Wiedersehen mit Schlesien
Sehnsucht nach „daheim“ – vom Reisen in die „alte Heimat“
Schlesien (polnisch Śląsk, tschechisch Slezsko) ist eine historische Landschaft, die heute überwiegend im äußersten Südwesten Polens, in Teilen jedoch auch auf dem Gebiet Deutschlands und Tschechiens liegt. Mit Abstand wichtigster Fluss ist die Oder. Nach Süden wird Schlesien vor allem durch die Gebirgsketten der Sudeten und Beskiden eingegrenzt. In Schlesien leben heutzutage knapp 8 Millionen Menschen. Zu den größten Städten der Region zählen Wrocław (hist. dt. Breslau), Opole (Oppeln) und Katowice (Kattowitz). Vor 1945 gehörte die Region zweihundert Jahre lang großteils zu Preußen, vor den Schlesischen Kriegen (ab 1740) fast ebenso lange Zeit zum Habsburgerreich. Schlesien wird in Ober- und Niederschlesien eingeteilt.
Die Volksrepublik Polen war ein von 1944 bis 1989 (bis 1952 unter dem Namen Republik Polen) existierender sozialistischer Staat in der sowjetischen Einflusssphäre. Seine Grenzen entsprechen denen des heutigen Polens. Die Legitimation der Staatsform erfolgte auf der Grundlage des Referendums von 1946 und der Wahl von 1947, deren Ergebnisse jedoch gefälscht waren. 1948 wurden die Parteien des sogenannten Demokratischen Blocks in der Sozialistischen Einheitspartei des Ein-Parteien-Staates zwangsvereinigt. Bis zum Ende der Volksrepublik regierte die daraus hervorgegangene kommunistische Polnische Vereinigte Arbeiterpartei (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza, PZPR).
Reiseberichte: Individuelle Reiseerinnerungen und historische Dokumente
Erste Heimatreisen und Gruppenfahrten
Heimwehtourismus im Zeichen der politischen Détente
Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) war der zweite deutsche Staat nach dem Zweiten Weltkrieg. Er wurde am 7. Oktober 1949 ausgerufen und umfasste den östlichen Teil des heutigen Deutschlands. Die DDR wurde anstelle der Sowjetischen Besatzungszone als Reaktion auf die Gründung der Bundesrepublik Deutschland auf dem Gebiet der Besatzungszonen der Westalliierten am 24. Mai 1949. Seine Hauptstadt war der östliche Teil (sowjetischer Sektor) von Berlin, was im Widerspruch zur Vereinbarung der Alliierten zur gemeinsamen Verwaltung von Berlin stand. Die DDR schottete sich zunehmend insbesondere von den westlichen Staaten ab, was visuell im Bau der Berliner Mauer gipfelte. Trotz des Namens war die DDR bis 1989 ein undemokratisch regierter Marionettenstaat der Sowjetunion. Mit der Vereinigung mit der Bundesrepublik Deutschland („Wiedervereinigung“) am 3. Oktober 1990 endete die Existenz der DDR.
Die Schneekoppe ist mit 1.603 m ü. NN der höchste Berg des Riesengebirges. Seit 1945 verläuft die polnisch-tschechische Grenze über ihren Gipfel. Die erste bekannte Besteigung des Gipfels fand im 16. Jahrhundert statt. Die touristische Erschließung des Berges erfolgte im 19. Jahrhundert und heute ist die Schneekoppe ein beliebtes Ausflugsziel in Niederschlesien.
Giebułtów (Bevölkerungszahl 2021: 1.337) ist ein Dorf im Kreis Lwówek Śląski im Südwesten von Polen. Es gehörte ursprünglich zur Lausitz und war ab 1592 Sitz der Herrschaft Gebhardsdorf. Ab 1815 gehörte das Gebiet zu Niederschlesien und war bis 1945 Teil des Kreises Lauban.
Spätes Wiedersehen und familiäre Spurensuche
Chocianów (Bevölkerungszahl 2025: 7.206) ist eine Stadt im südwestlichen Polen. Sie liegt im Nordwesten von Niederschlesien. Der seit dem 13. Jahrhundert bekannte Ort erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung durch die Mitte des 19. Jahrhunderts gegründete Eisenhütte. Im Zweiten Weltkrieg wurde in der Stadt ein Arbeitslager als Außenlager des Konzentrationslagers Groß-Rosen eingerichtet. Die Insassen des Lagers wurden in der Flugzeugmotorenfabrik eingesetzt, die auf dem Gelände der Hütte entstand. Seit 1945 gehört die Stadt zu Polen. Die Metallindustrie in Chocianów wurde im 21. Jahrhundert abgewickelt.
Wrocław (dt. Breslau) ist eine der größten Städte in Polen (Bevölkerungszahl 2025: 672.601). Sie liegt in der Woiwodschaft Niederschlesien im Südwesten des Landes.
Zunächst unter böhmischer, piastischer und zeitweise ungarischer Herrschaft übernahmen 1526 die Habsburger die schlesischen Erblande und damit auch Breslau. Einen weiteren Wendepunkt in der Geschichte der Stadt stellte die Besetzung Breslaus durch die preußischen Truppen 1741 und die anschließende Einverleibung eines Großteil Schlesiens in das Königreich Preußen dar.
