Mit dem Rennrad in die Vergangenheit
Melancholischer Rückblick: „Die Reise geht noch weiter“.
Sankt Petersburg (Bevölkerungszahl 2024: 5.645.943, davon 4.732.198 in der Stadt im engeren Sinne) ist eine Metropole im Nordosten Russlands. Nach Moskau ist sie die zweitgrößte Stadt des Landes. Die Stadt wurde 1703 von Peter dem Großen an der Mündung der Newa in die Ostsee gegründet. Von 1712 bis 1918 war sie die Hauptstadt Russlands. Neben Moskau ist St. Petersburg der wichtigste Industrie-, Bildungs-, Kultur- und Handelsstandort sowie einer der wichtigsten Häfen Russlands. Von 1914 bis 1924 trug die Stadt den Namen Petrograd und von 1924 bis 1991 den Namen Leningrad.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944, also 871 Tage lang, von der deutschen Wehrmacht belagert. In der systematisch von jeglicher Versorgung abgeschnittenen Stadt starben über eine Million Zivilisten.
Moskau (Bevölkerungszahl 2024: 13.146.907) ist die Hauptstadt der Russischen Föderation und die bevölkerungsreichste vollständig in Europa gelegene Stadt. Sie liegt im Westen des Landes. Moskau ist zugleich die Hauptstadt des Föderationsbezirks Zentralrussland. Die Verwaltungseinheit "Stadt von föderaler Bedeutung Moskau" umfasst mit einer Bevölkerungszahl von 13.258.262 Personen einige weitere Orte. Die Stadt bildet das mit Abstand wichtigste politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes.
Moskau entstand etwa im 11./12. Jahrhundert. Die Entstehung der Wehranlage (Kreml) wird auf den Beginn der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert. Im 13. Jahrhundert wurde Moskau zur Hauptstadt eines Teilfürstentums des Großfürstentums Wladimir. Im 14. Jahrhundert setzten sich die Fürsten von Moskau als die Herrscher der gesamten Rus durch. Diese war jedoch 1247-1480 tributpflichtig gegenüber der Goldenen Horde, welche 1238 Moskau verwüstete. 1571 wurde die fast vollständig aus Holz bestehende Stadt von tatarischen Truppen niedergebrannt. Zu diesem Zeitpunkt war Moskau jedoch bereits das unumstrittene Machtzentrum Russlands. 1687 wurde in der Stadt die erste Hochschule, 1775 die erste Universität eröffnet. Peter der Große verlegte 1712 die Hauptstadt nach Sankt Petersburg. Neben dem Machtverlust geschwächt durch Unruhen und Seuchen blieb ihre Entwicklung hinter jener der neuen Hauptstadt zurück. Einen tiefen Einschnitt in die Entwicklung von Moskau brachte der Einmarsch der napoleonischen Truppen 1812, zu deren Abwehr die Stadtbevölkerung ihre Häuser in Brand steckte. Der rasch begonnene Wiederaufbau verlieh Moskau ein modernes Stadtbild.
Nach der Oktoberrevolution und dem erneuten Umzug der Hauptstadt nach Moskau 1918 erlebte die Stadt einen enormen Ausbau der öffentlichen Infrastruktur, auch zahlreiche Vorzeigebauten wurden bis zum Zweiten Weltkrieg errichtet. Der Zubau der Wohnflächen konnte jedoch nie dem Bevölkerungswachstum schritthalten. Dieses konnte auch durch diverse, teilweise bis heute geltende Zuzugseinschränkungen nicht gebremst werden. Allerdings wuchs die Stadt auch durch Eingemeindungen, insbesondere in den Jahren 1960 und 2012.
1980 wurden in Moskau die Olympischen Sommerspiele ausgetragen. In den Folgejahren erfasste jedoch die zunehmende Krise in der Sowjetunion auch die Stadt, die nach den dezentralen Bewegungen in den Republiken und Unruhen in Russland selbst schließlich vom Putschversuch 1991 direkt betroffen war. Nach dem endgültigen Zerfall der Sowjetunion Ende 1991 blieb Moskau die Hauptstadt Russlands. Seitdem wird insbesondere das Stadtzentrum immer stärker von modernen, repräsentativen Bauten geprägt. Weitere Merkmale der Entwicklung der Stadt in der postsowjetischen Ära sind der Wiederaufbau der in der Sowjetzeit zerstörten oder umgewidmeten Kirchen, die Renovierung der Gebäude aus der vorsowjetischen Zeit im Stadtkern sowie der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur an den Rändern.
