Wie der Jazz nach Polen kam

Der YMCA Polska als Knotenpunkt eines transatlantischen Transfers
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Freiheit, Unabhängigkeit, Modernität, alternativer kultureller Lebensentwurf und musikalischer Widerstand gegen das kommunistische Regime – all diese Eigenschaften wurden der Jazz-Szene in der Volksrepublik Polen zugeschrieben, die als wegweisend für die Entwicklung anderer Jazz-Kulturen im gesamten Ostblock galt. Doch wie konnte sich der Jazz überhaupt in Polen etablieren?
Auf die einfache Frage, wann der Jazz erstmals nach Polen kam, gibt es eine einfache Antwort: In der Zeit zwischen den Weltkriegen findet die neue, ursprünglich nordamerikanische Musikrichtung den Weg nach Polen.1 Komplexer wird es, fragt man nicht nach dem wann, sondern nach dem wie. Denn die polnische Jazz-Kultur ist produktives Resultat eines transatlantischen Kulturtransfers, der ermöglicht wurde über die ebenfalls transatlantisch agierenden Institutionen des YMCA, also der „Young Men’s Christian Association“ und ihrer polnischen Gliederung, der „YMCA Polska“. Dieser Beitrag zeigt, wie die neue Musikrichtung in Polen Fuß fassen konnte – und die Entwicklung des polnischen Jazz nicht zuletzt von den Verbandshäusern des polnischen YMCA ausging.

Der YMCA Polska: Wiederaufbau und Kulturtransfer

Der YMCA Polska war (und ist bis heute) Teil der international agierenden Young Men’s Christian Association. Der YMCA, intern oftmals nur ‚Y‘ genannt, wurde 1844 von dem Tuchhändler George Williams (1821–1905) in London gegründet und expandierte rasch. In den rasant wachsenden Städten stellte der Verband zuziehenden jungen Männern günstigen Wohnraum bereit – verbunden mit einem christlichen Erziehungsprogramm. Der Erste Weltkrieg half, Verband und Modell bekannt zu machen und schließlich auch nach 
Republik Polen
eng. Second Polish Republic, deu. Zweite Polnische Republik, pol. II. Rzeczpospolita, pol. II Rzeczpospolita

Zweite Polnische Republik (Polnisch: II. Rzeczpospolita) ist die gängige Bezeichnung für den wiedererrichteten polnischen Staat (Republik Polen), der am 11.11.1918, nach Ende des Ersten Weltkriegs und 123jähriger Teilungszeit, seine Unabhängigkeit wiedererlangte. Seine Ausdehnung vor allem nach Osten war wesentlich kleiner als zur Zeit der sogenannten 1. Republik (Adelsrepublik), die 1795 mit der dritten Teilung Polens zwischen der Habsburgermonarchie, Preußen und Russland zu existieren aufgehört hatte.

Die Grenzen der Zweiten Polnischen Republik zu den Nachbarstaaten wurden erst 1921/22 und infolge bewaffneter Konflikte festgelegt, wobei sie auch im Nachgang (und teils während der gesamten Existenz der Zweiten Polnischen Republik) umstritten bleiben konnten. Dem deutschen Angriff auf Polen am 1.9.1939 und dem sowjetischen Einmarsch in Polen am 17.9.1939 folgte am 28.9.1939 die Kapitulation in Warschau, was dem funktionalen Ende der Zweiten Republik gleichkam. Als ihr formelles Ende wird oft die Rücknahme der Anerkennung der polnischen Exilregierung durch die britischen und US-amerikanischen Regierungen am 5.7.1945 angesehen, allerdings wurden die Organe der späteren Volksrepublik Polen von der Sowjetunion bereits am 24.6.1944 als offizielle Vertretung Polens anerkannt. Der Präsident der polnischen Exilregierung in London, Ryszard Kaczorowski, übergab am 22.12.1990 als letztem, symbolischem Akt der Zweiten Polnischen Republik deren Insignien an den damaligen polnischen Präsidenten in Warschau, Lech Wałęsa.

