Reisende unterwegs im östlichen Europa
Die Eisenbahn als Gamechanger im europäischen Reiseverkehr
Tschernyschewskoje (Bevölkerungszahl 2021: 891) ist ein Dorf im Osten der russischen Exklave Kaliningrad, direkt an der Grenze zu Litauen. Bis 1945 gehörte es zu Ostpreußen und war als Eydtkuhnen (ab 1938: Eydtkau) bekannt. Nach der Fertigstellung der Bahnstrecke nach Russland im Jahr 1860 erlebte der Ort einen Aufschwung, da er als Grenzbahnhof diente: Jenseits der Grenze wurde eine andere Spurbreite verwendet, sodass die Reisenden den Zug wechseln mussten. 1922 erhielt Eydtkuhnen die Stadtrechte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde es in Tschernyschewskoje umbenannt. Nach der Übernahme durch die Sowjetunion verlor die Stadt ihre Funktion als Grenzstadt und der Bahnhof wurde abgebaut. 1947 wurde der Ort zum Dorf herabgestuft. Erst im 21. Jahrhundert spielte der Grenzverkehr wieder eine bedeutende Rolle.
Kaliningrad ist eine Großstadt im heutigen Russland mit fast 500.000 Einwohner:innen. Sie liegt in der Oblast Kaliningrad, einer russischen Exklave zwischen Litauen und Polen, die ungefähr dem nördlichen Teil der preußischen Provinz Ostpreußen vor 1945 entspricht (heute litauische Gebiete ausgenommen). Vor 1945 war Königsberg nicht nur Hauptstadt der Provinz und die nordöstlichste Großstadt Preußens, sondern ab 1724 auch Königliche Haupt- und Residenzstadt in Preußen.
Baltijsk (Bevölkerungszahl 2024: 27.318) ist ein wichtiger Hafen im Westen der russischen Exklave Kaliningrad (bis 1945 Teil von Ostpreußen). Er liegt am natürlichen Kanal zwischen dem Frischen Haff und der Ostsee, dem Pillauer Seetief. Die Bedeutung der Stadt stieg ab dem 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung und dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. 1865 wurde die Eisenbahnstrecke nach Königsberg fertiggestellt. Seit dem Bau des Königsberger Seekanals zu Beginn des 20. Jahrhunderts kann der Hafen auch im Winter genutzt werden. 1946 wurde Pillau in Baltijsk umbenannt.

Das Russländische Kaiserreich (auch Russisches Reich, Russisches Kaiserreich oder Kaiserreich Russland) war ein von 1721 bis 1917 existierender Staat in Osteuropa, Zentralasien und Nordamerika. Das Land war Mitte des 19. Jahrhunderts das größte zusammenhängende Reich der Neuzeit. Es wurde nach der Februarrevolution im Jahr 1917 aufgelöst. Der Staat galt als autokratisch regiert und wurde von ungefähr 181 Millionen Menschen bewohnt.
Sankt Petersburg (Bevölkerungszahl 2024: 5.645.943, davon 4.732.198 in der Stadt im engeren Sinne) ist eine Metropole im Nordosten Russlands. Nach Moskau ist sie die zweitgrößte Stadt des Landes. Die Stadt wurde 1703 von Peter dem Großen an der Mündung der Newa in die Ostsee gegründet. Von 1712 bis 1918 war sie die Hauptstadt Russlands. Neben Moskau ist St. Petersburg der wichtigste Industrie-, Bildungs-, Kultur- und Handelsstandort sowie einer der wichtigsten Häfen Russlands. Von 1914 bis 1924 trug die Stadt den Namen Petrograd und von 1924 bis 1991 den Namen Leningrad.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944, also 871 Tage lang, von der deutschen Wehrmacht belagert. In der systematisch von jeglicher Versorgung abgeschnittenen Stadt starben über eine Million Zivilisten.
Nachdem die preußischen und russländischen
Virbalis (Bevölkerungszahl 2025: 844) ist eine Kleinstadt im Bezirk Marijampolė im Südwesten von Litauen. Sie liegt direkt an der Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad. Der Ort wurde im 16. Jahrhundert gegründet. Nach der Dritten Teilung Polen-Litauens 1795 gehörte die Stadt bis 1807 zu Preußen. Nach einer kurzen Phase der Zugehörigkeit zum Herzogtum Warschau wurde sie 1815 in das von Russland abhängige Königreich Polen einverleibt. Seit 1918 gehört Virbalis wieder zu Litauen.
