Frontgeist – Sportgeist – Disziplin!

Zur Gründung der R.J.F.-Sportgruppe in Düsseldorf

Transcriptions

Transcription (German)

Frontgeist – Sportgeist – Disziplin!
Zur Gründung der R.J.F.-Sportgruppe in Düsseldorf.
Als im April 1933 der  R e i c h s b u n d j ü d i s c h er F r o n t s o l d a t e n
Reichsbund jüdischer Frontsoldaten
also:
RjF
Der 1919 gegründete Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF) war eine Reaktion auf antisemitische Anfeindungen gegenüber den aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrenden jüdischen Soldaten. Obwohl ca. 85.000 jüdische Frontsoldaten am Krieg teilnahmen, von denen etwa 12.000 starben, wurde ihnen vorgeworfen, sie hätten sich vor dem Krieg gedrückt und somit die Niederlage Deutschlands verursacht. Der RjF informierte über die Leistungen jüdischer Soldaten und half ihnen, die gebührende Anerkennung zu erlangen. Darüber hinaus organisierte der RjF Selbstschutzeinheiten, um die jüdische Bevölkerung vor antisemitischen Angriffen zu schützen. Seine politische Einstellung war deutsch-national, und sein Presseorgan hieß „Schild“. Ab 1936 wurde dem RjF verboten, sich politisch zu engagieren. Zwei Jahre später wurde er aufgelöst.
 seinen Sportbund Sportbund Die Gründung des „Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten“ ist auf den 30. Mai 1933 datiert. Es bleibt offen, weshalb Alwin Lippmann in seinem Artikel den April als Gründungsmonat für den Sportbund nennt. Zwar wurde im April bereits über die Planung eines Sportbundes berichtet, jedoch fand die Gründung erst Ende Mai statt. Aus den Quellen geht hervor, dass die Bundesleitung am 29. Mai die Gründung des Sportbundes beschloss und einen Tag später mit seinem Aufbau begann. gründete, hörten wir manchen Zweifel hinsichtlich der Legitimität des Bundes zu solchem Beginnen. Die Zweifel waren unberechtigt. Wer sonst – so darf man fragen – wäre berechtigt, die jüdische Jugend aufzurufen und aufzurütteln, zu Disziplin und Gehorsam anzuhalten, zu körperlichen Höchstleistungen anzuspornen, als der jüdische Fronsoldat? Er, der selbst eine straffe körperliche Ausbildung genossen hat und ihre Vorteile zu schätzen weiß, er, der Strapazen und Gefahren kennt und ihnen getrotzt hat, er, der erfahren hat, daß sich k ö r p e r l i c h e K r a f t u n d  e i s e r n e r W i l l e a n e r z i e h e n l a s s e n, er, der gehorchen gelernt hat und deshalb befähigt ist, zu befehlen, – er ist der berufene Berater und Führer der Jugend in sportlichen Dingen!
Der Erfolg ist der beste Prüfstein! In Scharen eilte die jüdische Jugend den neugegründeten Sportverein zu, über 16000  a k t i v e S p o r t l e r i n 152 S p o r t g r u p p e n u m f a ß t d e r R.J.F. s c h o n h e u t e nach 1 ½ Jahre [sic!] seines Bestehens. In eifriger kameradschaftlicher Sportarbeit finden sich jüdische Fronsoldaten mit der Jugend zusammen. Frei von allem, was man als „militärischen Drill“ zu bezeichnen pflegt, i n f r e i w i l l i g e r E i n o r d n u n g und f r e u d i g e r D i s z i p l i n , beseelt von frohem Willen zur Gesamtheit, fühlen Alte und Junge die gleich hohe Verantwortung, die einst die Frontsoldaten ausgezeichnet hat. An der Spitze aller unserer Sportorganisationen stehen Frontsoldaten; gern folgen unsere jugendlichen Sportkameraden ihnen. Sie „gedenken der Taten ihrer Väter“, eifern ihnen nach und suchen ihnen in jugendlicher Sportbegeisterung und kameradschaftlicher Gesinnung gleichzutun. „Makkabäergeist“, der Geist, den Mattathias seinen Söhnen als schönstes Vermächtnis hinterließ, Gemeinschaftsgeist, der einst die Makkabäer erfüllt und zu ruhmvollen Taten begeistert hat, er herrscht in unseren Sportvereinen… 
W i r w e r b e n u m u n s e r e J u g e n d u n d z i e h e n s i e a n u n s. Warmen Herzens und erfüllt von ehr- |7| lichem Wollen fühlen wir tiefstes Verstehen für unsere Jugend und ihre besondere Lage. Wir wissen, was sie durchlebt, wir kennen ihre Sorgen und Nöte, ihre Hoffnungen. W i r m a c h e n s i e – seelisch und körperlich – s t a n d h a f t u n d t a p f e r, wir geben ihr Gelegenheit, Freunsdchaften [sic!] zu schließen, schaffen ihr Entspannung, Lebensfreude, wir lassen sie im Sport und friedlichen Wettkampf Kraftgefühl und Selbstsicherheit wiederfinden und neu gewinnen. Wir freuen uns, wenn ihre Augen strahlen! U n s e r e j u n g e n S p o r t k a m e r a d e n s o l l e n z u r i t t e r l i c h e n , c h a r a k t e r f e s t e n , d e u t s c h b e w u ß t e n J u d e n , z u w e r t v o l l e n G l i e d e r n d e s G a n z e n h e r a n g e b i l d e t w e r d e n. 
Wir haben ein klares Ziel vor Augen, wer in unseren Reihen mitmarschieren will, sei uns willkommen – als Kamerad.
A. L. A. L. Alwin Lippmann (1892–1944) errang im Ersten Weltkrieg den Rang eines Oberleutnants (Luftwaffe) und erhielt insgesamt acht Kriegsauszeichnungen. Nach dem Krieg war er als Kaufmann und Immobilienmakler tätig. 1919 war er Gründungsmitglied der R.j.F-Ortsgruppe in Düsseldorf und war im Vorstand vertreten. Außerdem war er im Vorstand des Schild Düsseldorf aktiv. Nach den Pogromen im November 1938 zog die Familie mehrfach um, bis sie sich 1940 in Düsseldorf abmeldeten und nach Dortmund zogen. Am 30. April 1942 wurde die Familie Lippmann in das Ghetto Zamość deportiert. Im Ghetto wurde Lippmann zum Kommandeur des jüdischen Ordnungsdienstes bestimmt. Lippmann saß mehrfach im Gefängnis und musste in Stryj Zwangsarbeit leisten. Über das KZ Plaszow kam er in das KZ Mauthausen. Von dort wurde Lippmann am 24. August 1944 nach Auschwitz deportiert und vermutlich dort nach seiner Ankunft ermordet. Lippmanns Frau und seine beiden Töchter wurden in der Shoa ermordet.
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