Mit der „Ulmer Schachtel“ durch den Eisernen Vorhang

Die Fahrt der Ulmer Donaufreunde im Juni 1961
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Im Jahr 1961 fuhren 21 Mitglieder der Gesellschaft der Donaufreunde Ulm auf der Donau von Wien nach Budapest – und überquerten dabei die Grenze zum kommunistischen Europa.
Die 
Donau
eng. Danube, slk. Dunaj, hun. Duna, hrv. Dunav, bul. Дунав, ron. Dunărea, srp. Дунав, ukr. Дунай, ukr. Dunaj, srp. Dunav, bul. Dunav

Die Donau beginnt am Zusammenfluss von Breg und Brigach, deren Quellen beide im mittleren Schwarzwald liegen. Sie ist 2857 km lang und fließt heute durch die Länder Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Republik Moldau und Ukraine. Vor ihrer Mündung ins Schwarze Meer fächert sie sich zum Donaudelta auf, das heute ein ökologisches Schutzgebiet ist.

 verbindet seit jeher 
Ulm

Ulm ist eine Großstadt im Osten des deutschen Bundeslandes Baden-Württemberg, an der Grenze zu Bayern. Die Universitätsstadt liegt an der Donau am Rand der Schwäbischen Alb und hat rund 126.000 Einwohner. Sie wurde bereits 854 erstmals urkundlich erwähnt. Am Lauf der Donau ist sie die erste Großstadt.

 mit dem östlichen Europa. Seit dem Mittelalter war die Stadt ein wichtiger Ausgangspunkt für Fahrten die Donau abwärts. Anfangs legten hier Flöße ab, ab 1570 auch Schiffe. Darunter befanden sich die „Ulmer Schachteln“, leichte Holzbauschiffe, die am Ende der Fahrt demontiert und weiter verwertet wurden. Sie transportierten Waren zu entfernten Handelspartnern und Soldaten in Kriegsgebiete.1 Um diesem großen Beförderungsbedarf gerecht zu werden, fuhren spätestens ab 1712 regelmäßig Schachteln von Ulm nach 
Wien
eng. Vienna

Wien (Bevölkerungszahl 2025: 2.040.914) ist die Bundeshauptstadt und das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Österreichs. Im Stadtgebiet konzentriert sich mehr als ein Fünftel der Bevölkerung des Landes, im Großraum Wien sogar ein Drittel. Historisch bedeutend ist Wien insbesondere als Hauptstadt und mit Abstand wichtigste Residenzstadt der ehemaligen Habsburgermonarchie. Heute ist Wien Hauptsitz wichtiger internationaler Organisationen.

Historische Orte
Österreich
  (
eng. Federal State of Austria, eng. Austria, deu. Österreich, deu. Bundesstaat Österreich
)
Österreich
  (
eng. Republic of Austria, eng. Austria, deu. Österreich, deu. Republic of German-Austria, deu. Republik Deutschösterreich, deu. Deutschösterreich, deu. Deutsch-Österreich
)
. Auch viele der schätzungsweise 400.000  Donauschwaben
Donauschwaben
auch:
Ungarländische Deutsche, Donaudeutsche
Vor 300 Jahren wandern tausende Menschen aus verschiedenen deutschen Regionen nach Südosteuropa aus. Heute werden diese Auswanderer und ihre Nachfahren Donauschwaben genannt. Ihre Geschichte handelt von Aufbruch und Begegnung, von Kulturaustausch und friedlichem Zusammenleben, aber auch von Krieg, Vertreibung und Deportation.
 wanderten im 18. Jahrhundert auf diesem Weg in das 
Königreich Ungarn
eng. Kingdom of Hungary, hun. Magyar Királyság, lat. Regnum Hungariae, slv. Kraljevina Ogrska, hrv. Kraljevina Ugarska, slk. Uhorské kráľovstvo, ron. Regatul Ungariei, pol. Królestwo Węgier, srp. Краљевина Угарска, srp. Kraljevina Ugarska

Das Königreich Ungarn (Magyar Királyság) bestand in wechselnden Grenzen seit dem Jahr 1000 und fiel bereits in der Frühen Neuzeit an die Habsburgermonarchie, in der es später das wichtigste der sog. Länder der ungarischen Krone wurde (auch Länder der Heiligen Ungarischen Stephanskrone bzw., nach 1867, auch als ungarische Reichshälfte bezeichnet). Im Gegensatz zu anderen Territorien der Habsburger - wie den Ländern der böhmischen Krone oder dem Erzherzogtum Österreich selbst - gehörte das Königreich Ungarn nie zum Heiligen Römischen Reich.