 zu bringen. Polnische Soldaten lernten den YMCA etwa im Dienst in den Einheiten der Entente kennen, beispielsweise in der französischen Fremdenlegion. Bereits 1922 erkannte das Innenministerium den YMCA Polska als offizielle polnische Teilorganisation an. Sie trug die christliche Ausrichtung der Mutterorganisation mit, die im Verbandsalltag allerdings keine zentrale Rolle spielte.
Schon in der Gründung des YMCA in Polen zeigt sich die prominente Mittlerrolle der Vereinigten Staaten: Innerhalb des global agierenden YMCA-Netzwerkes spielten der kanadische und insbesondere der amerikanische YMCA eine führende Rolle, wobei der US-amerikanische Teilverband und seine Aktivitäten in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg entscheidenden Einfluss auf die Gründung des polnischen Verbandes hatten: Aus dem ‚YMCA America in Poland‘ bildete sich der YMCA Polska. An seine Spitze wurde der US-Amerikaner Paul Super (1880–1949) gewählt. Die populäre Gründerfigur des polnischen Ablegers ist ein Beispiel par excellence für den internationalistischen, transnationalen Grundgedanken des YMCA. Zunächst Sekretär an der Universität Missouri, war Super anschließend in Honolulu und New York für den YMCA tätig, ehe er 1922 nach Polen kam. Selbst nach seiner Ausreise infolge des deutschen Überfalls auf Polen blieb er dem YMCA Polska noch bis 1947 als Generalsekretär treu und warb im Ausland um dessen Unterstützung. Super war es auch, der die Städte 
Warszawa
deu. Warschau, eng. Warsaw, yid. Varše, yid. וואַרשע, rus. Варшава, rus. Varšava, fra. Vaarsovie

Warschau ist die Hauptstadt Polens und zugleich die größte Stadt des Landes (Bevölkerungszahl 2024: 1.863.845). Sie liegt in der Woiwodschaft Masowien an Polens längstem Fluss, der Weichsel. Warschau wurde erstmals Ende des 16. Jahrhunderts Hauptstadt der polnisch-litauischen Adelsrepublik und löste damit Krakau ab, das zuvor polnische Hauptstadt gewesen war. Im Rahmen der Teilungen Polen-Litauens wurde Warschau mehrfach besetzt und schließlich für elf Jahre Teil der preußischen Provinz Südpreußen. Von 1807 bis 1815 war die Stadt Hauptstadt des Herzogtums Warschau, einem kurzlebigen napoleonischen Satellitenstaat; im Anschluss des Königreichs Polen unter russischer Oberherrschaft (dem sog. Kongresspolen). Erst mit Gründung der Zweiten Polnischen Republik nach Ende des Ersten Weltkriegs war Warschau wieder Hauptstadt eines unabhängigen polnischen Staates.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Warschau erst nach intensiven Kämpfen und einer mehrwöchigen Belagerung von der Wehrmacht erobert und besetzt. Schon dabei fand eine fünfstellige Zahl an Einwohnern den Tod und wurden Teile der nicht zuletzt für seine zahlreichen barocken Paläste und Parkanlagen bekannten Stadt bereits schwer beschädigt. Im Rahmen der anschließenden Unterdrückung, Verfolgung und Ermordung der polnischen und jüdischen Bevölkerung wurde mit dem Warschauer Ghetto das mit Abstand größte jüdische Ghetto unter deutscher Besatzung errichtet, das als Sammellager für mehrere hunderttausend Menschen aus Stadt, Umland und selbst dem besetzten Ausland diente und zugleich Ausgangspunkt für die Deportation in Arbeits- und Vernichtungslager war.