Das Königreich Preußen bestand von 1701 bis 1918 und wurde von der Dynastie der Hohenzollern regiert. Das Land war von der Gründung bis 1848 eine absolute Monarchie und von 1848 bis zur Auflösung eine konstitutionelle Monarchie. Hauptstadt des Königreiches Preußen war Berlin. Das Land wurde von ungefähr 40 Millionen Menschen bewohnt. Nach der Novemberrevolution 1918 und der Abdankung Wilhelms II. löste sich das Königreich auf und bildete den Freistaat Preußen.


Mit den Fernreisen entwickelte sich eine völlig neue Reiseindustrie. Thomas Cook war seit den 1840er Jahren der unumstrittene Pionier organisierter Reisen für britische Tourist:innen, Unternehmer in Ostmitteleuropa folgten kurze Zeit später. 1863 organisierte der aus
Schlesien (polnisch Śląsk, tschechisch Slezsko) ist eine historische Landschaft, die heute überwiegend im äußersten Südwesten Polens, in Teilen jedoch auch auf dem Gebiet Deutschlands und Tschechiens liegt. Mit Abstand wichtigster Fluss ist die Oder. Nach Süden wird Schlesien vor allem durch die Gebirgsketten der Sudeten und Beskiden eingegrenzt. In Schlesien leben heutzutage knapp 8 Millionen Menschen. Zu den größten Städten der Region zählen Wrocław (hist. dt. Breslau), Opole (Oppeln) und Katowice (Kattowitz). Vor 1945 gehörte die Region zweihundert Jahre lang großteils zu Preußen, vor den Schlesischen Kriegen (ab 1740) fast ebenso lange Zeit zum Habsburgerreich. Schlesien wird in Ober- und Niederschlesien eingeteilt.
Das Deutsche Kaiserreich war ein von 1871 bis 1918 existierender Staat in Zentraleuropa. Er umfasste nördliche Teile des 1806 untergegangenen Heiligen Römischen Reichs, das in zahlreiche kleine Staaten zersplittert war. Außerdem besaß das Deutsche Kaiserreich mehrere Kolonien in Afrika und im Pazifik. Das Kaiserreich endete im Zusammenhang mit der Niederlage im Ersten Weltkrieg (1914–1918) und der Gründung der Weimarer Republik am 9. November 1918 sowie der Abdankung Kaiser Wilhelms II. (formell erst am 28. November 1918).
Steigende Fahrgastzahlen
Das Königreich Preußen bestand von 1701 bis 1918 und wurde von der Dynastie der Hohenzollern regiert. Das Land war von der Gründung bis 1848 eine absolute Monarchie und von 1848 bis zur Auflösung eine konstitutionelle Monarchie. Hauptstadt des Königreiches Preußen war Berlin. Das Land wurde von ungefähr 40 Millionen Menschen bewohnt. Nach der Novemberrevolution 1918 und der Abdankung Wilhelms II. löste sich das Königreich auf und bildete den Freistaat Preußen.
