Teaserbild
Grenzüberschreitende Forschung: Literatur und Kultur der böhmischen Länder sind bis heute vom Neben- und Miteinander verschiedener Sprachkulturen geprägt. Dies verlangt nach einem komparatistischen, transkulturellen Ansatz. Die Vortragsreihe bringt Germanisten, Bohemisten und Kulturwissenschaftler aus Tschechien, Österreich und Deutschland nach München.
In 
Tschechien
ces. Česko, eng. Czechia

Tschechien ist ein von ungefähr 10,5 Millionen Menschen bewohnter Staat in Mitteleuropa. Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Prag. In Tschechien liegen die historischen Landschaften Böhmen, Mähren und Teile Schlesiens. 1918 wurde der Staat Tschechoslowakei gegründet, die Tschechische Republik jedoch erst 1993. Das Land ist seit dem 01.05.2004 EU-Mitglied.

 erlebte die Germanobohemistik seit 1989 einen produktiven Aufschwung: Mit der Gründung der Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur in 
Olomouc
deu. Olmütz, lat. Iuliomontium, lat. Olomucium, hun. Alamóc, pol. Ołomuniec

Das erstmals 1055 in einer Chronik erwähnte Olomucz/Olmütz ist mit rund 100.000 Einwohnern die sechstgrößte Stadt der Tschechischen Republik. Olmütz liegt an der Morava (deu. March) im Osten Tschechiens. Bis ins 17. Jahrhundert war der Ort Hauptstadt Mährens, später Bezirkshauptstadt und heute Verwaltungssitz der Region Olmütz (Olomoucký kraj).

, der Kurt Krolop Forschungsstelle für deutsch-böhmische Literatur an der Prager Karls-Universität und des Instituts für Literaturforschung (Institut pro studium literatury, IPSL) in 
Praha
deu. Prag, eng. Prague, lat. Praga, yid. פראג

Prag (Bevölkerungszahl 2024: 1.397.880) ist die Hauptstadt und die größte Stadt der Tschechischen Republik. Sie liegt im Zentrum des Staatsgebiets am Fluss Moldau. Die erste Prager Burg entstand wohl im 9. Jahrhundert. Im 10./11. Jahrhundert lebten in anfangs noch zwei benachbarten Burgsiedlungen neben der einheimischen Bevölkerung auch zugewanderte Juden. Zu Beginn der 1230er Jahre erhielt zunächst Prag Stadtrechte, 1257 folgten die Kleinseite (Malá Strana), 1320 Hradschin (Hradčany) als Burgstadt und 1348 die Prager Neustadt (Nové Město). Prag war von Anfang an Residenzstadt der böhmischen Herrscher und gehörte spätestens ab dem 12. Jahrhundert zum Heiligen Römischen Reich. Als Kaisersitz entwickelte sich Prag im 14. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Zentren des gesamten Reichs. Hier entstand 1348 die erste Universität Mitteleuropas. 1784 wurden die vier Städte auch formal vereinigt. Nach und nach, insbesondere 1920 bzw. nach der 1918 erfolgten Gründung der Tschechoslowakei, wurden weitere Orte eingemeindet. 1938-1945 wurde Prag die Hauptstadt des vom Deutschen Reich abhängigen Protektorats Böhmen und Mähren, nach der Zerschlagung des Reichs 1945 durch die Alliierten war Prag bis 1992 wieder die Hauptstadt der – nun sozialistischen – Tschechoslowakei. Nach dem Zerfall der Tschechoslowakei blieb Prag als Hauptstadt der Tschechischen Republik eine der kulturell, wirtschaftlich und politisch wichtigsten Städten Mitteleuropas.

 sowie der Einrichtung eines germanobohemistischen Schwerpunkts innerhalb des Instituts für tschechische Literatur der tschechischen Akademie der Wissenschaften (Prag und 
Brno
deu. Brünn

Die im Südosten der Tschechischen Republik gelegene Stadt Brünn (tsch. Brno) ist mit ca. 380.000 Einwohnern nach Prag die zweitgrößte Stadt des Landes. Sie löste 1641 Olmütz (tsch. Olomouc) als Hauptstadt Mährens ab. Heute ist Brünn/Brno Verwaltungssitz der Südmährischen Region (Jihomoravský kraj) und ein wichtiges Industrie-, Handels- und Kulturzentrum. Die Universitätsstadt ist Sitz des Verfassungsgerichts und des Obersten Verwaltungsgerichts Tschechiens.

) ist sie institutionell gut aufgestellt. An deutschen Universitäten und in der deutschsprachigen Öffentlichkeit ist der Forschungszweig hingegen noch immer zu wenig bekannt. Germanobohemisten untersuchen Entwicklungen und Wechselwirkungen deutsch- und tschechischsprachiger Literatur und Kultur komparatistisch, also nicht getrennt nach Nationalphilologien, und werden so der Komplexität des Gegenstands besser gerecht. Erstes Ergebnis dieser gemeinsamen Bemühungen ist das „Handbuch der deutschen Literatur Prags und der Böhmischen Länder“ (hrsg. von Peter Becher, Steffen Höhne, Jörg Krappmann und Manfred Weinberg, Stuttgart 2017). Die Münchner Vortragsreihe versucht, die Ergebnisse der internationalen germanobohemistischen und kulturwissenschaftlichen Forschung einem akademischen, aber auch breiteren Publikum zu vermitteln. Die Vorträge erscheinen in der Regel im folgenden Stifter Jahrbuch des Adalbert Stifter Vereins, einige sind auch im Youtube-Kanal des Adalbert Stifter Vereins zu sehen.

Informations-Bereich