Infolge des Aufstandes im Warschauer Ghetto ab dem 18. April 1943 und dessen Niederschlagung Anfang Mai 1943 wurde das Ghettogebiet systematisch zerstört und seine letzten Bewohner verschleppt und ermordet. Im Sommer 1944 folgte der zwei Monate dauernde Warschauer Aufstand gegen die deutsche Besatzung, in dessen Folge fast zweihunderttausend Polen ums Leben kamen und nach dessen Niederschlagung auch das restliche Stadtgebiet Warschaus von deutschen Einheiten weitgehend und planmäßig zerstört wurde.

In der Nachkriegszeit wurden zahlreiche historische Gebäude und Teile der Innenstadt, darunter das Warschauer Königsschloss und die Altstadt, wiederaufgebaut - ein Prozess, der bis heute andauert.

Kraków
deu. Krakau

Krakau ist die zweitgrößte Stadt Polens und liegt in der Woiwodschaft Kleinpolen im Süden des Landes. In der Stadt an der Weichsel wohnen ungefähr 775.000 Menschen. Die Stadt ist bekannt für den Hauptmarkt mit den Tuchhallen und der Wawel-Burg in der Altstadt Krakaus, welche seit 1978 zum UNESO-Welterbe gehört. In Krakau liegt die älteste Universität Polens, die Jagiellonen-Universität.

 und 
Łódź
deu. Lodz, deu. Litzmannstadt, deu. Lodsch, yid. Lodž, yid. לאָדזש, pol. Łodzia, deu. Lodsch

Die kreisfreie Stadt Łódź (Bevölkerung 2024: 645.693) liegt in der gleichnamigen Woiwodschaft im Zentrum Polens. Die bis in die 1820er Jahre unbedeutende Kleinstadt erfuhr einen enormen Aufschwung nach dem Ausbau zum führenden Industriezentrum im autonomen Königreich Polen und wurde zu einem der wichtigsten Industriezentren im gesamten Zarenreich. Wegen der dominierenden Textilindustrie, erhielt die Stadt den Beinamen "Manchester Polens". Allerdings hielt der Wohnungsbau und der Ausbau der Infrastruktur dem Ausbau der Industrie nicht Schritt, sodass in der Stadt neben prunkvollen Palästen breite Teile der Stadtbevölkerung in prekären Verhältnissen, oft ohne Kanalisation und ohne Zugang zu Bildung, lebten.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs gehörte Łódź zum wiederhergestellten polnischen Staat. Neben dem Wiederaufbau der kriegszerstörten Industrie wurde auch verstärkt in die Verbesserung der Lebensbedingungen der Stadtbevölkerung investiert. Nach dem Deutschen Überfall auf Polen im September 1939 wurde die Stadt ins Deutsche Reich eingegliedert und ihr offizieller Name zunächst in Lodsch, dann in Litzmannstadt geändert. 1940-1944 existierte in der Stadt eins der größten Ghettos im Reichsgebiet, in dem neben der beinahe gesamten örtlichen jüdischen Bevölkerung (mit ca. 220.000 etwa ein Drittel der Stadteinwohnerschaft) auch jüdische Bevölkerungsteile aus anderen Gebieten Polens und des Auslands sowie Sinti und Roma auf kleinstem Raum interniert waren. Nur wenige Menschen haben das Ghetto bzw. den Ort der anschließenden Verschleppung überlebt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 stellte Łódź eine intakte Stadt dar. Als die zu diesem Zeitpunkt größte Stadt Polens und wegen ihrer Nähe zur formellen, aber fast komplett zerstörten Hauptstadt Warschau, fungierte sie für drei Jahre als Regierungssitz.
Die Krise der Textilindustrie begann in den 1980er Jahren, um kurz nach Beginn der politischen Transformation Anfang der 1990er Jahre zusammenzubrechen. Die Stadt stürzte in eine tiefe Krise, in deren Folge ihre Bevölkerung zwischen 1989 und 2022 um 200.000 Einwohner sank. Vom zweiten Platz im Ranking der größten Städte des Landes ist Łódź an die vierte Stelle nach Krakau und Breslau zurückgefallen. Die Investitionen in die Sanierung, den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und den Kultursektor trugen im 21. Jahrhundert zu einem deutlich besseren Image der Stadt bei, die heute als einer der wichtigsten Standorte für Bildung, Kultur, die Designbranche und Filmindustrie in Polen gilt.

