Jüdischer Turnverein zu Köln

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Transcription (German)

Jüdischer Turnverein zu Köln
Im vergangenen Jahre stand unser Verein im Zeichen des Krieges. Von den Turnern wurden alle ohne Ausnahme zum Heeresdienst eingezogen, soweit dieselben im dienstpflichten Alter standen. Es geht daraus hervor, daß wir durch Turnen, Sport und Wandern unsere Mitglieder körperlich hervorragend ausgebildet hatten. Es kamen zeitweise nur noch zwei junge Leute zur Halle. In den ersten Monaten des vergangenen Jahres bekamen wir einigen Zuwachs an jungen Leuten, die uns aber im Herbst schon wiederverlassen mußten, weil sie ebenfalls eingezogen wurden. Im April 1916 veranstalteten wir einen Propaganda-Abend und errichteten eine Sportriege, welche aber aus dem vorher angegebenen Grunde nicht zum richtigen Arbeiten gelangen konnte. Um das Leben im Verein nun aufrecht erhalten zu können, begannen die Wandergruppe, an der sich eine große Anzahl unserer Damen beteiligte, eine sehr eifrige Tätigkeit. Die Wanderungen wurden fast jeden Sonntag vorgenommen und fanden rege Beteiligung. Inzwischen wurde auch der erste Vorsitzende der Wandergruppe im Dezember eingezogen. Wir arbeiten mit den wenigen männlichen Mitgliedern, die noch hier sind, tapfer weiter und hatten jetzt zu Chanuka eine Maccabäerfeier in kleinem Rahmen. Unser jetziger Leiter Herr Salomon Linz Salomon Linz Salomon Linz war von 1910 bis 1913 und von 1916 bis 1919 I. Vorsitzender des JTV 02. Er war ein bekennender Liberaler. Seine Lebensdaten sind unbekannt. hielt eine Ansprache über die Maccabäer, nachdem vorher von demselben die Chanuka-Lichter angezündet worden waren und  „Moaus zur Jeschuaussi“
Fels meiner Rettung
also:
Maos Zur
Ma'oz tsur yeshu'ati (Fels meiner Rettung) sind die Anfangsworte eines traditionellen Chanukka-Liedes, welches an Chanukka von aschkenasischen Juden aber auch in der Synagoge gesungen wird. Das Lied hat seinen Ursprung in Deutschland und stammt aus dem 13. Jahrhundert.
 gesungen war. Die Feier war sehr gut besucht und verlief in echt jüdischem Sinne.
Wenn auch die Schwierigkeiten für uns groß sind, so bleibt doch unser Turnbetrieb bestehen wie bisher, was wir besonders unserer Damenriege, die sehr eifrig turnt, verdanken. Wir hoffen daher, daß unser Verein nach dem Kriege in alter Weise neu blühen und gedeihen wird.

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