festung Sotschi erbaut. Während der Revolution 1905-1907 wurde die kurzlebige Republik Sotschi ausgerufen (1905-1906), und im Bürgerkrieg nach der Oktoberrevolution besetzte Georgien den Ort kurzzeitig (1918-1919). Etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die Entwicklung Sotschis zum Kurort, die 1916 zur Verleihung der Stadtrechte führte. Nach und nach entstanden diverse Bade- und Heilanstalten in der Stadt und ihrer Umgebung. Auch zahlreiche Prominente ließen in Sotschi ihre Residenzen errichten. Mehrere Sportwettbewerbe wurden und werden in der Stadt ausgetragen, wie die Olympischen Winterspiele 2014.

 und 
rus. Пятигорск, rus. Pâtigorsk, rus. Pyatigorsk, rus. Pjatigorsk

Pjatigorsk (Bevölkerungszahl 2024: 142.895) ist eine Stadt in der Verwaltungsregion Stavropol im Süden von Russland. Seit 2010 ist Pjatigorsk der Hauptsitz des Föderalbezirks Nordkaukasus. Die Stadt wurde 1830 als Kurort gegründet. Im Zweiten Weltkrieg wurde Pjatigorsk 1942-1943 von der deutschen Wehrmacht besetzt.

; russische Industriezentren auf der Route der Transsibirischen Eisenbahn und im Wolgagebiet, zum Beispiel 
Wolgograd
eng. Tsaritsyn, eng. Stalingrad, eng. Volgograd, rus. Царицын, rus. Сталинград, rus. Волгоград, rus. Zarizyn, rus. Stalingrad

Die Stadt an der Wolga hieß bis 1925 Zarizyn, dann bis 1961 Stalingrad. International bekannt ist sie durch die Schlacht von Stalingrad im 2. Weltkrieg, bei der im Winter 1942/43 die Wehrmacht und ihre Verbündeten von der Roten Armee vernichtend geschlagen wurden, und die als psychologischer Wendepunkt im Kriegsgeschehen gilt. Im Rahmen der Entstalinisierung wurde die Stadt 1961 in Wolgograd umbenannt.

 und 
Kazanʹ
rus. Kazan, rus. Kasan, rus. Каза́нь, und. Казан, und. Kazan

Kasan (Bevölkerungszahl 2024: 1.329.825) ist die größte Stadt an der Wolga. Die Stadt liegt in der russischen Republik Tatarstan. Als Hauptstadt der Republik und eine der größten Städte Russlands ist sie auch einer der wichtigsten Industriestandorte Russlands. Die Stadt zeichnet sich durch einen hohen Anteil tatarischer und muslimischer Bevölkerung aus.

; sowie Erholungsorte im 
Baltikum
eng. Baltics, lat. Balticum, deu. Baltische Staaten, deu. Baltische Provinzen

Das Baltikum ist eine Region im Nordosten Europas und setzt sich aus den drei Staaten Estland, Lettland und Litauen zusammen. Das Baltikum wird von knapp 6 Millionen Menschen bewohnt.

 – besonders beliebt waren der 
Rīga
deu. Riga, lat. Riga, lit. Ryga, dan. Riga, swe. Riga, yid. rygʿ, yid. ryga, yid. ריגע, pol. Ryga, rus. Riga, rus. Рига, est. Riia

Riga ist die Hauptstadt Lettlands (Bevölkerungszahl 2025: 588.911) und zugleich die mit Abstand größte Stadt des Landes. Sie liegt im Südwesten der historischen Landschaft Livland nahe der Mündung des Flusses Düna (lett. Daugava) in den Rigaischen Meerbusen. Riga war eine bedeutende Handels- und Hansestadt mit einer über Jahrhunderte hinweg einer multiethnischen, doch größtenteils deutschsprachigen Bevölkerung, deren politische Oberherrschaft wiederholt wechselte. Waren es bis zum Ende des Mittelalters vor allem geistliche Herrscher (Erzbistum Riga, Deutscher Orden), die Stadt und Umland für sich beanspruchten, kam die Stadt nach kurzer polnisch-litauischer Herrschaft 1621 zu Schweden. Bereits ein Jahrhundert später wurde Riga Teil des Russländischen Reiches und hier zur Hauptstadt des Ostseegouvernements Livland.