 als wichtigste Standorte festlegte, an denen man die Verbandshäuser errichtete. Sie wurden größtenteils finanziert vom International Committee of the North American YMCA und privaten amerikanischen Spendern. Diese stark nordamerikanische Prägung bildete sich auch in den Profilen und Veranstaltungsprogrammen der Häuser ab: Polnische Jugendliche kamen hier in Kontakt mit zuvor unbekannten Spielen, Sportarten und weiteren Formen gemeinschaftlicher Freizeitbeschäftigungen. Eine besondere Rolle kam beispielsweise dem Campen und den fortan ausgerichteten, überaus beliebten Sommercamps des YMCA zu. Der YMCA Polska war damit ein wichtiger Vermittler kulturellen Transfers in der Zwischenkriegszeit – die sich insgesamt durch intensive Kulturtransferprozesse auszeichnete, insbesondere aus dem nordamerikanischen Raum.
Der Zweite Weltkrieg und die damit verbundene deutsche Besatzung stellten eine Zäsur für den YMCA Polska dar. So wurden die erst kurz zuvor errichteten Häuser enteignet und von den Besatzern genutzt. Die Tätigkeit des YMCA Polska endete damit noch nicht, sondern wurde im Untergrund weitergeführt – nicht nur in den besetzten polnischen Gebieten, sondern in allen Ländern, in denen polnische Bürgerinnen und Bürger Schutz gesucht hatten. Nachweisbar ist das Engagement des YMCA Polska in einer mehr als zehn Ländern umfassenden Liste. Zu dieser zählten Frankreich, die Schweiz, Großbritannien, Italien, Rumänien, Ungarn und fünf afrikanische Staaten.2 Immerhin die Verbandshäuser überstanden den Krieg fast ohne Beschädigungen. Ihr guter Erhaltungszustand und das Engagement junger polnischer Funktionäre des YMCA bildeten die Grundlage für dessen Reorganisation nach Kriegsende. Sie wiederum ist zugleich Ausgangspunkt für den Aufstieg des polnischen Jazz.

Jazz in den Häusern des YMCA Polska

Mit der Reorganisation des YMCA Polska zieht auch der Jazz in seine Häuser ein. Sie werden zu einem Treffpunkt von jungen Intellektuellen, Studenten und Künstlern. Zu ihnen gehören Jazz-Begeisterte, die hier einen Ort des Austausches finden. Die Vernetzung der jungen Jazz-Enthusiasten resultiert schnell in ersten Konzerten. In Warschau fand beispielsweise 1946 die erste Jam-Session statt. Schnell folgten die ersten Gründungen von Jazz-Clubs, nach Warschau auch in Krakau, Lodz, 
Poznań
deu. Posen