 aus.2 1897 wurde der Schachtelverkehr eingestellt. Vorgängerinitiativen der 1961 gegründeten Gesellschaft der Donaufreunde Ulm Gesellschaft der Donaufreunde Ulm Die 1961 gegründete „Gesellschaft der Donaufreunde Ulm e. V.“ lenkt bis heute Nachbauten historischer Ulmer Schachteln donauabwärts. Mittlerweile ein Symbol der Verbundenheit der Stadt Ulm mit Orten entlang der Donau, transportierte das Schiff auf Initiative verschiedener Vorgängervereinigungen im Verlauf des 20. Jahrhunderts unterschiedliche politische Botschaften. Ging es bei der ersten Fahrt des Fremdenverkehrsverein 1914 um die „Belebung der Donau“ und „Propaganda für Ulm“, fuhr eine Ulmer Schachtel 1938 unter der Leitung des „Verein der Donaufreunde Ulm-Neu-Ulm“ mit gehisster Hakenkreuzflagge nach Wien. hielten die Erinnerung an die Fahrten durch wiederkehrende Freundschaftsreisen bis Wien aufrecht.
Mit der Fahrt von Wien nach 
Budapest

Budapest (Bevölkerungszahl 2025: 1.676.000) ist die Hauptstadt und die größte Stadt Ungarns. Sie liegt im Landeszentrum, an der Donau. Budapest entstand aus dem Zusammenschluss der Städte Buda am linken und Pest am rechten Ufer der Donau. Pest war bereits ab dem Beginn des 11. Jahrhundert die Hauptstadt Ungarns und ab dem 13. Jahrhundert wechselte sich in dieser Funktion oft mit Buda ab. Als während der Revolution in Ungarn 1848 die beiden Städte als Pest-Buda zusammengeschlossen wurden, bildeten sie bereits einen Organismus. Nach der Wiederherstellung der Monarchie (ab 1526 im Rahmen der Habsburgermonarchie) wurde 1849 dieser Zusammenschluss allerdings aufgehoben, und erst 1873 wieder beschlossen. Damit löste die ungarische Bevölkerungsgruppe die deutsche als die Mehrheit in der Stadt ab. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie 1918 blieb Budapest die Hauptstadt von nun unabhängigem Ungarn. Nach dem Eintritt Ungarns 1941 in den Zweiten Weltkrieg an der Seite des Deutschen Reichs wurden aus Budapest die meisten Juden der Stadt 1944 ghettoisiert und später in die Konzentrationslager abtransportiert oder ermordet. Der Volksaufstand 1956 gegen die sowjetische Bevormundung in Ungarn nahm seinen Beginn in Budapest. Im Zusammenhang mit dem Aufstand und seiner Niederschlagung verlor die Hauptstadt etwa 70.000 Menschen. Heute ist Budapest nicht nur das größte Wirtschafts- und Kulturzentrum des Landes, sondern auch eins der wichtigsten im Ostmitteleuropa.

 knüpfte die Gesellschaft der Donaufreunde noch in ihrem Gründungsjahr an diese Tradition an, zu einem Zeitpunkt, als die Verbindung ins östliche Europa nicht mehr selbstverständlich war. Das Ziel: die „Pflege der kulturellen Verbindung Ulms in den Donaustädten“.3 Damit gelangte eine Ulmer Schachtel zum ersten Mal hinter den Eisernen Vorhang. Das Interesse an westlichen Devisen und die Entdeckung des gelenkten Tourismus als Propagandamittel sorgten dafür, dass sich die politisch unüberwindbare Grenze zunehmend für den kontrollierten westlichen Tourismus öffnete.
Verschiedene Ulmer und regionale Zeitungen berichteten direkt im Anschluss über das „Reiseabenteuer“4. Die meisten Beiträge zitierten unverändert den Reisebericht, den ein Vereinsmitglied verfasst hatte. Gemeinsam mit einem Fotoalbum, das im Donauschwäbischen Zentralmuseum verwahrt wird, vermitteln diese Quellen einen Eindruck von der Fahrt.

„Ein gewagtes Unternehmen“

Am 23. Juni stand die „Stadt Ulm“ an der Nußdorfer Lände zur Abfahrt bereit. 21 Passagiere traten die Reise ab Wien an. Von dort aus waren es etwa 50 österreichische Flusskilometer bis zur tschechoslowakischen Grenze. Die Organisation der Schachtelfahrt über Österreich hinaus war mit einem enormen Verwaltungsaufwand verbunden gewesen.

