Für seinen Vater war die Familienkrippe so wichtig, dass er sie bei der Auswanderung in die USA mit sich nahm. Der Bericht eines Spenders verrät, was zwischen ihrer Herstellung in Waldenburg und der Rückkehr nach Europa geschah, die ihre Stiftung ans Haus Schlesien in Königswinter ermöglichte.
Text
Bei Kastenkrippen handelt es sich um Krippen, bei denen die Geburt Christi in einem verglasten Kasten arrangiert wird und jede Figur einen vom Künstler festen, unveränderbaren Platz zugewiesen bekommen hat. Hergestellt wurde diese besondere Form der Krippen neben dem Alpenraum vor allem in den schlesischen Gebirgsregionen, etwa in der
Grafschaft Glatz
pol. Hrabstwo Kłodzkie, ces. Hrabství kladské, eng. County of Kladsko

Das Gebiet der Grafschaft Glatz deckt sich in etwa mit dem heutigen polnischen Powiat Kłodzki, der auch ziemia kłodzka (Glatzer Land) genannt wird. Seit 1348 Teil des böhmischen Herrschaftsbereich, fiel die Grafschaft Glatz 1742 im Ersten Schlesischen Krieg an Preußen und wurde 1818 der Provinz Schlesien unterstellt.

, im
Grulich

Králíky (deutsch Grulich) ist eine Stadt in der tschechischen Region Pardubický kraj (deutsch Pardubitzer Region) in der Mitte des Landes, ca. 200 km östlich von Prag. Králíky hat knapp 4.100 Einwohner.

Ländchen und im
Waldenburger Bergland
pol. Góry Wałbrzyskie, eng. Waldenburg Mountains

Das Waldenburger Bergland liegt in den Mittelsudeten im südwestlichen Polen, westlich und südwestlich der Stadt Waldenburg (poln. Wałbrzych) in Niederschlesien. Einige südliche Teile des Waldenburger Berglands liegen auch in Tschechien. Zusammen mit dem Falkengebirge und dem Eulengebirge bildet das Bergland den Westteil der Sudeten.

. Die aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammende Kastenkrippe ist aufgrund ihres Detailreichtums und der hohen Kunstfertigkeit ihres Herstellers ein herausragendes Beispiel dieses, in den Gebirgsregionen 
Schlesien
ces. Slezsko, eng. Silesia, pol. Śląsk

Schlesien (polnisch Śląsk, tschechisch Slezsko) ist eine historische Landschaft, die heute überwiegend im äußersten Südwesten Polens, in Teilen jedoch auch auf dem Gebiet Deutschlands und Tschechiens liegt. Mit Abstand wichtigster Fluss ist die Oder. Nach Süden wird Schlesien vor allem durch die Gebirgsketten der Sudeten und Beskiden eingegrenzt. In Schlesien leben heutzutage knapp 8 Millionen Menschen. Zu den größten Städten der Region zählen Wrocław (hist. dt. Breslau), Opole (Oppeln) und Katowice (Kattowitz). Vor 1945 gehörte die Region zweihundert Jahre lang großteils zu Preußen, vor den Schlesischen Kriegen (ab 1740) fast ebenso lange Zeit zum Habsburgerreich. Schlesien wird in Ober- und Niederschlesien eingeteilt.

 gefertigten und sehr speziellen Typus der Krippendarstellung.  
 
Die Waldenburger Kastenkrippe ist jedoch nicht nur aufgrund ihrer regionalspezifischen Ausprägung interessant, sondern vor allem auch wegen ihres sehr spannenden und glücklicherweise gut dokumentierten Schicksals. Die Krippe hat eine außergewöhnliche Migrationsgeschichte, die sie zweimal über den „großen Teich“ und nach fast 80 Jahren zurück nach Deutschland führte. „Nach meinen Informationen“, schrieb der zuletzt in den USA lebende Besitzer, als er die Krippe HAUS SCHLESIEN schenkte, „kam die Waldenburger Krippe aus Waldenburg, einem kleinen Städtchen, das sich in der hügeligen Landschaft 80 km südwestlich von 
Wrocław
deu. Breslau, lat. Wratislavia, lat. Vratislavia, ces. Vratislav, deu. Breslaw, deu. Bresslau, deu. Wreczelaw, deu. Wrezlaue, lat. Vuartizlau, lat. Wrotizlaensem, lat. Wortizlava, deu. Brassel

