Wie die Moldau „rumänisch“ wurde
Der „Saum des Orients“
Das Fürstentum Moldau war ein historischer Staat in Südosteuropa, dessen Gründung auf das 14. Jahrhundert zurückgeht und der bis 1859 Bestand hatte. Sein Staatsgebiet verteilt sich heute auf Moldawien (ohne Transnistrien) sowie die westlich Moldawiens gelegenen Teile Nordrumäniens und der Südukraine. Das Fürstentum lag damit über Jahrhunderte im Schnittfeld der Einfluss- und Interessensphären benachbarter Großmächte, anfänglich Ungarns und Polens und in den späteren Jahrhunderten vor allem der Habsburgermonarchie im Nordwesten, dem Russländischen Reich im Nordosten, und dem Osmanischen Reich im Süden, das ab 1512 die Oberhoheit über das Fürstentum ausübte.
1859 wurde das Fürstentum Moldau mit dem Fürstentum Walachei vereinigt, zunächst über die Personalunion Fürst Alexandru Ioan Cuzas (1820–1873) und unter dem Titel der „Vereinigten Fürstentümer der Walachei und Moldau“. 1861 gingen beide im neuen „Fürstentum Rumänien“ auf, aus dem zwanzig Jahre später das Königreich Rumänien hervorgehen wird.
Das Fürstentum Walachei war ein Staat im Süden des heutigen Rumäniens. Auf dem Höhepunkt seiner Expansion umfasste es auch die Dobrudscha und damit Teile der Schwarzmeerküste. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts stand das Fürstentum unter ungarischer Oberhoheit. Ende des Jahrhunderts geriet es in die osmanische Einflussspähre. Bereits 1600 wurde es kurzzeitig mit den Fürstentümern Siebenbürgen und Moldau vereinigt. 1659 wurde die Hauptstadt des Fürstentums Walachei von Târgoviște nach Bukarest verlegt. 1859 wurden das Fürstentum erneut mit dem Fürstentum Moldau vereinigt, aus denen 1861 das Fürstentum Rumänien hervorging.
Rumänien (Bevölkerungszahl 2024: 19.043.151) ist ein Land in Südosteuropa mit einer Fläche von 238,397 km². Die Hauptstadt des Landes ist Bukarest. Der Staat liegt direkt am Schwarzen Meer, den Karpaten und grenzt an Bulgarien, Serbien, Ungarn, die Ukraine und Moldau. Rumänien entstand 1859 aus dem Zusammenschluss der Moldau und der Walachei. In Rumänien liegt das für die dortige deutsche Minderheit zentrale Gebiet Siebenbürgen.
Was die Moldau moldauisch machte
Bukarest (Bevölkerungszahl 2004: 1.709.458) ist die Hauptstadt Rumäniens. 1659 löste Bukarest Târgoviște als Hauptstadt des Fürstentums Walachei ab. Nach der Vereinigung der Donaufürstentümer (Moldau und Walachei) unter Ion Cuza 1861 wurde Bukarest 1862 zur Hauptstadt Rumäniens. Schon kurze Zeit später war Bukarest die mit Abstand größte Stadt des südosteuropäischen Raums zwischen Budapest und Istanbul. Unter König Carol I. (1866-1914)kam es in Bukarest zu städtebaulichen Veränderungen nach westlichem Vorbild mit Palästen, Boulevards, Parkanlagen, Jugendstilvillen und elektrischer Beleuchtung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Bukarest außerdem zu einem Industrie- und Finanzzentrum. Im ersten Weltkrieg wurde Bukarest 1916 von den Mittelmächten besetzt, mit denen man 1918 einen Friedensvertrag schloss. Zwischen 1936 und 1940 wurde in Bukarest ein Boulevard nach Pariser Vorbild angelegt, was der Stadt auch die Beinamen „Micul Paris“ („Kleines Paris“) oder „Paris des Ostens“ einbrachte. Im Zweiten Weltkrieg stellte sich Rumänien nach kurzer Neutralität auf die Seite der Deutschen, nachdem General Ion Antonescu und die faschistische „Eiserne Garde“ Rumänien zu einem „nationallegionären Staat“ gemacht hatten. Als Antonescu 1944 von König Mihai verhaftet wurde, hatte dies Luftangriffe der Deutschen auf Bukarest zur Folge, die große Schäden anrichteten. Im Jahr 1977 richtete ein Erdbeben Zerstörung an. Ab 1984 ließ der kommunistische Diktator Nicolae Ceaușescu Teile der historischen Altstadt abreißen, um ein großes sozialistisches Zentrum zu errichten, was jedoch nach seiner Hinrichtung 1989 und dem Sturz des kommunistischen Regimes nicht zu Ende geführt wurde. Bukarest ist heute die siebtgrößte Stadt der EU, in der Rumänien seit 2007 Mitglied ist.
Mir fiel es daher in den ersten Tägen meines Aufenthaltes in der Moldau sehr auf, als ich walachische reden hörte, und doch dabei gefragt wurde: […] Kanst du moldauisch sprechen? – Ich erwiederte: […] Walachisch kann ich, aber moldauisch kann ich nicht – Man sagte mir zwar, daß es eine Sprache sei, allein sehr viele Wörter wichen gänzlich von der mir bekannten […] Sprache ab.
Wolf, Andreas: Beiträge zu einer statistisch-historischen Beschreibung des Fürstenthums Moldau, Hermannstadt 1805, S. 177–178.
Die Union 1859
Der Rumäne nennt sich weder Moldauer, noch Walache, sondern mit Stolz ‚rumin‘, weil er sich […] für einen Abkömmling der alten Römer hält. […] Ebenso […] nennt er auch sein Land nicht anders als […] ‚Rumänien‘, denn das Fürstenthum ist […] ein unzertrennbares Ganzes und kennt keine anderen Bezeichnungen.
Henke, Rudolf: Rumänien. Land und Volk in geographischer, historischer, statistischer und ethnographischer Beziehung, sowie in Reiseerinnerungen nach dreijährigen eigenen Beobachtungen und mit Benutzung authentischer Quellen unter bevorzugter Berücksichtigung der gegenwärtigen Lage geschildert. Leipzig 1877, S. 6–7.
Das Osmanische Reich war der Staat der osmanischen Dynastie von ca. 1299 bis 1922. Der Name leitet sich vom Gründer der Dynastie, Osman I., ab. Zur Blütezeit umfasste das Imperium Kleinasien und Teile des Arabiens, den Ägypten und den gesamten Balkan. Darüber hinaus brachte es viele weitere Länder bzw. Gebiete in Osteuropa, Ostasien und Nordafrika in seine Abhängigkeit. Seine Hauptstadt war zuletzt Konstantinopel (heute Istanbul). Der Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs ist die Republik Türkei.
Der Unionsverlierer Moldau
Was endlich den Jubel über die Vereinigung der beiden Fürstenthümer betrifft, so werde ich […] sagen, daß er nicht ganz echt ist [,] [da] Moldauer Walachen immer mit scheelen Augen, mit Spott und Eifersüchtelei betrachten […]. Beide Stämme haben sich in älteren Zeiten zu sehr bekriegt, gehaßt und gegenseitig verachtet und alle periodisch aufgetretenen Verbrüderungsschwindel waren von gar zu kurzem Bestande.
Derblich, Wolfgang: Land und Leute der Moldau und Walachei. Prag 1863, S. 312.


