Allen war klar, daß dies ein gewagtes Unternehmen ist! Nicht etwa wegen den natürlich für ein solches Schiff schwieriger werdenden Stromverhältnissen […], sondern wegen der für eine solche Reise entlang der Tschechoslowakei, hinein nach Ungarn erforderlichen Formalitäten.

Ulmer Tagblatt, 29.6.1961
Sowohl in 
Volksrepublik Ungarn
eng. Hungarian People's Republic, hun. Magyar Népköztársaság, deu. Ungarische Volksrepublik

Die Volksrepublik Ungarn war ein sozialistischer Staat in Ostmitteleuropa, der von 1949 bis 1989 bestand. 1944 begann die Okkupation Ungarns durch die Deutsche Wehrmacht, und anschließend durch die Rote Armee, die 1945 das ganze Land besetzte. Nach Kriegsende scheiterten die Versuche, eine Demokratie aufzubauen, und das politische System wurde unter kommunistischer Führung sukzessive zu einem Einparteiensystem umgebaut.

Die Volksrepublik Ungarn war Mitglied des Warschauer Paktes und stand unter starkem politischem Einfluss der Sowjetunion, die 1956 mit Hilfe der Staaten des Warschauer Paktes (außer Rumänien) den Ungarischen Volksaufstand gewaltsam niederschlug. Zur Besänftigung der Bevölkerung nach der Welle von Repressalien gegen die Teilnehmer:innen des Volksaufstands, wurden bereits in den 1960er Jahren wirtschaftliche und politische Reformen eingeleitet, die über die sonst üblichen Einschränkungen im Ostblock hinausgingen. Im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Krise der ausgehenden 1980er Jahre wurden allmählich weitere wirtschaftliche Reformen und eine weitgehende politische Liberalisierung sowie Öffnung nach Westen eingeführt, die auch das Ende sozialistischen Volksrepublik einläutete. 1989 wurde schließlich die heutige Republik Ungarn ausgerufen.

 als auch in der 
Tschechoslowakei
ces. Československo, sla. Čehoslovakìâ, slk. Česko-Slovensko, eng. Czechoslovakia, rus. Čehoslovakiâ

Die Tschechoslowakei war ein zwischen 1918 und 1992 in wechselnden Grenzen und unter wechselnden Namen und politischen Systemen bestehender Staat, dessen Landesteile in den heutigen Staaten Tschechien, Slowakei und der Ukraine (Karpatenukraine, bereits 1939 ungarisch besetzt, ab 1945 an die Sowjetunion) aufgegangen sind. Nach 1945 stand die Tschechoslowakei zunehmend unter politischem Einfluss der Sowjetunion. Nach der Machtübernahme der Kommunistischen Partei 1948 wurde sie endgültig als Teil des sog. Ostblocks zum Satellitenstaat der Sowjetunion und ab 1955 Mitglied des Warschauer Paktes. Zwischen 1960 und 1990 trug das kommunistische Land offiziell den Namen Tschechoslowakische Sozialistische Republik (abgekürzt ČSSR). Die demokratische politische Wende wurde 1989 mit der Samtenen Revolution eingeleitet und mündete 1992 in die Gründung der unabhängigen Tschechischen bzw. Slowakischen Republiken.

 waren Ein- und Ausreise mit strengen Auflagen verknüpft.5 Eine Erlaubnis für die Schachtelreise zu erhalten, erwies sich als besonders kompliziert, da man nicht wusste, „in welche Kategorie dieser eigenartige schwimmende Vogel […] einzuregistrieren“ war.6 Eine offizielle Befugnis zur Durchreise des Bootes durch die Tschechoslowakei hatten die Donaufreunde von ungarischer Seite erhalten. Ganz nach dem Motto, dass, „wer nicht in der ČSSR landen wolle, auch kein Visum brauche“7, war jedoch entschieden worden, dass man auf ein ähnliches Dokument für die Besatzung verzichten könne.
Bei ihrer Ankunft in der Grenzstadt  erwartete die Schachtelfahrer eine Überraschung. Mehr als tausend Menschen sowie der Bürgermeister samt Gemeinderäten und Stadtkapelle waren gekommen, um die Schachtel und ihre Passagiere zu begrüßen.8

