From the early days of Bar Kochba

Memoirs are an extremely important type of source for Jewish history in view of the many ways of transmission destroyed by the Shoah and war. This source is a memoir by Herman Jalowicz about the founding of the Jewish gymnastics club Bar Kochba, which he wrote down in September 1938 during the desperate situation of the Jewish Germans. 1938 marked the 40th anniversary of the founding of Bar Kochba Berlin and despite the crisis of the present, a supplement to the magazine "Der Makkabi. Organ des deutschen Makkabi Kreises" on September 15, 1938 with the title "40 Jahre Bar Kochba - Hakoah. 40 Jahre Makkabi" with greetings from the Makkabi World Federation, the Zionist Association for Germany and the board of the Jewish Community of Berlin.

Transcriptions

Transcription (German)

Aus der Frühzeit des Bar Kochba
Für einen Mitbegründer des Bar Kochba Bar Kochba Jüdischer Turnverein Bar Kochba Berlin, gegründet am 22.10.1898 in Berlin ist es eine besonders angenehme Aufgabe, die Erinnerung an die frühesten Anfänge unseres Vereins aufzufrischen und manches kleine Begebnis, das der heutigen Jugend unbekannt ist, der Vergangenheit zu entreißen. Gern folge ich daher der Aufforderung, für die Jubiläumsschrift des Bar Kochba-Hakoah Bar Kochba-Hakoah  Der Verein Bar Kochba-Hakoah Berlin war 1929 durch die Fusion von Bar Kochba mit dem 1905 gegründeten SC Hakoah entstanden. In den Jahren 1934 bis 1938 gewann er die Fußballmeisterschaften des Deutschen Makkabi-Kreises. 1938 wurde der Verein verboten. einen Beitrag zu leisten.
Zunächst möchte ich eine kleine Vereinsgründungsanekdote zum besten geben. Am 22.  Oktober 1898 erschienen etwa 60-70 junge Leute zur Gründungsversammlung in einem Lokal am Hackeschen Markt. Gleich nach der Eröffnungsrede entbrannte der Tendenzkampf: Wozu überhaupt ein jüdischer Turnverein oder gar ein nationaljüdischer, womöglich noch zionistischer? Der damaligen Gesellschaftsstruktur entsprechend, waren die Anwesenden fast durchweg Kaufleute oder Studenten. Der Sprecher der Liberalen (für liberal hielten sich unsere Gegner) war ein cand. iur., sonst ein ganz klarer und nüchterner junger Mann; aber bei jüdischen Dingen trat in jener grauen Vorzeit ein Kurzschluß der Logik ein, d.  h. das normale Denken setzte aus und das Licht der Vernunft erlosch. Der „liberale“ Redner erklärte zunächst das Judentum lediglich als eine Religion und verfocht diese These mit großer Energie und Gewandtheit. Ihm trat ein junger Medizinstudent (die Namen nenne ich nicht) entgegen und stellte dem Vorredner die Gretchen-Frage, ob er überhaupt an Gott glaube. Der Liberale verneinte, aber die Frage, ob er Jude sei, bejahte er. Diesen Widerspruch konnte selbst die „liberalste“ Logik nicht lösen und der Jurist - - schwieg. Diese kleine Anekdote ist charakteristisch für die damalige Zeit, die der heutigen Generation kaum verständlich sein kann. Am 22. Oktober 1898 wurde der JTV. Bar Kochba mit 48 Mitgliedern, zu denen auch ich gehörte, begründet.
Wenn man die erste Nummer der Jüdischen Turn-Zeitung (Mai 1900) durchblättert, findet man im Jahresbericht, daß die Turnhalle der Jüdischen Knabenschule Jüdischen Knabenschule Die Knabenschule der Jüdischen Gemeinde entstand als Nachfolgerin der 1778 von Moses Mendelssohn initiierten Jüdischen Freischule. Ab 1863 zog die Knabenschule in die Große Hamburger Straße 27, wo 1906 ein Neubau errichtet wurde. Die Große Hamburger Straße befindet sich in der Nähe des Hackeschen Marktes.  