The Bar Kochba women's gymnastics display at the IV Jewish Gymnastics Day

Jewish gymnastics and sports clubs opened up to girls and women at an early stage. Bar Kochba Berlin, for example, already had around 400 members in 1903, a third of whom were female. While the non-Jewish gymnasts often stood in white dresses as maidens of honor at public parades, the publications of the Jewish gymnastics association contain numerous references to physical activities by female members, for example on the horse, parallel bars and balance beam.

Transcriptions

Transcription (German)

Das Schauturnen der Frauenabteilungen des Bar Kochba am IV. Jüdischen Turntag
Sollen die turnerischen Vorführungen, die bei Festlichkeiten geboten werden und die nur kurze Zeit in Anspruch nehmen dürfen, Gipfelübungen Gipfelübungen Mit Gipfelübungen sind sehr anspruchsvolle Übungen, mit Gipfelturnen ist Leistungsturnen gemeint. sein, oder welchen Charakter sonst sollen sie tragen? Die Frage wird verschieden beantwortet werden müssen, je nachdem, ob es sich um Männer- oder Frauenabteilungen handelt.
Männerabteilungen werden bei solchen Gelegenheiten, und mit Recht, an irgend einem Lieblingsgerät Lieblingsgerät Zu den Geräten gehörten u.a. Barren, Pauschenpferd, und Reck. Im Turnen ist es üblich von „Lieblingsgeräten“ zu reden, mit denen jene bezeichnet werden, an denen die Turner:innen besonders gut (und gerne) trainieren. eine Musterriege Musterriege In einer solchen werden die besten Turner aufgenommen, um bei besonderen Anlässen ein Schauturnen aufzuführen. Diese Praxis sollte auch dazu dienen, das Turnen attraktiv zu machen. stellen; sie werden damit am sichersten den Beifall des Publikums erringen und am besten der Propaganda Propaganda Mit Propaganda ist die Verbreitung des Turnens unter den bisher noch nicht für die Turnbewegung Begeisterten gemeint. dienen.
Es fragt sich aber, ob das gleiche auch für Frauenabteilungen ratsam ist. Ich würde die Frage verneinen. Warum? Nun, gestehen wir es uns nur ganz offen zu, wir haben unter den Frauen noch garnicht das nötige Material Material Mit „Material“ sind hier die Turnerinnen gemeint. zu solchen Musterriegen. Entweder würden die Leistungen der sogenannten Musterriege auch bei dem nachsichtigsten Urteil keine Musterleistungen sein, oder aber die Zahl der Gipfelturnerinnen wäre eine so geringe, daß diese Schaustellung für den Verein eher ein Armutszeugnis als ein Anziehungsmittel bedeutete.
Kann man aber. nicht durch die Qualität wirken, so muß man es mit der Quantität versuchen. In diesem „muß“ liegt nicht etwa Resignation; Im Gegenteil, die Erfüllung dieser Pflicht bringt gleichzeitig leicht zu erkennende Vorteile. Schon das bloße Auftreten einer größeren Schar gleichgekleideter Turnerinnen bietet ein freundliches Bild und erregt die Freude des Publikums.·Dazu kommt noch, daß damit auch ein Wunsch der Turnerinnen selbst befriedigt wird. Bei den meisten Frauen macht sich das Verlangen geltend, sich öffentlich zu zeigen, und diesem Verlangen muß man, so weit es irgend angeht, bei Turnerinnen nachkommen, um nicht Mißstimmung zu erregen. Je größer die Zahl der Beschäftigten bei öffentlichen Vorführungen ist, um so größer ist auch der Eifer in der Abteilung, um so mehr Interesse werden die einzelnen gewinnen, nicht nur für ihre eigene Abteilung, sondern auch für den gesamten Verein, der sie ja zu dieser Sonderleistung auffordert, und das gerade ist ein Umstand, der in Frauenabteilungen, denen man ja immer Interesselosigkeit für die gemeinsame Sache vorwirft, besonders berücksichtigt werden muß.
Allerdings ist eins zu bedenken, wenn man eine größere Zahl von Teilnehmerinnen zu den Schaustellungen heranzieht. Die Uebungen müssen zusammengestellt sein, daß sie auch mittelmäßigen Turnerinnen nur geringe Schwierigkeiten bieten, sie müssen weniger Kraft- als Anmutsübungen sein.
Die Richtigkeit dieser Forderung hat man auch schon immer erkannt; man ließ die Frauenabteilungen bei Festlichkeiten nicht an Geräten turnen; sie traten gewöhnlich zu einem Reigen zusammen. Nach dem Takte der Musik wurden tanzartige Bewegungen ausgeführt, die weniger den Kraftsinn als den ästhetischen Sinn des Zuschauers befriedigten. Und darin liegt durchaus kein Nachteil, beansprucht man doch von den Bewegungen einer Frau zuerst, daß sie anmutig seien.
Dieser Gesichtspunkt leitete mich auch, als ich die Uebungen zum Verbandsschauturnen zusammenstellte. Ich wich nur insofern von der üblichen Form ab, als ich zum erstenmale versuchte, eine Art Reigen an mehreren Ge- |132| räten zu gleicher Zeit darstellen zu lassen. Es konnte sich aus dem vorher erwähnten Grunde auch da natürlich nur um die einfachsten Uebungen handeln; sie sollten wirken durch Straffheit der Ausführung, durch die Gleichmäßigkeit der Bewegung; sie zeigten ihren Charakter als Reigen dadurch an, daß sie ebenfalls nach Musikbegleitung Musikbegleitung „Beim Verbandsschauturnen wurden die Uebungen nach dem Liede „Von frohem Jugendmute“ (O Deutschland, hoch in Ehren) ausgeführt, jedem Teil der Uebung entsprach eine Reihe des Liedes;“ S. 135 ausgeführt wurden.
Bevor ich die Uebungen selbst der Oeffentlichkeit übergebe, möchte ich, um keinesfalls mißverstanden zu werden, noch einmal ganz energisch darauf aufmerksam machen, daß die Uebungen durchaus nicht als Höchstleistungen betrachtet werden dürfen. An eine erste und auch an eine zweite Riege von Turnerinnen können an allen drei Geräten viel höhere Ansprüche gestellt werden; es handelt sich hier nur um Uebungen zu Schaustellungen, an denen auch schwächere Turnerinnen sich beteiligen sollen! […]

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