„Abschied von der westlichen Hemisphäre“

Gegen sieben Uhr am nächsten Morgen starteten die Donaufreunde die zweite Etappe. Bei Hainburg wurde die Donau zum Grenzfluss und trennte zunächst Österreich und die Tschechoslowakei, dann Ungarn und die Tschechoslowakei voneinander. Dass die Passagiere nach kurzer Fahrt nicht nur auf eine nationale, sondern auch eine weltanschauliche Grenze trafen, schildert der Reisebericht:

Wenige Kilometer nach Hainburg, dessen reizende Stadtsilhouette […] uns Abschiedsblick von Oesterreich – besser gesagt, von der westlichen Hemisphäre – bot, kam linksufrig schon die Tschechoslowakei. […] Wir wurden von jetzt ab ruhiger, wir ließen keine Böllerschüsse los, wir sangen nicht […]. Wir wußten ja nicht, was uns die Grenzorgane der beiden Länder bescheren würden und wie sich die Bevölkerung zu uns einstellte.

Ulmer Nachrichten, 1.7.1961
Den Moment der Durchquerung des Eisernen Vorhangs hielten die Donaufreunde fotografisch fest, ebenso wie den ersten Wachturm auf tschechoslowakischem Ufer. Die „Stadt Ulm“ befand sich auf dem Donauabschnitt, der in den  Pariser Friedensverträgen 1947
Pariser Friedensverträge
auch:
Pariser Frieden
Die Pariser Friedensverträge wurden am 10. Februar 1947, im Anschluss an die Pariser Friedenskonferenz vom 29. Juli bis 15. Oktober 1946, unterzeichnet und bildeten einen wichtigen Baustein der europäischen Nachkriegsordnung. Sie regelten die Beziehungen zwischen den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs und den europäischen Verbündeten des nationalsozialistischen Deutschlands: Italien, Finnland, Bulgarien, Rumänien und Ungarn. Die Verträge verfügten Obergrenzen für Truppenstärken und Bewaffnung, legten Reparationen fest und bestimmten über Grenzziehungen. Auf Ungarn beispielsweise wurden effektiv wieder die Regelungen des Vertrags von Trianon (1920) angewandt, sodass es Territorien an die Tschechoslowakei, Jugoslawien und Rumänien abgeben musste. Auch die anderen ehemaligen Hitler-Verbündeten traten Gebiete ab, auch untereinander.
 zusammen mit einem rechtseitigen Uferstreifen ganz der Tschechoslowakei zugesprochen worden war.

„Schiff gut, Mensch nix gut.“

Obwohl das Grenzgebiet streng beobachtet wurde, konnten die Donaufreunde zunächst ungehindert passieren. Erst kurz nach 
Bratislava
deu. Pressburg, hun. Pozsony, deu. Preßburg, slk. Prešporok, slk. Prešporek

Bratislava (Bevölkerungszahl 2025:480.902) liegt im Südwesten der Slowakei, an der Donau, der die Grenze zu Ungarn und Österreich bildet. Bratislava wurde 907 ersterwähnt, auch wenn die Stadt wahrscheinlich deutlich älter ist. Sie befand sich am Drehkreuz der slawischen, magyarischen bzw. ungarischen und deutschen Einflüsse. Ab dem 10. Jahrhundert befand sich Bratislava vorwiegend in der ungarischen Einflusssphäre, und 1536-1783 war sie Hauptstadt des Königreichs Ungarn. Seit der Gründung der Tschechoslowakei 1918 bis heute ist Bratislava die Hauptstadt der Slowakei und das wichtigste politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des seit 1993 unabhängigen Staates.

Historische Orte
Bratislava
 
 kam es zu einer Kontrolle: Die Tatsache, dass das Schiff eine Einreisegenehmigung hatte, die Passagiere jedoch keine, verleitete einen der Polizisten zu der Aussage: „Schiff gut, Mensch nix gut.“9
 
Die Strompolizei bestand schließlich auf bestimmte Stempel, die die Donaufahrer 30 Kilometer flussaufwärts abzuholen hätten: ein unmögliches Unterfangen für ein Schiff, das lediglich für das Fahren stromabwärts gebaut worden war. Schließlich fuhren die Polizisten selbst stromaufwärts und erlaubten anschließend die Weiterfahrt mit der Auflage, dass ein Boot der tschechoslowakischen Polizei die Donaufahrer bis zur Grenze eskortierte.