uns ohne Angabe von Gründen von der Jüdischen Gemeinde verweigert wurde. Wir fanden Zuflucht in der städtischen Turnhalle in der Gipsstraße. Später war die Assimiliation  an die Idee der jüdischen Turnsache etwas fortgeschritten, und wir bekamen sogar die anfangs verweigerte Turnhalle der jüdischen Knabenschule; aber der Rektor erklärte es für unmöglich, die Anbringung eines Turnschranks zu gestatten, trotzdem ich mich extra in Gala  geworfen und zu dem Rektor mit Engelszungen gesprochen hatte. Ein jüdischer Redakteur, nota bene  ein Gegner des Zionismus, vielleicht aber auch des Leiters der Knabenschule, setzte sich für uns ein und berichtete uns über seine Unterredung mit dem genannten Leiter der Schule wegen des ominösen Turnschrankes. Der Rektor bleib hartnäckig bei seinem Standpunkt, der nichts weiter als der Ausfluß seiner Abneigung gegen unsere jung-jüdische  Tendenz war. Der Redakteur erwiderte ihm: „Wenn Sie sagen, daß Sie daß meinen, dann bin ich überzeugt, daß Sie das glauben.“ Nach dieser diplomatischen Verklausulierung des redaktionellen Unglaubens – erhielten wir schließlich den Turnschrank.
Anschließend sei eine kleine amüsante Episode wiedergegeben: Der Leiter der Knabenschule war uns wirklich nicht „grün“. Wenn die jungen Turner das gastliche Haus nach beendetem Turnen verließen, ging es nicht gerade feierlich und leise zu. Mit Stentorstimme  brüllte der Rektor dabei einmal die Jünglinge mächtig an. Einer darunter fragte den Rektor ganz bescheiden: „Entschuldigen Sie, sind Sie der Portier?“ Worauf der Angeredete schleunigst verschwand. Der Fragende war der damals noch sehr junge – Elias Auerbach. 
Als Vertrauensmann der Berliner Zionisten im Jahre 1899 oblag mir unter anderem die Pflicht, Säle zu mieten. Als ich einen Berliner Gastwirt von echtem Schrot und Korn nach einem Versammlungslokal für die Zionisten fragte und er erklärte, daß er vom Zionismus schon gehört habe, war ich natürlich Feuer und Flamme und begann ihn zu examinieren, was er vom Zionismus wisse. Er antwortete; „Die Zionisten, das sind doch solche Aquarienliebhaber.“ Ich war nun doch etwas verblüfft und stellte das Examen ein, mietete aber einen Saal. Zum Abschluß möchte ich mit einem großen Sprung (für Turner jedenfalls ganz passend) zum Frühjahr 1935 kommen. Ich hatte das große Glück, der 2.  Makkabiah  beiwohnen zu dürfen. Dort war ich vielfach mit Dr.  Zirker  und Dr.  Blum  zusammen. Wir waren die ältesten Mitglieder, die auch dem ersten Vorstande des Bar Kochba angehörten hatten. Blum formulierte in Erez Jisrael, indem er auf Zirkers Organisation, seine (Blums) ausführende Tätigkeit und die Propaganda des Unterzeichneten anspielte, den treffenden Satz: Zirker ist der Kopf, Blum die Hand und Jalowicz das Herz der jüdischen Turnbewegung.
Ein sehr angenehmer Zufall vereinigte auf der Rückfahrt von Palästina die drei Senioren des Bar Kochba in einer Kabine, die ich scherzhaft „Makkabine“ nannte. Wir drei wurden auf dem Schiff geknipst und unser Bild stellte ich gern zur Verfügung.
Der Gedanke an das Jubiläum unseres Bar Kochba ist zugleich ein Rückblick auf die verflossenen 40 Jahre des eigenen Lebens.  Dank und Freude verbinden sich mit dem stolzen Gefühl, für die jüdische Turnidee erfolgreich gewirkt zu haben. Aus dem kleinen Stamm der 48 Gründungsmitglieder wurde ein gewaltiges Heer. Wir gaben der Bewegung unser Bestes und wurden dafür innerlich reich belohnt. Während des V. Jüdischen Turntages 1912 , den ich leitete, sprach auch ich auf dem Festkommers  und schloß meine Rede mit den Worten, die auch Motto der Zukunft wurden und bleiben sollen: Chasak, chasak weemaz, stark stark und fest.

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