Poznań ist eine Großstadt im Westen von Polen und mit über 530.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt des Landes. Die Messe- und Universitätsstadt liegt in der historischen Landschaft Großpolen und ist zugleich Hauptstadt der heutigen gleichnamigen Woiwodschaft. Bereits in der Frühen Neuzeit ein bedeutendes Handelszentrum fiel die Stadt 1793 erstmals an das Königreich Preußen als Teil der neu gebildeten Provinz Südpreußen. Nach zwischenzeitlicher Zugehörigkeit zum Herzogtum Warschau (1807-1815) kam Posen nach dem Wiener Kongress erneut zu Preußen als Hauptstadt des neuen Großherzogtums Posen. Ab 1919 gehörte Poznań für zwei Jahrzehnte zur Zweiten Polnischen Republik, bevor die Stadt ab 1939 von der Wehrmacht besetzt und Teil des Reichsgaus Wartheland (dem sog. Warthegau) wurde. Die fast sechsjährige Besatzungszeit war geprägt durch die brutale Verfolgung der polnischen und jüdischen Bevölkerung einerseits, die zu Zehntausenden ermordet oder in Konzentrations- und Arbeitslagern interniert wurde, und der gezielten Neuansiedlung deutschsprachiger Bevölkerungsteile in Stadt und Umland andererseits. Anfang 1945 wurde Posen von der Roten Armee erobert und Teil der Volksrepublik Polen. Eines der wichtigsten Ereignisse der Nachkriegszeit war der gewaltsam niedergeschlagene Arbeiteraufstand im Juni 1956.

 und 
Wrocław
deu. Breslau, lat. Wratislavia, lat. Vratislavia, ces. Vratislav, deu. Breslaw, deu. Bresslau, deu. Wreczelaw, deu. Wrezlaue, lat. Vuartizlau, lat. Wrotizlaensem, lat. Wortizlava, deu. Brassel

Wrocław (dt. Breslau) ist eine der größten Städte in Polen (Bevölkerungszahl 2022: 674.079). Sie liegt in der Woiwodschaft Niederschlesien im Südwesten des Landes.
Zunächst unter böhmischer, piastischer und zeitweise ungarischer Herrschaft übernahmen 1526 die Habsburger die schlesischen Erblande und damit auch Breslau. Einen weiteren Wendepunkt in der Geschichte der Stadt stellte die Besetzung Breslaus durch die preußischen Truppen 1741 und die anschließende Einverleibung eines Großteil Schlesiens in das Königreich Preußen dar.
Die rapide Bevölkerungszunahme und Industrialisierung führte zur sprunghaften Urbanisierung der Vorstädte und ihrer Eingemeindung, was mit der Schleifung der Stadtmauer Anfang des 19. Jahrhunderts einherging. Bereits 1840 wuchs Breslau mit 100.000 Einwohnern zur Großstadt heran. Am Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich das häufig noch mittelalterlich geprägte Stadtbild hin zur Großstadt wilhelminischer Prägung. Höhepunkt der Stadtentwicklung noch vor dem Ersten Weltkrieg war die Anlage des Ausstellungsparks als neuer Mittelpunkt der gewerblichen Zukunft Breslaus mit der Jahrhunderthalle von 1913, die seit 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
In den 1920er und 30er Jahren erfolgte die Eingemeindung von 36 Ortschaften und der Bau von Wohnsiedlungen am Stadtrand. Um der großen Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg zu begegnen, wurden auch Wohngenossenschaften mit Siedlungsbau beauftragt.
Noch 1944 zur Festung erklärt, wurde Breslau während der folgenden Kampfhandlungen in der ersten Hälfte 1945 nahezu vollständig zerstört. Der Wiederaufbau der nun Polnisch gewordenen Stadt dauerte bis in die 1960er Jahre.
Von der etwa 20.000 Personen zählender jüdischen Bevölkerung fanden sich nach dem Zweiten Weltkrieg nur 160 Personen in der Stadt wieder. 1945–1947 wurde die nach dem Kriegsende verbliebene bzw. zurückgekehrte - deutsche - Bevölkerung der Stadt zur Auswanderung größtenteils gezwungen, an ihre Stelle wurden Menschen aus dem Gebiet des polnischen Vorkriegsstaats angesiedelt, darunter aus den an die Sowjetunion verlorenen Gebiete.
Nach dem politischen Umbruch von 1989 erhob sich die Stadt zu neuer, beeindruckender Blüte. Der Transformationsprozess und seine raumwirksamen Folgen sorgten für einen rasanten Aufschwung Breslaus, unterstützt durch den Beitritt Polens zur Europäischen Union im Jahr 2004. Heute ist Breslau eine der am besten prosperierenden Städte Polens.