Wrocław (dt. Breslau) ist eine der größten Städte in Polen (Bevölkerungszahl 2022: 674.079). Sie liegt in der Woiwodschaft Niederschlesien im Südwesten des Landes.
Zunächst unter böhmischer, piastischer und zeitweise ungarischer Herrschaft übernahmen 1526 die Habsburger die schlesischen Erblande und damit auch Breslau. Einen weiteren Wendepunkt in der Geschichte der Stadt stellte die Besetzung Breslaus durch die preußischen Truppen 1741 und die anschließende Einverleibung eines Großteil Schlesiens in das Königreich Preußen dar.
Die rapide Bevölkerungszunahme und Industrialisierung führte zur sprunghaften Urbanisierung der Vorstädte und ihrer Eingemeindung, was mit der Schleifung der Stadtmauer Anfang des 19. Jahrhunderts einherging. Bereits 1840 wuchs Breslau mit 100.000 Einwohnern zur Großstadt heran. Am Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich das häufig noch mittelalterlich geprägte Stadtbild hin zur Großstadt wilhelminischer Prägung. Höhepunkt der Stadtentwicklung noch vor dem Ersten Weltkrieg war die Anlage des Ausstellungsparks als neuer Mittelpunkt der gewerblichen Zukunft Breslaus mit der Jahrhunderthalle von 1913, die seit 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
In den 1920er und 30er Jahren erfolgte die Eingemeindung von 36 Ortschaften und der Bau von Wohnsiedlungen am Stadtrand. Um der großen Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg zu begegnen, wurden auch Wohngenossenschaften mit Siedlungsbau beauftragt.
Noch 1944 zur Festung erklärt, wurde Breslau während der folgenden Kampfhandlungen in der ersten Hälfte 1945 nahezu vollständig zerstört. Der Wiederaufbau der nun Polnisch gewordenen Stadt dauerte bis in die 1960er Jahre.
Von der etwa 20.000 Personen zählender jüdischen Bevölkerung fanden sich nach dem Zweiten Weltkrieg nur 160 Personen in der Stadt wieder. 1945–1947 wurde die nach dem Kriegsende verbliebene bzw. zurückgekehrte - deutsche - Bevölkerung der Stadt zur Auswanderung größtenteils gezwungen, an ihre Stelle wurden Menschen aus dem Gebiet des polnischen Vorkriegsstaats angesiedelt, darunter aus den an die Sowjetunion verlorenen Gebiete.
Nach dem politischen Umbruch von 1989 erhob sich die Stadt zu neuer, beeindruckender Blüte. Der Transformationsprozess und seine raumwirksamen Folgen sorgten für einen rasanten Aufschwung Breslaus, unterstützt durch den Beitritt Polens zur Europäischen Union im Jahr 2004. Heute ist Breslau eine der am besten prosperierenden Städte Polens.

 befand. Die Bauern und Waldarbeiter in diesem Bereich benötigten in den Wintermonaten ein zusätzliches Einkommen, und einige der erfahrenen Holzschnitzer waren auf die Herstellung von Krippen spezialisiert. […] Zu den schönsten Erinnerungen meiner Kindheit zählten die Weihnachtsfeiern. Die ganze Familie war auf unserem Landgut, welches sich in der Nähe des Zobtenberges, dem heiligen Berg der Schlesier befand, vereint. Das Zentrum dieser Tradition, das sich nie veränderte, war unsere Waldenburger Krippe am Fuße eines großen Weihnachtsbaumes. Für den Rest des Jahres wurde die Krippe sorgfältig verpackt und in einem großen Abstellraum neben dem Schlafzimmer meiner Eltern gelagert. […]“
Die Familie des Spenders wanderte 1935 in die USA aus, als erste „Rauchwolken am Horizont, die Krieg bedeuteten“, aufzogen. Die Krippe war der Familie so wichtig, dass sie im Gepäck der Familie mit nach Chicago reiste, von wo aus sie später nach Los Angeles gelangte:
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Während viele wertvolle Gegenstände zurückgelassen wurden, hat mein Vater bestimmt, dass die Krippe uns nach Chicago begleiten müsse. Nach seinem Tod und unserem Umzug nach Los Angeles reservierten meine Frau und ich in der zweiten Etage unseres Hauses eine Ecke für eine Kapelle, von der die Krippe der Mittelpunkt war. Während meiner 25 Jahre als Groß-Prior des Johanniter Ordens in den Vereinigten Staaten feierten Kardinäle, Patriarchen und andere hochrangige Würdenträger Messen in unserem Heim und bewunderten und lobten diese besondere Krippe. Jetzt aber ist die Zeit in meinem eigenen Leben gekommen, um Abschied von diesem kostbaren Stück zu nehmen und um diese Waldenburger Krippe in ihre Heimat zurückzugeben. Die neue Heimat soll das HAUS SCHLESIEN in Königswinter sein.
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Und so wurde die Krippe 2012 aus den USA über den Atlantik verschifft und kam nach der Bewältigung der nicht unkomplizierten Zollformalitäten in das HAUS SCHLESIEN, wo sie seitdem die Sammlung bereichert und in der alljährlichen Krippenausstellung einen attraktiven Blickfang darstellt. Vor vier Jahren ist sie sogar für einige Wochen in „ihre Heimatstadt“ Breslau zurückgekehrt, wo sie in einer Sonderausstellung des Stadtmuseums zu sehen war.

Siehe auch