1918 wurde Riga Hauptstadt eines unabhängigen lettischen Staates. Nach der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg 1941 wurde die jüdische Bevölkerung Rigas (8% der Gesamtbevölkerung) vor allem im Ghetto eingesperrt, in das auch zahlreiche jüdische Menschen aus dem damaligen Gebiet des Deutschen Reichs deportiert wurden. Noch im selben Jahr organisierte die Wehrmacht Massenerschießungen der jüdischen Bevölkerung auf dem Gebiet der heutigen Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die ethnische Struktur von Riga – die jüdische, deutsche und polnische Bevölkerung verschwand, und an ihre Stelle traten die russische, weißrussische und ukrainische Bevölkerungsgruppen. Die lettische Bevölkerung verlor ihre Mehrheit in der Stadt, und sank bis zum Zerfall der Sowjetunion auf fast ein Drittel. Inzwischen beträgt ihr Anteil 47% der Gesamtbevölkerung.

 Strand und 
Jūrmala
deu. Riga-Strand

Jūrmala ist ein Badeort an der Ostsee in Lettland. Die Stadt wird von 57.000 Menschen bewohnt und liegt nur 10 km von Riga, der Hauptstadt Lettlands, entfernt.

 in Lettland sowie 
Pärnu
deu. Pernau, rus. Pernov, rus. Пернов, rus. Pârnu, rus. Пярну, pol. Parnawa

Pärnu (Bevölkerungszahl 2025: 40.934) ist eine estnische Kreisstadt im Osten des Landes. Die Hafenstadt wurde 1241 durch den Livländischen Orden gegründet. Sie war Mitglied der Hanse. 1560-1617 gehörte Pärnu mit kurzen Unterbrechungen unter schwedischer und russischer Besatzung zu Polen. Die rechtliche Anerkennung der schwedischen Annexion erfolgte erst 1660. 1721 wurde Pärnu von Russland erobert. In der Stadt wurde am 23. Februar 1918 die Unabhängigkeitserklärung der Republik Estland ausgerufen, die nach der Zeit der sowjetischen (1939-41/1944-1991) und deutschen (1941-1944) Besatzung wieder die Eigenstaatlichkeit erlangte. Pärnu ist seit dem 19. Jahrhundert ein bedeutender Ostseekurort.

 in Estland.6 Intourist präsentierte dabei ein breites Spektrum an Erlebnisformaten: Kultur- bzw. Städtereisen, Strandurlaub, Eventbesuche (u. a. Ausstellungen) und Sporttourismus (darunter Jagd).
Die beworbenen Orte fungierten als inszenierte Räume, in denen eine gewollte Verbindung von nationaler Identität und international anschlussfähigem Sozialismus sichtbar gemacht wurde, etwa indem historische Bauwerke, folkloristische Elemente und moderner Infrastruktur auf den Werbeplakaten nebeneinander abgebildet wurden. Typische Programmpunkte waren Besichtigungen von historischen Bauten, wirtschaftlichen und kulturellen Einrichtungen, Naturschauplätzen oder Theatern, daneben wurde die geografische und ethnokulturelle Vielfalt der Sowjetunion – von den baltischen Küsten bis zu den Regionen Zentralasiens und des Kaukasus – hervorgehoben.

Marketing zwischen Kontrolle, Attraktivität und Defizit

Viele Begegnungen und Bewegungen der ausländischen Gäste wurden kontrolliert und reglementiert.7 Dabei kollidierten bis in die 1960er Jahre die Vermarktungsformate mit infrastrukturellen Problemen wie fehlenden Hotelplätzen außerhalb der Großstädte, Versorgungspässen und organisatorischen Defiziten. Eine systematische Zielgruppenanalyse nach westlichem Vorbild spielte bei Intourist nur eine begrenzte Rolle. Dennoch versuchte man seit den 1960er Jahren, einzelne Wünsche ausländischer Gäste stärker zu berücksichtigen – etwa durch die Eröffnung von Bars, die Organisation von Unterhaltungsangeboten und verbesserte Hotelservices. Gleichzeitig herrschte jedoch Mangel an professionell geschultem Personal und Schwierigkeiten beim Währungsumtausch. Das Selbstverständnis der Sowjetunion als moralisch überlegene Alternative zum kapitalistischen Westen führte jedoch dazu, dass Defizite lange ignoriert wurden. Das „Verkaufen“ des Sozialismus8 blieb eine Herausforderung, die gerade im Tourismus deutlich wurde.