. Die enge Verbindung der jungen polnischen Jazzkultur mit dem YMCA drückte sich ebenfalls in den Club-Benennungen aus: Der zweite in Warschau gegründete Jazz-Club 
Volksrepublik Polen
eng. Polish People’s Republic, pol. Polska Rzeczpospolita Ludowa, deu. Republik Polen, eng. Polish Republic, pol. Rzeczpospolita Polska

Die Volksrepublik Polen war ein von 1944 bis 1989 (bis 1952 unter dem Namen Republik Polen) existierender sozialistischer Staat in der sowjetischen Einflusssphäre. Seine Grenzen entsprechen denen des heutigen Polens. Die Legitimation der Staatsform erfolgte auf der Grundlage des Referendums von 1946 und der Wahl von 1947, deren Ergebnisse jedoch gefälscht wurden. 1948 wurden die Parteien des sogenannten Demokratischen Blocks in der Sozialistischen Einheitspartei des Ein-Parteien-Staates zwangsvereinigt. Bis zum Ende der Volksrepublik regierte die daraus hervorgegangene kommunistische Polnische Vereinigte Arbeiterpartei (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza, PZPR).

 hört etwa auf den Namen Polski Klub Jazzu przy YMCA (dt.: Polnischer Jazz Club beim YMCA). Auf diese Weise erweiterte sich das musikalische Repertoire der samstags und sonntags stattfindenden Tanzabende beim Y nun um Jazz. Obendrein zählten Frauen zu den Tanzenden. Der Jazz im Y war also – anders als es vielleicht die wörtliche Bedeutung und der Grundgedanke von einer Young Men’s Christian Association vermuten lässt – keine reine Männerwelt. Frauen waren aber mehr als gern gesehene Tanzpartnerinnen: Schon auf einem der ersten Konzerte trat Jeanne Johnstone Schiele als Jazzerin auf und wurde von der zeitgenössischen Presse in den höchsten Tönen gelobt. Nichtsdestotrotz standen hauptsächlich männliche Jazzer auf der Bühne. Zudem fand am 30. Mai 1947 das Konzert „Jam Session – Hot Jazz – Swing – Boogie Woogie“ in Warschau statt, das von der späteren polnischen Jazz-Legende Leopold Tyrmand (1920–1985) initiiert und beworben wurde. Dort spielten neben dem tschechischen Saxofonisten und musikalischen Leiter des Warschauer Y, Charles Bowery, einige weitere polnische Jazzer. Einer von ihnen, hier noch unter dem Pseudonym Waldemar Valdi, ist Szenekennenden bestens als Jerzy Matuszkiewicz (1928–2021) bekannt.
Auch das von mehr als 500 jungen Menschen besuchte Konzert stand im Zeichen des transatlantischen Transfers. Neben der Musik präsentierte Tyrmand dem Publikum zusätzlich noch den Kleidungsstil, überhaupt das ganze äußere Erscheinungsbild und die Lebensweise des amerikanischen Jazzers. Positive Pressekritiken des Konzerts trugen zum Erfolg des jungen polnischen Jazz bei. 
Das Warschauer YMCA-Gebäude blieb aber nicht das einzige Einfallstor für junge Jazzbands: Im Lodzer Y gründeten Janusz Cegiełła, Marek Sart und Romuald Żyliński die erfolgreiche Band „Melomani“. Der Jazz hinterließ nun auch in den Verbandshäusern sichtbare Spuren: In ihren Bibliotheken wurden Plattensammlungen angelegt und einschlägige Publikationen zusammengetragen. Auch in dieser Hinsicht liegen die Grundsteine der polnischen Jazz-Kultur in den YMCA-Häusern. Die Funktion des YMCA Polska als Knotenpunkt des transatlantischen Transfers beschreibt Marta Domurat-Linde treffend als „institutional link“.3 Ungeachtet dieser engen Verbindung und der großen Bedeutung des YMCA als Anlaufstelle für den Jazz stellte letzterer trotz allem nur einen Teil der umtriebigen Tätigkeit des Verbandes nach 1945 dar.4 Die kurze gemeinsame Blüte beider fand jedoch bald ein jähes Ende.