Die rapide Bevölkerungszunahme und Industrialisierung führte zur sprunghaften Urbanisierung der Vorstädte und ihrer Eingemeindung, was mit der Schleifung der Stadtmauer Anfang des 19. Jahrhunderts einherging. Bereits 1840 wuchs Breslau mit 100.000 Einwohnern zur Großstadt heran. Am Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich das häufig noch mittelalterlich geprägte Stadtbild hin zur Großstadt wilhelminischer Prägung. Höhepunkt der Stadtentwicklung noch vor dem Ersten Weltkrieg war die Anlage des Ausstellungsparks als neuer Mittelpunkt der gewerblichen Zukunft Breslaus mit der Jahrhunderthalle von 1913, die seit 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
In den 1920er und 30er Jahren erfolgte die Eingemeindung von 36 Ortschaften und der Bau von Wohnsiedlungen am Stadtrand. Um der großen Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg zu begegnen, wurden auch Wohngenossenschaften mit Siedlungsbau beauftragt.
Noch 1944 zur Festung erklärt, wurde Breslau während der folgenden Kampfhandlungen in der ersten Hälfte 1945 nahezu vollständig zerstört. Der Wiederaufbau der nun Polnisch gewordenen Stadt dauerte bis in die 1960er Jahre.
Von der etwa 20.000 Personen zählender jüdischen Bevölkerung fanden sich nach dem Zweiten Weltkrieg nur 160 Personen in der Stadt wieder. 1945–1947 wurde die nach dem Kriegsende verbliebene bzw. zurückgekehrte - deutsche - Bevölkerung der Stadt zur Auswanderung größtenteils gezwungen, an ihre Stelle wurden Menschen aus dem Gebiet des polnischen Vorkriegsstaats angesiedelt, darunter aus den an die Sowjetunion verlorenen Gebiete.
Nach dem politischen Umbruch von 1989 erhob sich die Stadt zu neuer, beeindruckender Blüte. Der Transformationsprozess und seine raumwirksamen Folgen sorgten für einen rasanten Aufschwung Breslaus, unterstützt durch den Beitritt Polens zur Europäischen Union im Jahr 2004. Heute ist Breslau eine der am besten prosperierenden Städte Polens.
Kattowitz (Bevölkerungszahl 2023: 279.190) ist die größte Stadt Oberschlesiens und die Hauptstadt der Woiwodschaft Schlesien im Süden Polens. Das 1598 erstmals erwähnte Dorf Katowice entwickelte sich an einem Hammerwerk. Grundlage für die Entwicklung des Ortes waren Vorkommen von Eisenerz und Steinkohle, den entscheidenden Aufschwung brachte jedoch die 1846 erstellte Eisenbahnverbindung, die zunächst das Oberschlesische Industrierevier über Kattowitz mit Berlin verband und den Transport auch von Kohle und Stahlprodukten aus der Umgebung zu den entfernten Absatzmärkten ermöglichte. Das rasante Bevölkerungswachstum des Ortes führte 1865 zur Verleihung der Stadtrechte.
Auch aufgrund der Lage in der Nähe der Grenzen Preußens zu Russland und Österreich-Ungarn entwickelte sich Kattowitz schnell zu einem internationalen Verkehrskoten. Nach der Teilung Oberschlesiens zwischen Deutschland und dem wiederhergestellten polnischen Staat stieg Kattowitz 1922 zur Hauptstadt der Woiwodschaft Schlesien auf. Sie galt als ein wichtiges Zentrum der deutschen Kultur im polnischen Ostoberschlesien, und gleichzeitig als Stätte des Aufbaus einer polnischen Kulturtradition mit modernen Tendenzen, die sich auch im Städtebau manifestierten. Nach dem deutschen Überfall 1939 wurde Kattowitz 1941 Hauptstadt des neugegründeten Gaus Oberschlesien. 1945 wurde ein wesentlicher Teil des Stadtzentrums zerstört, hauptsächlich im Zuge der Befreiungsaktion der sowjetischen Truppen. Nach dem Krieg wurden von den polnischen Behörden die meisten Einwohner:innen nach Deutschland vertrieben, die keinen Nachweis über ihre polnische Herkunft erbringen konnten. Kattowitz baute seine Rolle als multifunktionales Zentrum weiter aus, wobei vor allem die 1970er Jahre ausschlaggebend waren.
Das Hirschberger Tal, eine schlesische Landschaft reich an Schlössern und Baudenkmälern, wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts auch das "Schlesische Elysium" genannt und war bis zum zweiten Weltkrieg ein touristischer Hotspot. Viele seiner Orte gingen auf die Besiedelung mit Deutschen im 13. Jahrhundert zurück. Bereits 1305 waren 24 Dörfer im Hirschberger Tal urkundlich bezeugt, Hirschberg selbst folgte 1355.
Für diese Personengruppe war das Aufschreiben mehr als eine Schilderung des Erlebten: Es diente vielfach der Aufarbeitung der eigenen Lebensgeschichte. Auffallend ist, dass mit dem zeitlichen Abstand zur Vertreibung auch die Schilderung der Situation vor Ort distanzierter ausfällt. Nach wie vor ist das Aufsuchen des früheren Familienwohnsitzes bedeutend und ein emotionales Erlebnis. Aber dadurch, dass viele die besuchten Orte zuletzt als Kinder gesehen haben und seither mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen ist, sind die eigenen Erinnerungen weniger intensiv.
























