Am Beispiel der sog. Bismarck-Türme verfolgt die Ausstellung das Ziel, die Geschichte eines unglaublichen Personenkultes nachzuzeichnen, der nach dem Tod des ‚Eisernen Kanzlers‘ 1898 von großen Teilen der deutschen Bevölkerung getragen wurde. Auch wenn die Politik Bismarcks heute kontrovers diskutiert wird, zeigt die Begeisterung seiner Zeitgenossen, mit der sie des ersten deutschen Reichskanzlers gedachten, wie populär dieser Politiker noch acht Jahre nach seiner Entlassung war. Der Personenkult um Bismarck kann sogar als Konkurrenz zum staatlich gepflegten Gedenken an die Hohenzollern verstanden werden, da sie fast ausschließlich auf Privatinitiative zurückging.
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Nur wenige historische Persönlichkeiten hinterließen in der Landschaft und im Alltag so zahlreiche und so mannigfaltige Spuren wie es Otto Fürst von Bismarck (1815–1898) vermochte und immer noch vermag. Es sind nicht nur seine politischen Leistungen wie z. B. die auf ihn maßgeblich betriebene Reichsgründung von 1871, das von ihm geschaffene Sozialversicherungssystem oder auch seine umstrittene Politik gegenüber den polnischen Reichsuntertanen, der katholischen Kirche oder der Sozialdemokratie, die zu seinem Erbe gehören. Auch verschiedene Arten von Lebensmitteln und Konsumgütern sowie zahlreiche steinerne Denkmäler erinnern bis heute an den ersten deutschen Reichskanzler, dessen Verehrung ein bis dahin unbekanntes Ausmaß annahm. Zu den fassbaren Ausdrücken dieser Verehrung gehörte auch der Entwurf eines besonderen Denkmals, das einst im gesamten Reich anzutreffen war und noch heute an zahlreichen Orten begegnet, der sog. Bismarck-Turm. Neben den knapp 200 Monumenten, die zu seinen Ehren fast ausschließlich aus Privatspenden errichtet wurden, standen einst auch zehn in Ostpreußen, deren Geschichte und Schicksalen im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen nachgegangen wird. Mehrere dieser Türme sind unwiederbringlich verloren, ein Großteil von ihnen ist während der Kriegshandlungen 1945 oder in den Nachkriegsjahren zerstört worden. Erstaunlich viele trotzen bis heute dem Zahn der Zeit. Daher werden in dieser Ausstellung ihre Schicksale nachgezeichnet und ggf. ihre heutige Nutzung beschrieben. Zur Ausstellung erscheint eine Broschüre, die nur im Kulturzentrum Ostpreußen (www.kulturzentrum-ostpreussen.de) bezogen werden kann.