Diese Daten beziehen sich auf Staatsbürger:innen vieler Länder. Was den Anteil russländischer Staatsangehöriger betrifft, die ins Ausland reisten, so blieb deren Zahl im Vergleich zur reisenden Bevölkerung Westeuropas verhältnismäßig niedrig. Aus dem Vorwort eines russländischen Reiseführers von 1874 lässt sich das Zielpublikum ableiten: „[D]ie meisten Russen verlassen das Land zum Frühlingsbeginn, um ausländische Kurorte zu besuchen, und dann, nach dem Ende ihres Gesundheitskursus, unternehmen sie kleine Ausflüge an die aufregendsten Orte, die nicht zu weit weg von Russland sind, was ihre Reisen auf Nord- und Süddeutschland beschränkt. Immerhin sind die böhmischen und Tiroler Kurorte, insbesondere Karlsbad, in letzter Zeit mit Russen gefüllt.“8 Der Verfasser empfiehlt eine Reisezeit von vier Wochen und ein Budget von 300 Rubeln, um „sich mit Deutschland, einschließlich des Rheins, vertraut zu machen und zwei Wochen in Paris zu verbringen“.9 Setzt man diese Kosten in ein Verhältnis zu den Statistiken zum Haushaltseinkommen, so kommt man auf eine Zahl von etwa 360.000 Menschen aus dem Russländischen Reich (ohne
Weichselland war der zusammenfassende Begriff in der russischen Nomenklatur für die ins Russländische Kaiserreich nach dem Wiener Kongress einverleibten polnischen Gebiete. Er wurde nach der allmählichen Aufhebung der Autonomie dieser als Königreich Polen bekannten Territorien eingeführt, die in der Verwaltungsreform 1866 und der Unterstellung seiner neu geschaffenen zehn Gouvernements unter russische Behörden sowie der Abschaffung der autonomen Staatsorgane 1867 gipfelte. Dies war vor allem eine Reaktion auf den zweiten, gescheiterten Aufstand (Januaraufstand) in den Jahren 1863-1864 gegen die russische Vormacht im Königreich Polen, wobei die Bestrebungen zur Beschränkung der Autonomie und Verwischung der Erinnerung an polnische Eigenstaatlichkeit älter waren. Der Begriff Weichselland wurde vermehrt ab 1887 verwendet und sollte eine stärkere Anbindung an das Russländische Kaiserreich vermitteln, wobei der alte Name offiziell nicht abgeschafft wurde.
Das Großfürstentum Finnland war ein autonomer Teil des Russländischen Reichs, das nach dem Angriffskrieg gegen Schweden (Finnischer Krieg, 1808-1809) erobert wurde.
Als Großfürst agierte der russische Zar, der bis 1917 durch einen Generalgouverneur vertreten wurde. Die erste Hauptstadt war Turku (schwedisch: Åbo). Nach der Eingliederung des bereits 1714–1743 von Russland eroberten sogenannten Altfinnlands in das Großherzogtum im Südosten wurde die Hauptstadt nach Helsinki verlegt.
Der genaue Grad der Autonomie war in der Verfassung des Großfürstentums nicht festgelegt und unterlag den politischen Schwankungen innerhalb des Reiches. Schwedisch und mit der Zeit zunehmend auch Finnisch fungierten als Amtssprachen, wobei Finnisch erst 1902 den formellen Status erlangte. Obwohl Russisch im Zuge der Russifizierungsmaßnahmen 1900 zur Sprache des finnischen Parlaments erklärt wurde, setzte es sich nicht durch, und die entsprechenden Vorschriften wurden 1910 zurückgezogen. Im Nachwirken der Februarrevolution erklärte Finnland am 6. Dezember 1917 seine Unabhängigkeit, die von Russland 1918 anerkannt wurde.
Die Bedeutung von Komfort
Berlin (Bevölkerungszahl 2025: 3.700.577) ist die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Sie ist gleichzeitig ein Bundesland, das eine Enklave innerhalb des Bundeslandes Brandenburg bildet. Ihr Name ist slawischen Ursprungs. Die im späten 17. Jahrhundert eingeführte Politik der religiösen und gesellschaftlichen Toleranz prägte die Stadt, in der bald ein hoher Anteil der Bevölkerung aus Einwanderern bestand. Ab 1701 war Berlin die Hauptstadt von Preußen und ab 1871 die Hauptstadt des Deutschen Reichs. Im 19. Jahrhundert erfuhr der Großraum Berlin eine rasche Industrialisierung. Allmählich wurden die immer weiter an die Stadtgrenze reichenden Vororte eingemeindet. 1877 wurde Berlin zur Millionenstadt. Während der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) wurde die jüdische Bevölkerung (ca. 160.000 bzw. 4 % aller Berliner:innen) zunächst starken Repressionen ausgesetzt und ab 1938 verstärkt in Konzentrationslager bzw. nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) in die von den Deutschen eingerichteten Ghettos und in Konzentrations- und Vernichtungslager im östlichen Europa deportiert. Nach dem Kriegsende wurde das stark zerstörte Berlin durch die Siegermächte in vier Sektoren geteilt. Die Differenzen zwischen den westlichen Alliierten einerseits und der Sowjetunion andererseits führten 1948/49 zur sowjetischen Blockade Westberlins (der drei westlichen Zonen), das nur aus der Luft versorgt werden konnte. Mit der Gründung der DDR ist Berlin (nur die sowjetische Zone) wieder zur Hauptstadt geworden, während die Bundesrepublik ihren Regierungssitz in Bonn hatte. Nach dem Bau der Mauer um West-Berlin durch die DDR im Jahr 1961 wurden die beiden Teile endgültig getrennt, wodurch insbesondere die Bürger:innen der DDR an der Ausreise bzw. an Besuchen im Westen gehindert wurden. West-Berlin war de facto ein Teil der Bundesrepublik, wobei manche Gesetze dort nicht galten, vor allem der obligatorische Militärdienst oder teilweise die Visumpflicht für die Staatsangehörigen der alliierten Länder (darunter auch Polen und die Tschechoslowakei). Nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 erlangte Berlin die Hauptstadtfunktion offiziell erst wieder im Jahr 1994.