Medschybisch (Bevölkerungszahl 2021: 1.237) liegt in der westukrainischen Oblast Chmelnyzkyi. Schon kurz nach der Verleihung der Stadtrechte 1593 etablierte sich Medschybisch als eine der wichtigsten Handelsstädte im östlichen Teil von Polen-Litauen, wobei sie von der Lage nah der Grenzen zu Russland und dem Osmanischen Reich profitierte. Die geografische Nähe zog allerdings auch zahlreiche Konflikte mit sich, die in einer Phase osmanischer Herrschaft gipfelten. 1772 wurde Medschybisch in der ersten Teilung Polens von Russland annektiert.
Von seiner multikulturellen und -ethnischen Bevölkerung (Polen, Juden, Ukrainern, Armeniern, Griechen, Deutschen, Tataren) waren es vor allem die Chassiden, die den Ort nachhaltig prägten. Der Begründer dieser mystischen Strömung im Judaismus Israel ben Elieser und einige seiner Schüler sowie später Rabbi Nachman von Brazlaw wirkten hier.
Der sich bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts abzeichnende Niedergang führte schließlich nach 1924 zur Degradierung des Orts zu einer Siedlung städtischen Typs.
Die Ukraine ist ein Staat im östlichen Europa. Kiew ist die Hauptstadt und zugleich größte Stadt des seit 1991 unabhängigen Landes. Seit 2022 wehrt sich das Land gegen einen umfassenden russischen Überfall, der sich insbesondere auch gegen die Zivilbevölkerung und die kritische Infrastruktur des Landes richtet und Teil eines bereits seit 2014 laufenden, von der Russischen Föderation ausgehenden Krieges gegen die Ukraine ist, die 2014 mit der Annexion der ukrainischen Krim ihren Ausgang nahm.
Vielfache Aufbrüche in der Sowjetunion: „Von Reisen zu Expeditionen“
Belarus (auch Weißrussland; Bevölkerungszahl 2024: 9.109.280, Fläche 207.595 km²) ist ein Staat in Osteuropa, der bis 1991 zur Sowjetunion gehörte. Seine Hauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt ist Minsk. Belarus grenzt an die Ukraine, Polen, Litauen, Lettland und Russland.
In der weißrussischen Geschichtsschreibung wird das Land im Zusammenhang mit der Entwicklung ostslawischer Fürstentümer, insbesondere Polozk, betrachtet. Ab dem 13./14. Jahrhundert gehörten die Gebiete des heutigen Belarus zum Großfürstentum Litauen. Die damalige Amtssprache (Ruthenisch) betont die Bedeutung der ostslawischen Oberschicht im Großfürstentum. Ab dem 16/17. Jh. wird das frühere Gebiet des Fürstentums Polozk als Weiße Rus‘ bekannt. Ende des 18. Jh.s wurden die belarussischen Gebiete von Russland annektiert. Erst ab 1918 kann man von einer beginnenden belarussischen Staatlichkeit sprechen, als auf dem von Deutschland im Ersten Weltkrieg besetzten Gebiet kurzzeitig die Weißrussische Volksrepublik ausgerufen wurde. Diese wurde 1919 von der in Russland gegründeten Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik ersetzt. Nach mehreren Umstrukturierungen wurde diese 1922 Gründungsmitglied der UdSSR. Seit Ende 1991 ist Belarus unabhängig. Die anfänglich eingeführte Demokratie wurde jedoch bereits 1994 durch eine Autokratie ersetzt, die zunehmend von Russland abhängig ist.
Der bis ins Revolutionsjahr 1917 bestehende jüdische Ansiedlungsrayon wurde Ende des 18. Jahrhunderts im Zuge der drei Teilungen Polens (1772–1795) gegründet. Später wurde er um weitere von Russland eroberte Gebiete mit einem hohen Anteil jüdischer Bevölkerung im Südwesten erweitert. Er umfasste die Gebiete der heutigen Staaten Litauen, Belarus, Moldau sowie einen Großteil der Ukraine und Polens sowie zeitweise kleinere Teile Lettlands und der Russischen Föderation. Wie bereits vor der Einnahme dieser Gebiete, war es Jüdinnen und Juden bis auf wenige Ausnahmen verboten, sich im (alten) Russländischen Reich anzusiedeln. Die formelle Grundlage für den Ansiedlungsrayon wurde zwischen 1791 und 1804 geschaffen; der Name selbst wurde erst 1835 eingeführt.