Das Ende des YMCA Polska und der Beginn von Ognisko

Die Durchsetzung der marxistisch-leninistischen Doktrin im Freizeit- und Kulturbereich unter dem dominanten Einfluss Moskaus leitete das Ende des YMCA Polska ein. Analog zum sowjetisch propagierten Sozialistischen Realismus wurde nun auch der Kulturbereich der jungen Volksrepublik Polen politisch kontrolliert und den Maximen des Sozialismus sowie dem Ziel unterworfen, einen „neuen Menschen“ in seinem Sinne zu schaffen. Der christliche YMCA Polska war der politischen Führung aus gleich mehreren Gründen ein Dorn im Auge. Bedingt durch die engen – auch finanziellen – Beziehungen zum amerikanischen YMCA attestierte der polnische Gesundheitsminister Bogusław Kożusznik (1910–1996) dem YMCA Polska einen „amerikanischen Imperialismus“ und eine „konterrevolutionäre Tendenz“. Zu dieser Zeit waren drei amerikanische Sekretäre beim polnischen YMCA beschäftigt, welche als vom Klassenfeind Amerika gesandte Aufseher wahrgenommen wurden. Der öffentliche Druck sorgte bald dafür, dass die polnischen Mitarbeiter den öffentlichen Kontakt mit ihnen mieden.
Selbst die Sommerlager gerieten in das Visier des Regimes. So schickte das Bildungsministerium Vertreter der sozialistischen Jugendorganisation ZMP in die Sommerlager, um eine dem neuen sozialistischen System dienliche politisch-ideologische Schulung während des Zeltlagers sicherzustellen. Das Ende des YMCA Polska in seiner bis dato existierenden Form lässt sich schließlich genau datieren: Nach der im Sommer 1949 von der polnischen Regierung verkündeten Doktrin, dass die Zeit des Wiederaufbaus vorüber sei, wurden fast alle westlichen Hilfsorganisationen aus Polen ausgewiesen. Das allerdings reichte noch nicht, um auch die Kontrolle über den YMCA Polska zu erhalten. Am 21. Oktober 1949 wurde der YMCA Polska zu einer einstimmig beschlossenen Satzungsänderung gedrängt – wobei die zu erzielenden Abstimmungsergebnisse zuvor von Funktionären der „Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei“ genau vorgegeben worden waren. Die Satzungsänderung hatte eine Umbenennung des YMCA zu Ognisko (dt.: Lagerfeuer) zur Folge, womit klar mit dem christlich-religiösen Unterbau der Organisation gebrochen wurde. Damit änderte sich auch das Ziel der Organisation: Ognisko sollte nun bei der Errichtung einer neuen, sozialistischen Gesellschaft helfen. 
Für die polnische Jazzkultur brach damit ihre institutionelle Verankerung weg. Mehr noch, Jazz galt als Verkörperung von amerikanischer Musik und wurde von der politischen Führung abgelehnt und bekämpft. Die ehemaligen YMCA-Bibliotheken in Lodz wurden sogar von jungen Parteifunktionären niedergebrannt und die dort vorhandenen Schallplattensammlungen mit Hämmern zerschlagen und somit unwiederbringlich zerstört. Für die Jazzer bedeutete dies zunächst den gesellschaftlichen Rückzug – was folgte, ist als die Zeit des jazz katakumbowy (dt. Katakombenjazz) bekannt. Wie der Jazz dieses Zeitalter überwinden und erneute Signalfunktion erlangen sollte, zeigt der Beitrag von Rüdiger Ritter.

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