Berlin. Jüdischer Frauenbund für Turnen und Sport

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Berlin. Jüdischer Frauenbund für Turnen und Sport
Seit unserem letzten Bericht (April 1917) haben sich die Bedingungen für eine gute Entwicklung unseres Vereins nicht gebessert. Die Kriegsverhältnisse üben weiter ihre niederdrückende Wirkung aus. Die Arbeitsüberlastung jedes einzelnen, hervorgerufen durch die Notwendigkeit für viele Frauen und Mädchen, heute in größerem Maße als je bisher für ihre Familien sorgen zu müssen, der Kohlenmangel während der Wintermonate, die sich ständig verschlechternden Verkehrsverhältnisse ließen einen regeren Turnbetrieb nicht ermöglichen. Dazu kam noch, daß eine Reihe unserer eifrigsten Mitglieder durch Kriegsstellungen im Ausland, im besetzten Gebiet oder außerhalb Berlins für die Mitarbeit ausgeschaltet wurde. Wir haben jetzt etwa 100 Mitglieder und 60 Kinder in den Mädchenabteilungen. Es wird in den Frauenabteilungen dreimal wöchentlich, in den beiden Mädchenabteilungen je einmal in der Woche geturnt. Dadurch, daß der Turnbetrieb verschiedener Abteilungen zusammengelegt und die Nachmittagsabteilung vollständig aufgegeben werden mußte, gingen uns eine ganze Reihe von Mitgliedern verloren; die Neuanmeldungen waren gering. Nur die Mädchenabteilungen haben sich weiter gut entwickelt, es wird eifrig und gut geturnt.
Aus den oben genannten Gründen war auch die Beteiligung an den volkstümlichen Uebungen auf unserem Sportplatz in diesem Sommer nur eine geringe.  Der Wanderbetrieb, der im Sommer besser war, ist in letzter Zeit wieder stark abgeflaut. Auch hier sprechen natürlich die Ernährungs und Verkehrsverhältnisse sehr mit.
Erfreulich ist, daß unsere neue Vereinswohnung im Gegensatz zu der vorigen im Winter gut erwärmt ist, sodaß wir unsere sonnabendlichen Zusammenkünfte dort abhalten können, die regelmäßig besucht sind. Wir weihten sie am  Sukkothfeste
Sukkoth
also:
Laubhüttenfest, Sukkot, Sukot
Sukkot ist das jüdische „Laubhüttenfest“. Es wird vom 15. bis 21. Tischri (nach dem gregorianischen Kalender im September oder Oktober) gefeiert.
 mit einem kleinen Fest für die Kinder und einem gemütlichen Beisammensein für die Erwachsenen am Abend ein. Auf dieselbe anspruchslose und interne Art feierten wir in unserem Heim auch das  Chanukkafest
Chanukka
also:
Chanuka, Hanoukka, Lichterfest, Hanukka, Hanuka, Hanukah, Channukkah, Hanukkä
Chanukka ist das jüdische Lichterfest, mit dem der Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem gedacht wird. Es beginnt am 25. Kislev (im November oder Dezember) und dauert acht Tage. An den Chanukka-Abenden feiern Familien und Freunde ausgelassene Feste, Kinder bekommen Münzen, Süßigkeiten und andere Geschenke.
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|20| Die Einsetzung von Vortragsabenden, die Einrichtung hebräischer Kurse ist in diesem Jahr unterblieben. Durch die Veranstaltungen des „Ausschusses für national-jüdische Jugendarbeit“ „Ausschusses für national-jüdische Jugendarbeit“ Der „Ausschuss für national-jüdische Jugendarbeit“ wurde im März 1917 auf Anregung von Alfred Wolff gegründet, um die Zusammenarbeit der verschiedenen national-jüdischen Organisationen anzuregen, die Kräfte zu bündeln und eine Zersplitterung zu vermeiden.  in Berlin, dem unser Bund angeschlossen ist, wird unseren Mitgliedern ausreichende Gelegenheit zur Belehrung gegeben.

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