Religiöse Sinnsuche: Orte des Chassidismus in sowjetischer Gestalt
Wizebsk (Bevölkerungszahl 2025: 357.899) ist eine Stadt im Norden Weißrusslands, unweit der Grenze zu Russland. Sie zählt zu den ältesten Städten des Landes. Wizebsk wurde im 10. Jahrhundert an der Düna gegründet. Im 13. und 14. Jahrhundert war die Stadt Sitz des gleichnamigen Fürstentums, welches anschließend von Litauen annektiert wurde. Mit der Ersten Teilung Polens gelangte Wizebsk an Russland. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Industrie- und Kulturstandort. Über die Hälfte seiner Einwohnerschaft war jüdisch. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurde die jüdische Bevölkerung der Stadt und ihre Kultur vernichtet. Während der Wiedereroberungskämpfe wurde die Stadt zum großen Teil zerstört. Seit 1991 ist Wizebsk eine der wichtigsten Städte des unabhängigen Belarus.
Am Anfang der Reisen in die Ukraine stand außerdem ein Buch aus der Feder des aus
Rumänien (Bevölkerungszahl 2024: 19.043.151) ist ein Land in Südosteuropa mit einer Fläche von 238,397 km². Die Hauptstadt des Landes ist Bukarest. Der Staat liegt direkt am Schwarzen Meer, den Karpaten und grenzt an Bulgarien, Serbien, Ungarn, die Ukraine und Moldau. Rumänien entstand 1859 aus dem Zusammenschluss der Moldau und der Walachei. In Rumänien liegt das für die dortige deutsche Minderheit zentrale Gebiet Siebenbürgen.
Ich nahm den Weltatlas, fand Medschibosch, obwohl ich überzeugt war, dass es in Polen liegen würde. Ich nahm das Fahrrad, fuhr im Zug [in die Ukraine] nach Chmelnizki, setzte mich dort auf das Fahrrad und kam nach Medschibosch. Natürlich hat mich erschüttert, was ich dort […] sehen konnte. Dort waren noch Juden. Alles war dort ganz anders.4
Die Sowjetunion (SU oder UdSSR) war ein von 1922 bis 1991 bestehender Staat in Osteuropa, Zentral- und Nordasien. Sie ist aus dem sog. Sowjetrussland hervorgegangen, dem Nachfolgestaat des Russländischen Kaiserreichs. Den Kern der Union und zugleich ihren größten Teil bildete die Russische Sowjetrepublik, hinzu kamen weitere Teilrepubliken. Ihre Zahl variiert über die Zeit hinweg und steht im Zusammenhang mit der Besatzung anderer Länder (Estland, Lettland, Litauen), nur kurzzeitig bestehenden Sowjetrepubliken (Karelo-Finnland) oder mit der Teilung bzw. Zusammenlegung von Sowjetrepubliken. Zusätzlich gab es zahlreiche autonome Republiken oder sonstige Gebietseinheiten mit einem Autonomiestatus, der sich im Wesentlichen auf eine sprachliche Autonomie der Minderheiten beschränkte.
Die UdSSR bestand vor ihrer formellen Auflösung aus 15 Sowjetrepubliken mit einer Bevölkerung von ungefähr 290 Millionen Menschen. Mit ca. 22,4 Millionen km² bildete sie den damals größten Flächenstaat der Welt. Die Sowjetunion war eine sozialistische Räterepublik mit einem Einparteiensystem und einer fehlenden Gewaltenteilung.
Rückblickend bedauerte er dies, doch auf der Fahrt selbst hatte er befürchtet, dass das Fotografieren die Eindrücke der Reisenden „verdunkeln“ und ihr Bemühen beeinträchtigen würde, „ihre eigene Verbindung mit der Geschichte wiederherzustellen“ und „zu fühlen, zu sehen, irgendwie etwas Wichtiges für sich selbst zu erfahren“.6
Waloschyn (Bevölkerungszahl 2025: 10.064) ist eine Kleinstadt im belarussischen Gebiet Mínsk. Im 15. Jahrhudenrt befand sich der Ort im Großherzogtum Litauen. Nach der dritten Teilung Polen-Litauens 1795 fiel Waloschyn an Russland und entwickelte sich zu einem Schtetl mit großer jüdischer Gemeinde. 1919 wurde es von polnischen Truppen erobert, 1939 von der Sowjetunion annektiert. Seitdem gehört die Stadt zu Belarus, das seit 1991 unabhängig ist. Während der deutschen Besatzung 1941-1944 wurde die jüdische Bevölkerung von Waloschyn fast vollständig umgebracht.

































![Tourist:innen drängen sich auf den Spreewaldkähnen im Hafen von Burg/Bórkowy. Abbildung aus: Der Spreewald und seine Sommerfrischen. Cottbus [1929], S. 57, Reproduktion](/sites/default/files/styles/teaser_p/public/externals/75820f253d535b33ce144ce5bdeac6ec.jpg?itok=uYZOSTAe)