Program of the show gymnastics of the Jewish Gymnastics Club in Tomaszów 1913

At the time of its founding in 1911, the Jewish Gymnastics Club in Tomaszów Mazowiecki was the first Jewish sports club to be approved by the authorities in the Russian Empire. The program of the 1913 show gymnastics event presented here sheds light on the life of the club and its impact on the town's public. It also captures a brief historical moment when, before the First World War, more and more clubs were approved in the Łódź area and this was the center of Jewish sport in (Russian) Poland.

Transcriptions

Transcription (Russian)

Гимнастическое ТОРЖЕСТВО
Томаш. Евр. Гимнаст. Общество
въ Воскресенье 9 Iюня 1913 г.
Учит. гимн. А. СТЕМПЕЛЬ
Программа.
I часть.
Маршировка всѣхъ гимнастовъ.
  1. Волныя (Липскія) движенія дѣйствительныхъ гимнастовъ и воспитанниковъ
  2. Вольныя движенія дамскaго отдѣленія(салонныя)
  3. Фигуральныя упражненія активныхъ гимнастовъ
  4. Вольныя упражненія дамской секціи съ палочками
II частъ.
  1. Упражненія дамскaго отдѣленія на снарядахъ
  2. Школьныя упражненія дѣйствительныхъ гимнастовъ и воспитанниковъ
  3. Показныя упражненія дѣйствительныхъ гимнастовъ и воспитанниковъ
     
    Антрактъ 1 частъ.

III частъ.
  1. Пирамиды дамскaго отдѣленія
  2. Пирамиды дѣйствительныхъ гимнастовъ и воспитанниковъ
(при цвѣтномъ освѣщеніи) 
Печатать разр. г. Томашова 2 Iюня 1913 г.
Штабсъ-Капитанъ РАНЕТА
Типография
В. Гандвергера, въ Томашовѣ

Transcription (Polish)

Popis Gimnastyczny
Tomasz. Żyd. Tow. Gimnastyczne
w Niedzielę 22 Czerwca 1913 r.
Naucz. Gimn. A. STEMPEL
PROGRAM.
I część.
Ogólny wymarsz.
  1. Wolne ćwiczenia (t. zw. Lipskie) czynnych członków i wychowańców
  2. Wolne ćwiczenia damskiej sekcyi (Salonowe)
  3. Figurowe ćwiczenia czynnych członków
  4. Wolne ćwiczenia damskiej sekcyi z pałkami
II część.
  1. Ćwiczenia damskiej sekcyi na przyrządach
  2. Ćwiczenia szkolne członków czynnych i wychowańców
  3. Ćwiczenia popisowe członków czynnych i wychowańców
Pauza 1 godzina.
III część.
  1. Piramidy sekcyi damskiej
  2. Piramidy członków czynnych i wychowańców (przy sztucznych ogniach)

Translations

Translation (German)

Tomaszower Jüdischer Turnverein

Tomaszower Jüdischer Turnverein 1 
Sonntag, den 22. Juni 1913
Schauturnen2 
Turnlehrer A. Stempel3
Erster Teil.
Allgemeiner Aufmarsch
  1. Freiübungen4 (sog. Leipziger5 Übungen) der aktiven Mitglieder und Zöglinge
  2. Freiübungen der Frauensektion (Gesellschaftsübungen6 )
  3. Akrobatische Übungen der aktiven Mitglieder
  4. Stabübungen der Damensektion
Zweiter Teil.
  1. Geräteübungen der Damensektion
  2. Pflichtübungen der aktiven Mitglieder und Zöglinge
  3. Kürübungen der aktiven Mitglieder und Zöglinge  Pause 1 Stunde.
Dritter Teil.
  1. Pyramidenaufstellung der Damensektion
  2. Pyramidenaufstellung der aktiven Mitglieder und Zöglinge
    (mit bengalischem Feuer)
[|3|]7 
[|4|] 
 
Gedruckt mit Genehmigung der Stadt Tomaszów vom 15. Juni 1913
Stabshauptmann RANETA
Druckerei von W. Handwerg in Tomaszów