„Kaum Verkehr“

Die Polizeieskorte begleitete die Ulmer Schachtel auch auf dem folgenden Abschnitt, in dem die Donau die Grenze zwischen der Tschechoslowakei und Ungarn bildete. Hier bemerkten die Donaufreunde ein für diese Grenzregion bezeichnendes Phänomen: „[A]uf der Brücke zwischen der Tschechoslowakei und Ungarn ist kaum Verkehr“, heißt es im Album unter einer Fotografie, die eine verwaiste Stahlbrücke zeigt. Dieses Gebiet hatte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehrfach zwischen ungarischer und tschechoslowakischer Zuständigkeit gewechselt. Beide Regierungen hatten, wenn sie am Zuge waren, ihre jeweilige Bevölkerung dort angesiedelt und die der anderen Seite vertrieben oder unterdrückt. Infolgedessen war das Verhältnis zwischen den beiden Staaten 1961 noch angespannt und der Grenzübertritt nur unter strengen Auflagen möglich.10

Improvisierte Übernachtung

Die Beamten in der tschechoslowakischen Grenzstadt  ließen die Donaufreunde passieren, obwohl sie ihren Vorgesetzten nicht erreichen konnten, der die Ausreise hätte genehmigen müssen. An der ungarischen Grenzstation 
Komárom
hun. Del-Komárom, hun. Újszőny, deu. Komorn, slk. Komárom, slk. Maďarské Komárno, slk. Nové Komárno, slk. Južné Komárno

Komárom (Einwohnerzahl im Jahr 2024: 19.862) liegt im Norden Ungarns an der Donau. Die Stadt wurde unter dem Namen Új Szőny als Vorort von Szőny gegründet, wurde jedoch 1896 in die am nördlichen Donauufer gelegene Stadt Komern (slowakisch: Komárno) eingegliedert. Nachdem das Stadtzentrum nördlich der Donau von Truppen der neu gegründeten Tschechoslowakei besetzt worden war, blieb der südliche Teil der Stadt unter dem Namen Komárom ungarisch. Szőny wurde 1977 in Komárom eingegliedert.

, wo die Gruppe für die Einreise nach Ungarn vom Zoll abgefertigt wurde, wurde sie bereits von Zuständigen des Tourismusanbieters IBUSZ erwartet. Anfang der 1960er Jahre konnten die meisten bürokratischen Auflagen einer Einreise nach Ungarn nur über dieses verstaatlichte Reisebüro abgewickelt werden. IBUSZ sollte vor allem Reisen innerhalb des sozialistischen Blocks vereinfachen, aber auch den ausländischen Tourismus in Ungarn kontrollieren.11 
Das Reisebüro hatte auch den ungarischen Teil der Reise der Donaufreunde genauestens geplant. Für die erste Nacht auf ungarischem Gebiet war ein Aufenthalt in Esztergom vorgesehen. Der zeitliche Aufwand für Bürokratie und Kontrollen sorgte jedoch dafür, dass die Donaufreunde 
Esztergom
deu. Gran, lat. Solva, slk. Ostrihom, lat. Strigonium

Esztergom (historisch: Gran, Bevölkerungszahl 2024: 28.521) ist eine Stadt im Norden von Ungarn. Sie liegt direkt an der Donau, gegenüber ihrer ehemaligen Vorstadt, der heutigen slowakischen Stadt Štúrovo. Esztergom zählt zu den ältesten Städten Ungarns. Im 11. und 12. Jahrhundert war sie die Hauptstadt des Landes. Im Jahr 1002 wurde das Erzbistum Gran eingerichtet, dessen Sitz sich während der osmanischen Herrschaft von 1543 bis 1683 jedoch in Trnava bzw. Bratislava befand. Heute bildet die PKW-Herstellung den wichtigsten Wirtschaftszweig der Stadt.

 am zweiten Reisetag gar nicht mehr erreichten. Stattdessen mussten sie einen ungeplanten Zwischenstopp in 
Nyergesújfalu
deu. Sattel-Neudorf, deu. Neudorf

Nyergesújfalu (Einwohnerzahl im Jahr 2024: 7.206) ist eine Stadt im Norden Ungarns, die direkt an der Donau liegt, die hier zugleich die Grenze zur Slowakei bildet. Ihren deutschen Namen, Sattel-Neudorf, erhielt die Stadt von schwäbischen Siedlern, die Mitte des 18. Jahrhunderts von der Habsburger Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) hierhin umgesiedelt wurden. Sie sollten einen wirtschaftlichen Aufschwung in der Region bewirken, die zuvor von der osmanischen Besatzung befreit worden war.