Medien

Nicht übergangen wurde hingegen die Bedeutung medialer Präsenz durch Werbeprospekte, Plakate, Postkarten, Magazine, Reiseführer und Broschüren in mehreren Sprachen (u. a. Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch), Landkarten und Gepäcketiketten. Diese vor allem von Intourist herausgegebenen Medien vermittelten erste Eindrücke von der Sowjetunion im Ausland. Titel wie „Welcome to the USSR“, „Besuchen Sie die UdSSR“, „Seeing the Soviet Union“, „Winterreisen in die Sowjetunion“, „Maggio nell’ URSS“ („Mai in der UdSSR“) warben in ungezwungener Tonlage sowie mit malerischen Abbildungen etwa von historischen Orten, Kultur- und Industriebauten, berühmten Persönlichkeiten und globalen Ereignissen, beispielsweise im Zusammenhang mit der sowjetischen Raumfahrt. Sie versprachen einen spannenden Aufenthalt in einem vielfältigen Riesenreich.
Auch handwerkliche Souvenirs dienten als Werbeträger: Traditionelle russische Matrjoschkas (Matrëški = Schachtelpuppen), zentralasiatische Tjubetejki (Kopfbedeckung in runder Form), farbenfrohe Tücher und Pelzmützen spiegelten die kulturelle Vielfalt der Sowjetunion wider. Gleichzeitig symbolisierten Produkte wie sowjetische Armbanduhren oder Bücher wirtschaftliche und kulturelle Errungenschaften. Gäste konnten diese Souvenirs problemlos in Hotelläden und den seit 1961 bestehenden Valuta-Geschäften „Berezka“ („Birke“) erwerben,9 die auch Importwaren wie Kleidung, Kosmetik, Tabakwaren und Alkohol führten. Das Sortiment wurde vom Handelsministerium der jeweiligen Sowjetrepubliken festgelegt.10 Für viele Besucher gehörte gerade diese Mischung aus offizieller Inszenierung und improvisiertem Alltag zu den prägendsten Eindrücken der Reise. Manchmal verkauften Reiseleiter den Gästen auch unter der Hand gastronomische Luxuswaren wie Kaviar, Alkohol oder Zigaretten zum halben Preis oder tauschten sie gegen westliche Produkte wie Jeans.11
Doch, wie Salmon feststellt: „Sozialismus zu ‚kaufen‘, bedeutete mehr, als nur Fabriken zu besichtigen oder sich für eine zentralasiatische Kappe zu begeistern – es bedeutete auch, die Gelegenheit zu erhalten, eine Geschichte darüber zu erzählen, wie man Zugang zu einer ansonsten verschlossenen Welt erhielt“.12

Neugier, Vorsicht, Bewunderung und Erschöpfung

Trotz der sorgfältig inszenierten medialen und materiellen Vermarktung blieb der Erfolg sowjetischer Tourismusstrategien abhängig von der tatsächlichen Erfahrung der Gäste, für die die Differenz zwischen propagiertem Image und erlebter Realität oft spürbar war.
Zwischen den 1960er und 1980er Jahren lassen sich unterschiedliche Reiseanlässe identifizieren: Arbeitsaufenthalte, Delegationsreisen, Kuraufenthalte, Studien- und Kulturreisen sowie private Besuche. Daneben entstanden subkulturelle Formen wie „Rucksackreisen“ vor allem unter ostdeutschen Tourist:innen, die sich teilweise außerhalb der offiziell vorgesehenen Intourist-Routen bewegten oder private Kontakte nutzten. Entsprechend heterogen sind die erhaltenen Reiseberichte: Sie spiegeln nicht nur individuelle Erfahrungen wider, sondern auch mentale Voreinstellungen in Bezug auf soziale Verhältnisse, Lebensstandard, Konsum, Kommunikation und Service. Diese Voreinstellungen waren unter anderem durch politische und religiöse Überzeugungen oder auch durch familiäre Bindungen geprägt. Sie reichten von Sympathie für das sozialistische Gesellschaftmodell bis hin zu Misstrauen gegenüber dem anderen politischen System. Nur wenige Tourist:innen verfügten über sprachliche oder interkulturelle Vorkenntnisse. Informationen über das Terrain hinter dem Eisernen Vorhang bezogen sie meist aus Periodika, literarischen Werken, Fotoreportagen, Leseabenden oder Gesprächen mit früheren Reisenden.
Es lassen sich vier Grundmuster der Wahrnehmung ausmachen: Neben der beschriebenen Neugier und Vorsicht waren das Bewunderung für kulturelle Leistungen (z. B. Ballett), Landschaften und urbane Monumentalität sowie Erschöpfung angesichts logistischer Probleme oder infrastruktureller Defizite auf den Routen. Insbesondere bei westlichen Reisenden überwog häufig ein kritisch-distanziertes Bild,13 das als Fortsetzung traditioneller Fremdwahrnehmung Russlands und der Sowjetunion gelesen werden kann, verstärkt durch das politische Klima des Kalten Krieges. Die Voreinstellungen beeinflussten die Wahrnehmung vor Ort deutlich und ließen Marketingbotschaften nur begrenzt wirksam werden.
Veränderungen in der Wahrnehmung sowjetischer Realitäten – etwa im Bereich Infrastruktur oder Alltagsleben – ergaben sich oft erst im direkten Kontakt. Manche Reisende berichteten, dass sich stereotype Vorstellungen von einem ausschließlich repressiven und verschlossenen Alltag vor Ort teilweise relativierten bzw. revidierten. So wurden Reisen nicht nur zu physischen, sondern auch zu mentalen Grenzüberschreitungen, zu einer Begegnung mit dem „Anderen“, oft oszillierend zwischen Faszination und Fremdheit.
Die Art des Reisens hatte ebenfalls Einfluss: Pkw-Reisende empfanden ihre Touren oft als beschwerlich, vor allem aufgrund der schlechten Infrastruktur (vor allem wegen unzureichender Sanitäranlagen und Versorgungsproblemen) abseits urbaner Zentren. Gleichwohl wurden bestimmte Regionen wie die Krim – etwa in Berichten aus den späten 1970er Jahren – positiv hervorgehoben, insbesondere wegen Landschaft, Klima und Gastronomie.14 Ebenso positiv äußerten sich amerikanische Studierende, die 1984 die 
Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik

Die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik wurde 1919 in Charkiw als Marionettenstaat von Sowjetrussland gegründet. Sie existierte zunächst auf einem kleinen Gebiet in Konkurrenz zu anderen ukrainischen Staatlichkeiten. 1922 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Sowjetunion. 1934 wurde die Hauptstadt der Ukrainischen SSR nach Kiew verlegt. Kurz nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 besetzten sowjetische Truppen polnische Gebiete östlich des Flusses Bug und schlossen die Gebiete mit einem hohen Anteil ukrainischer Bevölkerung der Ukrainischen SSR an.

Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik
eng. Moldavian Soviet Socialist Republic

Die Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik wurde 1940 aus der Moldauischen Autonomen Sowjetrepublik innerhalb der Ukrainischen SSR gegründet. Mit der Ausrufung der Unabhängigkeit Moldaus am 27. August 1991 hörte sie auf zu existieren. Ihre Hauptstadt war Chișinău und die Amtssprache war Moldauisch, das nur eine geringfügige Abwandlung des Rumänischen darstellt.

 und 
Belarussische Sozialistische Sowjetrepublik
 bereisten. Sie lobten die Hilfsbereitschaft und Offenheit der Bevölkerung.15 
Die Qualität touristischer Eindrücke war somit weniger Ergebnis staatlicher Werbung als vielmehr der direkten Erfahrung vor Ort. Dennoch wirkte das sowjetische Marketing, indem es ein begleitendes Narrativ schuf, das sich in Souveniren, Programmauswahl und Inszenierung von Infrastruktur zeigte und das bestimmte Wahrnehmungen lenken oder bestätigen konnte.

Resümee

Der sowjetische Ausländertourismus war weit mehr als Freizeitorganisation. Er verband wirtschaftliche Interessen, kulturelle Diplomatie und politische Selbstdarstellung. Reiseführer, Plakate und Souvenirs und organsierte Routen präsentierten die Sowjetunion als modernes, vielfältiges und gastfreundliches Land. Wie aus zahlreichen Reiseberichten hervorgeht, blieb die Wirkung dieser Inszenierungen mancherorts jedoch begrenzt. Gerade die Spannung zwischen propagierter Modernität und erlebtem Alltag macht den sowjetischen Tourismus kulturhistorisch heute besonders aufschlussreich, weil sie zeigt, wie Bilder der Sowjetunion nicht nur staatlich erzeugt, sondern von den Reisenden selbst bestätigt, hinterfragt oder neu interpretiert wurden. Viele Reisende erinnerten sich jedoch auch positiv an Landschaften, Kulturangebote und persönliche Begegnungen.

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