Footnotes

1.
Die Initiative zur Vereinsgründung ging von dem Tomaszower Textilfabrikanten und Philanthropen Samuel Steinman (Lebensdaten nicht feststellbar) aus, der über seine Söhne eine Gruppe von sportinteressierten Jugendlichen zusammenstellen ließ. Nachdem diese seine Vereinspläne begeistert aufgenommen hatten, überzeugte Steinman den Vorsitzenden der Gemeinde, den Textilfabrikanten Aleksander Landsberg, von dem Vorhaben. Im Jahr 1911 erfolgte die Gründung des Clubs, sein Name lautete Żydowskie Towarzystwo Gimnastyczno-Sportowe (kurz: Ż.T.G.S., deutsch Jüdischer Turn- und Sportverein). Bald darauf erfolgte die Legalisierung bei der Piotrkower Gouvernementregierung, im offiziellen russischen Namen fehlte der Hinweis auf Sport. Steinman wurde der erste Vorsitzende des Vereins, stiftete das Grundkapital von 15 Rubeln und ließ auf eigene Kosten eine Turnhalle errichten. Vor allem Jugendliche nahmen das Sortangebot sehr rege an und in kürzester Zeit entstanden Sektionen für die Disziplinen: Turnen (Erwachsene und Jugendliche), Leichtathletik, Fußball, Radsport und Schwimmen. Auch ein Blasorchester bestand. Der Verein finanzierte sich über die Beiträge der aktiven und nichtaktiven Mitglieder, deren Zahl von dem letzten Vorsitzende bis 1939 mit ca. 300 angegeben wurde. Vgl. Józek Śpiewak (Yuzek Spievak), Yidisher turn un sport-fareyn, in: M. Wajsberg (Hg.), Sefer zikaron le-kehilat Tomaszow Mazowiecki, Tel Aviv 1969, S. 191 f.
2.
Die Turn- und die Leichtathletiksektionen des Vereins organisierten von Anfang an Auftritte und Turnfeste, zu welchen sehr viele sowohl jüdische als auch nichtjüdische Zuschauende gekommen sein soll. Diese Sektionen nahmen auch an Sportveranstaltungen in anderen Städten (Krakau, Lodz, Tschenstochau, Warschau, Piotrków Trybunalski) teil. Śpiewak, Yidisher turn un sport-fareyn.
3.
Zu dieser Person konnten keine biographischen Daten ermittelt werden. Ein Bericht aus dem Jahr 1914 enthält eine abweichende Namensnennung: Alfons Hempel. Vgl. Berichte. Russland. Lodz. Erstes Jüdisches Turnfest. In: Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport 15 (1914), 2, S. 48.
4.
Freiübungen sind eine turnerische Disziplin ohne Geräte, die von Adolf Spieß begründet wurde. Er beschrieb sie 1840 wie folgt: „Die Freiübungen machen eine in sich abgeschlossene Art von Turnübungen aus, welche in den Zuständen des Stehens, Gehens, Hüpfens, Springens, Laufens und Drehens dargestellt werden, wobei jede mögliche Tätigkeit aller Leibesteile während derselben geübt wird.“ Adolf Spieß, Das Turnen in den Freiübungen für beide Geschlechter [= Die Lehre der Turnkunst. Erster Teil. Die Freiübungen], Basel 1840, S.4. Der Name, in der polnische Übersetzung „freie Übungen“, deutet die Offenheit zur freien Variation an. Sie wurden oft als Massenübungen praktiziert, mit der Weiterentwicklung zum Bodenturnen und dessen Anerkennung als Wettkampfdisziplin 1930 wurde die Einzelausführung zur Norm.
5.
Die Bezugnahme auf die Stadt Leipzig ist unklar. Leipzig spielte in der deutschen Turnbewegung eine zentrale Rolle, war 1863 Austragungsort des 3. Allgemeinen Deutschen Turnfests und ebenso Publikationsort zahlreicher einschlägiger Veröffentlichungen.
6.
Es konnte nicht ermittelt werden, welche Übungen mit dem Begriff bezeichnet wurden. Eine mögliche Deutung bezieht sich auf einfache Übungen ohne Aufwand an Raum und Gerät, die ohne weiteres im heimischen Salon durchgeführt werden können.
7.
Die Übersetzung der polnischsprachigen Seite 3 der Quelle entfällt, weil sie inhaltsgleich mit der russischspachigen Seite 2 ist.

Metadata

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