 einlegen. Dort vermittelte eine Zufallsbekanntschaft die Donaufreunde spontan an den Direktor des örtlichen Gymnasiums, der den Ulmern anbot, in der zur Schule gehörigen Turnhalle zu übernachten. Zum Dank luden die Donaufreunde den Direktor und die Lehrer, die im benachbarten Schulhaus wohnten, zu österreichischem Wein auf ihr Schiff ein. Man versprach, bei der nächsten Schachtelfahrt wieder in dem Örtchen anzulegen.12

Der gelenkte Blick

Am nächsten Morgen erkundeten die Donaufreunde gemeinsam mit einer von IBUSZ beauftragten deutschsprachigen Reiseführerin und ihrem Mann, die sich „über die Maßen“13 über die Gäste aus Wien freuten, Esztergom. Auf den Fotografien im Album sind die typischen Sehenswürdigkeiten zu sehen, wie das christliche Museum, der Dom und die Burg. Eine Abbildung verweist jedoch abermals auf die politischen Umstände: Sie zeigt die 1944 zerstörte Maria-Valeria-Brücke zwischen den „Zwillingsstädten“ Esztergom und 
Štúrovo
slk. Parkan, deu. Gockern, hun. Párkány, tur. Ciğerdelen

Štúrovo (Bevölkerungszahl 2025: 9.221) ist eine Stadt im Süden der Slowakei. Sie ist auch unter dem ungarischen Namen Párkány bekannt. Der deutsche Name der Stadt lautet Gockern. Štúrovo liegt an der Donau, die hier die Grenze zu Ungarn markiert. Die Stadt entstand im 16. Jahrhundert anstelle des Dorfes Kokot, das einer osmanischen Festung weichen musste. Nach der Niederlage der osmanischen Armee im Jahr 1683 gehörte das Gebiet wieder zur Habsburgermonarchie. 1948 wurde die Stadt zu Ehren des slowakischen Schriftstellers und Philologen Ľudovít Štúr von Parkan in Štúrovo umbenannt.

, die aufgrund der konflikthaften Beziehung zwischen Ungarn und der Tschechoslowakei noch nicht wieder aufgebaut worden war.
Am späten Nachmittag des gleichen Tages erreichte die „Stadt Ulm“ schließlich Budapest. Für die Donaufreunde war die Einfahrt in die ungarische Hauptstadt ein historischer Moment, den sie auf einem Foto festhielten.
Auf ungarischer Seite nahm man von dem kleinen Schiff aus Schwaben wenig Notiz. Stattdessen wurde die Gruppe erneut von IBUSZ-Vertretern willkommen geheißen. Das Reisebüro hatte die Donaufreunde im verstaatlichten Hotel Astoria eingebucht. Außerdem stand ihnen mit „Freund Emmerich“, wie es im Reisebereicht hieß, ein Reiseleiter zur Seite, der sie mehrere Tage durch die Stadt führte, bis sie am 28. Juni den Heimweg mit dem „Express-Zug“ nach Wien antraten. Zahlreiche Bilder, die während dieser Stadtrundfahrten entstanden, zieren die letzten Seiten des Albums – darunter der Heldenplatz, die Fischerbastei, die Dreifaltigkeitssäule und die Burg.

Trennung und Verbindung

Die Donaufreunde nutzten die Möglichkeiten des langsam aufkeimenden Tourismus in den Staaten hinter dem Eisernen Vorhang, um erstmals seit Einstellung des regelmäßigen Schiffsverkehrs eine Ulmer Schachtel nach Budapest zu schicken. Die nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte Neueinteilung der Grenzen war nur der Auftakt weiterer Grenzverschiebungen gewesen, die zahlreiche Konflikte nach sich zogen. Die Auswirkungen dieser Auseinandersetzungen genauso wie die Folgen des Zweiten Weltkriegs und die Einflüsse der sozialistischen Regime begegneten den Donaufreunden auf ihrer Reise immer wieder.
Ein offizielles Gedenken an die gemeinsame Vergangenheit der Donaufahrten war im sozialistischen Ostblock nicht möglich. Beleg dafür ist nicht zuletzt der Bericht einer Budapester Zeitung, der zwar über die Einfahrt des Ulmer Schiffes informierte, die Donaufreunde allerdings als „Transportarbeiter“ darstellte, die auf Einladung des verstaatlichten Logistikunternehmens MASPED in die ungarische Hauptstadt gekommen seien. In einzelnen persönlichen Begegnungen erfüllte sich jedoch der Wunsch der Ulmer, über die Donau verbindende Kontakte zu knüpfen.

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