Die 1872 von Georges Nagelmackers gegründete Internationale Schlafwagen-Gesellschaft (Compagnie internationale des wagons-lits, CIWL) führte luxuriöse Nachtreisen auch in Europa ein. Reisende priesen den Luxus, die „prompte Exaktheit“ und „absolute Zuverlässigkeit“, die die „Reisezeit auf ein Minimum [reduzierte, womit] die größten Entfernungen illusorisch [wurden] – Berlin–Paris,
Wien (Bevölkerungszahl 2025: 2.040.914) ist die Bundeshauptstadt und das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Österreichs. Im Stadtgebiet konzentriert sich mehr als ein Fünftel der Bevölkerung des Landes, im Großraum Wien sogar ein Drittel. Historisch bedeutend ist Wien insbesondere als Hauptstadt und mit Abstand wichtigste Residenzstadt der ehemaligen Habsburgermonarchie. Heute ist Wien Hauptsitz wichtiger internationaler Organisationen.
Eine kosmopolitische Reisegemeinschaft?
In ihren Darstellungen offenbaren Reiseführer eine kulturelle und mentale Kluft zwischen dem Russländischen Imperium und dem übrigen Europa. So drängten sie den Reisenden ihre Version der Geschichte und Kultur einer Region auf.15 Damit waren Auslandsreisen Teil der Nationsbildungsprozesse, die zu mentalen Grenzen zwischen dem „Selbst“ und dem „Anderen“ führten.16 Dabei nahmen nicht nur diejenigen an dem Prozess teil, die aktiv auf Reisen gingen, sondern auch diejenigen, die zurückblieben und Reiseberichte in Zeitschriften und Büchern lasen.
So ist beispielsweise die Darstellung „des Russen“ in den Baedekern wenige schmeichelhaft. Sie erfüllte offensichtlich die Erwartungen des Lesepublikums und gibt uns einen guten Eindruck von den Stereotypen, die in der deutschen und westeuropäischen Öffentlichkeit herrschten oder verbreitet wurden. In der Ausgabe von 1914 finden sich die folgenden Beobachtungen: „Sie [die Russen] sind blond und blauäugig, kräftig und muskulös, mit breiten Schultern und starkem Nacken, oft plump und schwerfällig und zur Fettleibigkeit neigend. Die düsteren Wälder, die kargen Äcker, das harte Klima, die lange Winterruhe in dumpfer Hütte haben ihr Wesen ebenso beeinflusst wie die lange Geschichte unter Adelsherrschaft und Despotismus.“17
Indem Reiseführer Stereotype wie diese vermittelten, dienten sie als Spiegel der Gesellschaft, in der und für die ein Reiseführer verfasst wurde.18 Sie trugen damit zu einer Entwicklung bei, die Larry Wolff für die Zeit der Aufklärung als ein Aufeinanderprallen von Ost- und Westeuropa beschrieben hat.19 Bahnstationen wie das ostpreußische Eydtkuhnen und sein russländisches Pendant Wirballen bildeten in diesen Prozessen eine symbolische Grenze, ein rite de passage, beziehungsweise eine „Schleuse zwischen den Welten“.20 So sehr Zeitgenoss:innen diese Orte auch als äußerste Peripherie ihrer jeweiligen Imperien wahrnahmen, so hatten sie doch eine zentrale Funktion bei der Ausbildung eines mentalen Gegensatzes zwischen dem „Selbst“ und dem „Anderen“ – mithin zwischen den im Entstehen begriffenen modernen europäischen Nationen.

















